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Die Transzendentalen Spiele Sri Krishnas
Von Seiner Heiligkeit A.C. Bhaktivedanta Swami Prabhupada

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63. Kapitel: Die Geschichte von König Nrga


Eines Tages unternahmen einige Familienangehörige Sri Krsnas, wie Samba, Pradyumna, Carubhanu und Gada, die allesamt Prinzen der Yadu-Dynastie waren, einen ausgedehnten Ausflug durch die Wälder in der Umgebung Dvarakas. Im Laufe der Zeit wurden sie alle sehr durstig, und so machten sie sich im Wald auf die Suche nach Trinkwasser. Als sie schließlich an einen Brunnen kamen, mußten sie feststellen, daß er kein Wasser enthielt; statt dessen befand sich auf dem Grund dieses Brunnens ein seltsames Lebewesen. Es war eine große Eidechse, und der Anblick dieser Kreatur versetzte die Prinzen in großes Erstaunen. Sie erkannten, daß die Eidechse gefangen war und sich nicht aus eigener Kraft befreien konnte, und daher versuchten sie aus Mitleid, die große Eidechse aus dem Brunnen zu befreien. Aber all ihre Versuche blieben erfolglos.

Als die Prinzen heimkehrten, erzählten sie Sri Krsna von ihrem Erlebnis. Sri Krsna ist der Freund aller Lebewesen, und deshalb begab Er Sich auf Bitten Seiner Söhne hin persönlich zu dem Brunnen und holte die große Eidechse mit Leichtigkeit heraus, indem Er einfach Seine linke Hand ausstreckte. Kaum war die Eidechse von Krsnas Hand berührt worden, löste sich ihr Tierkörper auf, und sie verwandelte sich in einen prächtigen Halbgott, einen Bewohner der himmlischen Planeten. Der Körper des Halbgottes strahlte wie geschmolzenes Gold; feine Gewänder schmückten ihn, und er trug kostbares Geschmeide um den Hals.

Es war Sri Krsna kein Geheimnis, weshalb dieser Halbgott den Körper einer Eidechse hatte annehmen müssen, doch damit es alle anderen auch erfahren konnten, fragte Er ihn: "Mein lieber gesegneter Halbgott, Ich sehe nun, daß dein Körper schön und strahlend ist. Wer bist du? Es scheint, daß du einer der vortrefflichsten Halbgötter von den himmlischen Planeten sein mußt. Möge dir das Glück stets wohlgesinnt sein! Ich glaube nicht, daß diese Lage, in der du dich befunden hast, deiner würdig ist. Sicherlich bist du als Folge deiner früheren Handlungen in die Lebensform dieser Eidechse versetzt worden. Aber laß uns von dir selbst hören, wie du in diese Lage geraten bist. Wenn du glaubst, dein Geheimnis verraten zu dürfen, dann sage uns bitte, wer du bist."

Die große Eidechse war früher ein König mit Namen Nrga gewesen, und als die Höchste Persönlichkeit Gottes nun König Nrga fragte, wer er sei, verneigte sich dieser vor dem Herrn und berührte mit seinem Helm, der wie das Sonnenlicht glänzte, den Boden. Auf diese Weise brachte er dem Höchsten Herrn zuerst seine achtungsvollen Ehrerbietungen dar und sagte dann: "Mein lieber Herr, ich bin König Nrga, der Sohn König Iksvakus. Wenn Du jemals wohltätigen Menschen Deine Beachtung geschenkt hast, mußt Du bestimmt schon meinen Namen gehört haben. O mein Herr, Du bist der höchste Zeuge. Du bist Dir jeder auch noch so unbedeutenden Handlung der Lebewesen in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft bewußt. Nichts kann Deinem ewigen Wissen verborgen bleiben, und deshalb kennst Du auch meine Vergangenheit; aber weil Du mich darum gebeten hast, werde ich nun die ganze Geschichte meines Lebens erzählen."

König Nrga holte weit aus und erzählte, wie er aufgrund seiner karma-kanda Tätigkeiten zu Fall gekommen war. Er hatte in seiner natürlichen Freigebigkeit seit jeher unzählige Spenden verteilt, und so beschrieb er die Zahl der Kühe, die er verschenkt hatte, als so groß wie die Zahl der Staubkörner auf der Erde, der Sterne am Himmel und der Regentropfen während der Regenzeit. Die Regeln der vedischen Zeremonien geben einem Menschen, der Spenden verteilen will, die Anweisung, den brahmanas Kühe zu schenken. Aus König Nrgas Worten geht hervor, daß er dieses Prinzip mit aller Ernsthaftigkeit einhielt; als Folge einer kleinen Nachlässigkeit jedoch wurde er gezwungen, als Eidechse geboren zu werden. Der Herr empfiehlt deshalb in der Bhagavad-gita, daß jemand, der eine Neigung zur Mildtätigkeit hat und den Segen, der auf seine Mildtätigkeit folgt, erlangen möchte, seine Gaben zur Freude Krsnas opfern soll. Spenden zu verschenken gilt als fromme Handlung, und als Ergebnis solch frommer Handlungen kann man auf die höheren Planetensysteme erhoben werden; doch daß man einen himmlischen Planeten erreicht hat, bedeutet nicht, daß man niemals wieder herunterfällt. Das Beispiel König Nrgas zeigt besonders deutlich, daß selbst die frömmsten fruchtbringenden Handlungen uns nicht zu ewigem, glückseligem Leben verhelfen können. Wie in der Bhagavad-gita erklärt wird, sind Tätigkeiten - fromme wie unfromme - immer die Ursache von Bindung an die materielle Welt, wenn sie nicht als yajna zur Freude der Höchsten Persönlichkeit Gottes ausgeführt werden.

König Nrga wies darauf hin, daß die Kühe, die er fortgab, keine alltäglichen Kühe waren. Jede von ihnen war noch jung und hatte erst einmal ein Kalb zur Welt gebracht. Alle Kühe gaben reichlich Milch und waren sehr friedlich und gesund. Sie waren alle mit ehrlich verdientem Geld erworben worden; dazu waren ihre Hörner vergoldet und ihre Hufe mit Silber überzogen, und sie trugen seidene Decken, die mit Perlen und Kettchen bestickt waren. König Nrga fügte hinzu, daß diese kostbar geschmückten Kühe nicht irgendwelchen Unwürdigen gegeben wurden, sondern nur den besten brahmanas, denen er ebenfalls erlesene Kleider und goldenes Geschmeide geschenkt hatte. Diese brahmanas wiesen die vorbildlichsten Eigenschaften auf-, keiner von ihnen war reich, und ihren Familien hatte es stets an den Lebensnotwendigkeiten gemangelt. Ein wirklicher brahmana hortet niemals wie die ksatriyas und vaisyas Geld, um ein luxuriöses Leben zu führen, sondern bleibt immer freiwillig in Armut, da er weiß, daß Geld den Menschen zu einem materialistischen Leben verführt. So zu leben ist das Gelübde eines jeden echten brahmana, und alle brahmanas, die von König Nrga Spenden bekamen, hielten sich strikt an ihr erhabenes Gelübde. Sie waren im vedischen Wissen wohlbewandert; sie hatten ihr Leben der Ausführung der vorgeschriebenen Entsagungen und Bußen geweiht und besaßen einen großmütigen Charakter. Somit erfüllten sie alle Voraussetzungen, um als befähigte brahmanas anerkannt zu werden. Sie waren jedem gleichermaßen wohlgesinnt, und überdies waren sie jung und wiesen alle Eigenschaften der echten brahmanas auf. Neben den Kühen wurden ihnen auch Land, Gold, Häuser, Pferde und Elefanten gegeben. Denjenigen, die noch nicht verheiratet waren, wurden Frauen, Dienerinnen, Getreide, Silber, Gebrauchsgegenstände, Gewänder, Edelsteine, Möbel, Kutschen und vieles mehr geschenkt. Diese Wohltätigkeit wurde auf vorbildliche Art als Opfer gemäß den Regeln für vedische Zeremonien durchgeführt. Der König erzählte weiter, daß er nicht nur Gaben an die brahmanas verteilt habe, sondern auch andere fromme Werke getan habe, wie Brunnen gegraben, Bäume an den Straßenrändern gepflanzt und an den Hauptstraßen Teiche angelegt.

"Trotz alledem", fuhr der König fort, "geschah es eines Tages unglücklicherweise, daß sich eine der Kühe, die ich einem brahmana gegeben hatte, wieder unter meine Kühe mischte. Ohne davon zu wissen, schenkte ich sie später einem anderen brahmana; doch als dieser die Kuh gerade wegführen wollte, kam ihr vorheriger Besitzer und forderte sie als sein Eigentum, indem er sagte: 'Diese Kuh wurde mir vor kurzem geschenkt. Wie kommst du dazu, sie einfach wegzunehmen?' So entbrannte zwischen den beiden brahmanas ein Wortgefecht, und es ging hin und her, bis sie schließlich zu mir kamen und mich beschuldigten, ich hätte eine Kuh zurückgenommen, die ich bereits als Spende fortgegeben hatte." Jemandem etwas zu schenken und es dann wieder an sich zu nehmen gilt als große Sünde, besonders wenn man sich auf diese Weise einem brahmana gegenüber verhält. Als nun die beiden brahmanas dem König gegenüber die gleiche Anschuldigung erhoben, war dieser sehr betroffen und wußte nicht recht, was er tun sollte. Schließlich machte er den brahmanas in aller Demut den Vorschlag, jedem hunderttausend Kühe im Austausch gegen die eine Kuh zu geben, die der Anlaß ihres Streites war. Er bat sie, ihn als ihr Diener zu betrachten, und er räumte ein, daß ihm bedauerlicherweise ein Fehler unterlaufen sein müsse. König Nrga wollte diesen Fehler unter allen Umständen wiedergutmachen, und so flehte er die brahmanas inständig an, sein Angebot anzunehmen und ihn in ihrer Barmherzigkeit davon zu verschonen, für dieses Vergehen in die Hölle gestürzt zu werden. Das Eigentum eines brahmana wird als brahma-sva bezeichnet, und nach dem Gesetz Manus darf es sich nicht einmal die Regierung aneignen. Jeder der brahmanas beharrte indessen darauf, daß die Kuh ihm gehöre und ihm unter keinen Umständen wieder weggenommen werden dürfe. Keiner war bereit, sie gegen hunderttausend Kühe zu tauschen. So wiesen sie den Vorschlag des Königs zurück und verließen den Palast voller Zorn, in dem Gefühl, daß ihnen ein schändliches Unrecht widerfahren war.

Als dann später für den König die Zeit kam, den Körper aufzugeben, und er vor Yamaraja, den Herrn des Todes, geführt wurde, fragte ihn Yamaraja, ob er erst die Folgen seiner frommen Handlungen genießen oder die Folgen seiner unfrommen Handlungen erleiden wolle. Yamaraja wies König Nrga darauf hin, daß ihn aufgrund seiner vielen frommen Werke und seiner Mildtätigkeit ein unvorstellbares Ausmaß an Genuß erwarte. Sein materielles Glück werde nahezu endlos sein; doch trotz dieses Hinweises war König Nrga unschlüssig. Zuletzt entschied er sich, erst die Folgen seiner unfrommen Handlungen zu erleiden und danach die Ergebnisse seiner frommen Werke zu genießen, und so verwandelte Yamaraja ihn auf der Stelle in eine Eidechse.

Lange Zeit hatte König Nrga als große Eidechse in dem Brunnen gelebt, und nun erzählte er Sri Krsna: "Obwohl ich in diese gefallene Lebenslage versetzt wurde, dachte ich nur an Dich, mein Herr, und mein Erinnerungsvermögen hat mich nie verlassen." Aus König Nrgas Geschichte geht hervor, daß Menschen, die den Prinzipien fruchtbringender Tätigkeiten folgen, um materielle Gewinne zu erlangen, nicht sehr intelligent sind. Als Yamaraja, der Herr des Todes, König Nrga sein Schicksal selbst wählen ließ, hätte dieser erst die Ergebnisse seiner frommen Handlungen bekommen können. Statt dessen hielt er es für klüger, erst die Folgen seiner unfrommen Handlungen zu empfangen, um dann die Folgen seiner frommen Handlungen ungestört zu genießen. Trotz allem hatte er also kein Krsna-Bewußtsein entwickelt. Wer Krsna-bewußt ist, entwickelt Liebe zu Gott, zu Krsna, und nicht zu frommen oder unfrommen Handlungen; deshalb ist ein Krsna-bewußter Mensch auch nicht den Folgen solcher Handlungen ausgesetzt. Wie in der Brahma-samhita gesagt wird, ist ein Gottgeweihter durch die Gnade des Herrn nicht mehr den Reaktionen seiner fruchtbringenden Tätigkeiten unterworfen.

Als Folge seiner frommen Tätigkeiten war in König Nrga irgendwie der Wunsch entstanden, den Herrn zu sehen. "Mein lieber Herr", fuhr König Nrga fort, "ich hatte das starke Verlangen, Dich eines Tages persönlich sehen zu dürfen. Ich glaube, daß insbesondere dieser starke Wunsch und meine Neigung zu rituellen Zeremonien und zu Wohltätigkeit die Ursache waren, daß ich mich an mein früheres Leben zu erinnern vermochte, obwohl ich eine Eidechse geworden war.* Mein lieber Herr, Du bist die Überseele im Herzen eines jeden Lebewesens. Es gibt viele große mystische yogis, die die Augen haben, Dich durch die Veden und Upanisaden zu sehen. Um die hohe Stufe zu erreichen, Dir in Qualität gleich zu sein, meditieren sie ohne Unterlaß über Dich, der Du in ihren Herzen weilst. Obwohl es möglich ist, daß solche vortrefflichen Heiligen Dich stets in ihrem Herzen wahrnehmen, können sie Dich nicht von Angesicht zu Angesicht sehen; deshalb überrascht es mich sehr, daß ich Dich persönlich sehen darf. Ich erinnere mich sehr gut, daß ich früher, besonders aufgrund meiner Stellung als König, mit so vielen weltlichen Dingen beschäftigt war; obgleich ich inmitten von Überfluß und Prunk lebte und so sehr den Freuden und Leiden des materiellen Daseins ausgesetzt war, bin ich nun von dem großen Glück gesegnet worden, Dich persönlich sehen zu dürfen, was eigentlich, soviel ich weiß, nur jemandem möglich ist, der vom materiellen Dasein befreit ist."

Als sich König Nrga entschloß, die Folgen seiner unfrommen Tätigkeiten zu empfangen, wurde ihm aufgrund seines Fehlers bei der Ausführung frommer Tätigkeiten der Körper einer Eidechse gegeben, und daher hatte er sich um die Möglichkeit gebracht, direkt auf eine höhere Lebensstufe wie die eines mächtigen Halbgottes zu gelangen. Zusammen mit seinen frommen Handlungen hatte er jedoch auch die Erinnerung an Krsna bewahrt, und deshalb wurde er schon bald von seinem Reptilkörper befreit und erhielt den Körper eines Halbgottes. Wenn diejenigen, die materiellen Reichtum begehren, den Höchsten Herrn verehren, bekommen sie die Körper mächtiger Halbgötter. Manchmal erhalten diese Halbgötter die Gelegenheit, die Höchste Persönlichkeit Gottes von Angesicht zu Angesicht zu sehen, aber das bedeutet noch nicht, daß sie imstande sind, in das spirituelle Königreich, auf einen der Vaikuntha-Planeten, zu gelangen. Nur wenn diese Halbgötter sich weiterhin bemühen, Geweihte des Herrn zu werden, werden sie die nächste Gelegenheit, die sich ihnen bietet, zu nutzen wissen und Vaikuntha erreichen.

König Nrga, der nun den Körper eines Halbgottes erlangt hatte, sich aber weiterhin an alles erinnern konnte, sagte: "Mein lieber Herr, Du bist der Höchste Herr, und Du wirst von allen Halbgöttern verehrt. Du gehörst nicht zu den funkengleichen Lebewesen, sondern Du bist die Höchste Person, Purusottama. Du bist die Quelle allen Glücks für alle Lebewesen; daher wirst Du auch Govinda genannt. Du bist der Herr aller Lebewesen, sowohl derer, die bereits einen materiellen Körper angenommen haben, als auch derer, die noch keinen materiellen Körper angenommen haben." (Zu den Lebewesen, die noch keinen materiellen Körper angenommen haben, gehören diejenigen, die in der materiellen Welt als böse Geister umherirren oder in den Bereich der feinstofflichen Lebewesen eingegangen sind. Daneben gibt es auch die Lebewesen, die im spirituellen Königreich, den Vaikunthalokas, leben, aber ihr Körper besteht nicht aus materiellen Elementen.) "O mein Herr, Du bist unfehlbar. Du bist der Höchste, das reinste aller Lebewesen. Du weilst im Herzen eines jeden. Du bist Narayana, die Zuflucht aller Lebewesen. Weil Du Dich im Herzen aller Lebewesen befindest, bist Du der höchste Kontrollierende ihrer Sinnestätigkeiten; deshalb wirst Du auch Hrsikesa genannt.

O Höchster Herr, Sri Krsna, weil Du mir den Körper eines Halbgottes gabst, werde ich mich zu einem der himmlischen Planeten begeben müssen. Doch zuvor möchte ich die Gelegenheit wahrnehmen und Dich um Deine Barmherzigkeit bitten: Gewähre mir die Segnung, daß ich niemals Deine Lotosfüße vergessen werde, ganz gleich, in welche Lebensform und auf welchen Planeten ich versetzt werde. Du bist alldurchdringend und überall als Ursache und Wirkung gegenwärtig. Du bist die Ursache aller Ursachen, und Deine Macht und Deine Energien sind unbegrenzt. Du bist die Absolute Wahrheit, die Höchste Persönlichkeit Gottes und das Höchste Brahman. Ich bringe Dir deshalb stets von neuem meine achtungsvollen Ehrerbietungen dar. Lieber Herr, Dein Körper ist voll von transzendentaler Glückseligkeit und transzendentalem Wissen, und Du bist ewig. Du bist Yogesvara, der Meister aller mystischen Kräfte. Bitte gewähre mir Deine Barmherzigkeit und laß mich eines der unbedeutenden Staubkörnchen an Deinen Lotosfüßen sein."

Bevor sich König Nrga zu den himmlischen Planeten begab, umkreiste er den Herrn und verneigte sich vor Ihm, wobei er mit seinem Helm Krsnas Lotosfüße berührte. Danach bestieg er mit der Erlaubnis des Herrn das Himmelsflugzeug, das direkt von den höheren Planeten gekommen war und bereits auf ihn wartete. Nachdem sich König Nrga entfernt hatte, brachte Sri Krsna zum Ausdruck, daß Er die Hingabe des Königs an die brahmanas sowie dessen Bereitschaft, wohltätig zu sein und vedische Zeremonien durchzuführen, sehr schätze. Deshalb wird es jemandem, der nicht unmittelbar ein Geweihter des Herrn werden kann, empfohlen, den vedischen Lebensprinzipien zu folgen. Dies wird ihn letztlich befähigen, den Herrn zu sehen, indem er entweder direkt ins spirituelle Königreich erhoben wird oder vorerst ins himmlische Königreich gelangt, von wo aus eine gute Möglichkeit besteht, die spirituelle Welt zu erreichen.

Sri Krsna wollte Seine anwesenden Verwandten, die alle dem ksatriya-Stand angehörten, anhand des Beispiels von König Nrga belehren und sagte zu ihnen: "Selbst wenn ein ksatriya-König so mächtig ist wie Feuer, darf er sich unter keinen Umständen das Eigentum eines brahmana aneignen und es für seine eigenen Zwecke benutzen. Wie erst sollte es dann den gewöhnlichen Königen, die sich für die mächtigsten Wesen in der materiellen Welt halten, erlaubt sein, einem brahmana das Eigentum wegzunehmen? Ich halte es für nicht so gefährlich, Gift zu trinken, wie sich am Eigentum eines brahmana zu vergreifen, denn bei gewöhnlichem Gift kann man durch die geeignete Behandlung gerettet werden, doch wenn man das giftige Vergehen begeht, einem brahmana den Besitz wegzunehmen, kann dies durch kein Mittel wiedergutgemacht werden. König Nrga ist das beste Beispiel dafür: Er war sehr mächtig und fromm, doch weil er den geringfügigen Fehler beging, sich unabsichtlich die Kuh eines brahmana anzueignen, wurde er dazu verdammt, das abscheuliche Leben einer Eidechse zu führen. Gewöhnliches Gift kann nur denen schaden, die es trinken, und gewöhnliches Feuer kann mit Wasser gelöscht werden; doch das durch die spirituelle Kraft eines brahmana entzündete arani-Feuer** kann die ganze Familie desjenigen, der einen solchen brahmana erzürnt, zu Asche verbrennen.

Wenn jemand das Eigentum eines brahmana auch nur berührt, stürzt er dadurch drei Generationen seiner Familie ins Verderben, und wenn jemand einem brahmana etwas mit Gewalt wegnimmt, werden zehn Generationen seiner Familie vor ihm und zehn Generationen nach ihm ins Verderben gestürzt. Wenn jemand aber ein Vaisnava, ein Geweihter des Herrn, wird, führt dies zur Befreiung von zehn vorangegangenen und zehn nachfolgenden Generationen seiner Familie."

Sri Krsna fuhr fort: "Wenn ein törichter König, dem Reichtum, Ansehen und Macht zu Kopf gestiegen sind, versucht, sich das Eigentum eines brahmana anzueignen, dann bedeutet dies nichts anderes, als daß er sich den Pfad zur Hölle ebnet. Er kann sich nicht vorstellen, wie sehr er für solch unüberlegte Handlungen leiden muß. Wenn jemand einem großmütigen brahmana, der für eine kinderreiche Familie zu sorgen hat, etwas fortnimmt, dann erwartet ihn für dieses Verbrechen die Hölle Kumbhipaka - und nicht nur er selbst, sondern auch seine Familienangehörigen werden in dieser Hölle elendiglich ihr Dasein fristen müssen. Ein Mensch, der etwas an sich nimmt, was einem brahmana gegeben oder von einem brahmana weggegeben wurde, ist dazu verurteilt, für mindestens 60.000 Jahre ein solch elendes Dasein zu führen wie ein Insekt im Kot. Deshalb lege Ich euch nahe, Meine Söhne und Verwandten: Nehmt niemals, nicht einmal versehentlich, das Eigentum eines brahmana an euch, denn durch eine solche Handlung würdet ihr eure ganze Familie ins Verderben stürzen. Wenn sich jemand auch nur wünscht, solches Eigentum zu besitzen, verkürzt sich sein Leben, ganz zu schweigen davon, wenn er versucht, es an sich zu reißen. Er wird von seinen Feinden besiegt und seiner königlichen Ehren beraubt werden, und wenn er seinen Körper aufgibt, wird er eine Schlange werden, denn dies sind Lebewesen, die anderen nur Leid zufügen. Meine lieben Söhne und Anverwandten, selbst wenn ein brahmana zornig auf euch wird, euch beschimpft oder euch etwas antut, rate Ich euch, von jeglicher Rache abzusehen und statt dessen zu lächeln, duldsam zu sein und ihm eure Achtung zu erweisen. Wie ihr wißt, bringe auch Ich den brahmanas mit großem Respekt dreimal am Tag Meine Ehrerbietungen dar. Ihr solltet daher Meiner Anweisung und Meinem Beispiel folgen. Ich werde niemandem vergeben, der dies unterläßt, sondern Ich werde ihn dafür bestrafen. Die Geschichte von König Nrga soll euch ein warnendes Beispiel sein, daß selbst jemand, der das Eigentum eines brahmana versehentlich an sich nimmt, in elendste Lebensumstände versetzt wird."

Auf diese Weise unterwies Sri Krsna, der stets darum bemüht ist, die bedingten Lebewesen zu läutern, nicht nur Seine Familienangehörigen und die Einwohner Dvarakas, sondern darüber hinaus auch alle Menschen zu allen Zeiten. Nach diesen Worten kehrte der Herr in Seinen Palast zurück.

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* Jemanden, der sich an sein vorheriges Leben erinnern kann, bezeichnet man als jati-smara.

** Früher pflegten die brahmanas ihre Opferfeuer nicht mit Streichhölzern oder einem anderen Feuer zu entzünden, sondern durch mächtige mantras, die man als arani bezeichnet.


Hiermit enden die Bhaktivedanta-Erläuterungen zum 63. Kapitel des Krsna-Buches: "Die Geschichte von König Nrga".