Vaishnava Gemeinde Forum

Srila Prabhupada

Brief von Asok Kumar und Taponidhi das

 

Bielefeld, den 2.9.93

Lieber Vaidyanath Prabhu,

bitte nimm meine demütigen Ehrerbietungen entgegen. All glories to Srila Prabhupada!

Danke für den Vorschlag eines Treffens mit Sacinandana Swami. Leider kann ich an dem Wochenende nicht, da mein Vater für einen Kurzurlaub verreist ist und ich - wie man so sagt - die Stellung halten muß. Voraussichtlich kommen wir am darauf folgenden Wochenende nach Hamburg. Ich wünsche mir seit längerem sehr, unsere Gespräche weiterzuführen.

Asok Kumar das - 1974
   Asok Kumar das - 1974

Ach ja, vor einiger Zeit telefonierte ich mit Sukrita. Wir sprachen dabei auch über die neue Publikation. Er ließ mich durch die Blume wissen, daß Du in Zukunft wohl solche Briefe wie den von Taponidhi nicht mehr veröffentlichen wirst. Ich finde, wenn die wenigen Prabhupada - Schüler in ihrem Forum nicht das ausdrücken dürfen, was ihnen auf dem Herzen liegt, dann wird der Prabhupada-Reunion eine große Chance genommen.

Die Gottbrüder bzw. Gottschwestern, welche anderer Meinung sind, können hierzu ja Leserbriefe schreiben. Dies kann einen Dialog ins Leben rufen, der eine Vertiefung der Zusammenarbeit ermöglicht. Oder ganz einfach ausgedrückt: "Wir müssen über die Dinge reden, um etwas zu bewegen." Mit Zensuren versucht man meistens, den Status Quo zu erhalten ... aber ich denke nicht, daß wir dies wollen.

Ich freue mich darauf, Dich bald mal wieder zu treffen.

Dein Diener
Asok Kumar das



 

Brief von Taponidhi Prabhu

Lieber Vaidyanath, vielen Dank für deinen Anruf und Deinen Rundbrief mit dem Prabhupada -Toshani.

Ich kann deine Gefühle gut nachvollziehen und finde es gut, daß Du konkret Initiative ergreifst, um Deine Situation zu ändern. Was mich betrifft, so glaube ich nicht, daß der von Dir beschrittene Weg oder das angestrebte Ziel auch mir entspricht. Wie Du ganz richtig schreibst, sind wir Prabhupada-Schüler (oder eigentlich ganz ISKCON) vom Aussterben bedroht. Warum ist das so?

Nun, wenn wir uns die Entwicklungsgeschichte anschauen, so sind immer nur solche Spezies ausgestorben, die sich nicht den veränderten Lebensumständen anzupassen wußten. In ähnlicher Weise bin ich zu dem Schluß gekommen, daß ISKCON die geistige Flexibilität fehlt, um auf Dauer überleben bzw. die ihr von Prabhupada gegebene Aufgabe zu erfüllen. Es ist natürlich wünschenswert, wenn Du und andere Devotees den Versuch unternehmen, in diese Richtung zu arbeiten.

Mir ist die Auseinandersetzung mit einer Institution mit all ihrem Machtgehabe usw. ehrlich gesagt zu mühsam. Ich versuche, den Juwel, den uns Srila Prabhupada gegeben hat, im Stillen zu schleifen und zu polieren. Mir ist die Zurschaustellung von sog. spirituellem Fortschritt (eigentlich ist es ein blindes beamtenmäßiges Befolgen von nicht verstandenen Anweisungen) zuwider. Somit hat mich auch die Einladung zum Festival in London nicht begeistert. Im Prabhupada-Toshani fand ich dann auch gleich wieder lautstarke politischen Parolen, die meiner Meinung nach kaum zur Ehre Prabhupadas beitragen.


Taponidhi - rechts - bei seiner Einweihung
1974 in Schloss Rettershof - Taunus

Ich finde es wirklich peinlich, wenn auch heute immer noch die Devotees von einem Mega-Ereignis zum nächsten mit Superlativen aufgeputscht werden. Von Nachdenklichkeit und etwas Selbstkritik und Besinnung auf das Wesentliche liest man bezeichnenderweise erst auf der letzten Seite im letzten Leserbrief (Gopavrindapala, den ich übrigens persönlich aus L.A. kenne). Solange solche Stimmen so unterrepräsentiert sind, werden die machthabenden GBCs, Gurus usw. ihren amerikanischen Schwarz-Weiß-Stil wohl kaum verändern.

Wie gesagt, mir ist es jedenfalls zu mühsam, meine Zeit und Energie da zu investieren. Dies alles schreibe ich natürlich aufgrund meiner Erfahrungen mit ISKCON. Du magst andere, positive Erfahrungen oder Erinnerungen haben, und dann solltest Du Dich auch ermutigt und ermächtigt fühlen, irgend etwas zu erreichen. Aber brauchst Du dazu wirklich ISKCON? Wie lange hat Srila Prabhupada ganz allein seinem Meister gedient, ohne Unterstützung der korrupten Gaudiya Math! Ist er nicht vielleicht erst deshalb in der Lage gewesen, das zu erreichen, was er erreicht hat?

Die Tatsache, ein eigeweihter Schüler von Prabhupada zu sein, kann Dir ISKCON nicht nehmen und ist nicht von ISKCON abhängig. Wenn ich Dir als Gottbruder einen Rat geben darf, so mache Dich nicht von der Billigung oder Mißbilligung dieser Institution abhängig, wie es Prabhupada zu seiner Zeit auch nicht getan hat. Folge Deinem Herzen, und Du wirst das Richtige für Prabhupada tun.

In diesem Sinne wünsche ich Dir und Deinen Projekten viel Erfolg und den Segen unseres Meisters!

Taponidhi dasa

HARE KRISHNA, HARE KRISHNA, KRISHNA KRISHNA, HARE HARE,
HARE RAMA, HARE RAMA, RAMA RAMA, HARE HARE
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