Eines Tages unternahmen einige
Familienangehörige
Sri Krsnas, wie Samba, Pradyumna, Carubhanu und Gada,
die allesamt Prinzen der Yadu-Dynastie
waren, einen
ausgedehnten Ausflug durch die Wälder in der Umgebung
Dvarakas. Im Laufe der Zeit wurden sie alle sehr durstig,
und so machten sie sich im
Wald auf die Suche nach
Trinkwasser. Als sie schließlich an einen Brunnen kamen,
mußten sie feststellen, daß er kein
Wasser enthielt; statt
dessen befand sich auf dem Grund
dieses Brunnens ein
seltsames Lebewesen. Es war eine
große Eidechse, und
der Anblick dieser Kreatur versetzte die Prinzen in großes
Erstaunen. Sie erkannten, daß die Eidechse gefangen war
und sich nicht aus eigener Kraft
befreien konnte, und
daher versuchten sie aus Mitleid, die große Eidechse aus
dem Brunnen zu befreien. Aber all ihre Versuche blieben
erfolglos.
Als die Prinzen heimkehrten, erzählten
sie Sri Krsna
von ihrem Erlebnis. Sri
Krsna ist der Freund
aller
Lebewesen, und deshalb begab Er Sich auf Bitten Seiner
Söhne hin persönlich zu dem Brunnen und holte die große
Eidechse mit Leichtigkeit heraus, indem Er einfach Seine
linke Hand ausstreckte. Kaum war
die Eidechse von
Krsnas Hand berührt worden, löste
sich ihr Tierkörper
auf, und sie
verwandelte sich in
einen prächtigen
Halbgott, einen Bewohner der himmlischen Planeten. Der
Körper des Halbgottes strahlte wie
geschmolzenes Gold;
feine Gewänder schmückten ihn, und
er trug kostbares
Geschmeide um den Hals.
Es war Sri Krsna kein Geheimnis,
weshalb dieser
Halbgott den Körper einer Eidechse
hatte annehmen
müssen, doch damit es
alle anderen auch erfahren
konnten, fragte Er ihn: "Mein lieber gesegneter Halbgott,
Ich sehe nun, daß dein Körper
schön und strahlend ist.
Wer bist du? Es scheint, daß du einer der vortrefflichsten
Halbgötter von den himmlischen Planeten
sein mußt.
Möge dir das Glück stets
wohlgesinnt sein! Ich glaube
nicht, daß diese Lage, in der du dich befunden hast, deiner
würdig ist. Sicherlich bist du als
Folge deiner früheren
Handlungen in die Lebensform dieser
Eidechse versetzt
worden. Aber laß uns von dir selbst hören, wie du in diese
Lage geraten bist. Wenn du glaubst,
dein Geheimnis
verraten zu dürfen, dann sage uns bitte, wer du bist."
Die große Eidechse war früher ein
König mit Namen
Nrga gewesen, und als die Höchste Persönlichkeit Gottes
nun König Nrga fragte, wer er
sei, verneigte sich dieser
vor dem Herrn und berührte mit seinem Helm, der wie das
Sonnenlicht glänzte, den Boden. Auf diese Weise brachte
er dem Höchsten Herrn
zuerst seine achtungsvollen
Ehrerbietungen dar und sagte dann: "Mein lieber Herr, ich
bin König Nrga, der Sohn König
Iksvakus. Wenn Du
jemals wohltätigen Menschen Deine Beachtung geschenkt
hast, mußt Du bestimmt schon meinen
Namen gehört
haben. O mein Herr, Du bist der höchste Zeuge. Du bist
Dir jeder auch noch so
unbedeutenden Handlung der
Lebewesen in Vergangenheit, Gegenwart und
Zukunft
bewußt. Nichts kann Deinem ewigen
Wissen verborgen
bleiben, und
deshalb kennst
Du auch meine
Vergangenheit; aber weil Du mich
darum gebeten hast,
werde ich nun die ganze Geschichte meines Lebens erzählen."
König Nrga holte weit
aus und erzählte, wie er
aufgrund seiner
karma-kanda Tätigkeiten
zu Fall
gekommen war. Er
hatte in seiner
natürlichen
Freigebigkeit seit jeher unzählige Spenden verteilt, und so
beschrieb er die Zahl der Kühe,
die er verschenkt hatte,
als so groß wie die Zahl der Staubkörner auf der Erde, der
Sterne am Himmel und der
Regentropfen während der
Regenzeit. Die Regeln der vedischen
Zeremonien geben
einem Menschen, der
Spenden verteilen will, die
Anweisung, den brahmanas Kühe zu
schenken. Aus
König Nrgas Worten geht hervor, daß
er dieses Prinzip
mit aller Ernsthaftigkeit einhielt; als
Folge einer kleinen
Nachlässigkeit jedoch wurde er gezwungen, als Eidechse
geboren zu werden. Der Herr
empfiehlt deshalb in der
Bhagavad-gita, daß jemand,
der eine Neigung zur
Mildtätigkeit hat
und den Segen,
der auf seine
Mildtätigkeit folgt, erlangen möchte,
seine Gaben zur
Freude Krsnas opfern soll. Spenden
zu verschenken gilt
als fromme Handlung, und als
Ergebnis solch frommer
Handlungen kann man auf die höheren
Planetensysteme
erhoben werden; doch
daß man einen himmlischen
Planeten erreicht hat, bedeutet nicht,
daß man niemals
wieder herunterfällt. Das Beispiel König
Nrgas zeigt
besonders deutlich,
daß selbst
die frömmsten
fruchtbringenden Handlungen uns
nicht zu ewigem,
glückseligem Leben verhelfen
können. Wie in der
Bhagavad-gita erklärt wird, sind
Tätigkeiten - fromme
wie unfromme - immer die Ursache von
Bindung an die
materielle Welt, wenn sie nicht als
yajna zur Freude der
Höchsten Persönlichkeit Gottes ausgeführt werden.
König Nrga wies darauf hin, daß
die Kühe, die er
fortgab, keine alltäglichen Kühe waren.
Jede von ihnen
war noch jung und hatte erst
einmal ein Kalb zur Welt
gebracht. Alle Kühe gaben reichlich Milch und waren sehr
friedlich und gesund.
Sie waren alle mit
ehrlich
verdientem Geld erworben worden; dazu
waren ihre
Hörner vergoldet und ihre Hufe mit Silber überzogen, und
sie trugen seidene Decken, die mit
Perlen und Kettchen
bestickt waren. König Nrga fügte hinzu, daß diese kostbar
geschmückten Kühe nicht irgendwelchen Unwürdigen
gegeben wurden, sondern nur den
besten brahmanas,
denen er ebenfalls
erlesene Kleider und goldenes
Geschmeide geschenkt hatte. Diese brahmanas wiesen die
vorbildlichsten Eigenschaften auf-, keiner von
ihnen war
reich, und ihren
Familien hatte es stets
an den
Lebensnotwendigkeiten
gemangelt. Ein
wirklicher
brahmana hortet niemals wie die
ksatriyas und vaisyas
Geld, um ein luxuriöses Leben zu führen, sondern
bleibt
immer freiwillig in Armut, da er
weiß, daß Geld den
Menschen zu einem materialistischen Leben verführt. So
zu leben ist das Gelübde eines
jeden echten brahmana,
und alle brahmanas, die
von König Nrga Spenden
bekamen, hielten sich strikt an ihr erhabenes Gelübde. Sie
waren im vedischen Wissen wohlbewandert; sie hatten ihr
Leben der Ausführung der vorgeschriebenen Entsagungen
und Bußen geweiht und
besaßen einen großmütigen
Charakter. Somit erfüllten sie alle
Voraussetzungen, um
als befähigte brahmanas anerkannt zu werden. Sie waren
jedem gleichermaßen wohlgesinnt, und überdies waren sie
jung und wiesen alle Eigenschaften der echten brahmanas
auf. Neben den Kühen wurden ihnen
auch Land, Gold,
Häuser, Pferde und Elefanten gegeben.
Denjenigen, die
noch nicht
verheiratet waren,
wurden Frauen,
Dienerinnen, Getreide, Silber,
Gebrauchsgegenstände,
Gewänder, Edelsteine, Möbel, Kutschen und vieles mehr
geschenkt. Diese Wohltätigkeit wurde auf vorbildliche Art
als Opfer gemäß den Regeln für
vedische Zeremonien
durchgeführt. Der König erzählte weiter, daß er nicht nur
Gaben an die brahmanas verteilt
habe, sondern auch
andere fromme Werke getan habe, wie Brunnen gegraben,
Bäume an den Straßenrändern gepflanzt
und an den
Hauptstraßen Teiche angelegt.
"Trotz alledem", fuhr der König fort, "geschah es eines
Tages unglücklicherweise, daß sich eine der Kühe, die ich
einem brahmana gegeben hatte, wieder unter meine Kühe
mischte. Ohne davon zu wissen,
schenkte ich sie später
einem anderen brahmana; doch als dieser die Kuh gerade
wegführen wollte, kam
ihr vorheriger Besitzer und
forderte sie als sein Eigentum, indem er sagte: 'Diese Kuh
wurde mir vor kurzem geschenkt. Wie
kommst du dazu,
sie einfach wegzunehmen?' So entbrannte
zwischen den
beiden brahmanas ein Wortgefecht, und es
ging hin und
her, bis sie
schließlich zu mir
kamen und mich
beschuldigten, ich hätte eine Kuh
zurückgenommen, die
ich bereits als Spende fortgegeben
hatte." Jemandem
etwas zu schenken und es dann wieder an sich zu nehmen
gilt als große Sünde, besonders wenn man sich auf diese
Weise einem brahmana gegenüber verhält.
Als nun die
beiden brahmanas dem König gegenüber
die gleiche
Anschuldigung erhoben, war dieser sehr
betroffen und
wußte nicht recht, was er tun sollte. Schließlich machte er
den brahmanas in aller Demut den
Vorschlag, jedem
hunderttausend Kühe im Austausch gegen die eine Kuh zu
geben, die der Anlaß ihres Streites war. Er bat sie, ihn als
ihr Diener zu betrachten, und er
räumte ein, daß ihm
bedauerlicherweise ein Fehler unterlaufen
sein müsse.
König Nrga wollte diesen Fehler
unter allen Umständen
wiedergutmachen, und so
flehte er die brahmanas
inständig an, sein Angebot anzunehmen
und ihn in ihrer
Barmherzigkeit davon zu verschonen, für dieses Vergehen
in die Hölle gestürzt zu werden.
Das Eigentum eines
brahmana wird als brahma-sva bezeichnet, und nach dem
Gesetz Manus darf es sich nicht
einmal die Regierung
aneignen. Jeder der brahmanas beharrte indessen
darauf,
daß die Kuh ihm gehöre und ihm unter keinen Umständen
wieder weggenommen werden dürfe. Keiner
war bereit,
sie gegen hunderttausend Kühe zu tauschen. So wiesen sie
den Vorschlag des Königs zurück und
verließen den
Palast voller Zorn, in
dem Gefühl, daß ihnen
ein
schändliches Unrecht widerfahren war.
Als dann später für den König die Zeit kam, den Körper
aufzugeben, und er vor Yamaraja,
den Herrn des Todes,
geführt wurde, fragte ihn Yamaraja, ob er erst die Folgen
seiner frommen Handlungen genießen oder
die Folgen
seiner unfrommen Handlungen erleiden
wolle. Yamaraja
wies König Nrga darauf hin, daß
ihn aufgrund seiner
vielen frommen Werke und seiner
Mildtätigkeit ein unvorstellbares Ausmaß an Genuß erwarte. Sein materielles
Glück werde nahezu
endlos sein; doch trotz
dieses
Hinweises war König Nrga unschlüssig. Zuletzt entschied
er sich, erst die Folgen seiner unfrommen Handlungen zu
erleiden und danach die
Ergebnisse seiner frommen
Werke zu genießen, und so verwandelte Yamaraja ihn auf
der Stelle in eine Eidechse.
Lange Zeit hatte König Nrga als große Eidechse in dem
Brunnen gelebt, und nun erzählte er Sri Krsna:
"Obwohl
ich in diese gefallene Lebenslage
versetzt wurde, dachte
ich nur
an Dich,
mein Herr,
und mein
Erinnerungsvermögen hat mich nie verlassen." Aus König
Nrgas Geschichte geht hervor, daß
Menschen, die den
Prinzipien fruchtbringender
Tätigkeiten folgen, um
materielle Gewinne zu erlangen, nicht
sehr intelligent
sind. Als Yamaraja, der Herr des Todes, König Nrga sein
Schicksal selbst wählen
ließ, hätte dieser erst
die
Ergebnisse seiner frommen
Handlungen bekommen
können. Statt dessen hielt er es für klüger, erst die Folgen
seiner unfrommen Handlungen zu empfangen,
um dann
die Folgen seiner frommen Handlungen
ungestört zu
genießen. Trotz allem hatte er also kein Krsna-Bewußtsein
entwickelt. Wer Krsna-bewußt ist,
entwickelt Liebe zu
Gott, zu Krsna, und nicht zu
frommen oder unfrommen
Handlungen; deshalb ist ein Krsna-bewußter Mensch auch
nicht den Folgen solcher Handlungen
ausgesetzt. Wie in
der Brahma-samhita gesagt wird, ist
ein Gottgeweihter
durch die Gnade des Herrn nicht
mehr den Reaktionen
seiner fruchtbringenden Tätigkeiten unterworfen.
Als Folge seiner frommen Tätigkeiten
war in König
Nrga irgendwie der Wunsch entstanden,
den Herrn zu
sehen. "Mein lieber Herr", fuhr
König Nrga fort, "ich
hatte das starke Verlangen, Dich
eines Tages persönlich
sehen zu dürfen. Ich glaube, daß
insbesondere dieser
starke Wunsch und
meine Neigung zu
rituellen
Zeremonien und zu Wohltätigkeit die Ursache waren, daß
ich mich an mein früheres Leben zu erinnern vermochte,
obwohl ich eine Eidechse geworden
war.* Mein lieber
Herr, Du bist die Überseele im Herzen eines jeden Lebewesens. Es gibt viele große
mystische yogis, die die
Augen haben, Dich durch die Veden und Upanisaden zu
sehen. Um die hohe Stufe zu
erreichen, Dir in Qualität
gleich zu sein, meditieren sie ohne
Unterlaß über Dich,
der Du in ihren Herzen weilst. Obwohl es möglich ist, daß
solche vortrefflichen Heiligen Dich stets in ihrem Herzen
wahrnehmen, können sie Dich nicht
von Angesicht zu
Angesicht sehen; deshalb überrascht es mich sehr, daß ich
Dich persönlich sehen darf. Ich
erinnere mich sehr gut,
daß ich früher, besonders aufgrund
meiner Stellung als
König, mit so vielen weltlichen
Dingen beschäftigt war;
obgleich ich inmitten von Überfluß
und Prunk lebte und
so sehr den Freuden und Leiden des
materiellen Daseins
ausgesetzt war, bin ich nun von
dem großen Glück
gesegnet worden, Dich persönlich sehen
zu dürfen, was
eigentlich, soviel ich weiß, nur jemandem möglich ist, der
vom materiellen Dasein befreit ist."
Als sich König Nrga entschloß, die
Folgen seiner
unfrommen Tätigkeiten zu
empfangen, wurde
ihm
aufgrund seines Fehlers bei der
Ausführung frommer
Tätigkeiten der Körper einer Eidechse gegeben, und daher
hatte er sich um die Möglichkeit gebracht, direkt auf eine
höhere Lebensstufe wie die eines mächtigen Halbgottes zu
gelangen. Zusammen mit seinen frommen
Handlungen
hatte er jedoch auch die Erinnerung
an Krsna bewahrt,
und deshalb wurde er schon bald von seinem Reptilkörper
befreit und erhielt den Körper
eines Halbgottes. Wenn
diejenigen, die materiellen
Reichtum begehren, den
Höchsten Herrn verehren, bekommen sie
die Körper
mächtiger Halbgötter.
Manchmal erhalten diese
Halbgötter die Gelegenheit, die Höchste
Persönlichkeit
Gottes von Angesicht zu Angesicht
zu sehen, aber das
bedeutet noch nicht,
daß sie imstande sind,
in das
spirituelle Königreich, auf einen der Vaikuntha-Planeten,
zu gelangen. Nur wenn diese
Halbgötter sich weiterhin
bemühen, Geweihte des Herrn zu werden, werden sie die
nächste Gelegenheit, die sich ihnen bietet, zu nutzen wissen und Vaikuntha erreichen.
König Nrga, der nun den Körper
eines Halbgottes
erlangt hatte, sich aber weiterhin an alles erinnern konnte,
sagte: "Mein lieber Herr, Du bist
der Höchste Herr, und
Du wirst von allen Halbgöttern verehrt. Du gehörst nicht
zu den funkengleichen Lebewesen, sondern
Du bist die
Höchste Person, Purusottama. Du bist
die Quelle allen
Glücks für alle Lebewesen; daher wirst Du auch Govinda
genannt. Du bist der Herr aller Lebewesen, sowohl derer,
die bereits einen materiellen Körper angenommen haben,
als auch derer, die
noch keinen materiellen Körper
angenommen haben." (Zu
den Lebewesen, die noch
keinen materiellen Körper angenommen
haben, gehören
diejenigen, die in der materiellen
Welt als böse Geister
umherirren oder in den
Bereich der feinstofflichen
Lebewesen eingegangen sind. Daneben gibt
es auch die
Lebewesen, die im
spirituellen Königreich, den
Vaikunthalokas, leben, aber ihr Körper
besteht nicht aus
materiellen Elementen.) "O mein Herr, Du bist unfehlbar.
Du bist der Höchste, das reinste
aller Lebewesen. Du
weilst im Herzen eines jeden. Du bist Narayana,
die Zuflucht aller Lebewesen. Weil Du
Dich im Herzen aller
Lebewesen befindest, bist Du der höchste Kontrollierende
ihrer Sinnestätigkeiten; deshalb wirst Du
auch Hrsikesa
genannt.
O Höchster Herr, Sri Krsna, weil Du
mir den Körper
eines Halbgottes gabst, werde ich
mich zu einem der
himmlischen Planeten begeben
müssen. Doch zuvor
möchte ich die Gelegenheit wahrnehmen
und Dich um
Deine Barmherzigkeit bitten: Gewähre mir
die Segnung,
daß ich niemals Deine Lotosfüße
vergessen werde, ganz
gleich, in welche Lebensform und
auf welchen Planeten
ich versetzt werde. Du bist
alldurchdringend und überall
als Ursache und Wirkung
gegenwärtig. Du bist die
Ursache aller Ursachen, und Deine
Macht und Deine
Energien sind unbegrenzt. Du bist die Absolute Wahrheit,
die Höchste Persönlichkeit
Gottes und das Höchste
Brahman. Ich bringe Dir deshalb stets
von neuem meine
achtungsvollen Ehrerbietungen dar. Lieber
Herr, Dein
Körper ist voll von transzendentaler
Glückseligkeit und
transzendentalem Wissen, und Du bist
ewig. Du bist
Yogesvara, der Meister aller mystischen
Kräfte. Bitte
gewähre mir Deine Barmherzigkeit und laß mich eines der
unbedeutenden Staubkörnchen an
Deinen Lotosfüßen
sein."
Bevor sich König Nrga zu den
himmlischen Planeten
begab, umkreiste er den Herrn und verneigte sich vor Ihm,
wobei er mit seinem Helm Krsnas
Lotosfüße berührte.
Danach bestieg er mit der Erlaubnis
des Herrn das
Himmelsflugzeug, das direkt von den
höheren Planeten
gekommen war und bereits auf ihn wartete. Nachdem sich
König Nrga entfernt
hatte, brachte Sri Krsna zum
Ausdruck, daß Er die
Hingabe des Königs an
die
brahmanas sowie dessen Bereitschaft,
wohltätig zu sein
und vedische Zeremonien durchzuführen,
sehr schätze.
Deshalb wird es jemandem, der nicht
unmittelbar ein
Geweihter des Herrn
werden kann, empfohlen, den
vedischen Lebensprinzipien zu folgen. Dies wird ihn letztlich befähigen, den Herrn zu sehen,
indem er entweder
direkt ins spirituelle Königreich erhoben wird oder vorerst
ins himmlische Königreich gelangt, von wo aus eine gute
Möglichkeit besteht, die spirituelle Welt zu erreichen.
Sri Krsna wollte Seine anwesenden
Verwandten, die
alle dem ksatriya-Stand angehörten, anhand des Beispiels
von König Nrga belehren und sagte
zu ihnen: "Selbst
wenn ein ksatriya-König so mächtig ist wie Feuer, darf er
sich unter keinen
Umständen das Eigentum eines
brahmana aneignen und es für seine
eigenen Zwecke
benutzen. Wie erst sollte es dann
den gewöhnlichen
Königen, die sich für die
mächtigsten Wesen in der
materiellen Welt halten, erlaubt sein, einem brahmana das
Eigentum wegzunehmen? Ich
halte es für nicht so
gefährlich, Gift zu trinken, wie
sich am Eigentum eines
brahmana zu vergreifen, denn bei
gewöhnlichem Gift
kann man durch die
geeignete Behandlung gerettet
werden, doch wenn man das giftige
Vergehen begeht,
einem brahmana den Besitz wegzunehmen,
kann dies
durch kein Mittel wiedergutgemacht werden. König Nrga
ist das beste Beispiel dafür: Er
war sehr mächtig und
fromm, doch weil er den
geringfügigen Fehler beging,
sich unabsichtlich die Kuh eines
brahmana anzueignen,
wurde er dazu verdammt, das
abscheuliche Leben einer
Eidechse zu führen. Gewöhnliches Gift
kann nur denen
schaden, die es trinken, und gewöhnliches Feuer kann mit
Wasser gelöscht werden; doch das
durch die spirituelle
Kraft eines brahmana entzündete
arani-Feuer** kann die
ganze Familie desjenigen, der einen
solchen brahmana
erzürnt, zu Asche verbrennen.
Wenn jemand das Eigentum eines brahmana auch nur
berührt, stürzt er
dadurch drei Generationen seiner
Familie ins
Verderben, und
wenn jemand einem
brahmana etwas mit Gewalt wegnimmt,
werden zehn
Generationen seiner
Familie vor ihm
und zehn
Generationen nach ihm ins Verderben
gestürzt. Wenn
jemand aber ein Vaisnava, ein Geweihter des Herrn, wird,
führt dies zur Befreiung von zehn
vorangegangenen und
zehn nachfolgenden Generationen seiner Familie."
Sri Krsna fuhr fort: "Wenn ein
törichter König, dem
Reichtum, Ansehen und Macht zu Kopf
gestiegen sind,
versucht, sich das Eigentum eines brahmana anzueignen,
dann bedeutet dies nichts anderes, als daß er sich den Pfad
zur Hölle ebnet. Er kann sich nicht vorstellen, wie sehr er
für solch unüberlegte Handlungen leiden
muß. Wenn
jemand einem großmütigen brahmana, der
für eine kinderreiche Familie zu sorgen hat,
etwas fortnimmt, dann
erwartet ihn für dieses Verbrechen die Hölle Kumbhipaka
- und nicht
nur er selbst,
sondern auch seine
Familienangehörigen werden in dieser
Hölle elendiglich
ihr Dasein fristen müssen. Ein Mensch, der etwas an sich
nimmt, was einem brahmana gegeben
oder von einem
brahmana weggegeben wurde, ist dazu
verurteilt, für
mindestens 60.000 Jahre ein solch
elendes Dasein zu
führen wie ein Insekt im Kot. Deshalb lege Ich euch nahe,
Meine Söhne und Verwandten: Nehmt
niemals, nicht
einmal versehentlich, das Eigentum eines
brahmana an
euch, denn durch eine solche
Handlung würdet ihr eure
ganze Familie ins Verderben stürzen.
Wenn sich jemand
auch nur wünscht, solches Eigentum zu besitzen, verkürzt
sich sein Leben, ganz zu schweigen
davon, wenn er
versucht, es an sich zu reißen. Er wird von seinen Feinden
besiegt und seiner königlichen Ehren beraubt werden, und
wenn er seinen Körper aufgibt, wird
er eine Schlange
werden, denn dies sind Lebewesen, die anderen nur Leid
zufügen. Meine lieben Söhne und
Anverwandten, selbst
wenn ein brahmana
zornig auf euch wird,
euch
beschimpft oder euch etwas antut,
rate Ich euch, von
jeglicher Rache abzusehen und statt
dessen zu lächeln,
duldsam zu sein und ihm eure Achtung zu erweisen. Wie
ihr wißt, bringe auch Ich den
brahmanas mit großem
Respekt dreimal am Tag Meine
Ehrerbietungen dar. Ihr
solltet daher Meiner Anweisung und
Meinem Beispiel
folgen. Ich werde
niemandem vergeben, der dies
unterläßt, sondern Ich werde ihn
dafür bestrafen. Die
Geschichte von König Nrga soll euch
ein warnendes
Beispiel sein, daß selbst jemand, der das Eigentum
eines
brahmana versehentlich an
sich nimmt, in elendste
Lebensumstände versetzt wird."
Auf diese Weise unterwies Sri Krsna,
der stets darum
bemüht ist, die bedingten Lebewesen zu läutern, nicht nur
Seine Familienangehörigen und die Einwohner Dvarakas,
sondern darüber hinaus auch alle
Menschen zu allen
Zeiten. Nach diesen Worten kehrte
der Herr in Seinen
Palast zurück.
---
* Jemanden, der sich
an sein vorheriges Leben
erinnern kann, bezeichnet man als jati-smara.
** Früher pflegten die brahmanas ihre Opferfeuer nicht
mit Streichhölzern
oder einem
anderen Feuer zu
entzünden, sondern durch mächtige mantras, die man als
arani bezeichnet.
Hiermit
enden die Bhaktivedanta-Erläuterungen zum 63. Kapitel des Krsna-Buches:
"Die Geschichte von König Nrga".