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Die Transzendentalen Spiele Sri Krishnas
Von Seiner Heiligkeit A.C. Bhaktivedanta Swami Prabhupada

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67. Kapitel: Die Heirat Sambas


Duryodhana, der Sohn Dhrtarastras, hatte eine Tochter im heiratsfähigen Alter mit Namen Laksmana. Sie besaß vortreffliche Eigenschaften, und deshalb wollten viele Prinzen sie heiraten. In solchen Fällen war es üblich, eine svayamvara-Zeremonie abzuhalten, so daß sich das Mädchen selbst ihren zukünftigen Mann aussuchen konnte. Als der Tag von Laksmanas svayamvara-Zeremonie gekommen war und sie sich gerade anschickte, ihren Gemahl zu wählen, erschien Samba, der Sohn Krsnas und Jambavatis, einer der Hauptfrauen des Herrn. Samba hatte seinen Namen deshalb erhalten, weil er ein sehr ungezogenes Kind war und sich immer in der Nähe seiner Mutter aufhielt. Samba bedeutet nämlich soviel wie "Muttersöhnchen" (amba bedeutet "Mutter" und sa "zusammen mit"). Samba hatte seinen Namen also bekommen, weil er so sehr an seiner Mutter hing, und aus demselben Grund war er auch als Jambavatisuta bekannt. Wie bereits an einer früheren Stelle gesagt wurde, besaßen alle Söhne Krsnas die gleichen Eigenschaften wie ihr berühmter Vater, Sri Krsna. Samba begehrte also die Tochter Duryodhanas, Laksmana, obwohl diese sich nicht zu ihm hingezogen fühlte. Daher entführte Samba sie mit Gewalt aus der svayamvara-Versammlung.

Weil Samba Laksmana gewaltsam geraubt hatte, waren sich alle Familienangehörigen der Kuru-Dynastie - Dhrtarastra, Bhisma, Vidura, Ujahan und Arjuna - darin einig, daß es für ihre Familientradition eine große Beleidigung darstelle, daß der Jüngling Samba es gewagt hatte, ihre Tochter zu entführen. Sie alle wußten, daß Laksmana nicht geneigt gewesen war, Samba zum Gemahl zu wählen, und daß sie nicht einmal die Möglichkeit bekommen hatte, ihren Gemahl selbst auszusuchen. Statt dessen war sie mit Gewalt von diesem Jüngling davongetragen worden. Sie erklärten einstimmig, daß Samba, der durch seine Unverschämtheit die Familientradition der Kurus verletzt hatte, bestraft werden müsse. Aus diesem Grund faßten sie auf den Rat der Familienältesten hin den Entschluß, den Jungen gefangenzunehmen, jedoch nicht zu töten. Ihnen war klar, daß das Mädchen nun mit niemand anderem mehr als mit Samba verheiratet werden konnte, da sie bereits von ihm berührt worden war. (Nach den Regeln der vedischen Kultur kann ein Mädchen, das schon einmal mit einem Mann Umgang gehabt hat, mit keinem anderen als mit diesem verheiratet werden. Abgesehen davon wäre auch niemand bereit gewesen, ein solches Mädchen zu heiraten.) Die Familienältesten, wie Bhisma, wollten Samba gefangennehmen, und so taten sich alle Angehörigen der Kuru-Dynastie, besonders die großen Kämpfer, zusammen, um ihm eine Lehre zu erteilen; Karna wurde zum Befehlshaber für dieses kleine Gefecht ernannt.

Während sich die Kurus berieten, wie Samba am besten zu fangen sei, waren sie sich durchaus bewußt, daß Sambas Gefangennahme die Yadus sehr erzürnen würde. Es war sehr wohl möglich, daß sie die Herausforderung annehmen und mit ihnen kämpfen würden. Doch die Kurus sagten sich: "Wenn die Yadus hierherkommen, um mit uns zu kämpfen, was könnten sie uns schon anhaben? Die Mitglieder der Yadu-Dynastie können den Mitgliedern der Kuru-Dynastie nicht gleichkommen, denn die Könige der Kuru-Dynastie sind die großen Herrscher, wohingegen sich die Könige der Yadu-Dynastie mit ihren Ländereien begnügen müssen." Die Kurus dachten: "Wenn sie hierherkommen und uns herausfordern, weil wir ihren Sohn gefangen haben, werden wir den Kampf trotzdem annehmen. Wir werden ihnen eine Lehre erteilen, so daß sie automatisch unterworfen werden, genau wie die Sinne beim mystischen yoga-Vorgang des pranayama* ."

Nach eingehender Beratung mit den beteiligten Kriegern erteilten die Ältesten der Kuru-Dynastie, wie Bhisma und Dhrtarastra, die Erlaubnis zum Kampf, und so machten sich sechs große Krieger zur Verfolgung Sambas bereit, nämlich Karna, Sala, Bhurisrava, Yajnaketu und Duryodhana, der Vater des Mädchens. Sie alle waren maha-rathis und wurden von dem berühmten Bhismadeva angeführt. Es gibt verschiedene Grade von Kriegern - maha-rathis, eka-rathis und rathis -, die sich entsprechend ihrer Stärke im Kampf voneinander unterscheiden. Die maha-rathis waren so stark, daß sie es allein mit vielen tausend Männern aufnehmen konnten. Samba wurde von sechs solchen maha-rathis verfolgt, die ihn gefangennehmen wollten. Samba war allerdings auch ein maha-rathi, doch er war allein und mußte gegen sechs andere maha-rathis kämpfen. Trotzdem ließ er sich nicht beirren, als er sah, daß ihn diese großen Krieger der Kuru-Dynastie verfolgten, um ihn gefangenzunehmen.

Allein wie er war, drehte sich Samba seinen Gegnern zu und griff zu seinem mächtigen Bogen. Er war furchtlos wie ein Löwe beim Anblick anderer Tiere, und so hörte er sich die Herausforderung des gegnerischen Anführers Karna an: "Warum läufst du davon? Bleib stehen, und wir werden dir eine Lehre erteilen!" Wenn ein ksatriya von einem anderen ksatriya zum Kampf herausgefordert wird, darf er nicht fliehen; er muß kämpfen. Daher nahm Samba die Herausforderung an und stellte sich seinen berühmten Gegnern allein zum Kampf, und sofort prasselte ein Pfeilhagel auf ihn nieder. Als Samba, der ruhmreiche Sohn der Yadu-Dynastie, der als Sohn Sri Krsnas unvorstellbare Kräfte besaß, sah, wie unritterlich die Krieger der Kuru-Dynastie mit ihren Pfeilen kämpften, wurde er zornig wie ein Löwe, der sich nicht im geringsten fürchtet, wenn er von Wölfen und Schakalen angegriffen wird. Samba, der sein großes Geschick im Kampfe offenbarte, schoß auf jeden der sechs Wagenlenker einen Pfeil ab und tötete sie alle; dann schoß er auf jeden der Streitwagen vier Pfeile ab und tötete dadurch die vier vorgespannten Pferde. Ein Pfeil wurde gebraucht, um den Fahrer zu töten, und einen Pfeil schoß er auf Karna sowie auf die anderen berühmten Krieger. Als Samba mit solcher Gewandtheit allein gegen die sechs großen Helden kämpfte, konnten diese nicht umhin, die unbegreifliche Kraft des Jünglings zu bewundern. Selbst inmitten des Kampfes gaben sie offen zu, daß Samba ein hervorragender Kämpfer sei. Doch der Kampf wurde im ksatriya-Geist ausgetragen, und so taten sie sich alle zusammen, obwohl dies regelwidrig war, und zwangen Samba gemeinsam, von seinem Streitwagen herunterzuspringen, den sie dann zertrümmerten. Vier der sechs Krieger töteten Sambas vier Pferde, und einem gelang es schließlich, Sambas Bogensehne zu zerschneiden, so daß er nicht mehr weiterkämpfen konnte. Auf diese Weise war zuerst ein erbitterter und mühevoller Kampf nötig gewesen, bevor es ihnen letzten Endes gelang, Samba, der nun seinen Streitwagen verloren hatte, gefangenzunehmen. Nachdem die Krieger der Kuru-Dynastie diesen grandiosen Sieg über Samba errungen hatten, nahmen sie ihm Laksmana, ihre Tochter, weg, und daraufhin zogen sie in großem Triumph in die Stadt Hastinapura ein.

Sofort unterrichtete der große Weise Narada die Yadu-Dynastie über Sambas Gefangennahme und erzählte ihnen alles, was geschehen war. Die Mitglieder der Yadu-Dynastie wurden sehr zornig, als sie hörten, daß die Kurus Samba gefangengenommen hatten, und dies auf unritterliche Weise, weil Samba allein gegen eine Überzahl von sechs Kriegern hatte kämpfen müssen. Sofort berieten sie sich mit dem Oberhaupt der Könige der Yadu-Dynastie, Ugrasena, und mit seiner Erlaubnis bereiteten sie sich vor, die Hauptstadt der Kuru-Dynastie anzugreifen.

Sri Balarama wußte sehr wohl, daß die Menschen im Kali-yuga schon bei der geringsten Spannung bereit sind, miteinander zu kämpfen. Obwohl auch die beiden großen Dynastien der Kurus und Yadus bereits vom Kali-yuga beeinflußt wurden, mißfiel Balarama die Vorstellung, daß sie sich den Krieg erklären wollten. "Anstatt daß wir mit ihnen kämpfen", dachte Er in Seiner Weisheit, "werde Ich Mich zu ihnen begeben und die Lage erkunden; vielleicht gelingt es Mir, den Kampf durch eine gegenseitige Aussprache zu verhindern." Balarama dachte, daß es Ihm möglich sein würde, die Schlacht zu verhindern, wenn sich die Kurus dazu bewegen ließen, Samba und seine Braut Laksmana freizugeben. Er ließ daher sogleich ein schönes Pferdegespann vorfahren um mit mehreren erfahrenen Priestern und brahmanas sowie einigen älteren Familienmitgliedern der Yadu-Dynastie nach Hastinapura zu fahren. Er war überzeugt, daß die Angehörigen der Kuru-Dynastie der Heirat Sambas und Laksmanas zustimmen würden, so daß ein Bruderkrieg vermieden werden konnte. Als Sri Balarama in Begleitung der gelehrten brahmanas und Familienältesten der Yadus auf Seinem Wagen nach Hastinapura fuhr, sah Er aus wie der Mond, der am klaren Himmel inmitten vieler glänzender Sterne leuchtet. Als Sri Balarama das Gebiet von Hastinapura erreichte, fuhr Er nicht in die Stadt hinein, sondern schlug Sein Lager bei einem kleinen Gartenhaus auf, das sich in den Parkanlagen außerhalb Hastinapuras befand. Dann bat Er Uddhava, die Führer der Kuru-Dynastie aufzusuchen und sie zu fragen, ob sie mit den Yadus kämpfen wollten oder zu einer friedlichen Übereinkunft bereit seien. In Hastinapura traf Uddhava alle wichtigen Führer der Kuru-Dynastie, wie Bhismadeva, Dhrtarastra, Dronacarya, Bali, Duryodhana und Bahlika, und nachdem er ihnen gebührende Achtung erwiesen hatte, teilte er ihnen mit, daß Sri Balarama bereits in den Parkanlagen vor der Stadt angekommen sei.

Die Führer der Kuru-Dynastie, insbesondere Dhrtarastra und Duryodhana, freuten sich sehr, als sie diese Neuigkeit hörten, denn sie wußten, daß Sri Balarama ein großer Freund und Gönner ihrer Familie war. Ihre Freude kannte keine Grenzen, und so hießen sie Uddhava herzlich willkommen. Um Sri Balarama würdig zu empfangen, stellten sie die verschiedensten glückverheißenden Gaben zusammen und begaben sich durch das Stadttor, wo sie Sri Balarama trafen. Jeder begrüßte Sri Balarama entsprechend seiner Stellung, indem sie Ihm prächtige Kühe überreichten und argha-Gaben** darbrachten. Weil sie alle Sri Balaramas erhabene Stellung als die Höchste Persönlichkeit Gottes kannten, verneigten sie sich vor Ihm mit großer Achtung. Auch tauschten sie Begrüßungsworte aus und fragten sich gegenseitig nach dem Wohlergehen. Als diese Formalitäten beendet waren, ergriff Sri Balarama mit ernstem und geduldigem Ton das Wort und gab ihnen mit Seinen Darlegungen folgendes zu bedenken: "Meine lieben Freunde, diesmal bin Ich als Bote im Auftrag des allmächtigen Königs Ugrasena zu euch gekommen. Bitte hört daher seiner Anweisung mit sorgfältiger Aufmerksamkeit zu und leistet dieser Anweisung Folge, ohne einen Augenblick zu verlieren. König Ugrasena weiß sehr wohl, daß ihr Krieger der Kuru-Dynastie mit dem frommen Samba, der allein war, unritterlich gekämpft habt und daß ihr ihn nur unter großen Schwierigkeiten und mit List gefangennahmt. Wir alle hörten davon, doch wir sind darüber nicht sehr erzürnt, da uns eine enge Verwandtschaft mit euch verbindet. Ich halte es nicht für richtig, daß unsere gute Beziehung unter diesem Vorfall leiden soll. Wir sollten unsere Freundschaft aufrechterhalten und nicht unnötig miteinander kämpfen. Laßt also bitte Samba auf der Stelle frei und bringt ihn zusammen mit seiner Braut Laksmana zu Mir."

Als Sri Balarama Seine Worte in solch befehlendem Ton und voller Heldenmut, Erhabenheit und Unerschrockenheit vortrug, waren die Führer der Kuru-Dynastie alles andere als erfreut, ja sie waren entrüstet und gerieten außer sich vor Zorn. "Was hören wir da!" riefen sie. "Erstaunliche Worte sind das, doch sie passen genau zum Zeitalter des Kali; wie sonst könnte Balarama so schmähend sprechen? Die Worte und der Tonfall Balaramas sind eine einzige Beleidigung. Unter dem Einfluß dieses Zeitalters scheint es, daß die Schuhe, die ihren Platz an den Füßen haben, die Stellung des Helmes auf dem Kopf einnehmen wollen. Wir sind mit der Yadu-Dynastie durch Heirat verwandt, und so bot sich den Yadus die Gelegenheit, in unsere Gemeinschaft zu kommen, am selben Tisch zu essen und bei uns zu schlafen; nun aber nutzen sie diese Vorrechte aus. Bevor wir ihnen einen Teil unseres Königreiches als Herrschaftsgebiet übergeben haben, besaßen sie so gut wie nichts - und nun versuchen sie, uns zu befehlen. Wir haben es der Yadu-Dynastie erlaubt, die königlichen Insignien zu gebrauchen, wie den Wedel, den Fächer, das Muschelhorn, den weißen Baldachin, die Krone, den Thron, den erhöhten Sitzplatz, die Bettstatt und alles, was sonst noch zum königlichen Stand gehört. Eigentlich hätten sie diese königlichen Würdezeichen in unserer Gegenwart gar nicht verwenden dürfen, doch weil zwischen uns so enge familiäre Beziehungen bestanden, haben wir sie nicht daran gehindert. Nun aber erdreisten sie sich, uns zu befehlen, was wir tun sollen. Nun gehen sie zu weit in ihrer Unverschämtheit! Es geht nicht mehr, daß sie sich solche Dinge erlauben, und wir werden nicht mehr länger mit ansehen, daß sie all diese königlichen Würdezeichen tragen. Es ist das beste, ihnen diese Dinge fortzunehmen, denn es ist unklug, eine Schlange mit Milch zu füttern, da solche Barmherzigkeit ihr Gift nur noch vergrößert. Die Yadu-Dynastie versucht nun, sich gegen uns, die wir sie gut ernährt haben, aufzulehnen. Ihr ganzer Wohlstand beruht einzig und allein auf unseren Gaben und unserer Gnade, und trotzdem sind sie so undankbar und schamlos, daß sie versuchen, uns Befehle zu erteilen. Wie bedauerlich dies alles ist! Niemand auf der Welt kann irgend etwas genießen, solange nicht die Mitglieder der Kuru-Dynastie, wie Bhisma, Dronacarya und Arjuna, ihre Erlaubnis dazu gegeben haben. Das Lamm lebt nur so lange, wie es der Löwe erlaubt! Ebenso kann ohne unsere Zustimmung niemand auch nur das geringste genießen, nicht einmal die Halbgötter im Himmel, samt ihrem Oberhaupt Indra, von gewöhnlichen Sterblichen ganz zu schweigen!" Die Mitglieder der Kuru-Dynastie waren durch ihren Reichtum, ihr Königreich, ihre adelige Herkunft, ihre Familientradition, ihre großen Krieger, ihre Familienmitglieder und ihr weitausgedehntes Imperium sehr hochmütig geworden. Sie hielten sich nicht einmal mehr an die grundlegenden Verhaltensregeln einer zivilisierten Gesellschaft und beleidigten die Yadu-Dynastie sogar in Sri Balaramas Gegenwart. Nachdem sie solch unverfrorene und respektlose Reden geführt hatten, drehten sie sich um und kehrten in ihre Stadt zurück.

Obwohl Sri Balarama all diese Beleidigungen zugelassen und ihr ungehöriges Verhalten wortlos zur Kenntnis genommen hatte, konnte man doch an Seinem Äußeren erkennen, daß unbeugsamer Zorn in Ihm loderte und daß Er bereits über eine fürchterliche Vergeltung nachsann. Er sah so erregt aus, daß kaum jemand es wagte, Ihn auch nur anzuschauen. Er lachte laut auf und sagte: "Es ist tatsächlich wahr: Wenn sich ein Mensch zuviel auf seine Familie, seinen Reichtum, seine Schönheit und seinen materiellen Fortschritt einbildet, will er nicht mehr in Frieden leben, sondern fängt mit jedem Streit an. Es ist sinnlos, einem solchen Menschen zu erklären, wie man sich gut benimmt und ein friedliches Leben führt; vielmehr sollte man Mittel und Wege finden, ihn zu bestrafen." Im allgemeinen werden die Menschen durch materiellen Reichtum zu Tieren, und einem Tier gute Ratschläge zu geben ist sinnlos. Das einzige, was hilft, ist das argumentum baculum, das heißt, das einzige Mittel, unter Tieren Ordnung zu halten, ist ein Stock. Balarama fuhr fort: "Seht nur, wie unverschämt die Angehörigen der Kuru-Dynastie sind! Ich bin hierhergekommen, um ein friedliches Abkommen zu schließen, obwohl alle anderen Mitglieder der Yadu-Dynastie, selbst Sri Krsna, sehr zornig sind. Sie wollten schon das Königreich der Kurus angreifen, doch Ich besänftigte sie und machte Mir die Mühe, persönlich hierherzukommen, um die ganze Angelegenheit friedlich beizulegen. Doch schaut, wie diese Schurken sich verhalten! Es ist offensichtlich, daß sie eine friedliche Lösung gar nicht wollen, sondern daß sie in Wirklichkeit nichts anderes als den Krieg suchen. Hochmütig haben sie Mich wiederholt beleidigt, indem sie die Yadu-Dynastie grob beschimpften.

Selbst Indra, der König des Himmels, gehorcht dem Befehl der Yadu-Dynastie, und ihr glaubt, König Ugrasena, das Oberhaupt der Bhojas, Vrsnis, Andhakas und Yadavas, sei bloß ein kleiner Fürst mit einem kleinen Heer! Welch köstliche Ansichten! Ihr wißt König Ugrasena nicht zu achten, obwohl sein Befehl selbst von König Indra befolgt wird. Habt ihr vergessen, wie erhaben die Stellung der Yadus ist? Sie haben sich gewaltsam des Versammlungshauses und des parijata-Baumes von den himmlischen Planeten bemächtigt, und trotzdem habt ihr die Vermessenheit, immer noch zu denken, sie könnten euch keine Befehle erteilen. Ihr glaubt doch nicht etwa im Ernst, Sri Krsna, die Höchste Persönlichkeit Gottes, sei unwürdig, auf dem erhöhten Königsthron zu sitzen und jedem Befehle zu erteilen? Nun gut! Wenn ihr dies tatsächlich glaubt, habt ihr eine gründliche Lektion verdient! Ihr habt gesagt, es sei falsch, daß die Yadu-Dynastie die königlichen Insignien verwende, wie den Wedel, den Fächer, den weißen Baldachin, den Königsthron und andere Würdezeichen des Königsstandes. Wollt ihr damit sagen, daß selbst Sri Krsna, der Herr der gesamten Schöpfung und der Gemahl der Glücksgöttin, diese Würdezeichen nicht verwenden dürfe? Der Staub von den Lotosfüßen Sri Krsnas wird von allen großen Halbgöttern verehrt. Und weil der Ganges, der durch das ganze Universum fließt, von Seinen Lotosfüßen ausgeht, haben sich seine Ufer in vielbesuchte Pilgerstät-ten verwandelt. Die führenden Halbgötter aller Planeten beschäftigen sich in Seinem Dienst und schätzen sich sehr glücklich, den Staub von Seinen Lotosfüßen auf ihre Helme reiben zu dürfen. Große Halbgötter, wie Brahma und Siva, sowie die Glücksgöttin, ja sogar Ich Selbst, sind lediglich Teilerweiterungen Seiner spirituellen Persönlichkeit - und ihr glaubt immer noch, Er sei es nicht wert, die königlichen Würdezeichen zu verwenden oder auf dem Königsthron zu sitzen? Ach, wie bedauerlich es ist, daß diese Dummköpfe uns, die Mitglieder der Yadu-Dynastie, mit Schuhen vergleichen und sich selbst mit Helmen. Nun ist es klar, daß die Führer der Kuru-Dynastie durch ihren weltlichen Besitz und durch ihren Reichtum verrückt geworden sind. Alles, was sie vorbrachten, war voll verrückter Anmaßungen. Ich muß sie auf der Stelle zur Rechenschaft ziehen und sie wieder zur Vernunft bringen. Wenn Ich nichts gegen sie unternehme, wäre dies ein großer Fehler Meinerseits. Ich werde daher noch heute jegliche Spur der Kuru-Dynastie vom Erdboden verschwinden lassen. Jawohl, Ich werde sie kurzerhand ausrotten!" Als Sri Balarama dies sagte, sah Er so zornig aus, als wolle Er im nächsten Augenblick die gesamte kosmische Manifestation zu Asche verbrennen. Er richtete Sich auf, ergriff Seine Pflugschar und schlug mit ihr auf den Boden. Dadurch löste sich ganz Hastinapura vom Festland, und Sri Balarama machte Sich daran, die Stadt in Richtung Ganges zu ziehen. Dabei liefen schwere Erschütterungen wie bei einem Erdbeben durch Hastinapura, und die ganze Stadt drohte in sich zusammenzubrechen.

Als die Angehörigen der Kuru-Dynastie sahen, daß ihre Stadt nahe daran war, in die Fluten des Ganges zu stürzen, und als sie die Angstschreie der Bürger vernahmen, kamen sie zur Vernunft und verstanden, was geschah. Ohne auch nur eine Sekunde zu verlieren, brachten sie daher ihre Tochter Laksmana und Samba, ihren Entführer, herbei, und auf diese Weise begaben sie sich, angeführt von Samba, dem Laksmana folgte, zu Sri Balarama. Mit gefalteten Händen erschienen die Mitglieder der Kuru-Dynastie vor Sri Balarama, um Ihn, die Höchste Persönlichkeit Gottes, um Vergebung zu bitten. Diesmal waren sie vernünftiger und sagten: "O Sri Balarama, Du bist der Quell aller Freude. Du bist der Erhalter und die Stütze des gesamten Kosmos. Aber leider waren wir uns Deiner unvorstellbaren Kräfte nicht bewußt. Lieber Herr, betrachte uns bitte als die größten Narren. Unsere Intelligenz war verwirrt. Wir sind daher zu Dir gekommen, um Dich um Verzeihung zu bitten. Bitte vergib uns. Du bist der ursprüngliche Schöpfer, Erhalter und Vernichter der gesamten kosmischen Manifestation, und trotzdem befindest Du Dich stets in einer transzendentalen Stellung. O allmächtiger Herr, die großen Weisen sprechen über nichts anderes als über Dich. Du bist der ursprüngliche Puppenspieler, und alles Existierende in der Welt ist wie Dein Spielzeug. O unbegrenzter Herr, hinter allem stehst Du. Du trägst alle Planetensysteme auf Deinem Kopf, als sei es ein Kinderspiel. Wenn die Zeit der Vernichtung kommt, nimmst Du die ganze materielle Manifestation in Dich auf, und dann gibt es nur noch Dich allein, der Du als Maha-Visnu auf dem Ozean der Ursachen ruhst. Lieber Herr, Du bist in Deinem transzendentalen Körper auf der Erde erschienen, um die kosmische Ordnung aufrechtzuerhalten. Du bist jenseits von Zorn, Neid und Feindschaft. Alles, was Du tust, selbst in Form von Bestrafungen, ist für die ganze Schöpfung glückverheißend. Wir bringen Dir unsere achtungsvollen Ehrerbietungen dar, denn Du bist die unvergängliche Höchste Persönlichkeit Gottes, das Behältnis aller Füllen und Kräfte. O Schöpfer unzähliger Universen, wir fallen vor Dir zu Boden und bringen Dir immer wieder unsere achtungsvollen Ehrerbietungen dar. Wir sind Dir nun völlig ergeben. Sei uns daher bitte barmherzig gesinnt, o Herr, und gewähre uns Deinen Schutz." Als die berühmten Mitglieder der Kuru-Dynastie, angefangen mit Großvater Bhismadeva bis hin zu Arjuna und Duryodhana, auf diese Weise ihre ehrfürchtigen Gebete dargebracht hatten, zeigte die Höchste Persönlichkeit Gottes, Sri Balarama, sogleich Sanftmut und versicherte ihnen, daß sie nichts mehr zu befürchten hätten.

Unter den ksatriya-Königen war es ein weitverbreiteter Brauch, daß es vor einer Hochzeit zwischen der Partei der Braut und des Bräutigams zu einem Kampf kam. Als Samba Laksmana entführte, waren die Ältesten der Kuru-Dynastie sehr erfreut, zu sehen, daß er ein würdiger Mann für ihre Tochter war; doch weil sie sich von seiner Kraft überzeugen wollten, kämpften sie mit ihm und nahmen ihn, ohne jede Rücksicht auf die Kampfregeln, gefangen. Als die Yadus dann beschlossen, Samba aus der Gewalt der Kurus zu befreien, kam Sri Balarama persönlich, um die Angelegenheit zu regeln, und da Er ein mächtiger ksatriya-König war, befahl Er den Kurus, Samba unverzüglich freizulassen. Als die Kauravas diesen Befehl vernahmen, fühlten sie sich scheinbar beleidigt, und so forderten sie Sri Balaramas Macht heraus. Im Grunde jedoch wollten sie nur sehen, wie Er Seine unergründliche Stärke offenbaren würde. Deshalb gaben sie nun Samba voller Freude die Hand ihrer Tochter, und so fand die ganze Angelegenheit ein glückliches Ende. Duryodhana, der seiner Tochter Laksmana sehr zugeneigt war, veranstaltete für sie eine pompöse Hochzeitsfeier. Als Mitgift übergab er ihr zuerst 1.200 Elefanten, von denen jeder mindestens 60 Jahre alt war; dazu gab er 10.000 prächtige Pferde, 6.000 Streitwagen, die wie die Sonne glänzten, und 1.000 Dienerinnen, die mit goldenem Geschmeide geschmückt waren. Sri Balarama, das berühmteste Mitglied der Yadu-Dynastie, wirkte als Sambas Trauzeuge und nahm mit Freuden die Mitgift entgegen. Balarama war mit der großartigen und feierlichen Aufnahme, die Ihm die Kurus bereitet hatten, sehr zufrieden, und in Begleitung des frischvermählten Paares machte Er Sich auf den Rückweg in Seine Hauptstadt Dvaraka.

Im Triumph erreichte Sri Balarama Dvaraka, wo Er mit vielen Bürgern zusammentraf, die alle Seine Geweihten und Freunde waren. Als sie sich alle um Ihn versammelt hatten, erzählte Er ihnen die ganze Geschichte von Sambas Heirat, und sie waren sehr erstaunt, als sie hörten, wie Balarama die Stadt Hastinapura hatte erbeben lassen. Sukadeva Gosvami bestätigt, daß Hastinapura an der Stelle lag, wo sich heute Neu-Delhi befindet. Der Fluß, der durch die Stadt fließt, ist heute als Yamuna bekannt, obwohl er in jenen Tagen als Ganges bezeichnet wurde. In diesem Zusammenhang weisen große Autoritäten, wie Jiva Gosvami, darauf hin, daß es sich bei dem Ganges und der Yamuna um den gleichen Fluß handelt, der lediglich verschiedenen Läufen folgt. Der Teil des Ganges, der durch Hastinapura in das Gebiet von Vrndavana fließt, wird als Yamuna bezeichnet, da er durch die transzendentalen Spiele Sri Krsnas geheiligt ist. Der Teil von Hastinapura, der sich gegen die Yamuna hin erstreckt, wird während der Regenzeit überflutet, und dies erinnert jeden an Sri Balaramas Drohung, die Stadt in den Ganges zu stürzen.

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 * Durch das mechanische System des mystischen yoga können die Lebenslüfte im Körper unter Kontrolle gebracht und die Sinne beherrscht werden, indem man sie davon abhält, sich mit etwas anderem als mit der Meditation über Sri Visnu zu beschäftigen.

** argha - eine Zusammenstellung mehrerer Gegenstände, wie z.B. aratrika-Wasser, Süßigkeiten aus Honig, Butter usw., Blumen und Girlanden, die mit wohlriechenden Essenzen besprengt sind.


Hiermit enden die Bhaktivedanta-Erläuterungen zum 67. Kapitel des Krsna-Buches: "Die Heirat Sambas".