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Die Transzendentalen Spiele Sri Krishnas
Von Seiner Heiligkeit A.C. Bhaktivedanta Swami Prabhupada

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76. Kapitel: Die Erlösung Salvas

Nach diesem Gespräch mit seinem Wagenlenker, dem Sohn Darukas, begriff Pradyumna, was wirklich geschehen war; er erfrischte sich deshalb, indem er sich den Mund ausspülte und die Hände wusch, bewaffnete sich mit Bogen und Pfeilen und bat seinen Wagenlenker, ihn dorthin zu fahren, wo Salvas Oberbefehlshaber kämpfte. Während Pradyumnas kurzer Abwesenheit vom Schlachtfeld hatte Dyuman, Salvas Oberbefehlshaber, die Stellungen der Yadus eingenommen. Als Pradyumna jedoch auf das Schlachtfeld zurückkehrte, griff er sogleich ein und besiegelte Dyumans Schicksal mit acht gezielten Pfeilen. Mit vier Pfeilen streckte er seine vier Pferde nieder, mit einem Pfeil tötete er den Wagenlenker, und mit einem anderen Pfeil schoß er Dyumans Bogen entzwei; mit einem weiteren Pfeil schoß er Dyumans Fahne in Stücke, und mit dem letzten trennte er ihm den Kopf vom Rumpf.

An den anderen Fronten kämpften Helden wie Gada, Satyaki und Samba und töteten dabei viele von Salvas Soldaten. Auch die Soldaten, die Salva an Bord des Luftgefährts unterstützten, mußten ihr Leben lassen und stürzten in den Ozean. Beide Seiten bekämpften einander mit aller Härte, und so wurde die Schlacht immer wilder und gefahrvoller. Siebenundzwanzig Tage lang wurde ununterbrochen gefochten.

Während in Dvaraka diese Schlacht tobte, befand Sich Krsna bei König Yudhisthira und den anderen Pandavas in Indraprastha. Der Kampf mit Salva fand nämlich nach König Yudhisthiras rajasuya-yajna statt, in dessen Verlauf Sisupala den Tod gefunden hatte. Als Sri Krsna erfuhr, daß Dvaraka in großer Gefahr schwebte, bat Er die Familienältesten der Pandavas, vor allem Seine Tante Kuntidevi, um die Erlaubnis, sie verlassen zu dürfen, und machte Sich daraufhin unverzüglich auf den Weg nach Dvaraka.

Sri Krsna vermutete bereits, daß es Sisupalas Anhänger sein mußten, die Dvaraka angriffen, während Er und Balarama Sich entschieden hatten, nach Sisupalas Tod noch in Hastinapura zu bleiben. Bei Seiner Ankunft in Dvaraka sah Sri Krsna, daß die Stadt tatsächlich in großer Bedrängnis war. Er postierte Balaramaji an einer strategisch wichtigen Stelle, um die Stadt zu beschützen, und Er Selbst wandte Sich an Seinen Wagenlenker Daruka und sagte: "Daruka, bitte bringe Mich schnell zu Salva. Salva, mußt du wissen, ist sehr mächtig und geheimnisvoll, aber du brauchst ihn dennoch nicht im geringsten zu fürchten." Sowie Daruka diese Anweisungen erhalten hatte, ließ er Sri Krsna im Streitwagen Platz nehmen und fuhr mit großer Geschwindigkeit auf Salva zu.

Sri Krsnas Streitwagen trug eine Fahne mit dem Bild Garudas, und als die Soldaten und Krieger der Yadu-Dynastie diese Fahne sahen, wußten sie, daß Sich Sri Krsna persönlich auf dem Schlachtfeld befand. Zu diesem Zeitpunkt waren bereits fast alle Soldaten Salvas getötet, doch Salva, der bemerkt hatte, daß Krsna gekommen war, feuerte ein riesiges, mächtiges Geschoß ab, das mit donnerndem Getöse wie ein großer Meteor durch die Luft flog. Es strahlte so gleißend, daß der ganze Himmel erhellt wurde, doch sowie Sri Krsna erschien, schoß Er die Riesenwaffe mit einem gezielten Pfeil in viele tausend Stücke.

Sri Krsna traf Salva mit sechzehn Pfeilen und überschüttete dann sein Luftfahrzeug mit einer wahren Flut von Pfeilen, so wie die Sonne an einem klaren Tag den gesamten Himmel mit zahllosen Lichtpartikeln überflutet. Salva seinerseits antwortete mit einem gewaltigen Schuß gegen Krsnas linke Seite, wo Er Seinen Bogen namens Sarnga trug, der Ihm unter der ungeheuren Wucht aus der Hand glitt. Daß Sri Krsna Seinen Bogen fallen ließ, war etwas ganz Außergewöhnliches. Die großen Persönlichkeiten und Halbgötter, die den Kampf zwischen Salva und Krsna beobachteten, waren zutiefst bestürzt und riefen: "O weh! O weh!" Salva sah sich schon als Sieger, und er brüllte Sri Krsna mit donnernder Stimme an: "Krsna, Du Schurke! Gewaltsam hast Du Rukmini entführt, und dies sogar vor unseren Augen. Du hast meinen Freund Sisupala auf hinterhältige Weise gedemütigt, als Du es wagtest, Rukmini Selbst zu heiraten. Und als mein Freund während der großen Versammlung von König Yudhisthiras rajasuya-yajna auch nur für einen kurzen Moment unaufmerksam war, hast Du dies sogleich ausgenutzt, um ihn zu töten. Jeder denkt, Du seiest ein großer Kämpfer und könnest von niemandem besiegt werden. Doch nun mußt Du Deine Stärke beweisen. Ich glaube, wenn Du noch länger vor mir stehenbleibst, werden Dich meine spitzen Pfeile an einen Ort befördern, von dem Du nicht mehr zurückkehrst."

Darauf entgegnete Sri Krsna: "Salva, du Narr, rede nicht solchen Unsinn. Du scheinst nicht zu wissen, daß der Tod bereits über deinem Haupt schwebt. Wirkliche Helden reden nicht viel. Sie beweisen ihre Kraft mit kühnen Taten." Mit diesen Worten ergriff Sri Krsna voller Zorn Seine Keule und schlug sie Salva mit solcher Wucht gegen das Schlüsselbein, daß dieser innere Blutungen erlitt. Ein Zittern durchlief Salvas Körper, als sei er nahe dabei zu erfrieren. Bevor Krsna jedoch noch einmal zuschlagen konnte, machte sich Salva durch seine mystische Kraft unsichtbar.

Einige Augenblicke später trat ein geheimnisvoller Unbekannter vor Sri Krsna. Laut weinend verneigte er sich vor den Lotosfüßen des Herrn und sagte: "Weil Du der liebste Sohn Deines Vaters Vasudeva bist, hat mich Deine Mutter Devaki gesandt, um Dir die Unglücksnachricht mitzuteilen, daß Dein Vater von Salva gefangengenommen und gewaltsam fortgeschleppt worden ist. Salva habe ihn abgeführt wie ein Schlächter, der gnadenlos ein Tier zur Schlachtbank treibt." Als Sri Krsna diese Nachricht von dem Unbekannten vernahm, war Er zuerst völlig entsetzt, wie es auch ein gewöhnlicher Mensch gewesen wäre. Sein Gesicht zeigte Zeichen von großem Schmerz, und Er begann bitterlich zu weinen: "Wie konnte das nur geschehen? Mein Bruder Sri Balarama ist doch in der Stadt, und es gibt niemanden, der Balaramaji zu bezwingen vermag. Ihm obliegt der Schutz Dvarakas, und Ich weiß, daß Er stets wachsam ist. Wie also konnte Salva in Dvaraka eindringen und Meinen Vater ohne weiteres entführen? Ganz gleich, wer Salva auch sein mag, seine Kraft ist begrenzt; wie hätte er also in der Lage sein können, Balaramajis Stärke zu bezwingen und Meinen Vater gefangen fortzuführen, wie es dieser Mann hier schildert? Doch ach, das Schicksal ist sehr mächtig!"

Während Sri Krsna diese Gedanken durch den Kopf gingen, führte Salva einen Gefangenen vor Ihn, der genauso aussah wie Sein Vater Vasudeva. All dies waren jedoch nur Trugbilder, die Salva mit Hilfe seiner mystischen Kraft schuf.

Salva rief Krsna zu: "Krsna, Du Schurke! Schau her, hier ist Dein Vater, der Dich gezeugt hat und durch dessen Gnade Du noch heute am Leben bist. Sieh nun, wie ich ihn töte. Wenn Du auch nur ein wenig Kraft hast, dann rette ihn doch." Mit diesen Worten schlug der mystische Zauberer Salva dem falschen Vasudeva den Kopf ab. Dann packte er ohne zu zögern den toten Körper und sprang an Bord seines Flugzeuges. Sri Krsna ist die in Sich Selbst zufriedene Höchste Persönlichkeit Gottes, doch weil Er die Rolle eines gewöhnlichen Menschen spielte, war Er zunächst sehr traurig, als habe Er tatsächlich Seinen Vater verloren; aber im nächsten Augenblick schon erkannte Er, daß die Gefangennahme und die Hinrichtung Seines Vaters bloß Vorspiegelungen der magischen Kräfte waren, die Salva vom Dämon Maya erlernt hatte. Als Krsna wieder in Seinem richtigen Bewußtsein war, sah Er, daß weder der Bote noch der Kopf Seines Vaters existent waren, daß aber Salva entflohen war und in Seinem Luftgefährt am Himmel flog. Da legte Sich Krsna einen Plan zurecht, um Salva zu vernichten.

Krsnas Reaktion in dieser Auseinandersetzung mit Salva ist unter den großen Autoritäten und Heiligen ein vieldiskutiertes Thema - wie nämlich konnte Krsna, die Höchste Persönlichkeit Gottes, die Quelle aller Macht und allen Wissens, auf solche Weise verwirrt werden? Wehklagen, Kummer und Verwirrung sind Merkmale bedingter Seelen. Wie könnte Krsna als die Höchste Person, die alles Wissen, alle Macht und allen Reichtum besitzt, davon berührt werden? In Wirklichkeit ist es völlig unmöglich, daß Sri Krsna durch die mystischen Vorspiegelungen Salvas getäuscht werden konnte. So handelte es sich auch hier um eines der transzendentalen Spiele, in denen Sich Sri Krsna wie ein gewöhnlicher Mensch verhielt. Die großen Heiligen und Weisen, die den Lotosfüßen Sri Krsnas in Hingabe dienen und dadurch die höchste Vollkommenheit der Selbstverwirklichung erlangt haben, befinden sich jenseits aller Verwirrung und Illusion, die der körperlichen Auffassung des Lebens entspringen. Wie hätte also Sri Krsna, der für diese Heiligen und Weisen das endgültige Ziel des Lebens ist, von Salvas mystischen Tricks verwirrt werden können? Die Schlußfolgerung lautet somit, daß Sri Krsnas Verwirrung nichts anderes als ein weiterer Aspekt Seiner Vollkommenheit als Höchste Persönlichkeit war.

Salva glaubte, Krsna sei durch seine magischen Vorspiegelungen verwirrt worden, und deshalb fühlte er sich ermutigt und griff den Herrn mit noch mehr Kraft und Einsatz an, indem er Ihn mit einem Regen von Pfeilen überschüttete. Aber Salvas Kampfeseifer glich der Leidenschaft von Fliegen, die sich geradewegs in ein Feuer stürzen. Sri Krsna entgegnete Salvas Angriff und schoß ihm Seinerseits zahllose Pfeile mit solch unfaßbarer Kraft entgegen, daß Salvas Rüstung zerfetzt wurde, sein Bogen und sein juwelenbesetzter Helm in tausend Stücke zersprangen und Salva selbst schwer verletzt wurde. Mit einem gewaltigen Schlag Seiner Keule zerschmetterte Krsna daraufhin auch Salvas wundersames Luftfahrzeug, das in vielen Trümmern ins Meer abstürzte. Salva jedoch war so gewandt, daß es ihm gelang, an Land zu springen, ehe das Flugzeug auf dem Wasser aufschlug, und sogleich rannte er erneut auf Sri Krsna zu. Als Salva auf diese Weise mit seiner Keule in der Hand Krsna entgegenraste, schlug ihm Sri Krsna die Hand ab, die samt der Keule zu Boden fiel. Mit dem Entschluß, Salva nun zu töten, hob der Herr Sein wunderbares Feuerrad, das leuchtete wie die gleißende Sonne zur Zeit der Vernichtung der materiellen Schöpfung. Als Sich Sri Krsna mit Seinem Feuerrad aufrichtete, um Salva zu vernichten, sah Er aus wie die rote Sonne, die über einem Berg aufgeht. Im gleichen Augenblick schon war Salva enthauptet, und sein Kopf stürzte zusammen mit den Ohrringen und dem Helm zu Boden. So fand Salva genau das gleiche Ende wie einst Vrtrasura, der von Indra, dem König des Himmels, getötet wurde.

Als Salva tot aufs Schlachtfeld stürzte, erhoben seine Soldaten und Anhänger ein markerschütterndes Wehklagen und Jammern. Währenddessen ließen die Halbgötter von den himmlischen Planeten Blumen auf Krsna herabregnen und verkündeten Seinen Sieg, indem sie Trommeln schlugen und Hörner bliesen. Aber genau in dem Moment erschienen neue Freunde Sisupalas, allen voran Dantavakra, auf dem Schlachtfeld, und sie alle brannten darauf, mit Krsna zu kämpfen, um Sisupalas Tod zu rächen. So kam Dantavakra mit einer ungeheuren Wut auf Sri Krsna zugestürmt.

Hiermit enden die Bhaktivedanta-Erläuterungen zum 76. Kapitel des Krsna-Buches: "Die Erlösung Salvas".