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Die Transzendentalen Spiele Sri Krishnas
Von Seiner Heiligkeit A.C. Bhaktivedanta Swami Prabhupada

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89. Kapitel: Abschließende Darstellung der Spiele Sri Krsnas


Nachdem Arjuna aus dem spirituellen Königreich zurückgekehrt war, das er in Begleitung Krsnas hatte besuchen dürfen, erfüllte ihn tiefste Verwunderung. Er konnte nicht vergessen, wie er, obwohl nur ein gewöhnliches Lebewesen, durch Krsnas Gnade die Gelegenheit bekommen hatte, die spirituelle Welt zu sehen. Und nicht nur das, es war ihm sogar vergönnt gewesen, mit eigenen Augen den ursprünglichen Maha-Visnu, die Ursache der materiellen Schöpfung, zu sehen. Es heißt, daß Krsna Vrndavana niemals verläßt (vrndavanam parityajya na padam ekam gacchati). Krsna ist vollkommen in Mathura, vollkommener in Dvaraka und am vollkommensten in Vrndavana. Krsnas Spiele in Dvaraka werden von Seiner Erweiterung Vasudeva vollführt, aber dennoch besteht zwischen Seiner Vasudeva-Erweiterung, die Er in Mathura und Dvaraka offenbart, und der ursprünglichen Form Krsnas in Vrndavana kein Unterschied. Wie zu Beginn dieses Buches erklärt wurde, wird Krsna, wenn Er erscheint, von all Seinen Inkarnationen, vollständigen Teilerweiterungen und Teilen Seiner vollständigen Teilerweiterungen begleitet. Einige Seiner Spiele werden daher nicht vom ursprünglichen Krsna Selbst offenbart, sondern von Seinen vielfachen Erweiterungen und vollständigen Inkarnationen. Arjuna war deshalb verwirrt und fragte sich, wie es kam, daß Krsna in die spirituelle Welt zu Karanarnavasayi Visnu ging. Die Fragen in diesem Zusammenhang werden in den Kommentaren von Srila Visvanatha Cakravarti Thakura ausführlich erörtert.

Den Worten Maha-Visnus ist zu entnehmen, daß Er Sich sehr danach sehnte, Krsna zu sehen. Hier könnte sich die folgende Frage erheben: Maha-Visnu hatte zweifellos nach Dvaraka gehen müssen, um die Söhne des brahmana zu entführen. Warum also sah Er Krsna nicht in Dvaraka? Eine mögliche Antwort ist, daß Krsna nicht einmal von Maha-Visnu, der im Ozean der Ursachen in der spirituellen Welt liegt, gesehen werden kann, solange es Krsna Ihm nicht erlaubt. So kam es, daß Maha-Visnu nacheinander alle Söhne des brahmana gleich nach ihrer Geburt entführte, denn Er hoffte, daß Krsna persönlich zu Ihm kommen würde, um sie zurückzuholen, und daß Er Krsna auf diese Weise würde sehen können. Aber warum ist Maha-Visnu dann persönlich nach Dvaraka gegangen, wenn Er Krsna dort sowieso nicht sehen konnte? Warum schickte Er nicht einfach einen Seiner Gefährten, um die Söhne des brahmana zu entführen? Auf diese Frage läßt sich antworten, daß es sehr schwierig war, in Krsnas Gegenwart den Bewohnern Dvarakas Leid zuzufügen. Deshalb wäre es für keinen von Maha-Visnus Gefährten möglich gewesen, die Söhne des brahmana zu rauben, und so mußte Maha-Visnu persönlich kommen, um sie zu holen.

In diesem Zusammenhang gibt es eine weitere Frage: Wie kommt es, daß die Höchste Persönlichkeit Gottes, die als brahmanya-deva, der verehrenswerte Herr der brahmanas, bekannt ist, bereit war, einem brahmana nacheinander alle neun Söhne fortzunehmen und ihn dadurch in so großes Leid zu stürzen? Die Antwort lautet, daß Sich Maha-Visnu so sehr danach sehnte, Krsna zu sehen, daß Er Sich nicht einmal scheute, einem brahmana Kummer zu bereiten. Obwohl es eigentlich unzulässig ist, einem brahmana Leid zuzufügen, war Sri Visnu bereit, alles zu tun, um Krsna zu sehen - so sehr sehnte Er Sich nach Ihm. Er sah voraus, daß der brahmana jedesmal, wenn er einen Sohn verlor, zum Palasttor gehen und dem König vorwerfen würde, daß er die brahmanas nicht beschützen könne und deshalb ungeeignet sei, auf dem Königsthron zu sitzen. Es war also Maha-Visnus Plan, daß der brahmana die ksatriyas und Krsna anklagen würde, so daß Krsna verpflichtet wäre, zu Ihm zu kommen und die Söhne des brahmana zurückzuholen.

Aus der obigen Aussage ergibt sich eine weitere Frage: Wenn Maha-Visnu Krsna nicht sehen kann, wieso war Krsna dann am Ende verpflichtet, zu Maha-Visnu zu gehen, um die Söhne des brahmana zurückzuholen? Die Antwort ist, daß Krsna im Grunde nicht wegen der Söhne des brahmana zu Maha-Visnu fuhr, sondern nur um Arjunas willen. Arjuna war nämlich entschlossen gewesen, sich ins Feuer zu stürzen, um sich das Leben zu nehmen, doch weil Krsnas Freundschaft mit Arjuna so eng war, hatte ihn Krsna um alles in der Welt beschützen wollen. Arjuna jedoch hätte seinen Entschluß nicht geändert, wenn die Söhne des brahmana nicht wieder erschienen wären. Deshalb hatte ihm Krsna versprochen: "Ich werde die Söhne des brahmana zurückholen. Versuche nicht, dir das Leben zu nehmen."

Wenn Sich Sri Krsna nur zu Sri Visnu begeben hätte, um die Söhne des brahmana zurückzufordern, hätte Er nicht gewartet, bis alle neun Söhne verschwunden waren. Doch als schließlich auch der neunte Sohn von Maha-Visnu geholt wurde und Arjuna wegen seines Versprechens, das er nicht hatte halten können, ins Feuer gehen wollte, entschloß Sich Krsna angesichts der ernsten Situation, mit Arjuna Maha-Visnu aufzusuchen. Es heißt, daß Arjuna eine ermächtigte Inkarnation Nara-Narayanas ist. Er wird manchmal sogar Nara-Narayana genannt. Die Nara-Narayana-Inkarnation ist ebenfalls eine vollständige Erweiterung Sri Visnus. Daher muß Arjuna, als er mit Sri Krsna Maha-Visnu besuchte, dies in seiner Eigenschaft als Nara-Narayana getan haben, ähnlich wie Krsna in Seinem Aspekt als Vasudeva handelte, als Er Seine Spiele in Dvaraka offenbarte.

Nach seinem Besuch in der spirituellen Welt kam Arjuna zu dem Schluß, daß jegliche Art des Reichtums, den man in der materiellen oder spirituellen Welt besitzen kann, nichts anderes als ein Geschenk Sri Krsnas ist. Sri Krsna manifestiert Sich in den verschiedensten Formen, die in visnu-tattva und jiva-tattva unterteilt werden. Das visnu-tattva wird auch als svamsa bezeichnet und das jiva-tattva als vibhinnamsa. Deshalb kann Er Sich in Seinen transzendentalen Spielen ganz nach Wunsch sowohl als svamsa- als auch als vibhinnamsa-Erweiterung manifestieren, und dennoch bleibt Er immer die ursprüngliche Höchste Persönlichkeit Gottes.

Die Beschreibung der transzendentalen Spiele Krsnas wird im Neunzigsten Kapitel des Zehnten Cantos des Srimad-Bhagavatam abgeschlossen. Mit diesem Kapitel wollte Sukadeva Gosvami beschreiben, wie Krsna glücklich und in aller Vollkommenheit in Dvaraka lebte. Krsnas Vollkommenheit der Stärke wurde bereits in Seinen vielen Spielen offenbart, und in der Folge soll beschrieben werden, wie das Leben in Dvaraka Krsnas Vollkommenheiten des Reichtums und der Schönheit entfaltete. In der materiellen Welt, die nur eine verzerrte Spiegelung der spirituellen Welt ist, gelten Reichtum und Schönheit als die bedeutendsten aller Vollkommenheiten, und während Krsna daher als Höchste Persönlichkeit Gottes auf der Erde weilte, fanden Seine Vollkommenheiten des Reichtums und der Schönheit in allen drei Welten nicht ihresgleichen. Krsna erfreute Sich der Gemeinschaft von 16.000 schönen Frauen, und was sehr bedeutsam ist - Er war ihr einziger Gemahl. In diesem Zusammenhang wird besonders hervorgehoben, daß Er der einzige Gemahl von 16.000 Königinnen war. Natürlich ist es bereits einige Male vorgekommen, daß ein mächtiger König Hunderte von Königinnen besaß, doch obwohl ein solcher König der einzige Ehemann so vieler Frauen war, konnte er niemals mit ihnen allen zur gleichen Zeit zusammensein. Krsna jedoch erfreute Sich all Seiner sechzehntausend Frauen gleichzeitig.

Man könnte einwenden, auch yogis seien fähig, ihren Körper zu vervielfachen. Die Erweiterungen der yogis und die Sri Krsnas sind jedoch keineswegs von gleicher Art. Krsna wird auch Yogesvara, der Meister aller yogis, genannt. In den vedischen Schriften wird beschrieben, daß sich der yogi Saubhari Muni in acht Formen erweitern konnte. Solche Erweiterungen sind jedoch mit den "Erweiterungen" beim Fernsehen zu vergleichen. Das Fernsehbild wird in millionenfachen Erweiterungen wiedergegeben, doch diese Erweiterungen können sich niemals unabhängig voneinander bewegen. Sie sind lediglich Abbilder des ursprünglichen Bildes und können sich deshalb auch nur so bewegen wie das ursprüngliche Bild. Krsnas Erweiterungen dagegen sind nicht materiell wie die beim Fernsehen oder wie die eines yogi. Narada sah daher bei seinen Besuchen in Krsnas Palästen, daß Krsna in Seinen verschiedenen Erweiterungen in jedem einzelnen der Paläste etwas anderes tat.

Es wird auch beschrieben, daß Krsna in Dvaraka als der Gemahl der Glücksgöttin lebte. Königin Rukmini ist die Göttin des Glücks, und die anderen Königinnen sind ihre Erweiterungen. So lebte Krsna, das Oberhaupt der Vrsni-Dynastie, in aller Pracht mit der Glücksgöttin zusammen. Die Königinnen Krsnas werden als ewig jugendlich und schön beschrieben. Obwohl Krsna bereits Enkel und Urenkel hatte, sahen weder Er noch Seine Königinnen älter aus als sechzehn bis zwanzig Jahre. Die jungen Königinnen waren so schön, daß sie, wenn sie sich bewegten, den Blitzen glichen, die am Himmel aufleuchten. Sie trugen stets erlesensten Schmuck und feinste Gewänder und widmeten sich Vergnügungen wie Tanzen, Singen und dem Ballspielen auf den Dächern ihrer Paläste. Das Tanzen und Tennisspielen der Mädchen in der materiellen Welt ist also eine verzerrte Widerspiegelung der ursprünglichen Spiele der ursprünglichen Persönlichkeit Gottes, Krsna, und Seiner Frauen.

Auf den Alleen und Straßen Dvarakas bewegten sich ständig zahlreiche Elefanten, Pferde, Wagen und Fußsoldaten. Wenn Elefanten Arbeiten verrichten müssen, gibt man ihnen alkoholische Getränke, und es heißt, daß die Elefanten in Dvaraka so viel Alkohol bekamen, daß sie große Mengen davon auf den Straßen versprühten und trotzdem immer noch trunken durch die Stadt zogen. Die Fußsoldaten, die die Straßen entlangschritten, trugen prachtvollen Goldschmuck, und auf den Straßen der Stadt verkehrten goldene Pferdekutschen. Wohin das Auge auch blickte, man sah überall Parkanlagen und Gärten voller Bäume und Sträucher, die mit Früchten und Blüten beladen waren. Weil überall so viele herrliche Obst- und Blütenbäume standen, schlossen sich die lieblich zwitschernden Vögel und die summenden Hummeln zu einem wohlklingenden Konzert zusammen. So entfaltete die Stadt Dvaraka alle Herrlichkeiten in Vollkommenheit. Die Helden der Yadu-Dynastie betrachteten sich als die glücklichsten Bewohner der Stadt, und tatsächlich kamen sie in den Genuß aller transzendentalen Vorzüge.

In dieser wundervollen Stadt Dvaraka befanden sich alle 16.000 Paläste der Königinnen Krsnas, und Sri Krsna, der höchste, ewige Genießer all dieser Reichtümer, hatte Sich in 16.000 Formen erweitert, um Sich in all den Palästen gleichzeitig den verschiedenen Familienangelegenheiten zu widmen. Zu jedem Palast gehörten prächtig gestaltete Gärten und Teiche. Das kristallklare Wasser der Teiche trug viele blühende Lotosblumen von verschiedener Farbe - blaue, gelbe, rote und weiße -, und ihr safranfarbener Blütenstaub wurde von den sanft wehenden Lüften überallhin getragen. In allen Teichen tummelten sich zierliche Schwäne, Enten und Kraniche, die von Zeit zu Zeit wohlklingende Laute von sich gaben. Hin und wieder begaben sich Krsna und Seine Frauen in die Seen oder auch in die Flüsse und vergnügten sich beim Schwimmen in aller Fröhlichkeit. Dabei geschah es manchmal, daß die Frauen, die allesamt Glücksgöttinnen waren, Krsna mitten im Wasser während des Schwimmens oder beim Baden umarmten, worauf das zinnoberrote kunkuma-Puder, das die Schönheit ihrer Brüste hervorhob, die Brust des Herrn schmückte.

Die Unpersönlichkeitsphilosophen würden es niemals wagen, auch nur daran zu denken, daß es in der spirituellen Welt eine solche Vielfalt des Genießens gibt. Um den wirklichen, ewig glückseligen Genuß in der spirituellen Welt zu offenbaren, kam Sri Krsna auf diesen Planeten herab und zeigte, daß es in der spirituellen Welt an solchen Lebensfreuden durchaus nicht mangelt. Der Unterschied besteht nur darin, daß solche Freuden in der spirituellen Welt ewige, niemals endende Erlebnisse darstellen, wohingegen sie in der materiellen Welt bloß flüchtige verzerrte Spiegelungen sind.

Wenn Sich Sri Krsna Seiner genußreichen Spiele erfreute, priesen Ihn die Gandharvas und die berufsmäßigen Musiker mit wohlklingenden Konzerten, die von mrdangas, Trommeln, Kesselpauken, Saiteninstrumenten und Messinghörnern begleitet wurden, und so entfaltete sich die ganze Szene zu einem großen  Freudenfest. In ihrer fröhlichen Ausgelassenheit bespritzten die Königinnen Krsna manchmal mit einer Art von Wasserspritze, und Krsna vergalt es ihnen auf die gleiche Weise. Als sich Krsna und die Königinnen mit solchen Spielen vergnügten, sah es aus, als ob sich der himmlische König Yaksaraja* mit seinen vielen Frauen vergnügte. Als Krsnas Frauen auf diese Weise völlig durchnäßt wurden, erhöhte sich die Schönheit ihrer Brüste und Schenkel um ein Tausendfaches, und ihr langes Haar öffnete sich und fiel nieder, um jene Körperteile zu zieren. Auch die prächtigen Blumen, die in ihrem Haar steckten, fielen herunter, und weil die Königinnen so taten, als ärgerten sie sich darüber, daß der Herr sie mit Wasser bespritzte, näherten sie sich Krsna unter dem Vorwand, Ihm die Wasserspritze wegnehmen zu wollen. Diese Versuche führten zu einer Situation, in der der Herr die Königinnen, die Ihm nur allzu gern näherkamen, in die Arme schließen konnte. Während Sri Krsna Seine Frauen umarmte, spürten sie auf ihren Lippen ein deutliches Zeichen inniger Liebe, und dies erzeugte eine Stimmung spiritueller Glückseligkeit. Wenn die Blumengirlande des Herrn die Brüste der Königinnen berührte, wurden sie am ganzen Körper mit safrangelber Farbe bedeckt. Bei ihren himmlischen Spielen vergaßen sich die Königinnen völlig, und ihr geöffnetes Haar glich den anmutigen Wellen eines Flusses. Wenn die Königinnen den Körper Krsnas mit Wasser bespritzten oder Krsna die Körper der Königinnen, war es, als vergnüge sich ein Elefantenbulle mit vielen Elefantenkühen in einem See.

Hatten sich Krsna und die Königinnen schließlich nach Herzenslust miteinander vergnügt, stiegen sie aus dem Wasser und ließen ihre nassen, kostbaren Gewänder zurück, die sich die berufsmäßigen Sänger und Tänzer nehmen durften. Diese Sänger und Tänzer hatten kein anderes Einkommen als die wertvollen Gewänder und Schmuckstücke, die ihnen bei solchen Anlässen von den Königinnen und Königen überlassen wurden. Zur damaligen Zeit bestand ein solch gutes Gesellschaftssystem, daß es niemandem in seiner gesellschaftlichen Stellung als brahmana, ksatriya, vaisya oder sudra schwerfiel, seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Es gab auch keinen Wettstreit zwischen den einzelnen Teilen der Gesellschaft. Ursprünglich war das Kastensystem so eingerichtet, daß eine Menschengruppe, die einer bestimmten Tätigkeit nachging, nicht mit einer anderen Menschengruppe, die andere Pflichten besaß, in Konkurrenzkampf trat.

Auf diese Weise pflegte Sich Sri Krsna der Gemeinschaft Seiner sechzehntausend Frauen zu erfreuen. Gottgeweihte, die die Höchste Persönlichkeit Gottes in der ehelichen Beziehung lieben wollen, erhalten die Stellung, wo sie Krsnas Gemahlinnen werden, und Krsna Seinerseits bindet sie durch Sein gütiges Verhalten für immer an Sich. Krsnas Verhalten gegenüber Seinen Frauen, Seine Bewegungen, Seine Gespräche mit ihnen, Sein Lächeln, Seine Umarmungen und die anderen Formen des Austausches, die wie die eines liebevollen Gatten waren, banden sie immer stark an Krsna. Das ist die höchste Vollkommenheit des Lebens. Wenn jemand immer mit Krsna verbunden ist, so muß er als befreit betrachtet werden, und sein Leben ist ein Erfolg. Wenn ein Gottgeweihter Krsna mit seinem ganzen Herzen und seiner ganzen Seele liebt, so erwidert Krsna diese Gefühle auf eine solche Weise, daß sich die Zuneigung des Gottgeweihten niemals von Ihm abwendet. Die Beziehung, die Krsna und Seine Geweihten verbindet, ist so anziehend, daß die Gottgeweihten an nichts anderes mehr denken können als an Krsna.

Für alle Königinnen war Krsna das einzige Ziel der Verehrung. Sie weilten in Gedanken ständig bei Krsna, der lotosäugigen und wunderschön schwärzlichen Persönlichkeit Gottes. Wenn sie an Krsna dachten, verharrten sie manchmal in tiefem Schweigen, und manchmal, in der Ekstase der bhava und anubhava, sprachen sie wie im Wahnsinn. Manchmal sprachen sie sogar in Krsnas Gegenwart offen über die Spiele, an denen sie sich gemeinsam mit Ihm in einem See oder einem Fluß erfreut hatten. Einige dieser Gespräche seien im Folgenden wiedergegeben.

Eine Königin sagte zu dem Vogel kurari: "Meine liebe kurari, nun ist es bereits später Abend. Jeder schläft. Die ganze Welt ist nun ruhig und friedlich. Um diese Zeit schläft die Höchste Persönlichkeit Gottes, obwohl Sein Wissen jederzeit unbeeinträchtigt bleibt. Warum aber schläfst du nicht? Warum klagst du die ganze Nacht hindurch? Meine liebe Freundin, fühlst du dich etwa auch zu den Lotosaugen der Höchsten Persönlichkeit Gottes hingezogen, genau wie ich, und zu Seinem lieblichen Lächeln und Seinen süßen Worten? Zehrt die berückende Art der Höchsten Persönlichkeit Gottes ebenso an deinem Herzen wie an meinem?"

"He, cakravaki, warum hältst du deine Augen geschlossen? Suchst du nach deinem Gatten, der vielleicht in die Fremde gezogen ist? Warum klagst du so mitleiderregend? O weh, du scheinst wirklich sehr traurig zu sein. Oder sollte es wahr sein, daß auch du eine ewige Dienerin der Höchsten Persönlichkeit Gottes werden möchtest? Ich glaube, du sehnst dich danach, eine Blumengirlande auf die Lotosfüße des Herrn zu legen, um sie danach auf deinem Haupt zu tragen."

"O mein lieber Ozean, warum tost du Tag und Nacht? Willst du gar nicht schlafengehen? Du leidest wohl unter Schlaflosigkeit, oder wenn ich mich nicht irre, dann hat dir mein liebster Syamasundara geschickt deinen Ernst und deine Kraft der Geduld fortgenommen, die sonst deine natürlichen Eigenschaften sind. Stimmt es, daß du aus diesem Grunde ebenso an Schlaflosigkeit leidest wie ich? Ja, ich muß zugeben, daß es kein Mittel gegen diese Krankheit gibt."

"Mein lieber Mondgott, ich glaube, du bist von einer ernsthaften Schwindsucht befallen worden. Aus diesem Grund wirst du von Tag zu Tag dünner. O mein Herr, du bist bereits so schwach, daß deine blassen Strahlen nicht mehr die Kraft haben, die Dunkelheit der Nacht zu vertreiben. Oder bist auch du, genau wie ich, von den geheimnisvoll süßen Worten Syamasundaras, meines Herrn, überwältigt worden? Bist du vielleicht aus Sehnsucht nach Ihm so fahl geworden?"

"O Wind aus dem Himalaya, was habe ich dir getan, daß du so darauf bedacht bist, mich zu quälen, indem du in mir das Verlangen weckst, mit Krsna zusammenzusein? Weißt du nicht, daß mich die Schwindeleien der Persönlichkeit Gottes bereits zutiefst verwundet haben? Mein lieber Himalaya-Wind, bitte wisse, daß ich bereits schwer geprüft bin. Du brauchst mir nicht noch mehr wehzutun."

"Meine liebe schöne Wolke, die Farbe deines herrlichen Körpers gleicht genau der Körpertönung meines liebsten Syamasundara. Ich glaube daher, daß du meinem Herrn, dem Oberhaupt der Yadu-Dynastie, sehr lieb bist, und weil Er dich so lieb hat, bist du, genau wie ich, in Meditation über Ihn vertieft. Ich kann es dir nachfühlen, daß dein Herz voller Sehnsucht nach Syamasundara ist. Dir scheint sehr daran gelegen zu sein, Ihn zu sehen, und ich kann erkennen, daß dir einzig aus diesem Grunde Tränen aus den Augen rollen, und so geht es auch mir. Meine liebe schwarze Wolke, laß uns offen eingestehen: Eine vertrauliche Beziehung zu Syamasundara zu erlangen bedeutet, nichts als unnötige Sorgen auf sich zu nehmen. Sonst nämlich säßen wir gemütlich zu Hause."

Gewöhnlich läßt der Kuckuck am Ende der Nacht oder früh am Morgen seinen Ruf ertönen. Wenn die Königinnen am Ende der Nacht die Rufe des Kuckucks vernahmen, sagten sie: "Lieber Kuckuck, deine Stimme klingt gar lieblich. Sowie du deine süße Stimme erklingen läßt, erinnern wir uns an Syamasundara, denn deine Stimme klingt genau wie Seine. Wir müssen offen gestehen, daß deine Stimme von Nektar erfüllt ist. Sie ist so belebend, daß sie fähig ist, denen das Leben zurückzugeben, die schon fast tot sind aufgrund der Trennung von ihrem liebsten Freund. Wir sind dir deshalb sehr zu Dank verpflichtet. Bitte laß uns wissen, wie wir dich begrüßen können und was wir für dich tun können."

So fuhren die Königinnen fort zu sprechen, und sie wandten sich sogar an das Gebirge: "Lieber Berg, du bist sehr großmütig. Nur durch dein Gewicht wird die Erdoberfläche zusammengehalten, und weil du deine Pflichten sehr gewissenhaft versiehst, denkst du nicht daran, dich zu bewegen. Weil du so gewichtig bist, bewegst du dich niemals hin und her, ja du sprichst nicht einmal ein Wort. Vielmehr scheinst du stets tief in Gedanken versunken zu sein. Vielleicht sinnst du immer über etwas sehr Ernstes und Wichtiges nach; doch wir können uns gut denken, womit sich deine Gedanken beschäftigen. Sicherlich denkst du darüber nach, wie du die Lotosfüße Syamasundaras auf deine hohen Gipfel setzen kannst, ebenso wie auch wir Seine Lotosfüße auf unsere hohen Brüste setzen wollen."

"Liebe ausgetrocknete Flüsse, wir wissen, daß jetzt der Sommer gekommen ist und daß deshalb eure Läufe ausgetrocknet sind und kein Wasser mit sich führen. Und weil euer Wasser verdunstet ist, schmücken euch auch keine blühenden Lotosblumen mehr. Ihr seht gegenwärtig sehr unscheinbar und dünn aus, und daran können wir erkennen, daß es euch ähnlich ergeht wie uns. Wir haben alles verloren, weil wir von Syamasundara getrennt sind, und es ist uns nicht mehr vergönnt, Seine wohltuenden Worte zu hören. Unsere Herzen arbeiten nicht mehr richtig, und deshalb sind auch wir dünn und hager geworden. So sind wir zum Schluß gekommen, daß es euch nicht anders geht als uns. Ihr seid nur deshalb so dünn und schwach, weil ihr von eurem Gemahl, dem Ozean, kein Wasser mehr durch die Wolken bekommt." Das Beispiel, das die Königinnen anführten, ist sehr zutreffend. Wenn der Ozean aufhört, die Flüsse durch die Wolken mit Wasser zu versorgen, trocknen die Flüsse aus. Der Ozean gilt als der Gemahl des Flusses und muß ihn daher versorgen. Wenn eine Frau von ihrem Mann nicht mit den Lebensnotwendigkeiten versorgt wird, versiegt ihre Ausstrahlung, ebenso wie ein Fluß im Sommer austrocknet.

Eine Königin wandte sich mit folgenden Worten an einen Schwan: "Lieber Schwan, bitte komm her zu mir. Komm nur, du bist mir willkommen. Setz dich doch bitte nieder und nimm ein wenig Milch zu dir. Lieber Schwan, kannst du mir sagen, ob du eine Botschaft von Syamasundara für mich hast? Ich glaube nämlich, daß du Sein Bote bist. Wenn du irgendwelche Nachrichten von Ihm besitzt, dann verrate sie mir bitte. Unser Syamasundara ist immer sehr eigenwillig. Er gerät niemals unter jemandes Herrschaft. Keiner von uns ist es gelungen, Ihn zu beherrschen, und so möchten wir dich fragen, wie es Ihm geht. Ich muß dir sagen, daß Syamasundara sehr wankelmütig ist. Seine Freundschaft ist nie von Dauer; schon beim kleinsten Anlaß zerbricht sie. Aber könntest du mir gütigerweise erklären, aus welchem Grund Er so herzlos zu mir ist? Früher versicherte Er mir, ich allein sei Seine liebste Frau. Erinnert Er Sich noch daran? Doch auf jeden Fall bist du mir willkommen. Bitte nimm doch Platz. Aber ich kann unmöglich deine Bitte erfüllen, zu Syamasundara zu gehen. Wenn ich Ihm so gleichgültig bin, warum sollte ich dann in Ihn vernarrt sein? Es tut mir sehr leid, aber ich muß dir sagen, daß du der Bote einer hartherzigen Seele geworden bist. Auch wenn du mich noch so sehr bittest, zu Ihm zu gehen, werde ich es nicht tun. Doch höre ich recht, du sagst, Er werde zu mir kommen? Will Er hierherkommen, um meine langgehegte Sehnsucht nach Ihm zu stillen? Nun gut, du kannst Ihn hierherholen. Aber bringe nicht Seine Liebste, die Glücksgöttin, mit. Denkst Du, Er könne Sich nicht einmal einen Augenblick lang von ihr trennen? Kann Er nicht allein, ohne Laksmi, hierherkommen? Seine Art, Sich zu benehmen, bekümmert mich sehr. Bedeutet dies etwa, daß Syamasundara ohne Laksmi nicht glücklich sein kann? Kann Er mit keiner anderen Gemahlin glücklich sein? Bedeutet dies, daß die Glücksgöttin einen Ozean der Liebe für Ihn empfindet und daß sich keine von uns mit ihr messen kann?"

Alle Frauen Sri Krsnas waren völlig in Gedanken an Ihn vertieft. Krsna ist auch als Yogesvara, der Meister aller yogis, bekannt, und alle Frauen Krsnas in Dvaraka trugen diesen Yogesvara in ihrem Herzen. Statt zu versuchen, ein Meister aller mystischen yoga-Kräfte zu werden, ist es besser, einfach den Höchsten Yogesvara, Krsna, in seinem Herzen zu tragen. Auf diese Weise wird das Leben vollkommen, und man kann sehr leicht in das Königreich Gottes gelangen. Man muß wissen, daß die Königinnen, die mit Krsna in Dvaraka lebten, in ihren vorangegangenen Leben große Gottgeweihte gewesen waren, die sich gewünscht hatten, eine eheliche Liebesbeziehung zu Krsna zu haben. Deshalb wurde ihnen die Gunst gewährt, Krsnas Frauen zu werden und sich einer ständigen Liebesbeziehung zu Ihm zu erfreuen. Schließlich wurden sie alle auf die Vaikuntha-Planeten erhoben.

Die Höchste Absolute Wahrheit, die Persönlichkeit Gottes, ist niemals unpersönlich. Alle vedischen Schriften preisen Ihre mannigfachen transzendentalen Taten und Spiele. Deshalb heißt es, daß in den Veden und im Ramayana ausschließlich die Taten des Herrn geschildert werden. In allen vedischen Schriften wird Sein Ruhm besungen. Wenn Menschen, die ein weiches Herz besitzen, wie zum Beispiel Frauen, von den transzendentalen Spielen Sri Krsnas hören, fühlen sie sich unvermittelt zu Ihm hingezogen. Deshalb fühlen sich auch empfindsame Frauen und Mädchen sehr leicht zur Bewegung für Krsna-Bewußtsein hingezogen, und wer sich der Bewegung für Krsna-Bewußtsein zuwendet und sich bemüht, immer auf der Ebene dieses Bewußtseins zu bleiben, erlangt ganz sicher die höchste Befreiung und kehrt zu Krsna nach Goloka Vrndavana zurück. Wenn man allein schon durch das Entwickeln von Krsna-Bewußtsein in die spirituelle Welt erhoben wird, dann können wir uns vorstellen, wie glücklich und gesegnet die Königinnen Sri Krsnas gewesen sein müssen, die mit dem Herrn persönlich sprechen und Ihn von Angesicht zu Angesicht sehen konnten. Niemand kann das Glück der Frauen Sri Krsnas auch nur annähernd beschreiben. Sie umsorgten Ihn persönlich, indem sie Ihm die verschiedensten transzendentalen Dienste darbrachten. Sie halfen Ihm beim Baden, brachten Ihm Speisen, erfreuten Ihn und dienten Ihm in jeder Hinsicht. Es gibt also niemanden, dessen Entsagungen sich mit dem Dienst der Königinnen von Dvaraka vergleichen ließen.

Sukadeva Gosvami erklärte Maharaja Pariksit, daß es keine Methode der Selbstverwirklichung gebe, die sich mit den Entsagungen und Bußen der Königinnen von Dvaraka vergleichen ließe. Das Ziel aller Arten der Selbstverwirklichung ist eines: Krsna. Obwohl deshalb die Beziehung zwischen den Königinnen und Krsna wie die gewöhnliche Beziehung zwischen Mann und Frau erscheinen mag, ist das Wichtigste, was man beachten muß, die Anhaftung der Königinnen an Krsna. Der Sinn aller Vorgänge der Entsagung und Buße besteht darin, sich von der materiellen Welt loszulösen und seine Zuneigung zu Krsna, der Höchsten Persönlichkeit Gottes, zu vergrößern. Krsna ist die Zuflucht aller, die auf dem Pfad der Selbstverwirklichung voranschreiten. Als das vollkommene Beispiel eines Haushälters lebte Krsna mit Seinen Frauen zusammen und führte die vedischen Rituale durch, nur um den weniger intelligenten Menschen zu zeigen, daß der Höchste Herr niemals unpersönlich ist. Krsna lebte in aller Pracht im Kreis Seiner Frau und Seiner Kinder, genau wie eine gewöhnliche bedingte Seele, nur um den Seelen, die wirklich bedingt sind, ein Beispiel dafür zu geben, daß man durchaus ein Familienleben führen kann, solange Krsna der Mittelpunkt ist. Die Mitglieder der Yadu-Dynastie zum Beispiel lebten in Krsnas Familie, und Krsna war der Mittelpunkt all ihrer Tätigkeiten.

Es ist wichtiger, seine Anhaftung an Krsna zu vergrößern, als sich Entsagungen aufzuerlegen. Die Bewegung für Krsna-Bewußtsein ist für eben diesen Zweck bestimmt. Wir predigen auf der Grundlage des Prinzips, daß es nicht wichtig ist, ob man sannyasi oder grhastha ist. Wichtig ist nur, daß man seine Zuneigung zu Krsna vergrößert; dann ist das Leben erfolgreich. Wenn man dem Beispiel Sri Krsnas folgt, kann man im Kreis seiner Familie oder auch innerhalb der Gesellschaft und der Nation leben - aber nicht zum Zweck der Sinnenbefriedigung, sondern um Krsna zu erkennen, indem man seine Zuneigung zu Ihm vergrößert. Es gibt vier Prinzipien auf dem Weg des Aufstiegs vom bedingten Leben zum Leben der Befreiung: dharma, artha, kama und moksa (Religion, wirtschaftliche Entwicklung, Sinnenbefriedigung und Befreiung). Wenn man ein Familienleben führt, kann man diese vier Prinzipien des Erfolgs gleichzeitig erlangen, indem man dem Beispiel von Sri Krsnas Familienmitgliedern folgt und Krsna zum Mittelpunkt aller Tätigkeiten macht.

Wie wir bereits wissen, hatte Krsna 16.108 Frauen. Sie alle waren erhabene, befreite Seelen, und unter ihnen nahm Königin Rukmini den ersten Rang ein. Nach Rukminigab es sieben weitere vorrangige Frauen, und die Namen ihrer Söhne sind bereits genannt worden. Krsna hatte nicht nur von jeder Seiner acht Hauptfrauen zehn Kinder, sondern auch von jeder der übrigen Königinnen. Insgesamt belief sich also die Zahl von Sri Krsnas Söhnen auf 10 x 16.108. Es sollte uns nicht verwundern, daß Krsna so viele Söhne hatte. Wir müssen stets bedenken, daß Krsna die Höchste Persönlichkeit Gottes ist und unbegrenzte Energien besitzt. Er erklärt, daß alle Lebewesen Seine Söhne sind. Selbst wenn Er also sechzehn Millionen Söhne gehabt hätte, die persönlich mit Ihm verwandt gewesen wären, bestände kein Grund zur Verwunderung.

Unter Krsnas Söhnen, die alle sehr kräftig und machtvoll waren, befanden sich achtzehn maha-rathas. Die maha-rathas konnten es allein mit Tausenden von Soldaten, Streitwagen, berittenen Soldaten und Elefanten aufnehmen. Der Ruhm dieser achtzehn Söhne war weithin bekannt und wird in praktisch allen vedischen Schriften beschrieben. Ihre Namen sind: Pradyumna, Aniruddha, Diptiman, Bhanu, Samba, Madhu, Brhadbhanu, Citrabhanu, Vrka, Aruna, Puskara, Vedabahu, Srutadeva, Sunandana, Citrabhanu, Virupa, Kavi und Nyagrodha. Von diesen achtzehn maha-ratha-Söhnen Krsnas gilt Pradyumna als der vortrefflichste. Pradyumna war der älteste Sohn Rukminis, und er hatte alle Vorzüge Seines einzigartigen Vaters, Sri Krsna, geerbt. Er heiratete die Tochter Rukmis, seines Onkels mütterlicherseits, und aus dieser Verbindung ging Aniruddha, der Sohn Pradyumnas, hervor. Aniruddha war so machtvoll, daß er gegen 10.000 Elefanten kämpfen konnte. Er heiratete die Enkelin Rukmis, des Bruders Seiner Großmutter Rukmini. Als Vetter und Kusine dieses Grades waren beide nur entfernt miteinander verwandt, und eine solche Heirat war zur damaligen Zeit nicht ungewöhnlich. Aniruddha hatte einen Sohn namens Vajra. Als die ganze Yadu-Dynastie durch den Fluch eines brahmana vernichtet wurde, war Vajra der einzige Überlebende. Vajra hatte einen Sohn namens Pratibahu, dessen Sohn Subahu war; Subahus Sohn hieß Santasena, und der Sohn Santasenas hieß Satasena.

Sukadeva Gosvami berichtet, daß alle Angehörigen der Yadu-Dynastie viele Kinder hatten. Genau wie Krsna zahlreiche Söhne, Enkel und Urenkel hatte, so hatte auch jeder der obengenannten Könige eine große Anzahl von Nachkommen und Verwandten. Die Könige der Yadus hatten nicht nur sehr viele Kinder, sondern sie waren auch außerordentlich reich und begütert, und kein einziger von ihnen war schwach oder kurzlebig. Alle Mitglieder der Yadu-Dynastie waren treue Geweihte der brahmanischen Kultur. Es ist die Pflicht der ksatriya-Könige, die brahmanische Kultur aufrechtzuerhalten und die qualifizierten brahmanas zu beschützen, und alle Könige der Yadu-Dynastie versahen ihre Pflichten in bester Weise. Die Angehörigen der Yadu-Dynastie waren so zahlreich, daß es selbst dann noch schwierig wäre, sie alle zu beschreiben, wenn man eine Lebensdauer von vielen tausend Jahren hätte. Srila Sukadeva Gosvami sagte zu Maharaja Pariksit, er habe aus verläßlichen Quellen erfahren, daß allein zur Schulung der Kinder der Yadu-Dynastie nicht weniger als 38.800.000 Lehrer oder acaryas benötigt wurden. Wenn man bedenkt, daß schon so viele Lehrer vonnöten waren, um die Kinder der Yadus auszubilden, kann man sich einen Begriff davon machen, wie gewaltig die Zahl aller Familienangehörigen gewesen sein muß. Was die Größe ihrer Streitkräfte anbelangt, so heißt es, daß allein König Ugrasenas persönliche Leibwache aus zehn Billiarden Soldaten bestand.

Bevor Sri Krsna in unserem Universum erschien, hatten viele Schlachten zwischen den Halbgöttern und den Dämonen stattgefunden. In den Kämpfen starben viele Dämonen, die später die Gelegenheit erhielten, in hohen Königsfamilien auf der Erde geboren zu werden. Ihre hohe Stellung als Herrscher machte sie stolz, und sie hatten nichts anderes im Sinn, als ihre Untertanen zu peinigen. Sri Krsna erschien am Ende des Dvapara-yuga auf der Erde, um all diese dämonischen Könige zu töten. In der Bhagavad-gita heißt es: paritranaya sadhunam vinasayam ca duskrtam. "Der Herr erscheint, um die Gottgeweihten zu beschützen und die Gottlosen zu vernichten." Als Sri Krsna erschien, wurde Er von Seinen ewigen Dienern begleitet. Aber dazu waren auch einige der Halbgötter angewiesen worden, auf der Erde zu erscheinen, um Sri Krsna bei Seinen transzendentalen Spielen zu unterstützen, und so wurden sie alle in der Yadu-Dynastie geboren. Die Yadu-Dynastie hatte hundertein Familienverbände, die in den verschiedenen Teilen des Landes lebten, und die Angehörigen dieser Familien ehrten Sri Krsna auf eine Weise, die Seiner göttlichen Stellung entsprach, denn sie alle waren mit Herz und Seele Seine Geweihten. Die Angehörigen der Yadu-Dynastie waren alle sehr mächtig, glücklich und wohlhabend, und sie kannten keine Sorgen. Weil sie bedingungsloses Vertrauen in Krsna hatten und Ihm völlig ergeben waren, wurden sie niemals von anderen Königen besiegt. Ihre Liebe zu Krsna war so stark, daß sie bei all ihren Tätigkeiten des Alltags – beim Sitzen, Schlafen, Gehen, Sprechen, Sichvergnügen, Sichwaschen und Baden - völlig in Gedanken an Krsna vertieft waren und den körperlichen Notwendigkeiten keine Beachtung schenkten. Das ist das Merkmal eines reinen Geweihten Sri Krsnas. Wie ein Mensch, der völlig von einem bestimmten Gedanken in Anspruch genommen wird, zuweilen alle körperlichen Belange vergißt, so sorgten die Yadus nur unbewußt für die Notwendigkeiten des Körpers. Ihre eigentliche Aufmerksamkeit richtete sich ständig auf Krsna. Mechanisch führten sie ihre körperlichen Tätigkeiten aus, während ihr Geist ständig ins Krsna-Bewußtsein versunken war.

Srila Sukadeva Gosvami beschloß das Neunzigste Kapitel des Zehnten Cantos des Srimad-Bhagavatam, indem er auf fünf herausragende Besonderheiten Sri Krsnas hinwies. Die erste Besonderheit Sri Krsnas wird wie folgt beschrieben: Bis zu Krsnas Erscheinen in der Familie der Yadus war der Fluß Ganges als das Reinste von allem bekannt gewesen. Selbst unreine Dinge konnten gereinigt werden, wenn sie einfach mit dem Wasser des Ganges in Berührung kamen. Diese außerordentliche Kraft des Gangeswassers ließ sich auf die Tatsache zurückführen, daß es von der Zehe Sri Visnus fließt. Als dann aber Sri Krsna, der höchste Visnu, in der Familie der Yadu-Dynastie erschien und persönlich durch das Königreich der Yadus reiste, wurde durch den vertraulichen Umgang mit Ihm die ganze Familie der Yadus nicht nur sehr berühmt, sondern bekam auch eine noch größere reinigende Kraft, als sie dem Gangeswasser innewohnt.

Die nächste Besonderheit an Sri Krsnas Erscheinen ist, daß die Gottgeweihten und die Dämonen letzten Endes das gleiche Ergebnis erhielten, obwohl es so aussah, als habe Er die einen beschützt und die anderen vernichtet. Sri Krsna erteilt fünf Arten der Befreiung. Eine davon ist die sayujya-mukti, die Befreiung, bei der man mit dem Höchsten eins wird, und diese Befreiung ließ Er Dämonen wie Kamsa zukommen, wohingegen Er den gopis die Gunst gewährte, mit Ihm persönlich zusammensein zu können. Die gopis behielten ihre Individualität, um die Gemeinschaft mit Sri Krsna genießen zu können, und Kamsa wurde in das unpersönliche brahmajyoti aufgenommen. Mit anderen Worten, sowohl die Dämonen als auch die gopis wurden spirituell befreit, doch weil die Dämonen Krsnas Feinde waren und die gopis Seine Freundinnen, wurden die Dämonen getötet und die gopis beschützt.

Die dritte Besonderheit an Sri Krsnas Erscheinen ist die Tatsache, daß die Glücksgöttin, die von Halbgöttern wie Brahma, Indra und Candra verehrt wird, Krsna unablässig diente, obwohl Er die gopis bevorzugte. Laksmiji, die Glücksgöttin, versuchte ihr Bestes, um die gleiche Ebene wie die gopis zu erreichen, was ihr jedoch nicht gelang. Dessen ungeachtet blieb sie Krsna ergeben, obwohl sie gewöhnlich nie für längere Zeit am gleichen Ort bleibt, selbst wenn sie von Halbgöttern wie Brahma verehrt wird.

Die vierte Besonderheit bei Sri Krsnas Erscheinen betrifft die Herrlichkeit Seines Namens. In den vedischen Schriften wird erklärt, daß man, wenn man tausendmal die Namen Visnus chantet, den gleichen Nutzen erfährt, wie wenn man dreimal den Heiligen Namen Ramas chantet. Und es genügt, den Heiligen Namen Krsnas ein einziges Mal zu chanten, um dasselbe Ergebnis zu erlangen. Das bedeutet also, daß von allen Heiligen Namen der Höchsten Persönlichkeit Gottes - einschließlich der Namen Visnu und Rama - der Heilige Name "Krsna" der mächtigste ist. Die vedischen Schriften betonen deshalb insbesondere das Chanten des Heiligen Namens von Krsna: Hare Krsna, Hare Krsna, Krsna Krsna, Hare Hare / Hare Rama, Hare Rama, Rama Rama, Hare Hare. Sri Caitanya führte das Chanten der Heiligen Namen Krsnas im gegenwärtigen Zeitalter ein, und dadurch machte Er es viel leichter als in anderen Zeitaltern, Befreiung zu erlangen. Mit anderen Worten, Sri Krsna ist vortrefflicher als Seine Inkarnationen, obwohl sie alle im gleichen Maße die Höchste Persönlichkeit Gottes sind.

Die fünfte Besonderheit von Sri Krsnas Erscheinen ist, daß Er durch eine einzige Aussage in der Bhagavad-gita das erhabenste aller religiösen Prinzipien verkündete. Er sagte, daß man alle Prinzipien religiöser Rituale ganz einfach dadurch erfüllen kann, daß man sich Ihm ergibt. In den vedischen Schriften werden zwanzig Arten religiöser Prinzipien erwähnt, von denen jedes einzelne in einer anderen sastra beschrieben wird. Doch Sri Krsna ist so gütig zu den gefallenen, bedingten Seelen dieses Zeitalters, daß Er persönlich erschien, um jeden zu bitten, alle religiösen Rituale aufzugeben und sich ganz einfach Ihm zu ergeben. Im Zeitalter des Kali, so heißt es, sind drei Viertel der religiösen Prinzipien verlorengegangen, und auch das noch verbliebene Viertel wird kaum noch eingehalten. Doch durch die Barmherzigkeit Sri Krsnas ist nicht nur diese Lücke des Kali-yuga vollkommen aufgefüllt worden, sondern auch der Vorgang der Religion ist so einfach gemacht worden, daß es bereits völlig ausreichend ist, Sri Krsna transzendentalen liebevollen Dienst darzubringen, indem man Seine Heiligen Namen - Hare Krsna, Hare Krsna, Krsna Krsna, Hare Hare / Hare Rama, Hare Rama, Rama Rama, Hare Hare - chantet, um das höchste Ergebnis der Religion zu erhalten, nämlich auf den höchsten Planeten in der spirituellen Welt, Goloka Vrndavana, erhoben zu werden.

Auf diese Weise kann man sich sehr schnell ein Bild davon machen, wie groß der Nutzen von Sri Krsnas Erscheinen ist, und man kann sehr leicht verstehen, daß es für Krsna nichts außergewöhnliches war, als Er den Menschen der ganzen Welt durch Sein Erscheinen Erleichterung verschaffte.

Srila Sukadeva Gosvami beendet seine Beschreibung der einzigartigen Erhabenheit Sri Krsnas, indem er Ihn mit folgenden Worten preist: "O Sri Krsna, alle Ehre sei mit Dir. Du weilst im Herzen eines jeden als Paramatma. Deshalb bist Du auch als Jananivasa bekannt, als derjenige, der Sich im Herzen eines jeden befindet." Dies wird in der Bhagavad-gita bestätigt: isvarah sarva-bhuta- nam hrd-dese 'rjuna tisthati - der Höchste Herr weilt in Seinem Aspekt als Paramatma im Herzen eines jeden. Dies bedeutet jedoch nicht, daß Krsna keine davon gesonderte Existenz als Höchste Persönlichkeit Gottes hat. Die Mayavadi-Philosophen anerkennen zwar den alldurchdringenden Aspekt des Parabrahmans, doch wenn das Parabrahman, der Höchste Herr, Selbst erscheint, glauben sie, Sein Erscheinen unterstehe dem Diktat der materiellen Natur. Weil Krsna als der Sohn Devakis erschien, halten Ihn die Mayavadis für ein gewöhnliches Lebewesen, das in der materiellen Welt geboren wird. Sukadeva Gosvami warnt sie deshalb mit den Worten devaki-janma-vada, was bedeutet, daß Krsna, obwohl Er als der Sohn Devakis berühmt ist, in Wirklichkeit die Überseele, die alldurchdringende Höchste Persönlichkeit Gottes, ist. Die Gottgeweihten jedoch verstehen die Worte devaki-janma-vada noch auf eine andere Weise. Sie wissen, daß Krsna eigentlich der Sohn Mutter Yasodas war, denn obwohl Krsna zuerst als Devakis Sohn erschien, ließ Er Sich sogleich in die Obhut Mutter Yasodas bringen. So erfreuten sich Mutter Yasoda und Nanda Maharaja voller Glückseligkeit der Kindheitsspiele Krsnas. Dies gab auch Vasudeva zu, als er Nanda Maharaja und Mutter Yasoda in Kuruksetra traf. Er erklärte damals, daß Krsna und Balarama in Wirklichkeit die Söhne Mutter Yasodas und Nanda Maharajas seien. Vasudeva und Devaki waren nur Ihre offiziellen Eltern; Ihre wirklichen Eltern waren Nanda und Yasoda. Deshalb bezeichnete Sukadeva Gosvami Sri Krsna als devaki-janma-vada.

Dann lobpreist Sukadeva Gosvami den Herrn als denjenigen, der von der yadu-vara-parisat, der Versammlung der Yadu-Dynastie, geehrt wird, und bezeichnet Ihn auch als den Vernichter vieler Dämonen. Krsna, die Höchste Persönlichkeit Gottes, hätte die Dämonen auch durch Seine vielfältigen materiellen Energien töten können, doch Er wollte sie lieber persönlich vernichten, um ihnen Erlösung zu gewähren. Krsna hätte nicht persönlich in die materielle Welt herabzukommen brauchen, nur um Dämonen zu töten, denn schon allein durch Seinen Willen hätten Hunderte und Tausende von Dämonen auch ohne Sein persönliches Auftreten getötet werden können. Im Grunde erschien Er nur für Seine reinen Geweihten, zum Beispiel um als Kind mit Mutter Yasoda und Nanda Maharaja zu spielen oder um die Einwohner Dvarakas zu erfreuen. Als Sri Krsna die Dämonen tötete und die Gottgeweihten beschützte, führte Er das wahre religiöse Prinzip wieder ein - Liebe zu Gott. Durch das Befolgen der echten religiösen Prinzipien der Liebe zu Gott wurden selbst die Lebewesen, die man als sthira-cara bezeichnet, von aller materiellen Verunreinigung befreit und in das spirituelle Königreich erhoben. Sthira bezieht sich auf Bäume und Pflanzen, d.h. auf Lebewesen, die sich nicht bewegen können, und cara bezieht sich auf die Tiere, die Lebewesen, die sich bewegen können, vor allem auf die Kühe. Als Krsna gegenwärtig war, erlöste Er alle Bäume, Affen und viele andere Tiere und Pflanzen, die Ihm begegneten und Ihm in Vrndavana oder Dvaraka dienten.

Sri Krsna wird insbesondere dafür gepriesen, daß Er den gopis und den Königinnen von Dvaraka Freude schenkte. Sukadeva Gosvami lobpries Sri Krsna für Sein bezauberndes Lächeln, mit dem Er nicht nur die gopis von Vrndavana, sondern auch die Königinnen von Dvaraka in Seinen Bann schlug. Der genaue Ausdruck, der in diesem Zusammenhang gebraucht wird, lautet vardhayan kamadevam. Krsna entfachte in Vrndavana als Freund vieler gopis und in Dvaraka als Gemahl vieler Königinnen die begierigen Wünsche Seiner Geweihten, mit Ihm zu genießen. Um Gotteserkenntnis oder Selbstverwirklichung zu erlangen, muß man sich gewöhnlich für viele Tausende von Jahren schwere Entsagungen und Bußen auferlegen, und erst dann wird es möglich, Gott zu erkennen. Die gopis und die Königinnen von Dvaraka indessen erlangten die höchste Art der Befreiung einfach dadurch, daß sie ihre lustvollen Wünsche steigerten, sich mit Krsna als Freund oder Gemahl zu vergnügen.

Sri Krsnas Beziehung zu den gopis und den Königinnen ist einzigartig in der Geschichte der Selbstverwirklichung. Im allgemeinen glauben die Menschen, zur Selbstverwirklichung müsse man sich in den Wald oder in die Berge begeben und dort schwere Entsagungen und Bußen auf sich nehmen. Doch die gopis und die Königinnen erlangten einfach dadurch, daß sie in ehelicher Liebe an Krsna hingen und sich Seiner Gemeinschaft in einem scheinbar sinnlichen Leben voller Pracht und Reichtum erfreuten, die höchste Art der Befreiung, die nicht einmal große Weise und Heilige erreichen können. Ebenso erhielten auch Dämonen wie Kamsa, Dantavakra, Sisupala usw. die höchste Segnung, indem sie in die spirituelle Welt erhoben wurden.

Zu Beginn des Srimad-Bhagavatam brachte Srila Vyasadeva der Höchsten Wahrheit, Vasudeva, Krsna, seine achtungsvollen Ehrerbietungen dar. Danach lehrte er seinen Sohn Sukadeva Gosvami, das Srimad-Bhagavatam zu predigen, und pries in diesem Zusammenhang den Herrn mit dem Wort jayati. Den Fußstapfen Srila Vyasadevas, Sukadeva Gosvamis und aller acaryas der Schülernachfolge folgend, sollte die gesamte Weltbevölkerung Sri Krsna lobpreisen und sich zu ihrem eigenen Wohl der Bewegung für Krsna-Bewußtsein anschließen. Der Vorgang ist einfach und wirksam: Man braucht nur den maha-mantra zu chanten - Hare Krsna, Hare Krsna, Krsna Krsna, Hare Hare / Hare Rama, Hare Rama, Rama Rama, Hare Hare. Sr i Caitanya hat deshalb empfohlen, daß man den Hochs und Tiefs des materiellen Lebens gegenüber gleichgültig sein solle. Das materielle Leben ist zeitweilig, und die Hochs und Tiefs kommen und gehen. Wenn sie kommen, sollte man so duldsam wie ein Baum und so demütig und bescheiden wie ein Strohhalm auf der Straße sein. Aber zweifellos muß man fortfahren, sich im Krsna-Bewußtsein zu beschäftigen und den maha-mantra zu chanten: Hare Krsna, Hare Krsna, Krsna Krsna, Hare Hare / Hare Rama, Hare Rama, Rama Rama, Hare Hare.

Krsna, die Höchste Persönlichkeit Gottes, die Überseele aller Lebewesen, steigt aus Seiner grundlosen Barmherzigkeit in die materielle Welt herab und offenbart in Seinen verschiedenen Inkarnationen Seine vielfältigen transzendentalen Spiele. Das Hören über die anziehenden Spiele der verschiedenen Inkarnationen Sri Krsnas stellt für die bedingte Seele eine Möglichkeit zur Befreiung dar, und die unvergleichlich faszinierenden und wunderbaren Taten, die Sri Krsna persönlich vollbrachte, sind sogar noch anziehender, denn Sri Krsna Selbst ist allanziehend.

Den heiligen Fußstapfen Srila Sukadeva Gosvamis folgend, haben wir versucht, das Krsna-Buch vorzulegen, damit es von den bedingten Seelen des gegenwärtigen Zeitalters gelesen und gehört werden kann. Wenn man über die transzendentalen Spiele Sri Krsnas hört, wird man mit garantierter Sicherheit Befreiung erlangen und nach Hause, zu Gott, zurückkehren. Srila Sukadeva Gosvami versichert, daß wir nach und nach alle Fesseln materieller Verunreinigung abstreifen, wenn wir über die transzendentalen Spiele und Taten des Herrn hören. Ganz gleich, wer oder was man auch sein mag - wenn man in die Gemeinschaft Sri Krsnas im transzendentalen Königreich gelangen will, wo das Leben ewig und glückselig ist, dann höre man über Sri Krsnas Spiele und chante den maha-mantra: Hare Krsna, Hare Krsna, Krsna Krsna, Hare Hare / Hare Rama, Hare Rama, Rama Rama, Hare Hare.

Die transzendentalen Spiele Krsnas, der Höchsten Persönlichkeit Gottes, sind so mächtig, daß man einfach dadurch, daß man aus dem Krsna-Buch hört, es liest oder sich an seinen Inhalt erinnert, mit Sicherheit in die spirituelle Welt erhoben wird, was für gewöhnlich nur sehr schwer zu erreichen ist. Die Schilderungen der Spiele Sri Krsnas sind so anziehend, daß sie uns unwillkürlich dazu anregen, sie immer wieder zu studieren, und je mehr wir die Spiele des Herrn studieren, desto mehr werden wir Anhaftung an Ihn gewinnen. Und genau diese Anhaftung an Krsna befähigt uns, in Sein Reich, Goloka Vrndavana, erhoben zu werden. Die materielle Welt zu überwinden bedeutet, die strengen Gesetze der materiellen Natur zu überwinden; dies ist im vorangegangenen Kapitel erklärt worden. Die strengen Gesetze der materiellen Natur können den Fortschritt einer Seele, die sich zur spirituellen Natur hingezogen fühlt, nicht hemmen. Dies wird vom Herrn Selbst in der Bhagavad-gita bestätigt, wo es heißt: Die strengen Gesetze der materiellen Natur sind sehr schwer zu überwinden, doch wenn man sich dem Herrn ergibt, kann man die Unwissenheit sehr leicht hinter sich lassen. In der spirituellen Welt hat die materielle Natur keinen Einfluß. Wie uns im Zweiten Canto des Srimad-Bhagavatam erklärt wird, wird die spirituelle Welt dadurch charakterisiert, daß sie von der Herrschaftsmacht der Halbgötter und vom Einfluß der materiellen Natur niemals berührt wird.

Srila Sukadeva Gosvami hat deshalb Maharaja Pariksit zu Beginn des Zweiten Cantos darauf hingewiesen, daß jede bedingte Seele über die transzendentalen Spiele des Herrn hören und chanten sollte. Srila Sukadeva Gosvami sagte des weiteren zu König Pariksit, daß in früheren Zeiten viele Könige und Kaiser in den Dschungel gezogen seien und sich dort schweren Entsagungen und Bußen unterzogen hätten, um nach Hause, zu Gott, zurückzukehren. In Indien kommt es auch heute noch vor, daß fortgeschrittene Transzendentalisten ihr Familienleben aufgeben und nach Vrndavana ziehen, um dort allein zu leben und sich vollkommen dem Hören und Chanten über die heiligen Spiele des Herrn zu weihen. Dieser Vorgang wird im Srimad-Bhagavatam empfohlen, und die sechs Gosvamis von Vrndavana sind dieser Anweisung gefolgt; aber leider haben gegenwärtig viele karmis und Pseudogottgeweihte den heiligen Ort Vrndavana überschwemmt, nur um den von Sukadeva Gosvami empfohlenen Vorgang nachzuahmen. Es gab eine Zeit, wo viele Könige und Kaiser in den Wald gingen, um sich diesem Vorgang zu widmen, doch Srila Bhaktisiddhanta Sarasvati Thakura Gosvami Maharaja rät davon ab, das zurückgezogene Leben in Vrndavana verfrüht zu beginnen.

Wer sich verfrüht nach Vrndavana begibt, um dort gemäß den Anweisungen Sukadeva Gosvamis zu leben, wird maya wieder zum Opfer fallen, obwohl er sich in Vrndavana befindet. Um sich gegen die Leute zu wenden, die sich auf solch unautorisierte Weise in Vrndavana niederlassen, hat Srila Bhaktisiddhanta Sarasvati Thakura ein Lied verfaßt, in dem er sagt: "Mein lieber Geist, warum bist du so stolz darauf, ein Vaisnava zu sein? Daß du in der Zurückgezogenheit Verehrung darbringst und den Heiligen Namen des Herrn chantest, beruht auf dem Wunsch nach billiger Bewunderung, und deshalb ist dein Chanten des Heiligen Namens nichts anderes als Heuchelei. Dieses Trachten nach nichtigem Ansehen ist mit dem Kot von Schweinen vergleichbar, denn solcher Ruhm ist eine weitere Form von mayas Einfluß." Es mag Menschen geben, die um billiger Bewunderung willen nach Vrndavana gehen, dort aber, statt ins Krsna-Bewußtsein vertieft zu sein, immerzu nur an Geld und Frauen denken, die bloß vergängliche Quellen der Freude sind. Sie täten jedoch besser daran, ihr Geld und ihre Frauen im Dienst des Herrn zu beschäftigen, denn Sinnengenuß ist nicht für die bedingten Seelen bestimmt.

Der Meister der Sinne ist Hrsikesa, Sri Krsna. Deshalb sollten die Sinne stets in Seinem Dienst beschäftigt sein. Was materiellen Ruhm betrifft, so hat es viele Dämonen gegeben, wie zum Beispiel Ravana, die sich den Gesetzen der materiellen Natur widersetzen wollten, doch sie alle scheiterten. Man sollte sich deshalb vor der dämonischen Tendenz hüten, sich einfach nur um des Ruhmes willen als Vaisnava auszugeben, ohne dem Herrn Dienst darzubringen. Wenn man sich aber dem hingebungsvollen Dienst des Herrn weiht, folgt einem der Vaisnava-Ruhm automatisch. Man braucht also nicht auf die Gottgeweihten neidisch zu sein, die den Ruhm des Herrn verbreiten. Wir selbst haben es erlebt, daß uns einige sogenannte babajis in Vrndavana sagten, es sei nicht nötig zu predigen und man tue besser daran, in Vrndavana an einem abgeschiedenen Ort zu leben und den Heiligen Namen zu chanten. Diese babajis wissen nicht, daß einem der gute Ruf eines Predigers ganz von selbst folgen wird, wenn man sich einfach dem Predigen widmet und den Ruhm der Höchsten Persönlichkeit Gottes verbreitet. Niemand sollte also sein rechtschaffenes Leben als Haushälter voreilig aufgeben, um dann in Vrndavana ein heuchlerisches Leben voller Ausschweifungen zu führen. Srila Sukadeva Gosvamis Empfehlung, das Zuhause zu verlassen und in den Wald zu gehen, um nach Krsna zu suchen, gilt nicht für unreife Menschen. Maharaja Pariksit war reif. Vom Anfang seines Lebens an und auch als Haushälter verehrte er die murti Sri Krsnas. Weil er bereits in seiner Kindheit Sri Krsnas transzendentale Bildgestalt verehrt hatte, blieb er auch als Haushälter frei von jeglicher Anhaftung. Als er dann von seinem bevorstehenden Tod erfuhr, gab er sogleich alle Verbindungen zum Haushälterleben auf und begab sich an das Ufer des Ganges, um in der Gemeinschaft von Gottgeweihten das Srimad-Bhagavatam zu hören.


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 * Yaksaraja ist auch als Kuvera bekannt und gilt als der Schatzmeister des himmlischen Königreichs.


Hiermit enden die Bhaktivedanta-Erläuterungen zum 89. Kapitel des Krsna-Buches: "Abschließende Darstellung der Spiele Sri Krsnas".

ENDE