Die Geschichte von Bhaumasura - wie
er 16.000
Prinzessinnen aus den
Palästen der verschiedensten
Könige entführte und wie er
schließlich von Krsna, dem
Höchsten Herrn von wunderbarem Wesen, getötet wurde -
wird ausführlich
von Sukadeva
Gosvami im
Srimad-Bhagavatam erzählt. Für gewöhnlich
sind die
Dämonen Feinde der Halbgötter. Dieser
Dämon namens
Bhaumasura war so mächtig geworden, daß er gewaltsam
den Baldachin vom Thron des
Halbgottes Varuna sowie
auch die Ohrringe Aditis, der
Mutter der Halbgötter,
raubte. Auch eroberte er einen Teil
des himmlischen
Berges Meru und besetzte das Gebiet
Maniparvata. Aus
diesem Grunde kam Indra, der König
der himmlischen
Planeten, nach Dvaraka, um sich bei
Sri Krsna über
Bhaumasura zu beklagen.
Nachdem Sich Sri Krsna Indras Klagen angehört hatte,
beschloß
Er,
unverzüglich
Bhaumasuras Reich
aufzusuchen, und zusammen mit Seiner Frau Satyabhama
setzte Er Sich auf den Rücken
Garudas, der sie nach
Pragjyotisapura, der Hauptstadt von
Bhaumasuras Reich,
flog. Es war fast unmöglich, in die Stadt Pragjyotisapura
einzudringen, da sie außerordentlich gut
befestigt war.
Zuerst einmal
wurde die Stadt
gegen alle vier
Himmelsrichtungen hin von vier gewaltigen
Festungen
beschützt, und umfangreiche Heere bewachten sie auf allen Seiten. Als nächste Schutzvorrichtung
war die ganze
Stadt von einem Wasserkanal umgeben
und danach von
elektrisch geladenen Zäunen. Die nächste
Barriere war
eine mit anila, einer gasähnlichen
Substanz, durchsetzte
Zone. Dahinter schließlich befand sich
ein Netzwerk aus
Stacheldraht, das von
einem Dämon namens Mura
errichtet worden war.
Die Stadt schien also,
selbst
gemessen an den
Errungenschaften der heutigen
Wissenschaft, hervorragend geschützt zu sein.
Als Krsna vor der Stadt anlangte, zertrümmerte Er mit
Seiner Keule all die
Festungen, und unter Seinem
unablässig niederprasselnden Pfeilhagel
verstreuten sich
Bhaumasuras
Kampftruppen in
alle Richtungen.
Daraufhin durchbrach Krsna
mit Seinem berühmten
Sudarsana-cakra die elektrischen Drahtzäune,
vernichtete
die Wasserkanäle wie auch die
darauffolgende Gaszone
und walzte schließlich auch die
Stacheldrahtverhaue des
Dämons Mura nieder.
Dann blies Krsna in Sein
Muschelhorn, und mit diesem
durchdringenden Dröhnen
zerstörte Er nicht nur den Mut
der feindlichen Soldaten,
sondern auch jede ihrer Kampfmaschinen, und mit Seiner
unbesiegbaren Keule zerstörte Er die Stadtmauern.
Das Dröhnen von Krsnas Muschelhorn
erschallte wie
der Donner zur Zeit
der Zerstörung der gesamten
kosmischen Manifestation. Der Klang des
Muschelhorns
schreckte auch den Dämon Mura aus
dem Schlaf, der
sogleich ins Freie stürzte, um zu sehen, was passiert war.
Der Dämon besaß fünf Köpfe und
hatte lange Zeit im
Wasser gelebt, sein Körper leuchtete
wie die Sonne bei
der Vernichtung der
kosmischen Manifestation, und
ungestümer Zorn brannte in ihm wie ein loderndes Feuer.
Die Ausstrahlung seines Körpers war so gleißend, daß ihn
niemand mit
offenen Augen
ansehen konnte.
Wutschnaubend, als
wolle er die
drei Welten
verschlingen, griff der Dämon sogleich
nach seinem
Dreizack und stürzte sich auf die
Höchste Persönlichkeit
Gottes, genau wie sich manchmal eine große Schlange auf
Garuda stürzen will.
Zuerst griff der Dämon
den
gefiederten Träger Krsnas, Garuda, an,
indem er seinen
Dreizack in der Luft herumwirbelte
und mit seinen fünf
Mäulern Laute ausstieß, die wie
Löwengebrüll klangen.
Das fünffache Gebrüll durchdrang die ganze Atmosphäre,
so daß es sich über die ganze Welt ausbreitete und sogar
in den Weltraum drang - hinauf und hinunter und in alle
zehn Richtungen. Muras Schreie hallten durch das ganze
Universum.
Als der Dreizack, den der Dämon Mura losgeschleudert
hatte, auf Garuda zuflog, schoß Sri
Krsna mit einer
blitzschnellen Handbewegung sogleich zwei
Pfeile auf
den Dreizack ab und zersprengte ihn in der Luft in Stücke;
gleichzeitig durchbohrte Er
dem Dämon mit vielen
weiteren Pfeilen die Mäuler. Als
sich Mura so von der
Höchsten Persönlichkeit Gottes überrumpelt
sah, wurde
seine Wut nur noch größer, und er wollte Krsna mit seiner
Keule die entscheidenden Schläge
versetzen. Sri Krsna
jedoch begegnete diesem Angriff mit
Seiner eigenen
Keule und zerschmetterte Muras Keule,
bevor diese Ihn
treffen konnte. Hierauf schickte sich
der Dämon, der
nunmehr ohne Waffen dastand, an,
Krsna mit seinen
muskulösen Armen zu packen, doch der Herr trennte ihm
mit Seinem Sudarsana-cakra die fünf Köpfe vom Rumpf,
so daß der Dämon tot ins Meer
stürzte, genau wie ein
Berggipfel, getroffen von Indras
Blitzschlägen, ins Meer
abstürzt.
Der Dämon Mura
hatte sieben
Söhne: Tamra,
Antariksa, Sravana, Vibhavasu, Vasu,
Nabhasvan und
Aruna. Als ihr Vater auf diese Weise sein Ende fand, stieg
ein Gefühl der Selbstherrlichkeit und Rachsucht in ihnen
hoch, und voller Zorn entschlossen
sie sich zum Kampf
gegen Krsna. Sie rüsteten sich mit all den Waffen aus, die
sie für ihren beabsichtigten
Vergeltungsschlag für nötig
hielten, und ernannten Pitha, einen
weiteren Dämon, zu
ihrem Befehlshaber. Als Bhaumasura ihnen
das Zeichen
gab, bliesen sie alle zum Angriff gegen Krsna.
Als sie Sri Krsna gegenüberstanden,
schleuderten sie
die verschiedensten Waffen
auf Ihn, wie Schwerter,
Keulen, Lanzen, Pfeile und Dreizacke.
Aber sie wußten
nicht, daß die Kraft der Höchsten
Persönlichkeit Gottes
unbegrenzt und unüberwindlich ist. Mit
Seinen Pfeilen
zertrümmerte Krsna alle feindlichen
Waffen in so kleine
Stücke, daß sie wie Staubkörner zu
Boden niedergingen.
Dann schleuderte Krsna Seine Waffen
los, und unter
diesem Angriff brachen Bhaumasuras
Oberbefehlshaber
Pitha und seine
Soldaten zusammen und
lagen mit
zerfetzter Rüstung und abgetrennten Köpfen, Armen und
Beinen auf dem
Schlachtfeld. Sie alle
wurden zu
Yamaraja, dem Herrn des Todes, geschickt.
Als Bhaumasura, der als Sohn der personifizierten Erde
auch Narakasura genannt
wurde, sah, daß all
seine
Soldaten und
Befehlshaber von
der Höchsten
Persönlichkeit Gottes getötet worden waren und auf dem
Schlachtfeld lagen, packte ihn eine unbeschreibliche Wut
auf den Herrn. Sofort mobilisierte
Bhaumasura seine
Riesenherde von Elefanten, die alle
an der Meeresküste
geboren und aufgezogen worden waren,
und als er mit
diesen Elefanten, die
noch zusätzlich durch viele
Rauschmittel aufgepeitscht waren, aus der
Stadt stürmte,
gewahrten sie alle hoch am Himmel
den wunderbaren
Anblick von Sri Krsna und Seiner
Frau; sie erschienen
wie eine schwärzliche Wolke, die
langsam an der Sonne
vorüberzieht und mit
elektrischem Leuchten strahlt.
Sogleich schoß der Dämon die
Sataghni-Waffe, die auf
einen Schlag Hunderte von Kriegern vernichten kann, auf
die Höchste Persönlichkeit Gottes ab,
und gleichzeitig
schleuderten auch diejenigen, die ihn
begleiteten, ihre
Waffen los. Sri Krsna jedoch stoppte all diese feindlichen
Waffen, indem Er sie mit Seinen
gefiederten Pfeilen
treffsicher in Stücke sprengte, und
im weiteren Verlauf
der Schlacht fielen auf Bhaumasuras
Seite immer mehr
Soldaten und Befehlshaber
mit abgetrennten Armen,
Beinen und Köpfen auf den Boden, und mit ihnen fielen
auch ihre Pferde und Elefanten. Auf
diese Weise wurde
Bhaumasuras Heer immer kleiner, denn
alle Waffen, die
Bhaumasura seinerseits losschleuderte, wurden
von den
Pfeilen des Herrn unschädlich gemacht.
Der Herr kämpfte vom Rücken Garudas
aus, und
Garuda half Ihm, indem er mit seinen Schwingen auf die
Elefanten und Pferde einschlug und ihre Köpfe mit seinen
Krallen und seinem scharfen Schnabel
aufriß. Garudas
Angriffe peinigten die Elefanten so sehr, daß sie alle bald
die Flucht
ergriffen. Schließlich
blieb nur noch
Bhaumasura auf dem
Schlachtfeld zurück, aber er
kämpfte verbissen weiter. Als er bemerkte, daß der Träger
Krsnas, Garuda, seine Soldaten und
Elefanten in alle
Richtungen zerstreute, versetzte
er ihm voller Wut
Schläge, deren Wucht die eines
Blitzschlages übertrafen.
Zum Glück war Garuda kein gewöhnlicher Vogel, und so
empfand er die Schläge Bhaumasuras nicht stärker als ein
Elefant, der von einer Blumengirlande geschlagen wird.
Langsam mußte Bhaumasura einsehen, daß
er Krsna
nichts anhaben konnte, denn all seine Versuche, Krsna zu
töten, hatten sich als Fehlschläge
erwiesen. Dennoch
raffte er sich ein letztes Mal auf und wollte einen Dreizack
in die Hand nehmen, um Krsna
zu durchbohren. Aber
Krsna war schneller,
denn bevor Bhaumasura den
Dreizack auch nur
berühren konnte, wurde
er vom
scharfen Sudarsana-cakra
enthauptet, und sein mit
glänzenden Ohrringen und Helmen
geschmückter Kopf
rollte über das Schlachtfeld. Als
Bhaumasura von Sri
Krsnas Hand fiel, stimmten die Verwandten des Dämons
allesamt aus Enttäuschung in lautes
Wehgeschrei ein,
während die Heiligen die heldenhaften
Taten des Herrn
lobpriesen. Auch die Bewohner der himmlischen Planeten
nutzten diese Gelegenheit und ließen
Blumen auf den
Herrn niederregnen.
Zu diesem Zeitpunkt erschien die
Erde in Person vor
Sri Krsna und überreichte Ihm zum
Gruß eine Halskette
aus vaijayanti-Juwelen. Dann gab sie
die strahlenden
Ohrringe Aditis, die aus Juwelen
und Gold gefertigt
waren, sowie auch den Baldachin
Varunas zurück, und
dazu überreichte sie Krsna einen
wertvollen Juwel als
Geschenk. Hierauf brachte die Erde Krsna, der Höchsten
Persönlichkeit, dem Herrn der Welt,
der stets von den
erhabenen Halbgöttern verehrt wird, ihre
Gebete dar.
Ehrerbietig fiel sie vor Ihm nieder
und sprach in tiefer
Ekstase und Hingabe die folgenden Gebete.
"Ich erweise Dir, o
Herr, meine achtungsvollen
Ehrerbietungen, der Du stets vier
verschiedene Symbole
trägst, nämlich Muschelhorn, Feuerrad, Lotos und Keule.
Du bist der Herr aller Halbgötter.
Bitte nimm meine
achtungsvollen Ehrerbietungen entgegen. Lieber Herr, Du
bist die Überseele, und
um die Sehnsucht Deiner
Geweihten zu
erfüllen, erscheinst
Du in den
verschiedensten transzendentalen Inkarnationen
auf der
Erde, und jede dieser Formen entspricht vollkommen dem
Wunsch Deiner Geweihten, die Dich
verehren wollen.
Bitte nimm
gütigerweise meine
achtungsvollen
Ehrerbietungen entgegen.
Lieber Herr, aus
Deinem Nabel
wächst eine
Lotosblume, und Du bist immer mit
einer Girlande aus
Lotosblumen geschmückt. Deine Augen gleichen ewiglich
den Blütenblättern einer Lotosblume, und
daher sind sie
für die Augen anderer ein allglückseliger Anblick. Deine
Lotosfüße sind so sanft und weich, daß sie immerzu von
Deinen reinen Geweihten verehrt werden
und ihren lotosgleichen Herzen Frieden
spenden. Ich bringe Dir
deshalb wiederholt meine achtungsvollen Ehrerbietungen
dar."
"Du besitzt alle Arten von Religion,
Ruhm, Reichtum,
Wissen und Entsagung; Du bist derjenige, in dem sich all
diese fünf
Füllen
vereinigen.
Obwohl Du
alldurchdringend bist, bist Du als
der Sohn Vasudevas
erschienen. Bitte nimm
daher meine achtungsvollen
Ehrerbietungen entgegen. Du
bist die ursprüngliche
Höchste Persönlichkeit Gottes und die
höchste Ursache
aller Ursachen. Du allein, o Herr, bist das Behältnis allen
Wissens. Ich
erweise Dir meine
achtungsvollen
Ehrerbietungen. Du Selbst bist ungeboren,
aber dennoch
bist Du der Vater der gesamten kosmischen Manifestation.
Du bist die Quelle
und die Ruhestätte unzähliger
verschiedener Energien. Du bewirkst die
Manifestation
der kosmischen Erscheinungswelt, von der Du sowohl die
Ursache als auch die Wirkung bist.
Bitte nimm daher
meine achtungsvollen Ehrerbietungen entgegen."
"Lieber Herr, nicht einmal die drei
Gottheiten Brahma,
Visnu und Siva sind unabhängig von
Dir. Wenn es
notwendig wird,
daß die kosmische
Manifestation
entsteht, erschaffst Du Brahma, Deine
Verkörperung der
Erscheinungsweise der Leidenschaft, und
wenn Du sie
erhalten willst, erweiterst Du Dich in Sri Visnu, den Quell
aller Tugend. Und wenn die Zeit
der Auflösung der
Schöpfung anbricht, erscheinst Du als Siva, der Herr der
Erscheinungsweise der Unwissenheit. Doch
obwohl Du
die drei Erscheinungsweisen
der materiellen Natur
erschaffst, gibst Du
Deine transzendentale Stellung
niemals auf. Du wirst niemals, wie
die gewöhnlichen
Lebewesen, in die Erscheinungsweisen der
materiellen
Natur verstrickt."
"Im Grunde, o Herr, bist Du Selbst die materielle Natur.
Du bist der Vater des Universums, und Du bist die ewige
Zeit, die die Verbindung der Natur
mit dem materiellen
Schöpfer bewirkt hat. Aber trotzdem
bist Du immer
transzendental zu all diesen materiellen Geschehnissen. O
Herr, o Höchste Persönlichkeit Gottes, ich weiß, daß Erde,
Wasser, Feuer, Luft, Äther und die
fünf Sinnesobjekte,
der Geist, die Sinne und ihre jeweiligen Gottheiten sowie
auch das falsche Ego und die gesamte materielle Energie -
mit anderen Worten, alles Beseelte und Unbeseelte in der
Erscheinungswelt - in Dir gründen. Weil alles von Dir erschaffen wurde, kann niemals etwas von Dir getrennt sein.
Doch weil Du andererseits völlig transzendental bist, kann
nichts Materielles mit Deiner
Persönlichkeit identisch
sein. Deshalb ist
alles gleichzeitig
eins mit und
verschieden von Dir, und die Philosophen, die versuchen,
alles getrennt von Dir zu sehen, begehen zweifellos einen
großen Fehler."
"Mein lieber Herr, bitte wisse, daß
dieser Knabe hier,
Bhagadatta, der Sohn meines Sohnes Bhaumasura ist. Der
entsetzliche Anblick, der durch den
Tod seines Vaters
entstanden ist, hat ihn in großen Schrecken
versetzt, und
nun ist er zutiefst erschüttert und
verstört. Ich habe ihn
vor Dich gebracht, damit er sich
Deinen Lotosfüßen
ergibt. Ich bitte Dich, o Herr, dem Knaben Zuflucht zu gewähren und ihn mit Deinen
Lotosfüßen zu segnen. Ich
habe ihn vor Dich gebracht, damit er von allen Reaktionen
auf die Sünden seines Vaters frei werden kann."
Als Sri Krsna die Gebete der Mutter Erde vernommen
hatte, versicherte Er ihr sofort,
daß sie keine Nöte und
Gefahren mehr zu befürchten habe.
Und zu Bhagadatta
sagte Er: "Fürchte dich nicht."
Dann betrat Sri Krsna
Bhaumasuras Palast, der mit allen erdenklichen Arten des
Reichtums ausgestattet war. Als Krsna
ins Innere des
Palastes drang, fand Er die 16.100 jungen Prinzessinnen,
die von dem Dämon
entführt und gefangengehalten
worden waren. Als die Prinzessinnen Krsna, die Höchste
Persönlichkeit Gottes, zu Gesicht
bekamen, waren sie
sogleich von Seiner Schönheit gefesselt
und beteten um
Seine grundlose
Barmherzigkeit. Ohne
zu zögern,
beschlossen sie in Gedanken, Krsna
als ihren Gemahl
anzunehmen, und jede von ihnen
betete zur Vorsehung,
daß Krsna sie heiraten möge.
Aufrichtig und ernsthaft
brachten sie ihr Herz den Lotosfüßen Krsnas dar, und ihre
Hingabe war rein und unbefleckt.
Als Überseele im
Herzen eines jeden erkannte Krsna ihren reinen Wunsch,
und so war Er
bereit, sie alle als
Gemahlinnen
anzunehmen. Er ließ
deshalb für alle Prinzessinnen
Kleider und Schmuck bringen, die
ihrer würdig waren,
und jede Prinzessin durfte in einer Sänfte Platz nehmen, in
der sie bis in die Stadt Dvaraka getragen wurde.
Darüber hinaus
fand Krsna im
Palast auch
unermeßlichen Reichtum vor, unter anderem Streitwagen,
Pferde, Juwelen und Schatztruhen, und
dazu gehörten
auch fünfzig weiße Elefanten, die
alle vier Stoßzähne
hatten. Als die ganze Beute geborgen war, wurde sie nach
Dvaraka gebracht.
Nach diesem Ereignis begaben sich Sri
Krsna und
Satyabhama nach
Amaravati, der
Hauptstadt der
himmlischen Planeten, und suchten
sogleich den Palast
König Indras auf, wo sie von
Indra und seiner Frau
Sacidevi willkommen geheißen wurden. Dann überreichte
Krsna dem Himmelskönig die Ohrringe Aditis.
Als Krsna und Satyabhama im Begriff
waren, die
Hauptstadt Indras zu verlassen, erinnerte sich Satyabhama
daran, daß Krsna einmal
versprochen hatte, ihr die
parijata-Blume zu schenken. Und da
sie sich nun schon
einmal im himmlischen Königreich befand,
pflückte sie
sich eine parijata-Blume,
um sie auf dem Rücken
Garudas mit nach Hause zu nehmen. Weil Narada einmal
Krsnas erster Frau, Sri Rukminidevi, eine parijata-Blume
geschenkt
hatte,
waren
in Satyabhama
Minderwertigkeitsgefühle wach geworden, und
deshalb
hatte sie sich von Krsna ebenfalls
eine solche Blume
gewünscht. Krsna kannte natürlich die weibliche Rivalität
unter Seinen Frauen, und deshalb
hatte Er Satyabhama
lächelnd gefragt: "Warum bittest du
Mich nur um eine
Blume? Ich würde dir gerne einen
ganzen Baum von
parijata-Blumen schenken."
Krsna hatte Seine
Frau Satyabhama absichtlich
mitgenommen, damit
sie die parijata
eigenhändig
pflücken konnte. Doch die Bewohner dieses Himmelsplaneten, allen voran Indra, gerieten in großen Zorn,
als sie
sahen, daß
Satyabhama ohne
ihre Erlaubnis eine
parijata-Pflanze pflückte, die auf der Erde nirgendwo zu
finden ist. Aber
weil Krsna Seine
Lieblingsfrau
Satyabhama erfreuen wollte, zeigte Er Sich unnachgiebig
und ging nicht auf die Halbgötter ein, so daß es zwischen
ihnen zu einem Kampf kam, aus
dem Krsna, wie nicht
anders zu erwarten war, siegreich hervorging. Im Triumph
brachte Er die parijata-Pflanze, die
sich Seine Frau
ausgesucht hatte, auf die Erde nach
Dvaraka, wo sie im
Palastgarten von Satyabhama eingepflanzt
wurde. Dieser
außergewöhnliche
Baum
verlieh der
gesamten
Gartenanlage in Satyabhamas Palast eine
zusätzliche,
einzigartige Schönheit, und weil mit
der parijata-Blume
auch ihr Duft auf die Erde gekommen war, waren ihr auch
die himmlischen Schwäne auf die
Erde nachgefolgt,
angelockt von ihrem Duft und ihrem Honig.
König Indras Verhalten gegenüber Krsna
wurde von
großen Weisen wie Sukadeva Gosvami scharf
verurteilt:
Aus Seiner grundlosen Barmherzigkeit war
Krsna ins
himmlische Königreich Amaravati gekommen, um König
Indra die Ohrringe Seiner Mutter zu
bringen, die von
Bhaumasura geraubt worden waren, und
Indra hatte sie
mit Freuden angenommen. Doch als
Krsna eine Blume
des himmlischen Königreiches mit nach Dvaraka nehmen
wollte, sagte ihm der gleiche Indra sofort den Kampf an.
Dies zeigt, daß Indra nur an sein eigenes Interesse dachte.
Gerade noch hatte er Krsna Gebete
dargebracht und mit
geneigtem Haupt dessen Lotosfüße berührt, doch sowie er
das erlangt hatte, was er wollte,
wandelte er sich und
zeigte ein völlig anderes Gesicht.
Dies ist ein typisches
Beispiel für die
Verhaltensweise der Materialisten.
Materialistische Menschen sind immer nur
auf ihren
eigenen Vorteil bedacht. Wenn es
ihnen zum eigenen
Vorteil gereicht, sind sie bereit,
jedem alle Achtung zu
erweisen; doch ihre
Freundschaften und ihre guten
Beziehungen hören dort auf, wo ihr
persönlicher Nutzen
aufhört. Diese Selbstsucht ist nicht nur bei den reicheren
Leuten auf unserem Planeten zu finden, sondern selbst bei
Persönlichkeiten wie Indra
und anderen Halbgöttern.
Zuviel Besitz macht einen Menschen selbstisch, und wer
selbstisch ist, ist nicht bereit, sich dem Krsna-Bewußtsein
zuzuwenden, und wird daher von
großen Gottgeweihten
wie Sukadeva Gosvami verurteilt. Mit
anderen Worten,
der Besitz von zuviel
weltlichem Reichtum ist ein
Hindernis für den Fortschritt im Krsna-Bewußtsein.
Nach Seinem Sieg über Indra leitete Krsna Seine Heirat
mit den 16.100 Mädchen ein,
die Er aus Bhaumasuras
Palast befreit hatte. Er erweiterte Sich in 16.100 Formen
und heiratete alle Prinzessinnen
gleichzeitig in ein und
derselben glückverheißenden Stunde - eine jede in einem
anderen Palast. Damit bestätigte Krsna die Wahrheit, daß
Er, und niemand sonst, die Höchste Persönlichkeit Gottes
ist. Für Krsna gibt es nichts Unmögliches, denn Er ist die
Höchste Persönlichkeit
Gottes; Er ist
allmächtig,
allgegenwärtig und unvergänglich, und
daher bedeutete
diese Tat für Ihn nichts
Außergewöhnliches. Jeder der
Paläste, in denen die
mehr als 16.000
Königinnen
wohnten, war reich mit prächtigen
Gärten, Möbeln und
anderen Annehmlichkeiten ausgestattet, wie
sie in dieser
Welt nicht ihresgleichen finden. An dieser Geschichte aus
dem Srimad-Bhagavatam ist nichts
übertrieben. Krsnas
Königinnen waren
Erweiterungen der Glücksgöttin
Laksmiji. Krsna lebte mit jeder
Seiner Frauen in einem
eigenen Palast, und Er verhielt Sich ihnen gegenüber, wie
ein gewöhnlicher Mann sich seiner
Gemahlin gegenüber
verhält.
Wir sollten uns immer daran
erinnern, daß Krsna, die
Höchste Persönlichkeit Gottes, die Rolle eines Menschen
auf vollkommene Weise
spielte. Obwohl Er Seine
außergewöhnlichen
Füllen offenbarte,
indem Er
gleichzeitig mehr als 16.000 Prinzessinnen in über 16.000
Palästen heiratete, verhielt Er Sich
ihnen gegenüber wie
ein gewöhnlicher Mann,
und Er befolgte strikt
die
Vorschriften, die für das Zusammenleben von Mann und
Frau in einer gewöhnlichen Ehe notwendig sind. Deshalb
ist es sehr schwierig, die Eigentümlichkeiten des Höchsten
Brahmans, der Persönlichkeit Gottes, zu verstehen. Selbst
Brahma und die anderen Halbgötter sind außerstande, die
transzendentalen Spiele des Herrn zu ergründen. Wie groß
war deshalb das Glück der Frauen
Krsnas, der Höchsten
Persönlichkeit Gottes, daß sie denjenigen
zum Gemahl
bekamen, dessen Persönlichkeit sogar für Halbgötter
wie
Brahma unergründlich ist.
In ihrer ehelichen Beziehung pflegten Krsna und Seine
Königinnen miteinander zu
lachen, zu sprechen, zu
scherzen, sich zu umarmen und so
fort. Und ihre innige
Beziehung vergrößerte sich immer mehr. Auf diese Weise
genossen sowohl Krsna als auch die Königinnen in ihrem
Eheleben transzendentales Glück. Obwohl
jeder Königin
Tausende von Dienerinnen zur Verfügung standen, waren
sie alle persönlich darauf bedacht,
Krsna mit größter
Sorgfalt zu dienen.
Jede von ihnen pflegte
Krsna
persönlich zu empfangen, wenn Er den Palast
betrat. Sie
führten Ihn zu einem bequemen Diwan, brachten Ihm alle
Arten von Gegenständen der Verehrung
dar, wuschen
Seine Lotosfüße
mit Gangeswasser,
reichten Ihm
Betelnüsse und massierten Seine Beine. Auf diese Weise
sorgten sie dafür, daß Er Sich nach all den Anstrengungen
Seiner Abwesenheit von zu Hause entspannen konnte. Sie
fächelten Ihm sorgfältig Luft zu,
reichten Ihm kostbare,
duftende Blumenöle, legten Ihm
Blumengirlanden um,
kämmten und schmückten Sein Haar, baten Ihn, Sich zur
Ruhe zu legen, badeten Ihn persönlich und servierten Ihm
wohlschmeckende Speisen. All diese Dienste wurden von
jeder Königin selbst verrichtet; sie
ließen diese Dienste
nie von ihren Dienerinnen besorgen.
Krsna und Seine
Königinnen gaben also auf der Erde
das Beispiel eines
vollkommenen Haushälterlebens.
Hiermit
enden die Bhaktivedanta-Erläuterungen zum 58. Kapitel des Krsna-Buches:
"Die Erlösung des Dämons Bhaumasura".