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Die Transzendentalen Spiele Sri Krishnas
Von Seiner Heiligkeit A.C. Bhaktivedanta Swami Prabhupada

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2. Kapitel: Die Gebete der Halbgötter an Krsna im Mutterleib

König Kamsa besetzte nicht nur die Reiche der Yadu-, Bhoja- und Andhaka-Dynastien und das Königreich Surasenas, sondern er verbündete sich auch mit allen anderen dämonischen Königen, namentlich mit den Dämonen Pralamba, Baka, Canura, Trnavarta, Aghasura, Mustika, Arista, Dvivida, Putana, Kesi und Dhenuka. Zu jener Zeit war Jarasandha König über die Provinz Magadha (die heute als Bihar bekannt ist). Unter dem Schutz Jarasandhas errichtete Kamsa durch seine geschickte Politik das mächtigste Königreich seiner Zeit. Er schloß weitere Bündnisse mit Königen wie Banasura und Bhaumasura, bis er schließlich eine Vormachtstellung erreichte. Daraufhin leitete er feindselige Aktionen gegen die Yadu-Dynastie, in in der Krsna geboren werden sollte.

Als die Könige der Yadu- Bhoja- und Andhaka-Dynastien so von Kamsa verfolgt wurden mußten sie in andere Königreiche fliehen, wie in das Reich der Kurus und der Pancalas und in die Reiche, die als Kekaya, Salva, Vidarbha, Nisadha, Videha und Kosala bekannt sind. Auf diese Weise brach Kamsa den Zusammenhalt des Yadu-Königreichs wie auch den des Bhoja- und Andhaka-Reiches und machte seine Position zur stärksten im ganzen Kontinent, der zu jener Zeit als Bharatavarsa bezeichnet wurde.

Als Kamsa die sechs Kinder Devakis und Vasudevas eines nach dem anderen umbrachte, suchten ihn viele Freunde und Verwandte auf und baten ihn, von diesen Greueltaten abzulassen, doch sie alle wurden schließlich zu Verehrern Kamsas.

Als Devaki zum siebten Mal schwanger wurde, erschien Ananta, eine vollständige Erweiterung Krsnas, in ihrem Leibe. Devaki war von Freude und Schmerz zugleich überwältigt. Sie war freudig, weil sie verstehen konnte daß SriVisnu in ihrem Leib erschienen war; doch zur gleichen Zeit war sie auch sehr bekümmert, da sie befürchtete, daß Kamsa auch dieses Kind töten würde.

Weil sich die Yadus aufgrund der von Kamsa begangenen Grausamkeiten in einer beklagenswerten Lage befanden, hatte die Höchste Persönlichkeit Gottes Krsna großes Mitleid mit ihnen, und so wies Er Yogamaya, Seine innere Energie, an, ebenfalls zu erscheinen. Krsna ist der Herr des Universums, doch vor allem ist Er der Herr der Yadu-Dynastie.

Yogamaya ist die Hauptenergie der Persönlichkeit Gottes. In den Veden wird gesagt, daß die Höchste Persönlichkeit Gottes viele Energien besitzt: parasya saktir vividhaiva sruyate. All diese verschiedenen Energien wirken äußerlich und innerlich, und Yogamaya ist die höchste all dieser Energien. Krsna gab Yogamaya den Auftrag, im Land von Vrajabhumi Vrndavana zu erscheinen, das immer geschmückt ist und wo Tausende von schönen Kühen weiden.

In Vrndavana lebte Rohini, eine der Frauen Vasudevas, im Hause des Königs Nanda und der Königin Yasoda. Nicht nur Rohini, sondern auch viele andere Angehörige der Yadu-Dynastie waren aus Furcht vor den Grausamkeiten Kamsas geflohen und hatten sich nun über das ganze Land verstreut. Einige von ihnen lebten sogar in Berghöhlen.

Der Herr sagte daher zu Yogamaya: "Devaki und Vasudeva liegen im Kerker Kamsas, und zum gegenwärtigen Zeitpunkt befindet Sich Sesa, Meine vollständige Erweiterung, im Schoß Devakis. Sorge dafür daß Sesa aus dem Schoß Devakis in den Leib Rohinis gebracht wird. Danach werde Ich persönlich mit all Meinen Energien in den Leib Devakis eingehen und daraufhin als der Sohn Vasudevas und Devakis erscheinen. Und du wirst währenddessen als die Tochter Nandas und Yasodas in Vrndavana erscheinen. Da du als Meine Schwester erscheinen wirst, werden dich die Menschen mit wertvollen Gaben wie mit Räucherstäbchen, Kerzen Blumen und Opferdarbringungen verehren. Dafür wirst du ihre Wünsche nach Sinnenbefriedigung schnell erfüllen. Menschen, die materialistische Neigungen haben, werden dich in den verschiedenen Formen deiner Erweiterungen verehren, die man Durga, Bhadrakali, Vijaya, Vaisnavi, Kumuda, Candika, Krsna, Madhavi, Kanyaka, Maya, Narayani, Isani, Sarada und Ambika nennen wird."

Krsna und Yogamaya erschienen als Bruder und Schwester — der Höchste Mächtige und die höchste Macht. Obwohl es im Grunde keinen Unterschied zwischen dem Mächtigen und der Machtenergie gibt, ist die Machtenergie dennoch dem Mächtigen immer untergeordnet. Die Materialisten verehren die Energie, wohingegen die Transzendentalisten den Energieursprung verehren. Dieser Energieursprung ist Krsna, der Höchste Mächtige, und Durga ist in der materiellen Welt die höchste Macht. In der vedischen Kultur jedoch verehren die Menschen sowohl den Mächtigen als auch die Macht. Es gibt viele Tausende von Tempeln, in denen Visnu und Durga manchmal sogar zusammen verehrt werden. Die Verehrer der Macht, d.h. Durgas, der äußeren Energie Krsnas, mögen in materieller Hinsicht sehr erfolgreich sein, doch wer auf die transzendentale Ebene erhoben werden möchte, muß im Krsna-Bewußtsein den Höchsten Mächtigen Krsna verehren.

Der Herr sagte auch zu Yogamaya, daß Sich Seine vollständige Erweiterung, Ananta Sesa im Schoß Devakis befände. Weil dieser Sich sehr stark zu Rohini hingezogen fühle, werde Er Sankarsana genannt werden und Sich als die Quelle aller spirituellen Kraft (bala) offenbaren, durch die man die höchste Glückseligkeit des Lebens (ramana) erlangen könne. Daher werde diese vollständige Teilerweiterung Ananta nach Seinem Erscheinen entweder als Sankarsana oder als Balarama bekannt sein.

In den Upanisaden heißt es: nayam atma bala-hinena labhyah. Dieser Vers besagt, daß man die höchste Stufe der Selbstverwirklichung nicht erreichen kann, wenn man nicht von Balarama hinreichend begünstigt wird. Bala bedeutet nicht körperliche Stärke. Niemand kann spirituelle Vollkommenheit durch körperliche Stärke erreichen. Man muß die spirituelle Kraft besitzen die Balarama bzw. Sankarsana gewähren kann. Ananta oder Sesa ist die Kraft, die alle Planeten in der Schwebe hält. In der materiellen Welt wird diese erhaltende Kraft als das Gesetz der Schwerkraft bezeichnet, doch in Wirklichkeit ist es die Wirkung der Energie Sankarsanas. Balarama Sankarsana ist die spirituelle Kraft, der ursprüngliche spirituelle Meister. Daher ist Nityananda Prabhu, der ebenfalls eine Inkarnation Balaramas ist, der ursprüngliche spirituelle Meister. Der spirituelle Meister wiederum ist der Repräsentant Balaramas, der Höchsten Persönlichkeit Gottes, der spirituelle Kraft spendet. Im Caitanya-caritamrta wird bestätigt, daß der spirituelle Meister die Verkörperung der Barmherzigkeit Krsnas ist.

Nachdem Yogamaya auf diese Weise von der Höchsten Persönlichkeit Gottes angewiesen worden war, umkreiste sie den Herrn und erschien dann in der materiellen Welt, um Seinem Befehl Folge zu leisten. Als der Höchste Mächtige die Persönlichkeit Gottes Sesa aus dem Schoße Devakis in den Schoß Rohinis versetzte, standen beide Frauen unter dem Einfluß Yogamayas, der auch yoga-nidra genannt wird. Als dies geschehen war, glaubten die Leute, daß Devakis siebte Schwangerschaft als Fehlgeburt geendet habe. Somit wurde also Balarama, obwohl Er Sich zuerst als Devakis Sohn manifestiert hatte, in den Leib Rohinis versetzt, um als deren Sohn zu erscheinen. Daraufhin ging die Höchste Persönlichkeit Gottes Krsna, der immer bereit ist, Seine lauteren Geweihten mit all Seinen Kräften auszustatten, als der Herr der gesamten Schöpfung in den Geist Vasudevas ein. In diesem Zusammenhang muß gesagt werden, daß Sich Sri Krsna zuerst in Vasudevas reinem Herzen manifestierte und dann in Devakis Herz überging. Er ist also nicht durch geschlechtliche Vereinigung in Devakis Leib gelangt. Krsna, die Höchste Persönlichkeit Gottes, kann kraft Seiner unergründlichen Energie überall und unter allen Umständen erscheinen. Deshalb war es für Ihn nicht notwendig, auf dem gewöhnlichen materiellen Weg nach geschlechtlicher Vereinigung im Schoß einer Frau heranzuwachsen. Als Vasudeva die Gestalt der Höchsten Persönlichkeit Gottes in seinem Herzen trug, glich er der glühenden Sonne, deren Strahlen für den gewöhnlichen Menschen unerträglich und versengend sind. Die Gestalt des Herrn im reinen Herzen Vasudevas war von der ursprünglichen Gestalt Krsnas nicht verschieden. Jeder Ort, an dem die Gestalt Krsnas erscheint, besonders das Herz, wird dhama genannt. Dhama bezieht sich nicht nur auf das Erscheinen von Krsnas Gestalt, sondern auch auf das Erscheinen Seines Namens, Seiner Eigenschaften und Seines persönlichen Besitzes, denn dies alles wird gleichzeitig manifestiert. Dann übertrug sich die ewige Gestalt der Höchsten Persönlichkeit Gottes mit all Ihren Kräften vom Geiste Vasudevas in den Geist Devakis, genau wie sich die Strahlen der untergehenden Sonne auf den im Osten aufgehenden Vollmond übertragen. Krsna, die Höchste Persönlichkeit Gottes, ging von Vasudevas Körper in den Körper Devakis ein. Er befand Sich jenseits der begrenzten Existenz gewöhnlicher Lebewesen. Wenn Krsna erscheint begleiten Ihn alle Seine vollständigen Erweiterungen wie Narayana und Inkarnationen wie Nrsimha, Varaha usw. Sie alle sind den Bedingungen des materiellen Daseins nicht unterworfen. Auf diese Weise wurde Devaki zur Residenz des Herrn, der Höchsten Persönlichkeit Gottes, dem niemand gleichkommt und der die Ursache der Schöpfung ist. In Devaki befand sich die Absolute Wahrheit, aber weil sie sich im Gefängnis Kamsas befand, glich sie verborgenem Feuer oder mißbrauchtem Wissen. Wenn Feuer von Mauern umgeben ist oder im Innern eines Kruges brennt, kann sich niemand an seinem Licht erfreuen. Ebenso wird Wissen nicht wertgeschätzt, wenn es mißbraucht wird und der Menschheit nichts nützt. Devaki war in den Gefängnismauern von Kamsas Palast gefangen, und daher konnte niemand ihre transzendentale Schönheit sehen, die darauf beruhte, daß sie die Höchste Persönlichkeit Gottes in sich trug.

Kamsa jedoch bemerkte die übernatürliche Schönheit seiner Schwester und wußte sofort, daß die Höchste Persönlichkeit Gottes in ihren Leib eingegangen war. Sie hatte niemals zuvor so schön ausgesehen, und ihm war klar, daß sich etwas Wunderbares in ihrem Leib befinden mußte. Kamsa war beunruhigt, und Angst erfüllte ihn. Er war überzeugt, daß die Höchste Persönlichkeit Gottes, die für ihn den Tod bedeuten sollte, nun erschienen war. Er dachte bei sich: "Was soll ich mit Devaki tun? Zweifelsohne trägt sie Visnu oder Krsna in ihrem Leib; also ist es sicher, daß Krsna gekommen ist, um die Bitte der Halbgötter zu erfüllen. Und selbst wenn ich Devaki sofort töte, kann Sein Vorhaben nicht verhindert werden." Kamsa wußte sehr wohl, daß niemand imstande ist, den Plan Visnus zu vereiteln. Jeder intelligente Mensch kann verstehen, daß die Gesetze Gottes nicht umgangen werden können. Seine Pläne werden trotz aller Widerstände der Dämonen durchgesetzt. Kamsa dachte weiter: "Wenn ich Devaki zum gegenwärtigen Zeitpunkt töte, wird Visnu Seinen höchsten Willen umso heftiger durchsetzen. Devaki jetzt zu töten, wäre eine höchst verruchte Handlung. Niemand will seinen Ruf aufs Spiel setzen — nicht einmal in einer gefährlichen Situation — und wenn ich Devaki jetzt töte ist es um mein Ansehen geschehen. Devaki ist eine Frau und befindet sich in meiner Obhut; außerdem ist sie schwanger, und wenn ich sie töte, habe ich mein Ansehen, das Ergebnis meiner frommen Handlungen und meine Lebensdauer verspielt." Er dachte weiter: "Wer zu grausam ist, ist schon zu Lebzeiten so gut wie tot. Niemand mag einen grausamen Menschen, und nach seinem Tode verfluchen ihn die Leute. Weil er sich mit dem Körper identifiziert, wird er zweifelsohne erniedrigt und in die finstersten Regionen der Hölle geworfen." Auf diese Weise überlegte Kamsa, ob er Devaki töten solle oder nicht, und wägte sorgfältig alle Vor- und Nachteile ab. Schließlich kam Kamsa zu dem Schluß, Devaki nicht sofort zu töten, sondern die unvermeidliche Zukunft abzuwarten. Seine Gedanken jedoch erfüllten sich mit Haß gegen die Persönlichkeit Gottes. Er wartete geduldig auf die Geburt des Kindes, in der Absicht es sofort zu töten, wie er es bereits mit den anderen Kindern Devakis getan hatte. Versunken in einen Ozean des Hasses gegen die Persönlichkeit Gottes begann er im Sitzen, im Stehen, im Gehen, beim Schlafen, beim Essen, beim Arbeiten — immer und unter allen Umständen — an Krsna und Visnu zu denken. Sein Geist wurde so sehr von Gedanken an die Höchste Persönlichkeit Gottes erfüllt, daß er indirekt überall nur noch Krsna oder Visnu sah. Obwohl Kamsa so sehr in Gedanken an Visnu versunken war, kann er nicht als Gottgeweihter anerkannt werden da er an Krsna als Feind dachte. Große Gottgeweihte sind auch ständig in Gedanken an Krsna versunken, doch sie denken an Ihn mit Liebe und nicht mit Haß. Mit Liebe an Krsna zu denken, ist Krsna-Bewußtsein, aber mit Haß an Krsna zu denken, ist kein Krsna-Bewußtsein.

Zu dieser Zeit erschienen Brahma und Siva, begleitet von großen Weisen wie Narada und gefolgt von vielen anderen Halbgöttern, unsichtbar im Palast Kamsas, und sie priesen die Höchste Persönlichkeit Gottes mit erlesenen Gebeten, die die Gottgeweihten mit Freude erfüllen und ihre Wünsche zufriedenstellen. Mit den ersten Worten, die sie sprachen, drückten sie ihre Freude darüber aus, daß der Herr Sein Versprechen stets hält. Wie in der Bhagavad-gita gesagt wird, erscheint Krsna in der materiellen Welt nur, um die Frommen zu beschützen und die Atheisten zu vernichten. Das ist Sein Versprechen. Die Halbgötter wußten, daß Sich der Herr im Leibe Devakis befand, um dieses Versprechen zu erfüllen. Sie waren sehr froh, daß der Herr zu diesem Zwecke erschienen war, und priesen Ihn daher als satyam param, als die Höchste Absolute Wahrheit.

Jeder sucht nach der Wahrheit. Dies ist der philosophische Aspekt des Lebens. Von den Halbgöttern erfahren wir, daß die Höchste Absolute Wahrheit Krsna ist. Wer völlig Krsna-bewußt wird, kann die Absolute Wahrheit erkennen, denn Krsna ist die Absolute Wahrheit. Eine relative Wahrheit kann nicht in allen drei Phasen der ewigen Zeit, das heißt in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, Wahrheit sein. Krsna hingegen ist immer Wahrheit — in der Vergangenheit, in der Gegenwart und auch in der Zukunft. In der materiellen Welt, die von der höchsten Zeit beherrscht wird, ist alles dem Ablauf von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft unterworfen. Krsna jedoch existierte bereits vor der Schöpfung und wenn die Schöpfung manifestiert ist ruht sie in Ihm und wenn sie vernichtet wird wird Krsna unberührt davon weiter existieren. Daher ist Er unter allen Umständen die Absolute Wahrheit. Wenn es irgendeine Wahrheit in der materiellen Welt gibt, so geht sie von der Höchsten Wahrheit Krsna aus; wenn es Reichtum in der materiellen Welt gibt, so ist die Ursache dieses Reichtums Krsna; wenn es Ruhm in der materiellen Welt gibt, so ist der Grund dieses Ruhms Krsna; wenn es Macht in der materiellen Welt gibt, so ist der Ursprung dieser Macht Krsna, und wenn es Wissen und Bildung in der materiellen Welt gibt, so ist die Quelle dieses Wissens ebenfalls Krsna. Daher ist Krsna der Urgrund aller relativen Wahrheiten.

Die materielle Welt besteht aus fünf Hauptelementen: Erde, Wasser, Feuer, Luft und Äther. Alle diese Elemente sind Emanationen Krsnas. Die materialistischen Wissenschaftler erkennen zwar diese fünf Hauptelemente als die Ursache der materiellen Manifestation an, doch sie wissen nicht, daß diese Elemente in ihrem grobstofflichen und feinstofflichen Zustand von Krsna geschaffen wurden. Die Lebewesen, die sich in der materiellen Welt befinden, gehören zur marginalen Energie Krsnas. Im Siebten Kapitel der Bhagavad-gita wird ausführlich erklärt, daß die gesamte kosmische Manifestation eine Kombination zweier Energien Krsnas ist, der höheren und der niederen Energie. Die Lebewesen sind Seine höhere Energie, und die toten materiellen Elemente sind Seine niedere Energie. Im unmanifestierten Zustand ruht alles in Krsna.

Die Halbgötter richteten weitere ehrfurchtsvolle Gebete an die höchste Form der Persönlichkeit Gottes Krsna, indem sie die materielle Manifestation beschrieben und analysierten. Was ist die materielle Manifestation? Sie ist wie ein Baum, denn ähnlich wie ein Baum im Erdreich wurzelt, so wurzelt der Baum der materiellen Manifestation im Boden der materiellen Natur. Die materielle Manifestation wird auch deshalb mit einem Baum verglichen, weil ein Baum nach einer gewissen Zeit gefällt wird. Das Sanskritwort für "Baum" ist vrksa. Vrksa bedeutet "das was letzten Endes gefällt wird". Daher kann der Baum der materiellen Manifestation nicht als die endgültige Wahrheit angesehen werden. Auf der materiellen Manifestation lastet der Einfluß der Zeit, doch Krsnas Körper ist ewig. Krsna bestand vor der materiellen Schöpfung, Er besteht während ihrer Manifestation, und Er wird auch nach ihrer Vernichtung weiter bestehen.

Auch in der Katha Upanisad finden wir das Beispiel vom Baum der materiellen Manifestation der im Boden der materiellen Natur wurzelt. Dieser Baum trägt zwei Früchte: Glück und Leid. Diejenigen, die im Baum des Körpers leben werden mit zwei Vögeln verglichen. Der eine Vogel ist der lokalisierte Aspekt Krsnas, die Überseele (der Paramatma), und der andere Vogel ist das Lebewesen, die Seele. Das Lebewesen ißt die Früchte der materiellen Manifestation. Manchmal ißt es die Früchte des Glücks, und manchmal ißt es die Früchte des Leids. Der andere Vogel jedoch ist nicht daran interessiert, die Früchte des Leids oder des Glücks zu essen, denn er ist in sich selbst zufrieden. Die Katha Upanisad sagt, daß der eine Vogel auf dem Baum des Körpers die Früchte verzehrt, während der andere Vogel einfach Zeuge ist. Die Wurzeln des Baumes erstrecken sich in drei Richtungen, und sie werden mit den drei Erscheinungsweisen der materiellen Natur verglichen: Tugend, Leidenschaft und Unwissenheit. Ein Baum wächst entsprechend seinen Wurzeln, und entsprechend dem Kontakt mit den drei Erscheinungsweisen wächst die Dauer des Aufenthalts in der materiellen Welt. Die Früchte dieses Baumes haben vier verschiedene Arten des Geschmacks: Religiosität, wirtschaftliche Entwicklung, Sinnenbefriedigung und schließlich Befreiung. Je nach ihrer Verbindung mit den drei Erscheinungsweisen erfahren die Lebewesen den Geschmack verschiedener Arten der Religiosität des materiellen Fortschritts, der Sinnenbefriedigung und der Befreiung. Im Grunde wird jede Handlung in der materiellen Welt in Unwissenheit ausgeführt, doch weil es drei Erscheinungsweisen gibt, ist die Erscheinungsweise der Unwissenheit manchmal mit Tugend oder Leidenschaft vermischt. Der Geschmack dieser materiellen Früchte wird mit fünf Sinnen wahrgenommen. Die fünf Sinnesorgane, durch die Wissen erworben wird, werden von sechs Arten des Leids gepeitscht: Klagen, Illusion, Schwäche, Tod, Hunger und Durst. Der materielle Körper wird von sieben Schichten bedeckt: Haut, Muskeln, Fleisch, Mark, Knochen, Fett und Samen. Der Baum hat acht Äste: Erde, Wasser, Feuer, Luft, Äther, Geist, Intelligenz und falsches Ego. Es gibt neun Öffnungen im Körper: zwei Augen, zwei Ohren und zwei Nasenlöcher, den Mund, das Geschlechtsteil und den Anus. Außerdem zirkulieren zehn Arten von innerer Luft im Körper: prana, apana, udana, vyana, samana usw. Die beiden Vögel, die in diesem Baum sitzen, sind wie oben erklärt das Lebewesen und der lokalisierte Aspekt der Höchsten Persönlichkeit Gottes.

Die ursprüngliche Ursache der materiellen Manifestation ist die Höchste Persönlichkeit Gottes. Die Höchste Persönlichkeit Gottes erweitert Sich und lenkt die drei Erscheinungsweisen der materiellen Welt: Visnu lenkt die Erscheinungsweise der Tugend; Brahma lenkt die Erscheinungsweise der Leidenschaft, und Siva lenkt die Erscheinungsweise der Unwissenheit. Brahma erschafft das Universum durch die Erscheinungsweise der Leidenschaft; Visnu erhält es durch die Erscheinungsweise der Tugend, und Siva vernichtet es durch die Erscheinungsweise der Unwissenheit. Die gesamte Schöpfung ruht letztlich im Höchsten Herrn. Er ist der Ursprung von Schöpfung Erhaltung und Vernichtung. Wenn die gesamte Manifestation aufgelöst worden ist, ruht sie in ihrer feinstofflichen Form als Energie im Körper des Höchsten Herrn.

Die Halbgötter fuhren fort: "Der Höchste Herr Sri Krsna bereitet nun Sein Erscheinen vor, um für die Erhaltung der Schöpfung zu sorgen." Es gibt nur eine höchste Ursache, doch weniger intelligente Menschen, die von den drei Erscheinungsweisen der materiellen Natur verwirrt werden, glauben, die Entstehung der Welt habe verschiedene andere Ursachen. Wer hingegen intelligent ist, kann erkennen, daß es nur eine Ursache gibt — Krsna. Dies wird in der Brahma-samhita bestätigt: sarva-karana-karanam. "Krsna, die Höchste Persönlichkeit Gottes, ist die Ursache aller Ursachen." Brahma ist der bevollmächtigte Verantwortliche für die Schöpfung; Visnu, eine Erweiterung Krsnas, ist für die Erhaltung und Siva, ebenfalls eine Erweiterung des Höchsten, ist für die Auflösung zuständig.

"O Herr", beteten die Halbgötter "es ist sehr schwierig, Deine ewige persönliche Gestalt zu verstehen. Die Menschen sind im allgemeinen nicht imstande, Deine wirkliche Gestalt zu erkennen; daher erscheinst Du, um Deine ursprüngliche ewige Gestalt zu offenbaren. Auf irgendeine Weise können die Menschen zwar Deine verschiedenen Inkarnationen verstehen, doch es bereitet ihnen große Schwierigkeiten, Dich in Deiner ewigen Gestalt zu verstehen, als der zweiarmige Krsna, der Sich unter ihnen bewegt wie einer der Ihren. Diese ewige Gestalt bereitet den Gottgeweihten ständig anwachsende transzendentale Freude, doch für die Nichtgottgeweihten ist sie sehr bedrohlich."

Laut der Bhagavad-gita ist Krsna für die sadhus die Quelle aller Freude, denn dort heißt es: paritranaya sadhunam. Aber derselbe Krsna ist für die Dämonen sehr bedrohlich, weil Er auch erscheint, um die Dämonen zu töten. So ist Krsna gleichzeitig die Ursache großer Freude für die Gottgeweihten und die Ursache großer Furcht für die Dämonen.

 "O Lotosäugiger", fuhren die Halbgötter fort, "Du bist die Quelle reiner Tugend. Es gibt viele große Weise, die den weiten Ozean der Unwissenheit, der von der materiellen Natur geschaffen wurde, auf die Größe einer Wasserpfütze im Hufabdruck eines Kalbes verringerten, da sie die Stufe des samadhi erreichten, das heißt, weil sie über Deine Lotosfüße meditierten und somit in Gedanken an Dich versanken." Das Ziel der Meditation besteht darin, den Geist auf die Persönlichkeit Gottes zu richten, wobei man als erstes über Seine Lotosfüße meditiert. Viele große Weise haben schon den weiten Ozean des materiellen Daseins ohne Schwierigkeiten überquert, einfach nur indem sie über die Lotosfüße des Herrn meditierten. "O Selbsterleuchteter, die großen Heiligen die den Ozean der Unwissenheit im transzendentalen Boot Deiner Lotosfüße überquerten, haben das Boot nicht fortgenommen. Es liegt immer noch am Ufer."

Die Halbgötter gebrauchen einen sehr schönen Vergleich. Wenn jemand ein Boot benutzt, um einen Fluß zu überqueren, so nimmt er das Boot mit sich auf die andere Seite des Flusses. Wie ist es also möglich, wenn jemand auf diese Weise sein Ziel erreicht hat daß das gleiche Boot immer noch denen zur Verfügung steht die am anderen Ufer zurückgeblieben sind? Als Antwort auf diese schwierige Frage sagen die Halbgötter in ihrem Gebet, daß das Boot gar nicht fortgenommen wurde. Deshalb können die Gottgeweihten, die auf der anderen Seite zurückgeblieben sind, den Ozean der materiellen Natur ebenfalls hinter sich lassen weil die reinen Gottgeweihten das Boot nicht mitnehmen, wenn sie diesen Ozean überqueren. Schon dadurch, daß man sich dem Boot nur nähert, wird der weite Ozean der materiellen Unwissenheit auf die Größe einer Pfütze im Hufabdruck eines Kalbes verkleinert.

Daher benötigen die Gottgeweihten kein Boot, um an das andere Ufer zu gelangen — sie überqueren den Ozean einfach mit einem kleinen Schritt. Weil die großen Heiligen mit allen bedingten Seelen Mitleid haben, liegt das Boot immer noch bei den Lotosfüßen des Herrn. Man kann jederzeit über Seine Lotosfüße meditieren und auf diese Weise den Ozean der materiellen Unwissenheit überqueren.

Meditation bedeutet Konzentration des Geistes auf die Lotosfüße des Herrn. Das Wort "Lotosfüße" weist auf die Höchste Persönlichkeit Gottes hin. Die Anhänger der Unpersönlichkeitsphilosophie erkennen die Lotosfüße des Herrn nicht an, und daher ist ihr Objekt der Meditation etwas Unpersönliches. Die Halbgötter erklären jedoch unmißverständlich, daß diejenigen, die über etwas Leeres und Unpersönliches meditieren den Ozean der Unwissenheit nicht überqueren können. Solche Menschen bilden sich nur ein, sie seien befreit.

Die Halbgötter sagten: "O lotosäugiger Herr ihre Intelligenz ist unrein da sie nicht über Deine Lotosfüße meditieren." Weil die Unpersönlichkeitsanhänger dies vernachlässigen, fallen sie wieder ins materielle bedingte Leben zurück, obwohl sie sich für eine gewisse Zeit sogar auf die Stufe der unpersönlichen Verwirklichung erheben mögen. Die Unpersönlichkeitsanhänger gehen, nachdem sie strenge Entsagungen und Bußen auf sich genommen haben, in die Brahman-Ausstrahlung, d.h. in die unpersönliche Brahman-Existenz, ein. Doch ihr Geist ist nicht frei von materieller Verunreinigung. Sie haben lediglich versucht, die materielle Denkweise zu negieren. Das bedeutet jedoch noch lange nicht, daß sie befreit sind. Deshalb kommen sie wieder zu Fall. In der Bhagavad-gita wird gesagt, daß es den Unpersönlichkeitsanhängern nur unter großen Schwierigkeiten möglich ist, das endgültige Ziel zu erreichen. Ebenso heißt es zu Beginn des Srimad-Bhagavatam, daß man erst dann von den Fesseln fruchtbringender Tätigkeiten befreit ist, wenn man der Höchsten Persönlichkeit Gottes hingebungsvollen Dienst darbringt. In der Bhagavad-gita wird dies von Sri Krsna gesagt; im Srimad-Bhagavatam wird diese Tatsache von dem großen Weisen Narada bestätigt, und hier sagen es auch die Halbgötter: "Wer Dir nicht in liebender Hingabe dient, hat das endgültige Ziel der Erkenntnis nicht verstanden, und er ist nicht mit Deiner Gnade gesegnet."

Die Unpersönlichkeitsanhänger bilden sich nur ein, befreit zu sein. In Wirklichkeit jedoch haben sie nicht die geringste Vorstellung von der Persönlichkeit Gottes. Sie glauben, Krsna nehme einen materiellen Körper an, wenn Er in die materielle Welt kommt. Sie ignorieren also den transzendentalen Körper Krsnas. Dies wird ebenfalls in der Bhagavad-gita bestätigt: avajananti mam mudhah. Selbst wenn die Unpersönlichkeitsanhänger die materielle Lust besiegen und sich auf die Ebene der Befreiung erheben, kommen sie wieder zu Fall. Wenn sie sich Wissen nur um des Wissens willen aneignen und sich nicht im hingebungsvollen Dienst beschäftigen, können sie das ersehnte Ziel nicht erreichen. Was sie erreichen, ist die Mühe die sie sich machen — sonst nichts. Es wird in der Bhagavad-gita eindeutig gesagt, daß die Erkenntnis der eigenen Zugehörigkeit zum Brahman nicht alles ist. Die Brahman-Erkenntnis kann einem Menschen vielleicht helfen Zufriedenheit, die frei von materieller Anhaftung und Abneigung ist, zu erreichen und auf die Ebene der Ausgeglichenheit zu gelangen, doch von dieser Stufe muß man einen Schritt weiter gehen und mit hingebungsvollem Dienst beginnen. Wer sich im hingebungsvollen Dienst beschäftigt, nachdem er die Ebene der Brahman-Erkenntnis erreicht hat, darf das spirituelle Königreich betreten um dort für immer mit der Höchsten Persönlichkeit Gottes zusammenzusein. Das ist das Ergebnis des hingebungsvollen Dienstes. Die Geweihten der Höchsten Persönlichkeit Gottes fallen niemals wieder auf die materielle Ebene hinunter wie die Unpersönlichkeitsanhänger. Selbst wenn die Gottgeweihten straucheln, bleiben sie mit dem Höchsten Herrn in Liebe verbunden. Sie mögen auf dem Pfad des hingebungsvollen Dienstes auf viele Hindernisse stoßen, doch sie können solche Hindernisse sehr leicht und ohne Furcht überwinden. Da sie Krsna hingegeben sind, können sie sicher sein, daß Er sie immer beschützen wird. Dies verspricht Krsna persönlich in der Bhagavad-gita: "Meine Geweihten werden niemals besiegt."

"O Herr, Du bist zum Wohl aller Lebewesen in der materiellen Welt in Deiner ursprünglichen reinen Gestalt der ewigen Gestalt der Tugend erschienen. Mit Deinem Erscheinen wird ihnen nun die Möglichkeit geboten, Dein Wesen und Deine Gestalt zu verstehen. Die Menschen aller vier Stufen des Lebens (die brahmacaris, die grhasthas, die vanaprasthas und die sannyasis) können aus Deinem Erscheinen Nutzen ziehen. O Herr, Gemahl der Glücksgöttin, Gottgeweihte, die Dir in Hingabe dienen, fallen — im Gegensatz zu den Unpersönlichkeitsanhängern — nicht wieder von der hohen Stufe herab, die sie erreicht haben. Von Dir beschützt können Deine Geweihten über die Köpfe von mayas Abgesandten hinwegschreiten, die ihnen auf dem Weg der Befreiung ständig Hindernisse entgegenstellen. O Herr, Du erscheinst zum Wohl aller Lebewesen in Deiner transzendentalen Gestalt, so daß sie Dich von Angesicht zu Angesicht sehen und Dir in Verehrung ihre Opfer darbringen können, indem sie die Rituale der Veden, mystische Meditation oder hingebungsvollen Dienst ausführen, wie es in den Schriften empfohlen wird. O Herr, erschienest Du nicht in Deiner ewigen transzendentalen Gestalt, die voller Glückseligkeit und Wissen ist und die jegliche Art von unwissenden Vorstellungen über Dich zu beseitigen vermag, dann würde jeder je nach der Erscheinungsweise der materiellen Natur, von der er beherrscht wird, einfach nur über Dich spekulieren."

Das Erscheinen Krsnas ist die Antwort auf alle phantasiehaften Vorstellungen und Bildnisse von der Höchsten Persönlichkeit Gottes. Jeder stellt sich die Gestalt der Höchsten Persönlichkeit Gottes gemäß der Erscheinungsweise vor, von der er beeinflußt wird. In der Brahma-samhita wird gesagt, daß der Höchste Herr die älteste Person ist. Aus diesem Grunde glauben einige Menschen, Gott müsse sehr alt sein, und stellen Ihn daher als alten Mann dar. Doch in derselben Brahma-samhita wird auch das genaue Gegenteil erklärt: Obwohl Er das älteste unter allen Lebewesen ist, besitzt Er dennoch die ewige Gestalt eines blühenden Jünglings. Die genauen Worte die in diesem Zusammenhang im Srimad-Bhagavatam gebraucht werden lauten: vijnanam ajnana bhidapamarjanam. Vijnanam bedeutet "transzendentales Wissen von der Höchsten Person". Vijnanam bezieht sich auch auf verwirklichtes Wissen. Transzendentales Wissen muß über den herabsteigenden Weg der Schülernachfolge empfangen werden genau wie Brahma in seiner Brahma-samhita transzendentales Wissen über Krsna weiterreicht. Die Brahma-samhita ist vijnanam, da sie die Frucht von Brahmas transzendentaler Verwirklichung ist, und mit dieser Verwirklichung war es ihm möglich, die Gestalt und die Spiele Krsnas in dessen transzendentalem Reich zu beschreiben. Ajnanabhid bedeutet "das was alle Arten von Spekulationen widerlegen kann". In ihrer Unwissenheit stellen sich die Menschen Gott nach ihrem Gutdünken vor: Manchmal hat Er keine Gestalt, und manchmal hat Er eine Gestalt, die den verschiedenen Vorstellungen der Menschen entspringt. Die Darstellung in der Brahma-samhita ist jedoch vijnanam — wissenschaftliches verwirklichtes Wissen, das von Brahma weitergegeben und von Sri Caitanya anerkannt wurde. Darüber besteht kein Zweifel. Sri Krsnas Gestal,t Sri Krsnas Flöte, Krsnas Körpertönung — all das ist Realität. Hier wird gesagt, daß vijnanam alle Arten spekulativen Wissens besiegt.

"Daher wäre es unmöglich, ajnanabhid (Wissen, daß spekulatives Wissen Unwissenheit ist) oder vijnanam zu erlangen, wenn Du nicht als Krsna, so wie Du bist, erscheinen würdest. Ajnanabhid apamarjanam — durch Dein Erscheinen wird die Unwissenheit spekulativen Wissens besiegt und muß dem wirklichen Wissen, das man von Autoritäten wie Brahma empfängt, weichen. Menschen, die von den drei Erscheinungsweisen der materiellen Natur beherrscht werden, schaffen sich entsprechend diesen Erscheinungsweisen ihren eigenen Gott. Aus diesem Grunde gibt es die verschiedensten Vorstellungen von Gott, aber Dein Erscheinen wird die wahre Gestalt Gottes offenbaren."

Der größte Irrtum dem die Unpersönlichkeitsanhänger unterliegen, ist die Vorstellung, die Inkarnation Gottes nehme einen materiellen Körper in der Erscheinungsweise der Tugend an. In Wirklichkeit nämlich befindet sich die transzendentale Gestalt Krsnas bzw. Narayanas jenseits jeder materiellen Vorstellung. Sogar der bedeutendste Vertreter der Unpersönlichkeitslehre Sankaracarya bestätigte dies mit den Worten narayanah paro 'vyaktat: Die materielle Schöpfung wird durch die unpersönliche avyakta-Manifestation der Materie verursacht d.h. von der Gesamtheit der Materie in ihrem unmanifestierten Zu- stand; doch Krsna ist unter allen Umständen transzendental zu dieser materiellen Natur. Auch im Srimad-Bhagavatam wird die Stellung Krsnas als transzendental (suddha-sattva) bezeichnet. Er befindet Sich nicht in der materiellen Erscheinungsweise der Tugend, sondern steht über ihr. Er ist transzendental — ewig voller Wissen und voller Glückseligkeit.

"O Herr", fuhren die Halbgötter fort, "wenn Du in Deinen verschiedenen Inkarnationen erscheinst, nimmst Du entsprechend den jeweiligen Situationen verschiedene Namen und Formen an. Krsna ist Dein Name, weil Du allanziehend bist, und wegen Deiner transzendentalen Schönheit wirst Du Syamasundara genannt. Syama bedeutet ‘schwärzlich' und dennoch wird gesagt daß Du Tausende von Liebesgöttern an Schönheit übertriffst — kandarpa-koti-kamaniya. Obgleich Du in einer Farbe erscheinst, die sich mit der einer schwärzlichen Wolke vergleichen läßt, ist Deine Schönheit, da Du transzendental und absolut bist, um viele Male anziehender als die anmutige Gestalt des Liebesgottes. Manchmal wirst Du Giridhari genannt, weil Du den Berg Govardhana emporgehoben hast, und manchmal wirst Du Nandanandana Vasudeva oder Devakinandana genannt, weil Du als der Sohn von Maharaja Nanda bzw. von Devaki und Vasudeva erscheinst. Die Unpersönlichkeitsanhänger denken, Deine vielen Namen und Formen entsprächen jeweils einer bestimmten Handlungsweise und Eigenschaft, denn sie betrachten Dich von einem materialistischen Standpunkt aus.

O Herr, man kann Dein absolutes Wesen, Deine absolute Gestalt und Deine absoluten Taten nicht durch mentale Spekulation verstehen. Man muß sich im hingebungsvollen Dienst beschäftigen — dann erst kann man Dich wirklich erkennen. Im Grunde kann nur ein Mensch, der zumindest ein wenig den Geschmack daran gefunden hat, Deinen Lotosfüßen zu dienen, Dein transzendentales Wesen, Deine transzendentale Gestalt und Deine transzendentalen Eigenschaften verstehen. Andere mögen für Millionen von Jahren fortfahren zu spekulieren, doch es wird ihnen nicht gelingen, auch nur den geringsten Aspekt Deiner wirklichen Position zu verstehen."

Mit anderen Worten, die Höchste Persönlichkeit Gottes Krsna kann von Nichtgottgeweihten nicht verstanden werden, weil Seine wahre Gestalt wegen des Schleiers von Yogamaya ihrer Sicht verborgen bleibt. In der Bhagavad-gita wird dies vom Herrn bestätigt: naham prakasah sarvasya. "Ich bin nicht allen und jedem sichtbar." Als Krsna erschien, war Er tatsächlich auf dem Schlachtfeld von Kuruksetra anwesend, und jeder sah Ihn. Aber nicht jeder konnte verstehen, daß Er die Höchste Persönlichkeit Gottes war. Und dennoch wurde jeder, der in Seiner Gegenwart starb, aus der materiellen Gefangenschaft befreit und in die spirituelle Welt erhoben.

"Lieber Herr, die Unpersönlichkeitsanhänger und Nichtgottgeweihten können nicht begreifen, daß Dein Name mit Deiner Form identisch ist." Da der Herr absolut ist, besteht zwischen Ihm und Seinem Namen kein Unterschied. In der materiellen Welt jedoch sind der Name und der Gegenstand voneinander verschieden. Eine Mangofrucht ist von dem Wort "Mango" verschieden. Man kann den Geschmack der Mangofrucht nicht verspüren, wenn man lediglich "Mango Mango Mango" ruft. Der Gottgeweihte aber, der weiß, daß es keinen Unterschied zwischen dem Namen und der Form Gottes gibt, chantet "Hare Krsna, Hare Krsna, Krsna Krsna Hare Hare / Hare Rama, Hare Rama, Rama Rama Hare Hare" und erfährt auf diese Weise, daß er ständig mit Krsna zusammen ist. Für diejenigen die im absoluten Wissen vom Höchsten noch nicht so weit fortgeschritten sind, offenbart Sri Krsna Seine transzendentalen Spiele. Indem sie einfach an die Spiele des Herrn denken, können sie den vollen Nutzen erlangen. Da zwischen dem transzendentalen Namen und der transzendentalen Form des Herrn kein Unterschied besteht, sind auch Seine transzendentalen Spiele nicht von Ihm verschieden. Für die weniger Intelligenten (wie Frauen Arbeiter und Kaufleute) schrieb der große Weise Vyasadeva das Mahabharata. Im Mahabharata ist Krsna in Form Seiner verschiedenen Taten gegenwärtig. Dieses Werk schildert historische Begebenheiten, und einfach indem sie die transzendentalen Taten Krsnas studieren, über sie hören und sich an sie erinnern, können auch die weniger intelligenten Menschen allmählich auf die Ebene eines reinen Gottgeweihten gelangen. Von den reinen Gottgeweihten, die immer in Gedanken an die transzendentalen Lotosfüße Krsnas versunken sind und in vollkommenem Krsna-Bewußtsein ununterbrochen hingebungsvollen Dienst darbringen, sollte man niemals denken, sie befänden sich immer noch in der materiellen Welt. Srila Rupa Gosvami erklärte, daß diejenigen, die ständig mit Körper Geist und Taten im Krsna-Bewußtsein beschäftigt sind, als befreit angesehen werden müssen — auch wenn sie sich noch in einem materiellen Körper befinden. Dies wird auch in der Bhagavad-gita bestätigt. Dort heißt es, daß diejenigen, die dem Herrn hingebungsvollen Dienst darbringen, die materielle Welt bereits hinter sich gelassen haben. Krsna erscheint, um sowohl Seinen Geweihten als auch den Nichtgottgeweihten die Möglichkeit zur Erkenntnis des eigentlichen Zieles des Lebens zu geben. Die Gottgeweihten erhalten die Gelegenheit, Ihn direkt zu sehen und zu verehren, während diejenigen, die sich noch nicht auf dieser Ebene befinden, die Möglichkeit bekommen, mit Seinen Spielen vertraut zu werden und auf diese Weise zur gleichen Stellung erhoben zu werden. "O Herr, o höchster Herrscher, wenn Du auf der Erde erscheinst, werden alle Dämonen wie Kamsa und Jarasandha vernichtet werden, und Glück und Frieden werden auf der Erde wieder einkehren. Wenn Du über die Erde schreitest, werden Deine Lotosfüße die Zeichen auf Deinen Fußsohlen wie die Fahne den Dreizack und den Blitz als Spuren auf dem Boden zurücklassen. Auf diese Weise läßt Du sowohl der Erde als auch uns auf den himmlischen Planeten die wir diese Zeichen sehen Deine Gunst zukommen."

"O Herr", beteten die Halbgötter weiter, "Du bist ungeboren, und daher finden wir für Dein Erscheinen keinen anderen Grund, als daß du kommst, um Dich Deiner transzendentalen Spiele zu erfreuen." Obwohl der Grund für das Erscheinen des Herrn in der Bhagavad-gita erklärt wird (Er kommt, um die Gottgeweihten zu beschützen und die Dämonen zu vernichten) erscheint Er im Grunde, um Sich mit Seinen Geweihten zu erfreuen, und nicht, um die Nichtgottgeweihten zu töten. Die Nichtgottgeweihten könnten auch einfach durch die materielle Natur vernichtet werden.

"Die Aktionen und Reaktionen der äußeren materiellen Energie (nämlich Schöpfung Erhaltung und Vernichtung) geschehen automatisch; doch was Deine Geweihten betrifft, so erhalten sie hinlänglichen Schutz, indem sie einfach bei Deinem Heiligen Namen Zuflucht suchen, denn Dein Heiliger Name und Deine Persönlichkeit sind nicht voneinander verschieden."

Um die Gottgeweihten zu beschützen und die Dämonen zu vernichten, braucht die Höchste Persönlichkeit Gottes nicht unbedingt Selbst zu kommen. Er erscheint nur aus Seiner transzendentalen Freude — es kann keinen anderen Grund geben. "O Herr, Du erscheinst als der Beste der Yadu-Dynastie, und wir bringen Deinen Lotosfüßen unsere respektvollen demütigen Ehrerbietungen dar. Vor Deinem jetzigen Erscheinen bist Du als Fisch-Inkarnation erschienen und als Pferde-, Schildkröten-, Eber- und Schwan-Inkarnation, als König Ramacandra, als Parasurama und in vielen anderen Inkarnationen. Du erschienst nur, um Deine Geweihten zu beschützen, und daher bitten wir Dich, daß Du auch uns in Deiner gegenwärtigen Erscheinung als die Höchste Persönlichkeit Gottes überall in den drei Welten Schutz gewähren und alles beseitigen mögest, was uns daran hindert in Frieden zu leben. Liebe Mutter Devaki, in deinem Leib befindet Sich der Herr, die Höchste Persönlichkeit Gottes, der zusammen mit all Seinen vollständigen Erweiterungen erscheint. Er ist die ursprüngliche Persönlichkeit Gottes, die zu unserem Wohl erscheint; daher brauchst du dich vor deinem Bruder dem König von Bhoja nicht zu fürchten. Dein Sohn Sri Krsna, die ursprüngliche Persönlichkeit Gottes, kommt zum Schutz der frommen Yadu-Dynastie. Er erscheint nicht allein, sondern wird von Seiner unmittelbaren vollständigen Erweiterung Balarama begleitet."

Devaki fürchtete sich sehr vor ihrem Bruder Kamsa weil dieser bereits alle ihre Kinder getötet hatte. Daher war sie um Krsna sehr in Sorge. Im Visnu Purana wird gesagt, daß alle Halbgötter mit ihren Frauen Devaki des öfteren besuchten um sie zu ermutigen, keine Angst zu haben, daß ihr Sohn von Kamsa getötet werde; Krsna, der Sich in ihrem Leib befinde erscheine nicht nur, um die Welt von ihrer Last zu befreien, sondern vor allem auch, um die Interessen der Yadu-Dynastie zu verteidigen, und natürlich auch, um Devaki und Vasudeva zu beschützen. Krsna befand Sich nun also in Devakis Leib, nachdem Er von Vasudevas Geist in den Geist Devakis übergegangen war. So wurde Devaki, Krsnas Mutter, von den Halbgöttern verehrt. Nachdem die Halbgötter auf diese Weise der transzendentalen Form des Herrn ihre Verehrung dargebracht hatten kehrten sie alle mit Brahma und Siva an der Spitze in ihre Reiche auf den himmlischen Planeten zurück.

Hiermit enden die Bhaktivedanta-Erläuterungen zum 2. Kapitel des Krsna-Buches:
"Die Gebete der Halbgötter an Krsna im Mutterleib".