Vaishnava Gemeinde Forum

Srila Prabhupada

Brief von Krsna-Ksetra Prabhu

 

Umdenken in ISKCON...

Korsnäs Gärd, Schweden, den 8. August 1993

Lieber Vaidyanatha Prabhu!

Bitte akzeptiere meine demütigen Ehrerbietungen. Alle Ehre sei Srila Prabhupada!

Hab Dank für die beiden letzten Ausgaben der "Vaisnava-Gemeinde" und die Einladung zu Srila Prabhupadas Vyasa-puja-Feier auf Nrisimha-ksetra. Ich werde zu dieser Zeit in Schweden sein und zusammen mit Devotees in Almvik dieses Fest feiern, aber ich wünsche Dir ein inspirierendes Festival in Deutschland.

Angeregt von Deinen Bemühungen, Schüler Srila Prabhupadas zusammenzuführen und den Ideen, die Du in der letzten Ausgabe der "Vaisnava-Gemeinde" zum Ausdruck gebracht hast, habe ich mir einige Gedanken gemacht:

In einem Brief in der "Vaisnava-Gemeinde" schrieb ein Gottbruder: "Die unausgesprochene Regel lautet heutzutage: Macht neue Gottgeweihte -laßt die älteren Gottgeweihten, die bereits einen Großteil Ihrer wertvollsten Lebensabschnitte geopfert haben, Srila Prabhupada zu dienen, links liegen! So wird ein endloser Personalumsatz gemacht-nur um die Institution um der Institution willen zu erhalten."

Vielleicht ist ein Körnchen Wahrheit in diesen Worten, auch wenn sie meiner Meinung nach das Problem zu sehr vereinfacht darstellen. Wie dem auch sei, diese Kritik ist eine Herausforderung an uns alle, uns zusammenzufinden, um Srila Prabhupada zu erfreuen, indem wir seine Anweisungen befolgen, ihm gemeinsam je nach unseren individuellen Fähigkeiten zu dienen und zu zeigen, daß es eine lebendige Krishna-bewußte Kultur geben kann-nicht nur als eine "Institution um der Institution willen", sondern als eine bedeutende Gemeinschaft zur Verherrlichung Krishnas.

Es scheint eine unausgesprochene Befürchtung von zwei Seiten zu bestehen, die uns darin hindert, das Problem erfolgreich anzugehen. Diejenigen, die sich "links liegen gelassen" fühlen, befürchten von einer Organisation "herumgestoßen" (oder zur Seite gestoßen zu werden), die aus Unbeholfenheit und Unreife zuweilen über sich selbst stolpert-aufgrund zu vieler Pläne und zu wenig Feingefühl. Und diejenigen, die aktive Mitglieder der Organisation (d. h. der ISKCON) sind, befürchten, daß im Namen von Einigkeit und Zusammenarbeit wir uns zu einer "Schulterklopfengesellschaft" entwickeln, die nicht mehr den strikten Anordnungen unseres spirituellen Meisters folgen kann, eine reine Lebensführung beizubehalten und energisch die Botschaft Sri Caitanya Mahaprabhus zu predigen.

Mir scheinen aber durchaus Gründe zur Hoffnung zu bestehen, daß wir diese Befürchtungen überwinden können.

Mich persönlich hat in den letzten zwei Jahren meine Teilnahme an den internationalen, jährlichen GBC-Treffen in Mayapur inspiriert. Der GBC bat mich, als "Monitor for Deity worship" in der ISKCON tätig zu werden, und in dieser Funktion konnte ich den Verlauf der GBC-Treffen gut beobachten. Wie ich selbst erfahren konnte, sind diese Treffen und die Personen, die daran teilnehmen, nicht so, wie viele "von außen" her denken mögen. In der ISKCON werden jetzt Themen immer wieder kreativ diskutiert und durchdacht, die alle Devotees betreffen - nicht nur Themen, die nur eine nach Einfluß strebende Gruppe von Ehrgeizlingen betreffen. Es ist nicht der Fall, daß alle führenden Gottgeweihte in der ISKCON vor den Schwächen unserer Gesellschaft ihre Augen verschließen oder den Belangen all derer gleichgültig gegenüber stehen, die auf irgendeine Weise bei Srila Prabhupada Zuflucht gesucht haben.

Was ich besonders beim GBC zu schätzen gelernt habe, ist die Auswahl neuer GBC Mitglieder aufgrund spiritueller Verdienste: Letzten März wurde zum Beispiel Rohini-suta Prabhu in den GBC gewählt, und zwar nicht, weil er ein erfahrener Manager wäre, sondern, weil er die Fähigkeit besitzt, Gottgeweihte zu inspirieren, insbesondere bei der Buchverteilung.

Laßt uns nicht vergessen, daß es Srila Prabhupada war, unser spiritueller Meister, der die ISKCON, die Internationale Gesellschaft für Krishna-Bewußtsein, gegründet hat und daß er uns, seine Schüler, vor allem darum gebeten hat, zusammenzuarbeiten, um seiner Gesellschaft zum Erfolg zu verhelfen. Kann irgend jemand unter uns sich damit zufrieden geben, die ISKCON einfach deswegen abzuschreiben, weil sie nicht dem Anspruch genüge, den sie erfüllen sollte, und daher besser ganz gemieden werden sollte? Ist es nicht als Schüler Srila Prabhupadas unsere Pflicht, uns um die ISKCON bis zu unserem letzten Atemzug zu kümmern? Ist dies nicht ein vortreffliche Möglichkeit, "den Juwel zu polieren", den uns Srila Prabhupada in seiner Güte gegeben hat? Wenn die ISKCON Schwächen hat (und ohne Zweifel ist dies der Fall -kein Wunder bei solch einer jungen Gesellschaft, die die nächsten 10.000 Jahre fortbestehen soll), sollten wir doch denken: "Was kann ich dazu beitragen, Srila Prabhupadas ISKCON zu verbessern?"

In seiner Vyasa-puja Opferung vom letzten Jahr schrieb unser Gottbruder Sridhara Swami die folgenden Sätze, die ich für uns zutreffend finde: "Srila Prabhupada, Du hast darum gekämpft, Krishna-Bewußtsein in Amerika stark zu machen. Nun ist es an uns, Deinen Schülern, darum zu kämpfen, Deine Bewegung wieder aufzubauen, nachdem wir sie verkümmern ließen. Jetzt ist nicht die Zeit, irgendeine Einzelperson oder irgendeine Gruppe für unsere Lage verantwortlich zu machen. Jetzt ist die Zeit, daß alle ernsthaften Gottgeweihten vortreten und zusammenarbeiten, um Deinen Ruhm wieder erstrahlen zu lassen, solange sie noch gesund und am Leben sind."

Srila Prabhupada teilte uns einmal das Erfolgsgeheimnis eines Predigers des Krishna-Bewußtseins mit: "Man muß den Mut eines Engländers haben und das Herz einer bengalischen Mutter." Ich denke, das läßt sich ebenso auf die Aufrechterhaltung unserer Gemeinschaft von Gottgeweihten wie auf ihre Erweiterung anwenden. Wir alle brauchen Mut und ein sanftes Herz, damit wir der besonderen Bemühung gewachsen sind, getreu Srila Prabhupadas Anweisung im Dienste Krishnas zusammenzuarbeiten. Srila Prabhupada schrieb einmal in einem Brief:

"Deine Wertschätzung für den Dienst Deiner Gottbrüder ist sehr lobenswert. Es ist tatsächlich die Aufgabe eines Gottgeweihten, daß er den Wert der anderen Gottgeweihten zu schätzen weiß. Niemand sollte jemand anderes kritisieren, denn jeder ist je nach seinen Fähigkeiten in Krishnas Dienst beschäftigt. Was Krishna sehen möchte ist, wie aufrichtig jemand Ihm dient." [SPL 19-8-68]

Ich denke, Deine ersten Bemühungen, die Kommunikation zwischen Schülern von Srila Prabhupada in Deutschland zu ermutigen, sind lobenswert Versuche, beide Arten von Befürchtungen, die ich schon zuvor erwähnt habe, hier in diesem Land zu überwinden. Wollen wir vorwärts gehen mit Mut und einem sanften Herz und die Anweisungen Srila Prabhupadas ehren und befolgen. Ich hege Hoffnungen, daß wir durch Srila Prabhupadas Gnade all unsere Schwächen überwinden und sinnvolle Wege finden werden, ihm gemeinsam zu dienen.

Ich möchte die Gelegenheit wahrnehmen, all meine Gottbrüder und -Schwestern, die diesen Brief lesen, um Vergebung für alle Vergehen zu bitten, die ich wissentlich oder unwissentlich ihnen gegenüber in der Vergangenheit durch das, was ich getan oder versäumt habe, zu tun, begangen haben mag. Ich bin ein Mensch ohne Feingefühl, und ich bitte darum, für alle Fehler berichtigt zu werden, die ich in meiner Unwissenheit oder Arroganz, in meinen Gedanken, Worten und Werken gemacht habe.

Ich möchte die Gelegenheit wahrnehmen, all meine Gottbrüder und -Schwestern, die diesen Brief
lesen, um Vergebung für alle Vergehen zu bitten, die ich wissentlich oder unwissentlich ihnen
gegenüber in der Vergangenheit durch das, was ich getan oder versäumt habe, zu tun,
begangen haben mag. Ich bin ein Mensch ohne Feingefühl, und ich bitte darum,
für alle Fehler berichtigt zu werden, die ich in meiner Unwissenheit oder
Arroganz, in meinen Gedanken, Worten und
Werken gemacht habe.

Ich Wünsch Dir viel Erfolg

Dein Diener
Krsna-ksetra dasa



HARE KRISHNA, HARE KRISHNA, KRISHNA KRISHNA, HARE HARE,
HARE RAMA, HARE RAMA, RAMA RAMA, HARE HARE
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