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Die Transzendentalen Spiele Sri Krishnas
Von Seiner Heiligkeit A.C. Bhaktivedanta Swami Prabhupada

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14. Kapitel: Brahma bringt Sri Krsna seine Gebete dar


Brahma betete: „Lieber Herr, Du bist der einzige verehrungswürdige Höchste Herr, die Persönlichkeit Gottes. Ich bringe Dir meine demütigen Ehrerbietungen und Gebete dar, um Dich zu erfreuen. Deine Körpertönung gleicht der Farbe frischer Regenwolken, und um Dich herum erstrahlt ein silbrig glänzender Schimmer, der von Deinem gelben Gewand ausgeht.

Immer wieder erweise ich dem Sohne Nanda Maharajas meine respektvollen Ehrerbietungen, der mit einem Muschelhorn, mit glänzenden Ohrringen und mit einer Pfauenfeder im Haar vor mir steht. Sein Antlitz ist unbeschreiblich schön; Er trägt einen Helm; um Seinen Hals schwingt sich eine Girlande aus Waldblumen, und in Seiner Hand hält er eine kleine Süßigkeit. So steht er mit zierlichen Lotosfüßen vor mir, geschmückt mit einem Hirtenstab, einem Hirtenhorn, einem Büffelhorn und einer Flöte.“

„Mein lieber Herr, die Menschen mögen sagen, ich sei der Meister des vedischen Wissens, und sie halten mich für den Schöpfer des Universums, doch nun hat es sich gezeigt, daß ich nicht imstande bin, Dich zu verstehen, obgleich Du wie ein Kind vor mir stehst. Du spielst gemeinsam mit Deinen Freunden, Kälbern und Kühen, was dazu verleiten könnte zu denken, Du besäßest nicht einmal eine ausreichende Bildung. Du erscheinst vor mir wie ein kleiner Dorfjunge, der in seiner Hand etwas zum Essen hält und der nach seinen verlorenen Kälbern sucht. Und dennoch besteht zwischen Deinem Körper und meinem ein so großer Unterschied, daß ich nicht in der Lage bin, die Energien Deines Körpers zu ermessen. Wie ich bereits in der Brahma-samhita gesagt habe, ist Dein Körper nicht materiell.“

In der Brahma-samhita erklärt Brahma, daß der Körper des Herrn vollkommen spirituell ist. Es besteht kein Unterschied zwischen dem Körper des Herrn und Ihm Selbst. Jedes seiner Gliedmaßen kann die Funktion aller anderen ausführen. Der Herr kann mit Seinen Händen sehen, mit Seinen Augen hören, Er kann mit Seinen Beinen Opfer annehmen und mit Seinem Mund Dinge erschaffen.

Brahma fuhr fort: „Du erscheinst zum Wohl Deiner Geweihten als kleiner Hirtenjunge, und obgleich ich ein großes Vergehen gegen Deine Lotosfüße begangen habe, indem ich Deine Freunde und Deine Kälber entführte, sehe ich, daß Du trotz alledem barmherzig zu mir bist. Eine Deiner transzendentalen Eigenschaften ist es, daß Du Deinen Geweihten sehr zugeneigt bist. Doch trotz Deiner Zuneigung zu mir bin ich nicht in der Lage, die Macht Deiner Taten zuermessen. Wenn sogar ich, Brahma, die höchste Persönlichkeit in diesem Universum, meine Unfähigkeit eingestehen muß, den kindgleichen Körper der Höchsten Persönlichkeit Gottes zu ermessen, kann dies erst recht keinem anderen gelingen. Und wenn ich nicht einmal die spirituelle Macht Deines kindgleichen Körpers zuermessen vermag, wie könnte ich dann jemals Deine transzendentalen Spiele verstehen? Aus diesem Grund wird in der Bhagavad-gita gesagt, daß jeder, der nur ein wenig über die transzendentalen Spiele und das transzendentale Erscheinen und Fortgehen des Herrn weiß, sogleich in das Reich Gottes eingehen kann, nachdem er den materiellen Körper aufgegeben hat. Diese Aussage wird auch von den Veden bestätigt. Es heißt dort: Einfach dadurch, daß man die Höchste Persönlichkeit Gottes versteht, kann man die Ketten des Kreislaufs von Geburt und Tod sprengen. Ich rate daher allen davon ab zuversuchen, Dich durch Spekulieren zu verstehen.“

Der beste Vorgang, Wissen über Dich zu erlangen, ist, wenn man alles Spekulieren aufgibt und versucht, in ergebener Haltung über Dich zuhören - entweder von Dir Selbst in Form Deiner Lehren, wie sie in der Bhagavad-gita und ähnlichen vedischen Schriften niedergeschrieben sind, oder von einem erleuchteten Gottgeweihten, der Zuflucht bei Deinen Lotosfüßen gesucht hat. Man muß von einem Gottgeweihten hören, ohne zu spekulieren. Es ist jedoch nicht notwendig, seine Position in der materiellen Welt aufzugeben. Es genügt schon, einfach nur über Dich zu hören. Obwohl Du nicht mit Hilfe der materiellen Sinne verstanden werden kannst, kann man dennoch die Unwissenheit falscher Vorstellungen überwinden, indem man einfach über Dich hört. Allein aus Deiner Gnade offenbarst Du Dich einem Gottgeweihten. Es gibt keinen anderen Weg, um zu Dir zu gelangen. Die Entwicklung spekulativen Wissens ohne eine Spur von hingebungsvollem Dienst ist eine nutzlose Zeitverschwendung auf der Suche nach Dir. Hingebungsvoller Dienst ist so bedeutsam, daß selbst die kleinste Bemühung den Gottgeweihten auf die höchste Stufe der Vollkommenheit erheben kann. Man sollte daher niemals den glückverheißenden Vorgang des hingebungsvollen Dienstes mißachten und sich der Spekulation zuwenden. Durch diese Methode der Spekulation kann man unter Umständen einen Teil Deiner kosmischen Manifestation verstehen, doch es ist unmöglich, auf diese Weise Dich, den Ursprung alles Existierenden, zu erkennen. Wer nur an spekulativem Wissen interessiert ist, vergeudet einfach nur seine kostbare Zeit und Energie. Er gleicht einem Menschen, der aus leeren Hülsen Reis dreschen möchte. Man kann die Reiskörner mit einem Dreschflegel enthülsen und auf diese Weise den Reis gewinnen; doch wenn die Hülsen leer sind, hat es keinen Sinn, sie noch einmal zudreschen. Es wäre eine völlig nutzlose Arbeit.

O Herr, in der Geschichte der Menschheit gibt es viele Beispiele dafür, daß jemand, der vergeblich versucht hatte, die transzendentale Ebene zu erreichen, sich mit Körper, Geist und Worten dem hingebungsvollen Dienst zuwandte und so die höchste Stufe der Vollkommenheit erreichte, indem er in Dein Reich einging. Die Versuche Dich durch Spekulation oder mystische Meditation zu verstehen, sind ohne hingebungsvollen Dienst nutzlos. Man sollte sich deshalb in Deinem hingebungsvollen Dienst beschäftigen, sogar im Bereich seiner alltäglichen Tätigkeiten, und man sollte ständig Deine Nähe suchen, indem man über Deinen transzendentalen Ruhm chantet und hört. Einfach dadurch, daß man Geschmack daran findet, über Deinen Ruhm zu chanten und zuhören, kann man die höchste Stufe der Vollkommenheit erreichen und Dein Reich betreten. Jeder deshalb, der immer mit Dir verbunden bleibt, indem er über Deine ruhmreichen Taten und Spiele chantet und hört und Dir zu Deiner Zufriedenstellung die Früchte seiner Arbeit opfert, kann mit Leichtigkeit und voller Glückseligkeit in Dein ewiges Reich zurückkehren. Nur Menschen, deren Herz von jeglicher Verunreinigung befreit ist, können Dich erkennen, und das Herz kann man nur reinigen, wenn man über Deine Herrlichkeiten hört und chantet. Der Herr ist alldurchdringend. Sri Krsna sagt in der Bhagavad-gita: „Von Mir wird alles erhalten, doch gleichzeitig bin Ich nicht in allem.“ Weil Krsna allgegenwärtig ist, kann nichts außerhalb Seines Wissens existieren. Das alldurchdringende Wesen der Höchsten Persönlichkeit Gottes kann niemals vom begrenzten Wissen des winzigen Lebewesens erfaßt werden. Nur ein Mensch, dessen Geist durch Konzentration auf die Lotosfüße des Herrn stetig geworden ist, kann den Höchsten Herrn bis zu einem gewissen Grade verstehen. Es ist die Beschäftigung des Geistes, ständig umherzuwandern und die Objekte der Sinnenbefriedigung zubetrachten. Deshalb kann nur jemand, der seine Sinne im Dienste des Herrn beschäftigt, den Geist beherrschen und sich auf die Lotosfüße des Herrn konzentrieren. Die Konzentration des Geistes auf die Lotosfüße des Herrn wird samadhi genannt. Solange man nicht die Stufe des samadhi, der Trance erreicht hat, kann man das Wesen der Höchsten Persönlichkeit Gottes nicht verstehen. Es mag vielleicht einige Philosophen und Wissenschaftler geben, die die kosmische Natur Atom für Atom analysieren, ja sie mögen sogar so fortgeschritten sein, daß sie in der Lage sind, die Atome des Kosmos und alle Planeten und Sterne zu zählen, und es mag ihnen sogar gelingen, die leuchtenden Moleküle der Sonne und anderer Sterne und Leuchtkörper zu zählen. Aber es wird niemals möglich sein, die Eigenschaften der Höchsten Persönlichkeit Gottes zu zählen. Wie zu Beginn des Vedanta-sutra erklärt wird, ist die Höchste Person der Ursprung aller Eigenschaften. Die Höchste Person wird im allgemeinen als nirguna bezeichnet. Nirguna bedeutet „mit unermeßlichen Eigenschaften“ (guna bedeutet „Eigenschaft“, und nir bedeutet „ohne Ermessen“). Die Unpersönlichkeitsanhänger geben dem Wort nirguna die Bedeutung „keine Eigenschaften habend“. Weil sie nicht in der Lage sind, die Eigenschaften des Höchsten Herrn durch spirituelle Verwirklichung zu erkennen, kommen sie zuder Schlußfolgerung, der Höchste Herr habe keine Eigenschaften. Doch dies ist ein Trugschluß. In Wirklichkeit ist der Höchste Herr die Quelle aller Eigenschaften, die in nicht endender Fülle aus Ihm hervorgehen. Wie könnte also ein begrenztes Lebewesen jemals die Eigenschaften des Herrn zählen? Und selbst wenn jemand für einen Augenblick die Eigenschaften Krsnas ermessen könnte, so müßte er doch schon im nächsten Augenblick feststellen, daß sich die Eigenschaften des Herrn vermehrt haben. Es ist also nicht möglich, die transzendentalen Eigenschaften des Herrn zu zählen, und deshalb wird er nirguna genannt. Seine Eigenschaften können nicht ermessen werden.

Man sollte daher nicht versuchen, die Eigenschaften des Herrn durch mentale Spekulation zuermessen. Es ist völlig überflüssig den Weg der Spekulation einzuschlagen oder körperliche Übungen zu betreiben, um Vollkommenheit im mystischen yoga zu erreichen. Man braucht lediglich zu verstehen, daß die Leiden und Freuden des Körpers bereits vorherbestimmt sind und daß es daher keinen Zweck hat, den Leiden des körperlichen Daseins ausweichen zu wollen oder zu versuchen, durch verschiedene körperliche Übungen glücklich zu werden. Es ist das beste, sich der Höchsten Persönlichkeit Gottes mit Körper, Geist und Worten hinzugeben und ständig in Seinem Dienst beschäftigt zu sein. Nur durch diese transzendentale Bemühung kann man den gewünschten Erfolg erzielen, wohingegen andere Versuche, die Absolute Wahrheit zuverstehen, zum Scheitern verurteilt sind. Ein intelligenter Mensch vergeudet daher seine Zeit nicht mit dem Versuch, der Höchsten Person, der Absoluten Wahrheit, durch Spekulation oder mystische Kräfte näherzukommen. Er beschäftigt sich vielmehr im hingebungsvollen Dienst und macht sich von der Höchsten Persönlichkeit Gottes abhängig. Er weiß, daß alles, was seinem Körper widerfährt, eine Reaktion auf vorangegangene fruchtbringenden Tätigkeiten ist. Wenn man solch ein einfaches Leben im hingebungsvollen Dienst führt, erbt man automatisch das transzendentale Reich des Herrn. Ursprünglich ist jedes Lebewesen ein Teilchen des Höchsten Herrn, ein Sohn Gottes. Jeder hat das natürliche Recht, die transzendentale Freude des Höchsten Herrn zu erben und daran teilzuhaben. Doch weil die bedingten Lebewesen eine Beziehung zur Materie eingegangen sind, haben sie sich praktisch um diese Erbschaft gebracht. Nur wenn man sich dem einfachen Vorgang des hingebungsvollen Dienstes widmet, kann man von der materiellen Verunreinigung wieder befreit werden und auf die transzendentale Ebene gelangen, wo man die Möglichkeit bekommt, sich der Gemeinschaft mit dem Höchsten Herrn zuerfreuen.

Brahma erklärte Sri Krsna, er halte sich für das anmaßendste Lebewesen, denn er habe die wunderbare Macht des Herrn auf die Probe stellen wollen. Er entführte Seine Freunde und Kälber, nur um zusehen, wie der Herr sie wiederfinden würde. Doch nach dieser Tat gestand Brahma ein, daß er höchst vermessen gewesen sei, als er versuchte, seine eigene Energie mit der des Allmächtigen, des Ursprungs aller Energien, zumessen. Als Brahma, der in den Augen aller anderen Lebewesen dieses materielle Universums ein sehr mächtiges Lebewesen ist, wieder zur Vernunft kam, erkannte er, daß seine vielgepriesene Macht im Vergleich zur Macht und Energie der Höchsten Persönlichkeit Gottes völlig unbedeutend ist. Die Wissenschaftler der materiellen Welt haben einige erstaunliche Erfindungen wie zum Beispiel die Atombombe gemacht, und wenn solche Waffen auf einer Stadt oder einem anderen kleinen Gebiet der Erde zur Anwendung kommen, scheint es, als wären sie in der Lage, riesengroße Verwüstungen zu verursachen. Doch was würden sie ausrichten, wenn sie auf der Sonne gezündet würden? Ihre Wirkung wäre dort völlig unbedeutend. Ebenso mag die Entführung der Hirtenjungen und Kälber ein außerordentliches Schauspiel der mystischen Kräfte Brahmas gewesen sein, doch als Sich Sri Krsna in all die verschiedenen Kälber und Knaben erweiterte und sie mühelos manifestiert hielt, erkannte Brahma, daß seine Macht höchst unbedeutend war.

Brahma bezeichnete Sri Krsna als acyuta, weil der Herr nicht einmal den kleinsten Dienst vergißt, den Ihm Sein Geweihter darbringt. Er ist Seinen Geweihten so gütig gesinnt und ihnen so zugeneigt, daß Er bereits den kleinsten Dienst als etwas sehr Wertvolles annimmt. Brahma hatte dem Herrn zweifellos schon viele Dienste geleistet, und als der höchste Verwalter des Universums ist er gewiß ein treuer Diener Krsnas. Deshalb gelang es ihm, Krsnas Wohlwollen zu erwerben. Er bat den Herrn daher, ihn als Seinen ergebenen Diener zu betrachten, dem man kleine Fehltritte und Vermessenheiten ausnahmsweise einmal verzeihen könne, und er gab zu, daß er aufgrund Seiner mächtigen Stellung als Brahma überheblich geworden sei. Brahma ist in dieser Welt die qualitative Inkarnation der Erscheinungsweise der Leidenschaft, und deshalb war dieser Stolz für ihn ganz natürlich; dies war der Grund, warum er seinen Fehler beging. Aber trotz allem wollte Sri Krsna Brahma, Seinem Untergebenen, gegenüber Mitleid zeigen und ihm diesen großen Fehler verzeihen.

Brahma erkannte seine wirkliche Position. Er ist ohne Zweifel der höchste Lehrer im Universum, und er ist für die Schöpfung der materiellen Natur verantwortlich, die aus der Gesamtheit der materiellen Elemente, dem falschen Ego, dem Äther, der Luft, dem Feuer, dem Wasser und der Erde, besteht. Obwohl ein Universum von gigantischer Größe ist, kann man es ebenso ausmessen wie die Länge unseres Körpers. Im allgemeinen schätzt man die Größe eines Menschen auf sieben Ellen. Unser Universum mag uns zwar unvorstellbar groß erscheinen, aber für Brahma mißt es nicht mehr als sieben Ellen. Außer unserem Universum gibt es noch unzählige andere Universen, die sich jenseits des Einflußbereiches unseres Brahmas befinden. So wie zahllose Atome durch ein Mückennetz dringen, das vor einem Fenster aufgespannt wurde, so gehen Millionen und Abermillionen von Universen in ihrer samenähnlichen Form aus den Poren Maha-Visnus hervor, und Maha-Visnu ist nur eine Teilerweiterung der vollständigen Erweiterung Krsnas. Brahma ist zwar das höchste Lebewesen im Universum, doch wie bedeutend ist er im Vergleich zu Krsna? Brahma verglich sich daher mit einem Kind im Mutterleib. Wenn das Kind im Mutterleib seine Arme und Beine bewegt und dabeidie Mutter stößt, wird diese dann zornig werden? Natürlich nicht. Ebenso mag Brahma zwar eine große Persönlichkeit sein, doch befindet auch er sich, genau wie alles andere in der Welt, im Leib der Höchsten Persönlichkeit Gottes. Die Energie des Herrn ist alldurchdringend. Es gibt keinen Teil der Schöpfung, in dem sie nicht aktiv ist. Alles existiert in der Energie des Herrn, und daher befindet sich sowohl der Brahma unseres Universums als auch die Brahmas all der anderen Millionen und Abermillionen von Universen innerhalb der Energie des Herrn. Aus diesem Grunde wird der Höchste Herr auch als die Mutter angesehen, und alles, was sich in Seinem Leib befindet, als Sein Kind. Die gütige Mutter ist niemals böse auf ihr Kind, selbst dann nicht, wenn das Kind sie mit seinen Füßen stößt.

Daraufhin beschrieb Brahma, wie er auf der Lotosblume geboren wurde, die nach der Zerstörung der drei Planetensysteme Bhurloka, Bhuvarloka und Svarloka aus dem Nabel Narayanas wuchs. Das Universum ist in drei Planetensysteme unterteilt: Svarga, Martya und Patala. Diese drei Planetensysteme werden zur Zeit der Vernichtung des Universums von Wasser überflutet. Zu der Zeit legt Sich Narayana, eine Vollständige Erweiterung Krsnas, auf diesem Wasser nieder, und aus Seinem Nabel wächst allmählich ein Lotos, und auf dieser Lotosblüte wird Brahma geboren. So ist es zu erklären, daß Narayana manchmal als die Mutter Brahmas bezeichnet wird. Der Herr wird Narayana genannt, weil nach der Vernichtung des Universums alle Lebewesen in Ihm ruhen. Das Wort nara bedeutet „die Gesamtheit aller Lebewesen“, und ayana bedeutet „Ruhestätte“. Garbhodakasayi Visnu wird Narayana genannt, nicht nur weil Er die endgültige Ruhestätte aller Lebewesen ist, sondern auch, weil Er auf dem Wasser des Universums ruht. außerdem ist Narayana, wie in der Bhagavad-gita bestätigt wird, im Herzen eines jeden Lebewesens anwesend. Auch in diesem Sinne ist Er Narayana, dann ayana bedeutet sowohl „der Ursprung des Wissens“ als auch „Ruhestätte“. In der Bhagavad-gita wird ebenfalls bestätigt, daß die Fähigkeit, sich an etwas zuerinnern, von der Überseele im Herzen kommt. Wenn das Lebewesen seinen Körper wechselt, vergißt es sein ganzes vergangenes Leben, doch Narayana, der als Überseele im Herzen gegenwärtig ist, erinnert das Lebewesen daran, so zuhandeln, wie es seinen früheren Wünschen entspricht. Brahma wollte mit seinem Gebet aufzeigen, daß Krsna der ursprüngliche Narayana, d.h. der Ursprungs Narayana, ist und daß Narayana keine Schöpfung der äußeren Energie, sondern eine Erweiterung der spirituellen Energie ist. Die äußere Energie, maya, beginnt ihre Aktivität erst nach der Schöpfung der kosmischen Welt, wohingegen die ursprüngliche spirituelle Energie Narayanas bereits vor der Schöpfung aktiv ist. Die Erweiterungen Narayanas, von Krsna zu Karanadakasayi Visnu, von Karanadakasayi Visnu zu Garbhodakasayi Visnu, von Garbhodakasayi Visnu zu Ksirodakasayi Visnu und von Ksirodakasayi Visnu in das Herz aller Lebewesen sind Manifestationen Seiner spirituellen Energie. Diese Erweiterungen sind keine Manifestationen der materiellen Energie, und deshalb sind sie nicht zeitweilig. Alles, was dem Einfluß der materiellen Energie unterliegt, ist vergänglich, wohingegen alles, was unter der Führung der spirituellen Energie geschieht, ewig ist.

Brahma betonte noch einmal, daß Krsna der ursprüngliche Narayana ist, und sagte, daß der gigantische universale Körper immer noch auf dem Wasser des Garbhodaka-Ozeans liege.

Er fuhr fort: „Dieser gigantische Körper des Universums ist eine weitere Manifestation Deiner Energie. Weil diese Deine universale Form auf dem Wasser ruht, ist sie ebenfalls Narayana, und wir alle befinden uns im Leib dieser Narayana-Form. Ich kann überall Deine verschiedenen Narayana-Formen wahrnehmen: Ich sehe Dich auf dem Wasser; ich sehe Dich in meinem Herzen, und nun sehe ich Dich sogar direkt vor mir. Du bist der ursprüngliche Narayana.

Mein lieber Herr, in Deiner jetzigen Erscheinung hast Du bewiesen, daß maya ganz unter Deiner Aufsicht steht. Obgleich Du Dich in der kosmischen Schöpfung aufhältst, ruht diese dennoch zur gleichen Zeit in Dir. Dies hast Du bewiesen, als Du Mutter Yasoda die gesamte universale Schöpfung in Deinem Mund zeigtest. Solche Wunder offenbarst Du, ohne äußere Hilfe, allein durch Deine unvorstellbare Energie yoga-maya.

Mein lieber Sri Krsna, die gesamte kosmische Manifestation, die wir sehen, befindet sich in Deinem Körper, aber dennoch kann ich Dich außerhalb davon erblicken, und auch Du siehst mich außerhalb Deines Körpers. Wie könnte so etwas ohne den Einfluß Deiner unermeßlichen Energie geschehen?“

Brahma betont hier besonders die Tatsache, daß man für nichts die richtige Erklärung finden kann, solange man nicht die unvorstellbare Energie der Höchsten Persönlichkeit Gottes anerkennt. So fuhr er fort: „Lieber Herr, selbst wenn wir alles andere außer acht lassen und nur die heutigen Geschehnisse betrachteten - das, was sich vor meinen Augen abgespielt hat -, so gelangt man zur Schlußfolgerung, daß auch sie einzig und allein auf Deine unvorstellbaren Energien zurückzuführen sind. Als ich Dich ganz am Anfang sah, warst Du allein; dann hast Du Dich in Deine Freunde, die Kälber und ganz Vrndavana erweitert, und daraufhin sah ich Dich und all Deine Freunde als vierarmige Visnus, die von allen Elementen und von allen Halbgöttern, sogar von mir selbst, verehrt wurden. Schließlich wurden Sie alle vor meinen Augen wieder zu Hirtenjungen, und Du standest wieder alleine da wie am Anfang. Ist all dies nicht ein eindeutiger Beweis dafür, daß Du der Höchste Sri Narayana bist, der Ursprung allem Seins, daß alles von Dir ausgeht, daß alles wieder in Dich eingeht und daß Du dennoch stets der gleiche bleibst?

Menschen, die Deine unvorstellbare Energie nicht kennen, können nicht verstehen, daß Du Dich als Brahma, der Schöpfer, als Visnu, der Erhalter, und als Siva, der Zerstörer, inkarnierst. Wer sich dieser Tatsache nicht bewußt ist, glaubt, ich, Brahma, sei der Schöpfer, Visnu sei der Erhalter und Siva der endgültige Zerstörer. In Wirklichkeit aber bist Du alles - der Schöpfer wie auch der Erhalter und der Zerstörer. Ebenso erweiterst Du Dich auch in verschiedene Inkarnationen. Unter den Halbgöttern erscheinst Du als Vamanadeva, unter den großen Weisen als Parasurama, unter den Menschen erscheinst Du in Deiner ursprünglichen Form als Sri Krsna oder auch als Sri Rama, unter den Landtieren erscheinst Du als Eber-Inkarnation und unter den Wassertieren als die Fisch-Inkarnation. Aber dennoch gibt es für Dich kein Erscheinen, denn Du bist ewig. Dein Erscheinen und Weggehen wird durch Deine unbegreifliche Energie ermöglicht, nur um die aufrichtigen Gottgeweihten zu beschützen und die Dämonen zu vernichten. O Herr, o alldurchdringende Höchste Persönlichkeit Gottes, o Überseele, Meister aller mystischen Kräfte, niemand kann Deine transzendentalen Spiele begreifen, die Du in den drei Welten offenbarst! Niemand kann sich vorstellen, wie Du Deine yoga-maya-Energie und Deine Inkarnationen entfaltest und wie Du durch Deine transzendentale Energie handelst. Lieber Herr, die gesamte kosmische Manifestation gleicht einem kurz aufflackernden Traum, und ihr zeitweiliges Wesen verwirrt die Lebewesen nur. Als Folge davon fristen wir ein angsterfülltes Dasein. In der materiellen Welt zuleben bedeutet nichts weiter als zu leiden und ständig neue Leiden ertragen zu müssen. Aber dennoch scheint die zeitweilig existierende materielle Welt ein angenehmer und schöner Ort zu sein, da sie aus Deinem transzendentalen Körper hervorgegangen ist, der ewig, voller Glückseligkeit und voller Wissen ist.

Aus all diesen Gründen bin ich zu dem Schluß gekommen, daß Du die Höchste Seele, die Absolute Wahrheit und die höchste, ursprüngliche Person bist. Und obgleich Du Dich durch Deine unvorstellbaren transzendentalen Energien in unendlich viele Visnu-Formen und unzählige Lebewesen und Energien erweitert hast, bist Du dennoch der Höchste Absolute, dem keiner gleichkommt. Du bist die höchste Überseele. Die unzähligen Lebewesen sind wie Funken, die von Dir, dem ursprünglichen Feuer, stammen. Die Vorstellung, die Überseele sei unpersönlich, ist falsch, denn ich sehe, daß Du die ursprüngliche Person bist. Weil Du der Sohn Nanda Maharajas bist, könnte ein Mensch mit geringem Wissen vielleicht meinen, Du seist wie ein gewöhnlicher Mensch geboren worden und Du könntest aus diesem Grunde unmöglich die ursprüngliche Person sein; doch diese Annahme ist ein großer Irrtum. Du bist die wahre ursprüngliche Person. Das ist mein endgültiges Urteil. Obwohl Du der Sohn Nandas bist, bist Du die ursprüngliche Person, und darüber besteht kein Zweifel. Du bist die Absolute Wahrheit und befindest Dich daher nicht in der Dunkelheit der materiellen Welt. Dubist die Quelle des ursprünglichen brahmajyoti und der materiellen Leuchtkörper. Deine transzendentale Ausstrahlung ist identisch mit dem brahmajyoti. Wie in der Brahma-samhita erklärt wird, ist das brahmajyoti nichts anderes als die Ausstrahlung Deines transzendentalen Körpers. Es gibt unzählige Visnu-Formen und Inkarnationen Deiner transzendentalen Eigenschaften, doch all diese Inkarnationen befinden sich keineswegs auf der gleichen Ebene wie Du. Du bist wie die ursprüngliche Kerze, und Deine Inkarnationen sind wie viele andere Kerzen, und sie mögen die gleiche Leuchtkraft besitzen wie Du; aber dennoch bist Du die ursprüngliche Kerze, an der alle anderen Kerzen angezündet werden. Und weil Du nicht eine der vielen Schöpfungen der materiellen Welt bist, wirst Du selbst nach der Vernichtung dieser Welt weiterbestehen.

Da Du die ursprüngliche Persönlichkeit bist, wirst Du in der Gopala-tapani (der vedischen Upanisad) wie auch in der Brahma-samhita als govindam adi-purusam beschrieben, als Govinda, die urerste Person, die Ursache aller Ursachen. Auch in der Bhagavad-gita heißt es, daß Du der Ursprung der Brahman-Ausstrahlung bist. Niemand sollte daher annehmen, Dein Körper sei ein gewöhnlicher, materieller Körper. Dein Körper ist aksara, unzerstörbar. Der materielle Körper ist stets dem Angriff der dreifachen materiellen Leiden ausgesetzt, doch Dein Körper ist sac-cid-ananda-vigraha: ewig, voller Wissen und voller Glückseligkeit. Du wirst auch als niranjana bezeichnet, weil Deine Spiele als der kleine Sohn Mutter Yasodas oder als der Herr der gopis niemals von den materiellen Erscheinungsweisen berührt werden. Und obwohl Du Dich in so viele Hirtenjungen und Kälber erweitert hast, hat sich Deine transzendentale Kraft nicht verringert. Du bist immer vollendet und vollkommen. In den vedischen Schriften wird erklärt, daß das Vollkommene, die Höchste Absolute Wahrheit, immer das Höchste Vollkommene bleibt, selbst wenn eine vollkommene Einheit von Ihm fortgenommen wird. Und obwohl viele Erweiterungen vom Vollkommenen ausgehen, bleibt das Vollkommene immer vollkommen und einzigartig. Da alle Deine Spiele spirituell sind, können sie niemals von den Erscheinungsweisen der materiellen Natur verunreinigt werden. Wenn Du Dich Deinem Vater und Deiner Mutter, Nanda und Yasoda, fügst, bedeutet dies nicht, daß sich Deine Macht verringert. Diese Unterordnung ist vielmehr ein Zeichen der Liebe, die Du für Deine Geweihten empfindest. Es gibt keinen zweiten neben Dir, der sich mit Dir messen könnte. Törichte Menschen denken, Deine transzendentalen Spiele und Dein Erscheinen seien materiell. Doch wie in der Gopala-tapani erklärt wird, bist Du sowohl zu materieller Unwissenheit als auch zu materiellem Wissen völlig transzendental. Du bist der ursprüngliche amrta (Nektar der Unsterblichkeit), und Du bist unvergänglich, wie in den Veden bestätigt wird: amrtam sasvatam brahme. Das Brahman ist der ewige und höchste Ursprung allen Seins. Es kennt weder Geburt noch Tod.

In den Upanisaden wird gesagt, daß das Höchste Brahman, das wie die Sonne leuchtet, der höchste Ursprung alles Existierenden ist und daß jeder, der diese urerste Person verstehen kann, vom materiellen, bedingten Leben befreit wird. Jeder, dem es durch hingebungsvollen Dienst gelingt, Zuneigung zu Dir zu entwickeln, kann Dich Selbst, Deine Geburt, Dein Erscheinen, Dein Fortgehen und Deine Taten verstehen. Wie in der Bhagavad-gita bestätigt, wird man einfach dadurch, daß man Deine wirkliche Position, Dein Erscheinen und Dein Fortgehen versteht, sofort befähigt, nach Verlassen des gegenwärtigen Körpers ins spirituelle Königreich erhoben zuwerden. Jeder intelligente Mensch, der den Ozean der materiellen Unwissenheit überqueren will, sucht deshalb Zuflucht bei Deinen Lotosfüßen und erreicht so ohne Schwierigkeiten die spirituelle Welt. Es gibt viele Verblendete, die sogenannte Meditation praktizieren, jedoch nicht wissen, daß Du die Höchste Seele bist. Wie in der Bhagavad-gita erklärt wird, bist Du die Höchste Seele, die im Herzen eines jeden gegenwärtig ist. Deshalb ist es überflüssig, über etwas anderes zu meditieren als über Dich. Jemand, der ständig in Meditation über Deine ursprüngliche Gestalt als Sri Krsna versunken ist, vermag den Ozean der materiellen Unwissenheit mit Leichtigkeit zu überqueren. Wer jedoch nicht weiß, daß Du die Höchste Seele bist, bleibt trotz seiner sogenannten Meditation in der materiellen Welt gefangen. Wenn man jedoch durch die Gemeinschaft mit Deinen Geweihten zu verstehen lernt, daß Du, Sri Krsna, die ursprüngliche Überseele bist, dann wird es möglich, den Ozean der materiellen Unwissenheit zu überqueren. Wenn jemand ein Seil für eine Schlange hält, ist er voller Furcht, doch sowie er seinen Irrtum bemerkt, vergeht seine unbegründete Angst. Derjenige also, der Dich versteht, sei es durch Deine persönlichen Lehren, wie sie in der Bhagavad-gita festgehalten sind, oder durch die Lehren Deiner reinen Geweihten, wie sie im Srimad Bhagavatam und allen anderen vedischen Schriften festgehalten sind - das heißt, wenn er versteht, daß Du das endgültige Ziel aller Erkenntnis bist -, braucht sich nicht mehr vor der materiellen Existenz zufürchten.

Für denjenigen, der sich in Deinem hingebungsvollen Dienst beschäftigt, haben sogenannte Befreiung und Fesselung keine Bedeutung, genauso wie es für denjenigen, der das Seil von der Schlange zu unterscheiden weiß, keine Grund zur Angst gibt. Ein Gottgeweihter weiß, daß diese materielle Welt Dir gehört, und deshalb verwendet er alles in Deinem transzendentalen liebevollen Dienst. Auf diese Weise gibt es für ihn keine Fesselung an die Materie. Wenn sich jemand bereits auf der Sonne befindet, wie könnte es für ihn dann Sonnenaufgang und Sonnenuntergang, d.h. Tag und Nacht geben? Ebenso wird gesagt, daß Du, Krsna, wie die Sonne bist und maya wie die Dunkelheit. Überall, wo die Sonne hinscheint, gibt es keine Dunkelheit. Ebenso gibt es für all diejenigen, die ständig mit Dir verbunden sind, keine Dualität von Fesselung und Befreiung, dann sie sind schon längst befreit. Auf der anderen Seite aber müssen diejenigen, die sich selbst nur vormachen, befreit zu sein, und nicht bei Deinen Lotosfüßen Zuflucht gesucht haben, wieder zu Fall kommen, da ihre Intelligenz unrein ist.

Wenn man also nicht begreift, daß Du und die Überseele miteinander identisch sind, und wenn man deshalb versucht, Sie irgendwo anders zufinden - in den Wäldern oder in den Berghöhlen des Himalaya -, dann befindet man sich in einem beklagenswerten Zustand.

Du erklärst in der Bhagavad-gita, daß man alle anderen Vorgänge zur Selbstverwirklichung aufgeben und sich einfach Dir hingeben soll, denn dies ist die höchste Vollkommenheit. Selbst diejenigen, die in die Brahman-Ausstrahlung eingehen wollen, suchen indirekt nach Dir, denn Du bist in jeder Hinsicht der Höchste. Auch diejenigen, die danach streben, die Überseele zu erkennen, suchen in Wirklichkeit ebenfalls nur nach Dir. In der Bhagavad-gita sagst Du, daß Du in Deiner Teilrepräsentation als Überseele in die kosmische Manifestation eingegangen bist. Somit bist Duim Herzen aller Lebewesen gegenwärtig, und deshalb ist es nicht nötig, die Überseele irgendwo anders zusuchen. Wer dies trotzdem versucht, befindet sich einfach in Unwissenheit. Wer sich jedoch nicht unter dem Einfluß von Unwissenheit befindet, der ist sich darüber bewußt, daß Du unbegrenzt bist und daß Du innerhalb und außerhalb alles Existierenden weilst. Du bist überall gegenwärtig. Ein Gottgeweihter sucht nicht irgendwo anders nach der Überseele, sondern er konzentriert seinen Geist auf Deine Form, die in seinem Innern wohnt. Auf die Suche nach Dir kann sich in Wirklichkeit aber nur derjenige begeben, der von der materiellen Lebensauffassung befreit ist; andere sind dazu nicht in der Lage. Das Beispiel vom Mann, der ein Seil für eine Schlange hält, läßt sich nur auf diejenigen anwenden, die nichts über Dich wissen. Eigentlich existiert die vermeintliche Schlange nur im Geist. Ebenso existiert maya nur auf der Ebene des Geistes, denn maya bedeutet nichts anderes als Unwissenheit über Deine Person. Wenn das Lebewesen Dich vergißt, gerät es in den bedingten Zustand, wo es von maya beherrscht wird. Wer sich daher innerlich wie auch äußerlich auf Dich konzentriert, ist von aller Illusion befreit.

Jeder, der auch nur ein wenig Fortschritt im hingebungsvollen Dienst macht, vermag Deine Herrlichkeiten zu verstehen, wohingegen sogar diejenigen, die nach Brahman- oder Paramatma- Verwirklichung streben, außerstande sind, die verschiedenen Aspekte Deiner Persönlichkeit zu erkennen, wenn sie nicht den Pfad des hingebungsvollen Dienstes betreten. Selbst wenn man der spirituelle Meister vieler Unpersönlichkeitsanhänger ist oder sich in den Wald, in eine Höhle oder in die Berge zurückzieht und dort als Eremit für viele Jahre meditiert, kann man Deine Herrlichkeit nicht verstehen, wenn man nicht mit einem kleinen Fortschritt im hingebungsvollen Dienst gesegnet wird. Wenn ein Mensch also nicht mit der wundervollen Wirkung des hingebungsvollen Dienstes in Berührung gekommen ist, dann ist er nicht einmal in der Lage, Dich als unpersönliches Brahman oder als Paramatma zu erkennen, selbst wenn er sich für viele Jahre darum bemüht.

Lieber Herr, ich bete zu Dir, daß ich irgendeinmal, sei es in diesem oder in einem späteren Leben, wo auch immer ich geboren werde, das Glück erlange, zu Deinen Geweihten zugehören. Wo auch immer ich bin, bete ich, daß ich in Deinem hingebungsvollen Dienst beschäftigt sein darf. Es ist mir sogar gleichgültig, in welcher Lebensform ich geboren werde, denn ich habe gesehen, daß Deine Geweihten selbst in der Form von Kühen, Kälbern oder auch Hirtenjungen so vom Glück begünstigt sind, daß sie immer in Deinem transzendentalen Dienst beschäftigt sein und sich Deiner Gemeinschaft erfreuen dürfen. Deshalb möchte ich lieber einer von ihnen sein als eine solch hochgestellte Persönlichkeit, wie ich es jetzt bin; denn trotz meiner Stellung befinde ich mich in völliger Unwissenheit. Die gopis und die Kühe von Vrndavana sind so sehr vom Glück begünstigt, daß sie Dir ihre Milch zutrinken geben durften. Diejenigen, die große Opfer durchführen und in ihren Opfern viele wertvolle Ziegen darbringen, können nicht die Vollkommenheit erreichen, Dich zu verstehen. Doch weil sich diese einfachen Dorffrauen und die Kühe ausschließlich dem hingebungsvollen Dienst geweiht haben, sind sie in der Lage, Dich mit ihrer Milch zufriedenzustellen, und Du hast sie zu Deiner vollsten Zufriedenheit getrunken, obwohl Du nicht einmal von denen erfreut werden kannst, die große Opferzeremonien durchführen. Ich bewundere das Glück Maharaja Nandas, Mutter Yasodas, der Kuhhirten und der gopis, denn Du, die Höchste Persönlichkeit Gottes, die Absolute Wahrheit, lebst hier mit ihnen zusammen als das höchste Objekt ihrer Liebe.

Lieber Herr, niemand kann wirklich ermessen, wie glücklich die Einwohner von Vrndavana sind. Wir sind zwar Halbgötter und kontrollierende Gottheiten über die verschiedenen Sinne der Lebewesen, und wir sind sehr stolz darauf, im Genuß solcher Vorrechte zu sein, doch mit den Einwohnern von Vrndavana, die Dich täglich sehen und sich bei all ihren Tätigkeiten Deiner Gemeinschaft erfreuen, können wir uns nicht vergleichen. Wir mögen uns rühmen, kontrollierende Gottheiten der Sinne zu sein, doch hier die Einwohner von Vrndavana befinden sich auf einer solch transzendentalen Ebene, daß sie nicht unserer Aufsicht unterstehen. In Wirklichkeit werden ihre Sinne dadurch zufriedengestellt, daß sie Dir hingebungsvollen Dienst darbringen. Ich würde mich daher sehr glücklich schätzen, wenn ich in einem meiner zukünftigen Leben im Land von Vrndavana geboren werden dürfte.

Lieber Herr, ich bin weder an materiellen Reichtümern noch an Befreiung interessiert. Daher bete ich in aller Demut bei Deinen Lotosfüßen, daß Du es mir erlauben mögest, im Wald von Vrndavana geboren zu werden, so daß ich dort vom Staub der Füße Deiner Geweihten gesegnet werde. Sogar schon die Geburt als bescheidener Grashalm in diesem Land wäre höchst ehrenvoll für mich. Sollte ich jedoch nicht würdig genug sein, direkt im Wald von Vrndavana leben zudürfen, so bitte ich Dich darum, mich zumindest in der unmittelbaren Umgebung von Vrndavana wachsen zulassen, so daß die Gottgeweihten, die vorübergehen, mich mit ihren Lotosfüßen berühren. Selbst das wäre schon eine große Segnung für mich, denn ich sehne mich nach nichts anderem als nach einer Geburt, in der ich vom Staub der Füße Deiner Geweihten gesegnet werde.

Ich sehe, daß alle Bewohner von Vrndavana völlig Krsna-bewußt sind, denn sie kennen nichts anderes als die Lotosfüße Krsnas, die das Ziel aller Veden sind.“

In der Bhagavad-gita wird bestätigt, daß es das Ziel des vedischen Wissens ist, Krsna zu finden. In der Brahma-samhita wird in diesem Zusammenhang gesagt, daß es sehr schwierig ist, Krsna, die Höchste Persönlichkeit Gottes, allein durch das systematische Studium der vedischen Schriften zu erkennen. Durch die Barmherzigkeit eines reinen Gottgeweihten jedoch kann Krsna sehr leicht erreicht werden. Die reinen Geweihten von Vrndavana sind besonders vom Glück begünstigt, denn sie können Mukunda, Sri Krsna, ständig von Angesicht zu Angesicht sehen. Das Wort mukunda hat zwei Bedeutungen: Muk bedeutet Befreiung. Sri Krsna besitzt zweifelsohne die Kraft, Befreiung und somit auch transzendentale Glückseligkeit zugewähren. Zum anderen bezieht sich dieses Wort auf Krsnas lächelndes Gesicht, das starke Ähnlichkeit mit der kunda-Blume hat. Murka bedeutet übersetzt „Gesicht“, und der Vergleich mit der kunda-Blume wird gemacht, weil sie so schön ist, daß sie zu lächeln scheint.

Die reinen Gottgeweihten von Vrndavana unterscheiden sich von anderen Gottgeweihten darin, daß sie kein anderes Verlangen haben, als mit Krsna zusammenzusein. Und da Krsna Seinen Geweihten sehr zugeneigt ist, erfüllt Er ihnen diesen Wunsch. Weil sich die Gottgeweihten immer nur Krsnas Gemeinschaft wünschen, ist Er immer bereit, mit ihnen zusammenzusein. Alle Einwohner von Vrndavana haben die Stufe der spontanen Liebe zu Krsna erreicht. Sie halten sich nicht strikt an die verschiedenen Regeln und Vorschriften, denn dies ist für sie nicht mehr nötig, da sie bereits auf natürliche Weise transzendentale Liebe zu Krsna entwickelt haben. Regeln und Vorschriften sind nur für diejenigen notwendig, die diese Ebene der transzendentalen Liebe noch nicht erreicht haben. Brahma ist auch ein Geweihter des Herrn, aber er ist immer noch an die Regeln und Vorschriften gebunden. Aus diesem Grunde bat er Sri Krsna, ihm die Möglichkeit zugeben, in Vrndavana geboren zuwerden, damit er auf die Ebene der spontanen Liebe erhoben werden könne.

„Lieber Herr“, fuhr Brahma fort, „manchmal frage ich mich, wie es Dir jemals möglich sein wird, die Einwohner von Vrndavana für ihren hingebungsvollen Dienst zu belohnen. Ich kann mir dies kaum vorstellen, obwohl ich eigentlich weiß, daß Du alle Segnungen geben kannst. Man halte sich nur vor Augen, wie gütig und großherzig Du bist. Selbst Putana, die sich als liebevolle Mutter verkleidet hatte und gekommen war, nur um Dich zu überlisten, hast Du befreit, und Du hast ihr sogar die Stellung einer Mutter gewährt. Auch andere Dämonen, wie Aghasura und Bakasura, die zur gleichen Familie gehörten, wurden mit Befreiung gesegnet, Ich muß Dir gestehen, daß meine Verwirrung immer größer wird, je länger ich darüber nachdenke. Die Bewohner von Vrndavana haben Dir alles hingegeben: ihren Körper, ihren Geist und ihre Gedanken, ihre Liebe und ihr Heim. Sie verwenden alles, was sie besitzen, in Deinem Dienst. Aus diesem Grunde wirst Du wohl auf ewig in ihrer Schuld stehen. Du hast Dich Selbst sogar der Hexe Putana gegeben - was gibt es noch mehr, das Du den Einwohnern von Vrndavana geben könntest, die Dir mit Liebe dienen?  Ich sehe nicht, wie Du ihnen jemals diese Schuld zurückbezahlen kannst. Lieber Herr, mir ist klargeworden, daß der Dienst, den Dir die Einwohner von Vrndavana darbringen, deshalb so einzigartig und vollkommen ist, weil sie alle ihre natürlichen Neigungen spontan in Deinem Dienst beschäftigen. Es wird gesagt, daß Anhaftung an materielle Dinge und an das eigene Zuhause nur auf Illusion beruht, durch die das Lebewesen in der materiellen Welt gefangen wird. Doch dies ist nur bei Menschen der Fall, die nicht Krsna-bewußt sind. Für die Einwohner von Vrndavana gibt es solche Hindernisse wie Anhaftung an Heim und Herd nicht. Sie können durch nichts gehindert werden, denn ihre Anhaftung und ihre Liebe sind ausschließlich auf Dich gerichtet, und ihre Häuser sind dank Deiner ständigen Anwesenheit zu Tempeln geworden, und sie haben alles andere Dir zuliebe vergessen. Für einen wirklich Krsna-bewußten Menschen sind Heim und Herd kein Hindernis, denn er ist befreit von Illusion.

Außerdem ist mir klargeworden, daß Dein Erscheinen als kleiner Hirtenjunge, als Sohn der Kuhhirten, nichts Materielles an sich hat. Vielmehr bist Du aus Dankbarkeit für die Zuneigung Deiner Geweihten hierher gekommen, um sie durch Deine transzendentale Anwesenheit immer mehr in ihrem hingebungsvollen Dienst anzuspornen. In Vrndavana gibt es keinen Unterschied zwischen Materiellem und Spirituellem, weil hier alles in Deinem transzendentalen Dienst verwendet wird. Lieber Herr, Deine Spiele in Vrndavana dienen allein dem Zweck, den Enthusiasmus Deiner Geweihten noch mehr anwachsen zu lassen. Wer Deine Spiele für materiell hält, unterliegt daher einem großen Irrtum.

Lieber Sri Krsna, Menschen, die Dich verspotten und behaupten, Dein Körper sei materiell wie der jedes gewöhnlichen Menschen, werden in der Bhagavad-gita als dämonisch und unintelligent bezeichnet. In Wirklichkeit befindest Du Dich ewiglich in einer transzendentalen Stellung. Die Nichtgottgeweihten schaden sich daher selbst, wenn sie Dich für ein Wesen der materiellen Welt halten. In Wirklichkeit erscheinst Du in dieser Form, die der eines gewöhnlichen Kuhhirtenjungen gleicht, weil Du einfach die Hingabe und die transzendentale Glückseligkeit Deiner Geweihten vergrößern willst.

Lieber Herr, ich kann nicht verstehen, wie Menschen von sich behaupten können, sie hätten Gott bereits verwirklicht oder sie seien durch ihre Meditation selbst Gott geworden. Was mich betrifft, so bekenne ich ganz offen, daß ich Dich weder mit meinem Körper noch mit meinem Geist noch mit meinen Worten erfassen kann. Was kann ich schon über Dich sagen? Wie könnte ich Dich mit meinen Sinnen erkennen? Es gelingt mir ja nicht einmal, mit meinem Geist, dem Meister der Sinne, vollkommen an Dich zu denken. Wie sollte dann ein gewöhnlicher Mensch in der Lage sein, Deine transzendentalen Eigenschaften und Taten zu verstehen oder Deinen transzendentalen Körper wahrzunehmen?  Nur durch Deine Barmherzigkeit kann man Dich bis zu einem gewissen Ausmaß erkennen. O mein Herr, manchmal bilde ich mir ein, der Gebieter dieses Universums zu sein, doch in Wirklichkeit beherrscht Du allein die gesamte Schöpfung. Man mag mich zwar als Herr dieses Universums bezeichnen, aber neben diesem einen Universum gibt es noch unzählige andere Universen mit unzähligen anderen Brahmas, und sie alle stehen letztlich unter Deiner Kontrolle. Weil Duals Überseele im Herzen eines jeden Lebewesens weilst, weißt Du alles. Bitte nimm mich daher als Deinen ergebenen Diener an. Ich hoffe, Du verzeihst mir, daß ich Dich bei Deinen Spielen mit Deinen Freunden und Kälbern gestört habe. Wenn Du es mir erlaubst, werde ich mich nun von hier entfernen, so daß Du Dich der Gemeinschaft Deiner Freunde und Kälber erfreuen kannst, ohne durch meine Gegenwart gestört zuwerden.

Mein lieber Sri Krsna, bereits Dein Name besagt, daß Du allanziehend bist. Die Anziehungskraft der Sonne und des Mondes findet ihren Ursprung allein in Dir. Durch die Anziehungskraft der Sonne verschönerst Du das Leben der Yadu-Dynastie. Und durch die Anziehungskraft des Mondes vergrößerst Du die Kraft des Landes, der Halbgötter, der brahmanas, der Kühe und der Ozeane. Auch werden durch Deine höchst erhabene Anziehungskraft Dämonen wie Kamsa und andere vernichtet werden. Daher bin ich zu der wohlüberlegten Schlußfolgerung gekommen, daß Du allein der verehrungswürdige Herr der gesamten Schöpfung bist. Laß mich Dir bitte bis zur Zeit der Vernichtung dieser materiellen Welt meine demütigen Ehrerbietungen darbringen. Solange es Sonnenschein in der materiellen Welt gibt, erweise ich Dir meine demütigen Ehrerbietungen.“

Auf diese Weise erwies Brahma, der Meister des Universums, der Höchsten Persönlichkeit Gottes, Sri Krsna, seine demütigen und achtungsvollen Ehrerbietungen und umkreiste Ihn dreimal. Er wollte nun wieder in sein Reich, Brahmaloka, zurückkehren, und mit einer Geste gab ihm die Höchste Persönlichkeit Gottes die Erlaubnis. Sowie sich Brahma entfernt hatte, erschien Sri Krsna genauso wie an dem Tag, als die Kälber und Kuhhirtenjungen verschwunden waren.

Als Krsna Seine Freunde am Ufer der Yamuna allein zurückgelassen hatte, waren sie gerade dabeigewesen, ihr Mittagessen zu sich zu nehmen. Obwohl inzwischen genau ein Jahr vergangen war, dachten die Jungen, es habe nur einen kurzen Augenblick gedauert, bis Krsna wieder zurückkehrte. Das ist die wunderbare Wirkungsweise von Sri Krsnas mannigfaltigen Energien und Taten. In der Bhagavad-gita wird dazu gesagt, daß Krsna im Herzen eines jeden Lebewesens weilt und daß von Ihm Erinnerung und Vergessen kommen. Alle Lebewesen werden von der absoluten Energie des Herrn beherrscht; manchmal erinnern sie sich an ihre wesenseigene Stellung, und manchmal vergessen sie diese Stellung. Weil auch Krsnas Freunde von dieser Energie beherrscht wurden, wußten sie nicht, daß sie ein ganzes Jahr lang vom Yamuna-Ufer entfernt gewesen waren und sich unter Brahmas Zauberbann befunden hatten. Als Krsna dann zu den Kuhhirtenjungen zurückkehrte, dachten sie: „Kaum eine Minute ist vergangen, und schon kehrt Krsna wieder zurück.“ Sie begannen zu lachen, denn sie dachten, Krsna habe es nicht über das Herz bringen können, die Gesellschaft Seiner fröhlich speisenden Gefährten für längere Zeit zu verlassen. Die Kuhhirtenjungen wurden bei diesem Gedanken sehr glücklich und luden Krsna ein, Sich wieder zu ihnen zu setzen: „Krsna, lieber Freund, Du bist ja schnell wieder zurück! Wir haben zum Glück noch gar nicht angefangen zu essen - nicht einen Bissen. Komm und setz Dich zu uns, so daß wir gemeinsam essen können.“ Krsna nahm die Einladung Seiner Freunde lächelnd an und erfreute Sich so des gemeinsamen Mittagessens. Währende alle vergnügt speisten, dachte Krsna: „Diese Jungen glauben tatsächlich, Ich sei schon nach ein paar Sekunden zurückgekommen; sie wissen nicht, daß Ich Mich ein Jahr lang mit Brahmas mystischem Zauber befaßt habe.“

Nachdem Krsna und Seine Freunde ihr Mal beendet hatten, machten sie sich zusammen mit den Kälbern auf den Heimweg nach Vrajabhumi, und während sie zurückkehrten, kamen sie auch am gigantischen Leichnam von Aghasura vorbei, den sie fröhlich und vergnügt bestaunten. Als Krsna in Vrndavana einzog, waren die Blicke aller Einwohner auf Ihn gerichtet. Krsna trug eine Pfauenfeder, die in Seinem Helm steckte, der mit Waldblumen geschmückt war; um Seinen Hals schwang sich eine Blumengirlande, und Er hatte Sich mit verschiedenen Erdfarben bemalt, die aus den Höhlen des Govardhana-Hügels stammten. Der Govardhana-Hügel ist auch heute noch für seine roten Erdfarben berühmt, und Krsna und Seine Freunde pflegten sich mit diesen Farben zu bemalen. Jeder Seiner Freunde trug ein Büffelhorn, einen Hirtenstab und eine Flöte, und sie riefen ihre Kälber bei ihren jeweiligen Namen. Die Knaben waren alle so stolz auf Krsnas Wundertat, daß sie beider Rückkehr ins Dorf laut Seine Herrlichkeit besangen. Alle gopis von Vrndavana sahen, wie der schöne Krsna heimkehrte. Die Knaben dichteten aus dem Stegreif wohlklingende Lieder, in denen sie beschrieben, wie sie aus dem Rachen der großen Schlange gerettet wurden und wie Krsna den Dämon tötete. In einigen der Lieder wurde Krsna als der Sohn Yasodas gepriesen und in anderen als der Sohn Nanda Maharajas. „Krsna ist einfach großartig. Er hat uns aus dem Schlund der großen Schlange errettet und sie mühelos getötet“, sangen die Knaben. Aber niemand von ihnen ahnte, daß seit dem Erlebnis mit dem Aghasura- Dämon bereits ein Jahr vergangen war.

An dieser Stelle wandte sich Maharaja Pariksit an Sukadeva Gosvami und fragte ihn, wie es möglich gewesen sei, daß die Einwohner von Vrndavana plötzlich so viel Liebe für Krsna entwickelten, obgleich Er gar nicht ihr Sohn war. Maharaja Pariksit fragte auch: „Als die ursprünglichen Kuhhirtenjungen verschwunden waren und Sich Krsna Selbst in sie erweiterte, warum liebten die Eltern diese Jungen dann mehr als ihre eigenen? Und warum verspürten die Kühe plötzlich eine viel größere Zuneigung zu diesen Kälbern als zu ihren eigenen?“

Sukadeva Gosvami erklärte Maharaja Pariksit, daß jedes Lebewesen am meisten an sich selbst hängt. Äußerlichkeiten wie Heim, Familie, Freunde, Land, Gesellschaft, Reichtum, Wohlstand, Ruhm usw. sind an sich für das Lebewesen zweitrangig, denn es interessiert sich nur so lange für diese Dinge, wie sie ihm Freude bereiten. So ist es auch zu erklären, daß die Menschen egozentrisch sind und sich selbst und ihren Körper mehr lieben als Frau, Kinder, Verwandte und Freunde. Wenn man in Gefahr ist, sorgt man zuallererst für sich selbst und denkt erst dann an andere. Das ist ganz natürlich, und es beweist, daß man nichts mehr liebt als das eigene Selbst. Das nächstwichtige Objekt der Anhaftung zu Zuneigung ist - nach dem eigenen Selbst - der eigene materielle Körper. Wer nichts von der ewigen spirituellen Seele weiß, haftet so stark am materiellen Körper, daß er sogar noch im Alter versucht, mit allen möglichen künstlichen Mitteln und Methoden jung zu bleiben, indem er sich einbildet, sein alter, verbrauchter Körper sei noch auf irgendeine Weise zu retten. Jeder arbeitet Tag und Nacht sehr hart, um das eigene Selbst zu erfreuen, sei es unter einer körperlichen oder unter einer spirituellen Auffassung des Lebens. Wir haften nur deshalb an materiellen Besitztümern, weil sie den Sinnen und dem Körper Genuß verschaffen. Den Körper wiederum lieben wir nur deshalb, weil sich in ihm das „Ich“, die spirituelle Seele, befindet, und wer noch fortgeschrittener ist, weiß, daß man die spirituelle Seele nur deshalb liebt, weil sie ein Teil Krsnas ist. Letzten Endes ist es also Krsna, der freudespendend und allanziehend ist. Er ist die Überseele in allem Existierenden. Um dieses Wissen zuverkünden, erscheint der Höchste Herr unter uns und zeigt, daß Er der allanziehende Mittelpunkt ist. Nichts kann anziehend sein, wenn es nicht eine Erweiterung Krsnas ist.

Alles, was in dieser kosmischen Manifestation faszinierend ist, ist eine Erweiterung Sri Krsnas, des Ursprungs aller Freude. Er ist das aktive Prinzip in allem, was existiert, und daher sehen die erleuchteten Transzendentalisten alles in Beziehung zu Ihm. Im Caitanya-caritamrta wird gesagt, daß ein maha-bhagavata, d.h. ein weit fortgeschrittener Gottgeweihter, Krsna als das aktive Prinzip in allen sich bewegenden und sich nicht bewegenden Lebewesen erkennt. Daher sieht er alle in der kosmischen Manifestation in Verbindung zu Krsna. Jeder vom Glück begünstigte Mensch, der verwirklicht hat, daß Krsna alles ist, und mit dieser Erkenntnis bei Ihm Zuflucht gesucht hat, ist bereits befreit. Ein solcher Mensch lebt, mit anderen Worten, nicht mehr in der materiellen Welt. Dies wird ebenfalls in der Bhagavad-gita bestätigt. Jeder, der sich im hingebungsvollen Dienst für Krsna betätigt, befindet sich bereits auf der brahma-bhuta-Stufe, der spirituellen Ebene. Allein der Name „Krsna“ weist auf Tugend und Befreiung hin, und somit steigt jeder, der bei Krsnas Lotosfüßen Zuflucht sucht, in das sichere Boot ein, mit dem er den Ozean der Unwissenheit überqueren kann. Für eine solch hingegebene Seele wird dieser weite Ozean so klein wie das Wasser im Hufabdruck eines Kalbes. Somit ist Krsna das Ziel aller großen Seelen, und Er ist die Zuflucht aller materiellen Welten.

Für einen Menschen, der fest im Krsna-Bewußtsein verankert ist, ist Vaikuntha, die spirituelle Welt, nicht fern. Er lebt nicht mehr in der materiellen Welt, wo auf Schritt und Tritt Gefahr lauert. So erklärte Sukadeva Gosvami Maharaja Pariksit das Krsna-Bewußtsein in seinem vollen Umfang. Er rezitierte vor dem König sogar die Worte und Gebete Brahmas. Die Beschreibung von Sri Krsnas Spielen in der Gemeinschaft der Kuhhirtenjungen, wie Er mit ihnen zu Mittag aß und wie Brahma Ihm Gebete darbrachte, sind alles transzendentale Themen. Jeder, der diese Beschreibung hört, sie weitererzählt oder chantet, erfährt mit Sicherheit die Erfüllung all seiner spirituellen Wünsche. Auf diese Weise wurden Krsnas Kindheit und Seine vergnüglichen Spiele, die Er zusammen mit Balarama in Vrndavana vollführte, beschrieben.

Hiermit enden die Bhaktivedanta-Erläuterungen zum 14. Kapitel des Krsna-Buches: "Brahma bringt Sri Krsna seine Gebete dar".