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Die Transzendentalen Spiele Sri Krishnas
Von Seiner Heiligkeit A.C. Bhaktivedanta Swami Prabhupada

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66. Kapitel: Die Befreiung des Gorillas Dvivida


Während Sukadeva Gosvami über die transzendentalen Spiele und Eigenschaften Sri Krsnas sprach, nahm Maharaja Pariksits Begeisterung immer mehr zu, und er bat darum, mehr zu hören. Als nächstes erzählte Sukadeva Gosvamidie Geschichte des Gorillas Dvivida, der von Sri Balarama getötet wurde.

Dieser Gorilla war ein enger Freund Bhaumasuras, oder Narakasuras, der von Krsna getötet wurde, nachdem er mehr als 16.000 Prinzessinnen aus allen Teilen der Welt entführt hatte. Dvivida war der Minister König Sugrivas. Sein Bruder, Mainda, war ebenfalls ein sehr mächtiger Gorillakönig. Als dem Gorilla Dvivida zu Ohren kam, daß sein Freund Bhaumasura von Sri Krsna getötet worden war, beschloß er, das gesamte Land mit Verwüstungen heimzusuchen, um den Tod Bhaumasuras zu rächen. Als erstes setzte er Dörfer, Städte, Fabriken und Bergwerke in Brand und legte dann auch Feuer in den Siedlungen der vaisyas, die Milchwirtschaft betrieben und die Kühe beschützten. Zuweilen riß er auch einen gewaltigen Berg aus der Erde und schmetterte ihn in Stücke. Auf diese Weise richtete er überall im Land, insbesondere in der Provinz Kathwar, großen Schaden an. In der Provinz Kathwar lag auch die Stadt Dvaraka, und weil Sri Krsna in dieser Stadt lebte, machte Dvivida sie ganz besonders zum Ziel seiner Angriffe.

Dvivida war so kräftig wie 10.000 Elefanten. Manchmal ging er an den Meeresstrand und erzeugte dort mit seinen riesigen Händen so hohe Wellen, daß die umliegenden Städte und Dörfer überflutet wurden. Oft ging er auch zu den Einsiedeleien der großen Weisen und Heiligen und richtete dort großen Schaden an, indem er ihre schönen Gärten und Obstpflanzungen zerstörte. Manchmal suchte Dvivida sogar die heiligen Opferstätten heim und ließ dort Urin und Kot ab, wodurch er die ganze Atmosphäre entweihte. Er entführte auch Männer und Frauen aus ihren Häusern und brachte sie in Berghöhlen, deren Eingänge er mit großen Felsblöcken verschloß - wie das bhrngi-Insekt, das Fliegen und andere Insekten fängt und sie in die Baumlocher bringt, in denen es lebt. So verstieß Dvivida ständig gegen das Gesetz und die Ordnung des Landes. Doch er tat nicht nur das, sondern er entehrte manchmal sogar die Frauen adliger Familien, indem er sie vergewaltigte.

Während er auf diese Weise im ganzen Land Schrecken verbreitete, drang zuweilen aus den Raivataka-Bergen süße Musik an sein Ohr, und so besah er sich eines Tages diese Berggegend ein wenig näher. Auf diesem Streifzug erblickte er plötzlich Sri Balarama, der Sich inmitten vieler lieblicher junger Mädchen mit Singen und Tanzen vergnügte. Dvivida war von der körperlichen Erscheinung Sri Balaramas gefangen, dessen Schönheit durch eine Girlande aus Lotosblumen noch vergrößert wurde. Auch all die Mädchen, die kostbar gekleidet und mit Blumen bekränzt waren, entfalteten eine graziöse Schönheit. Es schien, als sei Sri Balarama vom Varuni-Trank völlig berauscht, und Seine Augen rollten hin und her. Er glich dem König der Elefanten, der sich mit vielen Elefantenkühen vergnügt.

Der Gorilla Dvivida war erfahren darin, auf Bäume zu klettern und von Ast zu Ast zu springen. Manchmal riß er an den Ästen und stieß dabei ein typisches Geräusch aus, das wie kila, kila klang, wodurch Sri Balarama in Seiner friedlichen Stimmung beträchtlich gestört wurde. Manchmal sprang Dvivida unvermittelt vor die Mädchen und schnitt allerlei Grimassen. Junge Frauen neigen von Natur aus dazu, über alles zu kichern und zu scherzen, und so nahmen sie auch den Gorilla nicht ernst, als er plötzlich vor ihnen erschien, sondern lachten ihn nur aus. Dvivida wurde schließlich so unverschämt, daß er den Mädchen, trotz Balaramas Gegenwart, den unteren Teil seines Körpers zeigte, und manchmal trat er unversehens ganz dicht an sie heran, fletschte seine Zähne und bewegte dabei wild die Augenbrauen hin und her. Kurzum, sein Verhalten gegenüber den jungen Mädchen war skandalös, und nicht einmal Balaramas Gegenwart schien ihm Eindruck zu machen.

Sri Balaramas Name deutet an, daß Er nicht nur sehr kräftig ist, sondern daß es Ihm auch große Freude bereitet, von Seiner außergewöhnlichen Kraft Gebrauch zu machen. Er nahm daher einen Stein vom Boden auf und warf ihn nach Dvivida. Der Gorilla wich dem Stein jedoch geschickt aus. Um Balarama zu beleidigen, griff er nach dem irdenen Topf, in dem der Varuni-Honig aufbewahrt wurde, und nachdem er sich völlig betrunken hatte, machte er sich daran, mit seiner begrenzten Kraft Balarama und den Mädchen, die bei Ihm waren, die kostbaren Kleider vom Körper zu reißen. Er war so eingebildet, daß er glaubte, Balarama könne nichts gegen ihn unternehmen, und so beleidigte er Balaramaji und Seine Gefährtinnen weiter.

Als Sri Balarama persönlich sah, wie widerwärtig sich der Gorilla benahm, und hörte, daß er bereits im ganzen Land Verwüstungen angerichtet hatte, wurde Er sehr zornig und beschloß, ihn zu töten. Er ergriff sogleich Seine Keule, und der Gorilla erkannte, daß es Balarama nun ernst meinte. Um sich zu verteidigen, ging der Gorilla sogleich selbst zum Angriff über, riß eine gewaltige Eiche aus dem Boden und ließ sie auf Sri Balarama niedersausen; doch Sri Balarama, ungerührt wie ein Berg, packte den großen Baum im Flug und holte gleichzeitig mit Seiner Keule namens Sunanda aus und versetzte dem Gorilla damit heftige Schläge. Dvividas Kopf wurde übel zugerichtet, und Ströme von Blut quollen hervor, doch der Blutstrom vergrößerte seine Schönheit nur noch, wie ein Lavastrom, der über eine Bergflanke hinunterfließt. Dem Gorilla schienen die Keulenschläge Balaramas nicht das geringste auszumachen. Im Gegenteil, er entwurzelte sogleich eine zweite Eiche, streifte rasch alle Blätter ab und schlug mit ihr wieder nach Balaramas Kopf; doch Balarama zerschmetterte den Baum mit Seiner Keule in viele kleine Stücke. Außer sich vor Wut, riß Dvivida erneut einen Baum aus und schlug nach Sri Balarama, und erneut zertrümmerte Sri Balarama den Baum in tausend Stücke. Und so setzte sich der Kampf fort: Der Gordla griff mit einem Baum an, Sri Balarama zertrümmerte ihn mit Seiner Keule, dann der nächste Baum, und wieder dasselbe - bis zu guter Letzt im Wald kein einziger Baum mehr stand. Weil Dvivida keine Bäume mehr zurVerfügung standen, machte er sich über die Hügel her und schleuderte riesige Felsbrocken, so dicht wie Regen, auf Balaramas Körper herab, doch Sri Balarama, der ebenfalls zum Kämpfen aufgelegt war, zerschmetterte in elegantem Stil all diese Felsbrocken zu kleinen Steinchen. Als dem Gorilla schließlich alle Bäume und Felsbrocken ausgegangen waren, stand er direkt Sri Balarama gegenüber und schwang seine Riesenfäuste durch die Luft. Dann griff er an und boxte mit aller Gewalt gegen Sri Balaramas Brust. Dies nun war zuviel, und Sri Balarama geriet in großen Zorn. Aber weil Ihn der Gorilla mit den bloßen Fäusten angriff, wollte Er nicht von Seinen Waffen, der Keule oder der Pflugschar, Gebrauch machen. So schlug Er einfach mit Seiner Faust gegen das Schlüsselbein des Gorillas, und damit war es um ihn geschehen. Dvivida spie sofort Blut und fiel leblos zu Boden. Als der Gorilla niederstürzte, schienen die Hügel und Wälder zu erzittern.

Nach diesem schrecklichen Ereignis überschütteten die Siddhas von den höheren Planetensystemen Sri Balarama mit Blumen, und dazu erklangen Gesänge, die die Allmacht Sri Balaramas priesen. Sie alle chanteten: "Gepriesen sei Sri Balarama! Wir bringen Deinen Lotosfüßen unsere achtungsvollen Ehrerbietungen dar. Dadurch, daß Du den großen Dämon Dvivida getötet hast, hast Du für die ganze Welt eine glückliche Ära eingeleitet." Diese jubelnden Siegesgesänge drangen aus dem Weltraum auf die Erde herunter. Nachdem Balarama auf diese Weise den großen Dämon Dvivida getötet hatte und mit einem Blumenregen und ruhmreichen Siegesgesängen verehrt worden war, kehrte Er in Seine Hauptstadt, Dvaraka, zurück.

Hiermit enden die Bhaktivedanta-Erläuterungen zum 66. Kapitel des Krsna-Buches: "Die Befreiung des Gorillas Dvivida".