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Die Transzendentalen Spiele Sri Krishnas
Von Seiner Heiligkeit A.C. Bhaktivedanta Swami Prabhupada

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45. Kapitel: Uddhava besucht Vrndavana


Nanda Maharaja kehrte ohne Krsna und Balarama nach Vrndavana zurück. Er wurde nur von den Kuhhirten und den Kuhhirtenjungen begleitet. Die Enttäuschung der gopis, Mutter Yasodas, Srimati Radharanis und aller anderen Einwohner von Vrndavana war unbeschreiblich. Viele Gottgeweihte haben versucht klarzustellen, wie es zu verstehen ist, daß Krsna von Vrndavana fern war, denn nach Ansicht der fortgeschrittenen Gottgeweihten verläßt Krsna Vrndavana niemals auch nur mit einem Schritt. Er bleibt immer dort. Die Erklärung der gelehrten Gottgeweihten lautet, daß Krsna in Wirklichkeit nicht von Vrndavana fernblieb. Er kehrte, wie versprochen, mit Nanda Maharaja zurück.

Als Krsna auf Akruras Kutsche nach Mathura fahren wollte und die gopis sich Ihm in den Weg stellten, hatte Er ihnen versprochen, sofort zu ihnen zurückzukehren, wenn Seine Aufgabe in Mathura erfüllt sei. Er hatte die Mädchen gebeten, nicht bekümmert zu sein, und hatte sie auf diese Weise beruhigen können. Da Er nun aber nicht mit Nanda Maharaja zurückkehrte, sieht es so aus, als habe Er entweder die gopis betrügen wollen oder dann Sein Versprechen nicht halten können. Erfahrene Gottgeweihte indessen haben erklärt, daß Krsna niemals betrügt und auch niemals Sein Versprechen bricht. Krsna in Seiner ursprünglichen Identität kehrte zusammen mit Nanda Maharaja zurück und hielt Sich in Seiner bhava-Erweiterung bei den gopis und Mutter Yasoda auf. Krsna und Balarama blieben nicht in Ihrer ursprünglichen Form in Mathura, sondern in Form Ihrer Erweiterungen als Vasudeva und Sankarsana. Der wirkliche Krsna und der wirkliche Balarama befanden Sich in Ihrer bhava-Manifestation in Vrndavana, während Sie in Mathura in Ihren prabhava- und vaibhava-Erweiterungen erschienen. Das ist die sachverständige Ansicht der fortgeschrittenen Geweihten Sri Krsnas. Als sich Nanda Maharaja zur Rückreise nach Vrndavana anschickte, hatte er mit Krsna und Balarama darüber gesprochen, ob Sie getrennt von ihm würden leben können. So waren sie schließlich alle übereingekommen, sich trotz allem zu trennen.

Vasudeva und Devaki waren die wirklichen Eltern von Krsna und Balarama, und jetzt, wo Kamsa tot war, wollten sie, daß die beiden bei ihnen blieben. Solange Kamsa gelebt hatte, hatten die beiden unter Nanda Maharajas Obhut in Vrndavana gelebt, und so war es nur natürlich, daß Vasudeva und Devaki Krsna und Balarama bei sich behalten wollten, vor allem auch deshalb, weil sie ihre beiden Söhne in der Reinigungszeremonie, der Zeremonie der heiligen Schnur, einweihen lassen wollten. Außerdem wollten sie Ihnen eine gute Bildung zukommen lassen, denn dies ist die Pflicht eines jeden Vaters. Ein weiterer Gesichtspunkt war, daß alle Freunde von Kamsa, die mit ihm verbündet waren, planten, Mathura anzugreifen. Schon aus diesem Grund mußte Krsna in Mathura bleiben, denn Er wollte nicht, daß Vrndavana von Feinden wie Dantavakra und Jarasandha heimgesucht würde. Doch wenn Er nach Vrndavana ginge, würden sie nicht nur Mathura, sondern auch Vrndavana angreifen und die Dorfbewohner in ihrem Frieden stören. Krsna beschloß daher, in Mathura zu bleiben, und so kehrte Nanda Maharaja allein nach Vrndavana zurück. Obwohl die Einwohner von Vrndavana starke Trennungsgefühle hatten, war Krsna ständig durch Seine lilas, Seine Spiele, bei ihnen gegenwärtig, und dies erfüllte sie mit ekstatischer Freude.

Seit Krsna Vrndavana verlassen hatte und nach Mathura gefahren war, hatten die Einwohner von Vrndavana, vor allem Mutter Yasoda, Nanda Maharaja, Srimati Radharani, die gopis und die Kuhhirtenjungen, bei jedem Schritt nur noch an Krsna gedacht: "Krsna hat so viele Spiele ausgeführt. Krsna spielte auf Seiner Flöte. Krsna scherzte mit uns, und Krsna umarmte uns." Dies wird lila-smarana genannt, und von allen Vorgängen, um die Gemeinschaft Krsnas zu erhalten, wird lila-smarana von den großen Gottgeweihten am meisten empfohlen. Selbst Sri Caitanya genoß die lila-smarana-Gemeinschaft mit Krsna, als Er in Puri lebte. Die Gottgeweihten, die die höchste Stufe des hingebungsvollen Dienstes und der Ekstase erreicht haben, leben jeden Augenblick in Krsnas Gemeinschaft, indem sie sich ununterbrochen an Seine Spiele erinnern. Srila Visvanatha Cakravarti Thakura hinterließ uns ein transzendentales Schriftwerk, den Krsna-bhavanamrta, der voller Beschreibungen von Krsnas Spielen ist. Die Gottgeweihten können immer in Gedanken bei Krsna sein, indem sie solche Bücher lesen. Jedes Buch, das von Krsnas lilas handelt — auch das vorliegende Krsna-Buch und unser Buch Die Lehren Sri Caitanyas —, ist ein wirklicher Trost für alle Gottgeweihten, die die Trennung von Krsna empfinden.

Zusammenfassend kann man also sagen, daß Krsna und Balarama, indem Sie nicht nach Vrndavana zurückkehrten, Ihr Versprechen in keiner Weise gebrochen haben, denn in Wirklichkeit waren Sie niemals von Vrndavana abwesend; auf der anderen Seite war aber auch Ihre Gegenwart in Mathura vonnöten.

In der Zwischenzeit kam Uddhava, Krsnas Vetter, aus Dvaraka, um Krsna zu besuchen. Uddhava war der Sohn von Vasudevas Bruder, und er befand sich ungefähr im gleichen Alter wie Krsna. Außerdem sah er aufgrund seiner äußeren Erscheinung Krsna zum Verwechseln ähnlich. Krsna war gerade erst aus dem Haus Seines Lehrers zurückgekommen, und Er freute Sich natürlich sehr, Uddhava, Seinen liebsten Freund, zu sehen. So kam Ihm der Gedanke, Uddhava mit einer Botschaft nach Vrndavana zu schicken, um dadurch den Trennungsschmerz der Einwohner zu lindern.

In der Bhagavad-gita heißt es: ye yatha mam prapadyante — Krsna, der sehr empfänglich ist, kommt dem Gottgeweihten in dem Maße entgegen, wie dieser im hingebungsvollen Dienst Fortschritte macht. Die gopis dachten vierundzwanzig Stunden am Tag voller Trennungsgefühle an Krsna. Ebenso dachte auch Krsna immer an die gopis, Mutter Yasoda, Nanda Maharaja und die Einwohner von Vrndavana, obwohl Er ihnen fern zu sein schien. Er konnte verstehen, wie groß ihr transzendentaler Schmerz war, und daher wollte Er sogleich Uddhava nach Vrndavana schicken, um sie mit einer Botschaft zu trösten.

Uddhava wird als die erhabenste Persönlichkeit der Vrsni-Dynastie beschrieben, und er ist fast ebenso erhaben wie Krsna. Er war ein großer Freund des Herrn, und weil er ein direkter Schüler Brhaspatis, des Lehrers und Priesters der himmlischen Planeten, war, besaß er große Intelligenz und verfügte über eine scharfe Entschlußkraft. Was seine geistigen Fähigkeiten betraf, so war er ebenfalls hochbegabt. Krsna, der Uddhava als enger Freund sehr zugetan war, wollte ihn nach Vrndavana schicken, um ihm so die Gelegenheit zu geben, die erhabenste Form des hingebungsvollen Dienstes auf der Stufe der Ekstase, wie er in Vrndavana ausgeführt wird, zu studieren. Selbst jemand, der eine vorzügliche materielle Bildung hat oder sogar ein Schüler Brhaspatis ist, muß von den gopis und den anderen Bewohnern Vrndavanas lernen, wie man Krsna auf der höchsten Ebene lieben kann. Als Krsna Uddhava daher mit einer Botschaft nach Vrndavana schickte, um die Einwohner des Dorfes zu trösten, erwies Er Seinem Freund eine besondere Gunst.

Ein anderer Name Sri Krsnas lautet Hari, was soviel bedeutet wie "derjenige, der alle Leiden von den Ihm ergebenen Seelen nimmt". Sri Caitanya sagt, daß es niemals, zu keiner Zeit, eine Art der Verehrung geben kann, die so erhaben ist wie diejenige der gopis. Weil Sich Krsna große Sorgen um die betrübten gopis machte, wandte Er Sich an Uddhava und bat ihn höflich, nach Vrndavana zu gehen. Er schüttelte Uddhava die Hand und sagte zu ihm: "Lieber, gütiger Freund, bitte begib dich unverzüglich nach Vrndavana, und versuche, Meinen Vater Nanda Maharaja und Meine Mutter Yasodadevi sowie auch die gopis zu beruhigen. Sie sind in tiefen Kummer versunken, als würden sie von großen Schmerzen aufgezehrt. Geh also bitte zu ihnen und überbringe ihnen diese Botschaft. Ich hoffe, daß ihr Schmerz dadurch ein wenig gelindert werden kann. Die gopis sind ständig in Gedanken an Mich vertieft, und sie haben Mir ihren Körper, ihre Wünsche, ihr Leben und ihre Seele geweiht. Doch Ich kümmere Mich nicht nur um die gopis, sondern auch um jeden anderen, der Gesellschaft, Freundschaft, Liebe und persönliche Annehmlichkeiten für Mich opfert. Es ist Meine Pflicht, solche hervorragenden Gottgeweihten zu beschützen. Die gopis sind Mir am liebsten, denn sie denken ständig so sehr an Mich, daß sie von Sehnsucht überwältigt werden und aufgrund des Trennungsschmerzes fast sterben. Sie halten sich nur noch durch die Hoffnung am Leben, daß Ich bald zu ihnen zurückkehren werde."

Als Uddhava Krsnas Bitte vernahm, stieg er sofort auf seinen Wagen und fuhr los, um Krsnas Botschaft nach Gokula zu bringen. Er erreichte Vrndavana bei Sonnenuntergang, als die Kühe gerade von den Weidegründen heimkehrten, und Uddhava wurde zusammen mit seinem Wagen von dem Staub bedeckt, den die Kühe mit ihren Hufen aufwirbelten. Er sah, wie Stiere Kühen zur Paarung nachliefen, und es gab Kühe, die mit prallgefüllten Eutern hinter ihren Kälbern herliefen, um sie mit Milch zu tränken. Im ganzen Land von Vrndavana waren unzählige weiße Kühe mit ihren Kälbern zu sehen, und auch in Gokula selbst liefen überall Kühe umher, und dazu war das Geräusch des Melkens zu hören. Jedes Haus in Vrndavana war zur Verehrung des Sonnengottes und des Feuergottes wie auch für den Empfang von Gästen, Kühen, brahmanas und Halbgöttern geschmückt. In jedem Haus brannten Lampen, und zur Weihung der Atmosphäre waren Räucherstäbchen entzündet worden. Überall in Vrndavana waren herrliche Gärten zu sehen, und die Luft war von den Geräuschen der Bienen und Vögel erfüllt. Die Seen waren mit Lotosblumen übersät, zwischen denen Enten und Schwäne umherschwammen.

Als Uddhava das Haus von Nanda Maharaja betrat, wurde er als Abgesandter Vasudevas empfangen. Nanda Maharaja bot ihm einen Platz an und setzte sich zu ihm, um Neues über Krsna, Balarama und die anderen Verwandten in Mathura zu erfahren. Er wußte, daß Uddhava ein vertrauter Freund Krsnas war und daher mit guten Nachrichten gekommen sein mußte. Deshalb fragte er: "Mein lieber Uddhava, wie geht es meinem Freund Vasudeva? Er wurde doch aus Kamsas Gefängnis befreit und ist nun wieder mit seinen Freunden und seinen Kindern, Krsna und Balarama, zusammen. Bestimmt ist er deshalb sehr glücklich. Bitte erzähle uns, was er macht und wie es ihm geht. Auch wir sind sehr erleichtert, daß Kamsa, der sündigste Dämon, der jemals lebte, nun endlich sein Ende gefunden hat. Er war der Familie der Yadus, ihren Freunden und ihren Verwandten ständig feindlich gesinnt. Nun mußte er zusammen mit seinen Brüdern für die begangenen Sünden mit dem Leben büßen. "

"Bitte verrate uns, ob Sich Krsna noch manchmal an Seinen Vater und Seine Mutter und Seine Spielgefährten und Freunde in Vrndavana erinnert. Denkt Er zuweilen noch an Seine Kühe, Seine gopis, Seinen Govardhana-Hügel und Seine Weidegründe in Vrndavana? Oder hat Er sie alle schon vergessen? Besteht irgendeine Möglichkeit, daß Er noch einmal zu Seinen Freunden und Verwandten zurückkommt, so daß wir Sein bezauberndes Gesicht mit der hervorstehenden Nase und den lotosgleichen Augen wiedersehen können? Wir denken oft daran, wie Er uns vor dem Waldbrand rettete und wie Er die Riesenschlange Kaliya in der Yamuna und viele andere Dämonen bezwang, um uns zu beschützen. Wir sind Ihm alle so zu Dank verpflichtet, denn Er stand uns bei all den zahllosen Gefahren schützend zur Seite. Mein lieber Uddhava, wenn wir an Krsnas schönes Gesicht und Seine Augen sowie an Seine vielen Taten, die Er hier in Vrndavana vollbrachte, denken, übermannt uns die Erinnerung so sehr, daß wir regungslos verharren. Wir denken einfach nur an Krsna, wie Er lächelte und wie Er uns anblickte. Wenn wir zum Ufer der Yamuna gehen oder zu den Seen von Vrndavana, zum Govardhana-Hügel oder auf die Weidegründe, finden wir immer noch die Abdrücke von Krsnas Lotosfüßen auf der Oberfläche der Erde, und die Erinnerung steigt in uns hoch, wie Er an diesen Orten gespielt hat, denn Er hat sie oft besucht. Wenn Krsna auf diese Weise in unserer Erinnerung sichtbar wird, versinken wir augenblicklich in Gedanken an Ihn. "

"Wir vermuten daher, daß Krsna und Balarama führende Halbgötter von den himmlischen Planeten sind, die wie gewöhnliche Knaben unter uns erschienen sind, um besondere Pflichten auf der Erde zu erfüllen. Dies wurde auch von Gargamuni vorausgesagt, als er Krsnas Horoskop erstellte. Wenn Krsna keine große Persönlichkeit wäre, wie hätte Er dann Kamsa töten können, der die Kraft von zehntausend Elefanten besaß? Dazu wurde Kamsa noch von starken Ringkämpfern und vom gigantischen Elefanten Kuvalayapida unterstützt. Doch Krsna tötete all diese Tiere und Dämonen, genau wie ein Löwe ein unbedeutendes Beutetier reißt. Ist es nicht wundervoll, wie Krsna mit nur einer Hand den großen, schweren Bogen nahm, der aus drei zusammengebundenen Palmen bestand, und ihn ohne weiteres zerbrach? Grenzt es nicht an ein Wunder, daß Er sieben Tage lang den Govardhana-Hügel auf einem Finger trug? Und ist es nicht auch ein großes Wunder, daß Er all die Dämonen, wie Pralambasura, Dhenukasura, Aristasura, Trnavarta und Bakasura, vernichtete? Sie alle waren so stark, daß sich selbst die Halbgötter auf den himmlischen Planeten vor ihnen fürchteten; doch Krsna tötete sie mit spielerischer Leichtigkeit."

Während Nanda Maharaja von den außerordentlichen Taten Krsnas erzählte, stockte seine Stimme, und er war nicht mehr in der Lage, weiterzusprechen. Mutter Yasoda saß die ganze Zeit neben ihrem Mann und hörte den Schilderungen der Spiele Krsnas wortlos zu. Sie weinte ununterbrochen, und Milch floß aus ihren Brüsten. Als Uddhava sah, wie Maharaja Nanda und Yasoda völlig in Gedanken an Krsna, die Höchste Persönlichkeit Gottes, versunken waren und welch große Zuneigung sie für Ihn empfanden, wurde auch er bewegt, und er sagte: "Liebe Mutter Yasoda und lieber Nanda Maharaja, niemand unter den Menschen ist so großer Achtung würdig wie ihr, denn niemand außer euch kann in solch transzendentaler Ekstase über Krsna meditieren."

Balarama und Krsna sind beide die ursprüngliche Persönlichkeit Gottes, von der die kosmische Manifestation ausgeht. Sie sind allen Persönlichkeiten übergeordnet, und Sie sind die effektive Ursache der materiellen Schöpfung. Die materielle Natur wird von den purusa-Inkarnationen gelenkt, die ihrerseits alle unter der Aufsicht Krsnas und Balaramas stehen. In Ihrer Teilrepräsentation gehen Sie in die Herzen aller Lebewesen ein. Sie sind der Ursprung allen Wissens und allen Vergessens. Dies wird im Fünfzehnten Kapitel der Bhagavad-gita bestätigt, wo der Herr sagt: "Ich weile im Herzen eines jeden Lebewesens, und von Mir kommen Erinnerung und Vergessen. Ich bin der ursprüngliche Verfasser des Vedanta, und Ich bin es, der die Veden tatsächlich kennt." Uddhava fuhr fort: "Wenn ein Mensch zum Zeitpunkt des Todes seinen geläuterten Geist auf Krsna zu richten vermag, selbst wenn es nur für einen Moment ist, ist er geeignet, seinen materiellen Körper hinter sich zu lassen und in seinem ursprünglichen spirituellen Körper zu erscheinen, genau wie die Sonne am Morgen aufgeht und alles erleuchtet. Wer auf diese Weise aus dem Leben scheidet, gelangt augenblicklich in das spirituelle Königreich, Vaikuntha."

Das ist das Ergebnis des Vorgangs des Krsna-Bewußtseins. Wenn wir in unserem gegenwärtigen Körper Krsna-Bewußtsein praktizieren, während wir in guter körperlicher und geistiger Verfassung sind, wird es uns einfach durch das Chanten des heiligen maha-mantra, Hare Krsna, möglich sein, unsere Gedanken zum Zeitpunkt des Todes auf Krsna zu richten. Gelingt uns dies, so wird unser Leben ohne Zweifel zum Erfolg gelangen. Bleibt unser Geist jedoch mit Bemühungen um materiellen Genuß beschäftigt, werden wir natürlich auch zum Zeitpunkt des Todes an solche fruchtbringenden Tätigkeiten denken und gezwungen sein, erneut in einen materiellen, bedingten Körper einzugehen und weiterhin den dreifachen Leiden des materiellen Daseins unterworfen zu sein. Die Einwohner von Vrndavana, wie Nanda Maharaja, Mutter Yasoda und die gopis, befinden sich auf der vollkommenen Stufe, immer ins Krsna-Bewußtsein versunken zu sein, und wenn wir einfach ihrem Beispiel folgen, selbst in einem verhältnismäßig geringen Ausmaß, wird unserem Leben Erfolg beschieden sein, und wir erreichen das spirituelle Königreich, Vaikuntha.

"Liebe Mutter Yasoda und lieber Nanda Maharaja", fuhr Uddhava fort, "ihr habt euren Geist ausschließlich auf die transzendentale Gestalt der Höchsten Persönlichkeit Gottes, Narayana, gerichtet. Narayana ist die Ursache des unpersönlichen Brahmans, das nichts anderes ist als die Ausstrahlung, die von Seinem Körper ausgeht. Da ihr ständig, in Ekstase versunken, an Krsna und Balarama denkt, kann es keine andere Pflicht geben, die ihr noch verrichten müßtet. Ich habe euch eine Botschaft von Krsna mitzuteilen. Er sagt, Er werde bald nach Vrndavana zurückkehren und euch beide durch Seine persönliche Anwesenheit erfreuen. Krsna hat euch versprochen, nach Vrndavana zurückzukehren, wenn Er Seine Aufgaben in Mathura erfüllt hat. Ganz bestimmt wird Er dieses Versprechen halten. Ich bitte euch daher, die ihr so sehr vom Glück begünstigt seid, nicht länger über Krsnas Abwesenheit bekümmert zu sein. "

"Ihr seid euch bereits vierundzwanzig Stunden am Tag über Seine Gegenwart bewußt, aber trotzdem wird Er sehr bald zu euch zurückkehren. Eigentlich ist Er allgegenwärtig, und Er weilt im Herzen eines jeden, genauso wie das Feuer im Holz gegenwärtig ist. Da Krsna die Überseele ist, ist niemand Sein Feind, und niemand Sein Freund; niemand kommt Ihm gleich, und niemand ist niedriger oder höher als Er. In Wirklichkeit hat Er weder Vater noch Mutter, noch Bruder, noch irgendwelche anderen Verwandten, und ebenso braucht Er weder Gesellschaft, Freundschaft noch Liebe. Er hat keinen materiellen Körper; Er wird auch niemals geboren wie ein gewöhnlicher Mensch. Er erscheint nicht in höheren oder niederen Lebensformen, wie es gewöhnliche Lebewesen tun, die aufgrund ihrer früheren Handlungen zur Geburt gezwungen werden. Vielmehr erscheint Er durch Seine innere Energie, nur um Seine Geweihten zu beschützen. Er wird niemals von den Erscheinungsweisen der materiellen Natur berührt, obwohl Er Sich, wenn Er in die materielle Welt herabkommt, scheinbar wie ein gewöhnliches Lebewesen verhält, das unter dem Einfluß der materiellen Erscheinungsweisen steht. In Wirklichkeit jedoch ist Er der Gebieter über die gesamte materielle Schöpfung, und deshalb gerät Er niemals unter den Einfluß der Erscheinungsweisen der materiellen Natur. Er ist der Schöpfer, Erhalter und Zerstörer des gesamten Kosmos. Irrtümlicherweise halten wir Krsna und Balarama für gewöhnliche menschliche Wesen; wir sind wie Menschen, die unter Schwindelanfällen glauben, die ganze Welt drehe sich um sie. Der Herr, die Persönlichkeit Gottes, ist niemandes Sohn. Er ist vielmehr der Vater, die Mutter und der höchste Kontrollierende eines jeden. Darüber besteht kein Zweifel. Alles, was wir wahrnehmen; alles, was wir nicht wahrnehmen; alles, was bereits existiert; alles, was einmal existiert hat; alles, was noch in Zukunft existieren wird; alles, vom Kleinsten bis zum Größten, ist immer mit dem Höchsten Herrn verbunden. Nichts ist von Ihm getrennt, und nichts befindet sich außerhalb von Ihm. Alles ruht in Ihm, und trotzdem steht Er über allem Manifestierten."

Auf diese Weise sprachen Nanda und Uddhava während der ganzen Nacht über Krsna. Am nächsten Morgen bereiteten die gopis die mangala-arati-Zeremonie vor, indem sie Lampen anzündeten und mit Joghurt vermischte Butter versprengten. Gleich nach der Morgen-arati begannen sie, frischen Joghurt zu Butter zu kirnen, und das Leuchten der Lampen spiegelte sich auf den Schmuckstücken der gopis, wodurch ihre Schmuckstücke noch heller erstrahlten. Mit rhythmischen Armbewegungen drehten die gopis den Butterquirl, und im Takt dazu tanzten ihre Ohrringe, ihre Armreife und ihre Brüste, und der kunkuma-Puder verlieh ihren Gesichtern ein safranfarbenes Leuchten, das der aufgehenden Sonne glich. Während sie durch das Butterkirnen verschiedene Geräusche erzeugten, besangen sie die Herrlichkeiten Krsnas, und diese beiden Klänge vereinigten sich, stiegen in den frühmorgendlichen Himmel auf und heiligten die ganze Atmosphäre. Nach Sonnenaufgang gingen die gopis, wie jeden Tag, zu Nanda Maharaja und Mutter Yasoda, um ihnen ihre Ehrerbietungen zu erweisen. Doch als sie Uddhavas goldene Kutsche sahen, die vor dem Tor stand, waren sie sehr erstaunt und fragten sich, was dies zu bedeuten habe und wem sie wohl gehöre. Einige fragten sich, ob Akrura, der Krsna abgeholt hatte, wieder zurückgekehrt sei. Beim Gedanken an Akrura hatten die gopis immer gemischte Gefühle, denn dieser war in Kamsas Auftrag gekommen, um Krsna in die Stadt Mathura zu holen. Alle gopis befürchteten, daß Akrura gekommen sein könnte, um erneut einen grausamen Plan auszuführen. Doch gleichzeitig dachten sie: "Wir sind nur noch tote Körper ohne unseren höchsten Meister, Krsna. Was könnte Akrura unserem toten Körper noch zufügen?" Während sie auf diese Weise untereinander Vermutungen anstellten, beendete Uddhava seine morgendlichen Waschungen, seine Gebete und sein Chanten und trat dann vor die gopis.

Hiermit enden die Bhaktivedanta-Erläuterungen zum 45. Kapitel des Krsna-Buches: "Uddhava besucht Vrndavana".