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Die Transzendentalen Spiele Sri Krishnas
Von Seiner Heiligkeit A.C. Bhaktivedanta Swami Prabhupada

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40. Kapitel: Krsna zieht in Mathura ein


Während Akrura der Höchsten Persönlichkeit Gottes seine Gebete darbrachte, verschwand die Erscheinung des Herrn auf dem Wasser — genau wie ein geschickter Schauspieler seine Kleidung wechselt und wieder sein ursprüngliches Aussehen annimmt. Nachdem die Visnu-murti verschwunden war, stieg Akrura wieder ans Ufer, und als er dann seine Rituale beendet hatte, ging er zurück zur Kutsche von Balarama und Krsna und blieb vor ihr stehen, und große Verblüffung stand ihm im Gesicht. Krsna fragte Akrura, ob er im Wasser oder am Himmel etwas Wunderbares gesehen habe, und Akrura antwortete: "Mein lieber Herr, alle wundervollen Dinge, die in dieser Welt geschehen, ob in der Luft, im Wasser oder auf dem Land, finden in Deiner universalen Form statt. Wenn ich also Dich gesehen habe, welche wundervollen Dinge habe ich dann noch nicht gesehen?" Diese Worte bestätigen die Aussage der Veden, daß jemand, der Krsna kennt, alles kennt, und daß jemand, der Krsna gesehen hat, alles gesehen hat — wie wundervoll es auch sein mag. "Lieber Herr", fuhr Akrura fort, "es kann nichts Wundervolleres geben als Deine transzendentale Gestalt. Was könnte es für mich also sonst noch zu sehen geben, jetzt, wo ich diese Deine transzendentale Gestalt gesehen habe?"

Nach diesen Worten ließ Akrura die Kutsche sofort weiterfahren, und es war schon fast Abend, als sie die Gegend von Mathura erreichten. Alle Reisenden, die ihnen während der Fahrt von Vrndavana nach Mathura begegneten, waren von Krsnas und Balaramas Anblick so überwältigt gewesen, daß sie den Blick nicht mehr von Ihnen wenden konnten und der Kutsche wie gebannt nachschauten. In der Zwischenzeit hatten die Einwohner von Vrndavana, angeführt von Nanda und Upananda, Mathura bereits erreicht, weil sie ihren Weg durch Wälder und Flüsse genommen hatten, und warteten auf Krsnas und Balaramas Ankunft. Als Krsna und Balarama nun vor dem Stadttor von Mathura anlangten, sprangen Sie von der Kutsche und reichten Akrura die Hand. Krsna sagte zu Akrura: "Du kannst nun nach Hause gehen, denn Wir werden Uns erst später zusammen mit Unseren Gefährten in die Stadt Mathura begeben." Doch Akrura erwiderte: "O lieber Herr, ich kann unmöglich allein Mathura betreten und Dich hier zurücklassen. Ich bin Dein ergebener Diener; bitte versage mir nicht Deine Gemeinschaft, sondern komm gemeinsam mit Deinem älteren Bruder Balarama und all Deinen jungen Freunden zu mir in mein Haus, und heilige es durch Deine Anwesenheit. Mein lieber Herr, wenn Du mich besuchst, wird mein Haus vom Staub Deiner Lotosfüße geheiligt. Das Wasser, das vom Schweiß Deiner Lotosfüße ausgeht, nämlich der Ganges, reinigt jeden, einschließlich der Vorväter, des Feuergottes und aller anderen Halbgötter. Bali Maharaja wurde berühmt, einfach weil er Deine Lotosfüße wusch, und weil er in Berührung mit diesem Gangeswasser gekommen war, erreichten alle seine Verwandten die himmlischen Planeten. Bali Maharaja selbst erfreute sich aller materiellen Reichtümer und wurde später zur höchsten Stufe der Befreiung erhoben. Das Gangeswasser heiligt nicht nur die drei Welten, sondern es wird auch von Siva auf dem Kopf getragen. O Höchster Herr aller Herren! O Meister des Universums! Ich bringe Dir meine achtungsvollen Ehrerbietungen dar."

Als Krsna, die Höchste Persönlichkeit Gottes, diese Bitte vernahm, antwortete Er: "Akrura, du kannst dir sicher sein, daß Ich dich zusammen mit Meinem älteren Bruder Balarama besuchen werde, aber erst wenn Ich alle Dämonen getötet habe, die der Yadu-Dynastie übel gesinnt sind. Auf diese Weise werde Ich alle Meine Verwandten erfreuen." Akrura war über diese Worte der Höchsten Persönlichkeit Gottes ein wenig enttäuscht, aber er konnte sich Krsnas Anweisung nicht widersetzen. So begab er sich in die Stadt hinein und ging zu Kamsa, um ihn über die Ankunft Krsnas zu unterrichten, und danach kehrte er nach Hause zurück.

Nachdem sich Akrura verabschiedet hatte, betraten Sri Krsna und Balarama zusammen mit den Kuhhirtenjungen Mathura, um sich die Stadt anzusehen. Sie sahen, daß das äußerst kunstvolle Stadttor aus feinstem Marmor gebaut worden war und daß die Tore aus purem Gold bestanden. Überall im Stadtinnern befanden sich herrlich angelegte Obstgärten und Parks, und die ganze Stadt war mit Geschützen umgeben, so daß es für einen Feind kein leichtes gewesen wäre, in sie einzudringen. An jeder Straßenkreuzung stießen sie auf Goldverzierungen, und die vielen Häuser der reichen Bürger sahen symmetrisch aus, als wären sie alle vom gleichen Architekten gebaut worden. Die Häuser waren mit kostbaren Juwelen verziert, und zu jedem Gebäude gehörte ein schönes Grundstück mit den verschiedensten Blumen und Bäumen voller Früchte. Die Gärten, die Arkadengänge und die Veranden der einzelnen Häuser waren mit seidenen Tüchern und Zierwerk aus Juwelen und Perlen geschmückt. Vor den Balkonfenstern saßen gurrende Tauben, und farbenprächtige Pfauen stolzierten umher und ließen ihre Rufe ertönen. Die Getreidehändler der Stadt hatten ihre Läden mit den verschiedensten Arten von Blumen und Girlanden und mit frischem Gras und duftenden Blumen wie Narzissen und Rosen dekoriert. An den Haupteingängen der Häuser standen gefüllte Wasserkrüge, und eine Mischung aus Wasser mit Joghurt, Sandelholzpaste und Blumen war überall vor den Hauseingängen versprengt worden. Außerdem waren die Türen mit brennenden Lampen verschiedener Größe verziert worden, und über den Türen hatte man Dekorationen aus Mangoblättern und Seidengehängen angebracht. Alle Hauseingänge waren auf diese Weise geschmückt worden.

Sowie sich die Nachricht verbreitete, daß Sich Krsna und Balarama zusammen mit den Kuhhirtenjungen in Mathura befanden, liefen alle Einwohner herbei, und die Frauen und Mädchen eilten auf die Dächer ihrer Häuser, um Sie von dort aus zu sehen. Die Frauen hatten die Ankunft von Krsna und Balarama sehnsüchtig erwartet, und in ihrer Begierde, die beiden zu sehen, nahmen sie sich nicht einmal die Zeit, sich ordentlich zu kleiden. Einige verwechselten sogar ihre Kleidungsstücke. Manche schminkten sich nur ein Auge, und wieder andere trugen nur an einem Bein Fußglöckchen oder nur einen Ohrring.

Auf diese Weise vergaßen sie sogar, sich richtig zu schmücken, und sie eilten so schnell sie konnten auf die Dächer, um Krsna zu sehen. Manche waren gerade beim Essen gewesen, doch als sie hörten, daß Krsna und Balarama in der Stadt eingetroffen waren, ließen sie ihre Mahlzeiten stehen und liefen auf die Dächer. Andere wiederum hatten sich gerade im Badezimmer befunden, um ein Bad zu nehmen, doch auch sie liefen, ohne ihr Bad richtig zu beenden, sofort auf die Dächer, um Krsna und Balarama zu sehen. Einige waren gerade dabei, ihrem Kind die Brust zu geben, doch um Krsna und Balarama zu sehen, legten sie ihr Baby einfach beiseite. Als Sri Krsna dann gemächlich an ihnen vorbeizog und lächelte, eroberte Er all ihre Herzen im Fluge. Auf diese Weise schritt der Gemahl der Glücksgöttin würdevoll wie ein Elefant durch die Straßen Mathuras. Schon seit langem hatten die Frauen von Mathura von Krsna und Balarama und Ihren außergewöhnlichen Eigenschaften gehört. Sie fühlten sich daher bereits sehr zu Ihnen hingezogen und waren sehr begierig, Sie zu sehen.

Als Krsna und Balarama nun tatsächlich an ihnen vorbeizogen und als sie Ihr bezauberndes Lächeln sahen, erreichte die Glückseligkeit der Frauen den Punkt der Ekstase. Sie schlossen Krsna und Balarama, die sie nun endlich mit eigenen Augen sehen durften, fest in ihre Herzen und umarmten Sie, wie es ihr sehnlichster Wunsch gewesen war, und in Ekstase sträubten sich ihnen die Haare. Obwohl sie schon viel von Krsna gehört hatten, war es ihnen nie vergönnt gewesen, Ihn wirklich zu sehen, doch nun hatte sich ihr sehnsüchtiges Verlangen erfüllt. Freudestrahlend ließen die Frauen von den Palastdächern Mathuras Blumen auf Krsna und Balarama herabregnen. Während die Brüder durch die Straßen zogen, kamen alle brahmanas der Nachbarschaft aus ihren Häusern und brachten Sandelwasser und Blumen mit sich, um Krsna und Balarama respektvoll in ihrer Stadt zu empfangen. Alle Einwohner Mathuras sprachen über die vortrefflichen und frommen Taten, die die Bewohner von Vrndavana vollbracht haben mußten. Sie fragten sich, welch fromme Tätigkeiten die Kuhhirten von Vrndavana in ihren vorangegangenen Leben wohl getan hatten, um Krsna und Balarama täglich als Kuhhirtenjungen sehen zu können.

Als Krsna und Balarama so durch die Straßen zogen, erblickten Sie einen Wäscher und Tuchfärber. Krsna gefiel es, ihn um ein schönes Kleidungsstück zu bitten. Wenn er Ihm das schönste Kleidungsstück gäbe, werde er dafür sehr glücklich sein, versprach ihm Krsna, und seine ganze Zukunft werde gesegnet sein. Krsna war kein Bettler, und Er benötigte auch keine Kleidung; doch Er wollte durch Seine Bitte darauf hinweisen, daß jeder bereit sein sollte, dem Herrn alles zu geben, was Er verlangt. Das ist das Ziel des Krsna-Bewußtseins. Unglücklicherweise aber war der Wäscher ein Diener Kamsas und wußte daher den Wunsch Sri Krsnas, der Höchsten Persönlichkeit Gottes, nicht zu würdigen. Das war auf seine schlechte Gemeinschaft zurückzuführen. Er hätte dem Herrn, der Höchsten Persönlichkeit Gottes, der ihm alles Glück der Welt versprach, das Kleid augenblicklich geben können; doch weil er in Kamsas Diensten stand, ging er nicht auf das Angebot ein. Statt sich zu freuen, wurde dieser sündhafte Dämon sehr zornig und wies die Bitte des Herrn zurück: "Was fällt Dir ein, das Kleid zu begehren, das für den König bestimmt ist?" Und dann fing der Wäscher an, Krsna und Balarama zu belehren: "Meine lieben Kinder, seid in Zukunft nicht noch einmal so unverschämt, um Dinge zu betteln, die dem König gehören. Andernfalls werden Euch die Ordnungshüter strafen müssen. Sie werden Euch gefangennehmen und bestrafen, und dann ergeht es Euch schlecht. Dies habe ich schon oft erlebt. Jeder, der unrechtmäßig über das Eigentum des Königs verfügen will, wird schwer bestraft."

Als Krsna, der Sohn Devakis, dies hörte, wurde Er sehr zornig auf den Wäscher, und Er versetzte dem Mann mit der Handkante einen Schlag und trennte ihm so den Kopf vom Rumpf. Tot stürzte der Wäscher zu Boden. Auf diese Weise bestätigte Sri Krsna die Aussage der Brahma-samhita, daß der Herr mit jedem Teil Seines Körpers tun kann, was immer Er will. In diesem Fall also schlug Er dem Wäscher ohne ein Schwert, nur mit der bloßen Hand, den Kopf ab. Dies beweist, daß der Höchste Herr allmächtig ist, denn wenn Er etwas tun will, kann Er es ohne jede fremde Hilfe tun.

Nach diesem furchterregenden Zwischenfall ergriffen die Angestellten des Wäschers entsetzt die Flucht und ließen alle Kleider zurück. Krsna und Balarama nahmen sie sogleich in Ihren Besitz und wählten Sich einige davon aus, um Sich neu zu kleiden. Den Rest verteilten Sie an die Kuhhirtenjungen, die sich ebenfalls nach Herzenslust neu einkleideten. Was sie nicht gebrauchen konnten, ließen sie einfach liegen, und dann gingen sie weiter. In der Zwischenzeit nahm ein Schneider, der ein Gottgeweihter war, die Gelegenheit wahr, Krsna und Balarama einen Dienst zu erweisen, und fertigte Ihnen mit den verbliebenen Tüchern die edelsten Kleider an. In Ihren neuen Kleidern sahen Krsna und Balarama wie Elefanten aus, die am Tag des Vollmondes oder des Neumondes mit farbigen Decken geschmückt werden. Krsna war mit dem Schneider sehr zufrieden und segnete ihn mit sarupya-mukti, der Befreiung, bei der man nach dem Tod einen Körper erhält, der genau dem Körper des vierarmigen Narayana auf den Vaikuntha-Planeten gleicht. Dazu versicherte ihm Krsna auch, daß er für den Rest seines Lebens genügend Reichtum erwerben werde, um ein genußreiches Leben führen zu können. Dadurch zeigte Krsna, daß es den Krsna-bewußten Gottgeweihten nicht an materiellem Genuß oder Sinnenbefriedigung mangelt. Sie bekommen dazu genügend Gelegenheit, und dazu wird es ihnen nach dem Verlassen des gegenwärtigen Körpers erlaubt sein, auf die spirituellen Planeten zu gelangen, entweder auf die Vaikunthalokas oder auf Krsnaloka, Goloka Vrndavana.

Nachdem Sich Krsna und Balarama auf diese Weise wunderschön angezogen hatten, kamen Sie zu einem Blumenhändler namens Sudama. Sowie Sie in die Nähe seines Hauses gelangten, kam der Blumenhändler sofort heraus und warf sich mit großer Hingabe flach auf den Boden, um Ihnen seine achtungsvollen Ehrerbietungen darzubringen. Dann bot er Krsna und Balarama einen bequemen Sitz an und befahl seinen Gehilfen, Blumen und mit candana-Paste bestrichene Betelnüsse herbeizuholen. Auf diese Weise stellte der Blumenhändler den Herrn mit seinem Empfang sehr zufrieden.

In einer sehr demütigen und bescheidenen Haltung brachte der Blumenhändler dem Herrn seine Gebete dar: "Mein lieber Herr, weil Du nun mein Haus mit Deinem Besuch beglückst, sind all meine Vorfahren und ehrbaren Vorgesetzten bestimmt voller Freude und haben Befreiung erlangt. Lieber Herr, Du bist die höchste Ursache aller Ursachen der kosmischen Manifestation, doch zum Wohl der Bewohner dieser Erde bist Du nun zusammen mit Deiner vollständigen Erweiterung erschienen, um Deine Geweihten zu beschützen und die Dämonen zu vernichten. Als Freund aller Lebewesen bist Du jedem gleichgesinnt. Du bist die Überseele, und Du unterscheidest nicht zwischen Freund und Feind; dennoch gefällt es Dir, Deine Geweihten mit dem besonderen Ergebnis ihres hingebungsvollen Dienstes zu beschenken. O Herr, ich bitte Dich, mir zu sagen, was ich für Dich tun kann, denn ich bin Dein ewiger Diener. Wenn Du mir gestattest, Dir einen Dienst zu erweisen, so wäre dies eine große Gunst für mich." Der Blumenhändler Sudama freute sich bis ins Innerste seines Herzens, daß Krsna und Balarama zu ihm gekommen waren, und um sich seinen sehnlichsten Wunsch zu erfüllen, nahm er verschiedenartige erlesene Blumen und zog sie zu zwei Girlanden auf, die er dann dem Herrn zum Geschenk gab. Krsna wie auch Balarama freuten Sich sehr über diesen aufrichtigen Dienst, und Krsna bedachte den Blumenhändler mit freundlichen Worten und bot ihm eine Segnung an. Der Herr ist immer bereit, allen ergebenen Seelen Seine Segnungen zu erteilen, und als dem Blumenhändler auf diese Weise eine Segnung angeboten wurde, bat er den Herrn darum, als Sein ewiger Diener im hingebungsvollen Dienst beschäftigt sein zu dürfen, um durch solchen Dienst für alle Lebewesen Gutes zu tun.

Dadurch wird deutlich, daß sich ein Geweihter des Herrn, der sich im Krsna-Bewußtsein betätigt, nicht mit seinem eigenen Fortschritt im hingebungsvollen Dienst zufriedengeben sollte; vielmehr muß er bereit sein, sich um das Wohl aller zu bemühen. Das beste Beispiel dafür sind die sechs Gosvamis von Vrndavana. Deshalb heißt es in einem Gebet an die sechs Gosvamis: lokanam hitakarinau — die Vaisnavas, die Geweihten des Herrn, sind nicht selbstsüchtig. Was auch immer sie durch die Segnung der Höchsten Persönlichkeit Gottes bekommen, wollen sie an alle anderen weiterverteilen. Das ist die wertvollste aller humanitären Tätigkeiten. Weil Sri Krsna mit Sudama so zufrieden war, erteilte Er ihm nicht nur die Segnung. um die er gebeten hatte, sondern darüber hinaus bot Er ihm auch materiellen Reichtum, Familienglück, ein langes Leben und alles andere an, was sein Herz sonst noch in der materiellen Welt begehrte.

Hiermit enden die Bhaktivedanta-Erläuterungen zum 40. Kapitel des Krsna-Buches: "Krsna zieht in Mathura ein".