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Die Transzendentalen Spiele Sri Krishnas
Von Seiner Heiligkeit A.C. Bhaktivedanta Swami Prabhupada

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77. Kapitel: Dantavakra, Viduratha und Romaharsana werden getötet


Nach dem Tod von Sisupala, Salva und Paundraka wollte ein weiterer törichter Dämon, nämlich König Dantavakra, Krsna töten, um sich für seinen Freund Salva zu rächen. Er war so außer sich, daß er einfach Hals über Kopf auf das Schlachtfeld stürmte, ohne sich entsprechend gerüstet und bewaffnet zu haben, ja er hatte nicht einmal einen Streitwagen. Seine einzige Waffe war seine große Wut, die rotglühend in seinen Adern kochte; er hatte nichts anderes als eine Keule, die er in den Händen schwang, doch er war so machtvoll, daß jeder spüren konnte, wie bei seinen Schritten die Erde bebte. Als Sri Krsna ihn so heldenmütig heranstürmen sah, stieg Er sogleich vom Wagen, denn es war eine Kampfregel, daß nur Gegner mit gleichen Voraussetzungen miteinander kämpfen dürfen. Weil Dantavakra nur mit einer Keule bewaffnet und dazu allein war, stellte Sich Sri Krsna auf ihn ein und nahm ebenfalls nur eine Keule in die Hand. Sowie Krsna Dantavakra entgegentrat, wurde dieser in seinem kühnen Lauf aufgehalten, genau wie die großen, wilden Wogen des Ozeans, die am Gestade gebrochen werden.

Dantavakra, der König von Karusa, pflanzte sich mit seiner Keule in der Hand vor Sri Krsna auf und rief Ihm zu: "Welch eine Freude, welch ein Glück, Krsna, daß wir uns von Angesicht zu Angesicht gegenüberstehen! Mein lieber Krsna, Du bist trotz allem mein ewiger Vetter, und deshalb sollte ich Dich nicht auf diese Weise töten; doch leider hast Du einen großen Fehler begangen, als Du meinen Freund Salva ermordetest. Überdies gibst Du Dich nicht damit zufrieden, meinen Freund getötet zu haben, sondern wie ich ganz genau weiß, willst Du auch mich umbringen. Weil Du solche Pläne hast, muß ich Dich töten, indem ich Dich jetzt mit meiner Keule in Fetzen schlage. Obwohl Du mein Verwandter bist, Krsna, bist Du ein Narr. Du bist unser ärgster Feind, und deshalb muß ich Dich heute töten, genau wie man ein Geschwür am Körper durch eine Operation entfernt. Ich bin meinen Freunden immer sehr zu Dank verpflichtet, und so fühle ich mich tief in der Schuld meines lieben Freundes Salva. Diese Schuld kann ich nur mit Deinem Tod begleichen."

So wie ein Elefantenwärter versucht, den Elefanten mit Stabhieben zu bändigen, versuchte Dantavakra, Krsna durch heftige Worte einzuschüchtern. Nachdem er seine Schmähungen ausgesprochen hatte, schlug er Krsna mit der Keule auf den Kopf und brüllte wie ein Löwe. Obgleich Krsna von Dantavakras Keule sehr hart getroffen wurde, wich Er keinen Fingerbreit, noch spürte Er irgendeinen Schmerz. Statt dessen schwang Er geschickt Seine Keule namens Kaumodaki und versetzte Dantavakras Brust einen solch durchdringenden Schlag, daß diesem das Herz entzweigerissen wurde. Dantavakra spie Blut, sein Haar wirbelte durcheinander, und er streckte zuckend seine Arme und Beine von sich, und alles, was nach wenigen Minuten von Dantavakra noch übrigblieb, war ein regloser Leichnam auf dem Boden. Nach Dantavakras Tod kam, genau wie bei Sisupalas Tod, vor den Augen aller Anwesenden ein kleines, leuchtendes spirituelles Teilchen aus dem Körper des Dämons hervor und ging auf wundervolle Weise in Sri Krsnas Körper ein.

Dantavakra hatte einen Bruder namens Viduratha, und als dieser von Dantavakras Tod erfuhr, schien ihn der Schmerz fast zu zerreißen. Vor Schmerz und Wut ging Vidurathas Atem schwer, und um den Tod seines Bruders zu rächen, erschien auch er vor Sri Krsna. Mit Schwert und Schild bewaffnet, war er fest entschlossen, Krsna auf der Stelle zu töten. Als Sri Krsna erkannte, daß Viduratha nur eine Gelegenheit abpaßte, um Ihn mit dem Schwert zu erschlagen, griff Er nach Seinem Sudarsana-cakra, das so scharf war wie eine Rasierklinge, und ohne ein Wort zu verlieren, trennte Er Viduratha damit den Kopf samt Helm und Ohrringen vom Rumpf.

Nachdem Sri Krsna auf diese Weise Salva und sein wundersames Flugzeug vernichtet und danach Dantavakra und Viduratha getötet hatte, kehrte Er schließlich in Seine Stadt Dvaraka zurück. Es wäre niemandem außer Krsna möglich gewesen, diese großen Helden zu töten, und daher begannen alle Halbgötter des Himmels und die Menschen auf der Erde Seinen Ruhm zu preisen. Die großen Weisen und Asketen, die Bewohner der Planeten der Siddhas und Gandharvas, die Vidyadharas, die Vasukis und Mahanagas, die anmutigen Engel, die Bewohner von Pitrloka, die Yaksas, die Kinnaras und die Caranas - sie alle überschütteten den Herrn mit Blumen und besangen voller Jubel Seinen Sieg. Die Bewohner Dvarakas schmückten die ganze Stadt und verliehen ihr eine festliche Aufmachung. Daraufhin fand eine große Feier statt, und als Sri Krsna durch die Stadt zog, folgten Ihm alle Angehörigen der Vrsni-Dynastie und die Helden der Yadu-Dynastie voller Ehrfurcht.

Dies sind einige der transzendentalen Spiele Sri Krsnas, des Meisters aller mystischen Kräfte und des Herrn aller kosmischen Manifestationen. Narren, die nicht besser sind als Tiere, denken manchmal, daß Krsna besiegt werden könne; doch in Wirklichkeit ist Er die Höchste Persönlichkeit Gottes, und niemand kann Ihn besiegen. Er ist der einzige und alleinige Gott, und alle anderen sind die Ihm untergebenen Ausführenden Seiner Befehle. Eines Tages erfuhr Sri Balarama, daß sich die beiden feindlichen Parteien der Kuru-Dynastie auf eine Schlacht vorbereiteten; eine Seite wurde von Duryodhana angeführt und die andere von den Pandavas. Er war nicht sehr angetan von dem Gedanken, einfach nur ein Vermittler zu sein, der versuchen sollte, die Schlacht zu verhindern. Er empfand es als unerträglich, daß Er nicht aktiv für eine der beiden Seiten würde Partei ergreifen können, und deshalb verließ Er Dvaraka mit der Begründung, verschiedene heilige Pilgerstätten besuchen zu wollen. Als erstes erreichte Er die Pilgerstätte, die als Prabhasaksetra bekannt ist. Dort nahm Er ein Bad, stellte die ansässigen brahmanas zufrieden und brachte den Halbgöttern, den pitas, den großen Weisen und den Einheimischen gemäß den vedischen Ritualen verschiedene Opfergaben dar. Das ist die vedische Art, heilige Orte zu besuchen. Anschließend beschloß Er, in Begleitung von ehrwürdigen brahmanas heilige Orte am Ufer des Flusses Sarasvati aufzusuchen. Im Laufe Seiner Reise besuchte Er Orte wie Prthudaka, Bindusara, Tritakupa, Sudarsanatirtha, Visalatirtha, Brahmatirtha und Cakratirtha, und außerdem besuchte Er auch alle heiligen Stätten am Ufer der nach Osten strömenden Sarasvati. Danach reiste Er auch zu den bedeutendsten heiligen Orten an den Ufern der Yamuna und des Ganges. So gelangte Er schließlich an den heiligen Ort, der als Naimisaranya bekannt ist.

Der heilige Ort Naimisaranya, den es in Indien heute noch gibt, war in jenen Zeiten ein Versammlungsort für große Weise und Heilige, die das Ziel hatten, spirituelles Leben und Selbstverwirklichung zu verstehen. Als Sri Balarama nach Naimisaranya kam, war gerade eine große Versammlung von Transzendentalisten dabei, ein umfangreiches Opfer durchzuführen. Zeremonien dieser Art waren gewöhnlich so angelegt, daß sie Tausende von Jahren dauern würden. Bei Sri Balaramas Ankunft erhoben sich sogleich alle Versammelten - die großen Weisen, Asketen, brahmanas und Gelehrten - von ihren Sitzen und hießen Ihn mit aller Ehre und Achtung willkommen. Einige brachten Ihm ihre respektvollen Ehrerbietungen dar, während die älteren Weisen und brahmanas Ihn segneten, indem sie aufstanden. Nach dieser Begrüßung wurde Sri Balarama ein Sitz angeboten, der Seiner Persönlichkeit würdig war, und daraufhin bezeigte Ihm jeder seine Verehrung. In Balaramas Gegenwart hatten sich alle Teilnehmer der Versammlung erhoben, denn sie wußten, daß Er die Höchste Per- sönlichkeit Gottes ist. Bildung oder Gelehrtheit bedeutet, die Höchste Persönlichkeit Gottes zu verstehen. Obwohl Sri Balarama auf der Erde als ksatriya erschienen war, erhoben sich daher die brahmanas und Weisen, denn sie wußten, wer Balarama war.

Nachdem Sri Balarama auf diese Weise empfangen und zu einem Ehrenplatz geleitet worden war, mußte Er leider sehen, daß Romaharsana, der Schüler Vyasadevas* , immer noch auf dem vyasasana saß. Romaharsana hatte sich weder von seinem Sitz erhoben, noch hatte er Sri Balarama Achtung erwiesen. Weil er auf dem vyasasana saß, hielt er sich, töricht wie er war, für bedeutender als der Herr, und deshalb stieg er nicht von seinem erhöhten Sitz, um sich vor Ihm zu verneigen. Sri Balarama erinnerte Sich sodann an Romaharsanas Abstammung: Er kam aus einer suta-Familie, d.h. aus einer Mischehe zwischen einer brahmana-Frau und einem ksatriya-Mann. Schon allein aus diesem Grund hätte Romaharsana nicht auf seinem vyasasana sitzen bleiben dürfen, selbst wenn er Balarama nur als ksatriya ansah. Sri Balarama sagte Sich, daß Romaharsana wegen seiner Herkunft den erhöhten Sitz nicht hätte einnehmen dürfen, da viele gelehrte brahmanas und Weise zugegen waren; darüber hinaus hatte es Romaharsana nicht nur vernachlässigt, von seinem Ehrensitz herunterzukommen, sondern er war nicht einmal aufgestanden, um Balaramaji Achtung zu erweisen, als Er in der Versammlung erschien. Sri Balarama gefiel Romaharsanas Dreistigkeit nicht, und Er wurde sehr zornig auf ihn.

Wer auf dem vyasasana sitzt, braucht im allgemeinen nicht aufzustehen, um einen Neuankömmling zu empfangen; doch in diesem Fall war der Sachverhalt ein anderer, denn Sri Baladeva ist kein gewöhnlicher Mensch. Romaharsana Suta hätte daher, obwohl er von allen brahmanas dazu auserkoren worden war, auf dem vyasasana zu sitzen, dem Beispiel der anderen großen Weisen und brahmanas folgen sollen, denn er hätte sich ebenfalls darüber bewußt sein müssen, daß Sri Balarama die Höchste Persönlichkeit Gottes ist. Ihm gebührt immer Achtung, selbst in einem Fall, wo man einem gewöhnlichen Menschen gegenüber keine Achtung erweisen müßte. Krsnas und Balaramas Erscheinen hatte vor allem den Zweck, die religiösen Prinzipien wiedereinzuführen. Wie in der Bhagavad-gita erklärt wird, ist es das höchste religiöse Prinzip, sich der Höchsten Persönlichkeit Gottes hinzugeben. Und auch das Srimad-Bhagavatam bestätigt, daß es die höchste Vollkommenheit der Religiosität ist, im hingebungsvollen Dienst des Herrn tätig zu sein.

Als Sri Balarama sah, daß Romaharsana trotz seines Studiums aller Veden dieses höchste Prinzip der Religiosität nicht verstanden hatte, konnte Er es nicht unterstützen, daß Romaharsana diese Ehrenstellung einnahm. Romaharsana Suta hatte die Möglichkeit bekommen, ein vollkommener brahmana zu werden, doch aufgrund seines falschen Verhaltens gegenüber der Höchsten Persönlichkeit Gottes wurde man sofort wieder an seine niedrige Herkunft erinnert. Romaharsana Suta war zwar die Stellung eines brahmana verliehen worden, doch er selbst stammte nicht aus einer brahmana-Familie, sondern aus einer pratiloma-Familie. Nach den Veden gibt es zweierlei Arten von Mischehen: anuloma und pratiloma. Wenn sich ein Mann mit einer Frau aus einer niedrigeren Kaste verbindet, wird ihr Nachwuchs als anuloma bezeichnet. Geht ein Mann eine Verbindung mit einer Frau von höherer Herkunft ein, nennt man den Nachwuchs pratiloma. Romaharsana Suta gehörte zu einer pratiloma-Familie, da er von einem ksatriya-Vater und einer brahmana-Mutter abstammte. Und weil Romaharsanas transzendentale Verwirklichung nicht vollkommen war, erinnerte Sich Sri Balarama sogleich an dessen pratiloma-Herkunft. Das Prinzip ist, daß jedem Menschen die Möglichkeit gegeben werden kann, ein brahmana zu werden; aber wenn er sich aus Mangel an tatsächlicher Verwirklichung nicht so verhält, wie es seiner Stellung als brahmana angemessen ist, oder wenn er diese Stellung mißbraucht, dann hat seine Erhebung zur brahmanischen Stufe keine Gültigkeit.

Sri Balarama sah also, daß es Romaharsana Suta an wirklicher Erkenntnis fehlte, und deshalb beschloß Er, ihn für seinen Hochmut zu bestrafen. "Dieser Mann verdient die Todesstrafe", sagte Er Sich, "denn obwohl er das große Glück hatte, ein Schüler Sri Vyasadevas zu sein, und obwohl er unter der Anweisung dieser erhabenen Persönlichkeit alle vedischen Schriften studiert hat, war er vor der Höchsten Persönlichkeit Gottes nicht demütig." Wie in der Bhagavad-gita erklärt wird, muß jemand, der ein wirklicher brahmana ist und umfangreiches Wissen besitzt, zugleich auch sehr zuvorkommend sein. Romaharsana Suta jedoch hatte es trotz seiner großen Bildung und seiner Erhebung auf die Stufe eines brahmana verpaßt, diese Eigenschaft zu entwickeln. Dies zeigt uns, daß jemand, der sich auf materielle Errungenschaften etwas einbildet, unmöglich das freundliche und zuvorkommende Wesen eines brahmana entwickeln kann. Die Gelehrtheit eines solchen Menschen gleicht einem kostbaren Juwel auf dem Kopf einer Schlange. Trotz des kostbaren Juwels bleibt die Schlange immer noch eine Schlange und ist als solche ebenso gefährlich wie alle anderen gewöhnlichen Schlangen. Wenn jemand nicht bescheiden und demütig wird, sind all seine Studien der Veden und Puranas und sein umfangreiches Wissen aus den sastras nur ein äußeres Gewand, genau wie das Kostüm eines Schauspielers auf der Bühne. Sri Balarama überlegte Sich deshalb: "Ich bin erschienen, um die Heuchler zu bestrafen, die in ihrem Innern unrein sind, sich aber nach außen hin für sehr gelehrt und religiös ausgeben. Es ist besser, wenn Ich solche Menschen töte, damit sie davon abgehalten werden, weitere sündvolle Tätigkeiten zu begehen."

Sri Balarama hatte es zwar vermieden, in der Schlacht von Kuruksetra mitzukämpfen, aber dennoch blieb es aufgrund Seiner besonderen Stellung Seine vornehmste Pflicht, die religiösen Prinzipien wiederherzustellen. Aus diesen Überlegungen heraus tötete Er Romaharsana Suta, indem Er ihm mit einem kusa-Halm, einem ganz gewöhnlichen Grashalm, einen Schlag versetzte. Man mag sich nun fragen, wie es Balarama möglich sein konnte, Romaharsana nur durch den Schlag mit einem kusa-Halm zu töten. Die Antwort gibt das Srimad-Bhagavatam, indem es das Wort prabhu (Meister) gebraucht. Die Stellung des Höchsten Herrn ist stets transzendental, und weil Er allmächtig ist, kann Er nach Belieben handeln, ohne materiellen Gesetzen und Pflichten untergeordnet zu sein. So war es Ihm auch möglich, Romaharsana mit einem bloßen kusa-Grashalm zu töten.

Als Romaharsana Suta so plötzlich den Tod fand, waren alle Anwesenden tief getroffen, und es erhoben sich Schreie und Wehklagen. Obwohl die brahmanas und die Weisen wußten, daß Sri Balarama die Höchste Persönlichkeit Gottes ist, zögerten sie nicht, gegen die Tat des Herrn zu protestieren, und in aller Demut gaben sie folgendes zu bedenken: "Lieber Herr, wir sind der Ansicht, daß Deine Tat nicht in Übereinstimmung mit den religiösen Prinzipien steht. Lieber SriYadunandana, bitte erlaube uns, Dir mitzuteilen, daß wir brahmanas Romaharsana Suta für die Dauer unserer großen Opferzeremonie diese hohe Stellung überantwortet haben. Er kam durch unsere Wahl auf den vyasasana, und wenn man auf dem vyasasana sitzt, ist es unangemessen, aufzustehen, um jemanden zu begrüßen. Außerdem haben wir Romaharsana Suta ein unbeeinträchtigtes und langes Leben zugesprochen. Daher kommt die Tat, die Du, o Herr, begangen hast, ohne diese Hintergründe zu kennen, in unseren Augen der Ermordung eines brahmana gleich. Lieber Herr, Befreier aller gefallenen Seelen, wir wissen natürlich, daß Du alle vedischen Prinzipien kennst. Du bist der Herr aller mystischen Kräfte, und deshalb haben die vedischen Anweisungen im allgemeinen keine Gültigkeit für Dich. Dennoch bitten wir Dich, uns allen Deine grundlose Barmherzigkeit zu erweisen und gütigerweise den Tod Romaharsana Sutas wiedergutzumachen. Wir wollen Dir jedoch nicht vorschreiben, was Du tun sollst, um seinen Tod zu sühnen. Wir bitten Dich nur, eine beliebige Buße auf Dich zu nehmen, so daß andere Deinem Beispiel folgen können. Was immer nämlich eine große Persönlichkeit tut, dem folgt der gewöhnliche Mensch."

Der Herr erwiderte: "Ja, Ich muß Meine Handlung sühnen, die für Mich zwar angemessen war, für andere jedoch ein großes Vergehen bedeuten würde. Ich betrachte es deshalb als Meine Pflicht, Mir eine geeignete Buße aufzuerlegen, wie sie von den autorisierten Schriften vorgeschrieben wird. Zugleich bin Ich bereit, Romaharsana Suta wieder zum Leben zu erwecken und ihm eine lange Lebensdauer, ausreichende Kraft und die ganze Macht seiner Sinne zu verleihen. Nicht nur das - wenn ihr wollt, werde Ich ihm bereitwillig auch alles andere geben, worum ihr Mich bittet. Es wird Mir eine Freude sein, ihm all diese Segnungen zu erteilen, wenn dies euer Wunsch ist."

Diese Worte Balaramas bestätigen eindeutig, daß der Herr, die Höchste Persönlichkeit Gottes, völlige Freiheit hat, zu handeln, wie es Ihm beliebt. Man könnte denken, es sei nicht richtig gewesen, Romaharsana Suta zu töten, doch Sri Balarama besaß die Kraft, diese Tat augenblicklich rückgängig zu machen, und zwar auf eine Weise, daß sich der Nutzen für alle vergrößerte. Man sollte daher nicht versuchen, die Taten des Höchsten Herrn nachzuahmen; vielmehr sollte man einfach Seinen Anweisungen folgen. Alle versammelten großen Weisen und Gelehrten erkannten, daß Sri Balarama imstande war, Seine Tat zum Vorteil aller wiedergutzumachen, obwohl sie selbst meinten, diese Tat sei unrichtig gewesen. Weil sie den Herrn von Seiner Mission, Romaharsana Suta zu töten, nicht abbringen wollten, beteten sie alle zu Ihm: "Lieber Herr, daß Du die kusa-Waffe eingesetzt hast, um Romaharsana Suta zu töten, ist eine außergewöhnliche Tat, und ihre Wirkung soll bestehenbleiben, wie sie ist. Weil es Dein Wunsch war, ihn zu töten, sollte er nicht wieder zum Leben erweckt werden. Gleichzeitig aber bitten wir Dich, o Herr, Dich daran zu erinnern, daß wir, die Weisen und brahmanas von Naimisaranya, ihm freiwillig ein langes Leben versprochen haben; eine solche Segnung sollte nicht einfach aufgehoben werden." Somit widersprachen sich die Bitten der gelehrten brahmanas, denn einerseits wollten sie ihre Segnung, daß Romaharsana Suta bis zum Ende der großen Opferzeremonie leben würde, nicht aufheben, andererseits aber wollten sie auch nicht, daß Balarama seinen Tod rückgängig machte.

Sri Balarama, die Höchste Persönlichkeit Gottes, löste das Problem auf eine Weise, die Seiner erhabenen Stellung würdig war. Er sagte: "Da der Sohn vom Körper des Vaters erzeugt wird, ist der Sohn nach den Lehren der Veden ein Vertreter des Vaters. Deshalb sage Ich, daß Ugrasrava Suta, der Sohn Romaharsana Sutas, die Stellung seines Vaters einnehmen soll, um seinerseits die Gespräche über die Puranas weiterzuführen. Und weil ihr Romaharsana ein langes Leben wünschtet, soll diese Segnung auf den Sohn übertragen werden. Ugrasrava soll mit allem gesegnet werden, was ihr seinem Vater verspracht - ein langes, ungestörtes Leben in einem guten, gesunden Körper sowie die volle Kraft seiner Sinne."

Dann ersuchte Sri Balarama die Weisen und brahmanas, Ihn neben der Segnung, die Er Ugrasrava erteilte, noch um eine weitere Gunst zu bitten, und Er sei bereit, sie ihnen sofort zu erfüllen. Auf diese Weise spielte der Herr die Rolle eines gewöhnlichen ksatriya und sagte den Weisen, daß Er nicht wisse, auf welche Weise Er den Tod Romaharsanas sühnen könne, daß Er aber mit Freude ausführen werde, was auch immer sie Ihm vorschlügen.

Die brahmanas erkannten die Absicht des Herrn, und deshalb schlugen sie Ihm vor, Seine Tat in einer Weise zu sühnen, daß es ihnen allen zugute kommen würde. Sie sagten: "O lieber Herr, es gibt einen Dämon mit Namen Balvala. Er ist der Sohn Ilvalas, und er besitzt außergewöhnliche Stärke. Alle vierzehn Tage, an den Vollmond- und Neumondtagen, sucht er diese heilige Opferstätte heim und stört uns bei der Ausführung unserer Opferpflichten. O Nachkomme der Familie Dasarhas, wir alle bitten Dich, diesen Dämon zu vernichten. Wenn Du ihn in Deiner Güte tötest, so ist dies für uns eine angemessene Wiedergutmachung. Der Dämon kommt von Zeit zu Zeit hierher und überschüttet uns mit großen Mengen unreiner und widerlicher Substanzen, wie Eiter, Blut, Kot, Urin und Wein. Er entweiht diesen heiligen Ort, indem er solchen ekelerregenden Unrat auf uns herabgießt. Wenn Du Balvala getötet hast, kannst Du Deine Reise zu den heiligen Pilgerorten für zwölf Monate fortsetzen. Auf diese Weise wirst Du von allen Verunreinigungen befreit werden. Das ist unser Vorschlag."

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* Vyasadeva: die literarische Inkarnation Gottes.


Hiermit enden die Bhaktivedanta-Erläuterungen zum 77. Kapitel des Krsna-Buches: "Dantavakra, Viduratha und Romaharsana werden getötet".