77. Kapitel: Dantavakra, Viduratha
und Romaharsana werden getötet
Nach dem Tod von Sisupala, Salva
und Paundraka wollte ein weiterer
törichter Dämon, nämlich König Dantavakra, Krsna töten, um sich für
seinen Freund Salva zu rächen. Er war so außer sich, daß er einfach
Hals über Kopf auf das
Schlachtfeld stürmte,
ohne sich entsprechend gerüstet und bewaffnet zu haben, ja er hatte
nicht einmal einen Streitwagen. Seine einzige Waffe war seine große
Wut, die rotglühend in seinen Adern kochte; er hatte nichts anderes als
eine
Keule, die er in den Händen schwang, doch er war so
machtvoll, daß jeder spüren konnte, wie bei seinen
Schritten die Erde bebte. Als Sri Krsna ihn so heldenmütig heranstürmen
sah, stieg Er sogleich vom Wagen, denn es
war eine Kampfregel, daß nur
Gegner mit
gleichen Voraussetzungen miteinander kämpfen dürfen. Weil
Dantavakra nur mit einer Keule bewaffnet und dazu allein war, stellte
Sich Sri Krsna auf ihn ein und nahm
ebenfalls nur eine Keule in die Hand. Sowie Krsna Dantavakra
entgegentrat, wurde dieser in seinem kühnen Lauf aufgehalten, genau wie
die großen, wilden Wogen des Ozeans,
die am Gestade gebrochen werden.
Dantavakra, der König von Karusa,
pflanzte sich mit seiner Keule in der Hand vor Sri Krsna auf und rief
Ihm zu: "Welch eine Freude, welch ein Glück, Krsna, daß wir uns von
Angesicht zu Angesicht
gegenüberstehen! Mein lieber Krsna, Du bist trotz allem mein ewiger
Vetter, und deshalb sollte ich Dich nicht auf diese Weise töten; doch
leider hast Du einen großen Fehler
begangen, als Du meinen Freund Salva ermordetest. Überdies gibst Du
Dich nicht damit zufrieden, meinen Freund
getötet zu haben, sondern wie ich ganz genau weiß,
willst Du auch mich umbringen. Weil Du solche Pläne
hast, muß ich Dich töten, indem ich Dich jetzt mit
meiner Keule in Fetzen schlage. Obwohl Du mein Verwandter bist, Krsna,
bist Du ein Narr. Du bist unser ärgster Feind, und deshalb muß ich Dich
heute töten, genau wie man
ein Geschwür am Körper durch eine Operation entfernt.
Ich bin meinen Freunden immer sehr zu Dank
verpflichtet, und so fühle ich mich tief in der Schuld meines lieben
Freundes Salva. Diese Schuld kann ich nur mit Deinem Tod begleichen."
So wie ein Elefantenwärter versucht, den Elefanten mit Stabhieben zu
bändigen, versuchte
Dantavakra, Krsna durch heftige Worte einzuschüchtern.
Nachdem er seine Schmähungen ausgesprochen hatte, schlug
er Krsna mit der Keule auf den Kopf und
brüllte wie ein Löwe. Obgleich Krsna von
Dantavakras Keule sehr hart getroffen wurde, wich Er keinen
Fingerbreit, noch spürte Er irgendeinen Schmerz.
Statt dessen schwang Er geschickt Seine Keule namens Kaumodaki
und versetzte Dantavakras Brust einen solch
durchdringenden Schlag, daß diesem das Herz entzweigerissen wurde.
Dantavakra spie Blut, sein Haar wirbelte
durcheinander, und er streckte zuckend seine Arme und
Beine von sich, und alles, was nach wenigen Minuten von
Dantavakra noch übrigblieb, war ein regloser Leichnam
auf dem Boden. Nach Dantavakras Tod kam, genau wie bei Sisupalas Tod,
vor den Augen aller Anwesenden ein kleines, leuchtendes spirituelles
Teilchen aus dem Körper des Dämons hervor und ging auf wundervolle
Weise in Sri Krsnas Körper ein.
Dantavakra hatte einen Bruder namens
Viduratha, und als dieser von Dantavakras Tod
erfuhr, schien ihn der Schmerz fast zu zerreißen. Vor
Schmerz und Wut ging Vidurathas Atem schwer, und um den Tod seines
Bruders zu rächen, erschien auch er vor Sri
Krsna. Mit Schwert und Schild bewaffnet, war er fest entschlossen,
Krsna auf der Stelle zu töten. Als Sri Krsna erkannte, daß Viduratha
nur eine Gelegenheit abpaßte, um Ihn mit dem Schwert zu erschlagen,
griff Er nach Seinem Sudarsana-cakra, das so scharf war wie eine
Rasierklinge,
und ohne ein Wort zu verlieren, trennte Er Viduratha damit den Kopf
samt Helm und Ohrringen vom Rumpf.
Nachdem Sri Krsna auf diese Weise
Salva und sein wundersames Flugzeug vernichtet und danach Dantavakra
und Viduratha getötet hatte, kehrte Er schließlich in Seine Stadt
Dvaraka zurück. Es wäre
niemandem außer Krsna möglich gewesen, diese großen Helden
zu töten, und daher begannen alle Halbgötter des
Himmels und die Menschen auf der Erde Seinen Ruhm
zu preisen. Die großen Weisen und Asketen, die
Bewohner der Planeten der Siddhas und
Gandharvas, die Vidyadharas, die Vasukis und Mahanagas,
die anmutigen Engel, die Bewohner von Pitrloka, die Yaksas, die
Kinnaras und die Caranas - sie alle überschütteten
den Herrn mit Blumen und besangen voller Jubel Seinen
Sieg. Die Bewohner Dvarakas schmückten die ganze Stadt
und verliehen ihr eine festliche Aufmachung. Daraufhin fand
eine große Feier statt, und als Sri Krsna durch die Stadt zog, folgten
Ihm alle Angehörigen der Vrsni-Dynastie und die Helden der
Yadu-Dynastie voller Ehrfurcht.
Dies sind einige der transzendentalen
Spiele Sri Krsnas, des Meisters aller mystischen Kräfte
und des Herrn aller kosmischen Manifestationen. Narren, die nicht
besser sind als Tiere, denken manchmal, daß
Krsna besiegt werden könne; doch in
Wirklichkeit ist
Er die Höchste Persönlichkeit Gottes, und niemand kann Ihn besiegen. Er
ist der einzige und alleinige Gott,
und alle anderen sind die Ihm untergebenen Ausführenden Seiner Befehle.
Eines Tages erfuhr Sri Balarama, daß
sich die beiden feindlichen Parteien der Kuru-Dynastie auf eine
Schlacht vorbereiteten; eine
Seite wurde von
Duryodhana angeführt und die andere von den Pandavas. Er war nicht sehr
angetan von dem
Gedanken, einfach nur ein Vermittler zu sein, der versuchen
sollte, die Schlacht zu verhindern. Er empfand es als
unerträglich, daß Er nicht aktiv für eine der beiden Seiten
würde Partei ergreifen können, und deshalb
verließ Er Dvaraka mit
der Begründung, verschiedene heilige Pilgerstätten
besuchen zu wollen. Als erstes erreichte Er die Pilgerstätte, die als
Prabhasaksetra bekannt ist. Dort nahm Er ein Bad, stellte die
ansässigen brahmanas zufrieden und
brachte den Halbgöttern, den pitas, den großen
Weisen und den Einheimischen
gemäß den
vedischen Ritualen verschiedene Opfergaben dar. Das ist
die vedische Art, heilige Orte zu besuchen. Anschließend
beschloß Er, in Begleitung von ehrwürdigen brahmanas
heilige Orte am Ufer des Flusses Sarasvati aufzusuchen. Im Laufe Seiner
Reise besuchte Er Orte
wie Prthudaka, Bindusara, Tritakupa, Sudarsanatirtha, Visalatirtha,
Brahmatirtha und Cakratirtha, und außerdem besuchte Er auch alle
heiligen Stätten am Ufer der nach Osten
strömenden Sarasvati. Danach reiste Er auch zu den
bedeutendsten heiligen Orten an den Ufern der Yamuna
und des Ganges. So gelangte Er schließlich an den
heiligen Ort, der als Naimisaranya bekannt ist.
Der heilige Ort
Naimisaranya, den
es in Indien heute noch gibt, war in jenen Zeiten
ein Versammlungsort für große Weise und Heilige, die das Ziel hatten,
spirituelles Leben und Selbstverwirklichung zu
verstehen. Als Sri Balarama nach Naimisaranya kam, war gerade eine
große Versammlung von
Transzendentalisten dabei, ein umfangreiches Opfer durchzuführen.
Zeremonien
dieser Art waren gewöhnlich so angelegt, daß sie Tausende von Jahren
dauern würden.
Bei Sri Balaramas Ankunft erhoben sich sogleich alle Versammelten
- die großen Weisen, Asketen, brahmanas und Gelehrten
- von ihren Sitzen und hießen Ihn mit
aller Ehre und Achtung willkommen. Einige brachten
Ihm ihre respektvollen Ehrerbietungen dar, während die älteren
Weisen und brahmanas Ihn segneten, indem sie
aufstanden. Nach dieser Begrüßung wurde Sri Balarama ein Sitz
angeboten, der Seiner Persönlichkeit würdig war,
und daraufhin bezeigte Ihm jeder
seine Verehrung.
In Balaramas Gegenwart hatten sich alle Teilnehmer der Versammlung
erhoben, denn sie wußten, daß Er
die Höchste Per- sönlichkeit Gottes ist. Bildung oder Gelehrtheit
bedeutet, die Höchste Persönlichkeit Gottes zu
verstehen. Obwohl Sri Balarama auf der Erde als
ksatriya erschienen war, erhoben sich daher die brahmanas und Weisen,
denn sie wußten, wer Balarama war.
Nachdem Sri Balarama auf diese Weise
empfangen und zu einem Ehrenplatz geleitet worden war, mußte Er leider
sehen, daß Romaharsana,
der Schüler Vyasadevas* , immer noch auf dem vyasasana saß.
Romaharsana hatte sich weder von seinem Sitz erhoben,
noch hatte er Sri Balarama Achtung erwiesen. Weil er auf dem vyasasana
saß, hielt er sich, töricht wie
er war, für bedeutender als der Herr, und deshalb stieg er nicht von
seinem erhöhten Sitz, um sich vor
Ihm zu verneigen. Sri Balarama erinnerte Sich sodann an Romaharsanas
Abstammung: Er kam aus einer suta-Familie, d.h.
aus einer Mischehe zwischen einer brahmana-Frau und einem
ksatriya-Mann. Schon allein aus diesem Grund hätte
Romaharsana nicht auf seinem vyasasana sitzen bleiben
dürfen, selbst wenn er Balarama nur als ksatriya ansah.
Sri Balarama sagte Sich, daß Romaharsana
wegen seiner Herkunft den erhöhten Sitz nicht hätte einnehmen
dürfen, da viele gelehrte brahmanas und Weise zugegen
waren; darüber hinaus hatte es Romaharsana nicht nur vernachlässigt,
von seinem Ehrensitz herunterzukommen, sondern
er war nicht einmal aufgestanden, um Balaramaji Achtung zu erweisen,
als Er in der Versammlung erschien. Sri Balarama gefiel Romaharsanas
Dreistigkeit nicht, und Er wurde sehr zornig auf ihn.
Wer auf dem
vyasasana sitzt,
braucht im allgemeinen nicht aufzustehen,
um einen
Neuankömmling zu empfangen; doch in diesem Fall war der
Sachverhalt ein anderer, denn Sri Baladeva ist kein gewöhnlicher Mensch.
Romaharsana Suta hätte daher, obwohl
er von allen brahmanas dazu auserkoren
worden war, auf dem vyasasana zu sitzen, dem Beispiel
der anderen großen Weisen und brahmanas folgen sollen,
denn er hätte sich ebenfalls darüber bewußt sein müssen, daß
Sri Balarama die Höchste Persönlichkeit Gottes ist. Ihm gebührt immer
Achtung, selbst
in einem Fall,
wo man einem gewöhnlichen Menschen
gegenüber keine Achtung erweisen müßte. Krsnas und Balaramas
Erscheinen hatte vor allem den
Zweck, die
religiösen Prinzipien wiedereinzuführen. Wie in der
Bhagavad-gita erklärt wird, ist es das höchste religiöse Prinzip,
sich der Höchsten Persönlichkeit Gottes hinzugeben.
Und auch das Srimad-Bhagavatam bestätigt,
daß es die höchste Vollkommenheit der Religiosität ist, im
hingebungsvollen Dienst des Herrn tätig zu sein.
Als Sri Balarama sah,
daß Romaharsana
trotz seines Studiums aller
Veden dieses
höchste Prinzip der Religiosität nicht verstanden hatte,
konnte Er es nicht unterstützen, daß
Romaharsana diese Ehrenstellung einnahm. Romaharsana Suta
hatte die Möglichkeit bekommen, ein vollkommener brahmana zu werden,
doch aufgrund seines falschen
Verhaltens gegenüber der Höchsten Persönlichkeit Gottes wurde man
sofort wieder an seine niedrige Herkunft erinnert.
Romaharsana Suta war zwar die Stellung eines brahmana verliehen worden,
doch er selbst stammte nicht aus einer brahmana-Familie, sondern aus
einer pratiloma-Familie. Nach den Veden gibt es zweierlei Arten von
Mischehen: anuloma und pratiloma. Wenn sich ein Mann mit einer Frau aus
einer niedrigeren Kaste verbindet, wird ihr
Nachwuchs als anuloma bezeichnet. Geht ein Mann eine Verbindung mit
einer Frau von höherer Herkunft
ein, nennt man den Nachwuchs pratiloma. Romaharsana
Suta gehörte zu einer pratiloma-Familie, da er von
einem ksatriya-Vater und einer
brahmana-Mutter abstammte.
Und weil Romaharsanas transzendentale
Verwirklichung nicht vollkommen war, erinnerte Sich Sri Balarama
sogleich an dessen pratiloma-Herkunft. Das Prinzip
ist, daß jedem Menschen die Möglichkeit gegeben werden
kann, ein brahmana zu werden; aber wenn er
sich aus Mangel an tatsächlicher Verwirklichung nicht so
verhält, wie es seiner Stellung als brahmana angemessen
ist, oder wenn er diese Stellung mißbraucht, dann hat seine Erhebung
zur brahmanischen Stufe keine Gültigkeit.
Sri Balarama sah also, daß es
Romaharsana Suta an wirklicher Erkenntnis fehlte, und deshalb beschloß
Er, ihn für seinen Hochmut zu bestrafen. "Dieser Mann verdient die
Todesstrafe", sagte Er Sich,
"denn obwohl er das große Glück hatte, ein Schüler Sri
Vyasadevas zu sein, und obwohl er unter der Anweisung
dieser erhabenen Persönlichkeit alle vedischen Schriften studiert hat,
war er vor der Höchsten Persönlichkeit Gottes
nicht demütig." Wie in der Bhagavad-gita erklärt wird, muß jemand, der
ein wirklicher brahmana ist und
umfangreiches Wissen besitzt, zugleich auch sehr zuvorkommend
sein. Romaharsana Suta jedoch hatte es trotz
seiner großen Bildung und seiner Erhebung auf
die Stufe eines brahmana verpaßt, diese Eigenschaft zu entwickeln. Dies
zeigt uns, daß jemand, der sich auf materielle
Errungenschaften etwas einbildet,
unmöglich das
freundliche und zuvorkommende Wesen eines brahmana entwickeln kann. Die
Gelehrtheit eines solchen Menschen
gleicht einem kostbaren Juwel auf dem Kopf einer Schlange. Trotz des
kostbaren Juwels bleibt die Schlange
immer noch eine Schlange und ist als solche ebenso
gefährlich wie alle anderen gewöhnlichen Schlangen. Wenn
jemand nicht bescheiden und demütig wird, sind
all seine Studien der Veden und Puranas und sein
umfangreiches Wissen aus den sastras nur ein äußeres Gewand,
genau wie das Kostüm eines Schauspielers auf der Bühne. Sri Balarama
überlegte Sich deshalb: "Ich bin
erschienen, um die Heuchler zu bestrafen, die in ihrem
Innern unrein sind, sich aber nach außen hin für
sehr gelehrt und religiös ausgeben. Es ist besser, wenn Ich
solche Menschen töte, damit sie davon abgehalten werden, weitere
sündvolle Tätigkeiten zu begehen."
Sri Balarama hatte es zwar
vermieden, in der Schlacht von Kuruksetra mitzukämpfen, aber dennoch
blieb es aufgrund Seiner besonderen Stellung Seine
vornehmste Pflicht, die religiösen Prinzipien
wiederherzustellen. Aus diesen Überlegungen heraus tötete Er
Romaharsana Suta, indem Er ihm mit
einem kusa-Halm, einem ganz gewöhnlichen Grashalm, einen Schlag
versetzte. Man mag sich nun fragen, wie es
Balarama möglich sein konnte, Romaharsana nur durch den
Schlag mit einem kusa-Halm zu töten. Die Antwort
gibt das Srimad-Bhagavatam, indem es
das Wort prabhu (Meister) gebraucht. Die Stellung des Höchsten
Herrn ist stets transzendental, und weil Er allmächtig
ist, kann Er nach Belieben handeln,
ohne materiellen
Gesetzen und Pflichten untergeordnet zu sein. So
war es Ihm auch möglich, Romaharsana mit einem bloßen
kusa-Grashalm zu töten.
Als Romaharsana Suta so plötzlich
den Tod fand, waren alle Anwesenden tief getroffen, und es erhoben sich
Schreie und Wehklagen. Obwohl die brahmanas und die Weisen wußten,
daß Sri Balarama
die Höchste Persönlichkeit Gottes ist, zögerten sie nicht, gegen die
Tat des Herrn zu protestieren, und in
aller Demut gaben sie folgendes zu bedenken: "Lieber Herr,
wir sind der Ansicht, daß Deine Tat nicht in
Übereinstimmung mit den religiösen Prinzipien steht. Lieber
SriYadunandana, bitte erlaube uns, Dir
mitzuteilen, daß wir brahmanas Romaharsana Suta
für die Dauer
unserer großen Opferzeremonie diese hohe Stellung überantwortet haben.
Er kam durch unsere Wahl auf den vyasasana, und wenn man auf dem
vyasasana sitzt, ist es unangemessen, aufzustehen, um jemanden zu
begrüßen.
Außerdem haben wir Romaharsana Suta ein
unbeeinträchtigtes und langes Leben zugesprochen. Daher kommt die
Tat, die Du, o Herr, begangen hast, ohne diese Hintergründe zu kennen,
in unseren Augen der Ermordung eines brahmana gleich. Lieber Herr,
Befreier aller gefallenen
Seelen, wir wissen natürlich, daß Du alle vedischen
Prinzipien kennst. Du bist der Herr aller mystischen Kräfte, und
deshalb
haben die vedischen
Anweisungen im
allgemeinen keine Gültigkeit für Dich. Dennoch bitten
wir Dich, uns allen Deine grundlose
Barmherzigkeit zu
erweisen und gütigerweise
den
Tod
Romaharsana Sutas wiedergutzumachen. Wir
wollen Dir jedoch
nicht vorschreiben, was Du tun sollst, um
seinen Tod zu sühnen. Wir bitten Dich nur, eine beliebige Buße auf Dich
zu nehmen, so daß
andere Deinem Beispiel folgen können. Was immer nämlich eine
große Persönlichkeit tut, dem folgt der gewöhnliche Mensch."
Der Herr
erwiderte: "Ja, Ich muß
Meine Handlung sühnen, die für Mich zwar
angemessen war, für andere jedoch ein großes
Vergehen bedeuten würde. Ich betrachte es deshalb als Meine Pflicht,
Mir eine geeignete Buße aufzuerlegen, wie sie von den autorisierten
Schriften vorgeschrieben wird.
Zugleich bin
Ich bereit, Romaharsana Suta wieder zum Leben
zu erwecken und ihm eine lange Lebensdauer, ausreichende
Kraft und die ganze Macht seiner Sinne zu
verleihen. Nicht nur das - wenn ihr wollt, werde Ich ihm
bereitwillig auch alles andere geben, worum ihr Mich
bittet. Es wird Mir eine Freude sein, ihm all diese
Segnungen zu erteilen, wenn dies euer Wunsch ist."
Diese Worte
Balaramas bestätigen
eindeutig, daß der Herr, die Höchste Persönlichkeit Gottes,
völlige Freiheit hat, zu handeln, wie es Ihm beliebt. Man könnte
denken, es sei nicht richtig gewesen, Romaharsana Suta zu töten, doch
Sri Balarama
besaß die Kraft,
diese Tat augenblicklich rückgängig zu machen, und zwar auf eine Weise,
daß sich der Nutzen für
alle vergrößerte. Man sollte daher nicht versuchen, die
Taten des Höchsten Herrn nachzuahmen; vielmehr sollte man
einfach Seinen Anweisungen folgen. Alle versammelten
großen Weisen und Gelehrten erkannten, daß Sri Balarama imstande war,
Seine Tat zum Vorteil aller
wiedergutzumachen, obwohl sie selbst meinten, diese Tat sei unrichtig
gewesen. Weil sie den Herrn von Seiner Mission, Romaharsana
Suta zu töten, nicht abbringen wollten, beteten
sie alle zu Ihm: "Lieber Herr, daß Du die kusa-Waffe eingesetzt hast,
um Romaharsana Suta zu töten, ist eine
außergewöhnliche Tat, und ihre Wirkung soll
bestehenbleiben, wie sie ist. Weil es Dein Wunsch war, ihn
zu töten, sollte er nicht wieder zum Leben erweckt werden.
Gleichzeitig aber bitten wir Dich, o Herr, Dich daran zu erinnern, daß
wir, die Weisen und
brahmanas von Naimisaranya, ihm freiwillig ein langes
Leben versprochen haben; eine solche Segnung sollte nicht einfach
aufgehoben werden." Somit widersprachen sich
die Bitten der gelehrten brahmanas, denn einerseits wollten sie ihre
Segnung, daß Romaharsana Suta bis
zum Ende der großen Opferzeremonie leben würde, nicht aufheben,
andererseits aber wollten sie auch nicht, daß
Balarama seinen Tod rückgängig machte.
Sri Balarama, die Höchste
Persönlichkeit
Gottes, löste das Problem auf eine
Weise, die Seiner erhabenen Stellung würdig war. Er sagte: "Da der Sohn
vom Körper des Vaters erzeugt wird, ist der Sohn nach den Lehren der
Veden ein Vertreter des Vaters.
Deshalb sage Ich, daß Ugrasrava Suta, der
Sohn Romaharsana Sutas, die Stellung seines Vaters einnehmen soll, um
seinerseits die Gespräche über die Puranas weiterzuführen. Und weil ihr
Romaharsana ein langes Leben wünschtet,
soll diese Segnung auf den Sohn übertragen werden. Ugrasrava soll mit
allem gesegnet
werden, was ihr seinem
Vater verspracht - ein langes, ungestörtes Leben in einem guten,
gesunden Körper sowie die volle Kraft seiner Sinne."
Dann ersuchte Sri
Balarama die
Weisen und brahmanas, Ihn neben der Segnung,
die Er Ugrasrava erteilte, noch um eine weitere Gunst zu bitten, und Er
sei bereit, sie ihnen sofort zu erfüllen. Auf diese Weise spielte der
Herr die Rolle eines gewöhnlichen ksatriya und sagte den Weisen, daß Er
nicht wisse, auf welche Weise Er den Tod Romaharsanas sühnen könne, daß
Er aber mit Freude ausführen werde, was auch immer sie Ihm vorschlügen.
Die brahmanas erkannten die Absicht
des Herrn, und deshalb schlugen sie Ihm vor, Seine Tat in einer Weise
zu sühnen, daß es ihnen allen zugute
kommen würde. Sie sagten: "O lieber Herr, es gibt
einen Dämon mit Namen Balvala. Er ist der
Sohn Ilvalas, und er
besitzt außergewöhnliche Stärke. Alle vierzehn
Tage, an den Vollmond- und Neumondtagen, sucht er
diese heilige Opferstätte heim und stört uns bei der Ausführung unserer
Opferpflichten. O Nachkomme der Familie Dasarhas, wir alle bitten Dich,
diesen Dämon zu
vernichten. Wenn Du ihn in Deiner Güte tötest, so
ist dies für uns eine angemessene Wiedergutmachung. Der Dämon kommt von
Zeit zu Zeit hierher und
überschüttet uns mit großen Mengen unreiner und widerlicher
Substanzen, wie Eiter, Blut, Kot, Urin und Wein. Er entweiht diesen
heiligen Ort, indem er solchen
ekelerregenden Unrat
auf uns herabgießt. Wenn Du Balvala getötet
hast, kannst Du Deine Reise zu den heiligen Pilgerorten für zwölf
Monate fortsetzen. Auf
diese Weise wirst
Du von allen Verunreinigungen befreit
werden. Das ist
unser Vorschlag."
---
* Vyasadeva: die literarische Inkarnation Gottes.
Hiermit
enden die Bhaktivedanta-Erläuterungen zum 77. Kapitel des Krsna-Buches:
"Dantavakra, Viduratha und Romaharsana werden getötet".