Vaishnava Gemeinde Forum

Srila Prabhupada

Editorial by Acchedya das


Liebe Freunde, Gottschwestern und Gottbrüder,

In einem Berg von Briefen sitzend, wundern wir uns wirklich über die gute Resonanz, die unser kleines, bescheidenes Magazin bei Euch gefunden hat, aber man lernt halt nie aus. (You arejusta bunch of great souls...), und wir fühlen uns wirklich sehr bestärkt, und Sriman Vaidyanath und meine Wenigkeit sind von ganzem Herzen überzeugt, daß wir solange weitermachen sollten, bis sich aus dem kleinen illustren Kreis von beherzten Geschwistern eine Gruppe herausbildet, die an die guten Zeiten im Krishna-Bewußtsein anknüpfen möchte, und dafür bereit ist, ein gemeinsames Pro­jekt ins Auge zu fassen, z.B. Publikationen, Business, Schule, leben, Krishna lieben und lachen, fasten, feasten und chanten!Rose

Der Optimist sieht die Rose, der Pessimist die Dornen.

Wir verstehen uns halt nur als Medium der Anregung in Euren Diensten; es liegt auch viel bei Euch, ob wir gemeinsam etwas Schönes auf die Beine bekommen, um unseren spirituellen Meister zu erfreuen!

Ich weiß natürlich auch, wie schwer es vielen von uns fällt, wieder Vertrauen zu den alten Gottgeschwistern zu gewinnen. Aber meine Frage lautet: Ist ein Leben so viel besser ohne Euch, ein Leben, das uns doch ein wenig trennt von unseren alten Idealen und unseren Erkennt­nissen, eine bessere Zukunft zu schaffen im Jetzt! Ich selbst habe auch lange gerungen mit mir, ob es denn überhaupt opportun und angesagt ist, wieder Kontakte zu knüpfen zur Vergangen­heit. Nachdem viele Jahre ins Land zogen und ich auch nicht viel glücklicher wurde ohne den besagten Kontakt zu den Gottgeweihten (was nicht heißen soll, daß ich ein unglücklicher und verhärmter Mensch bin) - so ist es aber scheinbar doch so, daß mir etwas fehlte, und dies war schlicht und ergreifend der Kontakt zu ein paar lieben Seelen, die man auch landlä­ufig als erwachte Spiritualisten bezeichnen dürfte!

Eine Seele im Lärm der Welt

Im Grunde habe ich genug Kontakt zu Freunden aus meiner Vor-Devoteezeit; viele meiner alten Freundschaften habe ich wiederbelebt, und seit 1973, als ich in den Hamburger Tempel Kapitel­buschweg übersiedelte, sind viele im Business oder im Show- und Musikgeschäft weiter voran­gekommen, sind ernsthafte Künstler geworden, und wieder andere sind in die grüne Kommunal­politik gegangen, sind Stadt- und Landräte geworden. Mit allen habe ich in den letzten Jahren wieder viel zu tun bekommen, und es sind doch einige gute Seelen darunter, mit denen die Arbeit an gesellschaftspolitischen Veränderungen Spaß macht! Und doch stellen diese sozialen Kontakte nicht gänzlich zufrie­den, manch guter Kontakt zu devotees is ein­fach wertvoller und liebevoller gewesen.

Es erscheint mir oft, als verbinde uns doch mehr als wir zu glauben bereit sind, jeden­falls empfinde ich oft so. Wie oft gehen vor meinem inneren Auge die Zeiten in den Siebzi­gern vorüber, als ich voll Enthusiasmus die ersten deutschen Bhagavad-gitas verteilte, wie im Traum durch die Einkaufszentren pflügte, und jeden, der offen erschien, überzeugen konnte, dieses wichtige Buch doch einmal mit­zunehmen und zu lesen! - Oder meine Zeiten als Tempelkoordinator, als ich mich von morgens um drei bis spät in die Nacht hinein in Bliss um alle Belange der Lieben um mich herum kümmerte - oder die nektargleiche Zeit mit meinem ver­ehrten Gottbruder Astaratha Prabhu als Pujari, als ich viel Demut lernen konnte und mußte. Nie konnte ich diese Zeit vergessen; sie ist das innere Heiligtum meines seelischen Tem­pels.

Diese so vielen witzigen und guten Erinnerun­gen wiegen viel mehr als der ganze schmutzige Politfilm, der ab 1978 über uns hereinbrach. Ich war wohl auch zu blauäugig und zu ideali­stisch, um zu begreifen, was nach dem Tode Prabhupadas in ISKCON für ein Wind zu wehen begann; ich merkte nur, daß es meine Zeit war, nach einer Veränderung zu suchen.

Es ist besser, offen zu tadeln, als heimlich Haß zu tragen. - Jesus Sirach

Und ich darf mich auch nicht beklagen, denn ich bin gesund - soweit - habe meinen Glauben nicht verloren, liebe Krishna, soweit in mei­nen Kräften vorhanden, und achte Srila Prabhu­padas Mission mehr denn je als das Beste, was mir hätte in diesem Leben zustoßen können!

The Sweet Lord's League of Devotees

Das ist auch der Grund, warum ich gern an diesem Rundbrief mitarbeiten möchte. Ich den­ke, es ist ja doch der kleinste Nenner, auf den man zu einigen sich imstande fühlen soll­te!

Wenn wir schon so viele Interessen und Aktivi­täten haben, die verhindern, daß wir mehr zusammenkommen und -wirken können, so finde ich, daß die Idee des VAISHNAVA-FORUMS "just pretty" ist - ein Platz halt, ein Marktplatz der Gefühle, könnte man sagen; wir müssen lernen, uns zu öffnen und zu geben; dann kann für uns alle dies ein Ort der Inspiration und der aktiven Liebe zu Prabhupada darstellen. Und so wie die Sonne uns wärmt und uns Liebe beweist, so wird Sweet Lord Govinda unter uns weilen und uns wärmen mit Seiner ans Herz gehenden Gefühlswelt, die man nur findet in der Gemeinschaft mit devotees, die sich spiri­tuell behandeln als wertvolle Seelen, und als der Kreis von Erwählten, die an der nektar­gleichen Frucht von Krishnas Zuneigung schlecken dürfen.

Zwanglos möchte ich, wenn überhaupt, Ideen und Meinungen mit Gottbrüdern, die den Namen ver­dienen, austauschen, über Wünsche sprechen und schreiben, wenn möglich, irgendwo helfen - oder es gibt doch so viel, was zusammen zu erleben und zu empfinden es sich lohnt. "Zu­sammen" als Erweiterung von "allein" genießen ist halt eine Form der Erkenntnis, vielleicht keine große, aber eine schöne, gefühlsbetonte, mir liebe Form!

Ein Tropfen Liebe ist mehr als ein Ozean an Wille und Verstand. - Blaise Pascal

Nein aber, oder doch, nun ja, ich denke, worum es mir geht, ist den ganz persönlichen Aspekt wieder hervorzuheben im Umgang mit anderen Seelen, und deshalb wäre es zu prüfen, meine ich, ob es nicht unter Umständen ganz interes­sant wäre, wieder an gewissen Dingen mit Men­schen zu arbeiten, die Srila Prabhupada wei­terhin als ihren spirituellen Meister akzep­tieren. Und weiterhin finde ich auch, daß wir ältere devotees dazu beitragen könnten, uns, obwohl wir alle verschieden ticken, irgendwie doch alle in Srila Prabhupadas Mission zu beschäftigen, indem wir uns als innovativ und experimentierfreudig dem Problem der geistigen Enge annehmen. Wenn nicht wir, wer dann sonst? Wir sind Srila Prabhupadas Kinder - uns, ob wir nun innerhalb oder außerhalb der Tempel wohnen, ist die Aufgabe gestellt, es zu mei­stern, vielleicht auf unsere ganz ureigene Art, vielleicht nicht immer auf die Art und Weise, die uns von außen vorgesetzt wird,    

Aber darum geht es ja nicht. Selbst wenn die Welt nicht durch den dhoti zu Krishna kommt, sondern z.B. durch die Musik und die Lieder eines George Harrison, dann ist das doch auch o.k., maybe even wunderbar. Ich sehe darin doch nur die unendliche Güte Sri Krsnas, allen die Türen aufzumachen, die sich Ihm zu Füßen legen. Und daß es sogar im Sinne unseres spi­rituellen Meisters wäre, ist ja unbestritten. Ich hätte gern einen älteren Gottbruder als Weggefährten und weisen Führer im Format eines George Harrison!

Liebe Geschwister, machen wir uns doch einmal frei von vergangenen Vorstellungen, die wie so vieles immer befrachtet sein werden mit nega­tiven Erfahrungen und falschen Vorstellungen. Was wir brauchen um das Gesicht der Welt zu verändern ist ein neuer, frischer Spirit; etwas Krea­tives und innovatives gilt es zu schaffen. Es gilt die Initiative wieder zu gewinnen. Ein wesentlicher Aspekt unserer zukünftigen Erfolge wird davon abhängen.

Das war auch der Grund der mich beflügelte, meine Gedanken und Ge­fühle zu veröffentlichen. Ich sehe in unserem Projekt "Vaishnava Forum" die richtige Antwort auf unseren Wunsch wieder mehr Kontakt miteinan­der zu haben!

Ob es nun über brennende Themen wie Kinder im Krsnabewußtsein und Kids in der Schule, Erziehung ganz allgemein, Eheberatung oder Haus­hältertum als Grundstein einer jeder Gesellschaft geht. Oder um Aspekte des erneuten Zusammenwirkens, oder warum ein Zusammenwirken aus welchen Gründen auch immer für viele von uns nicht mehr aktuell oder möglich erscheint

So möchten wir zu vielen Dingen, die die Devotees beschäftigen, Stellung nehmen. Unsere League of Devotees ist im Grunde nur eine weitere Form sich zu treffen und Gemeinschaft zu pflegen. Ein Club der Gottgeweihten, der zu aktuellen Themen der Zeit Stellung nehmen möchte. Und auch bereit ist, über kontroverse Themen zu diskutieren.

Zum Beispiel:

•     Welche Rolle nimmt im Jahr 2ooo die Frau in Iskcon ein?
•     Wie könnte eine harmonische Familienplanung aussehen?
•     Was sollten Eltern wissen, die ihre Kids (speziell Boys) dem Head­master der Mayapur Gurukula anvertrauen?
•     Ist die bemannte Landung im Milchozean möglich, oder ist das ganze als kosmischer Witz zu verstehen?
•     Müssen wir maybe umdenken in vielerlei Hinsicht?
•     Oder wie ist ein Minimieren der Scheidungsrate zu erreichen?

Dieses und noch viel mehr,- meinen wir von der League of Devotee,- muß nicht verdrängt und totgeschwiegen werden, sondern aufgearbeitet und in's Lot gebracht werden. Denn nur wenn unsere Bewegung sich rein hält (im wahrsten Sinne des Wortes), besteht für sie eine Überlebenschance und wird erst richtig attraktiv für Menschen mit moralischen Ansprüchen und Einfluss!

Unser geistiger Meister Srila Prabhupada setzte ja große Hoffnung in uns. Mögen wir lernen, zusammen aus dem Samen einen Baum zu züchten. Wie wir maybe wissen kann das nur wirklich passieren wenn wir akzep­tieren, dass ein großer Baum viele Zweige und Verästelungen hat und auch braucht zum Leben! Ich habe diesen Punkt ja schon im letzten Magazin angerissen und meine, daß dies Bewußtsein bei einer erweiterten Sicht­weise der Vaishnava-Wertgemeinde auch wirklich notwendig ist oder wird. Srila Prabhupada hat uns meine ich zugetraut, daß wir gegen alle Widrig­keiten des materiellen Daseins kämpfend doch letztlich den Sieg davon­tragen könnten in dem wir lernen besser zu kooperieren.

Siehe dazu Srila Prabhupada "on Cooperation again"

"I am very sorry that Satyavrata has left us on some petty sentimental thing. Please ask him to come back and excuse me if I have Struck his sentiments"
Letter to Rayarama, 1.11/68

"Dissagreement may be there, but there should be no dissention"
Letter toUmapatJ, 30.5/68

"You are all limbs of my body. Unless you cooperate my life will be useless"
Letter to Brahmananda, 17.7/68

Man muß nicht unbedingt das Licht des anderen ausblasen, um das eigene leuchten zu lassen. Chanakya Pandit

Und ich finde, was zu tun ist und was es wert sei spielt kaum eine Rolle. Ich für meinen Teil möchte mit diesen krankmachenden Vorurteil aufräu­men das nur gewisse Aktivitäten viel wert seien (z.B. Buchverteilung, Buchdruck, Finanzbeschaffung und P. R.) und andere, weniger auffallen­de, weniger leuchtende und im Rampenlicht stehende Dienste abwertend beurteilt wurden,- wie ein jeder weiß. Ich sage, alle Dienste sind gleich wertvoll - im Angesicht Krsnas.

Und nur mißverstandene Philosophie und Hauspolitik plus der Wunsch nach Machterhaltung Einiger ist schuld daran, daß wir eine zerrissene Gemeinde darstellen. Und das war sicher nicht im Sinne Prabhupadas. Ich weiß, daß was in den letzten Zeilen steht sehr kontrovers aufgenom­men wird, aber es belastet mein Herz und meine Gedanken. Und so meine ich: Nicht Friede, Freude, Butterkuchen sind der Weg, sondern das ehr­liche Aufarbeiten von Sorgen, die viele von uns belasten.

Geständnisse erleichtern die Seele, aber sie erschweren die Karriere.

Man hat nur etwas mit jemandem zu tun, mit dem man etwas zu tun hat.
Bharata u. Acchedya
Bharata und Acchedya

Das ist in letzter Zeit mein Motto geworden und ich denke, wir liegen hier so ziemlich an der Wurzel vieler Probleme! Ich stehe außerdem auf dem Standpunkt, das was Prabhupada konnte und uns lehrte müssen wir auch lernen. Vergebung, Mitleid und immer wieder Nachsicht mit dem Schwäch­sten von uns. Ich bin gerne bereit dazu, möchte aber eine Klärung und Aufarbeitung bezüglich vieler Ungereimtheiten. Was nützt uns ansonsten eine Reunion, wenn die Probleme die uns entzweiten nicht auf den Tisch oder die Tagesordnung kommen, bevor man wieder in Zuneigung ein großes hundertjähriges Festival abhält? Meine Intelligenz rät mir, an keiner Farce teilzunehmen, aber jede ehrliche Anstrengung im Sinne Prabhupadas zu unterstützen!

Treue bedeutet nicht, immer dazubleiben,
sondern immer wiederzukommen.

So, und nun zur Versöhnungsfrage. Die, die es angeht, wissen was ich meine. Wir hatten also genug Zeit unsere Wunden zu lecken, einigen etwas Gutes, anderen etwas Böses zu wünschen. Auch hatten wir genü­gend Zeit uns in Selbstmitleid zu ertränken! Wir wollen also nicht mehr darüber streiten, wie das Kind in den Brunnen gefallen ist sondern lernen es vor dem Ertrinken zu retten. Das ist es, was Acchedya Das von Srila Prabhupada zu channeln weiß.

Alles Alte, soweit es Anspruch darauf hat, wollen wir lieben. Aber für das Neue wollen wir leben.

Euer Diener Acchedya Das

 


HARE KRISHNA, HARE KRISHNA, KRISHNA KRISHNA, HARE HARE,
HARE RAMA, HARE RAMA, RAMA RAMA, HARE HARE
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