In einer großen
Versammlung von ehrenwerten
Bürgern, Freunden, Verwandten, brahmanas,
ksatriyas
und vaisyas wandte sich König
Yudhisthira vor allen
Anwesenden, einschließlich seiner Brüder,
direkt an Sri
Krsna und sagte: "Mein lieber Sri
Krsna, der Herrscher
der Welt hat die Pflicht, das als rajasuya-yajna bekannte
Opfer durchzuführen, das als der
König aller Opfer gilt.
Durch die Darbringung dieses Opfers
möchte ich alle
Halbgötter erfreuen, die Deine bevollmächtigten Vertreter
in der materiellen Welt sind, und ich möchte Dich bitten,
mir bei diesem großen Vorhaben gütigerweise zu helfen,
so daß es zu einem Erfolg
wird. Was uns Pandavas
betrifft, so gibt es nichts, was
wir von den Halbgöttern
begehren; wir persönlich sind völlig
damit zufrieden,
Deine Geweihten zu sein. Du sagst in der Bhagavad-gita:
'Menschen, die durch materielle Begierden
verwirrt sind,
verehren die Halbgötter.' Dies jedoch
ist nicht unsere
Absicht. Ich möchte das rajasuya-Opfer abhalten und die
Halbgötter dazu einladen, um ihnen
zu zeigen, daß sie
unabhängig von Dir keine Macht
besitzen. Sie alle sind
Deine Diener, und Du bist die
Höchste Persönlichkeit
Gottes. Narren mit einem spärlichen
Maß an Wissen
halten Dich, o Herr, für einen
gewöhnlichen Menschen.
Manchmal versuchen sie, Fehler in
Dir zu finden, und
manchmal lästern sie Dich sogar.
Dies ist der Grund,
warum ich das rajasuya-yajna durchführen
will. Ich
möchte dazu alle Halbgötter einladen,
angefangen mit
Brahma, Siva und
anderen hohen Herrschern der
himmlischen Planeten, und in dieser großen Versammlung
von Halbgöttern aus allen Teilen des Universums will ich
deutlich zum Ausdruck bringen, daß
Du die Höchste
Persönlichkeit Gottes bist und daß jeder Dein Diener ist.
Mein lieber Herr, wer ständig ins
Krsna-Bewußtsein
vertieft ist und an Deine Lotosfüße oder an Deine Schuhe
denkt, wird mit Sicherheit von aller durch das
materielle
Leben entstandenen Verunreinigung frei.
Diejenigen, die
sich in völligem
Krsna-Bewußtsein Deinem Dienst
widmen und über Dich allein meditieren und Dir Gebete
darbringen, sind geläuterte Seelen. Weil
sie ständig im
Krsna-Bewußtsein, dem
hingebungsvollen Dienst,
beschäftigt sind, erlangen sie Befreiung
vom Kreislauf
wiederholter Geburten und Tode. Sie
begehren nicht
einmal danach, vom materiellen Dasein befreit zu werden,
geschweige denn, materielle Güter zu genießen, denn ihre
Beschäftigung im
Krsna-Bewußtsein bedeutet die
Erfüllung all ihrer Wünsche. Was uns betrifft, so sind wir
Deinen Lotosfüßen völlig ergeben, und
durch Deine
Gnade ist uns das Glück zuteil geworden, Dich persönlich
zu sehen. Aus diesem Grund ist es nur natürlich, daß wir
keine Verlangen nach materiellen Gütern
hegen. Die
Schlußfolgerung der vedischen Weisheit
besagt, daß Du
die Höchste Persönlichkeit Gottes bist.
Diese Tatsache
will ich verkünden, und ich will
der Welt zeigen, welch
ein Unterschied darin
besteht, Dich als die
Höchste
Persönlichkeit Gottes oder
einfach nur als eine gewöhnliche mächtige
historische Persönlichkeit zu
betrachten. Ich will der Welt zeigen, daß man die höchste
Vollkommenheit des Lebens erreichen kann,
wenn man
einfach bei Deinen Lotosfüßen Zuflucht
sucht. So wie
man alle Äste, Zweige, Blätter und Blüten eines Baumes
nähren kann, wenn man einfach die
Wurzeln begießt, so
findet das Leben eines Menschen,
der sich dem Krsna-Bewußtsein zuwendet, materiell wie auch
spirituell seine
Erfüllung.
Das bedeutet jedoch nicht, daß Du
jemanden, der
Krsna-bewußt ist, bevorzugst und
jemanden, der nicht
Krsna-bewußt ist, benachteiligst. Wie Du
Selbst erklärt
hast, bist Du allen gleichgesinnt. Es ist gar nicht möglich,
daß Du voreingenommen bist und einige bevorzugst und
andere vernachlässigst, denn Du weilst
als Überseele im
Herzen aller Lebewesen und läßt
ihnen gemäß ihren
fruchtbringenden Tätigkeiten entsprechende Ergebnisse
zukommen. Du gibst jedem Lebewesen
die Gelegenheit,
die materielle Welt so zu genießen,
wie es sein Wunsch
ist. Als Überseele befindest Du Dich zusammen mit dem
Lebewesen im Körper und gibst ihm die Ergebnisse seiner
Tätigkeiten wie auch die Möglichkeiten,
sich durch die
Entwicklung von
Krsna-Bewußtsein Deinem hingebungsvollen Dienst zuzuwenden. Du
erklärst offen, daß
man sich Dir ergeben
und alle anderen Arten
von
Beschäftigungen hinter sich lassen soll und daß Du Dich
einer solch ergebenen Seele annehmen
und sie von den
Folgen aller Sünden befreien wirst.
Du bist wie der
Wunschbaum auf den himmlischen Planeten,
der einem
jede Segnung gewährt, die man sich wünscht. Jedem steht
es frei, die höchste Vollkommenheit
zu erlangen; doch
wenn sich jemand dies nicht
wünscht, wer könnte Dich
dann der Voreingenommenheit anklagen,
wenn Du ihm
nur Segnungen von geringerem Wert zukommen läßt?
Auf diese Erklärung König Yudhisthiras hin erwiderte
Sri Krsna: "Mein lieber König
Yudhisthira, o Töter der
Feinde, o vorbildliche
Gerechtigkeit in Person, dein
Entschluß, das rajasuya-Opfer
durchzuführen, findet
Meine volle
Zustimmung. Durch
diese große
Opferzeremonie wird Dein Name für
alle Zeit einen
hohen Rang in der Geschichte der Menschheit einnehmen.
Mein lieber König, Ich darf dir sagen, daß es der Wunsch
aller großen Weisen und Halbgötter
sowie all deiner
Vorväter, Verwandten
und Freunde, einschließlich
Meiner selbst, ist,
daß Du diese
Opferzeremonie
durchführst, und Ich glaube, daß
sie jedem Lebewesen
zugute kommen wird. Doch weil es der Notwendigkeit der
Gegenwart entspricht, bitte Ich dich,
zuerst alle anderen
Könige der Welt zu unterwerfen und
alle erforderlichen
Bestandteile für die Durchführung dieses
großen Opfers
zusammenzutragen. Mein lieber König, deine vier Brüder
sind direkte Repräsentanten von bedeutenden Halbgöttern
wie Varuna, Indra und anderen.* Deine Brüder sind große
Helden, und du selbst bist der
frömmste König mit der
größten Selbstbeherrschung, weshalb du
als Dharmaraja
bekannt bist. Ihr alle seid in
Meinem hingebungsvollen
Dienst so
fortgeschritten, daß
ihr Mir nahezu
gleichkommt."
Sri Krsna verriet König Yudhisthira, daß Er durch die
Liebe desjenigen erobert werden könne,
der seine Sinne
bezwungen habe.
Jemand, der seine
Sinne nicht
bezwungen hat, kann auch die
Höchste Persönlichkeit
Gottes nicht bezwingen. Das
ist das Geheimnis des
hingebungsvollen Dienstes. Die
Sinne zu bezwingen
bedeutet, sie unablässig
im Dienst des Herrn zu
beschäftigen. Und
die besondere
Eigenschaft der
Pandavas war es, daß sie ihre Sinne ständig in den Dienst
des Herrn stellten. Wer seine Sinne
auf diese Weise
gebraucht, wird gereinigt, und erst mit gereinigten Sinnen
kann man dem Herrn wirklich dienen. Dann kann der Herr
von dem
Gottgeweihten durch
transzendentalen
liebevollen Dienst erobert werden.
Sri Krsna fuhr fort: "Es gibt
niemanden in den drei
Welten des Universums, nicht einmal unter den mächtigen
Halbgöttern, der Meine Geweihten in
einer der sechs
Füllen, nämlich Reichtum,
Stärke, Ruhm, Schönheit,
Wissen und Entsagung, übertreffen kann. Wenn du daher
die weltlichen Könige unterwerfen willst,
gibt es für sie
keine Aussicht auf Sieg."
Als König Yudhisthira diese ermutigenden
Worte Sri
Krsnas hörte, erstrahlte sein Gesicht vor transzendentaler
Freude wie eine erblühende Blume,
und er trug seinen
jüngeren Brüdern
auf, in alle
Himmelsrichtungen
auszuziehen und alle Könige der
Welt zu besiegen. Sri
Krsna ermächtigte die Pandavas, damit
sie Seine große
Mission zu erfüllen vermochten, die
darin bestand, alle
gottlosen Elemente auf der Welt zu vernichten und Seine
gläubigen Geweihten
zu beschützen.
In Seiner
vierarmigen Gestalt als Visnu trägt der Herr deshalb vier
verschiedene Symbole:
Einerseits trägt
Er eine
Lotosblume und ein Muschelhorn und
andererseits eine
Keule und ein Feuerrad. Die Keule und das Feuerrad sind
für die Nichtgottgeweihten bestimmt, doch weil der Herr
der Höchste Absolute ist, haben all Seine Waffen letzten
Endes die gleiche Wirkung. Mit der
Keule und dem
Feuerrad bestraft Er die Schurken, damit sie zur Vernunft
kommen und erkennen, daß sie nicht
das ein und alles
sind, denn über ihnen steht der
Höchste Herr. Dadurch,
daß Er in Sein
Muschelhorn bläst und
mit Seiner
Lotosblume Segnungen
erteilt, versichert
er den
Gottgeweihten stets, daß sie niemals
bezwungen werden
können, nicht einmal in der größten
Not. Durch Sri
Krsnas Worte bestärkt, wies König
Yudhisthira seinen
jüngsten Bruder Sahadeva
an, zusammen mit den
Soldaten des Srnjaya-Geschlechts die südlichen Länder zu
unterwerfen. Nakula gab er den Auftrag, begleitet von den
Soldaten aus Matsyadesa, die Könige
im Westen zu
besiegen. Arjuna sollte mit den Soldaten aus Kekayadesa
die Könige in den nördlichen
Ländern besiegen und
Bhimasena zusammen mit den Soldaten
aus Madradesa
(Madras) die Könige des Ostens.
Hierzu sei bemerkt, daß König
Yudhisthira, der seine
Brüder in alle Richtungen auf Eroberungszüge aussandte,
nicht beabsichtigte, den Königen den
Krieg zu erklären.
Eigentlich zogen die vier Brüder nur aus, um den Königen
mitzuteilen, daß König
Yudhisthira beabsichtige, das
rajasuya-Opfer durchzuführen.
Damit wurden sie
aufgefordert, die für das Opfer notwendigen Abgaben zu
entrichten. Wenn ein König den
Tribut zahlte, bedeutete
dies, daß er
sich Kaiser
Yudhisthiras Herrschaft
unterwarf. Wenn dies ein König jedoch ablehnte, kam es
unweigerlich zum Kampf. Auf diese Weise gelang es den
Pandava-Brüdern durch ihre Macht und ihr Ansehen, alle
Könige zu unterwerfen
und genügend Abgaben und
Geschenke zu beschaffen,
die sie allesamt König
Yudhisthira, ihrem Bruder, überbrachten.
König Yudhisthira war indessen sehr
besorgt, als ihm
mitgeteilt wurde, König Jarasandha von
Magadha sei
nicht gewillt, seine Oberhoheit
anzuerkennen. Als Sri
Krsna König Yudhisthiras Besorgnis sah, erklärte Er ihm
Uddhavas Plan, wie König Jarasandha zu bezwingen sei.
Wenig später begaben sich Bhimasena,
Arjuna und Sri
Krsna, als brahmanas verkleidet, auf
den Weg nach
Girivraja, der Hauptstadt Jarasandhas. Dies entsprach dem
Plan, den Uddhava ersonnen hatte,
kurz bevor Sri Krsna
nach Hastinapura aufgebrochen war. Nun wurde er in die
Tat umgesetzt.
König Jarasandha war
ein äußerst pflichtbewußter
Haushälter und hatte hohe Achtung
vor den brahmanas.
Er war ein großer Krieger und
ksatriya-König, doch er
mißachtete niemals die Anweisungen der
Veden, denen
gemäß die brahmanas als die
spirituellen Meister aller
anderen Gesellschaftsschichten gelten. Sri
Krsna, Arjuna
und Bhimasena, die eigentlich ksatriyas waren, hatten sich
daher als brahmanas verkleidet und
begaben sich zu
König Jarasandha, und zwar gerade zu dem Zeitpunkt, als
er Spenden an die brahmanas verteilte.
In Seiner Verkleidung als brahmana
sagte Sri Krsna
zum König: "Aller Ruhm sei mit Eurer Majestät! Wir drei
sind Gäste in deinem Königspalast,
und wir sind von
weither gekommen, um deine Wohltätigkeit
zu erbitten.
Es ist unsere Hoffnung, daß du
uns in deiner Güte
jeglichen Wunsch
erfüllen wirst.
Deine guten
Eigenschaften sind uns allen wohlbekannt. Ein duldsamer
Mensch ist stets bereit, alles
hinzunehmen, selbst wenn
dies manchmal mit Leid
verbunden ist. Wie ein
Verbrecher bereit ist, die größten
Abscheulichkeiten zu
begehen, so ist ein wohltätiger Mensch wie du bereit, alles
zu geben, worum man ihn bittet.
Für eine so große
Persönlichkeit, wie du es bist, gibt es keine Unterschiede
zwischen Verwandten und
Fremden. Ein berühmter
Mensch lebt für immer, selbst nach
seinem Tod; wer
jedoch die Möglichkeiten und Fähigkeiten
besitzt, Taten
zu vollbringen, die seinen Namen
und Ruhm verewigen,
dies aber trotz allem unterläßt,
wird in den Augen von
großen Persönlichkeiten der
Verachtung würdig. Das
Fehlverhalten eines solchen Menschen kann
nicht genug
verurteilt werden, und
die Tatsache, daß er
eine
Wohltätigkeit abgeschlagen hat, wird für den Rest seines
Lebens Grund zur Klage sein. Eure
Majestät kennen
bestimmt die
berühmten Namen
solch wohltätiger
Persönlichkeiten wie
Hariscandra, Rantideva
und
Mudgala, die sich nur von Körnern ernährten, die sie auf
den Reisfeldern
zusammensuchten. Auch
hast du
bestimmt schon von Maharaja Sibi gehört, der das Leben
einer Taube rettete, indem er Fleisch von seinem eigenen
Körper gab. All diese großen
Persönlichkeiten gelangten
zu unsterblichem
Ruhm, einfach
weil sie ihren
zeitweiligen und vergänglichen
Körper opferten. So
erklärte Sri Krsna in Seiner Verkleidung
als brahmana
König Jarasandha, daß Ruhm unvergänglich,
der Körper
aber vergänglich ist. Und wenn
jemand unvergänglichen
Ruhm erlangt, indem er seinen
vergänglichen Körper
opfert, wird er zu einer
hochgeehrten Persönlichkeit der
Menschheitsgeschichte.
Während Sri Krsna in Begleitung von
Arjuna und
Bhimasena zu Jarasandha sprach, bemerkte dieser, daß sie
alle nicht wie wirkliche brahmanas aussahen. Ihre Körper
wiesen Merkmale auf, an denen
Jarasandha erkennen
konnte, daß sie ksatriyas waren.
Ihre Schultern zeigten
Eindrücke, die vom Tragen eines
Bogens herrührten; sie
hatten einen wohlgeformten Körper, und
ihre Stimmen
waren tief und
befehlend. Diese Merkmale sagten
Jarasandha eindeutig, daß seine Gäste
keine brahmanas,
sondern ksatriyas waren. Auch kam
es ihm so vor, als
habe er sie schon einmal gesehen.
Doch obwohl es sich
bei diesen drei Männern
offensichtlich um ksatriyas
handelte, waren sie an seine Türe
gekommen, um wie
brahmanas um Almosen zu betteln. Er
beschloß also,
ihnen ihre Wünsche zu erfüllen,
obwohl sie ksatriyas
waren, denn er überlegte sich, daß
ihre Würde und ihre
Stellung dadurch, daß sie wie
Bettler vor ihn traten,
bereits erniedrigt worden waren. "Aus diesem Grund", so
sagte er sich, "bin ich bereit, ihnen alles zu geben. Selbst
meinen eigenen Körper werde ich
ihnen ohne Zögern
überlassen, wenn sie mich darum
bitten." In diesem
Zusammenhang kam ihm Bali Maharaja in den Sinn. Sri
Visnu, der die Kleidung eines
brahmana trug, war vor
Bali als Bettler erschienen und
hatte ihm in der Folge
seinen ganzen
Reichtum und
sein Königreich
fortgenommen. Dies hatte Er für Indra getan, der nach seiner Niederlage im Kampf mit
Bali Maharaja seines
Königreichs beraubt worden war. Obwohl Bali Maharaja
auf diese Weise betrogen wurde, wird er auch heute noch
in allen drei
Welten als großer
Gottgeweihter
ruhmpriesen, der es über sich
brachte, alles ausnahmslos
als Almosen fortzugeben. Bali Maharaja
hatte damals
geahnt, daß der brahmana möglicherweise
Sri Visnu
persönlich war und nur die Absicht
hegte, ihm das
Königreich mit all seinen Opulenzen
wegzunehmen, um
es Indra wieder
zurückzugeben. Sukracarya, Balis
spiritueller Meister und
Familienpriester, warnte ihn
wiederholt, doch Bali zögerte nicht, dem brahmana alles
zu geben, was dieser verlangte, und
so gab Ihm Bali
Maharaja schließlich seinen ganzen
Besitz. "Ich bin fest
entschlossen", sagte sich Jarasandha, "unsterblichen Ruhm
zu erlangen, und wenn ich dies
durch das Opfer meines
vergänglichen Körpers erreichen kann, so
werde ich es
tun. Das Leben eines ksatriya, der nicht für das Wohl der
brahmanas handelt,
ist zweifellos
dem Verderben
bestimmt."
Im Grunde war König Jarasandha in seinen Spenden an
die brahmanas sehr freigebig, und
daher sagte er zu Sri
Krsna, Bhima und Arjuna: "Ihr könnt von mir haben, was
ihr wollt. Wenn ihr es wünscht,
könnt ihr sogar meinen
Kopf bekommen. Ich bin bereit, ihn euch zu geben."
Da sprach Sri Krsna zu Jarasandha:
"Mein lieber
König, bitte nimm zur Kenntnis, daß wir in Wirklichkeit
keine brahmanas sind und daß wir auch nicht gekommen
sind, um Essen oder Getreide zu
erbitten. Wir sind
ksatriyas, und wir sind gekommen,
um dich zu einem
Zweikampf herauszufordern. Wir hoffen,
daß du diese
Herausforderung annimmst. Wisse, daß hier
der zweite
Sohn König Pandus, Bhimasena, und
der dritte Sohn
Pandus, Arjuna, vor dir stehen. Von
Mir Selbst darf Ich
dir sagen, daß Ich dein alter Feind Krsna, der
Vetter der
Pandavas, bin."
Als Sri Krsna ihre wahre Identität
enthüllte, brach
König Jarasandha in
lautes Gelächter aus
und rief
zornentbrannt mit weithin hallender Stimme: "Ihr Narren!
Wenn ihr mit mir kämpfen wollt, so werde ich euch euren
Wunsch ohne weiteres erfüllen. Aber
von Dir, Krsna,
weiß ich, daß Du ein Feigling bist. Ich lehne es ab, mit Dir
zu kämpfen, denn Du bist jedesmal
ganz verstört, wenn
Du mir im Kampf gegenüberstehst.
Aus Furcht vor mir
bist Du aus Deiner Stadt Mathura geflohen und verbirgst
Dich nun sogar auf dem Meer.
Deshalb muß ich es
ablehnen, mit Dir zu kämpfen. Was
Arjuna betrifft, so
weiß ich, daß er jünger ist als ich und daß er sich mit mir
nicht messen kann. Ich weigere mich
deshalb auch, mit
ihm zu kämpfen, denn er ist mir in keiner Beziehung ein
ebenbürtiger Gegner. Aber hier, Bhimasena, ihn halte ich
für einen Gegner, der eines Kampfes mit mir würdig ist."
Mit diesen Worten
überreichte König Jarasandha
Bhimasena sogleich eine gewichtige Keule,
ergriff selbst
eine andere, und so begaben sie
sich alle zum Kampf
hinaus vor die Mauern der Stadt.
Bhimasena und König Jarasandha gingen
aufeinander
los, indem sie beide voller
Kampflust mit ihren Keulen,
die gewaltig wie
Blitze waren, mit
aller Wucht
aufeinander einschlugen.
Beide waren meisterhafte
Keulenkämpfer, und
ihre Schlagtechnik
war so
eindrucksvoll, daß sie zwei Schauspielern glichen, die auf
einer Bühne tanzen. Als Jarasandhas
und Bhimasenas
Keulen laut aufeinanderprallten, krachte
es wie beim
Zusammenstoß der
mächtigen Stoßzähne
zweier
kämpfender Elefanten oder wie bei einem Donnerschlag,
der inmitten eines Gewitters von
aufzuckenden Blitzen
begleitet wird.
Wenn zwei
Elefanten auf einem
Zuckerrohrfeld miteinander kämpfen, reißt sich
jeder ein
Zuckerrohr aus, umklammert es fest
mit seinem Rüssel
und schlägt den anderen damit. So
versetzen sie ihrem
Gegner schwere Schläge gegen die
Schultern, die Arme,
das Schlüsselbein, die Brust und
gegen die Flanken,
Schenkel und Beine und
zerschmettern dabei die
Zuckerrohre. Ebenso zerbrachen alle
Keulen, die Jarasandha und Bhimasena gebrauchten, weshalb
die beiden
Gegner dazu übergingen,
mit ihren starken Fäusten
weiterzukämpfen. Jarasandha und Bhimasena waren beide
rasend vor Wut,
und so ließen
sie ihre Fäuste
aufeinanderprasseln. Ihre Fausthiebe klangen
wie das
Gegeneinanderschlagen von
Eisenstangen oder das
Krachen des Donners,
und sie sahen aus
wie zwei
kämpfende Elefantenbullen. Und doch gelang es keinem,
den anderen zu besiegen, denn beide
waren vortreffliche
Kämpfer, die sich
sowohl an Stärke als
auch an
Kampfgeschick ebenbürtig waren. Weder bei
Jarasandha
noch bei Bhimasena
machten sich Anzeichen von
Erschöpfung oder gar von einer
Niederlage bemerkbar,
obwohl sie sich
unaufhörlich mit
ihren Fäusten
bekämpften. Wenn der Tag zu Ende ging, stellten sie den
Kampf ein und verbrachten die Nacht
als Freunde in
Jarasandhas Palast, doch am nächsten
Tag wurde der
Kampf
jeweils
mit
unverminderter Härte
wiederaufgenommen. Auf
diese Weise vergingen
siebenundzwanzig Tage ohne Entscheidung.
Am achtundzwanzigsten Tag
sagte Bhimasena zu
Krsna: "Mein lieber Krsna, ich muß
offen gestehen, daß
ich Jarasandha nicht besiegen kann."
Sri Krsna jedoch
kannte das
Geheimnis von
Jarasandhas Geburt.
Jarasandha war von zwei verschiedenen
Müttern in zwei
Hälften zur Welt gebracht worden,
und als sein Vater
gesehen hatte, daß mit dem Kind nichts anzufangen war,
hatte er die beiden Hälften in
den Wald geworfen. Dort
waren sie später von einer
boshaften Hexe namens Jara
gefunden worden, der es gelang, die beiden Körperhälften
des Kindes von oben nach unten
zusammenzufügen. Da
Sri Krsna dies alles wußte, war Ihm
auch bekannt, wie
Jarasandha getötet werden konnte. Er
wollte Bhimasena
zu verstehen geben, daß
Jarasandha, der durch das
Zusammenfügen zweier
Körperhälften zum Leben
erweckt worden war, getötet werden könne, wenn man die
beiden Hälften wieder voneinander trenne. So übertrug Sri
Krsna Seine Kraft in Bhimasenas Körper und verriet ihm,
wie er Jarasandha töten konnte.
Krsna brach kurzerhand
einen Zweig von einem Baum und riß ihn der Länge nach
auseinander, um Bhimasena zu zeigen, wie er es anfangen
mußte. Sri Krsna, die Höchste
Persönlichkeit Gottes, ist
allmächtig, und wenn Er jemanden
töten will, kann
niemand diese Person retten. Umgekehrt,
wenn Er jemanden beschützen will, kann niemand
diese Person
töten.
Als nun Bhimasena durch Krsnas
Hinweise Bescheid
wußte, packte er Jarasandha unvermittelt
bei den Beinen
und warf ihn zu Boden. Dann
drückte er das eine Bein
Jarasandhas nieder, ergriff mit beiden Händen das andere
Bein und zerriß ihn vom After bis zum Kopf. Genau wie
ein Elefant die Astgabel eines
Baumes auseinanderreißt,
so halbierte Bhimasena den Körper
Jarasandhas. Die
Zuschauer, die am nächsten standen,
sahen Jarasandhas
Körper nun in zwei Hälften vor sich liegen - jede Hälfte
mit einem Bein, einem Schenkel,
einem Hoden, einer
halben Brust,
einer halben
Wirbelsäule, einem
Schlüsselbein, einem Arm, einem Auge,
einem Ohr und
einem halben Gesicht.
Als sich die Kunde vom Tod
Jarasandhas verbreitete,
begannen die Bewohner Magadhas laut
zu wehklagen,
während Sri Krsna und Arjuna Bhimasena umarmten und
ihn beglückwünschten. Obwohl Jarasandha
nun tot war,
erhoben weder Krsna noch die beiden
Pandava-Brüder
Anspruch auf seinen Thron. Sie
hatten Jarasandha nur
getötet, weil sie es nicht zulassen
wollten, daß er weiter
die Wiederherstellung des Weltfriedens
behinderte. Ein
Dämon erzeugt dauernd
Störungen, wohingegen ein
Halbgott sich immer um Frieden auf
der Welt bemüht.
Krsnas Mission besteht darin, die
Rechtschaffenen zu
beschützen und die Dämonen, die den Frieden zerstören,
zu töten. Sri Krsna ließ sogleich
den Sohn Jarasandhas
namens Sahadeva
herbeiholen und
bat ihn, nach
Ausführung der entsprechenden rituellen Zeremonien den
Thron seines Vaters zu besteigen
und friedlich über das
Königreich zu herrschen. Sri Krsna ist
der Herr der
gesamten kosmischen Schöpfung, und Er
möchte, daß
jeder in Frieden lebt
und Krsna-Bewußtsein ausübt.
Deshalb befreite Er nach Sahadevas Krönung alle Könige
und Fürsten,
die von
Jarasandha zu Unrecht
gefangengehalten worden waren.
---
* Es heißt, daß Bhima von dem
Halbgott Varuna
gezeugt wurde, Arjuna von Indra und König Yudhisthira
von Yamaraja.
Hiermit
enden die Bhaktivedanta-Erläuterungen zum 71. Kapitel des Krsna-Buches:
"Die Befreiung König Jarasandhas".