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Die Transzendentalen Spiele Sri Krishnas
Von Seiner Heiligkeit A.C. Bhaktivedanta Swami Prabhupada

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31. Kapitel: Die Lieder der gopis


Eine gopi sagte: "Mein lieber Krsna, seitdem Du im Land von Vrajabhumi erschienen bist, ist alles glorreich geworden. Das Land von Vrndavana ist glorreich geworden, und es scheint, als ob die Glücksgöttin selbst stets anwesend sei. Wir sind die einzigen, die unglücklich sind, denn all unsere Versuche, Dich wiederzufinden, blieben erfolglos. Unser Leben ist ganz von Dir abhängig, und deshalb bitten wir Dich, wieder zu uns zurückzukommen.“

Eine andere gopi sagte: "Lieber Krsna, Du bist sogar das Leben und die Seele der Lotosblumen, die auf den Seen blühen, deren Wasser durch die Regenfälle des Herbstes kristallklar geworden ist. Diese Lotosblumen sind sehr schön, doch sie würden verwelken, wenn Du nicht Deinen Blick über sie gleiten ließest. Ebenso können auch wir ohne Dich nicht leben. Wir sind weder Deine Frauen noch Deine Sklavinnen. Du hast niemals Geld für uns ausgegeben, doch allein Dein Blick genügt schon, um uns zu erobern. Wenn wir nun sterben, weil Du uns nicht mehr mit Deinem Blick beglückst, wirst Du an unserem Tod schuld sein. Frauen zu töten ist eine schwere Sünde, und wenn wir ums Leben kommen, weil Du nicht mehr zu uns zurückkehrst, wirst Du schwere sündhafte Reaktionen erleiden müssen. Komm also bitte zu uns zurück. Glaube nicht, man könne nur durch Waffen getötet werden; nein, wir werden durch Deine Abwesenheit getötet. Sei Dir also bewußt, daß Du für den Tod von Frauen verantwortlich wirst. Wir sind Dir trotz allem zu ewigem Dank verpflichtet, weil Du uns schon oft beschützt hast: vor dem vergifteten Wasser der Yamuna, vor der Schlange Kaliya, vor Bakasura, vor dem Zorn Indras und seinen verheerenden Regenstürmen, vor dem Waldbrand und vor vielen anderen Gefahren. Du bist das größte und mächtigste aller Lebewesen, und deshalb ist es so wunderbar, wie Du uns oftmals aus größter Gefahr gerettet hast. Aber warum, so fragen wir erstaunt, weist Du uns gerade in dieser Stunde von Dir? Lieber Krsna, lieber Freund, wir wissen sehr wohl, daß Du im Grunde nicht der Sohn von Mutter Yasoda und Nanda Maharaja bist. Du bist die Höchste Persönlichkeit Gottes, die Überseele aller Lebewesen. Aus Deiner grundlosen Barmherzigkeit bist Du auf die Erde herabgestiegen, weil Brahma Dich bat, die Welt zu retten. Einzig und allein aus Deiner Güte bist Du in der Yadu-Dynastie erschienen. O Bester der Yadu-Dynastie, wenn jemand der materialistischen Lebensweise müde wird und Zuflucht bei Deinen Lotosfüßen sucht, weigerst Du Dich niemals, ihm diese Zuflucht zu gewähren. Deine Bewegungen sind überaus anmutig, und Du bist vollkommen unabhängig; Du hast Deine eine Hand auf die Glücksgöttin gelegt, und in der anderen hältst Du eine Lotosblume. Solcherart ist Dein außergewöhnliches Erscheinen. Bitte komme deshalb zu uns zurück, und segne uns mit der Lotosblume in Deiner Hand.

Lieber Krsna, Du nimmst den Einwohnern von Vrndavana alle Furcht. Du bist der mächtigste Held, und wir wissen, daß Du den unbegründeten Stolz Deines Geweihten wie auch den Hochmut von Frauen, wie wir es sind, einfach durch Dein bezauberndes Lächeln zerstören kannst. Wir sind nichts anderes als Deine Dienerinnen und Sklavinnen. Nimm uns deshalb als solche an, indem Du uns Dein lotosgleiches Antlitz zeigst.

Lieber Krsna, wir müssen Dir gestehen, daß sich große Lust in uns regte, als Du uns mit Deinen Lotosfüßen berührtest. Deine Lotosfüße zerstören alle Sünden eines Gottgeweihten, der bei ihnen Zuflucht gesucht hat, und Du bist so gütig, daß Du sogar gewöhnlichen Tieren die Zuflucht Deiner Lotosfüße nicht versagst. Deine Lotosfüße sind auch der Aufenthaltsort der Glücksgöttin, und dennoch hast Du Deine Lotosfüße auf die Köpfe der Schlange Kaliya gesetzt und auf ihnen getanzt. Erhöre nun gütigerweise unsere Bitte und setze Deine Lotosfüße auf unsere Brüste, so daß unsere brennenden Verlangen, Dich zu berühren, beruhigt werden.

O Herr, der Anblick Deiner Augen, die dem Lotos gleichen, ist überaus wohltuend, und Deine süßen Worte sind so faszinierend, daß selbst die größten Gelehrten sich an ihnen erfreuen und von großer Zuneigung zu Dir erfüllt werden. Auch wir sind von Deinen Worten und von der Schönheit Deines Antlitzes und Deiner Augen bezaubert. Bitte stille deshalb unser Verlangen durch Deine nek targleichen Küsse. Lieber Herr, die Worte, die Du gesprochen hast, und die Worte, die Deine Taten beschreiben, sind voll von Nektar, und jeder, der einfach Deine Worte wiederholt und hört, kann aus dem lodernden Feuer des materiellen Daseins errettet werden. Große Halbgötter wie Brahma und Siva chanten ständig über Deinen Ruhm, um so die Sünden aller Lebewesen in der materiellen Welt auszulöschen. Wenn man einfach nur versucht, Deine transzendentalen Worte zu hören, kann man schon sehr bald auf die Ebene frommer Tätigkeiten erhoben werden. Den Vaisnavas bereiten Deine Worte transzendentale Freude, und die heiligen Persönlichkeiten, die Deine transzendentale Botschaft über die ganze Welt verbreiten, sind die größten Wohltäter." (Dies wurde von Rupa Gosvami bestätigt, als er ein Gebet an Sri Caitanya richtete und Ihn dort als die großmütigste Inkarnation bezeichnete, weil Er, Sri Caitanya, die Worte Krsnas und Liebe zu Krsna frei und ohne Unterscheidungen zu machen über die ganze Welt verbreitete.)

"Lieber Krsna, Du bist sehr schlau", fuhren die gopis fort. "Du kannst Dir nicht vorstellen, wie bekümmert wir sind, wenn wir uns an Dein verschmitztes Lächeln, an Deinen wohltuenden Blick, an unsere gemeinsamen Stunden im Wald von Vrndavana und an Deine glückverheißenden Meditationen erinnern.

Unser Herz schlug schneller, als Du mit uns an einsamen Orten vertrauliche Worte gewechselt hast. Nun befällt uns Schwermut und Sehnsucht, wenn wir uns an all dies erinnern. Bitte rette uns. Lieber Krsna, sicherlich weißt Du, wie traurig wir sind, wenn Du das Dorf von Vrndavana verläßt, um die Kühe im Wald zu hüten. Allein der Gedanke daran, daß Deine sanften Lotosfüße von dürren Halmen und spitzen Steinen gestochen werden könnten, bereitet uns tiefen Schmerz. Wir hängen so sehr an Dir, daß wir ständig nur an Deine Lotosfüße denken.

O Krsna, wenn Du mit den Kühen von den Weidegründen zurückkehrst, ist Dein von Locken umrahmtes Gesicht von dem Staub bedeckt, den die Kühe mit ihren Hufen aufwirbeln. Jedesmal, wenn wir Dein sanftes Lächeln sehen, vergrößert sich unser Verlangen, uns mit Dir zu erfreuen. O lieber Krsna, Du bist der höchste Geliebte, und stets gewährst Du den Dir ergebenen Seelen Zuflucht. Du erfüllst die Wünsche aller Lebewesen, und Deine Lotosfüße werden sogar von Brahma, dem Schöpfer des Universums, verehrt. Jedem, der Deine Lotosfüße verehrt, erteilst Du bereitwillig Deinen Segen. Sei also bitte nicht böse auf uns, sondern schenk uns Deine Barmherzigkeit und setze Deine Lotosfüße auf unsere Brüste, so daß unser Schmerz gelindert wird. Lieber Krsna, wir sehnen uns nach Deinen Küssen, die Du sogar Deiner Flöte gibst. Der Klang Deiner Flöte bezaubert die ganze Schöpfung und so auch unsere Herzen. Komm deshalb bitte zu uns zurück, und küsse uns mit Deinem Nektarmund."

Als Sri Krsna schließlich wieder zurückkehrte und die gopis sich um Ihn drängten, sah Er wunderschön aus, so wie es jemandem, der vielfältige Füllen besitzt, gebührt. In der Brahma-samhita heißt es, ananda-cin-maya-rasa-pratibhavitabhih: Krsna allein strahlt nicht eine solch vollkommene Schönheit aus, wie wenn Er mit Seiner Energie, die von Ihm ausgeht — insbesondere mit Seiner Freudenenergie, die von Radharani repräsentiert wird —, zusammen ist. Die Mayavada-Vorstellung, nach der die Absolute Wahrheit keine Energie besitzt, zeugt von unzureichendem Wissen. Die Absolute Wahrheit wäre unvollkommen, würde sie nicht die verschiedensten Energien entfalten. Ananda-cin-maya-rasa bedeutet, daß Krsnas Körper aus ewiger Glückseligkeit und ewigem Wissen besteht. Krsna wird stets von den vielfältigsten Energien umgeben, und deshalb ist Er vollkommen und schön. Aus der Brahma-samhita und dem Skanda Purana erfahren wir, daß Sich Krsna immer inmitten von vielen Tausenden von Glücksgöttinnen befindet. Die gopis sind alle Glücksgöttinnen, und Krsna ging mit ihnen Hand in Hand am Ufer der Yamuna entlang.

Im Skanda Purana heißt es, daß unter den vielen Tausenden von gopis 16 000 führend sind; unter diesen 16 000 gopis gibt es 108, die besonders hervorragen, und von diesen 108 gopis ragen acht wiederum besonders hervor. Von diesen acht gopis sind Radharani und Candravali die führenden, und von diesen beiden ist Radharani die erste.

Als Krsna im Wald am Ufer der Yamuna erschien, wurde die Dunkelheit vom Leuchten des Mondes vertrieben. In dieser Jahreszeit blühten viele Blumen wie die kunda- und kadamba-Blumen, und ein sanfter Wind verbreitete ihren Duft. Die Bienen wurden hervorgelockt, weil sie den Duft für Honig hielten. Die gopis bauten einen Sitz für Krsna, indem sie den weichen Sand anhäuften und einige Kleidungsstücke darauflegten.

Die gopis, die sich dort eingefunden hatten, waren größtenteils Befolger der Veden. In ihrem früheren Leben, während Sri Ramacandras Erscheinen, waren sie vedische Gelehrte gewesen, die sich gewünscht hatten, mit Sri Ramacandra in ehelicher Liebe zusammenzusein. Ramacandra hatte ihnen die Segnung gegeben, daß sie zusammen mit Sri Krsna erscheinen würden und daß Er ihre Wünsche erfüllen werde. Als Krsna dann erschien, wurden diese vedischen Gelehrten als gopis in Vrndavana geboren; so ging ihr langgehegter Wunsch in Erfüllung, und sie durften als junge gopis mit Krsna zusammensein. Weil sie alle das höchste Ziel ihres vollkommenen Wunsches erreicht hatten, waren sie so glücklich, daß sie keine anderen Wünsche mehr kannten. Dies wird in der Bhagavad-gita bestätigt, wo es heißt, daß jemand, der die Höchste Persönlichkeit Gottes erreicht, sich nichts anderes mehr wünscht. Als Krsna zu den gopis zurückkehrte, verflog all ihr Kummer, und ihre Klagen in Trennung von Krsna fanden ein Ende. Sie hatten alles bekommen, wonach sie sich gesehnt hatten, und weil sie wieder mit Krsna zusammensein durften, waren sie wunschlos glücklich. Sorgfältig breiteten sie Kleidungsstücke auf dem Boden aus, um für Krsna einen Sitzplatz herzurichten. Diese Kleidungsstücke bestanden aus feinsten Linnenstoffen und waren mit dem roten kunkuma, der ihre Brüste schmückte, durchdrungen. Krsna war ihr Leben und ihre Seele, ihr ein und alles, und so bereiteten sie Ihm einen bequemen Sitzplatz.

Als Krsna dann in ihrer Mitte saß, vergrößerte sich Seine Schönheit noch mehr. Große yogis wie Brahma, Siva und sogar Sri Sesa bemühen sich ständig, ihren Geist vollkommen auf Krsna in ihrem Herzen zu richten; doch diesen Krsna sahen nun die gopis, wie Er vor ihnen auf ihren Kleidern saß. Umgeben von all den gopis, bot Krsna einen unvergleichlich schönen Anblick. Sie waren die hübschesten Mädchen der drei Welten, und sie alle waren gekommen, um mit Krsna zusammenzusein.

Hier kann sich die Frage erheben, wie es möglich war, daß Sich Krsna neben so vielen gopis hinsetzte und trotzdem nur ein Krsna dasaß. In diesem Zusammenhang verwendet das Srimad-Bhagavatam ein bedeutungsvolles Wort: isvara. Dieses Wort findet man auch in der Bhagavad-gita: isvarah sarva-bhutanam. Isvara bezieht sich auf den Höchsten Herrn, der Sich als Überseele im Herzen eines jeden befindet. Diese Kraft, sich als Paramatma zu erweitern, manifestierte Krsna auch, als Er Sich zu den gopis gesellte, denn Er setzte Sich bei jeder einzelnen gopi hin, ohne daß Er von den anderen gesehen wurde. Krsna erwies Sich den gopis gegenüber als so gütig, daß Er nicht in ihren Herzen blieb, wo Er nur durch yoga-Meditation wahrgenommen werden kann, sondern Sich direkt an ihre Seite setzte. Dadurch, daß Krsna äußerlich erschien, beschenkte Er die gopis, die auserwählten Schönheiten der gesamten Schöpfung, mit einer einzigartigen Gunst, und die gopis, die glücklich waren, daß sie ihren innig geliebten Herrn wieder bei sich hatten, bewegten zu Seiner Freude ihre Augenbrauen, lächelten Ihm liebevoll zu und unterdrückten dabei ihren Unmut. Einige von ihnen nahmen Seine Lotosfüße auf ihren Schoß und massierten sie, während sie sich mit einem Lächeln auf den Lippen vertraulich an Krsna wandten und Ihm gegenüber ihren unterdrückten Unmut andeuteten: "Lieber Krsna, wir sind einfache Frauen aus Vrndavana, und wir wissen nicht viel über die Veden — was richtig und was falsch ist. Wir möchten Dir deshalb eine Frage stellen. Du bist sehr gelehrt und kannst uns sicherlich die richtige Antwort geben. In der Beziehung zwischen Geliebten sehen wir, daß es drei Arten von Männern gibt. Die einen machen ihre Liebe davon abhängig, was sie bekommen; die anderen haben immer eine liebevolle Haltung, selbst wenn die Geliebte einmal abweisend ist, und die dritten sind zwar nicht abweisend, doch sie erwidern auch Gefühle der Liebe nicht. Welche dieser drei Arten ziehst Du vor, und welche würdest Du als ehrlich bezeichnen?"

"Meine lieben Freundinnen", entgegnete ihnen Krsna, "diejenigen, die einfach nur mit so viel Liebe antworten, wie sie bekommen, sind nichts anderes als Händler. In ihren Beziehungen sind sie nicht bereit, mehr zu geben, als sie bekommen. Im Grunde kann man hier gar nicht von Liebe sprechen. Es ist einfach nur eine Geschäftsbeziehung, bei der das Selbstinteresse und der eigene Gewinn im Vordergrund stehen. Weitaus besser sind diejenigen, die immer eine liebevolle und gütige Haltung haben, selbst wenn die Gegenseite einmal unfreundlich ist; sogar eine Beziehung, bei der es sich nicht um eine Liebesbeziehung handelt, ist immer noch besser als eine Beziehung, bei der man aus Liebe ein Geschäft machen will. Aufrichtige Liebe findet man zum Beispiel bei Eltern, die ihre Kinder lieben, selbst wenn sie von ihnen abweisend behandelt werden. Die dritte Art von Menschen, diejenigen, die eine Beziehung weder erwidern noch abweisen, können zweifach unterteilt werden. Die einen sind in sich selbst zufrieden, und daher sind sie auf die Liebe anderer nicht angewiesen. Sie werden atmarama genannt, was bedeutet, daß sie ständig in Gedanken an die Höchste Persönlichkeit Gottes versunken sind, so daß es für sie keinen Unterschied macht, ob man sie liebt oder nicht. Die anderen sind diejenigen, die undankbar sind und sich gefühllos benehmen. Diese Menschen lehnen sich gegen alle Höhergestellten auf, genau wie ein Sohn seinen Eltern gegenüber, die alles für ihn getan haben, manchmal undankbar und gefühllos ist und ihre Liebe nicht erwidert. Menschen dieser Art werden im allgemeinen gurudruha genannt, was bedeutet, daß sie die Eltern bzw. den spirituellen Meister mißachten, obwohl diese ihnen so große Gunst erweisen."

Damit beantwortete Krsna indirekt alle Fragen der gopis und ging sogar auf ihren versteckten Vorwurf ein, Er habe ihre Liebe nicht angemessen erwidert. Er gab ihnen durch Seine Antwort zu verstehen, daß Er als die Höchste Persönlichkeit Gottes in Sich Selbst zufrieden ist. Er ist nicht davon abhängig, ob Ihn jemand liebt oder nicht, aber gleichzeitig, so sagte Krsna, sei Er auch nicht undankbar.

"Meine lieben Freundinnen", fuhr Krsna fort, "Meine Worte und Mein Verhalten mögen euch betrübt haben, doch wisset, daß Ich zuweilen die Liebe Meiner Geweihten nicht erwidere. Meine Geweihten hängen sehr an Mir, doch manchmal erwidere Ich ihre Gefühle nicht dementsprechend, um ihre Liebe zu Mir noch mehr zu vergrößern. Wenn es nichts Außergewöhnliches wäre, zu Mir zu gelangen, würden sie vielleicht denken: 'Krsna ist so leicht zu haben.' Nur aus diesem Grunde antwortete Ich manchmal nicht. Wenn ein mittelloser Mensch plötzlich zu Reichtum kommt, ihn jedoch kurz darauf wieder verliert, wird er vierundzwanzig Stunden am Tag an nichts anderes mehr denken können als an seinen verlorenen Besitz. Ebenso sieht es manchmal aus, als hätten Meine Geweihten Mich verloren, doch statt Mich zu vergessen, fühlen sie, wie ihre Liebe zu Mir immer mehr zunimmt. Meine lieben Freundinnen, denkt niemals auch nur für einen Augenblick, Ich hätte euch wie gewöhnliche Gottgeweihte behandelt. Ich weiß, wen Ich vor Mir habe. Ihr habt alle gesellschaftlichen und religiösen Verpflichtungen hinter euch gelassen, und ihr habt einfach eure Eltern und Familien verlassen. Ohne euch um irgendwelche Gebote oder Verbote zu kümmern, seid ihr zu Mir gekommen, um Mir eure Liebe darzubringen, und deshalb fühle Ich Mich euch so zu Dank verpflichtet, daß Ich euch niemals wie gewöhnliche Gottgeweihte behandeln könnte. Denkt also bitte nicht, Ich sei euch jemals fern gewesen. Nein, Ich war immer in eurer Nähe. Ich habe euch beobachtet, wie sehr ihr euch in Meiner Abwesenheit nach Mir gesehnt habt. Versucht also bitte nicht, Fehler in Mir zu finden. Weil ihr Mich eurer Liebe für würdig haltet, bitte Ich euch, Mir gütigerweise zu verzeihen, wenn Ich irgend etwas falsch gemacht habe. Ich kann euch niemals eure unaufhörliche Liebe zu Mir vergelten, selbst dann nicht, wenn Ich es für eine solch lange Zeit versuchen würde, wie die Halbgötter auf den himmlischen Planeten leben. Es ist Mir nicht möglich, euch für eure Liebe zu belohnen oder euch auch nur in angemessener Weise Meine Dankbarkeit zu zeigen. Seid daher bitte mit euren eigenen frommen Tätigkeiten zufrieden. Eure Liebe und Zuneigung zu Mir ist beispielhaft, und sie hat euch befähigt, die größten Schwierigkeiten zu überwinden, die ihren Ursprung in den Familienverbindungen haben. Deshalb bitte Ich euch, einfach mit eurem großartigen und beispiellosen Charakter zufrieden zu sein, denn Ich sehe Mich außerstande, euch Meine Schuld zurückzuzahlen."

Die Gottgeweihten von Vrndavana gaben mit ihrem Dienst zu Krsna das beste Beispiel für die reinste Art der Hingabe. In den sastras wird gesagt, daß hingebungsvoller Dienst ahaituka und apratihata sein muß, das heißt, der hingebungsvolle Dienst zu Krsna kann weder durch politische noch durch religiöse Bestimmungen aufgehalten werden, denn die Stufe des hingebungsvollen Dienstes ist immer und unter allen Umständen transzendental dazu. Die gopis im besonderen dienten Krsna mit solch reiner Hingabe, daß selbst Krsna in ihrer Schuld blieb. Sri Caitanya erklärte daher, der hingebungsvolle Dienst der gopis in Vrndavana übertreffe alle anderen Methoden, wie man sich der Höchsten Persönlichkeit Gottes zuwenden könne.

Hiermit enden die Bhaktivedanta-Erläuterungen zum 31. Kapitel des Krsna-Buches: "Die Lieder der gopis".