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Die Transzendentalen Spiele Sri Krishnas
Von Seiner Heiligkeit A.C. Bhaktivedanta Swami Prabhupada

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Einleitung

Krsna! Krsna! Krsna! Krsna! Krsna! Krsna! Krsna! he
Krsna! Krsna! Krsna! Krsna! Krsna! Krsna! Krsna! he!
Krsna! Krsna! Krsna! Krsna! Krsna! Krsna! raksa mam!
Krsna! Krsna! Krsna! Krsna! Krsna! Krsna! pahi mam!
Rama! Raghava! Rama! Raghava! Rama! Raghava! raksa mam!
Krsna! Kesava! Krsna! Kesava! Krsna! Kesava! pahi mam!
Sri Caitanya-caritamrta (Madhya 7.96)


Bevor ich beginne, dieses Buch »Krsna« zu schreiben, möchte ich zunächst meinem geistigen Meister, Om Visnupada 108 Sri Srimad Bhaktisiddhanta Sarasvati Gosvami Maharaja Prabhupada, meine respektvollen Ehrerbietungen erweisen. Lassen Sie mich meine respektvollen Ehrerbietungen auch dem Ozean der Barmherzigkeit, Sri Krsna Caitanya darbringen. Er ist der Höchste Persönliche Gott, Krsna, der als Gottgeweihter erschien, um die höchsten Prinzipien des hingebungsvollen Dienens zu verbreiten. Sri Caitanya begann Seine Predigt in Gauda-desa (West-Bengalen). Und da ich zur Madhva-Gaudiya-sampradaya gehöre, erweise ich auch unserer Nachfolge der geistigen Meister meine respektvollen Ehrerbietungen. Die Madhva-Gaudiya-sampradava ist auch als Brahrna-sampradaya bekannt, weil diese Nachfolge ursprünglich mit Brahma begann. Brahma lehrte den Weisen Narada das vedische Wissen, Narada unterwies Vyasadeva, und Vyasadeva gab es an Madhva Muni bzw. Madhvacarya weiter. Madhavendra Puri, der Gründer der Madhva-Gaudiya-sampradaya, gehörte der Madhvacarya-Nachfolge der geistigen Meister an; er hatte sowohl unter sannyasis (die sich auf der Lebensstufe der Entsagung befinden) als auch unter Haushältern viele berühmte Schüler, wie Nityananda Prabhu, Advaita Prabhu und Isvara Puri. Isvara Puri war der geistige Meister von Sri Caitanya Mahaprabhu. Lassen Sie uns also unsere respektvollen Ehrerbietungen Isvara Puri, Nityananda Prabhu, Sri Advaita Acarya Prabhu, Srivasa Pandita und Sri Gadadhara Pandita darbringen. Lassen Sie uns als nächstes unsere respektvollen Ehrerbietungen Svarupa-damodara darbringen, dem Privatsekretär Sri Caitanya Mahaprabhus, und lassen Sie uns Sri Vasudeva Datta und dem ständigen Diener Sri Caitanyas, Sri Govinda, dem ständigen Freund Sri Caitanyas, Mukunda, und auch Murari Gupta unsere respektvollen Ehrerbietungen erweisen. Und lassen Sie uns schließlich unsere respektvollen Ehrerbietungen den sechs Gosvamis von Vrndavana darbringen: Sri Rupa Gosvami, Sri Sanatana Gosvami, Sri Raghunatha Bhatta Gosvami, Sri Gopala Bhatta Gosvami, Sri Jiva Gosvami und Sri Raghunatha dasa Gosvami.

Krsna Selbst hat in der Bhagavad-gita erklärt, daß Er der Höchste Persönliche Gott ist. Immer dann, wenn die regulierenden Prinzipien des religiösen Lebens nicht mehr befolgt werden und Irreligiosität überhandnimmt, erscheint Er, um die Dämonen zu vernichten und die Gottgeweihten zu schützen. Mit anderen Worten: Als Sri Krsna, der Herr, erschien, war es notwendig, die Last der sündigen Handlungen, die sich auf diesem Planeten bzw. in diesem Universum angesammelt hatte, zu verringern. Für Angelegenheiten der materiellen Schöpfung ist Maha-Visnu, Krsnas vollständige Erweiterung, verantwortlich. Wenn der Herr erscheint, geht diese Inkarnation also von Visnu aus. Maha-Visnu ist die ursprüngliche Ursache der materiellen Schöpfung, und Er erweitert Sich zu Garbhodakasayi Visnu und dann zu Ksirodakasayi Visnu. Im allgemeinen sind alle Inkarnationen, die im materiellen Universum erscheinen, vollständige Erweiterungen Ksirodakasayi Visnus. Daher ist die Verminderung der Überlast sündigen Tuns nicht die Aufgabe des Höchsten Persönlichen Gottes Selbst. Vielmehr begleiten Krsna, wenn Er erscheint, alle Visnu-Erweiterungen, sowie auch verschiedene andere Erweiterungen, wie Narayana, die vierfache Erweiterung Vasudeva, Sankarsana, Pradyumna und Aniruddha, die vollständige Teil-Erweiterung Matsya (die Fisch-Inkarnation), andere yugavataras (die Inkarnationen in den jeweiligen Zeitaltern) und die manvantaravataras (die Inkarnationen Manus) - sie alle vereinigen sich und erscheinen zusam­men mit Krsna, dem Höchsten Persönlichen Gott. Krsna ist das Vollkommene Ganze, und alle vollständigen Erweiterungen und Inkarnationen leben stets mit Ihm zusammen. Als Krsna erschien, war Visnu also ebenfalls bei Ihm. Krsna erscheint in Wirklichkeit, um Seine Vrndavana-Spiele zu offenbaren und die unglücklichen, bedingten Seelen anzuziehen und zur Rückkehr nach Hause, zurück zu Gott, zu bewegen. Das Töten der Dämonen geschah gleichzeitig mit Krsnas Spielen in Vrndavana, wurde jedoch von Seiner Visnu-Erweiterung ausgeführt. In der Bhagavad-gita wird im 20. Vers des Achten Kapitels gesagt, daß es noch eine andere, ewige Natur gibt, den spirituellen Himmel, der transzendental zur manchmal manifestierten und manchmal unmanifestierten Materie ist. Die manifestierte Welt besteht, wie man sehen kann, aus Sternen und Planeten wie Sonne und Mond; doch jenseits davon existiert ein unmanifestierter Teil der Schöpfung, der niemandem, der sich in einem materiellen Körper befindet, zugänglich ist. Und jenseits dieses Bereiches der unmanifestierten Materie liegt die spirituelle Welt. Diese Welt wird in der Bhagavad-gita als das höchste und ewige Reich beschrieben, das niemals vernichtet wird. Die materielle Natur ist der wiederholten Schöpfung und Vernichtung unterworfen, doch die spirituelle Natur bleibt wie sie ist -- für ewig. Das höchste Reich des Persönlichen Gottes, Krsnas, wird in der Brahma-samhita als das cintamani-Reich beschrieben. In diesem Reich, das als Goloka Vrndavana bekannt ist, stehen zahllose Paläste, die aus Steinen der Weisen (cintamani) erbaut sind. Die Bäume dort werden »kalpa-vrksas« (Wunschbäume) und die Kühe »surabhi« genannt. Der Herr wird von Hunderttausenden von Glücksgöttinnen bedient; Sein Name ist Govinda, und Er ist der Urerste Herr, die Ursache aller Ursachen. Er spielt wundervoll auf Seiner Flöte, Seine Augen gleichen Lotosblütenblättern, und die Farbe Seines Körpers ähnelt der einer blauschwarzen Wolke. In Seinem Haar steckt eine Pfauenfeder, und Er ist so wunderschön, daß Er Tausende von Liebesgöttern an Schönheit übertrifft.

Sri Krsna gibt in der Gita nur einen kleinen Hinweis auf Sein persönliches Reich, den höchsten Planeten im spirituellen Himmel; doch im Srimad-Bhagavatam wird ausführlich geschildert, wie Krsna mit all Seinen Gefährten erscheint und Seine transzendentalen Spiele in Vrndavana, Mathura und Dvaraka entfaltet. In diesem Buch werden all diese Spiele nach und nach beschrieben. Krsna erschien in der Yadu-Dynastie, die von der Familie des Mondgottes Soma abstammte. Es gibt zwei verschiedene ksatriya-Familien des königlichen Standes - eine, die vom Mondgott, und eine, die vom  Sonnengott ausgeht. Immer, wenn der Höchste Persönliche Gott er­scheint, erscheint Er im allgemeinen in einer ksatriya-Familie, weil Er die religiösen Prinzipien bzw. die Regeln einer rechtschaffenen Lebens­weise wieder einführen will. Die ksatriyas sind nach dem vedischen System die Verwalter und Beschützer der menschlichen Gesellschaft. Als der Höchste Persönliche Gott als Sri Ramacandra auf die Erde kam, erschien Er in der Familie, die vom Sonnengott Raghu-vamsa abstammte, und als Er als Sri Krsna erschien, tat Er dies in der Familie Yadu-vamsas. Im Srimad-Bhagavatam wird im 24. Kapitel des Neunten Cantos eine lange Liste der Könige der Yadu-vamsas aufgeführt, die alle sehr bedeutende und mächtige Herrscher waren. Krsnas Vater, Vasudeva, war der Sohn Surasenas, eines Nachkommen der Yadu-Dynastie.

In Wirklichkeit gehört der Höchste Persönliche Gott natürlich zu keiner Dynastie der materiellen Welt, doch durch Seine Gnade wird die Familie, in der Er erscheint, berühmt. Sandelholz z. B. kommt zum größten Teil aus Malaya. Dieses Holz wächst natürlich auch außerhalb von Malaya, doch weil es zufällig meistenteils aus Malaya kommt, ist Malaya für sein Sandelholz bekannt. Ebenso gehört Krsna, der Höchste Persönliche Gott, zu keiner bestimmten Familie, doch wie die Sonne im Osten aufgeht, obwohl es noch andere Richtungen gibt, aus denen sie aufgehen könnte, erscheint auch Gott nach Seiner Wahl in einer be­stimmten Familie und macht diese somit berühmt.

Wenn Krsna erscheint, wird Er von all Seinen vollständigen Erweite­rungen begleitet. Auch Sein älterer Bruder Balarama (Baladeva) er­scheint mit Ihm. Balarama ist der Ursprung Sankarsanas, der zu der vierfachen Erweiterung Krsnas gehört. Mit diesem Buch wird der Ver­such unternommen zu zeigen, wie Krsna in der Familie der Yadu-Dyna­stie erschien und Sein transzendentales Wesen offenbarte. Dies wird sehr lebendig im Srimad-Bhagavatam beschrieben - besonders im Zehnten Canto, der die Grundlage dieses Buches bildet. Über die Spiele des Herrn hören oder lesen im allgemeinen nur die befreiten Seelen mit wahrer Freude. Die bedingten Seelen sind mehr daran interessiert, Geschichten über das materialistische Tun eines gewöhnlichen Men­schen zu lesen. Erzählungen, die die transzendentalen Spiele und Taten Gottes beschreiben, findet man vor allem im Srimad-Bhagavatam und in anderen Puranas, doch die meisten bedingten Seelen ziehen die Lektüre gewöhnlicher Geschichten vor. Sie sind nicht so sehr daran interessiert, sich mit den Erzählungen von den Spielen Gottes zu beschäftigen. Und doch sind die Beschreibungen der Spiele Sri Krsnas so anziehend, daß sie von den verschiedensten Menschen gern gehört werden. Es gibt drei Gruppen von Menschen: Die einen nennt man befreite Seelen; die anderen sind diejenigen, die versuchen, befreit zu werden, und die dritten sind die materialistischen Menschen. Ob man befreit ist oder versucht, Befreiung zu erlangen - ja, selbst wenn man ein großer Mate­rialist ist -, die Spiele Sri Krsnas sind es wert, daß man sich mit ihnen eingehend beschäftigt.

Befreite Menschen haben kein Interesse an materialistischen Tätig­keiten. Die Theorie der Unpersönlichkeits- anhänger, daß man nach der Befreiung inaktiv wird und nichts mehr zu hören braucht, ist nicht richtig. Eine lebendige Seele kann niemals inaktiv sein. Sie ist sowohl im bedingten als auch im befreiten Zustand aktiv. Wenn ein Mensch z. B. krank ist, ist er auch aktiv, aber jede Bewegung ist für ihn schmerzhaft. Der gleiche Mensch wird, wenn er von seiner Krankheit geheilt ist, nicht untätig, sondern ist immer noch aktiv; doch im gesunden Zustand han­delt er voller Freude. Die Unpersönlichkeitsanhänger versuchen, von den krankhaften, bedingten Tätigkeiten im materiellen Leben frei zu werden, aber sie wissen nichts von den Tätigkeiten im gesunden Zu­stand, im spirituellen Leben. Wer tatsächlich befreit und mit vollkom­menem Wissen erleuchtet ist, beginnt über die transzendentalen Spiele und Taten Krsnas zu hören - eine solche Beschäftigung ist eine reine, spirituelle Tätigkeit. Für Menschen, die tatsächlich befreit sind, ist es sehr wesentlich, über die Spiele Krsnas zu hören, denn für sie bedeu­tet dies höchste Freude. Aber auch für diejenigen, die versuchen, befreit zu werden, wird der Pfad zur Befreiung deutlich erkennbar, wenn sie solche Erzählungen wie die Bhagavad-gita und das Srimad-Bhagavatam hören. Die Bhagavad-gita ist die vorbereitende Studie zum Srimad-Bhagavatam. Durch das Studium der Gita wird man sich der Position Sri Krsnas bewußt, und wenn man bei den Lotosfüßen Krsnas Zuflucht gesucht hat, kann man auch die Erzählungen über Krsna verstehen, wie sie im Srimad-Bhagavatam beschrieben werden.

Sri Caitanya gab daher Seinen Nachfolgern den Auftrag: »Verkündet überall Krsna-katha.«
Krsna-katha bedeutet Erzählungen, die Krsna zum Thema haben. Es gibt zwei Arten von Krsna-katha: Erzählungen, die von Krsna gespro­chen wurden, und Erzählungen, die über Krsna gesprochen wurden. Die Bhagavad-gita ist die Erzählung bzw. Philosophie oder Wissenschaft von Gott, die von Krsna Selbst gesprochen wurde. Das Srimad-Bhagavatam erzählt von den Taten und transzendentalen Spielen Sri Krsnas. Beides ist Krsna-katha. Es ist die Anweisung Sri Caitanyas, daß Krsna-katha in der ganzen Welt verbreitet werden soll, denn wenn die beding­ten Seelen, die unter den Qualen des materiellen Lebens leiden, Zu­flucht bei Krsna-katha suchen, wird ihr Pfad zur Befreiung offen und klar werden. Dieses Buch wird daher in erster Linie mit dem Ziel veröffentlicht, allen Menschen die Möglichkeit zu geben, Krsna bzw. Krsna-katha zu verstehen, denn dadurch können sie von der Fessel der materiellen Welt befreit werden.

Krsna-katha wird selbst für die materialistischsten Menschen sehr anziehend sein, denn Krsnas Spiele mit den gopis (Kuhhirtenmädchen) z. B. ähneln den Liebesbeziehungen zwischen Mädchen und Jungen in der materiellen Welt. Der Sinn für Sexualität, wie wir ihn kennen, ist nicht unnatürlich, denn der gleiche Sinn für Sexualität ist auch im ursprünglichen Persönlichen Gott vorhanden. Die Freudenkraft des Höchsten wird Srimati Radharani genannt. Der Austausch liebevoller Gefühle ist die ursprüngliche Tätigkeit des Höchsten Persönlichen Got­tes, und da wir, die bedingten Seelen, winzige Teile des Höchsten sind, kennen auch wir solche Gefühle, die von uns jedoch gegenwärtig in pervertierter, spärlicher Form erfahren werden. Wenn daher diejeni­gen, für die sexueller Genuß das wichtigste ist, über Krsnas Spiele mit den gopis hören, werden selbst sie transzendentale Freude erfahren, obwohl diese materiell zu sein scheint. Zu ihrem Vorteil werden sie allmählich auf die spirituelle Ebene erhoben werden. Im Bhagavatam wird gesagt: »Wenn jemand in ergebener Haltung von Autoritäten über die Spiele Sri Krsnas mit den gopis hört, wird er auf die Ebene des transzendentalen liebenden Dienens für den Herrn erhoben und kann so die materielle Krankheit der Lust im Herzen heilen.« Mit anderen Worten, auf diese Weise kann man der Lust nach materieller Sexualität entgegenwirken.

Krsna ist für die befreiten Seelen wie auch für die nach Befreiung Strebenden und selbst für die groben, bedingten Materialisten anzie­hend. Nach der Aussage Maharaja Pariksits, der von Sukadeva Gosvami über Krsna hörte, ist Krsna-katha für jedes Lebewesen geeignet, ganz gleich, in welchem Zustand des Lebens es sich befindet. Jeder wird es sehr lieben, über Krsna zu hören. Doch Maharaja Pariksit machte darauf aufmerksam, daß Menschen, die nur mit dem Töten von Tieren und mit ihrer eigenen Vernichtung beschäftigt sind, von Krsna-katha nicht sehr angezogen sein würden. Mit anderen Worten, gewöhnliche Menschen, die den regulierenden Moralprinzipien der Schriften folgen, werden, ungeachtet ihrer Lebensumstände, zweifellos sehr angezogen sein, doch nicht solche, die sich selbst zerstören. Das treffende Wort, das in diesem Zusammenhang im Srimad-Bhagavatam gebraucht wird, lau­tet »pasughna«; es bedeutet »Tiere oder sich selbst töten«. Menschen, die nicht selbstverwirklicht und nicht an spiritueller Verwirklichung interessiert sind, zerstören sich selbst - sie begehen im wahrsten Sinne des Wortes Selbstmord. Da die menschliche Form des Lebens besonders zur Selbstverwirklichung bestimmt ist, vergeudet man seine Zeit, wenn man diese wichtige Aufgabe vernachlässigt - man ist pasughna. Die andere Bedeutung des Wortes »pasughna« bezeichnet jene, die tatsäch­lich Tiere töten, d. h. diejenigen, die auf verschiedene Weise, wie Jagen, Eröffnen von Schlachthäusern usw., Tiere töten und sie (manchmal sogar Hunde) essen. Solche Menschen können an Krsna-katha keinen Geschmack finden.

König Pariksit war besonders begierig, Krsna-katha zu hören, weil er wußte, daß seine Vorfahren, insbesondere sein Großvater Arjuna, in der Schlacht von Kuruksetra nur mit Krsnas Hilfe siegreich waren. Wir sollten die materielle Welt ebenfalls als ein Schlachtfeld betrachten, denn jeder kämpft hart um seine Existenz, und auf Schritt und Tritt lauern Gefahren. Maharaja Pariksit verglich das Schlachtfeld von Kuruksetra mit einem weiten Ozean voller gefährlicher Bestien. Sein Großvater Arujuna mußte gegen große Helden wie Bhisma, Drona, Karna und viele andere kämpfen, die keine gewöhnlichen Krieger waren. Solche Kämpfer werden mit dem timingila-Fisch verglichen, denn der timingila-Fisch kann ohne weiteres große Wale verschlingen. Ähn­lich hätten die großen Kämpfer auf dem Schlachtfeld von Kuruksetra mit Leichtigkeit viele Arjunas verschlingen können, doch durch die Barmherzigkeit Krsnas war Arjuna fähig, sie alle zu töten. So wie jemand ohne Anstrengung über die kleine Pfütze im Hufabdruck eines Kalbes springen kann, konnte Arjuna durch die Gnade Krsnas sehr leicht den Ozean der Schlacht von Kuruksetra überqueren.

Maharaja Pariksit wußte Krsnas Taten noch aus vielen anderen Gründen sehr zu schätzen. Nicht nur sein Großvater war von Krsna gerettet worden, sondern auch er selbst. Am Ende der Schlacht von Kuruksetra fielen alle Mitglieder der Kuru-Dynastie im Kampf; sowohl die Söhne und Enkel auf der Seite Dhrtarastras als auch die auf Seiten der Pandavas. Außer den fünf Pandava-Brüdern starb jeder auf dem Schlachtfeld. Maharaja Pariksit befand sich zu jener Zeit im Leib seiner Mutter. Sein Vater Abhimanyu, der Sohn Arjunas, starb ebenfalls auf dem Schlachtfeld von Kuruksetra, und so blieb Maharaja Pariksit allein mit seiner Mutter, Uttara, zurück. Noch als er sich im Schoß seiner Mutter befand, schoß Asvatthama eine brahmastra-Waffe ab, die ihn töten sollte. Als Uttara sich in ihrer Not an Krsna wandte, ging dieser, der die Gefahr erkannte, als Überseele in ihre Gebärmutter ein und rettete das Kind. Ein anderer Name Maharaja Pariksits ist daher Visnu-rata (einer, der von Sri Visnu gerettet wurde).

Jeder sollte begierig sein, über Krsna und Seine Taten zu hören. Krsna ist die Höchste Absolute Wahrheit, der Persönliche Gott; Er ist alldurchdringend; Er lebt im Herzen eines jeden, und Er existiert als universale Form. Und dennoch erscheint Er, wie Er Selbst in der Bhaga­vad-gita sagt, in der menschlichen Gesellschaft in Seiner ursprünglichen Gestalt, um jeden einzuladen, in Sein transzendentales Reich zurückzu­kehren, zurück nach Hause, zurück zu Gott. Jeder sollte versuchen, sich für Krsna zu interessieren. Ich lege dieses Buch mit dem Wunsch vor, den Menschen etwas über Krsna mitzuteilen, damit sie ihr Leben voll und ganz nutzen können.

Im Neunten Canto des Srimad-Bhagavatam wird Sri Baladeva als der Sohn Rohinis, einer Frau Vasudevas, bezeichnet. Vasudeva, der Vater Krsnas, hatte sechzehn Frauen, und eine von ihnen war Rohini, die Mutter Baladevas, der auch Balarama genannt wird. Aber Balarama wird auch gleichzeitig der Sohn Devakis genannt - wie konnte Er nun sowohl der Sohn Devakis als auch der Sohn Rohinis sein? Dies war eine der Fragen, die Maharaja Pariksit dem Sukadeva Gosvami stellte, und sie wird im weiteren Verlauf beantwortet werden. Maharaja Pariksit fragte Sukadeva Gosvami auch, warum Sri Krsna gleich nach Seinem Erscheinen als der Sohn Vasudevas zum Haus Nanda Maharajas in Goluka gebracht wurde. Er wollte außerdem wissen, welche Aktivitäten Sri Krsna ausführte, während Er Sich in Vrndavana und in Mathura aufhielt, und warum Er Seinen Onkel, Kamsa, tötete. Kamsa, der Bru­der Devakis, war ein naher Verwandter Krsnas und man wird sich fragen, warum Krsna ihn tötete. Maharaja Pariksit fragte auch, wie viele Jahre Sri Krsna in der menschlichen Gesellschaft blieb, wie lange Er über das Königreich von Dvaraka regierte und wie viele Frauen Er dort heiratete. Für einen ksatriya-König ist es im allgemeinen üblich, mehr als eine Frau anzunehmen, und daher fragte Maharaja Pariksit nach der Anzahl der Frauen, die Krsna heiratete. Diese und andere Fragen, die von Maharaja Pariksit gestellt und von Sukadeva Gosvami beantwortet wurden, bilden das Thema dieses Buches.

Die Position Maharaja Pariksits und die Sukadeva Gosvamis sind einzigartig. Maharaja Pariksit ist die rechte Persönlichkeit, sich über die transzendentalen Spiele Sri Krsnas berichten zu lassen, und Sukadeva Gosvami ist besonders geeignet, sie zu beschreiben. Wenn solch eine glückliche Verbindung zustandekommt, wird Krsna-katha sofort offenbar, und all diejenigen, die gewillt sind zu hören, können den größten Nutzen aus einem solchen Gespräch ziehen. Das Srimad-Bhagavatam wurde von Sukadeva Gosvami vorgetragen, als sich Maharaja Pariksit darauf vorbereitete, seinen Körper aufzugeben, und fastend am Ufer des Ganges saß. Um Sukadeva Gosvami zu versichern, daß ihn das Hören von Krsna-katha nicht ermüden werde, sagte Maharaja Pariksit ganz offen: »Hunger und Durst mögen gewöhnlichen Menschen wie mir Sorgen bereiten, doch die Geschichten über Krsna sind so schön, daß man sie unaufhörlich anhören kann, ohne müde zu werden, denn dieses Hören erhebt einen auf die transzendentale Ebene.«

Es wird gesagt, daß man sehr vom Glück begünstigt sein muß, um wie Maharaja Pariksit ernsthaft Krsna-katha hören zu können. Er war be­sonders aufmerksam, weil er jeden Augenblick den Tod erwartete. Auch wir sollten uns der Gefahr des Todes in jeder Sekunde bewußt sein, denn unser Leben wird durch nichts gesichert - wir können jeder­zeit sterben, ganz gleich ob wir jung oder alt sind. Bevor also der Tod kommt, sollten wir völlig Krsna-bewußt werden.

Zum Zeitpunkt seines Todes hörte König Pariksit von Sukadeva Gosvami das Srimad-Bhagavatam. Als König Pariksit seine Bereitwil­ligkeit zeigte, ohne Unterlaß den Berichten über Krsna zu lauschen, war Sukadeva Gosvami sehr erfreut. Sukadeva war der größte Bhagavatam-Sprecher seiner Zeit, und so begann er, von Krsnas Spielen zu berichten, die allen verderblichen Einflüssen des Kali-yugas entgegenwirken kön­nen. Sukadeva Gosvami dankte dem König für seinen Eifer und ermu­tigte ihn, indem er sagte: »Mein lieber König, dein Eifer, über die Spiele Krsnas zu hören, zeugt von großer Intelligenz.« Er ließ Maharaja Pariksit wissen, daß das Hören und Chanten der Spiele Krsnas so glückverhei­ßend ist, daß es all diejenigen, die miteinbezogen sind, ganz und gar reinigt, nämlich den, der die transzendentalen Spiele Krsnas erzählt, den, der sie hört, und den, der über sie Fragen stellt. Krsnas Spiele sind wie das Wasser des Ganges, das zwischen den Zehen Sri Visnus hervor­fließt. Sie reinigen alle drei Welten - die oberen, die mittleren und die unteren Planetensysteme.