89. Kapitel: Abschließende
Darstellung der Spiele Sri Krsnas
Nachdem Arjuna aus dem spirituellen
Königreich
zurückgekehrt war, das er in
Begleitung Krsnas hatte
besuchen dürfen, erfüllte ihn tiefste
Verwunderung. Er
konnte nicht vergessen,
wie er, obwohl
nur ein
gewöhnliches Lebewesen, durch
Krsnas Gnade die
Gelegenheit bekommen hatte, die
spirituelle Welt zu sehen. Und nicht nur das, es
war ihm sogar vergönnt
gewesen, mit
eigenen Augen den
ursprünglichen
Maha-Visnu, die Ursache der materiellen
Schöpfung, zu
sehen. Es heißt, daß Krsna
Vrndavana niemals verläßt
(vrndavanam parityajya na padam ekam gacchati). Krsna
ist vollkommen in Mathura, vollkommener
in Dvaraka
und am vollkommensten in Vrndavana.
Krsnas Spiele in
Dvaraka werden von
Seiner Erweiterung Vasudeva
vollführt, aber
dennoch besteht
zwischen Seiner
Vasudeva-Erweiterung, die Er in Mathura
und Dvaraka
offenbart, und der
ursprünglichen Form Krsnas in
Vrndavana kein Unterschied.
Wie zu Beginn dieses
Buches erklärt wurde, wird Krsna, wenn Er erscheint, von
all Seinen Inkarnationen, vollständigen Teilerweiterungen
und Teilen Seiner
vollständigen Teilerweiterungen
begleitet. Einige Seiner Spiele werden
daher nicht vom
ursprünglichen Krsna Selbst
offenbart, sondern von
Seinen vielfachen
Erweiterungen und vollständigen
Inkarnationen. Arjuna war deshalb
verwirrt und fragte
sich, wie es kam, daß Krsna
in die spirituelle Welt zu
Karanarnavasayi Visnu ging.
Die Fragen in diesem
Zusammenhang werden in den Kommentaren
von Srila
Visvanatha Cakravarti Thakura ausführlich erörtert.
Den Worten Maha-Visnus ist zu
entnehmen, daß Er
Sich sehr danach sehnte, Krsna zu sehen. Hier könnte sich
die folgende Frage erheben: Maha-Visnu hatte zweifellos
nach Dvaraka gehen müssen, um die Söhne des brahmana
zu entführen. Warum also sah Er Krsna nicht in Dvaraka?
Eine mögliche Antwort ist, daß
Krsna nicht einmal von
Maha-Visnu, der im Ozean der
Ursachen in der spirituellen Welt liegt, gesehen werden
kann, solange es
Krsna Ihm nicht erlaubt. So kam
es, daß Maha-Visnu
nacheinander alle Söhne des brahmana gleich nach ihrer
Geburt entführte, denn Er hoffte, daß Krsna persönlich zu
Ihm kommen würde, um sie
zurückzuholen, und daß Er
Krsna auf diese Weise würde sehen können. Aber warum
ist Maha-Visnu dann persönlich nach Dvaraka gegangen,
wenn Er Krsna dort sowieso nicht sehen konnte? Warum
schickte Er nicht einfach einen Seiner Gefährten, um die
Söhne des brahmana zu entführen? Auf diese
Frage läßt
sich antworten, daß es sehr
schwierig war, in Krsnas
Gegenwart den Bewohnern Dvarakas Leid
zuzufügen.
Deshalb wäre es für keinen von
Maha-Visnus Gefährten
möglich gewesen, die Söhne des
brahmana zu rauben,
und so mußte Maha-Visnu persönlich kommen, um sie zu
holen.
In diesem Zusammenhang gibt es eine weitere Frage:
Wie kommt es, daß die Höchste Persönlichkeit Gottes, die
als brahmanya-deva,
der verehrenswerte
Herr der
brahmanas, bekannt ist, bereit war,
einem brahmana
nacheinander alle neun Söhne fortzunehmen
und ihn
dadurch in so großes Leid zu stürzen? Die Antwort lautet,
daß Sich Maha-Visnu so sehr danach
sehnte, Krsna zu
sehen, daß Er Sich nicht einmal scheute, einem brahmana
Kummer zu bereiten. Obwohl es eigentlich unzulässig ist,
einem brahmana Leid zuzufügen, war Sri
Visnu bereit,
alles zu tun, um Krsna zu sehen - so sehr sehnte Er Sich
nach Ihm. Er sah voraus, daß
der brahmana jedesmal,
wenn er einen Sohn verlor, zum Palasttor gehen und dem
König vorwerfen würde, daß er die
brahmanas nicht
beschützen könne und deshalb ungeeignet
sei, auf dem
Königsthron zu sitzen. Es war also Maha-Visnus Plan, daß
der brahmana die ksatriyas und Krsna anklagen würde, so
daß Krsna verpflichtet wäre, zu Ihm zu kommen und die
Söhne des brahmana zurückzuholen.
Aus der obigen Aussage ergibt sich
eine weitere
Frage: Wenn Maha-Visnu Krsna nicht sehen kann, wieso
war Krsna dann am Ende verpflichtet, zu Maha-Visnu zu
gehen, um die Söhne des brahmana
zurückzuholen? Die
Antwort ist, daß Krsna im Grunde nicht wegen der Söhne
des brahmana zu Maha-Visnu fuhr,
sondern nur um
Arjunas willen. Arjuna war nämlich
entschlossen gewesen, sich ins Feuer zu stürzen,
um sich das Leben zu
nehmen, doch weil Krsnas Freundschaft
mit Arjuna so
eng war, hatte ihn Krsna um alles in der Welt beschützen
wollen. Arjuna jedoch
hätte seinen Entschluß nicht
geändert, wenn die Söhne des
brahmana nicht wieder
erschienen wären. Deshalb hatte ihm Krsna versprochen:
"Ich werde die Söhne
des brahmana zurückholen.
Versuche nicht, dir das Leben zu nehmen."
Wenn Sich Sri Krsna nur zu Sri Visnu begeben hätte,
um die Söhne des brahmana
zurückzufordern, hätte Er
nicht gewartet, bis alle neun Söhne verschwunden waren.
Doch als schließlich
auch der neunte
Sohn von
Maha-Visnu geholt wurde und
Arjuna wegen seines
Versprechens, das er nicht hatte halten können, ins Feuer
gehen wollte, entschloß Sich Krsna angesichts der ernsten
Situation, mit Arjuna Maha-Visnu aufzusuchen. Es heißt,
daß Arjuna eine ermächtigte Inkarnation Nara-Narayanas
ist. Er wird manchmal sogar Nara-Narayana genannt. Die
Nara-Narayana-Inkarnation ist ebenfalls eine vollständige
Erweiterung Sri Visnus. Daher muß Arjuna, als er mit Sri
Krsna Maha-Visnu besuchte, dies in seiner Eigenschaft als
Nara-Narayana getan haben, ähnlich wie Krsna in Seinem
Aspekt als Vasudeva handelte, als
Er Seine Spiele in
Dvaraka offenbarte.
Nach seinem Besuch in der
spirituellen Welt kam
Arjuna zu dem Schluß, daß jegliche
Art des Reichtums,
den man in der materiellen oder spirituellen Welt besitzen
kann, nichts anderes als ein Geschenk Sri
Krsnas ist. Sri
Krsna manifestiert Sich in den
verschiedensten Formen,
die in visnu-tattva und jiva-tattva
unterteilt werden. Das
visnu-tattva wird auch als svamsa bezeichnet und das jiva-tattva als vibhinnamsa. Deshalb kann
Er Sich in Seinen
transzendentalen Spielen ganz nach Wunsch
sowohl als
svamsa- als
auch als
vibhinnamsa-Erweiterung
manifestieren, und
dennoch bleibt Er
immer die
ursprüngliche Höchste Persönlichkeit Gottes.
Die Beschreibung der transzendentalen Spiele Krsnas
wird im Neunzigsten Kapitel des
Zehnten Cantos des Srimad-Bhagavatam abgeschlossen. Mit diesem
Kapitel
wollte Sukadeva Gosvami
beschreiben, wie Krsna
glücklich und in aller Vollkommenheit in
Dvaraka lebte.
Krsnas Vollkommenheit der
Stärke wurde bereits in
Seinen vielen Spielen offenbart, und
in der Folge soll
beschrieben werden, wie das Leben
in Dvaraka Krsnas
Vollkommenheiten des Reichtums und der
Schönheit
entfaltete. In der materiellen Welt, die
nur eine verzerrte
Spiegelung der spirituellen Welt ist, gelten Reichtum und
Schönheit als die bedeutendsten aller Vollkommenheiten,
und während Krsna daher als Höchste
Persönlichkeit
Gottes auf
der Erde
weilte,
fanden Seine
Vollkommenheiten des Reichtums und der
Schönheit in
allen drei Welten nicht ihresgleichen. Krsna erfreute Sich
der Gemeinschaft von 16.000 schönen
Frauen, und was
sehr bedeutsam ist - Er war
ihr einziger Gemahl. In
diesem Zusammenhang wird besonders
hervorgehoben,
daß Er der einzige Gemahl von 16.000 Königinnen war.
Natürlich ist es bereits einige Male vorgekommen, daß ein
mächtiger König Hunderte von Königinnen
besaß, doch
obwohl ein solcher König der einzige Ehemann so vieler
Frauen war, konnte er
niemals mit ihnen allen
zur
gleichen Zeit zusammensein. Krsna jedoch
erfreute Sich
all Seiner sechzehntausend Frauen gleichzeitig.
Man könnte einwenden, auch yogis seien fähig, ihren
Körper zu vervielfachen. Die Erweiterungen der yogis und
die Sri Krsnas sind jedoch keineswegs
von gleicher Art.
Krsna wird auch Yogesvara, der
Meister aller yogis,
genannt. In den vedischen Schriften wird beschrieben, daß
sich der yogi Saubhari Muni in acht
Formen erweitern
konnte. Solche Erweiterungen sind jedoch
mit den "Erweiterungen" beim Fernsehen
zu vergleichen. Das
Fernsehbild wird
in millionenfachen Erweiterungen
wiedergegeben, doch diese Erweiterungen
können sich
niemals unabhängig voneinander
bewegen. Sie sind
lediglich Abbilder des ursprünglichen Bildes und können
sich deshalb auch nur so bewegen wie das ursprüngliche
Bild. Krsnas Erweiterungen dagegen sind
nicht materiell
wie die beim Fernsehen oder wie
die eines yogi. Narada
sah daher bei seinen Besuchen in
Krsnas Palästen, daß
Krsna in Seinen verschiedenen
Erweiterungen in jedem
einzelnen der Paläste etwas anderes tat.
Es wird auch beschrieben, daß Krsna in
Dvaraka als
der Gemahl der Glücksgöttin lebte.
Königin Rukmini ist
die Göttin des Glücks, und die
anderen Königinnen sind
ihre Erweiterungen. So lebte Krsna,
das Oberhaupt der
Vrsni-Dynastie, in aller
Pracht mit der Glücksgöttin
zusammen. Die Königinnen Krsnas werden
als ewig
jugendlich und schön beschrieben. Obwohl Krsna bereits
Enkel und Urenkel hatte, sahen
weder Er noch Seine
Königinnen älter aus als sechzehn bis zwanzig Jahre. Die
jungen Königinnen waren so schön, daß sie, wenn sie sich
bewegten, den
Blitzen glichen,
die am Himmel
aufleuchten. Sie trugen stets erlesensten
Schmuck und
feinste Gewänder und widmeten sich
Vergnügungen wie
Tanzen, Singen und dem Ballspielen
auf den Dächern
ihrer Paläste. Das Tanzen und Tennisspielen der Mädchen
in der
materiellen Welt
ist also eine
verzerrte
Widerspiegelung der
ursprünglichen Spiele
der
ursprünglichen Persönlichkeit Gottes, Krsna,
und Seiner
Frauen.
Auf den Alleen und Straßen Dvarakas bewegten sich
ständig zahlreiche
Elefanten, Pferde,
Wagen und
Fußsoldaten. Wenn Elefanten Arbeiten verrichten müssen,
gibt man ihnen alkoholische Getränke,
und es heißt, daß
die Elefanten in Dvaraka so viel
Alkohol bekamen, daß
sie große Mengen davon auf den Straßen versprühten und
trotzdem immer noch trunken durch die Stadt zogen. Die
Fußsoldaten, die die
Straßen entlangschritten, trugen
prachtvollen Goldschmuck, und auf den Straßen der Stadt
verkehrten goldene Pferdekutschen. Wohin
das Auge
auch blickte, man sah überall
Parkanlagen und Gärten
voller Bäume und Sträucher, die mit Früchten und Blüten
beladen waren. Weil überall so viele herrliche Obst- und
Blütenbäume standen,
schlossen sich
die lieblich
zwitschernden Vögel und die summenden
Hummeln zu
einem wohlklingenden Konzert zusammen. So
entfaltete
die Stadt Dvaraka alle Herrlichkeiten in Vollkommenheit.
Die Helden der Yadu-Dynastie betrachteten
sich als die
glücklichsten Bewohner der Stadt, und tatsächlich kamen
sie in den Genuß aller transzendentalen Vorzüge.
In dieser wundervollen Stadt Dvaraka
befanden sich
alle 16.000 Paläste der Königinnen Krsnas, und Sri Krsna,
der höchste, ewige Genießer all
dieser Reichtümer, hatte
Sich in 16.000 Formen erweitert,
um Sich in all den
Palästen
gleichzeitig
den
verschiedenen
Familienangelegenheiten zu widmen. Zu
jedem Palast
gehörten prächtig gestaltete
Gärten und Teiche. Das
kristallklare Wasser der
Teiche trug viele blühende
Lotosblumen von verschiedener Farbe - blaue, gelbe, rote
und weiße -, und ihr safranfarbener
Blütenstaub wurde
von den sanft wehenden Lüften
überallhin getragen. In
allen Teichen tummelten sich zierliche
Schwäne, Enten
und Kraniche, die von Zeit zu Zeit
wohlklingende Laute
von sich gaben. Hin und wieder begaben sich Krsna und
Seine Frauen in die Seen oder
auch in die Flüsse und
vergnügten sich beim Schwimmen in
aller Fröhlichkeit.
Dabei geschah es manchmal, daß die Frauen, die allesamt
Glücksgöttinnen waren, Krsna mitten im Wasser während
des Schwimmens oder beim Baden umarmten, worauf das
zinnoberrote kunkuma-Puder, das die
Schönheit ihrer
Brüste hervorhob, die Brust des Herrn schmückte.
Die Unpersönlichkeitsphilosophen würden es niemals
wagen, auch nur daran
zu denken, daß es
in der
spirituellen Welt eine solche Vielfalt des Genießens gibt.
Um den wirklichen, ewig glückseligen
Genuß in der
spirituellen Welt zu offenbaren, kam Sri Krsna auf diesen
Planeten herab und zeigte, daß es in der spirituellen Welt
an solchen Lebensfreuden durchaus nicht
mangelt. Der
Unterschied besteht nur darin, daß solche Freuden in der
spirituellen Welt ewige,
niemals endende Erlebnisse
darstellen, wohingegen sie in der
materiellen Welt bloß
flüchtige verzerrte Spiegelungen sind.
Wenn Sich Sri Krsna Seiner genußreichen
Spiele
erfreute, priesen
Ihn die
Gandharvas und die
berufsmäßigen Musiker mit wohlklingenden
Konzerten,
die von
mrdangas,
Trommeln, Kesselpauken,
Saiteninstrumenten und Messinghörnern begleitet wurden,
und so entfaltete sich die ganze
Szene zu einem großen
Freudenfest. In
ihrer fröhlichen
Ausgelassenheit
bespritzten die Königinnen Krsna manchmal mit einer Art
von Wasserspritze, und Krsna vergalt
es ihnen auf die
gleiche Weise. Als sich Krsna und
die Königinnen mit
solchen Spielen vergnügten, sah es
aus, als ob sich der
himmlische König Yaksaraja* mit seinen
vielen Frauen
vergnügte. Als Krsnas Frauen auf
diese Weise völlig
durchnäßt wurden, erhöhte sich die Schönheit ihrer Brüste
und Schenkel um ein Tausendfaches, und ihr langes Haar
öffnete sich und fiel nieder, um jene Körperteile zu zieren.
Auch die prächtigen Blumen, die in ihrem Haar steckten,
fielen herunter, und weil die
Königinnen so taten, als
ärgerten sie sich darüber, daß der
Herr sie mit Wasser
bespritzte, näherten sie sich Krsna
unter dem Vorwand,
Ihm die Wasserspritze wegnehmen zu
wollen. Diese
Versuche führten zu einer Situation,
in der der Herr die
Königinnen, die Ihm nur allzu gern
näherkamen, in die
Arme schließen konnte. Während Sri Krsna Seine Frauen
umarmte, spürten sie auf ihren
Lippen ein deutliches
Zeichen inniger Liebe, und dies erzeugte eine
Stimmung
spiritueller Glückseligkeit. Wenn die Blumengirlande des
Herrn die Brüste der Königinnen berührte, wurden sie am
ganzen Körper mit safrangelber Farbe bedeckt. Bei ihren
himmlischen Spielen vergaßen sich die Königinnen völlig,
und ihr geöffnetes Haar glich den anmutigen Wellen eines
Flusses. Wenn die Königinnen den
Körper Krsnas mit
Wasser bespritzten
oder Krsna die
Körper der
Königinnen, war es, als vergnüge sich ein Elefantenbulle
mit vielen Elefantenkühen in einem See.
Hatten sich Krsna und die
Königinnen schließlich
nach Herzenslust miteinander vergnügt,
stiegen sie aus
dem Wasser und ließen ihre nassen, kostbaren Gewänder
zurück, die sich die berufsmäßigen
Sänger und Tänzer
nehmen durften. Diese Sänger und
Tänzer hatten kein
anderes Einkommen als die wertvollen
Gewänder und
Schmuckstücke, die ihnen bei solchen
Anlässen von den
Königinnen und
Königen überlassen
wurden. Zur
damaligen
Zeit
bestand
ein
solch gutes
Gesellschaftssystem, daß
es niemandem in
seiner
gesellschaftlichen Stellung als brahmana, ksatriya, vaisya
oder sudra
schwerfiel, seinen
Lebensunterhalt zu
verdienen. Es gab auch keinen
Wettstreit zwischen den
einzelnen Teilen der Gesellschaft.
Ursprünglich war das
Kastensystem so eingerichtet, daß eine Menschengruppe,
die einer bestimmten Tätigkeit nachging,
nicht mit einer
anderen Menschengruppe, die andere
Pflichten besaß, in
Konkurrenzkampf trat.
Auf diese Weise pflegte
Sich Sri Krsna der
Gemeinschaft Seiner sechzehntausend Frauen zu erfreuen.
Gottgeweihte, die die Höchste Persönlichkeit Gottes in der
ehelichen Beziehung lieben wollen, erhalten die Stellung,
wo sie Krsnas
Gemahlinnen werden,
und Krsna
Seinerseits bindet sie durch Sein
gütiges Verhalten für
immer an Sich. Krsnas
Verhalten gegenüber Seinen
Frauen, Seine Bewegungen, Seine Gespräche
mit ihnen,
Sein Lächeln, Seine
Umarmungen und die
anderen
Formen des Austausches, die wie die
eines liebevollen
Gatten waren, banden sie immer
stark an Krsna. Das ist
die höchste Vollkommenheit des Lebens.
Wenn jemand
immer mit Krsna verbunden ist, so muß er als befreit betrachtet werden, und sein Leben ist ein Erfolg. Wenn ein
Gottgeweihter Krsna mit seinem ganzen
Herzen und
seiner ganzen Seele liebt, so erwidert Krsna diese Gefühle
auf eine solche Weise, daß sich
die Zuneigung des
Gottgeweihten niemals
von Ihm abwendet.
Die
Beziehung, die Krsna und Seine Geweihten verbindet, ist
so anziehend, daß die Gottgeweihten
an nichts anderes
mehr denken können als an Krsna.
Für alle Königinnen war Krsna das
einzige Ziel der
Verehrung. Sie weilten in Gedanken
ständig bei Krsna,
der lotosäugigen
und wunderschön schwärzlichen
Persönlichkeit Gottes. Wenn
sie an Krsna dachten,
verharrten sie manchmal
in tiefem Schweigen, und
manchmal, in der Ekstase der bhava
und anubhava,
sprachen sie wie im Wahnsinn.
Manchmal sprachen sie
sogar in Krsnas Gegenwart offen
über die Spiele, an
denen sie sich gemeinsam mit Ihm
in einem See oder
einem Fluß erfreut hatten. Einige dieser
Gespräche seien
im Folgenden wiedergegeben.
Eine Königin sagte zu dem Vogel
kurari: "Meine
liebe kurari, nun ist es bereits später Abend. Jeder schläft.
Die ganze Welt ist nun ruhig und friedlich. Um diese Zeit
schläft die Höchste Persönlichkeit
Gottes, obwohl Sein
Wissen jederzeit unbeeinträchtigt bleibt.
Warum aber
schläfst du nicht? Warum klagst du
die ganze Nacht
hindurch? Meine liebe Freundin, fühlst du dich etwa auch
zu den Lotosaugen der Höchsten
Persönlichkeit Gottes
hingezogen, genau wie ich, und zu
Seinem lieblichen
Lächeln und Seinen süßen Worten? Zehrt die berückende
Art der Höchsten Persönlichkeit Gottes ebenso an deinem
Herzen wie an meinem?"
"He, cakravaki, warum
hältst du deine Augen
geschlossen? Suchst du nach deinem Gatten, der vielleicht
in die Fremde gezogen
ist? Warum klagst du so
mitleiderregend? O weh, du scheinst wirklich sehr traurig
zu sein. Oder sollte es wahr sein, daß auch du eine ewige
Dienerin der Höchsten
Persönlichkeit Gottes werden
möchtest? Ich glaube,
du sehnst dich danach,
eine
Blumengirlande auf die Lotosfüße des Herrn zu legen, um
sie danach auf deinem Haupt zu tragen."
"O mein lieber Ozean, warum tost du Tag und Nacht?
Willst du gar nicht schlafengehen? Du leidest wohl unter
Schlaflosigkeit, oder wenn ich mich
nicht irre, dann hat
dir mein liebster Syamasundara geschickt
deinen Ernst
und deine Kraft der Geduld
fortgenommen, die sonst
deine natürlichen Eigenschaften sind.
Stimmt es, daß du
aus diesem Grunde ebenso an Schlaflosigkeit
leidest wie
ich? Ja, ich muß zugeben, daß es kein Mittel gegen diese
Krankheit gibt."
"Mein lieber Mondgott, ich glaube,
du bist von einer
ernsthaften Schwindsucht befallen worden.
Aus diesem
Grund wirst du von Tag zu Tag dünner. O mein Herr, du
bist bereits so schwach, daß deine blassen
Strahlen nicht
mehr die Kraft haben, die
Dunkelheit der Nacht zu
vertreiben. Oder bist auch du,
genau wie ich, von den
geheimnisvoll süßen Worten
Syamasundaras, meines Herrn, überwältigt worden?
Bist du vielleicht aus
Sehnsucht nach Ihm so fahl geworden?"
"O Wind aus dem Himalaya, was
habe ich dir getan,
daß du so darauf bedacht bist, mich zu quälen, indem du
in mir das Verlangen weckst, mit Krsna zusammenzusein?
Weißt du nicht, daß
mich die Schwindeleien der
Persönlichkeit Gottes bereits zutiefst
verwundet haben?
Mein lieber Himalaya-Wind, bitte wisse,
daß ich bereits
schwer geprüft bin. Du brauchst mir
nicht noch mehr
wehzutun."
"Meine liebe schöne
Wolke, die Farbe deines
herrlichen Körpers gleicht
genau der Körpertönung
meines liebsten Syamasundara. Ich glaube
daher, daß du
meinem Herrn, dem Oberhaupt der
Yadu-Dynastie, sehr
lieb bist, und weil Er dich so lieb hat, bist du, genau wie
ich, in Meditation über Ihn
vertieft. Ich kann es dir
nachfühlen, daß dein
Herz voller Sehnsucht nach
Syamasundara ist. Dir scheint sehr daran gelegen zu sein,
Ihn zu sehen, und ich kann
erkennen, daß dir einzig aus
diesem Grunde Tränen aus den Augen rollen, und so geht
es auch mir. Meine liebe schwarze Wolke, laß
uns offen
eingestehen:
Eine
vertrauliche
Beziehung zu
Syamasundara zu erlangen bedeutet, nichts
als unnötige
Sorgen auf sich zu nehmen. Sonst
nämlich säßen wir
gemütlich zu Hause."
Gewöhnlich läßt der Kuckuck am Ende
der Nacht
oder früh am Morgen seinen Ruf
ertönen. Wenn die
Königinnen am Ende der Nacht die
Rufe des Kuckucks
vernahmen, sagten sie: "Lieber Kuckuck,
deine Stimme
klingt gar lieblich. Sowie du deine süße Stimme erklingen
läßt, erinnern wir uns an
Syamasundara, denn deine
Stimme klingt genau wie Seine. Wir müssen offen gestehen, daß deine Stimme von Nektar
erfüllt ist. Sie ist so
belebend, daß sie
fähig ist, denen
das Leben
zurückzugeben, die schon fast tot sind aufgrund der Trennung von ihrem liebsten Freund. Wir sind dir deshalb sehr
zu Dank verpflichtet. Bitte laß uns
wissen, wie wir dich
begrüßen können und was wir für dich tun können."
So fuhren die Königinnen fort zu
sprechen, und sie
wandten sich sogar an das Gebirge: "Lieber Berg, du bist
sehr großmütig. Nur
durch dein Gewicht wird
die
Erdoberfläche zusammengehalten, und
weil du deine
Pflichten sehr gewissenhaft versiehst,
denkst du nicht
daran, dich zu bewegen. Weil du
so gewichtig bist,
bewegst du dich niemals hin und her, ja du sprichst nicht
einmal ein Wort. Vielmehr scheinst
du stets tief in
Gedanken versunken zu sein. Vielleicht
sinnst du immer
über etwas sehr Ernstes und
Wichtiges nach; doch wir
können uns gut denken, womit sich
deine Gedanken
beschäftigen. Sicherlich denkst du
darüber nach, wie du
die Lotosfüße Syamasundaras auf deine
hohen Gipfel
setzen kannst, ebenso wie auch wir
Seine Lotosfüße auf
unsere hohen Brüste setzen wollen."
"Liebe ausgetrocknete Flüsse, wir wissen, daß jetzt der
Sommer gekommen ist und daß deshalb
eure Läufe
ausgetrocknet sind und kein Wasser mit sich führen. Und
weil euer Wasser verdunstet ist,
schmücken euch auch
keine blühenden Lotosblumen mehr. Ihr seht gegenwärtig
sehr unscheinbar und dünn aus, und
daran können wir
erkennen, daß es euch ähnlich ergeht wie uns. Wir haben
alles verloren, weil wir von Syamasundara getrennt sind,
und es ist uns nicht mehr
vergönnt, Seine wohltuenden
Worte zu hören. Unsere Herzen
arbeiten nicht mehr
richtig, und deshalb sind auch wir
dünn und hager
geworden. So sind wir zum Schluß
gekommen, daß es
euch nicht anders geht als uns.
Ihr seid nur deshalb so
dünn und schwach, weil ihr von
eurem Gemahl, dem
Ozean, kein Wasser mehr durch die
Wolken bekommt."
Das Beispiel, das die Königinnen
anführten, ist sehr
zutreffend. Wenn der Ozean aufhört, die Flüsse durch die
Wolken mit Wasser zu versorgen, trocknen die Flüsse aus.
Der Ozean gilt als der Gemahl
des Flusses und muß ihn
daher versorgen. Wenn eine Frau von
ihrem Mann nicht
mit den Lebensnotwendigkeiten versorgt
wird, versiegt
ihre Ausstrahlung, ebenso wie ein
Fluß im Sommer
austrocknet.
Eine Königin wandte sich mit
folgenden Worten an
einen Schwan: "Lieber Schwan, bitte
komm her zu mir.
Komm nur, du bist mir willkommen. Setz dich doch bitte
nieder und nimm ein wenig Milch zu dir. Lieber Schwan,
kannst du mir sagen,
ob du eine Botschaft von
Syamasundara für mich hast? Ich glaube nämlich, daß du
Sein Bote bist. Wenn du
irgendwelche Nachrichten von
Ihm besitzt, dann
verrate sie mir
bitte. Unser
Syamasundara ist immer
sehr eigenwillig. Er gerät
niemals unter jemandes Herrschaft. Keiner von uns ist es
gelungen, Ihn zu beherrschen, und
so möchten wir dich
fragen, wie es Ihm
geht. Ich muß dir
sagen, daß
Syamasundara sehr wankelmütig ist. Seine
Freundschaft
ist nie von Dauer; schon beim
kleinsten Anlaß zerbricht
sie. Aber könntest du mir
gütigerweise erklären, aus
welchem Grund Er so herzlos zu
mir ist? Früher versicherte Er mir, ich allein sei Seine liebste Frau. Erinnert Er
Sich noch daran? Doch auf jeden
Fall bist du mir
willkommen. Bitte nimm doch Platz.
Aber ich kann
unmöglich deine Bitte erfüllen, zu
Syamasundara zu
gehen. Wenn ich Ihm so gleichgültig bin, warum sollte ich
dann in Ihn vernarrt sein? Es
tut mir sehr leid, aber ich
muß dir sagen, daß du der Bote einer
hartherzigen Seele
geworden bist. Auch wenn du mich noch
so sehr bittest,
zu Ihm zu gehen, werde ich es
nicht tun. Doch höre ich
recht, du sagst, Er werde zu
mir kommen? Will Er
hierherkommen, um meine langgehegte
Sehnsucht nach
Ihm zu stillen? Nun gut, du kannst Ihn hierherholen. Aber
bringe nicht Seine Liebste, die Glücksgöttin, mit. Denkst
Du, Er könne Sich nicht einmal
einen Augenblick lang
von ihr trennen? Kann Er nicht
allein, ohne Laksmi,
hierherkommen? Seine
Art, Sich zu
benehmen,
bekümmert mich
sehr. Bedeutet
dies etwa, daß
Syamasundara ohne Laksmi nicht glücklich
sein kann?
Kann Er mit keiner anderen Gemahlin
glücklich sein?
Bedeutet dies, daß die Glücksgöttin
einen Ozean der
Liebe für Ihn empfindet und daß sich
keine von uns mit
ihr messen kann?"
Alle Frauen Sri Krsnas waren völlig in Gedanken an
Ihn vertieft. Krsna ist auch als
Yogesvara, der Meister
aller yogis, bekannt, und alle
Frauen Krsnas in Dvaraka
trugen diesen Yogesvara
in ihrem Herzen. Statt
zu
versuchen, ein Meister aller mystischen
yoga-Kräfte zu
werden, ist es besser, einfach den
Höchsten Yogesvara,
Krsna, in seinem Herzen zu tragen. Auf diese Weise wird
das Leben vollkommen, und man kann sehr leicht in das
Königreich Gottes gelangen. Man muß
wissen, daß die
Königinnen, die mit Krsna in
Dvaraka lebten, in ihren
vorangegangenen Leben große
Gottgeweihte gewesen
waren, die sich
gewünscht hatten,
eine eheliche
Liebesbeziehung zu Krsna zu haben. Deshalb wurde ihnen
die Gunst gewährt, Krsnas Frauen zu
werden und sich
einer ständigen Liebesbeziehung zu Ihm
zu erfreuen.
Schließlich wurden sie alle auf die
Vaikuntha-Planeten
erhoben.
Die Höchste Absolute Wahrheit, die
Persönlichkeit
Gottes, ist niemals unpersönlich. Alle vedischen Schriften
preisen Ihre mannigfachen transzendentalen
Taten und
Spiele. Deshalb heißt es, daß in
den Veden und im
Ramayana ausschließlich die Taten des Herrn geschildert
werden. In allen vedischen Schriften
wird Sein Ruhm
besungen. Wenn Menschen,
die ein weiches Herz
besitzen, wie
zum Beispiel
Frauen, von den
transzendentalen Spielen Sri Krsnas hören, fühlen sie sich
unvermittelt zu Ihm hingezogen. Deshalb fühlen sich auch
empfindsame Frauen und
Mädchen sehr leicht zur
Bewegung für Krsna-Bewußtsein hingezogen,
und wer
sich der Bewegung für Krsna-Bewußtsein
zuwendet und
sich bemüht, immer auf der Ebene dieses Bewußtseins zu
bleiben, erlangt ganz sicher die
höchste Befreiung und
kehrt zu Krsna nach Goloka
Vrndavana zurück. Wenn
man allein
schon durch
das Entwickeln von
Krsna-Bewußtsein in die spirituelle Welt
erhoben wird,
dann können wir uns
vorstellen, wie glücklich und
gesegnet die Königinnen Sri Krsnas gewesen sein müssen,
die mit dem Herrn persönlich
sprechen und Ihn von
Angesicht zu Angesicht sehen konnten.
Niemand kann
das Glück der Frauen Sri Krsnas
auch nur annähernd
beschreiben. Sie umsorgten Ihn persönlich, indem sie Ihm
die verschiedensten transzendentalen Dienste darbrachten.
Sie halfen Ihm beim
Baden, brachten Ihm Speisen,
erfreuten Ihn und dienten Ihm in
jeder Hinsicht. Es gibt
also niemanden, dessen Entsagungen sich mit dem Dienst
der Königinnen von Dvaraka vergleichen ließen.
Sukadeva Gosvami erklärte Maharaja Pariksit, daß es
keine Methode der Selbstverwirklichung
gebe, die sich
mit den Entsagungen und Bußen der
Königinnen von
Dvaraka vergleichen ließe. Das Ziel
aller Arten der
Selbstverwirklichung ist eines: Krsna. Obwohl deshalb die
Beziehung zwischen den Königinnen und
Krsna wie die
gewöhnliche Beziehung
zwischen Mann und
Frau
erscheinen mag, ist das Wichtigste,
was man beachten
muß, die Anhaftung der Königinnen
an Krsna. Der Sinn
aller Vorgänge der Entsagung und
Buße besteht darin,
sich von der
materiellen Welt loszulösen
und seine
Zuneigung zu Krsna, der Höchsten Persönlichkeit Gottes,
zu vergrößern. Krsna ist die
Zuflucht aller, die auf dem
Pfad der Selbstverwirklichung voranschreiten.
Als das
vollkommene Beispiel eines Haushälters
lebte Krsna mit
Seinen Frauen zusammen
und führte die vedischen
Rituale durch,
nur um den
weniger intelligenten
Menschen zu zeigen, daß der Höchste
Herr niemals
unpersönlich ist. Krsna lebte in
aller Pracht im Kreis
Seiner Frau und
Seiner Kinder,
genau wie eine
gewöhnliche bedingte Seele, nur um
den Seelen, die
wirklich bedingt sind, ein Beispiel
dafür zu geben, daß
man durchaus ein Familienleben führen
kann, solange
Krsna der
Mittelpunkt ist.
Die Mitglieder der
Yadu-Dynastie zum Beispiel lebten in
Krsnas Familie,
und Krsna war der Mittelpunkt all ihrer Tätigkeiten.
Es ist wichtiger, seine
Anhaftung an Krsna zu
vergrößern, als sich
Entsagungen aufzuerlegen. Die
Bewegung für Krsna-Bewußtsein ist für
eben diesen
Zweck bestimmt. Wir predigen auf
der Grundlage des
Prinzips, daß es nicht wichtig ist,
ob man sannyasi oder
grhastha ist. Wichtig ist nur, daß man seine Zuneigung zu
Krsna vergrößert; dann ist das
Leben erfolgreich. Wenn
man dem Beispiel Sri Krsnas folgt,
kann man im Kreis
seiner Familie oder auch innerhalb
der Gesellschaft und
der Nation leben - aber nicht
zum Zweck der Sinnenbefriedigung, sondern um Krsna zu
erkennen, indem man
seine Zuneigung zu Ihm
vergrößert. Es gibt vier
Prinzipien auf dem Weg des
Aufstiegs vom bedingten
Leben zum Leben der Befreiung:
dharma, artha, kama
und moksa
(Religion, wirtschaftliche
Entwicklung,
Sinnenbefriedigung und Befreiung).
Wenn man ein
Familienleben führt, kann man diese
vier Prinzipien des
Erfolgs gleichzeitig erlangen, indem man
dem Beispiel
von Sri Krsnas Familienmitgliedern folgt und Krsna zum
Mittelpunkt aller Tätigkeiten macht.
Wie wir bereits wissen, hatte Krsna
16.108 Frauen.
Sie alle waren erhabene, befreite Seelen, und unter ihnen
nahm Königin Rukmini den
ersten Rang ein. Nach
Rukminigab es sieben weitere vorrangige Frauen, und die
Namen ihrer Söhne sind bereits
genannt worden. Krsna
hatte nicht nur von jeder Seiner
acht Hauptfrauen zehn
Kinder, sondern auch von jeder der übrigen Königinnen.
Insgesamt belief sich also die Zahl von Sri Krsnas Söhnen
auf 10 x 16.108. Es sollte
uns nicht verwundern, daß
Krsna so viele Söhne hatte. Wir
müssen stets bedenken,
daß Krsna die Höchste Persönlichkeit
Gottes ist und
unbegrenzte Energien besitzt.
Er erklärt, daß alle
Lebewesen Seine Söhne
sind. Selbst wenn Er
also
sechzehn Millionen Söhne gehabt hätte, die persönlich mit
Ihm verwandt gewesen wären, bestände
kein Grund zur
Verwunderung.
Unter Krsnas Söhnen,
die alle sehr kräftig
und
machtvoll waren, befanden sich achtzehn
maha-rathas.
Die maha-rathas konnten es allein
mit Tausenden von
Soldaten, Streitwagen, berittenen Soldaten
und Elefanten
aufnehmen. Der Ruhm dieser achtzehn Söhne war weithin
bekannt und wird in praktisch allen
vedischen Schriften
beschrieben. Ihre Namen sind: Pradyumna,
Aniruddha,
Diptiman, Bhanu,
Samba, Madhu,
Brhadbhanu,
Citrabhanu, Vrka, Aruna, Puskara, Vedabahu, Srutadeva,
Sunandana, Citrabhanu, Virupa, Kavi und
Nyagrodha.
Von diesen achtzehn
maha-ratha-Söhnen Krsnas gilt
Pradyumna als der vortrefflichste.
Pradyumna war der
älteste Sohn Rukminis, und er hatte
alle Vorzüge Seines
einzigartigen Vaters, Sri Krsna, geerbt.
Er heiratete die
Tochter Rukmis, seines Onkels mütterlicherseits, und aus
dieser Verbindung
ging Aniruddha,
der Sohn
Pradyumnas, hervor. Aniruddha war so machtvoll, daß er
gegen 10.000 Elefanten kämpfen konnte. Er heiratete die Enkelin Rukmis, des Bruders Seiner Großmutter Rukmini.
Als Vetter und Kusine dieses Grades
waren beide nur
entfernt miteinander verwandt, und eine solche Heirat war
zur damaligen Zeit nicht ungewöhnlich.
Aniruddha hatte
einen Sohn namens Vajra. Als die
ganze Yadu-Dynastie
durch den Fluch eines brahmana
vernichtet wurde, war
Vajra der einzige Überlebende. Vajra
hatte einen Sohn
namens Pratibahu, dessen Sohn Subahu
war; Subahus
Sohn hieß Santasena, und der Sohn
Santasenas hieß
Satasena.
Sukadeva Gosvami berichtet, daß alle Angehörigen
der Yadu-Dynastie viele Kinder hatten. Genau wie Krsna
zahlreiche Söhne, Enkel und Urenkel hatte, so hatte auch
jeder der obengenannten Könige eine
große Anzahl von
Nachkommen und Verwandten. Die Könige
der Yadus
hatten nicht nur sehr viele Kinder, sondern sie waren auch
außerordentlich reich und begütert, und kein einziger von
ihnen war schwach oder kurzlebig.
Alle Mitglieder der
Yadu-Dynastie waren treue Geweihte der brahmanischen
Kultur. Es ist die
Pflicht der ksatriya-Könige, die
brahmanische Kultur
aufrechtzuerhalten und
die
qualifizierten brahmanas zu beschützen, und alle Könige
der Yadu-Dynastie versahen
ihre Pflichten in bester
Weise. Die Angehörigen der Yadu-Dynastie
waren so
zahlreich, daß es selbst dann noch schwierig wäre, sie alle
zu beschreiben, wenn man eine
Lebensdauer von vielen
tausend Jahren hätte. Srila Sukadeva
Gosvami sagte zu
Maharaja Pariksit, er
habe aus verläßlichen Quellen
erfahren, daß allein
zur Schulung der Kinder
der
Yadu-Dynastie nicht weniger als 38.800.000 Lehrer oder
acaryas benötigt wurden. Wenn man bedenkt, daß schon
so viele Lehrer vonnöten waren, um die Kinder der Yadus
auszubilden, kann man sich einen Begriff davon machen,
wie gewaltig die Zahl aller Familienangehörigen gewesen
sein muß. Was die Größe ihrer
Streitkräfte anbelangt, so
heißt es, daß allein
König Ugrasenas persönliche
Leibwache aus zehn Billiarden Soldaten bestand.
Bevor Sri Krsna in unserem Universum
erschien,
hatten viele Schlachten zwischen den Halbgöttern und den
Dämonen stattgefunden. In den Kämpfen
starben viele
Dämonen, die später die Gelegenheit
erhielten, in hohen
Königsfamilien auf der Erde geboren
zu werden. Ihre
hohe Stellung als Herrscher machte
sie stolz, und sie
hatten nichts anderes im Sinn, als
ihre Untertanen zu
peinigen. Sri Krsna erschien am Ende
des Dvapara-yuga
auf der Erde, um all diese dämonischen Könige zu töten.
In der Bhagavad-gita heißt es:
paritranaya sadhunam
vinasayam ca duskrtam. "Der Herr
erscheint, um die
Gottgeweihten zu beschützen
und die Gottlosen zu
vernichten." Als Sri Krsna erschien, wurde Er von Seinen
ewigen Dienern begleitet. Aber dazu
waren auch einige
der Halbgötter angewiesen worden, auf
der Erde zu
erscheinen, um Sri Krsna bei Seinen
transzendentalen
Spielen zu unterstützen, und so
wurden sie alle in der
Yadu-Dynastie geboren.
Die Yadu-Dynastie hatte
hundertein Familienverbände, die in den
verschiedenen
Teilen des Landes lebten, und die
Angehörigen dieser
Familien ehrten Sri Krsna auf eine
Weise, die Seiner
göttlichen Stellung entsprach, denn sie
alle waren mit
Herz und Seele Seine Geweihten. Die
Angehörigen der
Yadu-Dynastie waren alle sehr mächtig,
glücklich und
wohlhabend, und sie kannten keine
Sorgen. Weil sie
bedingungsloses Vertrauen in Krsna hatten und Ihm völlig
ergeben waren, wurden sie niemals von anderen Königen
besiegt. Ihre Liebe zu Krsna war so stark, daß sie bei all
ihren Tätigkeiten des Alltags –
beim Sitzen, Schlafen,
Gehen, Sprechen, Sichvergnügen,
Sichwaschen und
Baden - völlig in Gedanken an Krsna vertieft waren und
den körperlichen Notwendigkeiten
keine Beachtung
schenkten. Das ist das Merkmal
eines reinen Geweihten
Sri Krsnas. Wie ein Mensch, der
völlig von einem
bestimmten Gedanken in
Anspruch genommen wird,
zuweilen alle körperlichen Belange vergißt, so sorgten die
Yadus nur unbewußt für
die Notwendigkeiten des
Körpers. Ihre eigentliche Aufmerksamkeit
richtete sich
ständig auf
Krsna. Mechanisch
führten sie ihre
körperlichen Tätigkeiten aus, während ihr
Geist ständig
ins Krsna-Bewußtsein versunken war.
Srila Sukadeva Gosvami beschloß das Neunzigste
Kapitel des Zehnten Cantos des
Srimad-Bhagavatam,
indem er auf fünf herausragende
Besonderheiten Sri
Krsnas hinwies. Die erste Besonderheit
Sri Krsnas wird
wie folgt beschrieben: Bis zu
Krsnas Erscheinen in der
Familie der Yadus war der Fluß
Ganges als das Reinste
von allem bekannt gewesen. Selbst unreine Dinge konnten
gereinigt werden, wenn sie einfach
mit dem Wasser des
Ganges in Berührung
kamen. Diese außerordentliche
Kraft des Gangeswassers ließ sich
auf die Tatsache zurückführen, daß es von der Zehe Sri
Visnus fließt. Als
dann aber Sri Krsna, der höchste Visnu, in der Familie der
Yadu-Dynastie erschien
und persönlich
durch das
Königreich der
Yadus reiste,
wurde durch den
vertraulichen Umgang mit Ihm die
ganze Familie der
Yadus nicht nur sehr berühmt, sondern bekam
auch eine
noch größere reinigende Kraft, als sie dem Gangeswasser
innewohnt.
Die nächste Besonderheit an Sri Krsnas
Erscheinen
ist, daß die Gottgeweihten und die Dämonen letzten Endes
das gleiche Ergebnis erhielten, obwohl
es so aussah, als
habe Er die einen beschützt und
die anderen vernichtet.
Sri Krsna erteilt fünf Arten der Befreiung. Eine davon ist
die sayujya-mukti, die Befreiung, bei
der man mit dem
Höchsten eins wird, und diese Befreiung ließ Er Dämonen
wie Kamsa zukommen, wohingegen Er
den gopis die
Gunst gewährte, mit Ihm persönlich
zusammensein zu
können. Die gopis behielten ihre
Individualität, um die
Gemeinschaft mit Sri Krsna genießen zu
können, und
Kamsa wurde in
das unpersönliche brahmajyoti
aufgenommen. Mit anderen Worten, sowohl die Dämonen
als auch die gopis wurden spirituell befreit, doch weil die
Dämonen Krsnas Feinde waren und die
gopis Seine
Freundinnen, wurden die Dämonen getötet und die gopis
beschützt.
Die dritte Besonderheit an Sri Krsnas
Erscheinen ist
die Tatsache, daß die Glücksgöttin,
die von Halbgöttern
wie Brahma, Indra und Candra
verehrt wird, Krsna
unablässig diente, obwohl
Er die gopis bevorzugte.
Laksmiji, die Glücksgöttin, versuchte ihr
Bestes, um die
gleiche Ebene wie die gopis zu erreichen, was ihr jedoch
nicht gelang. Dessen ungeachtet blieb sie
Krsna ergeben,
obwohl sie gewöhnlich nie für
längere Zeit am gleichen
Ort bleibt, selbst wenn sie von
Halbgöttern wie Brahma
verehrt wird.
Die vierte Besonderheit bei Sri Krsnas
Erscheinen
betrifft die Herrlichkeit Seines Namens. In den vedischen
Schriften wird erklärt, daß man, wenn man tausendmal die
Namen Visnus chantet, den gleichen
Nutzen erfährt, wie
wenn man dreimal den Heiligen Namen
Ramas chantet.
Und es genügt, den Heiligen Namen Krsnas ein
einziges
Mal zu chanten, um dasselbe
Ergebnis zu erlangen. Das
bedeutet also, daß von
allen Heiligen Namen der
Höchsten Persönlichkeit Gottes
- einschließlich der
Namen Visnu und Rama - der Heilige Name "Krsna" der
mächtigste ist. Die vedischen Schriften
betonen deshalb
insbesondere das Chanten des Heiligen
Namens von
Krsna: Hare Krsna, Hare Krsna, Krsna Krsna, Hare Hare /
Hare Rama, Hare Rama, Rama Rama,
Hare Hare. Sri
Caitanya führte das Chanten der Heiligen Namen Krsnas
im gegenwärtigen Zeitalter ein, und dadurch machte Er es
viel leichter als in
anderen Zeitaltern, Befreiung zu
erlangen. Mit anderen Worten, Sri Krsna ist vortrefflicher
als Seine Inkarnationen, obwohl sie alle im gleichen Maße
die Höchste Persönlichkeit Gottes sind.
Die fünfte Besonderheit von Sri Krsnas
Erscheinen
ist, daß Er
durch eine
einzige Aussage
in der
Bhagavad-gita das erhabenste aller
religiösen Prinzipien
verkündete. Er sagte, daß man alle
Prinzipien religiöser
Rituale ganz einfach dadurch erfüllen kann, daß man sich
Ihm ergibt. In den vedischen
Schriften werden zwanzig
Arten religiöser Prinzipien erwähnt, von
denen jedes
einzelne in einer anderen sastra
beschrieben wird. Doch
Sri Krsna ist so gütig zu den gefallenen, bedingten Seelen
dieses Zeitalters, daß Er persönlich erschien, um jeden zu
bitten, alle religiösen Rituale
aufzugeben und sich ganz
einfach Ihm zu ergeben. Im Zeitalter des Kali, so heißt es,
sind drei
Viertel der
religiösen Prinzipien
verlorengegangen, und auch das noch verbliebene Viertel
wird kaum noch
eingehalten. Doch
durch die
Barmherzigkeit Sri Krsnas ist nicht nur
diese Lücke des
Kali-yuga vollkommen aufgefüllt worden,
sondern auch
der Vorgang der Religion ist so einfach gemacht worden,
daß es bereits
völlig ausreichend
ist, Sri Krsna
transzendentalen liebevollen Dienst
darzubringen, indem
man Seine Heiligen Namen - Hare
Krsna, Hare Krsna,
Krsna Krsna, Hare Hare / Hare Rama, Hare Rama, Rama
Rama, Hare Hare - chantet, um das höchste Ergebnis der
Religion zu erhalten, nämlich auf
den höchsten Planeten
in der spirituellen Welt, Goloka
Vrndavana, erhoben zu
werden.
Auf diese Weise kann man sich sehr schnell ein Bild
davon machen, wie groß der Nutzen
von Sri Krsnas
Erscheinen ist, und man kann sehr leicht verstehen, daß es
für Krsna nichts außergewöhnliches war,
als Er den
Menschen der ganzen
Welt durch Sein Erscheinen
Erleichterung verschaffte.
Srila Sukadeva Gosvami beendet seine Beschreibung
der einzigartigen Erhabenheit Sri Krsnas, indem er Ihn mit
folgenden Worten preist: "O Sri Krsna, alle
Ehre sei mit
Dir. Du weilst im Herzen eines
jeden als Paramatma.
Deshalb bist Du auch
als Jananivasa bekannt, als
derjenige, der Sich im Herzen eines jeden befindet." Dies
wird in der Bhagavad-gita bestätigt: isvarah sarva-bhuta-
nam hrd-dese 'rjuna tisthati - der
Höchste Herr weilt in
Seinem Aspekt als Paramatma im
Herzen eines jeden.
Dies bedeutet jedoch
nicht, daß Krsna keine
davon
gesonderte Existenz als Höchste Persönlichkeit Gottes hat.
Die
Mayavadi-Philosophen
anerkennen zwar den
alldurchdringenden Aspekt des Parabrahmans, doch wenn
das Parabrahman, der Höchste Herr,
Selbst erscheint,
glauben sie, Sein Erscheinen unterstehe
dem Diktat der
materiellen Natur. Weil Krsna als
der Sohn Devakis
erschien, halten Ihn die Mayavadis
für ein gewöhnliches
Lebewesen, das in der materiellen
Welt geboren wird.
Sukadeva Gosvami warnt sie deshalb mit
den Worten
devaki-janma-vada, was bedeutet, daß
Krsna, obwohl Er
als der Sohn Devakis berühmt ist,
in Wirklichkeit die
Überseele, die alldurchdringende Höchste
Persönlichkeit
Gottes, ist. Die Gottgeweihten jedoch verstehen die Worte
devaki-janma-vada noch auf
eine andere Weise. Sie
wissen, daß Krsna eigentlich der
Sohn Mutter Yasodas
war, denn obwohl Krsna
zuerst als Devakis Sohn
erschien, ließ Er Sich sogleich in
die Obhut Mutter
Yasodas bringen. So erfreuten sich
Mutter Yasoda und
Nanda Maharaja voller Glückseligkeit der Kindheitsspiele
Krsnas. Dies gab auch
Vasudeva zu, als er
Nanda
Maharaja und Mutter Yasoda in
Kuruksetra traf. Er
erklärte damals, daß Krsna und Balarama in Wirklichkeit
die Söhne Mutter Yasodas und Nanda
Maharajas seien.
Vasudeva und Devaki waren nur Ihre
offiziellen Eltern;
Ihre wirklichen Eltern waren Nanda und Yasoda. Deshalb
bezeichnete Sukadeva
Gosvami Sri
Krsna als
devaki-janma-vada.
Dann lobpreist Sukadeva Gosvami den Herrn
als
denjenigen, der
von der
yadu-vara-parisat, der
Versammlung der Yadu-Dynastie, geehrt
wird, und bezeichnet Ihn auch als den
Vernichter vieler Dämonen.
Krsna, die Höchste
Persönlichkeit Gottes, hätte die
Dämonen auch durch
Seine vielfältigen materiellen
Energien töten können,
doch Er wollte sie
lieber
persönlich vernichten, um ihnen Erlösung
zu gewähren.
Krsna hätte nicht
persönlich in die
materielle Welt
herabzukommen brauchen, nur um Dämonen
zu töten,
denn schon allein durch Seinen
Willen hätten Hunderte
und Tausende von Dämonen auch ohne Sein persönliches
Auftreten getötet werden können. Im Grunde erschien Er
nur für Seine reinen Geweihten, zum Beispiel um als Kind
mit Mutter Yasoda und Nanda
Maharaja zu spielen oder
um die Einwohner Dvarakas zu
erfreuen. Als Sri Krsna
die Dämonen tötete und die
Gottgeweihten beschützte,
führte Er das wahre religiöse Prinzip wieder ein - Liebe zu
Gott. Durch das Befolgen der echten religiösen Prinzipien
der Liebe zu Gott wurden selbst die Lebewesen, die man
als sthira-cara
bezeichnet, von
aller materiellen
Verunreinigung befreit und in das
spirituelle Königreich
erhoben. Sthira bezieht sich auf Bäume und Pflanzen, d.h.
auf Lebewesen, die sich nicht bewegen können, und cara
bezieht sich auf die Tiere, die
Lebewesen, die sich
bewegen können, vor allem auf die
Kühe. Als Krsna
gegenwärtig war, erlöste Er alle Bäume, Affen und viele
andere Tiere und Pflanzen, die Ihm begegneten
und Ihm
in Vrndavana oder Dvaraka dienten.
Sri Krsna wird insbesondere dafür
gepriesen, daß Er
den gopis und den Königinnen von
Dvaraka Freude
schenkte. Sukadeva Gosvami lobpries Sri Krsna für Sein
bezauberndes Lächeln, mit dem Er nicht nur die gopis von
Vrndavana, sondern auch die Königinnen von Dvaraka in
Seinen Bann schlug. Der genaue Ausdruck, der in diesem
Zusammenhang gebraucht
wird, lautet vardhayan
kamadevam. Krsna entfachte in Vrndavana
als Freund
vieler gopis und in Dvaraka als Gemahl vieler Königinnen
die begierigen Wünsche Seiner Geweihten,
mit Ihm zu
genießen. Um Gotteserkenntnis oder Selbstverwirklichung
zu erlangen, muß man sich gewöhnlich für viele Tausende
von Jahren schwere Entsagungen und
Bußen auferlegen,
und erst dann wird es möglich,
Gott zu erkennen. Die
gopis und die Königinnen von Dvaraka indessen erlangten
die höchste Art der Befreiung
einfach dadurch, daß sie
ihre lustvollen Wünsche steigerten, sich
mit Krsna als
Freund oder Gemahl zu vergnügen.
Sri Krsnas Beziehung zu
den gopis und den
Königinnen ist
einzigartig in
der Geschichte der
Selbstverwirklichung. Im
allgemeinen glauben die
Menschen, zur Selbstverwirklichung müsse
man sich in
den Wald oder in die Berge
begeben und dort schwere
Entsagungen und Bußen auf sich nehmen. Doch die gopis
und die Königinnen erlangten einfach dadurch, daß sie in
ehelicher Liebe an
Krsna hingen und sich
Seiner
Gemeinschaft in einem scheinbar sinnlichen Leben voller
Pracht und Reichtum erfreuten, die
höchste Art der
Befreiung, die nicht einmal große
Weise und Heilige
erreichen können. Ebenso erhielten auch
Dämonen wie
Kamsa, Dantavakra, Sisupala usw. die
höchste Segnung,
indem sie in die spirituelle Welt erhoben wurden.
Zu Beginn des Srimad-Bhagavatam brachte
Srila
Vyasadeva der Höchsten Wahrheit,
Vasudeva, Krsna,
seine achtungsvollen Ehrerbietungen dar. Danach lehrte er
seinen Sohn Sukadeva Gosvami, das Srimad-Bhagavatam
zu predigen, und pries in diesem
Zusammenhang den
Herrn mit dem Wort
jayati. Den Fußstapfen Srila
Vyasadevas, Sukadeva Gosvamis und aller
acaryas der
Schülernachfolge
folgend,
sollte die
gesamte
Weltbevölkerung Sri Krsna lobpreisen und sich zu ihrem
eigenen Wohl der Bewegung für
Krsna-Bewußtsein anschließen. Der Vorgang ist einfach
und wirksam: Man
braucht nur den maha-mantra zu
chanten - Hare Krsna,
Hare Krsna, Krsna Krsna, Hare Hare / Hare Rama,
Hare
Rama, Rama Rama, Hare Hare. Sr i Caitanya hat deshalb
empfohlen, daß man den Hochs und Tiefs des materiellen
Lebens gegenüber gleichgültig sein solle.
Das materielle
Leben ist zeitweilig, und die Hochs
und Tiefs kommen
und gehen. Wenn sie kommen, sollte man so duldsam wie
ein Baum und so
demütig und bescheiden
wie ein
Strohhalm auf der Straße sein. Aber zweifellos muß man
fortfahren, sich im Krsna-Bewußtsein zu beschäftigen und
den maha-mantra zu chanten: Hare
Krsna, Hare Krsna,
Krsna Krsna, Hare Hare / Hare Rama, Hare Rama, Rama
Rama, Hare Hare.
Krsna, die
Höchste Persönlichkeit
Gottes, die
Überseele aller Lebewesen, steigt aus
Seiner grundlosen
Barmherzigkeit in die materielle Welt herab und offenbart
in Seinen verschiedenen Inkarnationen
Seine vielfältigen
transzendentalen Spiele. Das Hören über die anziehenden
Spiele der verschiedenen Inkarnationen Sri
Krsnas stellt
für die bedingte Seele eine Möglichkeit zur Befreiung dar,
und die unvergleichlich faszinierenden
und wunderbaren
Taten, die Sri Krsna persönlich
vollbrachte, sind sogar
noch anziehender, denn Sri Krsna Selbst ist allanziehend.
Den heiligen Fußstapfen Srila Sukadeva
Gosvamis
folgend, haben wir versucht, das Krsna-Buch vorzulegen,
damit es von den bedingten Seelen
des gegenwärtigen
Zeitalters gelesen und gehört werden
kann. Wenn man
über die transzendentalen Spiele Sri
Krsnas hört, wird
man mit garantierter Sicherheit Befreiung
erlangen und
nach Hause, zu Gott,
zurückkehren. Srila Sukadeva
Gosvami versichert, daß wir nach und
nach alle Fesseln
materieller Verunreinigung abstreifen, wenn wir über die
transzendentalen Spiele und Taten des Herrn hören. Ganz
gleich, wer oder was man auch sein mag - wenn
man in
die Gemeinschaft Sri
Krsnas im transzendentalen
Königreich gelangen will,
wo das Leben ewig und
glückselig ist, dann höre man über Sri Krsnas Spiele und
chante den maha-mantra: Hare Krsna, Hare Krsna, Krsna
Krsna, Hare Hare / Hare Rama, Hare Rama, Rama Rama,
Hare Hare.
Die transzendentalen Spiele Krsnas, der
Höchsten
Persönlichkeit Gottes, sind so mächtig,
daß man einfach
dadurch, daß man aus dem Krsna-Buch hört, es liest oder
sich an seinen Inhalt erinnert, mit
Sicherheit in die
spirituelle Welt erhoben wird, was
für gewöhnlich nur
sehr schwer zu erreichen ist. Die Schilderungen der Spiele
Sri Krsnas sind so anziehend, daß
sie uns unwillkürlich
dazu anregen, sie immer wieder zu studieren, und je mehr
wir die Spiele des Herrn studieren, desto mehr werden wir
Anhaftung an Ihn gewinnen. Und genau diese Anhaftung
an Krsna befähigt uns, in Sein Reich, Goloka Vrndavana,
erhoben zu werden. Die materielle
Welt zu überwinden
bedeutet, die strengen Gesetze der
materiellen Natur zu
überwinden; dies ist im vorangegangenen
Kapitel erklärt
worden. Die strengen
Gesetze der materiellen Natur
können den Fortschritt
einer Seele, die sich
zur
spirituellen Natur hingezogen fühlt,
nicht hemmen. Dies
wird vom Herrn Selbst in der Bhagavad-gita bestätigt, wo
es heißt: Die strengen Gesetze der materiellen Natur sind
sehr schwer zu überwinden, doch
wenn man sich dem
Herrn ergibt, kann man die Unwissenheit sehr leicht hinter
sich lassen. In der spirituellen
Welt hat die materielle
Natur keinen Einfluß. Wie uns im
Zweiten Canto des
Srimad-Bhagavatam erklärt wird, wird die spirituelle Welt
dadurch charakterisiert, daß sie von der Herrschaftsmacht
der Halbgötter und vom Einfluß der
materiellen Natur
niemals berührt wird.
Srila Sukadeva Gosvami hat
deshalb Maharaja
Pariksit zu
Beginn des
Zweiten Cantos darauf
hingewiesen, daß
jede bedingte
Seele über die
transzendentalen Spiele des Herrn hören
und chanten
sollte. Srila Sukadeva Gosvami sagte des
weiteren zu
König Pariksit, daß in früheren
Zeiten viele Könige und
Kaiser in den Dschungel gezogen
seien und sich dort
schweren Entsagungen und Bußen unterzogen hätten, um nach Hause, zu Gott, zurückzukehren. In Indien kommt es
auch heute
noch vor,
daß fortgeschrittene
Transzendentalisten ihr Familienleben aufgeben und nach
Vrndavana ziehen, um dort allein zu
leben und sich
vollkommen dem Hören und Chanten
über die heiligen
Spiele des Herrn zu weihen. Dieser
Vorgang wird im
Srimad-Bhagavatam empfohlen, und die sechs Gosvamis
von Vrndavana sind dieser Anweisung gefolgt; aber leider
haben gegenwärtig viele karmis und
Pseudogottgeweihte
den heiligen Ort Vrndavana überschwemmt,
nur um den
von Sukadeva
Gosvami
empfohlenen Vorgang
nachzuahmen. Es gab eine Zeit, wo
viele Könige und
Kaiser in den Wald gingen, um
sich diesem Vorgang zu
widmen, doch Srila Bhaktisiddhanta Sarasvati Thakura
Gosvami Maharaja rät davon ab, das
zurückgezogene
Leben in Vrndavana verfrüht zu beginnen.
Wer sich verfrüht nach Vrndavana
begibt, um dort
gemäß den Anweisungen Sukadeva Gosvamis
zu leben,
wird maya wieder zum Opfer fallen,
obwohl er sich in
Vrndavana befindet. Um sich gegen die Leute zu wenden,
die sich auf solch unautorisierte
Weise in Vrndavana
niederlassen, hat Srila Bhaktisiddhanta Sarasvati Thakura
ein Lied verfaßt, in dem er
sagt: "Mein lieber Geist,
warum bist du so stolz darauf, ein Vaisnava zu sein? Daß
du in der Zurückgezogenheit Verehrung
darbringst und
den Heiligen Namen des Herrn chantest,
beruht auf dem
Wunsch nach billiger Bewunderung, und deshalb ist dein
Chanten des Heiligen
Namens nichts
anderes als
Heuchelei. Dieses Trachten nach nichtigem
Ansehen ist
mit dem Kot von Schweinen
vergleichbar, denn solcher
Ruhm ist eine weitere Form von mayas Einfluß." Es mag
Menschen geben, die um billiger
Bewunderung willen
nach Vrndavana gehen, dort aber, statt ins Krsna-Bewußtsein
vertieft zu sein, immerzu nur
an Geld und Frauen
denken, die bloß vergängliche Quellen
der Freude sind.
Sie täten jedoch besser daran, ihr Geld und ihre Frauen im
Dienst des Herrn zu beschäftigen,
denn Sinnengenuß ist
nicht für die bedingten Seelen bestimmt.
Der Meister der Sinne
ist Hrsikesa, Sri Krsna.
Deshalb sollten die
Sinne stets in Seinem
Dienst
beschäftigt sein. Was materiellen Ruhm betrifft, so hat es
viele Dämonen gegeben, wie zum
Beispiel Ravana, die
sich den Gesetzen der materiellen
Natur widersetzen
wollten, doch sie alle scheiterten. Man sollte sich deshalb
vor der dämonischen Tendenz hüten, sich einfach nur um
des Ruhmes willen als Vaisnava
auszugeben, ohne dem
Herrn Dienst darzubringen. Wenn man
sich aber dem
hingebungsvollen Dienst des Herrn weiht, folgt einem der
Vaisnava-Ruhm automatisch. Man braucht also nicht auf
die Gottgeweihten neidisch zu sein,
die den Ruhm des
Herrn verbreiten. Wir selbst haben
es erlebt, daß uns
einige sogenannte babajis in Vrndavana
sagten, es sei
nicht nötig zu predigen und man
tue besser daran, in
Vrndavana an einem abgeschiedenen Ort
zu leben und
den Heiligen Namen zu chanten.
Diese babajis wissen
nicht, daß einem der gute Ruf
eines Predigers ganz von
selbst folgen wird, wenn man sich einfach dem Predigen
widmet und den Ruhm
der Höchsten Persönlichkeit
Gottes verbreitet. Niemand sollte also sein rechtschaffenes
Leben als Haushälter voreilig aufgeben,
um dann in
Vrndavana ein heuchlerisches Leben voller
Ausschweifungen zu führen. Srila Sukadeva Gosvamis Empfehlung,
das Zuhause zu verlassen und in den Wald zu gehen, um
nach Krsna zu suchen, gilt nicht
für unreife Menschen.
Maharaja Pariksit war reif. Vom Anfang seines Lebens an
und auch als Haushälter verehrte er die murti Sri Krsnas.
Weil er bereits
in seiner
Kindheit Sri Krsnas
transzendentale Bildgestalt verehrt hatte, blieb er auch als
Haushälter frei von jeglicher Anhaftung. Als er dann von
seinem bevorstehenden Tod erfuhr, gab
er sogleich alle
Verbindungen zum Haushälterleben auf und begab sich an
das Ufer des Ganges, um in
der Gemeinschaft von
Gottgeweihten das Srimad-Bhagavatam zu hören.
---
* Yaksaraja ist auch als Kuvera
bekannt und gilt als der Schatzmeister des
himmlischen Königreichs.
Hiermit
enden die Bhaktivedanta-Erläuterungen zum 89. Kapitel des Krsna-Buches:
"Abschließende Darstellung der Spiele Sri Krsnas".