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Die Transzendentalen Spiele Sri Krishnas
Von Seiner Heiligkeit A.C. Bhaktivedanta Swami Prabhupada

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86. Kapitel: Die Gebete der Veden in Person


König Pariksit stellte Sukadeva Gosvami als nächstes eine Frage über ein Thema, das für das Verstehen der spirituellen Philosophie von großer Bedeutung ist. Diese Frage lautete: "Das vedische Wissen behandelt hauptsächlich die drei Erscheinungsweisen der materiellen Natur - wie kann es dann also die Transzendenz erfassen, die jenseits der Reichweite der materiellen Erscheinungsweisen liegt? Der Geist ist materiell, und Worte sind materielle Klangschwingungen - wie also kann sich das vedische Wissen, das mit materiellen Klangschwingungen die Gedanken des Geistes ausdrückt, mit dem Thema der Transzendenz befassen? Um ein Objekt zu beschreiben, muß man seinen Ursprung, seine Eigenschaften und sein Wirken beschreiben, und dies ist nur möglich, indem man materielle Worte gebraucht, die die Gedanken des materiellen Geistes ausdrücken. Unser Ausdrucksvermögen geht nicht über den Bereich der materiellen Eigenschaften hinaus, aber das Brahman, die Absolute Wahrheit, hat keine materiellen Eigenschaften. Wie kann das Brahman, die Absolute Wahrheit, dann mit unseren Worten beschrieben werden? Ich begreife nicht, wie es möglich sein soll, die Transzendenz durch solche Ausdrücke materieller Klangschwingungen zu verstehen."

König Pariksit stellte seine Fragen mit der Absicht, daß Sukadeva Gosvami erklären würde, ob die Veden die Absolute Wahrheit letztlich als unpersönlich oder als persönlich beschreiben. Wenn man im spirituellen Verständnis fortschreitet, erkennt man die drei Aspekte der Absoluten Wahrheit: das unpersönliche Brahman, den Paramatma im Herzen eines jeden und schließlich die Höchste Persönlichkeit Gottes, Krsna. Die Veden behandeln drei verschiedene Bereiche von Tätigkeiten: karma-kanda, d.h. Tätigkeiten nach den Anweisungen der Veden, durch die man allmählich so weit geläutert wird, daß man seine wesenseigene Stellung erkennt; jnana-kanda, d.h. der Weg, sich der Absoluten Wahrheit durch philosophische Spekulation zu nähern, und upasana-kanda, die Verehrung der Höchsten Persönlichkeit Gottes und manchmal auch der Halbgötter. Die Halbgötterverehrung, wie sie in den Veden beschrieben wird, macht es notwendig, daß man die Beziehung der Halbgötter zur Persönlichkeit Gottes versteht. Die Höchste Persönlichkeit Gottes hat viele Teile; die einen bezeichnet man als svamsa, Seine persönlichen Erweiterungen, und die anderen als vibhinnamsa, die Lebewesen.

All diese Erweiterungen, sowohl die svamsas als auch die vibhinnamsas, haben ihren Ursprung in der Persönlichkeit Gottes. Die svamsa-Erweiterungen werden visnu-tattva genannt und die vibhinnamsa-Erweiterungen jiva-tattva. Die Halbgötter gehören zum jiva-tattva. Die bedingten Seelen werden im allgemeinen um der Sinnenbefriedigung willen in die Tätigkeiten der materiellen Welt versetzt. Wie es in der Bhagavad-gita heißt, wird deshalb zur Einschränkung derer, die zu stark nach bestimmten Arten der Sinnenbefriedigung trachten, manchmal die Verehrung von Halbgöttern empfohlen. So empfehlen die vedischen Schriften zum Beispiel denjenigen, die unbedingt Fleisch essen wollen, die Verehrung der Göttin Kali. Wenn sie die Göttin Kali entsprechend den Regeln des karma-kanda verehren und ihr eine Ziege (und kein anderes Tier) opfern, dann erst ist es ihnen erlaubt, Fleisch zu essen. Der Zweck dieser Anweisung ist nicht etwa, das Fleischessen zu fördern, sondern sie soll einfach denjenigen, die sich nicht einschränken wollen, eine Möglichkeit geben, unter ganz bestimmten Bedingungen Fleisch zu essen. Deshalb ist die Halbgötterverehrung nicht dasselbe wie die Verehrung der Absoluten Wahrheit, aber sie erlaubt es einem auf indirekte Weise, allmählich auf die Ebene zu kommen, wo man die Höchste Persönlichkeit Gottes anerkennt. Dieser indirekte Weg wird in der Bhagavad-gita als avidhi bezeichnet, d.h. als "nicht autorisiert". Weil die Verehrung der Halbgötter also nicht autorisiert ist, betonen die Unpersönlichkeitsphilosophen die Meditation über den unpersönlichen Aspekt der Absoluten Wahrheit.

Mit seiner Frage wollte König Pariksit also erfahren, was das endgültige Ziel des vedischen Wissens ist: die Konzentration auf den unpersönlichen Aspekt der Absoluten Wahrheit oder die Konzentration auf den persönlichen Aspekt. Diese Frage ist wichtig, denn schließlich entziehen sich sowohl der unpersönliche als auch der persönliche Aspekt des Höchsten Herrn unserem materiellen Vorstellungsvermögen. Der unpersönliche Aspekt des Absoluten, die Brahman-Ausstrahlung, ist nichts anderes als die Ausstrahlung von Sri Krsnas transzendentalem Körper. Diese Ausstrahlung erstreckt sich über die gesamte Schöpfung, und den Teil der Ausstrahlung, der von der materiellen Wolke verhüllt wird, bezeichnet man als den erschaffenen Kosmos der drei materiellen Erscheinungsweisen - sattva, rajas und tamas. Wie also soll es möglich sein, daß diejenigen, die sich unter dieser Wolke, d.h. in der materiellen Welt, befinden, die Absolute Wahrheit durch philosophische Spekulation erkennen können?

Als Antwort auf König Pariksits Frage erwiderte Sukadeva Gosvami, daß die Höchste Persönlichkeit Gottes die Sinne, den Geist und die Lebenskraft sowohl zum Zwecke der Sinnenbefriedigung auf der Wanderung von einem Körper zum anderen wie auch als Möglichkeit zur Befreiung von der materiellen Bedingtheit geschaffen habe. Mit anderen Worten, die Sinne, der Geist und die Lebenskraft können entweder zur Befriedigung der Sinne und zur Wanderung von Körper zu Körper gebraucht werden oder aber zum Erlangen von Befreiung. Die vedischen Anweisungen sollen der bedingten Seele die Möglichkeit zu einer durch Prinzipien geregelten Sinnenbefriedigung geben und ihr dadurch zugleich helfen, zu höheren Lebensbedingungen zu gelangen. Wenn ihr Bewußtsein dann schließlich gereinigt worden ist, erlangt sie ihre ursprüngliche Stellung und kehrt nach Hause, zu Gott, zurück.

Die Lebenskraft besitzt Intelligenz, und deshalb muß man seine Intelligenz so gebrauchen, daß sie über den Geist und die Sinne herrscht. Wenn der Geist und die Sinne durch den richtigen Gebrauch der Intelligenz geläutert sind, dann ist die bedingte Seele befreit. Wird die Intelligenz jedoch nicht richtig verwendet, d.h. nicht dazu, Sinne und Geist zu beherrschen, wandert die bedingte Seele aufgrund ihres Wunsches nach Sinnenbefriedigung weiter von Körper zu Körper. Ein anderer Punkt, den Sukadeva Gosvamiin seiner Antwort deutlich hervorhob, ist die Tatsache, daß der Herr den Geist, die Sinne und die Intelligenz der individuellen Lebenskraft geschaffen hat; er hat jedoch nicht gesagt, daß die Lebewesen an sich jemals erschaffen wurden. Wie die leuchtenden Partikeln der Sonnenstrahlen immer zusammen mit der Sonne existieren, so existieren auch die Lebewesen ewig als Bestandteile der Höchsten Persönlichkeit Gottes. Obwohl die bedingten Seelen als Teile des Höchsten Herrn ewig bestehen, werden sie manchmal von der Wolke der materiellen Lebensauffassung bedeckt und fallen in die Dunkelheit der Unwissenheit. Alle vedischen Anweisungen sind dazu bestimmt, diese Dunkelheit zu vertreiben. Wenn die Sinne und der Geist des bedingten Lebewesens schließlich völlig gereinigt sind, erreicht es seine ursprüngliche Stellung, das Krsna-Bewußtsein, und das ist Befreiung.

Der erste Aphorismus, oder sutra, im Vedanta-sutra stellt die Frage nach der Absoluten Wahrheit: athato brahma-jijnasa. "Was ist die Natur der Absoluten Wahrheit?" Das darauffolgende sutra antwortet, daß die Absolute Wahrheit der Ursprung von allem Existierenden ist. Alles, was wir wahrnehmen, auch im materiellen, bedingten Leben, ist nichts weiter als eine von Ihr ausgehende Erweiterung. Die Absolute Wahrheit schuf den Geist, die Sinne und die Intelligenz, und daraus kann man schließen, daß die Absolute Wahrheit Selbst nicht ohne Geist, Intelligenz und Sinne ist. Mit anderen Worten, sie ist nicht unpersönlich. Schon allein das Wort "schuf" deutet darauf hin, daß die Absolute Wahrheit eine transzendentale Intelligenz besitzt. Wenn beispielsweise ein Mann ein Kind zeugt, hat das Kind Sinne, weil auch der Vater Sinne hat, und es hat Hände und Beine, weil auch der Vater Hände und Beine hat. Deshalb heißt es manchmal auch, daß der Mensch nach dem Ebenbild Gottes geschaffen wurde. Die Absolute Wahrheit ist daher die Höchste Persönlichkeit, die transzendentale Sinne, einen transzendentalen Geist und transzendentale Intelligenz besitzt. Wenn der Geist, die Intelligenz und die Sinne des Lebewesens von der materiellen Verunreinigung frei geworden sind, kann es verstehen, daß die Absolute Wahrheit in Ihrem ursprünglichen Aspekt eine Person ist.

Die vedischen Anweisungen erheben die bedingte Seele allmählich von der Erscheinungsweise der Unwissenheit zur Erscheinungsweise der Leidenschaft und von dort zur Erscheinungsweise der Tugend, und diese Erscheinungsweise erhellt die Sicht der bedingten Seele mit genügend Licht, um die Dinge so sehen zu können, wie sie sind. Dies kann durch ein Beispiel verdeutlicht werden: Aus der Erde wächst ein Baum; vom Baum erhält man Brennholz, und mit Brennholz kann man ein Feuer entfachen. Beim Anzünden entsteht zuerst Rauch, dann Hitze und schließlich Feuer. Das Feuer kann für viele Zwecke verwendet werden, und daher ist Feuer das erstrebte Ziel. Ebenso ist auf der grobstofflichen Stufe des materiellen Lebens die Erscheinungsweise der Unwissenheit vorherrschend. Mit der allmählichen Entwicklung vom Barbarendasein zum zivilisierten Leben weicht diese Unwissenheit, und mit dem Erreichen einer zivilisierten Lebensweise wird die Erscheinungsweise der Leidenschaft vorherrschend. Auf der Stufe des Barbarendaseins, in der Erscheinungsweise der Unwissenheit, werden die Sinne auf sehr grobe Weise befriedigt, während in der Erscheinungsweise der Leidenschaft, d.h. auf der zivilisierten Stufe des Lebens, die Sinnenbefriedigung eine verfeinerte Form annimmt. Wenn man jedoch die Erscheinungsweise der Tugend erreicht, kann man verstehen, daß sich die Sinne und der Geist nur deshalb mit materiellen Tätigkeiten beschäftigen, weil sie von einem widernatürlichen Bewußtsein bedeckt sind. Wenn dieses verzerrte, widernatürliche Bewußtsein allmählich in Krsna-Bewußtsein umgewandelt wird, öffnet sich der Pfad zur Befreiung. Mit anderen Worten, es ist nicht unmöglich, sich mit Hilfe der Sinne und des Geistes der Absoluten Wahrheit zu nähern. Die richtige Schlußfolgerung lautet somit, daß die Sinne, der Geist und die Intelligenz, solange sie sich auf der grobstofflichen Stufe der Verunreinigung befinden, das Wesen der Absoluten Wahrheit nicht erkennen können; wenn die Sinne, der Geist und die Intelligenz jedoch gereinigt sind, sind sie sehr wohl in der Lage zu verstehen, was die Absolute Wahrheit ist. Dieser Reinigungsvorgang ist der hingebungsvolle Dienst, das Krsna-Bewußtsein.

In der Bhagavad-gita wird unmißverständlich gesagt, daß es das Ziel des vedischen Wissens ist, Krsna zu erkennen, und Krsna wiederum ist nur durch hingebungsvollen Dienst zu erkennen, der damit beginnt, daß man sich Krsna hingibt. Die Bhagavad-gita gibt die Anweisung, daß man ohne Unterlaß an Krsna denken muß und daß man Ihm liebevollen Dienst darbringen, Ihn verehren und sich vor Ihm verneigen muß. Nur durch diesen Vorgang kann man in das Königreich Gottes gelangen, und darüber besteht kein Zweifel.

Wenn das Lebewesen in der Erscheinungsweise der Tugend durch den Vorgang des hingebungsvollen Dienstes erleuchtet wird, befreit es sich vom Einfluß der Erscheinungsweisen der Unwissenheit und Leidenschaft. Das Wort atmane bezeichnet die Stufe, auf der man all die brahmanischen Eigenschaften erlangt hat, die zum Studium der Upanisaden erforderlich sind. Diese vedischen Texte beschreiben auf vielerlei Weise die transzendentalen Eigenschaften des Höchsten Herrn, der Absoluten Wahrheit, und eine dieser Bezeichnungen lautet nirguna. Dies bedeutet jedoch nicht, daß der Höchste Herr keine Eigenschaften hat. Im Gegenteil, nur weil Er Eigenschaften hat, können auch die bedingten Lebewesen Eigenschaften haben. Der Sinn des Studiums der Upanisaden besteht in der Erkenntnis, daß die Absolute Wahrheit transzendentale Eigenschaften hat, die sich völlig von den materiellen Eigenschaften der Unwissenheit, Leidenschaft und Tugend unterscheiden. Das ist die vedische Sichtweise. Große Weise wie die vier Kumaras, von denen Sanaka der führende ist, folgten diesen Prinzipien des vedischen Wissens und gelangten auf diese Weise allmählich von einer unpersönlichen Auffassung der Absoluten Wahrheit zur persönlichen Verehrung des Höchsten Herrn. Es wird uns daher empfohlen, dem Beispiel dieser großen Persönlichkeiten zu folgen. Sukadeva Gosvami gehört selbst zu diesen großen Persönlichkeiten, weshalb seine Antwort auf Maharaja Pariksits Frage maßgeblich ist. Wer den Fußstapfen solch großer Persönlichkeiten folgt, macht auf dem Pfad der Befreiung mit Sicherheit sehr leicht Fortschritte und kehrt letzten Endes nach Hause, zu Gott, zurück. Dies ist der Vorgang, wie man die Vollkommenheit des menschlichen Lebens erreicht.

Sukadeva Gosvami sagte weiter zu Pariksit Maharaja: "Mein lieber König, in diesem Zusammenhang gibt es eine interessante Geschichte, die ich dir erzählen möchte. Diese Erzählung ist von großer Bedeutung, weil sie sich auf Narayana, die Höchste Persönlichkeit Gottes, bezieht. Sie schildert ein Gespräch zwischen Narayana Rsi und dem großen Weisen Narada. Narayana Rsi hält Sich noch heute in Badarikasrama auf, einem Ort im Gebirge des Himalaya, und Er ist eine anerkannte Inkarnation Narayanas. Als einst Narada, der große Geweihte und Asket unter den Halbgöttern, verschiedene Planeten bereiste, wollte er auch den Asketen Narayana in Badarikasrama besuchen, um Ihm seine Ehrerbietungen darzubringen. Narayana Rsi, die Inkarnation Gottes als großer Weiser, unterzieht Sich schon seit Anbeginn der Schöpfung schweren Bußen und Entsagungen, um die Bewohner von Bharata-varsa zu lehren, wie man die höchste Vollkommenheit des Lebens erreicht und zurück zu Gott geht. Seine Bußen und Entsagungen sind beispielhaft für alle Menschen."

Badarikasrama liegt im nördlichsten Teil des Himalaya und ist immer mit Schnee bedeckt. Auch heute noch gibt es fromme Inder, die diesen Ort während des Sommers besuchen, wenn es nicht so heftig schneit. Einst hielt Sich Narayana Rsi, die Inkarnation Gottes, in dem Dorf namens Kalapagrama auf, und dort saß Er inmitten vieler Gottgeweihter. Natürlich handelte es sich dabei nicht um gewöhnliche Weise, und so kam es, daß unter ihnen auch der große Weise Narada erschien. Nachdem er Narayana Rsi seine Ehrerbietungen erwiesen hatte, stellte er Ihm die gleiche Frage, die König Pariksit an Sukadeva Gosvami gerichtet hatte. Narayana Rsi beantwortete daraufhin Naradas Frage, indem Er den Fußstapfen Seiner Vorgänger folgte, und Er erzählte, wie diese Frage vor langer Zeit einmal auf dem Planeten Janaloka erörtert wurde. Janaloka befindet sich oberhalb der Svargaloka-Planeten, zu denen Planeten wie der Mond und die Venus gehören. Auf diesen Planeten leben große Weise und Heilige, und auch sie sprachen einstmals über dasselbe Thema, nämlich das richtige Verständnis vom Brahman und seiner wirklichen Identität.

Der große Weise Narayana sprach: "Mein lieber Narada, Ich will dir nun von einer Begebenheit berichten, die sich vor langer, langer Zeit zutrug. Es hielten einst die Bewohner der himmlischen Planeten eine große Zusammenkunft ab, an der fast ausnahmslos alle bedeutenden brahmacaris teilnahmen, so wie die vier Kumaras - Sanat, Sanandana, Sanaka und Sanatana. Gegenstand ihres Gesprächs war das Verständnis von der Absoluten Wahrheit, dem Brahman. Du selbst warst bei dem Treffen nicht zugegen, da du dich damals auf die Insel Svetadvipa begeben hattest, um Meine Erweiterung Aniruddha zu besuchen. In jener Versammlung sprachen die großen Weisen und brahmacaris in aller Ausführlichkeit über die gleiche Frage, die auch du Mir heute gestellt hast. Dieses Gespräch war äußerst interessant, und es bewegte sich auf einer solch hohen Ebene, daß selbst die Veden nicht imstande waren, die auftretenden komplizierten Fragen zu beantworten."

Narayana Rsi sagte also zu Naradaji, daß dieselbe Frage, die er Ihm gestellt habe, bereits bei dieser Zusammenkunft auf Janaloka besprochen worden sei. Das ist der Weg, Wissen durch die parampara, die Schülernachfolge, zu erlangen. Maharaja Pariksit stellte Sukadeva Gosvamieine Frage; Sukadeva Gosvamibezog sich bei seiner Antwort auf Narada, der seinerseits Narayana Rsi gefragt hatte, und Narayana Rsi schließlich berief Sich bei seiner Antwort auf noch höhere Autoritäten, die auf dem Planeten Janaloka residieren, wo dieses Thema von den großen Kumaras - Sanat, Sanatana, Sanaka und Sanandana - erörtert worden war. Diese vier brahmacaris sind anerkannte Gelehrte der Veden und der sastras. Ihr unbegrenzter, von Entsagungen und Bußen gestützter Wissensschatz wird in ihrem erhabenen und vorbildlichen Charakter offenbart. Sie sind sehr liebenswürdig und zuvorkommend, und für sie gibt es keinen Unterschied zwischen Freunden, Gönnern und Feinden. Weil Persönlichkeiten wie die Kumaras in der Transzendenz verankert sind, stehen sie über allen materiellen Betrachtungen und sind materiellen Dualitäten gegenüber stets gleichgültig. Bei der Diskussion, die die vier Brüder miteinander führten, wählten sie einen von ihnen, Sanandana, zum Sprecher, und die drei anderen Brüder wurden seine Zuhörer.

Sanandana sagte: "Nach der Auflösung der gesamten kosmischen Manifestation geht die Gesamtheit der Energie und die ganze Schöpfung in ihrer Kernform in den Körper GarbhodakasayiVisnus ein. Dann schläft der Herr für eine unvorstellbar lange Zeit, und wenn wieder eine Schöpfung notwendig wird, versammeln sich die Veden in Person um Ihn und beginnen, Ihn zu lobpreisen, indem sie Seine wundervollen transzendentalen Spiele beschreiben. Dies ist mit dem Wecken eines Königs vergleichbar: Wenn der König morgens noch schläft, versammeln sich auserwählte Sänger in seinem Schlafgemach und beginnen, seine Heldentaten zu besingen, und während der König den Ruhm seiner Taten hört, erwacht er allmählich.

Die Sprecher des vedischen Wissens, die Veden in Person, tragen die folgenden Gesänge vor: 'O Unüberwindlicher, Du bist die Höchste Persönlichkeit. Niemand kommt Dir gleich, und niemand ist größer als Du. Deine ruhmreichen Taten finden nicht ihresgleichen. Sei gepriesen! Sei gepriesen über alles! Aufgrund Deiner transzendentalen Natur besitzt Du alle sechs Füllen in Vollkommenheit, und daher kannst Du alle bedingten Seelen aus der Gewalt mayas befreien. O Herr, wir flehen Dich inständig an, dies gütigerweise zu tun. Alle Lebewesen sind Deine Teile, und deshalb sind sie von Natur aus glückselig, ewig und voller Wissen; doch in ihrer eigenen Unvollkommenheit versuchen sie, Dich nachzuahmen und selbst der höchste Genießer zu werden. Auf diese Weise widersetzen sie sich Deiner höchsten Herrschaft und werden zu Frevlern. Und genau wegen dieser Vergehen sind sie unter das Joch Deiner materiellen Energie geraten, worauf ihre transzendentalen Eigenschaften der Freude, der Glückseligkeit und des Wissens von den Wolken der drei materiellen Erscheinungsweisen bedeckt wurden. Die aus den drei materiellen Erscheinungsweisen geschaffene kosmische Manifestation ist wie ein Gefängnis für die bedingten Seelen. Die bedingten Seelen kämpfen verzweifelt darum, der materiellen Gefangenschaft zu entkommen, und entsprechend ihren jeweiligen Lebensbedingungen sind ihnen bestimmte Tätigkeiten zugeordnet worden. Aber all ihre Tätigkeiten gründen sich auf das Wissen, das von Dir kommt. Man kann nur fromme Werke ausführen, wenn man durch Deine Barmherzigkeit dazu angeregt wird. Deshalb kann niemand den Einfluß der materiellen Energie überwinden, ohne bei Deinen Lotosfüßen Zuflucht zu suchen. Wir, das personifizierte vedische Wissen, beschäftigen uns ständig in Deinem Dienst, um den bedingten Seelen zu helfen, Dich zu verstehen.' "

Dieses Gebet der Veden in Person macht deutlich, daß die Veden dazu bestimmt sind, den bedingten Seelen zu helfen, Krsna zu erkennen. Alle versammelten srutis, oder Veden in Person, lobpriesen den Herrn immer wieder, indem sie "Jaya! Jaya!" sangen. Auf diese Weise verherrlichten sie die ruhmreichen Eigenschaften des Herrn, und die wichtigste dieser Eigenschaften ist Seine grundlose Barmherzigkeit gegenüber den bedingten Seelen, indem Er sie aus der Gewalt mayas befreit und sie zu Sich zurückruft.

Es gibt unzählige Lebewesen in den verschiedenartigsten Körpern, von denen sich einige bewegen und andere ortsgebunden sind. Das bedingte Dasein dieser Lebewesen hat seine Ursache allein darin, daß sie ihre ewige Beziehung zur Höchsten Persönlichkeit Gottes vergessen haben. Wenn das Lebewesen über die materielle Natur herrschen und Krsna nachahmen will, wird es sogleich von der materiellen Energie gefangen und bekommt je nach Wunsch eine der 8.400.000 verschiedenen Körperformen. Obgleich das Lebewesen ständig von den dreifachen Leiden des materiellen Daseins gepeinigt wird, hält es sich in seiner Illusion fälschlicherweise für den Herrn über alles, was es wahrnimmt. Unter dem Bann der materiellen Energie, die die drei materiellen Erscheinungsweisen repräsentiert, befindet sich das Lebewesen in einer solchen Verstrickung, daß es nicht die geringste Möglichkeit hat, frei zu werden, wenn der Herr ihm nicht gnädig ist. Das Lebewesen kann den Einfluß der Erscheinungsweisen der materiellen Natur nicht durch eigene Anstrengung überwinden; doch weil die materielle Natur unter der Aufsicht des Höchsten Herrn wirkt, befindet Er Sich jenseits ihres Einflußbereiches. Außer Ihm befinden sich alle Lebewesen, von Brahma bis hinunter zur Ameise, unter der Herrschaft der materiellen Natur.

Weil der Herr die sechs Füllen - Reichtum, Kraft, Ruhm, Schönheit, Wissen und Entsagung - in Vollkommenheit besitzt, steht Er als einziger nicht unter dem Bann der materiellen Natur. Solange das Lebewesen nicht Krsna-bewußt ist, kann es sich Gott, der Höchsten Persönlichkeit, nicht nähern, doch Er in Seiner Allmacht kann allen Lebewesen von innen her als Überseele Anweisungen geben. In der Bhagavad-gita gibt Krsna die Anweisung: "Alles, was du tust, tue für Mich; alles, was du ißt, opfere zuerst Mir; alles, was du als Spende fortgeben willst, solltest du zuerst Mir geben, und jede Art der Buße und Entsagung, die du praktizierst, solltest du für Mich auf dich nehmen." Auf diese Weise werden die karmis dazu gebracht, allmählich ihr Krsna-Bewußtsein zu entwickeln. Ebenso führt Krsna auch die Philosophen und gibt ihnen Anweisungen, wie sie sich Ihm nähern können, indem sie zwischen Brahman und maya zu unterscheiden lernen. Diejenigen, die dann schließlich zu reifem Wissen kommen, geben sich Krsna hin. Krsna Selbst sagt in der Bhagavad-gita: "Nach vielen, vielen Geburten kommt der Philosoph, der in Weisheit gründet, zu dem Punkt, wo er sich Mir hingibt." Auch die yogis werden dahin geführt, ihre Meditation auf Krsna zu richten, wie Er Sich in ihrem Herzen befindet, und wenn sie sich ununterbrochen an diesen Vorgang des Krsna-Bewußtseins halten, können sie aus der Gewalt der materiellen Energie befreit werden. Aber wie in der Bhagavad-gita erklärt wird, werden die Gottgeweihten, da sie sich von allem Anfang an mit Liebe und Hingabe im hingebungsvollen Dienst beschäftigen, vom Herrn auf eine solche Weise geführt, daß sie sich Ihm ohne Schwierigkeiten und ohne Abweichung nähern können. Einzig und allein durch die Gnade des Herrn ist es möglich, die genaue Bedeutung von Brahman, Paramatma und Bhagavan zu verstehen.

Die Worte der Veden in Person besagen eindeutig, daß es das einzige Ziel der vedischen Schriften ist, ein Verständnis von Krsna zu vermitteln. Ebenso wird in der Bhagavad-gita bestätigt, daß das Studium der Veden einzig und allein dahin führen muß, Krsna zu verstehen. Krsna ist immer damit beschäftigt, zu genießen, sei es in der materiellen oder in der spirituellen Welt. Weil Er der höchste Genießer ist, besteht für Ihn kein Unterschied zwischen der materiellen Welt und der spirituellen Welt. Die materielle Welt setzt den gewöhnlichen Lebewesen Schranken, da diese stets von ihr beherrscht werden; doch weil Krsna der Herr der materiellen Welt ist, gibt es für Ihn keine Hindernisse. Die Veden erklären daher an mehreren Stellen der Upanisaden: "Das Brahman ist ewig, voller Wissen und voller Glückseligkeit, doch die eine Höchste Persönlichkeit Gottes befindet Sich im Herzen eines jeden Lebewesens." Weil Krsna, die Höchste Persönlichkeit Gottes, alldurchdringend ist, vermag Er nicht nur in die Herzen der Lebewesen einzugehen, sondern auch in die Atome. Als Überseele lenkt Er alle Tätigkeiten der Lebewesen. Er befindet Sich in ihren Herzen und ist der Zeuge all ihrer Tätigkeiten. Er erlaubt ihnen, nach ihren Wünschen zu handeln, und läßt ihnen dann die Ergebnisse ihrer Tätigkeiten zukommen. Er ist die Lebenskraft in allem, und trotzdem ist Er transzendental zu allen materiellen Eigenschaften. Er ist allmächtig; Er stellt alles in meisterhafter Weise her, und durch Sein überlegenes, natürliches Wissen vermag Er jeden unter Seine Führung zu bringen. Somit ist Er der Meister eines jeden. Manchmal erscheint Er persönlich auf der Erde, aber gleichzeitig weilt Er auch überall in der Materie. Weil Er Sich wünschte, Sich in viele Formen zu erweitern, warf Er einen Blick über die materielle Natur, und so wurden unzählige Lebewesen manifestiert. Alles wurde durch Seine höhere Energie erschaffen, und alles in Seiner Schöpfung ist offensichtlich höchst vollkommen, ohne die geringste Spur eines Mangels.

Diejenigen, die aus der materiellen Welt befreit werden möchten, müssen daher die Höchste Persönlichkeit Gottes, die ursprüngliche Ursache aller Ursachen, verehren. Er ist mit der Gesamtmasse der Erde zu vergleichen, aus der eine Vielzahl von Töpfen hergestellt wird: Die Töpfe werden aus Erde hergestellt, dann stehen sie auf der Erde, und wenn sie zerbrochen sind, gehen ihre Bestandteile wieder in die Erde ein. Die Höchste Persönlichkeit Gottes ist die ursprüngliche Ursache aller Vielfalt in der Manifestation. Dessenungeachtet betonen die Unpersönlichkeitsanhänger insbesondere den vedischen Ausspruch: sarvam khalv idam brahma. "Alles ist Brahman." Die Unpersönlichkeitsanhänger übersehen jedoch die vielfältigen Manifestationen, die aus der höchsten Ursache, dem Brahman, hervorgehen. Sie sehen einfach nur, daß alles vom Brahman ausgeht, daß alles nach der Zerstörung wieder in das Brahman eingeht und daß der dazwischenliegende Zustand der Manifestation ebenfalls Brahman ist. Obwohl die Mayavadis glauben, der Kosmos sei vor der Schöpfung im Brahman gewesen, er bleibe nach der Schöpfung im Brahman und werde nach der Zerstörung wieder in das Brahman eingehen, haben sie nicht die geringste Ahnung, was das Brahman in Wirklichkeit ist. Der wirkliche Sachverhalt wird in der Brahma-samhita unmißverständlich definiert: Die Lebewesen, der Raum, die Zeit und die materiellen Elemente, wie Feuer, Erde, Äther, Wasser und Geist, bilden die Gesamtheit der kosmischen Manifestation, die als bhur bhuvah svah bezeichnet wird und deren Ursprung Govinda ist. Sie erblüht durch die Kraft Govindas, geht nach der Vernichtung in Govinda ein und wird in Ihm bewahrt. Brahma sagt deshalb: "Ich verehre Govinda, die ursprüngliche Persönlichkeit, die Ursache aller Ursachen."

Das Wort Brahman bedeutet "das Größte von allem" und "der Erhalter alles Bestehenden". Die Unpersönlichkeitsanhänger fühlen sich zur Größe und Weite des Himmels hingezogen; doch weil sie nur ein geringes Maß an Wissen haben, fühlen sie sich nicht zu Krsnas Größe hingezogen. Indes können wir selbst in unserem alltäglichen Leben sehen, daß wir von der Größe einer Person angezogen werden, und nicht von der Größe eines Berges. In Wirklichkeit kann der Begriff Brahman nur auf Krsna bezogen werden. Deshalb sagt Arjuna in der Bhagavad-gita, daß Sri Krsna das param brahman, der höchste Ruheort alles Existierenden, ist.

Krsna ist das Höchste Brahman, weil Er über grenzenloses Wissen, grenzenlose Energien, grenzenlose Stärke, grenzenlose Macht, grenzenlose Schönheit und grenzenlose Entsagung verfügt. Das ist der Grund, weshalb das Wort Brahman nur auf Krsna bezogen werden kann. Arjuna bestätigt, daß Krsna das param brahman ist, weil das unpersönliche Brahman die Ausstrahlung ist, die von Krsnas transzendentalem Körper ausgeht. Alles ruht auf dem Brahman, doch das Brahman seinerseits ruht auf Krsna. Deshalb ist Krsna das Höchste Brahman, das param brahman. Die materiellen Elemente gelten als die niederen Energien Krsnas, weil durch ihre Wechselwirkung die kosmische Manifestation stattfindet, auf Krsna ruht und nach ihrer Zerstörung als feinstoffliche Energie wieder in Ihn eingeht. Krsna ist deshalb die Ursache sowohl der Schöpfung als auch der Vernichtung.

Sarvam khalv idam brahma bedeutet, daß alles Krsna ist. Das ist die Sicht der maha-bhagavatas, die alles in Beziehung zu Krsna sehen. Die Verfechter der Unpersönlichkeitslehre behaupten, Krsna sei zu vielen geworden und daher sei alles Krsna und die Verehrung von irgend etwas Beliebigem sei ebenfalls eine Verehrung Krsnas. Diese falsche Behauptung wird von Krsna Selbst in der Bhagavad-gita widerlegt. Es heißt dort, daß alles zwar eine Umwandlung von Krsnas Energie ist, daß Er jedoch persönlich nicht überall gegenwärtig ist. Er ist gleichzeitig gegenwärtig und nicht gegenwärtig. Durch Seine Energie ist Er überall gegenwärtig, doch als Energieursprung ist Er nicht überall gegenwärtig. Diese gleichzeitige Gegenwart und Nichtgegenwart ist für unsere derzeitigen Sinne unfaßbar. Doch in der Isopanisad wird gleich am Anfang eine deutliche Erklärung gegeben, die besagt, daß der Höchste Herr so vollkommen ist, daß Sich Seine Persönlichkeit nicht im geringsten wandelt, obwohl unbegrenzte Energien und deren Umwandlungen von Ihm ausgehen. Weil Krsna die Ursache aller Ursachen ist, sollten daher die intelligenten Menschen bei Seinen Lotosfüßen Zuflucht suchen.

Krsna gibt jedem den Rat, sich Ihm allein hinzugeben, und das ist letztlich die Aussage aller vedischen Anweisungen. Weil Krsna die Ursache aller Ursachen ist, wird Er von allen Weisen und Heiligen durch das Befolgen der regulierenden Prinzipien verehrt. Wenn die Notwendigkeit zur Meditation besteht, meditieren große Persönlichkeiten über die transzendentale Gestalt Krsnas im Herzen, und auf diese Weise ist ihr Geist stets auf Krsna gerichtet. Wenn die Gottgeweihten ihren Geist auf Krsna fixiert haben, dann ist es völlig natürlich, daß sie in ihrer Faszination nur noch über Krsna sprechen.

Über Krsna zu sprechen oder zu singen wird kirtana genannt. Auch Sri Caitanya empfiehlt kirtaniyah sada harih, das heißt, ständig an Krsna zu denken und über Ihn, und nichts anderes, zu sprechen. Dies ist die Definition des Krsna-Bewußtseins. Krsna-Bewußtsein ist so erhaben, daß jeder, der diesen Vorgang aufnimmt, zur höchsten Vollkommenheit des Lebens erhoben wird, einer Vollkommenheit, die den Gedanken der Befreiung weit übersteigt. In der Bhagavad-gita rät Krsna deshalb jedem, ständig an Ihn zu denken, sich in Seinem hingebungsvollen Dienst zu beschäftigen, Ihn zu verehren und Ihm Ehrerbietungen darzubringen. Auf diese Weise wird der Gottgeweihte völlig "Krsna-isiert", und weil er sich immer auf der Ebene des Krsna-Bewußtseins befindet, geht er schließlich zurück zu Krsna.

Obwohl in den Veden die Verehrung der Halbgötter, die Bestandteile Krsnas sind, empfohlen wird, muß man sich darüber im klaren sein, daß diese Anweisungen nur für die weniger intelligenten Menschen bestimmt sind, die noch immer zu materiellem Sinnengenuß neigen. Ein Mensch dagegen, der die Bestimmung des menschlichen Lebens auf vollkommene Weise erfüllen will, sollte einfach Sri Krsna verehren. Dies wird alles viel einfacher machen, und darüber hinaus garantiert es einem den vollen Erfolg des menschlichen Lebens. Obgleich sowohl der Himmel als auch das Wasser und das Land Bestandteile der materiellen Welt sind, steht man natürlich viel sicherer auf dem Land als in der Luft oder auf dem Wasser. Ein intelligenter Mensch stellt sich deshalb nicht unter den Schutz der Halbgötter, obwohl sie Teile Krsnas sind. Er stützt sich vielmehr auf den festen Boden des Krsna-Bewußtseins, und das gibt ihm einen soliden und sicheren Stand.

Die Unpersönlichkeitsanhänger geben manchmal das Beispiel, daß man sich auch auf einen Stein oder einen Holzklotz stellen könne und dabei immer noch auf dem Boden stehe, da der Stein oder der Holzklotz ja auf der Erdoberfläche läge. Doch ihnen sei erwidert, daß derjenige, der unmittelbar auf der Erde steht, auf einer viel sichereren Grundlage steht als derjenige auf einem Stein oder einem Holzklotz. Mit anderen Worten, beim Paramatma oder beim unpersönlichen Brahman Zuflucht zu suchen gewährleistet nicht eine solche Sicherheit, wie wenn man direkt bei Krsna im Krsna-Bewußtsein Zuflucht sucht. Die Stellung der jnanis und yogis ist also nicht so sicher wie die Stellung der Geweihten Krsnas. Sri Krsna sagt deshalb in der Bhagavad-gita, daß nur jemand, der seine Vernunft verloren hat, die Halbgötter verehrt. Und über Menschen, die sich zum unpersönlichen Brahman hingezogen fühlen, sagt das Srimad-Bhagavatam: "Mein lieber Herr, diejenigen, die sich einbilden, durch mentale Spekulation befreit worden zu sein, sind in Wirklichkeit nicht von der Verunreinigung der materiellen Natur befreit, da es ihnen nicht gelungen ist, bei Deinen Lotosfüßen Zuflucht zu finden. Obwohl sie zum transzendentalen Daseinszustand im unpersönlichen Brahman aufsteigen mögen, fallen sie mit Sicherheit wieder von dieser hohen Stufe herab, da sie es versäumten, ihre Wünsche auf Deine Lotosfüße zu richten." Sri Krsna erklärt also, daß die Verehrer der Halbgötter nicht sehr klug sind, da ihnen nur vergängliche und erschöpfliche Ergebnisse zuteil werden. Deshalb sind ihre nutzlosen Anstrengungen nichts anderes als ein Beweis für ihre Torheit. Die Gottgeweihten dagegen, so versichert der Herr, brauchen sich nicht zu fürchten, jemals zu Fall zu kommen.

Die Veden in Person fuhren in ihrem Gebet fort: "Lieber Herr, wenn man all diese Gesichtspunkte in Betracht zieht, dann sollte man angesichts der Tatsache, daß man ohnehin immer einen Höherstehenden verehren muß, Deine Lotosfüße verehren, und sei es auch nur aus einem Gefühl des Anstandes heraus, denn Du bist schließlich der Höchste Herrscher über Schöpfung, Erhaltung und Vernichtung. Du bist der Beherrscher der drei Welten Bhur, Bhuvar und Svar; Du bist der Beherrscher der vierzehn höheren und niederen Welten, und Du bist auch der Beherrscher der drei materiellen Erscheinungsweisen. Die Halbgötter und die im spirituellen Wissen fortgeschrittenen Menschen hören und chanten ständig über Deine transzendentalen Spiele, denn dieses Hören und Chanten hat die besondere Kraft, alle angesammelten Reaktionen auf vergangene Sünden auszulöschen. Intelligente Menschen tauchen in den Ozean Deiner nektargleichen Taten und hören über sie mit großer Ausdauer. Auf diese Weise werden sie sofort von der Verunreinigung durch die materiellen Eigenschaften befreit, ohne sich harten Entsagungen und Bußen unterziehen zu müssen, um im spirituellen Leben Fortschritte zu machen. Das Chanten und Hören über Deine transzendentalen Spiele ist der einfachste Weg zur Selbstverwirklichung. Einfach durch das ergebene Hören der spirituellen Botschaft reinigt man sein Herz von allen unreinen Dingen, und so festigt sich das Krsna-Bewußtsein im Herzen des Gottgeweihten.

Auch die große Autorität Bhismadeva hat erklärt, daß das Chanten und Hören über die Höchste Persönlichkeit Gottes die Essenz aller vedischen Rituale ist. O Herr, ein Gottgeweihter, der sich durch den Vorgang des hingebungsvollen Dienstes erheben möchte, vor allem durch Hören und Chanten, entkommt schon sehr bald der Gewalt der Dualitäten des materiellen Daseins. Durch diesen einfachen Vorgang der Buße und Entsagung wird die Überseele im Herzen des Gottgeweihten sehr erfreut, und Sie führt den Gottgeweihten auf dem Weg zurück nach Hause, zurück zu Gott. In der Bhagavad-gita wird erklärt, daß jemand, der all seine Tätigkeiten und Sinne in den Dienst des Herrn stellt, von Frieden erfüllt wird, da die Überseele mit ihm zufrieden ist. So wird der Gottgeweihte transzendental zu aller Dualität, wie Hitze und Kälte oder Ehre und Schmach. Befreit von allen Dualitäten, erfährt er transzendentale Glückseligkeit und leidet nicht mehr unter den für das materielle Dasein typischen Sorgen und Ängsten. Die Bhagavad-gita bestätigt, daß sich ein Gottgeweihter, der ständig ins Krsna-Bewußtsein vertieft ist, keine Sorgen um seine Erhaltung und seinen Schutz zu machen braucht. Da er ständig ins Krsna-Bewußtsein vertieft ist, erreicht er schließlich die höchste Vollkommenheit. Für die Zeit, die er sich noch in der materiellen Welt befindet, lebt er sehr friedvoll und glücklich, frei von allen Sorgen und Ängsten, und wenn er den Körper aufgibt, kehrt er nach Hause, zu Gott, zurück. Der Herr erklärt in der Bhagavad-gita: 'Mein höchstes Reich ist ein transzendentaler Ort, und wer ihn einmal erreicht hat, kehrt nie mehr in die materielle Welt zurück. Jeder, der auf der Stufe der Vollkommenheit steht, da er sich in jenem ewigen Reich in Meinem hingebungsvollen Dienst beschäftigt, hat die höchste Vollkommenheit des menschlichen Lebens erreicht und braucht nicht wieder in die leidvolle materielle Welt zurückzukehren.'

Lieber Herr, es ist von unumgänglicher Wichtigkeit, daß sich die Lebewesen im Krsna-Bewußtsein beschäftigen, Dir entsprechend den vorgeschriebenen Vorgängen wie Hören und Chanten hingebungsvollen Dienst darbringen und Deine Anordnungen ausführen. Wenn sich ein Mensch nicht im hingebungsvollen Dienst, dem Krsna-Bewußtsein, beschäftigt, ist es sinnlos, daß er überhaupt Lebenszeichen von sich gibt. Gewöhnlich gilt ein Mensch als lebendig, solange er noch atmet; doch ein Mensch ohne Krsna-Bewußtsein ist mit dem Blasebalg einer Schmiedewerkstatt zu vergleichen. Der Blasebalg ist ein großer Sack aus Tierhaut, der Luft ein- und auspumpt, und ein Mensch, der sich darauf beschränkt, einfach nur in einem Sack aus Haut und Knochen zu leben, ohne sich dem Krsna-Bewußtsein, dem liebenden hingebungsvollen Dienst, zuzuwenden, ist nicht besser als ein Blasebalg. In ähnlicher Weise wird das lange Leben eines Nichtgottgeweihten mit dem eines Baumes verglichen, seine ungezügelte Essenslust mit der von Hunden und Schweinen und sein Genuß des Geschlechtslebens mit dem der Schweine und Ziegen."

Die Erschaffung der kosmischen Manifestation wurde möglich, weil die Höchste Persönlichkeit Gottes als Maha-Visnu in die materielle Welt einging. Die gesamte materielle Energie wird durch den Blick Maha-Visnus in Bewegung gesetzt, und erst dann beginnen die Wechselwirkungen der drei materiellen Erscheinungsweisen. Deshalb müssen wir zur Schlußfolgerung kommen, daß uns alle materiellen Gegebenheiten, die wir zu genießen versuchen, nur dank der Barmherzigkeit der Höchsten Persönlichkeit Gottes zur Verfügung stehen.

Im Körper gibt es fünf verschiedene Stufen des Daseins, die man als annamaya, pranamaya, manomaya, vijnanamaya und schließlich als anandamaya bezeichnet. Am Anfang des Lebens ist jedes Lebewesen nahrungsbewußt. Ein kleines Kind oder ein Tier ist nur dann zufrieden, wenn es etwas Gutes zu essen bekommt. Diese Bewußtseinsebene, auf der das Hauptziel darin besteht, gut zu essen, wird als annamaya bezeichnet (anna bedeutet "Nahrung"). Als nächstes folgt die Stufe, auf der sich das Lebewesen des eigenen Lebens bewußt wird. Wenn man leben kann, ohne angegriffen oder zerstört zu werden, wähnt man sich glücklich. Diese Stufe nennt sich pranamaya oder "das Bewußtsein, daß man existiert". Die nächste Stufe ist dadurch gekennzeichnet, daß man sich auf der verstandesmäßigen Ebene bewegt, und dieses Bewußtsein nennt man manomaya. Die Angehörigen der materialistischen Zivilisation befinden sich hauptsächlich auf diesen drei Bewußtseinsebenen: annamaya, pranamaya und manomaya. Das erste Anliegen zivilisierter Menschen ist wirtschaftliche Entwicklung; darauf folgt das Bestreben, sich gegen Vernichtung zu verteidigen, und die dritte Bewußtseinsstufe ist die des mentalen Spekulierens, d.h. der philosophischen Suche nach den Werten des Lebens.

Wenn man durch Fortschritte in der philosophischen Betrachtung die Ebene der Intelligenz erreicht, auf der man verstehen kann, daß man nicht der materielle Körper, sondern eine spirituelle Seele ist, kommt man durch allmähliche Fortschritte im spirituellen Leben zur Erkenntnis der Existenz des Höchsten Herrn, der Höchsten Seele. Wenn man dann seine Beziehung zu Ihm entwickelt und hingebungsvollen Dienst ausführt, wird diese Stufe Krsna-Bewußtsein oder die anandamaya-Stufe genannt. Anandamaya ist das Leben der Glückseligkeit, des Wissens und der Ewigkeit. Im Vedanta-sutra heißt es: anandamayo 'bhyasat. Sowohl das Höchste Brahman als auch das untergeordnete Brahman, d.h. sowohl die Höchste Persönlichkeit Gottes als auch die Lebewesen, sind von Natur aus voller Glückseligkeit. Solange sich die Lebewesen auf den vier niederen Stufen des Daseins, annamaya, pranamaya, manomaya und vijnanamaya, befinden, sind sie immer noch durch das materielle Leben bedingt. Doch sobald man die Stufe der anandamaya erreicht, wird man zu einer befreiten Seele. Diese anandamaya-Stufe wird in der Bhagavad-gita als brahma-bhuta-Stufe bezeichnet. Es heißt dort, daß es auf der brahma-bhuta-Stufe keine Sorge und kein Verlangen gibt. Diese Stufe beginnt, wenn man die Sicht erreicht hat, daß man allen Lebewesen gleichgesinnt ist, und diese Stufe entwickelt sich weiter zur Stufe des Krsna-Bewußtseins, auf der man sich ständig danach sehnt, der Höchsten Persönlichkeit Gottes zu dienen. Dieser Wunsch nach Fortschritt im hingebungsvollen Dienst ist völlig verschieden vom Wunsch nach Sinnenbefriedigung im materiellen Dasein. Mit anderen Worten, Wünsche gibt es auch im spirituellen Leben, aber auf dieser Stufe sind die Wünsche gereinigt. Wenn unsere Sinne gereinigt werden, lösen sie sich von den materiellen Bewußtseinsebenen - annamaya, pranamaya, manomaya und vijnanamaya - und betätigen sich auf der höchsten Ebene, der Stufe der anandamaya, des glückseligen Lebens im Krsna-Bewußtsein. Die Mayavadi-Philosophen glauben, anandamaya sei der Zustand, bei dem man in den Höchsten eingegangen sei. Ihrer Auffassung nach bedeutet anandamaya das Einswerden der Überseele und der individuellen Seele. In Wirklichkeit jedoch bedeutet Einssein nicht, in den Höchsten einzugehen und seine individuelle Existenz zu verlieren. In das spirituelle Dasein einzugehen bedeutet, daß das Lebewesen erkennt, daß es qualitativ, d.h. in bezug auf die Aspekte der Ewigkeit und des Wissens, mit dem Höchsten Herrn eins ist. Doch die wirkliche Stufe der anandamaya, der Glückseligkeit, wird erst dann erreicht, wenn man sich im hingebungsvollen Dienst beschäftigt. Dies wird in der Bhagavad-gita mit den Worten mad-bhaktim labhate param bestätigt: Die brahma-bhuta- oder anandamaya-Stufe ist erst dann vollkommen, wenn zwischen dem Höchsten und den untergeordneten Lebewesen ein liebevoller Austausch stattfindet. Solange der Mensch nicht zu dieser anandamaya-Stufe kommt, ist sein Atmen wie das Atmen des Blasebalgs in der Schmiede, seine Lebensdauer ist wie die eines Baumes, und er selbst ist nicht besser als die niederen Tiere, wie die Kamele, Schweine und Hunde.

Das ewige Lebewesen kann niemals vernichtet werden, darüber besteht kein Zweifel. Doch wenn sich das Lebewesen in niederen Lebensformen befindet, muß es leidvolle Umstände erdulden, wohingegen es sich im hingebungsvollen Dienst für den Höchsten Herrn auf der freudvollen anandamaya-Stufe des Lebens befindet. Alle obenerwähnten Bewußtseinsebenen stehen in einer bestimmten Beziehung zur Höchsten Persönlichkeit Gottes. Obgleich sowohl die Höchste Persönlichkeit Gottes als auch die Lebewesen in ihrer ewigen Existenz unter keinen Umständen beeinträchtigt werden können, besteht zwischen ihnen trotzdem ein großer Unterschied: Die Höchste Persönlichkeit Gottes befindet sich immer auf der anandamaya-Ebene, wohingegen die untergeordneten Lebewesen als fragmentarische Teilchen des Höchsten Herrn wegen ihrer Winzigkeit dazu neigen, auf tiefere Daseinsebenen herabzufallen. Obwohl der Höchste Herr wie auch die Lebewesen auf allen Ebenen existieren, ist der Herr immer transzendental zu unseren Lebensauffassungen, unabhängig davon, ob wir materiell bedingt oder bereits befreit sind. Die gesamte kosmische Manifestation wird durch die Gnade des Höchsten Herrn geschaffen und besteht durch die Gnade des Höchsten Herrn, und wenn sie vernichtet wird, geht sie wieder in das Dasein des Höchsten Herrn ein. Somit ist der Höchste Herr das höchste Dasein und die Ursache aller Ursachen. Es ergibt sich daher die Schlußfolgerung, daß unser Leben, wenn wir kein Krsna-Bewußtsein entwickeln, nichts weiter als ein Zeitverlust ist.

Diejenigen, die sehr materialistisch sind und die Natur der spirituellen Welt nicht verstehen können, sind auch unfähig, das Reich Sri Krsnas zu erkennen. Für solche Menschen haben die großen Weisen einen yoga-Vorgang empfohlen, bei dem man mit der Meditation über den Bauch, der muladhara- oder manipuraka-Meditation, beginnt und sich dann allmählich zu höheren Stufen erhebt. Muladhara und manipuraka sind die Sanskritbezeichnungen für die Eingeweide im Bauch. Die grobmaterialistischen Menschen glauben, daß wirtschaftlicher Fortschritt von größter Wichtigkeit sei, da sie unter dem Eindruck stehen, das Lebewesen existiere nur auf der Grundlage des Essens. Diese Materialisten übersehen dabei jedoch, daß all die Nahrung, die wir zu uns nehmen, und sei es noch so viel, nur Leiden wie Verdauungsstörungen oder Übersäuerung hervorruft, wenn sie nicht verdaut wird. Um die Nahrung zu verdauen, benötigen wir die Hilfe einer höheren Energie, die in der Bhagavad-gita als vaisvanara beschrieben wird. Sri Krsna erklärt in der Bhagavad-gita, daß Er in der Form der vaisvanara für die Verdauung sorgt. Die Höchste Persönlichkeit Gottes ist alldurchdringend; daher ist es nicht weiter verwunderlich, daß Er auch als vaisvanara gegenwärtig ist.

Krsna ist tatsächlich überall gegenwärtig. Der Vaisnava kennzeichnet deshalb seinen Körper mit Tempeln Visnus. Er malt zuerst einen tilaka-Tempel auf den Bauch, dann einen auf die Brust, auf den Halsansatz zwischen den Schlüsselbeinen, auf die Stirn und schließlich auf die höchste Stelle des Kopfes, das brahma-randhra. Die Namen der dreizehn Tempel aus tilaka, die den Körper des Vaisnavas kennzeichnen, sind folgende: Auf der Stirn befindet sich der Tempel Sri Kesavas, auf dem Bauch der Tempel Sri Narayanas, auf der Brust der Tempel Sri Madhavas und beim Halsansatz zwischen den beiden Schlüsselbeinen der Tempel Sri Govindas. Auf der rechten Seite der Taille befindet sich der Tempel Sri Visnus, auf dem rechten Arm der Tempel Sri Madhusudhanas und auf der rechten Seite des Schlüsselbeines der Tempel Sri Trivikramas. Auf der linken Seite der Taille befindet sich der Tempel Sri Vamanadevas, auf dem linken Arm der Tempel Sridharas, auf der linken Seite des Schlüsselbeines der Tempel Hrsikesas, auf dem Nacken der Tempel Padmanabhas und auf dem unteren Teil des Rückens der Tempel Damodaras. Auf der höchsten Stelle der Schädeldecke befindet sich der Tempel Vasudevas. Dies ist der Vorgang, wie man über die Gegenwart des Herrn in den verschiedenen Teilen des Körpers meditiert. Doch für diejenigen, die keine Vaisnavas sind, empfehlen die großen Weisen die Meditation über die körperliche Auffassung des Lebens - die Meditation über die Eingeweide, das Herz, den Hals, die Augenbrauen, die Stirn und dann die Schädeldecke. Einige Weise in der Nachfolge des großen Heiligen Aruna meditieren über das Herz, da im Herzen neben dem Lebewesen auch die Überseele weilt. Dies wird im Fünfzehnten Kapitel der Bhagavad-gita bestätigt, wo der Herr erklärt: "Ich weile im Herzen eines jeden."

Für den Vaisnava ist der Schutz des Körpers Bestandteil des hingebungsvollen Dienstes, denn er benützt den Körper für den Dienst des Herrn; doch im Gegensatz zu ihm halten die groben Materialisten den Körper für das Selbst. Sie verehren den Körper durch den yoga-Vorgang der Meditation über einzelne Körperteile, wie manipuraka, dahara und hrdaya, wobei sie langsam zum brahma-randhra auf der Schädeldecke gelangen. Wenn ein erstklassiger yogi die Vollkommenheit in der Ausübung des besagten yoga-Vorgangs erreicht hat, begibt er sich am Ende durch das brahma-randhra zu einem beliebigen Planeten in der materiellen oder spirituellen Welt. Auf welche Weise sich der yogi auf einen anderen Planeten erhebt, wird ausführlich im Zweiten Canto des Srimad Bhagavatam beschrieben.

In diesem Zusammenhang empfiehlt Sukadeva Gosvami den Anfängern, den virata purusa, d.h. die gigantische universale Form des Herrn, zu verehren. Demjenigen, der nicht glauben kann, daß der Herr mit gleichem Erfolg in der Form der transzendentalen Bildgestalt, der arca-vigraha, verehrt werden kann, oder der nicht imstande ist, seinen Geist auf diese Form zu konzentrieren, wird geraten, die universale Form des Herrn zu verehren. Der untere Teil des Universums wird als die Füße und Beine der universalen Form des Herrn angesehen, der mittlere Teil gilt als Sein Nabel oder Bauch, die höheren Planetensysteme, wie Janaloka und Maharloka, sind das Herz des Herrn, und das höchste Planetensystem, Brahmaloka, wird als die höchste Stelle Seines Hauptes betrachtet. Es gibt viele verschiedene Vorgänge, die von den Weisen, entsprechend der Bewußtseinsebene des Verehrenden, empfohlen werden; doch das endgültige Ziel aller Meditations- und yoga-Vorgänge ist die Heimkehr zurück zu Gott. Wie in der Bhagavad-gita erklärt wird, braucht niemand, der den höchsten Planeten, das Reich Krsnas, oder auch nur einen der Vaikuntha-Planeten erreicht, jemals wieder zum leidvollen Leben in der materiellen Welt zurückzukehren.

Die vedischen Schriften empfehlen uns deshalb, die Lotosfüße Sri Visnus zum Ziel all unserer Bemühungen zu machen. Tad visnoh paramam padam: Visnuloka, die Visnu-Planeten, befinden sich jenseits aller materiellen Planeten. Diese Vaikuntha-Planeten werden als sanatana-dhama bezeichnet, und sie sind ewig, denn sie werden niemals vernichtet, nicht einmal bei der Vernichtung der materiellen Welt. Die Schlußfolgerung lautet, daß ein Mensch, der die Bestimmung seines Lebens nicht erfüllt, das heißt, der sich nicht der Verehrung des Höchsten Herrn zuwendet und nicht zu Gott zurückkehrt, den eigentlichen Sinn des menschlichen Lebens verpaßt hat.

Das nächste Gebet, das die Veden in Person an den Herrn richteten, beschreibt, wie Er, die Höchste Persönlichkeit Gottes, in die verschiedenen Lebensformen eingeht. Im Vierzehnten Kapitel der Bhagavad-gita wird gesagt, daß in jeder Lebensart und in jeder Lebensform die spirituelle Teilerweiterung des Höchsten Herrn anwesend ist. Der Herr erklärt Selbst in der Gita, daß Er der samengebende Vater aller Lebensarten und -formen ist, und deshalb sind diese als Söhne des Herrn anzusehen. Die Tatsache, daß der Höchste Herr als Paramatma in das Herz eines jeden Lebewesens eingeht, verwirrt die Unpersönlichkeitsanhänger bisweilen, da nach ihrer Vorstellung die Lebewesen dem Höchsten Herrn ebenbürtig sind. Sie glauben, weil der Höchste Herr zusammen mit der individuellen Seele in die verschiedenen Körper eingehe, bestehe zwischen dem Herrn und den individuellen Lebewesen kein Unterschied. Die Streitfrage, die sie aufwerfen, lautet: "Warum sollten die individuellen Seelen den Paramatma, die Überseele, verehren?" Ihrer Auffassung nach befinden sich die Überseele und die individuelle Seele auf der gleichen Ebene; sie seien eins, und es bestehe kein Unterschied zwischen ihnen. Zwischen der Überseele und der individuellen Seele besteht in Wirklichkeit jedoch ein großer Unterschied, und dies wird im Fünfzehnten Kapitel der Bhagavad-gita erklärt, wo der Herr sagt, daß Er dem Lebewesen übergeordnet ist, obwohl Er mit ihm im gleichen Körper weilt. Er gibt der individuellen Seele von innen Anweisungen und Intelligenz. In der Gita wird eindeutig erklärt, daß der Herr der individuellen Seele Intelligenz gibt und daß sowohl Erinnerung als auch Vergessen auf den Einfluß der Überseele zurückzuführen sind. Niemand kann unabhängig vom Einverständnis der Überseele handeln. Die individuelle Seele handelt deshalb entsprechend ihrem früheren karma, an das sie vom Herrn erinnert wird. Es ist die Eigenschaft der individuellen Seele, zu vergessen, doch der Herr in ihrem Herzen erinnert sie daran, was sie in ihrem vorherigen Leben tun wollte. Die Intelligenz der individuellen Seele manifestiert sich wie das Feuer im Holz. Obwohl Feuer immer Feuer ist, richtet sich seine Größe nach der Größe des Holzes. In ähnlicher Weise verhält es sich mit der individuellen Seele: Obwohl sie immer qualitativ eins mit dem Höchsten Herrn ist, entfaltet sie sich entsprechend den Begrenzungen ihres jeweiligen Körpers.

Der Höchste Herr, oder die Überseele, wird als eka-rasa bezeichnet. Eka bedeutet "eins" und rasa "Geschmack". Der Höchste Herr ist in Seiner transzendentalen Stellung stets voller Ewigkeit, Glückseligkeit und Wissen. Seine eka-rasa-Stellung wandelt sich nicht im geringsten, wenn Er zum Zeugen und Ratgeber der individuellen Seele in jedem individuellen Körper wird.

Die individuelle Seele, von Brahma bis hinunter zur Ameise, entfaltet ihre spirituelle Kraft je nach ihrem Körper. Die Halbgötter gehören zur gleichen Kategorie wie die individuellen Seelen in den Körpern von Menschen und niederen Tieren. Intelligente Menschen verehren deshalb nicht die Halbgötter, die nur winzige Vertreter Krsnas sind, die sich in bedingten Körpern manifestieren. Die individuelle Seele kann ihre Kräfte nur entsprechend der Größe und Beschaffenheit ihres Körpers entfalten, wohingegen die Höchste Persönlichkeit Gottes Ihre vollkommenen Kräfte in jeder Form und Gestalt ohne Einschränkung manifestieren kann. Die These der Mayavadi-Philosophen, nach der Gott und die individuelle Seele ein und dasselbe sind, ist unannehmbar, da die individuelle Seele ihre Kräfte nur gemäß der Entwicklung der verschiedenen Körper zu entfalten vermag. Die individuelle Seele im Körper eines Säuglings kann niemals die Kraft und Energie eines erwachsenen Mannes aufbringen. Die Höchste Persönlichkeit Gottes, Krsna, jedoch konnte sogar als kleines Kind auf dem Schoß Seiner Mutter Seine ganze Kraft und Energie entfalten, was sich zeigte, als Er Putana und andere Dämonen, die Ihn angriffen, tötete. Aus diesem Grund wird die spirituelle Kraft der Höchsten Persönlichkeit Gottes als eka-rasa, "unveränderlich", bezeichnet. Die Höchste Persönlichkeit Gottes ist also das einzig verehrungswürdige Ziel, und diejenigen, die sich von dem verunreinigenden Einfluß der materiellen Natur befreit haben, sind sich dessen vollkommen bewußt. Mit anderen Worten, nur befreite Seelen können die Höchste Persönlichkeit Gottes verehren. Die unintelligenten Mayavadis wenden sich der Verehrung von Halbgöttern zu, da sie meinen, die Halbgötter befänden sich auf derselben Stufe wie die Höchste Persönlichkeit Gottes.

Die Veden in Person brachten dem Herrn weiter ihre Ehrerbietungen dar. "Lieber Herr", beteten sie, "diejenigen, die nach vielen Leben tatsächlich weise geworden sind, widmen sich in vollkommenem Wissen der Verehrung Deiner Lotosfüße." Dies wird auch in der Bhagavad-gita bestätigt, wo der Herr sagt, daß sich ein mahatma, eine große Seele, nach vielen, vielen Leben dem Herrn hingibt, da er erkannt hat, daß Vasudeva, Krsna, die Ursache aller Ursachen ist. Die Veden fuhren fort: "Wie wir bereits erklärt haben, werden uns der Geist, die Intelligenz und die Sinne von Gott gegeben. Wenn diese Werkzeuge tatsächlich geläutert worden sind, dann gibt es keine andere Möglichkeit, als sie im hingebungsvollen Dienst des Herrn zu beschäftigen. Die Lebewesen sind nur deshalb in den verschiedenen Lebensformen gefangen, weil sie ihren Geist, ihre Intelligenz und ihre Sinne für materielle Tätigkeiten mißbrauchen. Die verschiedenartigen Körper werden dem Lebewesen als Ergebnis seiner Handlungen gegeben, und sie werden nach dem Wunsch des Lebewesens von der materiellen Natur geschaffen. Weil das Lebewesen eine bestimmte Art von Körper begehrt und verdient, wird ihm dieser auf Anordnung des Höchsten Herrn von der materiellen Natur gegeben." Im Dritten Canto des Srimad-Bhagavatam wird erklärt, daß das Lebewesen unter der Aufsicht höherer Autorität in den Samen eines männlichen Wesens versetzt und später in den Schoß eines entsprechenden weiblichen Wesens gegeben wird, so daß es dort einen ganz bestimmten Körper entwickeln kann. Das Lebewesen gebraucht seine Sinne, seine Intelligenz, seinen Geist usw. auf eine Art und Weise, die es selbst wählt, und entwickelt so einen bestimmten Körper, der dann zu seinem Gefängnis wird. So wird das Lebewesen, je nach den Situationen und Umständen, in die verschiedensten Lebensformen versetzt, sei es in den Körper eines Halbgottes, eines Menschen oder eines Tieres.

In den vedischen Schriften wird erklärt, daß die Lebewesen, die in den verschiedenen Lebensformen gefangen sind, winzige Bestandteile des Höchsten Herrn sind. Die Mayavadi-Philosophen halten das Lebewesen für den Paramatma, der jedoch in Wirklichkeit das Lebewesen als Freund begleitet. Weil Sich der Paramatma, der lokalisierte Aspekt der Höchsten Persönlichkeit Gottes, und das individuelle Lebewesen gemeinsam im gleichen Körper befinden, tritt manchmal das Mißverständnis auf, es gäbe zwischen ihnen keinen Unterschied. In Wirklichkeit jedoch besteht zwischen der individuellen Seele und der Überseele ein gewaltiger Unterschied, und dieser Unterschied wird im Varaha Purana definiert. Der Höchste Herr hat zwei Arten von Erweiterungen, die von Ihm ausgehen: das Lebewesen, das vibhinnamsa genannt wird, und den Paramatma, die vollständige Erweiterung des Höchsten Herrn, die svamsa genannt wird. Die svamsa-Erweiterung des Höchsten Herrn ist genauso mächtig wie Er Selbst. Es besteht nicht der geringste Unterschied zwischen der Macht des Höchsten Herrn und Seiner vollständigen Erweiterung als Paramatma, wohingegen die vibhinnamsa-Teile nur über einen geringen Teil der Kräfte des Herrn verfügen. Das Narayana-pancaratra erklärt, daß die Lebewesen, die die marginale Energie des Herrn bilden, zweifellos qualitativ von gleicher spiritueller Natur sind wie der Herr Selbst, daß sie aber, im Gegensatz zu Ihm, dazu anfällig sind, von den materiellen Erscheinungsweisen verunreinigt zu werden. Weil das winzige Lebewesen dazu neigt, dem Einfluß der materiellen Erscheinungsweisen zu erliegen, nennt man es jiva. Manchmal wird die Höchste Persönlichkeit Gottes auch Siva, "der in jeder Hinsicht Glückverheißende", genannt. Der Unterschied zwischen Siva und jiva liegt darin, daß die in jeder Hinsicht glückverheißende Höchste Persönlichkeit Gottes niemals von den materiellen Erscheinungsweisen berührt wird, wohingegen die winzigen Teile der Höchsten Persönlichkeit Gottes von den Erscheinungsweisen der materiellen Natur beeinflußt werden können.

Die Überseele im Körper des individuellen Lebewesens ist eine vollständige Teilerweiterung des Höchsten Herrn, und als solche ist Sie für das individuelle Lebewesen verehrungswürdig. Die großen Weisen sind deshalb zur Schlußfolgerung gekommen, daß der Vorgang der Meditation so beschaffen sein muß, daß das individuelle Lebewesen seine Aufmerksamkeit auf die Lotosfüße der Überseele, der Gestalt Visnus, richten kann. Das ist wirklicher samadhi. Das Lebewesen kann nicht durch eigene Kraft aus der materiellen Verstrickung befreit werden; es muß sich deshalb dem hingebungsvollen Dienst zu den Lotosfüßen des Herrn, der als Überseele in seinem Herzen weilt, zuwenden. Sridhara Svami, der große Kommentator des Srimad-Bhagavatam, verfaßte in diesem Zusammenhang einen wunderbaren Vers: "Mein lieber Herr, ich bin ewig Dein Teil; jedoch befinde ich mich in der Gefangenschaft der materiellen Energie, die ebenfalls von Dir ausgeht. Als Ursache aller Ursachen bist Du in Form der Überseele in meinen Körper eingegangen, und ich habe das Vorrecht, mich mit Dir zusammen des höchsten glückseligen Lebens voller Wissen zu erfreuen. Deshalb, mein lieber Herr, gib mir bitte den Befehl, Dir liebevollen Dienst darzubringen, so daß ich wieder in meine ursprüngliche Stellung der transzendentalen Glückseligkeit erhoben werden kann."

Die großen Persönlichkeiten verstehen, daß ein Lebewesen, das in der materiellen Welt gefangen ist, nicht durch eigene Kraft freikommen kann. Mit festem Vertrauen und unerschütterlicher Hingabe vertiefen sich solche großen Persönlichkeiten darin, dem Herrn in Liebe transzendentalen Dienst darzubringen. Dies ist die Schlußfolgerung der Veden in Person.

Die Veden in Person fuhren fort: "Lieber Herr, es ist sehr schwierig, vollkommenes Wissen über die Absolute Wahrheit zu erlangen. In Deiner Güte gegenüber den gefallenen Seelen erscheinst Du, o Herr, in mannigfachen Inkarnationen und vollbringst die verschiedensten Taten. Du erscheinst sogar als historische Persönlichkeit der materiellen Welt, und Deine Spiele werden in den vedischen Schriften ausführlich beschrieben. Diese Spiele sind so anziehend wie der Ozean transzendentaler Glückseligkeit. Die meisten Menschen haben die natürliche Neigung, Erzählungen zu lesen, in denen gewöhnliche jivas gepriesen werden; wenn sie sich jedoch zu den vedischen Schriften hingezogen fühlen, die Deine ewigen Spiele beschreiben, tauchen sie wahrhaftig in den Ozean der transzendentalen Glückseligkeit ein. So wie ein erschöpfter Mensch erfrischt wird, wenn er in ein Gewässer taucht, wird eine bedingte Seele, die aller materiellen Tätigkeiten müde ist, neu belebt und vergißt alles Elend des materiellen Lebens, wenn sie einfach in den transzendentalen Ozean Deiner Spiele taucht. Und am Schluß geht sie in den Ozean der transzendentalen Glückseligkeit ein. Die intelligentesten Gottgeweihten widmen sich daher keiner anderen Methode der Selbstverwirklichung als dem hingebungsvollen Dienst und den neun verschiedenen Vorgängen des hingebungsvollen Lebens, vor allem Hören und Chanten. Wenn Deine Geweihten über Deine transzendentalen Spiele hören und chanten, ist ihnen sogar die transzendentale Glückseligkeit gleichgültig, die durch Befreiung oder das Eingehen in die Existenz des Höchsten erlangt wird. Solchen Gottgeweihten liegt also nicht einmal etwas an sogenannter Befreiung, und erst recht nicht an materiellen Tätigkeiten, durch die man auf die himmlischen Planeten erhoben wird, wo das Maß an Sinnenbefriedigung viel größer ist. Reine Gottgeweihte suchen nur die Gemeinschaft von paramahamsas, von großen, befreiten Gottgeweihten, damit sie fortwährend über Deine Herrlichkeit hören und chanten können. Zu diesem Zweck sind die reinen Gottgeweihten bereit, auf alle Annehmlichkeiten des Lebens, wie ein bequemes Familienleben und sogenannte Gesellschaft, Freundschaft und Liebe, zu verzichten. Diejenigen, die den Nektar der Hingabe gekostet haben, indem sie an der transzendentalen Klangschwingung des Chantens über Deine Herrlichkeit - Hare Krsna, Hare Krsna, Krsna Krsna, Hare Hare / Hare Rama, Hare Rama, Rama Rama, Hare Hare - Geschmack gefunden haben, interessieren sich nicht im geringsten für irgendwelche andere spirituelle Glückseligkeit oder für materielle Annehmlichkeiten, die dem reinen Gottgeweihten weniger bedeuten als das Stroh auf der Straße."

Die Veden in Person fuhren fort: "Lieber Herr, wenn es jemandem gelingt, seinen Geist, seine Sinne und seine Intelligenz durch hingebungsvollen Dienst in völligem Krsna-Bewußtsein zu läutern, dann wird der Geist zum Freund. Andernfalls ist der Geist stets ein Feind. Wenn der Geist im hingebungsvollen Dienst des Herrn beschäftigt ist, wird er zum guten Freund des Lebewesens, weil der Geist dann fähig ist, immer an den Höchsten Herrn zu denken. Du, o Herr, bist dem Lebewesen seit aller Ewigkeit sehr lieb, und wenn daher der Geist in Gedanken an Dich vertieft ist, erfährt man sogleich die große Zufriedenheit, nach der man sich Leben für Leben gesehnt hat. Wenn der Geist auf die Lotosfüße der Höchsten Persönlichkeit Gottes gerichtet ist, besteht kein Interesse mehr, sich irgendeiner anderen, niedrigeren Art der Verehrung oder Selbstverwirklichung zuzuwenden. Ein Lebewesen, das versucht, einen Halbgott zu verehren, oder das irgendeinem anderen Weg zur Selbstverwirklichung folgt, wird ein Opfer des Kreislaufes von Geburt und Tod, und niemand kann sich vorstellen, welche Erniedrigung es für das Lebewesen bedeutet, wenn es in einer abscheulichen Lebensform wie der der Katzen und Hunde geboren wird."

Sri Narottama dasa Thakura sagt in einem seiner Lieder, daß Menschen, die sich nicht dem hingebungsvollen Dienst des Herrn zuwenden, sondern an philosophischer Spekulation und fruchtbringenden Tätigkeiten Gefallen finden, die giftigen Ergebnisse dieser Handlungen trinken müssen. Solche Menschen werden dazu gezwungen, in den verschiedensten Lebensformen wiedergeboren zu werden und widerliche Gewohnheiten, wie Fleischessen und Berauschung, anzunehmen. Materialistische Menschen verehren im allgemeinen den vergänglichen materiellen Körper und vergessen darüber das Wohl der spirituellen Seele im Körper. Einige von ihnen suchen bei der materialistischen Wissenschaft Zuflucht, um so die Annehmlichkeiten für den Körper zu verbessern, und andere wenden sich der Verehrung der Halbgötter zu, um auf die himmlischen Planeten erhoben zu werden. Ihr einziges Ziel im Leben ist es, dem materiellen Körper Annehmlichkeiten zu verschaffen, und so vergessen sie die Bedürfnisse der spirituellen Seele. Solche Menschen werden in den vedischen Schriften als selbstmörderisch bezeichnet, weil die Anhaftung an den materiellen Körper und seine Freuden das Lebewesen dazu zwingen, durch den Kreislauf von Geburt und Tod zu wandern und als unumgängliche Folge davon die Qualen des materiellen Daseins zu erleiden. Die menschliche Form des Lebens bietet einem die Möglichkeit, seine wirkliche Identität zu verstehen, und deshalb wenden sich die intelligentesten Menschen dem hingebungsvollen Dienst zu, um Geist, Sinne und Körper ohne Abweichung im Dienst des Herrn zu beschäftigen.

Die Veden in Person fuhren fort: "Lieber Herr, es gibt viele mystische yogis, die sehr gelehrt sind und sich entschlossen darum bemühen, die höchste Vollkommenheit des Lebens zu erreichen. Sie beschäftigen sich in dem yoga-Vorgang, bei dem die Lebensluft im Körper unter Kontrolle gebracht wird, während man den Geist auf die Gestalt Visnus richtet und die Sinne strengster Entsagung unterzieht. Obwohl sie sich diesem yoga-Vorgang widmen und sich die verschiedensten Entsagungen, Bußen und Opfer auferlegen, erreichen sie letzten Endes den gleichen Bestimmungsort wie diejenigen, die Dir feindlich gesinnt sind. Mit anderen Worten, sowohl die yogis als auch die großen und weisen jnanis erreichen schließlich die unpersönliche Brahman-Ausstrahlung, die auch von den Dämonen, Deinen erklärten Feinden, erreicht wird. Dämonen wie Kamsa, Sisupala und Dantavakra gingen ebenfalls in die Brahman-Ausstrahlung ein, da sie ständig über die Höchste Persönlichkeit Gottes meditierten. Frauen wie die gopis jedoch hingen in Liebe an Krsna, und sie waren von Seiner Schönheit fasziniert, und ihre Meditation über Krsna war durch sehnsüchtige Verlangen hervorgerufen worden. Sie wollten von Krsnas Armen umschlossen werden, die der wundervollen runden Form einer Schlange gleichen. Ebenso meditieren auch wir, die vedischen Hymnen, über Deine Lotosfüße. Frauen wie die gopis meditieren über Dich aufgrund sehnsüchtiger Verlangen, und wir meditieren über Deine Lotosfüße, um nach Hause, zu Gott, zurückzukehren. Auch Deine Feinde richten ihren Geist auf Dich, da sie immer daran denken, wie sie Dich töten können, und die yogis nehmen viele schwere Bußen und Entsagungen auf sich, um Deine unpersönliche Ausstrahlung zu erreichen. Obwohl all diese Personen auf unterschiedliche Weise über Dich meditieren, erreichen sie alle, entsprechend ihrer jeweiligen Sichtweise, die spirituelle Vollkommenheit, da Du allen Gottgeweihten gleichgesinnt bist."

In diesem Zusammenhang gibt es einen sehr schönen Vers von Sridhara Svami: "Mein lieber Herr, immer an Deine Lotosfüße zu denken ist sehr schwierig. Es ist dies nur den großen Gottgeweihten möglich, die bereits Liebe zu Dir entwickelt haben und Dir mit Liebe und Hingabe dienen. Mein lieber Herr, ich wünsche mir, daß es auch für meinen Geist möglich sein wird, sich irgendwie auf Deine Lotosfüße zu richten, zumindest für einige Zeit."

Die Stufen der spirituellen Vollkommenheit, die die verschiedenen Transzendentalisten erreichen, werden in der Bhagavad-gita beschrieben, wo der Herr sagt, daß Er Seinem Geweihten die erstrebte Vollkommenheit in dem Maße gewährt, wie dieser sich Ihm hingibt. Die Unpersönlichkeitsanhänger, die yogis und die Feinde des Herrn gehen in Seine transzendentale Ausstrahlung ein, wohingegen die Persönlichkeitsanhänger, die den Fußstapfen der Einwohner Vrndavanas folgen oder sich strikt an den Pfad des hingebungsvollen Dienstes halten, in das persönliche Reich Krsnas, Goloka Vrndavana, oder auf die Vaikuntha-Planeten erhoben werden. Sowohl die Unpersönlichkeitsanhänger als auch die Persönlichkeitsanhänger gelangen also in die spirituelle Welt, doch der Bestimmungsort der Unpersönlichkeitsanhänger ist die unpersönliche Brahman-Ausstrahlung, wohingegen die Verehrer der persönlichen Form des Herrn - gemäß ihrem Wunsch, dem Herrn in einem bestimmten rasa zu dienen - auf einem der Vaikuntha-Planeten oder auf dem Vrndavana-Planeten aufgenommen werden.

Die personifizierten Veden sagten, daß diejenigen, die nach der Schöpfung der materiellen Welt geboren wurden, die Existenz der Höchsten Persönlichkeit Gottes unmöglich verstehen können, indem sie einfach nur ihr materielles Wissen anstrengen. Ebensowenig wie jemand, der in einer bestimmten Familie geboren wird, das Leben seines Urgroßvaters verstehen kann, der lange vor der neuen, gegenwärtigen Generation gelebt hat, können wir die Höchste Persönlichkeit Gottes, Narayana, Sri Krsna, der ewig in der spirituellen Welt lebt, verstehen. Im Achten Kapitel der Bhagavad-gita wird unmißverständlich erklärt, daß man sich Krsna, der Höchsten Person, der ewig in Seinem spirituellen Königreich (sanatana-dhama) weilt, nur durch hingebungsvollen Dienst nähern kann.

Brahma ist das ersterschaffene Wesen in der materiellen Schöpfung. Vor Brahma gab es keine Lebewesen in der materiellen Welt; sie war leer und finster, bis Brahma auf der Lotosblume, die aus Garbhodakasayi Visnus Nabel hervorsproß, geboren wurde. Garbhodakasayi Visnu ist eine Erweiterung Karanodakasayi Visnus. Karanodakasayi Visnu ist eine Erweiterung Sankarsanas, und Sankarsana ist eine Erweiterung Balaramas. Balarama schließlich ist eine direkte Erweiterung Sri Krsnas. Nach der Erschaffung Brahmas wurden die zwei Arten von Halbgöttern geboren: die Halbgötter wie die vier Kumara-Brüder - Sanaka, Sanatana, Sananda und Sanat-kumara -, die das Beispiel geben, der Welt zu entsagen; und die Halbgötter wie Marici und seine Nachkommen, die dazu bestimmt sind, die materielle Welt zu genießen. Von diesen beiden Arten von Halbgöttern wurden allmählich alle anderen Lebewesen im Universum, einschließlich der Menschen, hervorgebracht. Deshalb ist jedes Lebewesen in der materiellen Welt, auch Brahma, die anderen Halbgötter und die raksasas, als jung anzusehen, und zwar in dem Sinne, daß sie alle erst vor kurzer Zeit geboren wurden. Ebenso wie jemand, der erst vor kurzem in einer Familie geboren wurde, unmöglich seine entfernten Vorfahren kennen kann, so kann niemand in der materiellen Welt die Stellung des Herrn in der spirituellen Welt verstehen, denn die materielle Welt wurde erst vor kurzer Zeit geschaffen. Obwohl die Manifestationen der materiellen Welt, nämlich die Zeitelemente, die Lebewesen, die Veden und die grobstofflichen und feinstofflichen Elemente, von langer Existenzdauer sind, wurden sie doch alle zu einem bestimmten Zeitpunkt einmal geschaffen. Alles, was ein Erzeugnis dieser Schöpfung ist oder als Mittel gilt, die ursprüngliche Ursache der Schöpfung zu erkennen, ist als jung anzusehen.

Deshalb sind die Vorgänge der Selbstverwirklichung bzw. Gotteserkenntnis in Form von fruchtbringenden Tätigkeiten, philosophischer Spekulation und mystischem yoga Wege, die einen nicht wirklich zur höchsten Quelle aller Dinge führen. Wenn die Schöpfung vollständig vernichtet ist, wenn weder die Veden noch die materielle Zeit, noch die grob- und feinstofflichen Elemente bestehen und wenn alle Lebewesen in einem unmanifestierten Zustand in Narayana ruhen, werden all diese künstlichen Vorgänge null und nichtig und haben keine Wirkung mehr. Hingebungsvoller Dienst dagegen wird in der ewigen spirituellen Welt ewig weitergeführt, und deshalb ist der einzige wirkliche Vorgang der Selbstverwirklichung, oder Gotteserkenntnis, der hingebungsvolle Dienst. Wenn man sich dem Vorgang des hingebungsvollen Dienstes zuwendet, wendet man sich dem wahren Vorgang der Gotteserkenntnis zu. Deshalb heißt es in diesem Zusammenhang in Srila Sridhara Svamis Vers, daß die höchste Quelle alles Bestehenden, die Höchste Persönlichkeit Gottes, so groß und unbegrenzt ist, daß es dem Lebewesen nicht möglich ist, sie durch irgendwelche materiellen Errungenschaften zu verstehen. Aus diesem Grund sollte jeder zum Herrn beten, ewig in Seinem hingebungsvollen Dienst beschäftigt sein zu dürfen, so daß man durch Seine Gnade die höchste Quelle der Schöpfung verstehen kann. Die höchste Quelle der Schöpfung, der Höchste Herr, offenbart Sich nur Seinem Geweihten. Im Vierten Kapitel der Bhagavad-gita sagt der Herr zu Arjuna: "Mein lieber Arjuna, weil du Mein Geweihter und Mein vertrauter Freund bist, will Ich dir nun den Vorgang offenbaren, durch den du Mich verstehen kannst." Mit anderen Worten, wir können die höchste Quelle der Schöpfung, die Höchste Persönlichkeit Gottes, nicht kraft unserer eigenen Bemühung verstehen. Wir müssen Ihn durch hingebungsvollen Dienst erfreuen; dann wird Er Sich uns offenbaren, und wir können Ihn bis zu einem gewissen Maß verstehen.

Es gibt verschiedene Arten von Philosophen, die versucht haben, die höchste Ursache durch mentale Spekulation zu erfassen. Man unterscheidet im allgemeinen sechs Gruppen, die unter dem Begriff sad-darsana zusammengefaßt werden. All diese Philosophen sind Unpersönlichkeitsanhänger und werden als Mayavadis bezeichnet. Jeder von ihnen hat versucht, seine eigene Auffassung durchzusetzen, obwohl sie dann später Kompromisse schlossen und erklärten, alle Auffassungen führten zum gleichen Ziel und daher sei jede Auffassung richtig. Doch wie aus den Gebeten der personifizierten Veden hervorgeht, ist keine ihrer Auffassungen richtig, denn der Vorgang, durch den sie sich ihr Wissen aneigneten, wurde in der zeitweiligen materiellen Welt geschaffen. Sie alle haben das Grundlegendste und Wichtigste nicht verstanden, daß nämlich die Höchste Persönlichkeit Gottes, die Absolute Wahrheit, nur durch hingebungsvollen Dienst verstanden werden kann.

Eine Gruppe von Philosophen, die Mimamsakas, die von Weisen wie Jaimini vertreten werden, ist der Ansicht, jeder müsse fromme Tätigkeiten ausführen und seine vorgeschriebenen Pflichten erfüllen, weil dies zur höchsten Vollkommenheit führen werde. Doch dieser Auffassung wird im Neunten Kapitel der Bhagavad-gita widersprochen, wo Sri Krsna erklärt, daß man durch fromme Tätigkeiten zwar auf die himmlischen Planeten gelangen kann, daß man aber, sobald der Lohn für die frommen Tätigkeiten aufgebraucht ist, den Genuß des höheren materiellen Lebensstandards auf den himmlischen Planeten verlassen und wieder zu den niederen Planeten zurückkehren muß, wo die Lebensdauer äußerst kurz und das Ausmaß materiellen Glücks viel kleiner ist. Wörtlich heißt es in der Bhagavad-gita in diesem Zusammenhang: ksine punye martya-lokam visanti. Daher ist die Schlußfolgerung der Mimamsaka-Philosophen, fromme Tätigkeiten führten einen zur Absoluten Wahrheit, nicht richtig. Obwohl ein reiner Gottgeweihter von Natur aus zu frommen Tätigkeiten neigt, kann niemand allein durch fromme Tätigkeiten die Gunst der Höchsten Persönlichkeit Gottes erlangen. Durch fromme Tätigkeiten kann man zwar von der durch Unwissenheit und Leidenschaft erzeugten Verunreinigung geläutert werden, doch dies erreicht ein Gottgeweihter automatisch, da er ständig in das Hören der transzendentalen Botschaft in Form der Bhagavad-gita, des Srimad-Bhagavatam und ähnlicher Schriften vertieft ist. Aus der Bhagavad-gita erfahren wir, daß selbst ein Mensch, der das vorgeschriebene Maß frommer Tätigkeiten nicht erfüllt, dafür aber absolut im hingebungsvollen Dienst beschäftigt ist, als Gottgeweihter betrachtet werden muß, der sich auf dem sicheren Pfad zur spirituellen Vollkommenheit befindet. Auch heißt es in der Bhagavad-gita, daß jemand, der sich mit Liebe und Vertrauen im hingebungsvollen Dienst beschäftigt, von innen her von der Höchsten Persönlichkeit Gottes gelenkt wird. Der Höchste Herr gibt dem Gottgeweihten als Paramatma, als spiritueller Meister im Herzen, genaue Anweisungen, so daß er schließlich in das Reich Gottes zurückkehren kann. Die Schlußfolgerung der Mimamsaka-Philosophen ist also nicht die Wahrheit, die den Menschen zum richtigen Verständnis führt.

Die Sankhya-Philosophen, eine andere Gruppe von Philosophen, sind Metaphysiker und materialistische Wissenschaftler, die die kosmische Manifestation mit Hilfe ihrer selbsterfundenen wissenschaftlichen Methoden studieren, aber die Höchste Autorität Gottes als Schöpfer der kosmischen Manifestation nicht anerkennen. Statt dessen gelangen sie zu dem falschen Schluß, daß die Wechselwirkung der materiellen Elemente die ursprüngliche Ursache der Schöpfung sei. Die Bhagavad-gita jedoch verwirft diese Theorie, indem sie unmißverständlich erklärt, daß alles im Kosmos unter der Führung der Höchsten Persönlichkeit Gottes steht. Diese Tatsache wird auch in dem vedischen Aphorismus asad va idam agra asit bestätigt, der besagt, daß der Ursprung der Schöpfung schon vor der kosmischen Manifestation existierte. Die materiellen Elemente können also nicht die Ursache der materiellen Schöpfung sein. Die materiellen Elemente werden zwar als materielle Ursachen anerkannt, aber die ursprüngliche Ursache ist die Höchste Persönlichkeit Gottes. Deshalb erklärt die Bhagavad-gita, daß die materielle Natur unter Krsnas Führung arbeitet.

Die Schlußfolgerung der atheistischen Sankhya-Philosophie lautet: Weil die Wirkungen der materiellen Welten zeitweilig und illusorisch sind, muß auch die Ursache selbst illusorisch sein. Die Sankhya-Philosophen vertreten die Lehre vom Nichts; in Wirklichkeit jedoch ist die ursprüngliche Ursache die Höchste Persönlichkeit Gottes, und die kosmische Manifestation ist die zeitweilige Manifestation der materiellen Energie des Herrn. Wenn diese zeitweilige Manifestation vernichtet wird, bleibt ihre Ursache, die ewige spirituelle Welt, bestehen wie zuvor. Sie wird deshalb auch sanatana-dhama, das ewige Reich, genannt. Die Schlußfolgerung der Sankhya-Philosophen ist also unrichtig.

Des weiteren gibt es eine Schule von Philosophen, deren Führer Gautama und Kanada sind. Sie sind nach eingehendem Studium der Ursache und der Wirkung der materiellen Elemente zum Schluß gekommen, daß Atomverbindungen die ursprüngliche Ursache der Schöpfung seien. Die heutigen materialistischen Wissenschaftler vertreten die gleichen Ansichten wie einst Gautama und Kanada, die Begründer der paramanuvada-Theorie. Dieser Theorie kann jedoch nicht zugestimmt werden, da leblose Atome niemals die ursprüngliche Ursache alles Bestehenden sein können. Dies wird sowohl in der Bhagavad-gita und im Srimad-Bhagavatam als auch in den Veden bestätigt, in denen es unter anderem heißt: eko narayana asit, allein Narayana existierte vor der Schöpfung. Das Srimad-Bhagavatam und das Vedanta-sutra erklären ebenfalls, daß die ursprüngliche Ursache eine fühlende Person ist, die sich sowohl indirekt als auch direkt aller Dinge innerhalb der Schöpfung bewußt ist. In der Bhagavad-gita sagt Krsna: aham sarvasya prabhavah. "Ich bin die ursprüngliche Ursache aller Dinge." Und: mattah sarvam pravartate. "Von Mir geht alles Bestehende aus." Selbst wenn die Atome also die Grundverbindungen der materiellen Manifestationen bilden, sind diese Atome doch von der Höchsten Persönlichkeit Gottes erzeugt worden. Deshalb muß die Philosophie Gautamas und Kanadas verworfen werden.

Des weiteren gibt es die Unpersönlichkeitsanhänger, die von Astavakra und später von Sankaracarya angeführt wurden, und sie glauben, daß die unpersönliche Brahman-Ausstrahlung die Ursache von allem sei. Nach ihrer Theorie ist die materielle Manifestation zeitweilig und unwirklich, wohingegen die unpersönliche Brahman-Ausstrahlung die Wirklichkeit darstelle. Doch auch diese Theorie ist falsch, denn wie der Herr Selbst in der Bhagavad-gita sagt, hat die Brahman-Ausstrahlung ihre Ursache in Seiner Persönlichkeit. In der Brahma-samhita wird ebenfalls bestätigt, daß das leuchtende Brahman die Ausstrahlung von Krsnas Körper ist. Daher kann das unpersönliche Brahman nicht die ursprüngliche Ursache der kosmischen Manifestation sein. Die ursprüngliche Ursache ist die unendlich vollkommene und bewußte Persönlichkeit Gottes, Govinda.

Die gefährlichste Theorie der Unpersönlichkeitsanhänger besagt, daß Gott, wenn Er als Inkarnation erscheint, einen materiellen Körper annehme, der von den drei Erscheinungsweisen geschaffen sei. Diese Mayavadi-Theorie wurde von Sri Caitanya als übelste Blasphemie verurteilt. Er sagte, daß jeder, der den transzendentalen Körper der Persönlichkeit Gottes für eine Schöpfung der materiellen Natur halte, sich des größten Vergehens gegen die Lotosfüße Sri Visnus schuldig mache. Ebenso erklärt die Bhagavad-gita, daß nur die Dummköpfe und Schurken Gott, die Höchste Person, verspotten, wenn Er in einer menschlichen Gestalt erscheint. So haben Sich Sri Krsna, Sri Rama und Sri Caitanya, als Sie erschienen, tatsächlich wie Menschen unter Menschen verhalten.

Die Veden in Person verurteilen die unpersönliche Auffassung als grobe Entstellung der Wahrheit. In der Brahma-samhita wird der Körper der Höchsten Persönlichkeit Gottes als ananda-cin-maya-rasa beschrieben. Die Höchste Persönlichkeit Gottes hat einen spirituellen, keinen materiellen Körper. Krsna kann mit jedem Teil Seines Körpers nach Belieben alles genießen, und deshalb ist Er allmächtig. Die Teile eines materiellen Körpers können nur jeweils eine bestimmte Funktion erfüllen. Zum Beispiel können die Hände etwas festhalten, aber man kann mit ihnen nicht sehen oder hören. Weil der Körper der Höchsten Persönlichkeit Gottes ananda-cin-maya-rasa und sac-cid-ananda-vigraha ist, kann Er mit jedem Seiner Körperteile alles genießen und alles tun. Die Annahme, der spirituelle Körper des Herrn sei materiell, entspringt dem Bestreben, die Höchste Persönlichkeit Gottes mit der bedingten Seele gleichzusetzen. Die bedingte Seele hat einen materiellen Körper, und wenn deshalb Gott auch einen materiellen Körper hat, dann wäre es sehr leicht, die unpersönliche Theorie zu verbreiten, die besagt, die Höchste Persönlichkeit Gottes und die Lebewesen seien in jeder Beziehung gleich.

Die Wahrheit jedoch sieht anders aus. Wenn der Herr, die Höchste Persönlichkeit Gottes, erscheint, entfaltet Er mannigfaltige Spiele, aber es gibt keinen Unterschied zwischen Seinem Körper, wenn Er als kleines Kind auf Mutter Yasodas Schoß sitzt und wenn Er als sogenannter Erwachsener mit Dämonen kämpft. Schon als Er als kleines Kind mit Dämonen wie Putana, Trnavarta und Aghasura kämpfte, offenbarte Sein Körper die gleiche Kraft, mit der Er in Seiner Jugend Dämonen wie Dantavakra, Sisupala und andere vernichtete. Wenn eine bedingte Seele im materiellen Leben ihren Körper wechselt, vergißt sie alles über ihren vorherigen Körper, doch wie wir aus der Bhagavad-gita erfahren, vergaß Krsna, da Er einen sac-cid-ananda-Körper hat, nicht, daß Er vor Millionen von Jahren den Sonnengott in den Lehren der Bhagavad-gita unterwiesen hatte. Weil der Herr sowohl zur materiellen als auch zur spirituellen Existenz transzendental ist, wird Er auch Purusottama genannt. Daß Er die Ursache aller Ursachen ist, bedeutet, daß Er die Ursache sowohl der materiellen als auch der spirituellen Welt ist. Die Höchste Persönlichkeit Gottes ist allmächtig und allwissend. Weil ein materieller Körper weder allmächtig noch allwissend sein kann, ist der Körper des Herrn ganz bestimmt nicht materiell. Die Mayavadi-Theorie, nach der die Persönlichkeit Gottes in einem materiellen Körper in die materielle Welt kommt, kann somit unter keinen Umständen anerkannt werden.

Abschließend läßt sich sagen, daß alle Theorien der materialistischen Philosophen vom zeitweiligen, illusorischen Dasein hergeleitet werden und daher den Schlußfolgerungen in einem Traum gleichen. Zweifellos können uns solche Schlußfolgerungen nicht zur Absoluten Wahrheit führen. Wie der Herr Selbst in der Bhagavad-gita erklärt, kann die Absolute Wahrheit nur durch hingebungsvollen Dienst verstanden werden: bhaktya mam abhijanati. "Nur durch hingebungsvollen Dienst bin Ich zu verstehen." In diesem Zusammenhang hat Srila Sridhara Svami einen wunderschönen Vers verfaßt: "Mein lieber Herr, mögen andere sich mit falschen Argumenten und trockenen Spekulationen auseinandersetzen und über ihre großartigen philosophischen Thesen theoretisieren; mögen sie in der Finsternis der Unwissenheit und Illusion umherirren und sich in dem falschen Glauben wiegen, hochbewanderte Gelehrte zu sein, obwohl sie nicht das geringste Wissen über die Höchste Persönlichkeit Gottes besitzen - was aber mich betrifft, so wünsche ich mir, einfach nur durch das Chanten der Heiligen Namen der Höchsten Persönlichkeit Gottes befreit zu werden. Die Höchste Persönlichkeit Gottes, die von unvergleichlicher Schönheit ist, besitzt viele Namen - Madhava, Vamana, Trinayana, Sankarsana, Sripati und Govinda. Indem ich einfach Seine transzendentalen Namen chante, bitte ich darum, von der Verunreinigung des materiellen Daseins frei zu werden."

Die Veden in Person fuhren fort: "Lieber Herr, wenn ein Lebewesen durch Deine Gnade zum richtigen Verständnis Deiner erhabenen, transzendentalen Stellung gelangt, gibt es sich nicht mehr mit den Theorien ab, die von den mentalen Spekulanten und den Pseudo-Philosophen erdacht wurden." Diese Feststellung bezieht sich auf die spekulativen Theorien Gautamas, Kanadas, Patanjalis und Kapilas, der auch Nirisvara genannt wird. Es gibt zwei Kapilas: Der eine Kapila, der Sohn Kardama Munis, ist eine Inkarnation Gottes, und der andere ist ein Atheist, der während des gegenwärtigen Zeitalters erschienen ist. Der atheistische Kapila wird irrtümlicherweise oft für die Höchste Persönlichkeit Gottes gehalten, die vor unvorstellbar langer Zeit während des Zeitalters Svayambhuva Manus als der Sohn Kardama Munis erschienen ist. Das gegenwärtige Zeitalter ist das Zeitalter Vaivasvata Manus; Kapila, die Inkarnation Gottes, jedoch erschien während des Zeitalters Svayambhuva Manus.

Die Mayavadi-Philosophie besagt, die manifestierte Welt, d.h. die materielle Welt, sei falsch (mithya und maya). Das Predigen der Mayavadis beruht auf dem Grundsatz brahma-satya jagat-mithya; damit wollen sie sagen, daß nur das leuchtende Brahman Wirklichkeit sei, wohingegen die kosmische Manifestation illusorisch und falsch sei. Doch nach der Vaisnava-Philosophie wurde die kosmische Manifestation von der Höchsten Persönlichkeit Gottes hervorgebracht. In der Bhagavad-gita erklärt der Herr, daß Er durch eine Seiner vollständigen Teilerweiterungen in die materielle Welt eingeht, wodurch die Schöpfung stattfindet. Auch aus den Veden geht hervor, daß die zeitweilige (asat) kosmische Manifestation ebenfalls eine Emanation des höchsten sat, der höchsten Wirklichkeit, ist. Und im Vedanta-sutra heißt es, daß alles aus dem Höchsten Brahman hervorgegangen ist. Deshalb betrachten die Vaisnavas die kosmische Manifestation nicht als falsch; nein, der Vaisnava-Philosoph sieht alles in der materiellen Welt in Beziehung zum Höchsten Herrn.

Diese Auffassung von der materiellen Welt ist von Srila Rupa Gosvami sehr schön erklärt worden, der sagte, daß jemand, der die materielle Welt als illusorisch und falsch zurückweise, ohne zu wissen, daß auch sie eine Manifestation des Höchsten Herrn ist, eine Entsagung ausführe, die keinen praktischen Wert hat. Die Vaisnavas jedoch sind völlig frei von Anhaftung an die materielle Welt, die im allgemeinen als ein Objekt der Sinnenbefriedigung angesehen wird. Den Vaisnavas ist nichts an Sinnenbefriedigung gelegen, und deshalb fühlen sie sich auch nicht zu materiellen Tätigkeiten hingezogen. Die Vaisnavas benutzen die materielle Welt, indem sie sich strikt an die regulierenden Prinzipien halten, die von den Veden vorgeschrieben werden. Weil die Höchste Persönlichkeit Gottes die ursprüngliche Ursache alles Existierenden ist, sieht der Vaisnava alles, selbst die Dinge in der materiellen Welt, in Beziehung zu Krsna. Durch ein solch fortgeschrittenes Wissen wird alles spiritualisiert. Mit anderen Worten, alles in der materiellen Welt ist bereits spirituell, und nur weil es uns an Wissen mangelt, sehen wir etwas als materiell.

Die Veden in Person gaben in diesem Zusammenhang das Beispiel, daß jemand, der nach Gold sucht, niemals goldene Ohrringe, goldene Armreife oder irgend etwas anderes aus Gold zurückweist, nur weil diese Dinge von anderer Form sind als das ursprüngliche Gold. Ebenso sind alle Lebewesen als Bestandteile des Höchsten Herrn qualitativ eins mit Ihm, doch gegenwärtig befinden sie sich - genau wie das zu verschiedenen Schmuckstücken verarbeitete Gold, das aus einer einzigen Mine stammt - in den verschiedenen Körpern der 8.400.000 Lebensformen. Ebenso wie jemand, der den Wert von Gold zu schätzen weiß, alle verschieden geformten goldenen Schmuckstücke annimmt, so betrachtet ein Vaisnava alle Lebewesen als ewige Diener Gottes, da er sich voll darüber bewußt ist, daß sie alle qualitativ mit der Höchsten Persönlichkeit Gottes eins sind. So hat man als Vaisnava unerschöpfliche Gelegenheiten, der Höchsten Persönlichkeit Gottes zu dienen, indem man diesen bedingten, irregeführten Lebewesen hilft, sie im Krsna-Bewußtsein unterweist und sie zurück nach Hause, zurück zu Gott, führt. Heute jedoch ist es so, daß der Geist der Lebewesen unter dem Einfluß der drei materiellen Erscheinungsweisen völlig aufgewühlt ist, und deshalb wandern die Lebewesen - wie in einem Traum - von Körper zu Körper. Wenn sich ihr Bewußtsein jedoch zu Krsna-Bewußtsein gewandelt hat, nehmen sie sogleich Krsna fest in ihr Herz auf, und so öffnet sich ihnen der Pfad zur Befreiung.

In allen Veden wird erklärt, daß die Höchste Persönlichkeit Gottes und die Lebewesen die gleiche Eigenschaft besitzen - sie sind caitanya, "spirituell". Dies wird auch im Padma Purana bestätigt, in dem es heißt, daß es zwei Arten von spirituellen Wesen gibt, die jivas und den Höchsten Herrn. Angefangen mit Brahma bis hinunter zur Ameise, sind alle Lebewesen jivas, wohingegen der Herr der vierarmige höchste Visnu, oder Janardana, ist. Das Wort atma kann sich eigentlich nur auf die Höchste Persönlichkeit Gottes beziehen, doch weil die Lebewesen Seine Bestandteile sind, werden auch sie manchmal als atma bezeichnet. Das Lebewesen wird daher jivatma und der Höchste Herr Paramatma genannt. Da sich sowohl der Paramatma als auch der jivatma in der materiellen Welt aufhalten, muß die materielle Welt einem anderen Zweck dienen als der Sinnenbefriedigung. Während die Auffassung, das Leben sei zur Sinnenbefriedigung bestimmt, ein Trugschluß ist, ist die Auffassung, daß der jivatma dem Paramatma dienen muß, und dies auch in der materiellen Welt, alles andere als ein Trugschluß. Ein Krsna-bewußter Mensch ist sich dessen immer bewußt, und deshalb hält er die materielle Welt nicht für falsch, sondern handelt auf der Ebene der Wirklichkeit, das heißt, er beschäftigt sich im transzendentalen Dienst. Der Gottgeweihte sieht deshalb in allen Dingen der materiellen Welt eine Gelegenheit, dem Herrn zu dienen. Er lehnt nichts als materiell ab, sondern stellt alles in den Dienst des Herrn. Auf diese Weise befindet sich der Gottgeweihte ständig auf der transzendentalen Ebene, und alles, was er verwendet, wird spirituell geläutert, weil er es im Dienst des Herrn verwendet.

Sridhara Svami verfaßte hierzu einen schönen Vers: "Ich verehre den Herrn, die Höchste Persönlichkeit Gottes, der immer als Wirklichkeit manifestiert ist -selbst in der materiellen Welt, die von einigen als unwirklich angesehen wird." Die Auffassung, die materielle Welt sei Trug, ist auf mangelndes Wissen zurückzuführen; aber ein Mensch im Krsna-Bewußtsein sieht die Höchste Persönlichkeit Gottes in allem. Das ist die Verwirklichung der wahren Bedeutung des vedischen Aphorismus: sarvam khalv idam brahma. "Alles ist Brahman."

Die Veden in Person fuhren fort: "Lieber Herr, die weniger intelligenten Menschen mögen sich anderen Vorgängen der Selbstverwirklichung widmen; doch in Wirklichkeit besteht nicht die geringste Möglichkeit, von der materiellen Verunreinigung frei zu werden oder dem Kreislauf von Geburt und Tod ein Ende zu bereiten, solange man nicht ein völlig reiner Gottgeweihter ist. Lieber Herr, alles ruht auf Deinen vielfachen Energien, und wie in den Veden erklärt wird (eko bahunam yo vidadhati kaman), wird ein jeder von Dir versorgt. Daher bist Du, o Herr, der Erhalter und Versorger aller Lebewesen - der Halbgötter, Menschen und Tiere. Jeder wird von Dir erhalten, der Du Dich im Herzen eines jeden befindest. Du bist somit die Wurzel der gesamten Schöpfung. Diejenigen, die in Deinem hingebungsvollen Dienst beschäftigt sind, ohne jemals abzuweichen, bringen Dir deshalb ewiglich ihre Verehrung dar. Solche Gottgeweihten begießen wahrlich die Wurzel des Baumes des Universums. Durch hingebungsvollen Dienst stellt man also nicht nur die Höchste Persönlichkeit Gottes zufrieden, sondern auch alle anderen Lebewesen, da jedes von Ihm erhalten und versorgt wird. Der Gottgeweihte ist der wahre Philanthrop und Altruist, weil er das alldurchdringende Wesen der Höchsten Persönlichkeit Gottes versteht. Solche reinen Gottgeweihten, die sich vollkommen im Krsna-Bewußtsein beschäftigen, überwinden mit Leichtigkeit den Kreislauf von Geburt und Tod und springen gleichsam über den Kopf des Todes hinweg."

Ein Gottgeweihter fürchtet sich niemals vor dem Tod oder dem Wechsel seines Körpers; sein Bewußtsein hat sich zu Krsna-Bewußtsein gewandelt, und selbst wenn er nicht sogleich zu Gott zurückkehrt, sondern einen weiteren materiellen Körper annimmt, hat er nichts zu befürchten. Ein gutes Beispiel für einen solchen Gottgeweihten ist Bharata Maharaja. Obwohl er nach seinem Tod den Körper eines Rehes annehmen mußte, wurde er bereits im darauffolgenden Leben von aller materiellen Verunreinigung vollkommen befreit und in das Königreich Gottes erhoben. In der Bhagavad-gita wird deshalb erklärt, daß ein Gottgeweihter niemals vergeht. Dem Gottgeweihten ist die Rückkehr zum spirituellen Königreich, die Heimkehr zu Gott, sicher. Selbst wenn ihm in seinem Leben ein Fehltritt unterläuft, erhebt ihn sein Festhalten am Krsna-Bewußtsein höher und höher, bis er schließlich zu Gott zurückkehrt. Ein reiner Gottgeweihter läutert nicht nur sein eigenes Dasein, sondern auch das Dasein eines jeden, der sein Schüler wird, so daß dieser schließlich ohne Schwierigkeit das Königreich Gottes betreten kann. Ein reiner Gottgeweihter überwindet also nicht nur selbst den Tod, sondern durch seine Gnade können auch all diejenigen, die ihm nachfolgen, mühelos das gleiche Ziel erreichen. Die Macht des hingebungsvollen Dienstes ist so groß, daß ein reiner Gottgeweihter eine andere Person zu "elektrisieren" vermag, wenn er seine transzendentale Anweisung gibt, wie der Ozean der Unwissenheit zu überqueren ist.

Die Anweisungen eines reinen Gottgeweihten an seinen Schüler sind zudem sehr einfach. Niemandem fällt es schwer, den Fußstapfen eines reinen Gottgeweihten zu folgen. Das Tor zur Befreiung öffnet sich jedem, der sich einer Schülernachfolge anschließt, die auf autorisierte Geweihte des Herrn zurückgeht, wie Brahma, Siva, die Kumaras, Manu, Kapila, König Prahlada, König Janaka, Sukadeva Gosvami, Yamaraja und andere. Diejenigen hingegen, die keine Gottgeweihten sind, sondern sich unsicheren Methoden der Selbstverwirklichung widmen, wie denen des jnana, yoga und karma, sind zweifellos immer noch verunreinigt. Obwohl solche verunreinigten Menschen den Anschein erwecken mögen, als seien sie auf dem Pfad der Selbstverwirklichung sehr weit fortgeschritten, können sie sich nicht einmal selbst befreien, ganz zu schweigen also von denen, die ihnen folgen. Solche Nichtgottgeweihten werden mit angeketteten Tieren verglichen, da sie nicht in der Lage sind, über die Äußerlichkeiten ihrer jeweiligen Glaubensrichtung hinauszugehen. In der Bhagavad-gita werden sie als veda-vadah verurteilt. Sie begreifen nicht, daß sich die Veden nur mit Tätigkeiten unter dem Einfluß der materiellen Erscheinungsweisen der Natur - Tugend, Leidenschaft und Unwissenheit - befassen.

Sri Krsna gab Arjuna den Rat, die in den Veden vorgeschriebenen Pflichten hinter sich zu lassen und sich dem Krsna-Bewußtsein, dem hingebungsvollen Dienst, zuzuwenden. In der Bhagavad-gita heißt es an dieser Stelle: nistrai-gunyo bhavarjuna. "Mein lieber Arjuna, erhebe dich über die vedischen Rituale." Diese transzendentale Stellung, die sich jenseits der Durchführung vedischer Rituale befindet, erreicht man im hingebungsvollen Dienst. In der Bhagavad-gita sagt der Herr deutlich, daß diejenigen, die sich ohne Verfälschung in Seinem hingebungsvollen Dienst beschäftigen, die Ebene des Brahmans erreicht haben. Wahre Brahman-Verwirklichung bedeutet Krsna-Bewußtsein und die Beschäftigung im hingebungsvollen Dienst. Deshalb sind die Gottgeweihten echte brahmacaris, denn ihre Tätigkeiten befinden sich immer auf der Ebene des Krsna-Bewußtseins, des hingebungsvollen Dienstes.

Die Bewegung für Krsna-Bewußtsein ist ein Aufruf von höchster Stelle an alle Arten von religiösen Menschen und Transzendentalisten; sie alle werden hiermit mit hoher Autorität aufgefordert, sich in dieser Bewegung zu vereinigen, wo man lernen kann, Gott zu lieben und dadurch alle vorgeschriebenen Regeln und Förmlichkeiten der Schriften hinter sich zu lassen. Ein Mensch, der nicht über die Stufe stereotyper religiöser Prinzipien hinausgelangen kann, wird mit einem Tier verglichen, das von seinem Meister an die Kette gelegt worden ist. Der Sinn aller Religion besteht darin, Gott zu verstehen und seine schlummernde Liebe zu Ihm zu erwecken. Wenn man jedoch nur an den religiösen Formeln und Ritualen festhält und keine Liebe zu Gott entwickelt, gilt man als angekettetes Tier. Mit anderen Worten, jemand, der nicht Krsna-bewußt ist, kann von der Verunreinigung des materiellen Daseins nicht befreit werden.

In einem anderen Vers von Srila Sridhara Svami heißt es: "Sollen andere sich strenge Entsagung auferlegen; sollen andere sich von den Gipfeln der Berge zu Tode stürzen; sollen andere zu vielen heiligen Pilgerstätten reisen, um Befreiung zu erlangen, und sollen andere sich in das eingehende Studium der Philosophie und der vedischen Schriften versenken; laß die yogis sich ihrer Meditation widmen, und laß die verschiedenen Religionen sinnlos miteinander streiten, welche von ihnen die beste sei. Die Wahrheit ist, daß niemand den Ozean des materiellen Daseins zu überqueren vermag, ohne Krsna-bewußt zu sein, ohne sich im hingebungsvollen Dienst zu beschäftigen und ohne die Barmherzigkeit der Höchsten Persönlichkeit Gottes zu erlangen." Ein intelligenter Mensch gibt daher alle schablonenhaften Vorstellungen auf und schließt sich der Bewegung für Krsna-Bewußtsein an, um wirklich befreit zu werden.

Die Veden in Person fuhren mit ihren Gebeten fort, indem sie sagten: "Lieber Herr, Dein unpersönlicher Aspekt wird in den Veden wie folgt beschrieben: Du hast keine Hände, doch Du kannst alle Opfer, die Dir dargebracht werden, entgegennehmen; Du hast keine Beine, doch Du kannst schneller laufen als jeder andere; Du hast keine Augen, doch Du kannst alle Geschehnisse der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft sehen; Du hast keine Ohren, doch Du kannst alles hören, was gesagt wird, und obwohl Du keinen Geist hast, kennst Du alle Wesen und ihre vergangenen, gegenwärtigen und zukünftigen Handlungen. Und trotzdem weiß niemand, wer Du bist. Du kennst alle, doch niemand kennt Dich; deshalb bist Du die älteste und die Höchste Persönlichkeit."

An einer anderen Stelle in den Veden heißt es: "Du brauchst nichts zu tun. Du bist so vollkommen in Deinem Wissen und Deiner Macht, daß sich allein durch Deinen Willen alles manifestiert. Niemand kommt Dir gleich, und niemand überragt Dich; vielmehr ist jeder Dein ewiger Diener." Diese Aussagen der Veden erklären, daß der Absolute weder Beine, Arme, Augen noch Ohren oder einen Geist hat und dennoch durch Seine Energien handeln und die Bedürfnisse aller Lebewesen erfüllen kann. Wie in der Bhagavad-gita erklärt wird, sind Seine Arme und Beine überall; Er ist alldurchdringend. Die Arme, Beine, Ohren und Augen der Lebewesen bewegen sich und handeln unter der Führung der Überseele, die im Herzen eines jeden Lebewesens weilt. Wenn die Überseele nicht gegenwärtig wäre, könnten sich die Arme und Beine nicht bewegen. Der Herr, die Höchste Persönlichkeit Gottes, ist so allumfassend, unabhängig und vollkommen, daß Er, obwohl Er keine Augen, Beine und Ohren besitzt, in der Ausführung Seiner Handlungen von niemandem abhängig ist. Im Gegenteil, alle anderen sind im Gebrauch ihrer verschiedenen Sinnesorgane von Ihm abhängig. Solange das Lebewesen nicht von der Überseele inspiriert und geführt wird, kann es nicht handeln.

Die Tatsache ist also, daß die Absolute Wahrheit in Ihrem höchsten Aspekt eine Person ist. Doch weil Sie, die Höchste Person, durch Ihre verschiedenen Energien wirkt, die den groben Materialisten nicht sichtbar sind, glauben diese, Sie sei unpersönlich. Wenn man zum Beispiel das Gemälde einer Blume betrachtet, so kann man darin die Kunstfertigkeit einer Person wahrnehmen, und man kann verstehen, daß die Komposition des Bildes, die Farbkombination und die vielen anderen Elemente die sorgfältige Aufmerksamkeit des Künstlers erfordert haben. Ein Gemälde, das blühende Blumen darstellt, weist also eindeutig auf das Schaffen eines Künstlers hin, aber weil der abgestumpfte Materialist nicht fähig ist, die Hand Gottes in solchen Kunstwerken, wie es die wirklichen Blumen in der Natur sind, zu erkennen, kommt er zu dem Schluß, die Absolute Wahrheit sei unpersönlich. In Wirklichkeit ist der Absolute eine Person, aber das bedeutet nicht, daß Er von irgend etwas abhängig ist. Er braucht nicht zu Pinsel und Farbe zu greifen, um die Blumen zu malen; Seine Energien wirken so wunderbar, daß es scheint, als seien die Blumen ohne die Hilfe eines Künstlers entstanden. Die unpersönliche Auffassung von der Absoluten Wahrheit wird von Menschen mit geringer Intelligenz angenommen, weil diejenigen, die sich nicht im Dienst des Herrn beschäftigen, nicht verstehen können, wie der Höchste handelt; ja sie wissen nicht einmal, wie Er heißt. Nur dem Gottgeweihten mit einer liebevollen, dienenden Haltung wird die Wahrheit über die Taten und die persönlichen Aspekte des Höchsten offenbart.

Wie es in der Bhagavad-gita unmißverständlich heißt (bhoktaram yajna tapasam), ist der Höchste Herr der Genießer aller Arten von Opfern und der Ergebnisse aller Entsagung. Des weiteren erklärt der Herr: sarva-loka-mahesvaram. "Ich bin der Besitzer aller Planeten." Das ist die Stellung der Höchsten Persönlichkeit Gottes. Obwohl Er in Vrndavana weilt und Sich der Gemeinschaft Seiner ewigen Gefährten, der gopis und Kuhhirtenjungen, erfreut, wirken Seine Energien unter Seiner Führung überall in der Schöpfung, ohne jemals Seine ewigen Spiele zu stören.

Nur durch hingebungsvollen Dienst kann man verstehen, wie Krsna durch Seine unvorstellbaren Energien gleichzeitig unpersönlich und als Person wirkt. Er handelt wie der höchste Kaiser, unter dessen Oberherrschaft viele tausend Könige und Fürsten tätig sind. Die Höchste Persönlichkeit Gottes ist der höchste unabhängige Herrscher, und alle Halbgötter - selbst Brahma, Siva, der Himmelskönig Indra, der König des Mondes und der König der Sonne - handeln unter Seiner Führung. Wie in den Veden bestätigt wird, bewirkt es die Furcht vor der Höchsten Persönlichkeit Gottes, daß die Sonne scheint, der Wind weht und das Feuer Wärme abgibt. Die materielle Natur bringt die verschiedensten Manifestationen hervor, sich bewegende und sich nicht bewegende; aber keine von ihnen kann unabhängig vom Höchsten Herrn, ohne Seine Führung, etwas tun oder etwas erschaffen. Sie alle gleichen tributpflichtigen, untergebenen Königen, die dem Kaiser ihre jährlichen Abgaben entrichten müssen.

Nach vedischer Vorschrift sollte sich jedes Lebewesen von den Überresten der Speisen ernähren, die der Persönlichkeit Gottes geopfert wurden. Die Anweisung für die Durchführung großer Opfer lautet, daß Narayana als die höchste vorherrschende Gottheit des Opfers gegenwärtig sein sollte, und nach Beendigung des Opfers werden die Überreste der Speisen unter den Halbgöttern verteilt. Dies wird yajna-bhaga genannt. Jeder Halbgott bekommt seinen bestimmten Anteil am yajna-bhaga, den er als prasadam annimmt. Hieraus wird deutlich, daß die Halbgötter in ihrer Macht nicht unabhängig sind. Sie werden unter der Aufsicht der Höchsten Persönlichkeit Gottes als Verwalter verschiedener Bereiche eingesetzt, und sie essen prasadam, d.h. die Speisereste der Opfer. Sie führen die Befehle des Höchsten Herrn genau nach Seinem Plan aus. Er Selbst befindet Sich im Hintergrund aller Dinge, während Seine Befehle von anderen ausgeführt werden. Es sieht nur oberflächlich so aus, als ob Er unpersönlich sei. Mit unseren grobstofflichen, materialistischen Mitteln können wir uns nicht vorstellen, wie die Höchste Person über den unpersönlichen Vorgängen der materiellen Natur stehen kann. Deshalb erklärt der Herr in der Bhagavad-gita, daß es nichts Höheres gibt als Ihn und daß das unpersönliche Brahman, als die Manifestation Seiner persönlichen Ausstrahlung, Ihm untergeordnet ist. In diesem Zusammenhang verfaßte Sripada Srila Sridhara Svami den folgenden Vers: "Ich erweise meine achtungsvollen Ehrerbietungen dem Herrn, der Höchsten Persönlichkeit Gottes, der keine materiellen Sinne hat, durch dessen Befehl und Willen aber alle materiellen Sinne tätig sind. Er ist die höchste Kraft aller materiellen Sinne und Sinnesorgane. Er ist allmächtig, und Er ist der höchste Ausführende aller Dinge. Aus diesem Grunde gebührt es Ihm, von jedem verehrt zu werden. Dieser Höchsten Person bringe ich meine achtungsvollen Ehrerbietungen dar."

Krsna erklärt in der Bhagavad-gita, daß Er Purusottama, die Höchste Persönlichkeit, ist. Purusa bedeutet "Person-, und uttama bedeutet "höchste" oder "transzendental". Wie Krsna Selbst in der Bhagavad-gita erklärt, ist Er deshalb als Purusottama berühmt, weil Er sowohl zu den fehlbaren als auch zu den unfehlbaren Lebewesen transzendental ist. An einer anderen Stelle sagt der Herr, daß sich jeder in Ihm befindet wie die Luft im alldurchdringenden Raum und daß jeder unter Seiner Führung handelt.

Die Veden in Person fuhren fort: "Lieber Herr, Du bist jedem gleichgesinnt; Du bist keiner Art von Lebewesen besonders zugetan oder abgeneigt. Alle Lebewesen sind Deine Bestandteile, und sie genießen und leiden unter verschiedenen Lebensbedingungen. Sie sind wie die Funken eines Feuers. Genau wie die Funken über einem lodernden Feuer tanzen, so tanzen alle Lebewesen aufgrund Deiner Hilfe. Du versorgst sie mit allem, was sie sich wünschen, und doch bist Du nicht für ihre Freuden und Leiden verantwortlich. Es gibt die verschiedensten Arten von Lebewesen - Halbgötter, Menschen, Säugetiere, Bäume, Vögel, Reptilien, Bakterien, Würmer, Insekten und Wasserlebewesen -, und sie alle genießen und leiden in ihrem Leben, während Du ihre Grundlage bist. Es gibt zwei Arten von Lebewesen: die nitya-muktas, die ewig befreiten, und die nitya-baddhas, die ewig bedingten. Die nitya-mukta-Lebewesen befinden sich im spirituellen Königreich, und die nitya-baddhas befinden sich in der materiellen Welt."

In der spirituellen Welt befinden sich sowohl der Herr als auch die Lebewesen in ihrem ursprünglichen Zustand, so wie leuchtende Funken in einem Feuer. Der Herr ist in der materiellen Welt in Seinem unpersönlichen Aspekt überall gegenwärtig, aber dennoch haben die Lebewesen, die sich in der materiellen Welt befinden, ihr Krsna-Bewußtsein verloren, ebenso wie Funken manchmal aus dem lodernden Feuer fallen und ihre ursprüngliche Leuchtkraft verlieren. Einige der Funken fallen auf trockenes Gras und entzünden ein neues großes Feuer. Dieses Beispiel bezieht sich auf die reinen Gottgeweihten, die sich der leidenden und unschuldigen Lebewesen erbarmen. Der reine Gottgeweihte erleuchtet die Herzen der bedingten Lebewesen mit Krsna-Bewußtsein, und so kommt das lodernde Feuer der spirituellen Welt selbst in der materiellen Welt zum Vorschein. Einige der Funken fallen auch ins Wasser, wo sie augenblicklich ihr ursprüngliches Leuchten verlieren und fast erlöschen. Mit diesen Funken werden die Lebewesen verglichen, die unter den groben Materialisten geboren werden, wo ihr ursprüngliches Krsna-Bewußtsein fast vollständig erlischt. Andere Funken wiederum fallen auf den Boden, wo sie weder richtig brennen noch erlöschen. Auf diese Weise gibt es Lebewesen, denen es gänzlich an Krsna-Bewußtsein mangelt, Lebewesen, die auf einer Zwischenstufe stehen, und solche, die sich vollständig im Krsna-Bewußtsein befinden. Die Halbgötter auf den himmlischen Planeten, wie Brahma, Indra, Candra, der Sonnengott, der Mondgott und viele andere Halbgötter, sind alle Krsna-bewußt. Die Menschen stehen auf einer Stufe zwischen den Tieren und den Halbgöttern, und deshalb gibt es einige, die mehr oder weniger Krsna-bewußt sind, und andere, die das Krsna-Bewußtsein völlig vergessen haben. Die Lebewesen dritten Ranges - die Tiere, Pflanzen, Wassertiere und Wasserpflanzen - haben ihr Krsna-Bewußtsein völlig vergessen. Dieses in den Veden angeführte Beispiel von den Funken des lodernden Feuers ist sehr hilfreich, um die Lage der verschiedenen Arten von Lebewesen zu verstehen. Doch über allen Lebewesen steht die Höchste Persönlichkeit Gottes, Krsna, oder Purusottama, der immer von allen materiellen Bedingungen frei ist.

Hier könnte man die Frage stellen, warum die Lebewesen durch Zufall in die verschiedenen Lebensbedingungen gefallen sind. Um diese Frage beantworten zu können, müssen wir zuerst verstehen, daß der Zufall für die Lebewesen keinen Einfluß haben kann; Zufall gibt es nur für unbelebte Dinge. Wie in den vedischen Schriften erklärt wird, besitzen die Lebewesen Wissen, und deshalb werden sie caitanya genannt, was "wissend" bedeutet. Ihr Dasein unter bestimmten Lebensbedingungen ist deshalb nicht zufällig; es wurde vielmehr durch ihre eigene Wahl herbeigeführt, denn wie gesagt verfügen sie alle über Wissen. In der Bhagavad-gita sagt der Herr: "Gib alles auf, und ergib dich einfach Mir." Dieser Vorgang, durch den man die Höchste Persönlichkeit Gottes erkennen kann, steht für alle offen, doch es bleibt immer der Wahl des Lebewesens überlassen, diesen Vorschlag anzunehmen oder abzulehnen. Im letzten Teil der Bhagavad-gita sagt Sri Krsna ganz offen zu Arjuna: "Mein lieber Arjuna, Ich habe dir nun alles erklärt. Alles weitere hängt von deiner Wahl ab" Ebenso ist auch die Tatsache, daß die Lebewesen in die materielle Welt gekommen sind, auf ihre eigene Entscheidung zurückzuführen, die materielle Welt zu genießen. Es ist nicht etwa so, daß Krsna sie in die materielle Welt geschickt hat. Die materielle Welt wurde für den Genuß der Lebewesen geschaffen, die den ewigen Dienst des Herrn aufgeben wollten, um selbst die höchsten Genießer zu werden. Wenn sich ein Lebewesen Sinnenbefriedigung wünscht und den Dienst des Herrn vergessen will, so erklärt die Vaisnava-Philosophie, dann wird ihm ein Platz in der materiellen Welt zugewiesen, wo es ganz nach Belieben handeln kann, um sich in der Folge Lebensbedingungen zu schaffen, unter denen es entweder genießt oder leidet. Wir müssen uns darüber bewußt sein, daß sowohl der Herr als auch die Lebewesen ewig bewußt sind. Geburt und Tod gibt es weder für den Herrn noch für die Lebewesen. Wenn die Schöpfung stattfindet, bedeutet dies nicht, daß die Lebewesen erschaffen werden. Der Herr erschafft die materielle Welt, um den bedingten Seelen eine Möglichkeit zu geben, auf die Ebene des Krsna-Bewußtseins zu gelangen. Wenn die bedingte Seele diese Gelegenheit nicht wahrnimmt, geht sie nach der Auflösung der materiellen Welt in den Körper Narayanas ein und bleibt dort in tiefem Schlaf, bis die nächste Schöpfung stattfindet.

In diesem Zusammenhang ist das Beispiel der Regenzeit sehr treffend. Der jahreszeitliche Regen kann als Vertreter der Schöpfungskraft angesehen werden, denn die nach dem Regen feucht gewordene Erde eignet sich sehr gut für den Anbau aller möglichen Nutzpflanzen. Wenn auf ähnliche Weise die Schöpfung stattfindet, indem der Herr über die materielle Natur blickt, erscheinen sofort die Lebewesen in ihren verschiedenen Lebensbedingungen, ebenso wie nach dem Regen die verschiedensten Pflanzen hervorsprießen. Der Regen ist immer der gleiche, doch die Pflanzen, die erscheinen, bilden eine große Vielfalt. Der Regen verteilt sich gleichmäßig über das gesamte Feld, doch entsprechend den Samen, die gesät wurden, sprießen Pflanzen der verschiedensten Arten und Größen aus der Erde hervor. Ebenso bilden die Samen unserer Wünsche eine große Vielfalt. Jedes Lebewesen hat eine bestimmte Art des Wunsches, und dieser Wunsch ist der Same, der das Lebewesen in einem bestimmten Körper heranwachsen läßt. Dies wird von Rupa Gosvami mit dem Ausdruck papa-bija erklärt. Papa bedeutet "sündhaft". All unsere materiellen Wünsche müssen als papa-bija, Samen von Sünden, betrachtet werden. Die Bhagavad-gita erklärt, daß unser sündhafter Wunsch darin besteht, daß wir uns dem Höchsten Herrn nicht ergeben wollen. Der Herr versichert uns deshalb in der Bhagavad-gita: "Ich werde dich vor den Auswirkungen aller sündhaften Wünsche beschützen." Diese sündhaften Wünsche zeigen sich in den verschiedenen Arten von Körpern, deshalb kann niemand den Höchsten Herrn beschuldigen, Er sei voreingenommen, weil Er einem bestimmten Lebewesen diesen Körper gegeben habe und einem anderen Lebewesen jenen. Alle Körper der 8.400.000 Lebensformen werden den individuellen Lebewesen entsprechend der Ausrichtung ihres Geistes zugewiesen. Die Höchste Persönlichkeit Gottes, Purusottama, gibt ihnen lediglich die Möglichkeit, so zu handeln, wie sie es sich gewünscht haben, und wenn die Lebewesen verschiedenen Handlungen nachgehen, dann nutzen sie einfach nur die vom Herrn gegebenen Möglichkeiten.

Die Lebewesen werden aus dem transzendentalen Körper des Herrn geboren. Die Beziehung zwischen dem Herrn und den Lebewesen wird in den vedischen Schriften erklärt, wo es heißt, daß der Höchste Herr all Seine Kinder erhält, indem Er ihnen gibt, was immer sie wollen. In der Bhagavad-gita wird dies vom Herrn Selbst bestätigt: "Ich bin der samengebende Vater aller Lebewesen." Es ist nicht schwierig zu verstehen, daß der Vater zwar für die Geburt der Kinder verantwortlich ist, daß die Kinder dann aber nach ihren eigenen Wünschen handeln. Daher ist der Vater später nicht für das Schicksal seiner Kinder verantwortlich. Jedes Kind kann das Eigentum und die Ratschläge seines Vaters nutzen, doch obgleich allen Kindern der gleiche Erbteil und das gleiche Maß an guten Ratschlägen zuteil wird, wählt sich jedes Kind, je nach seinen Wünschen, seinen eigenen Lebensweg und genießt bzw. leidet dementsprechend.

Ebenso sind die Anweisungen der Bhagavad-gita für alle die gleichen: Jeder Mensch sollte sich dem Höchsten Herrn ergeben; dafür wird Sich der Herr seiner annehmen und ihn vor allen sündhaften Reaktionen beschützen. Jedes Lebewesen in der Schöpfung des Herrn bekommt auf gerechte Weise alles, was es zum Leben braucht. Alles, was es auf der Welt gibt, sei es auf dem Land, im Wasser oder in der Luft, steht allen Lebewesen gleichermaßen zur Verfügung.

Weil die Lebewesen die Söhne des Höchsten Herrn sind, haben sie alle das Recht, sich der materiellen Möglichkeiten zu bedienen, die ihnen der Herr gegeben hat; doch unglückselige Lebewesen schaffen unerträgliche Lebensbedingungen, indem sie sich gegenseitig bekämpfen. Die Verantwortung für das Kämpfen und das Schaffen günstiger und ungünstiger Lebensbedingungen liegt bei den Lebewesen, und nicht bei der Höchsten Persönlichkeit Gottes. Wenn die Lebewesen aber die Anweisungen des Herrn in der Bhagavad-gita nutzen und Krsna-Bewußtsein entwickeln, wird ihr Leben erhaben, und sie können zu Gott zurückkehren.

Manche Menschen behaupten, Gott sei für die Zustände in der materiellen Welt verantwortlich, da Er diese Welt Selbst erschaffen habe. Zweifellos ist Er indirekt für die Schöpfung und Erhaltung der materiellen Welt verantwortlich, jedoch ist Er auf keinen Fall für die jeweiligen Lebensbedingungen der Lebewesen verantwortlich zu machen. Die von Gott bewirkte Schöpfung der materiellen Welt wird oft mit der von der Wolke bewirkten Schöpfung einer frischen Vegetation verglichen. In der Regenzeit erzeugen die Wolken die verschiedensten Arten von Pflanzen. Während sie dabei ihr Wasser auf die Erdoberfläche niedergehen lassen, berühren sie selbst niemals den Boden. Ebenso erschafft der Herr die materielle Welt, indem Er einfach über die materielle Energie blickt. Diese Tatsache wird in den Veden bestätigt: "Er warf Seinen Blick über die materielle Natur, und so fand die Schöpfung statt." Auch die Bhagavad-gita bestätigt, daß der Herr nur durch Seinen transzendentalen Blick über die materielle Natur verschiedene Arten von Wesen erschafft - sowohl sich bewegende als auch sich nicht bewegende, sowohl lebende als auch tote.

Die Schöpfung der materiellen Welt kann daher als eines der Spiele des Herrn verstanden werden; man bezeichnet die Schöpfung deshalb als eines der Spiele des Herrn, weil Er die materielle Welt erschafft, wenn Er es wünscht. Dieser Wunsch des Höchsten Herrn ist ebenfalls Seine ganz besondere Barmherzigkeit, denn Er gibt den bedingten Seelen dadurch eine weitere Gelegenheit, ihr ursprüngliches Bewußtsein wiederzuentwickeln und zu Gott zurückzukehren. Deshalb kann niemand den Höchsten Herrn wegen der Schöpfung der materiellen Welt kritisieren.

Das Thema, von dem wir sprechen, vermittelt ein klares Verständnis von dem Unterschied zwischen den Unpersönlichkeitsanhängern und den Persönlichkeitsanhängern. Die Philosophie der Unpersönlichkeit empfiehlt, in die Existenz des Höchsten einzugehen, und die Philosophie der Leere empfiehlt, alle materielle Vielfalt aufzulösen. Beide Philosophien werden als Mayavada bezeichnet. Zweifellos ist es richtig, daß die kosmische Manifestation ein Ende findet und leer wird, wenn die Lebewesen in den Körper Narayanas eingehen, um dort bis zur nächsten Schöpfung zu ruhen - und diesen Zustand kann man auch als unpersönlichen Zustand bezeichnen; doch wie dem auch sei, all diese Zustände sind niemals ewig. Die Auflösung der Vielfalt in der materiellen Welt und das Eingehen der Lebewesen in den Körper des Höchsten sind nicht von ewiger Dauer, denn die Schöpfung wird wieder aufs neue stattfinden, und die Lebewesen, die in den Körper des Höchsten eingegangen sind, ohne ihr Krsna-Bewußtsein entwickelt zu haben, werden bei der nächsten Schöpfung erneut in der materiellen Welt erscheinen. Die Bhagavad-gita bestätigt die Tatsache, daß die materielle Welt immer wieder erschaffen und vernichtet wird. Dies wiederholt sich unaufhörlich, und die bedingten Seelen, die kein Krsna-Bewußtsein besitzen, kehren immer wieder in die materielle Schöpfung zurück, sobald sie manifestiert wird. Wenn solche bedingten Seelen jedoch die Gelegenheit wahrnehmen, unter der direkten Führung des Herrn Krsna-Bewußtsein zu entwickeln, werden sie in die spirituelle Welt erhoben, von wo sie nicht wieder in die materielle Schöpfung zurückzukehren brauchen. Deshalb gelten die Vertreter der Philosophie der Leere und die Unpersönlichkeitsanhänger als nicht sehr intelligente Menschen, weil sie nicht bei den Lotosfüßen des Herrn Zuflucht suchen. Und weil sie unintelligent sind, nehmen sie die verschiedensten Entsagungen auf sich, um entweder die Stufe des nirvana, d.h. die Beendigung der materiellen Daseinszustände, oder den Zustand des Einsseins durch das Eingehen in den Körper des Herrn zu erreichen. Sie alle kommen jedoch wieder zu Fall, weil sie die Lotosfüße des Herrn mißachten.

Im Caitanya-caritamrta schreibt Krsnadasa Kaviraja Gosvami, daß Krsna der einzige höchste Meister ist und daß alle Lebewesen Seine ewigen Diener sind. Dieses Urteil brachte der Verfasser des Caitanya-caritamrta zum Ausdruck, nachdem er alle vedischen Schriften studiert und von allen Autoritäten gehört hatte. Seine Erklärung wird hier von den Gebeten der Veden in Person bestätigt. Die Schlußfolgerung lautet daher, daß jeder unter der Aufsicht der Höchsten Persönlichkeit Gottes steht, daß jeder unter der Führung des Höchsten Herrn dessen Diener ist und daß jeder den Höchsten Herrn fürchtet. Nur aus Furcht vor Ihm werden alle Tätigkeiten richtig ausgeführt. Jeder ist dem Höchsten Herrn untergeordnet, aber der Herr ist den Lebewesen gegenüber nicht voreingenommen. Er ist wie der grenzenlose Himmel; genau wie Funken in einem Feuer tanzen, so sind die Lebewesen wie Vögel, die am grenzenlosen Himmel fliegen. Einige von ihnen fliegen in großer Höhe, andere etwas tiefer, und wieder andere noch tiefer. Die Vögel fliegen also je nach ihren Fähigkeiten in unterschiedlichen Höhen, doch der Himmel hat nichts mit ihren Flugfähigkeiten zu tun. Ebenso finden wir in der Bhagavad-gita die Erklärung, daß der Herr den verschiedenen Lebewesen je nach ihrer Hingabe verschiedene Stellungen zuweist. Diese unterschiedliche Belohnung der Lebewesen ist nicht auf die Parteilichkeit der Höchsten Persönlichkeit Gottes zurückzuführen. Obwohl sich die Lebewesen in unterschiedlichen Situationen, Lebensbereichen und Lebensformen befinden, unterstehen sie alle stets der Aufsicht Gottes, und dennoch ist Er in keinem Fall für ihre jeweiligen Lebensumstände verantwortlich. Es ist also eine törichte und künstliche Vorstellung, zu glauben, man sei der Höchsten Persönlichkeit Gottes ebenbürtig, und noch törichter ist es zu glauben, man hätte Gott noch nie gesehen. Jeder sieht Gott, aber unter verschiedenen Aspekten: Der Theist sieht Gott als die Höchste Persönlichkeit, Krsna, das höchste Ziel aller Liebe, und der Atheist sieht die Absolute Wahrheit in der Form des Todes.

Die Veden in Person beteten weiter: "Unser Herr und Meister, aus allen vedischen Aussagen geht hervor, daß Du der Höchste Herrscher bist und daß alle Lebewesen beherrscht werden." Sowohl der Herr als auch die Lebewesen werden als nitya, ewig, bezeichnet und sind somit der Eigenschaft nach eins, doch der eine nitya, der Höchste Herr, ist der Herrscher, wohingegen die vielen anderen nityas beherrscht werden. Das beherrschte individuelle Lebewesen befindet sich im Körper, wo auch der höchste Herrscher als Überseele gegenwärtig ist, doch die Überseele ist der individuellen Seele übergeordnet und beherrscht sie. Das ist das Urteil der Veden. Würde die individuelle Seele nicht von der Überseele kontrolliert, wie wäre dann die Aussage der Veden zu erklären, daß das Lebewesen von Körper zu Körper wandert und die Folgen seiner früheren Taten genießt und erleidet? Manchmal wird es zu einer höheren Lebensebene erhoben, und manchmal wird es auf eine niedere Lebensebene versetzt. Auf diese Weise befinden sich die bedingten Seelen nicht nur unter der Herrschaft des Höchsten Herrn, sondern auch unter der Herrschaft der materiellen Natur, durch die sie bedingt werden. Diese Tatsache, daß die Lebewesen vom Höchsten Herrn beherrscht werden, ist der eindeutige Beweis, daß die Überseele alldurchdringend ist, wohingegen die individuellen Lebewesen niemals alldurchdringend sein können. Wenn die individuellen Seelen tatsächlich alldurchdringend wären, wie könnte es dann möglich sein, daß sie untergeordnet sind und beherrscht werden. Die Theorie, daß die Überseele und die individuelle Seele gleich seien, ist ein widersprüchlicher Trugschluß, den kein vernünftiger Mensch annehmen kann. Statt dessen sollte man versuchen, die Unterschiede zwischen dem höchsten Ewigen und dem untergeordneten Ewigen zu verstehen.

Die Veden in Person kamen deshalb zu folgendem Schluß: "O Herr, sowohl Du als auch die begrenzten dhruvas, die Lebewesen, sind ewig." Die Form des unbegrenzten Ewigen wird manchmal als die universale Form beschrieben, und in den vedischen Schriften wie den Upanisaden werden auch die begrenzten Ewigen ausführlich beschrieben. Es heißt dort, daß die ursprüngliche spirituelle Form des Lebewesens so groß ist wie der zehntausendste Teil einer Haarspitze. Es wird erklärt, daß das Spirituelle größer als das Größte und kleiner als Kleinste sein kann. Die individuellen Lebewesen, die ewige Teile Gottes sind, sind kleiner als das Kleinste. Mit unseren materiellen Sinnen können wir weder den Höchsten wahrnehmen, der größer als das Größte ist, noch die individuelle Seele, die kleiner als das Kleinste ist. Deshalb müssen wir das Wissen über das Größte und das Kleinste aus den autorisierten Quellen, den vedischen Schriften, beziehen. Die vedischen Schriften erklären, daß die Überseele im Körper des Lebewesens weilt und die Größe eines Daumens hat. An dieser Stelle könnte man einwenden, wie es denn möglich sei, daß etwas Daumengroßes in das Herz einer Ameise passe. Die Erklärung ist, daß man sich die Daumengröße der Überseele im Verhältnis zu dem Körper des jeweiligen Lebewesens vorstellen muß. Unter keinen Umständen also können die Überseele und die individuelle Seele als identisch angesehen werden, obwohl beide sich im gleichen materiellen Körper aufhalten. Die Überseele befindet Sich im Herzen, um die individuelle Seele zu lenken und zu beaufsichtigen. Obwohl beide dhruva, ewig, sind, steht das Lebewesen immer unter der Führung des Höchsten.

Manchmal bekommt man auch ein anderes Argument zu hören: Weil die Lebewesen aus der materiellen Natur geboren werden, sind sie alle gleich und unabhängig. Demgegenüber erklären die vedischen Schriften, daß die Höchste Persönlichkeit Gottes die materielle Natur mit den Lebewesen befruchtet und daß diese erst dann in den verschiedenen Lebensformen erscheinen. Somit ist das Erscheinen der Lebewesen nicht allein auf die materielle Natur zurückzuführen, ebenso wie ein Kind, das von der Mutter geboren wird, nicht von ihr allein hervorgebracht wurde. Das Kind wird vom Mann gezeugt, und erst dann kann es von der Frau geboren werden. Deshalb ist das Kind der Mutter ein Teil des Vaters. Obwohl es so aussieht, als würde die materielle Natur die Lebewesen allein erzeugen, ist sie in Wirklichkeit nicht unabhängig. Nur weil der Höchste Vater die materielle Natur befruchtete, sind die Lebewesen in ihr gegenwärtig. Aus diesem Grund kann die Behauptung, die Lebewesen seien nicht die Teile des Höchsten, nicht aufrechterhalten werden. Die einzelnen Teile des Körpers können niemals mit dem ganzen Körper gleichgesetzt werden, vielmehr ist es der Körper, der die einzelnen Gliedmaßen beherrscht. Ebenso sind die individuellen Teile des höchsten Ganzen immer abhängig und werden immer von ihrem Ursprung beherrscht. In der Bhagavad-gita wird in diesem Zusammenhang das Wort mamaivamso verwendet, das bestätigt, daß die Lebewesen Teile Krsnas sind. Kein vernünftiger Mensch wird deshalb der Theorie zustimmen, daß die Überseele und die individuelle Seele zur gleichen Kategorie gehören. Sie sind zwar qualitativ gleich, aber quantitativ ist die Überseele immer absolut, und die individuelle Seele ist Ihr immer untergeordnet. Das ist die Schlußfolgerung der Veden.

In diesem Zusammenhang werden zwei wichtige Wörter verwendet, nämlich yanmaya und cinmaya.

Nach der Grammatik des Sanskrit wird das Wort mayat im Sinne von "Umwandlung" gebraucht, aber auch im Sinne von "genügendes Ausmaß". Gemäß der Interpretation der Mayavadi-Philosophen deuten die Worte yanmaya und cinmaya darauf hin, daß das Lebewesen immer mit dem Höchsten gleich ist. Man muß jedoch berücksichtigen, ob das Affix mayat im Sinne von "genügendes Ausmaß" oder "Umwandlung" gebraucht wird. Das Lebewesen besitzt niemals etwas in genau dem gleichen Ausmaß wie die Höchste Persönlichkeit Gottes, und daher kann das Affix mayat unmöglich bedeuten, daß das Lebewesen in sich selbst genügend sei. Das individuelle Lebewesen besitzt niemals genügendes Wissen; wie sonst hätte es unter die Herrschaft mayas, der materiellen Energie, geraten können? Das Wort "genügend" kann daher nur im Verhältnis zur Größe des Lebewesens als zutreffende Bedeutung anerkannt werden. Die spirituelle Einheit des Höchsten Herrn und der Lebewesen darf auf keinen Fall als Gleichartigkeit angesehen werden. Jedes Lebewesen ist individuell. Wären alle Lebewesen gleichartig und eins, so würde dies bedeuten, daß bei der Befreiung einer einzigen individuellen Seele auch alle anderen individuellen Seelen sofort Befreiung erlangen würden. Doch die Wirklichkeit sieht so aus, daß jede individuelle Seele in der materiellen Welt auf unterschiedliche Weise genießt und leidet. Das Wort mayat wird auch im Sinne von "Umwandlung" gebraucht, und manchmal bedeutet es auch "Nebenprodukt". Die Theorie der Unpersönlichkeitsanhänger besagt, das Brahman selbst habe verschiedene Körper angenommen und dies sei sein lila oder Spiel. Es gibt jedoch Tausende und Abertausende von Lebensformen in den unterschiedlichsten Lebensbedingungen, wie Menschen, Halbgötter, Tiere und Vögel, und wenn sie alle Erweiterungen der Höchsten Absoluten Wahrheit wären, wäre es für sie nicht nötig, befreit zu werden, weil das Brahman ja bereits befreit ist. Eine andere Theorie, die die Mayavadis aufgestellt haben, besagt, daß die verschiedenen Arten von Körpern in jeder Schöpfung manifestiert werden und daß am Ende des Zeitalters dieser Schöpfung die vielen Körper, d.h. die Erweiterungen des Brahmans, von selbst wieder eins würden, wodurch sich alle Manifestationen auflösten. Im nächsten Zeitalter dann, so besagt ihre Theorie, erweitert sich das Brahman aufs neue in verschiedene Körperformen. Wäre diese Vorstellung zutreffend, so würde dies bedeuten, daß das Brahman einem Wandel unterworfen wäre. Doch dies ist nicht möglich. Aus dem Vedanta-sutra erfahren wir nämlich, daß das Brahman von Natur aus voller Freude ist. Wie könnte es sich also in einen Körper umwandeln, der Leiden unterworfen ist? In Wirklichkeit ist es so, daß die Lebewesen als Teilchen des Brahmans winzige Partikeln sind, die leicht von der illusionierenden Energie bedeckt werden können. Wie bereits erklärt wurde, sind die winzigen Teile des Brahmans wie Funken, die voller Freude im Feuer tanzen; aber für sie besteht die Möglichkeit, aus dem Feuer zu fallen und zu Rauch zu werden, der im Grunde nur ein anderer Zustand des Feuers ist. Die materielle Welt ist wie der Rauch, und die spirituelle Welt ist wie das lodernde Feuer. Die unzähligen Lebewesen neigen dazu, unter den Einfluß der illusionierenden Energie zu geraten, und wenn dies geschieht, fallen sie von der spirituellen Welt in die materielle Welt; aber sie können auch wieder befreit werden, wenn sie sich durch die Entwicklung wirklichen Wissens von der Verunreinigung durch die materielle Welt vollständig reinwaschen.

Die asuras vertreten die Theorie, daß die Lebewesen aus der materiellen Natur, prakrti, entstanden seien, nachdem diese vom purusa berührt wurde. Doch auch diese Theorie kann nicht anerkannt werden, weil sowohl die materielle Natur als auch die Höchste Persönlichkeit Gottes ewig existieren. Weder die materielle Natur noch die Höchste Persönlichkeit Gottes sind der Geburt unterworfen. Der Höchste Herr wird deshalb als aja, ungeboren, bezeichnet, und ebenso wird auch die materielle Natur als aja bezeichnet. Beide Wörter, aja sowie aja, bedeuten "ungeboren". Und weil sowohl die materielle Natur als auch der Höchste Herr ungeboren sind, ist es nicht möglich, daß sie die Lebewesen gezeugt haben. Wie Wasser in Verbindung mit Luft unzählige Bläschen erzeugt, so bewirkt die Verbindung der materiellen Natur mit der Höchsten Person das Erscheinen des Lebewesens in der materiellen Welt. Genau wie die Luftblasen im Wasser in unterschiedlichen Größen erscheinen, so erscheinen die Lebewesen unter dem Einfluß der Erscheinungsweisen der materiellen Natur in verschiedenen Formen und Lebensumständen. Es ist daher nicht falsch, den Schluß zu ziehen, daß alle Lebewesen, die in der materiellen Welt in verschiedenen Formen erscheinen, beispielsweise als Menschen, Halbgötter, Tiere und Vögel, ihre jeweiligen Körper aufgrund ihrer Wünsche bekommen. Niemand ist in der Lage zu sagen, wann solche Wünsche in den Lebewesen erwacht sind, und daher heißt es: anadi-karma. "Die Ursache des materiellen Daseins ist unauffindbar." Niemand weiß, wann das materielle Leben begann, was jedoch nichts an der Tatsache ändert, daß es einen Anfang hat, denn ursprünglich ist jedes Lebewesen ein spiritueller Funken. Genau wie die Funken, die zu Boden gefallen sind, einen Anfang haben, so haben auch die Lebewesen, die in die materielle Welt gefallen sind, einen Anfang, aber wann dies war, vermag niemand zu sagen. Selbst wenn zur Zeit der Vernichtung diese Lebewesen in das spirituelle Dasein des Höchsten eingehen und dort in einem tiefschlafähnlichen Zustand verharren, verlöschen ihre ursprünglichen Wünsche, über die materielle Welt zu herrschen, nicht, und wenn erneut eine kosmische Manifestation stattfindet, kommen die Lebewesen wieder hervor, um sich die gleichen Wünsche zu erfüllen, und so erscheinen sie in den verschiedenen Lebensformen.

Der Zustand der Lebewesen, wenn sie zur Zeit der Vernichtung in den Höchsten eingehen, wird mit Honig verglichen. In einer Honigwabe bleiben die Geschmäcker der verschiedenen Blüten und Früchte, aus denen der Honig gewonnen wurde, erhalten. Wenn man den Honig kostet, kann man zwar nicht genau feststellen, welcher Honig von welcher Blüte stammt, doch der köstliche Geschmack des Honigs beweist, daß der Honig keine einheitliche Masse ist, sondern eine Mischung aus verschiedenen Geschmacksrichtungen. In diesem Zusammenhang gibt es auch noch ein anderes Beispiel: Obwohl die Flüsse letztlich in das Meer strömen, bedeutet dies nicht, daß sie ihre individuelle Identität verlieren. Obwohl sich das Wasser des Ganges und der Yamuna mit dem Wasser des Meeres vermischt, bleiben sowohl der Ganges als auch die Yamuna weiterhin gesondert bestehen. Beim Eingehen der Lebewesen in das Brahman zur Zeit der Vernichtung werden auch die verschiedenen Körperarten vernichtet. Was jedoch die Lebewesen betrifft, so bleiben sie mit ihren verschiedenen Arten von Wünschen als Individuen im Brahman, bis die nächste materielle Schöpfung stattfindet. So wie sich der salzige Geschmack des Meerwassers und der süße Geschmack des Gangeswassers voneinander unterscheiden und dieser Unterschied stets bestehenbleibt, so bleibt auch der Unterschied zwischen dem Höchsten Herrn und den Lebewesen ewig bestehen, selbst zur Zeit der Vernichtung, wenn es so aussieht, als würden sie miteinander verschmelzen. Hieraus ergibt sich, daß die Lebewesen, selbst wenn sie von allen Unreinheiten der materiellen Bedingtheit frei werden und in das spirituelle Königreich gelangen, ihre individuellen Arten des Geschmacks in der Beziehung zum Höchsten Herrn bewahren.

Die Veden in Person fuhren fort: "Lieber Herr, unsere Schlußfolgerung lautet, daß sich alle Lebewesen zu Deiner materiellen Energie hingezogen fühlen, und ihre irrtümliche Auffassung, sie seien Erzeugnisse der materiellen Natur, verursacht, daß sie ihre ewige Beziehung zu Dir vergessen und von Körper zu Körper wandern. Aus Unwissenheit identifizieren sich diese Lebewesen fälschlich mit den verschiedenen Lebensformen, in denen sie sich befinden, und wenn sie die menschliche Form des Lebens erreichen, glauben sie, einer bestimmten Menschenklasse, Nation, Rasse und sogenannten Religion anzugehören, weshalb sie ihre wirkliche Identität als Deine ewigen Diener völlig vergessen. Aufgrund dieser falschen Lebensauffassung sind sie dem Kreislauf wiederholter Geburten und Tode unterworfen. Wenn eines von Millionen solcher Lebewesen zu wahrer Intelligenz kommt, erlangt es durch die Gemeinschaft mit reinen Gottgeweihten ein Verständnis vom Krsna-Bewußtsein und entkommt dem Einfluß der materiellen Fehlauffassungen."

Im Caitanya-caritamrta erklärt Sri Caitanya, daß die Lebewesen im Universum durch viele verschiedene Lebensarten wandern; doch wenn eines von ihnen zu ausreichender Intelligenz gelangt, kann es sich durch die Barmherzigkeit des spirituellen Meisters und Krsnas, der Höchsten Persönlichkeit Gottes, dem Krsna-Bewußtsein zuwenden und sein hingebungsvolles Leben beginnen. Es steht geschrieben: harim vina na mrtim taranti. "Ohne die Hilfe der Höchsten Persönlichkeit Gottes kann man der Gewalt der wiederholten Geburten und Tode nicht entkommen." Mit anderen Worten, nur der Höchste Herr, die Persönlichkeit Gottes, kann die bedingten Seelen aus dem Kreislauf der sich wiederholenden Geburten und Tode erlösen.

Die Veden in Person fuhren fort: "Der Einfluß der Zeit - Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft - und die materiellen Leiden, wie sengende Hitze, klirrende Kälte, Geburt, Tod, Alter und Krankheit, sind allesamt nichts weiter als die Bewegung Deiner Augenbrauen. Alles geschieht unter Deiner Führung." In der Bhagavad-gita wird gesagt, daß alle materiellen Aktivitäten unter der Führung der Höchsten Persönlichkeit Gottes, Krsna, vonstatten gehen. Für Menschen, die sich dem Herrn nicht ergeben haben, stellen die Bedingungen des materiellen Daseins nur Widrigkeiten dar, aber für die ergebenen Seelen, die im Krsna-Bewußtsein völlig verankert sind, können diese Umstände keine Quelle der Furcht sein. Als Sri Nrsimhadeva erschien, fürchtete sich Prahlada Maharaja nicht im geringsten vor Ihm, wohingegen sein atheistischer Vater sogleich dem Tod in Person gegenüberstand und von Ihm getötet wurde. Während Sri Nrsimhadeva Atheisten wie Hiranyakasipu als Tod erscheint, ist Er für Gottgeweihte wie Prahlada stets der Quell aller Güte und aller Freude. Ein reiner Gottgeweihter fürchtet sich daher nicht vor Geburt, Tod, Alter und Krankheit.

Ein weiterer Vers von Sripada Sridhara Svami lautet: "Mein lieber Herr, ich bin ein Lebewesen, das ständig unter den Bedingungen des materiellen Daseins leidet. Ich bin vom alles-niederwälzenden Rad des materiellen Daseins in Stücke gemahlen worden, und weil ich während meines Aufenthaltes in der materiellen Welt so viele Sünden auf mich geladen habe, schmachte ich nun im lodernden Feuer materieller Reaktionen. Auf irgendeine Weise, mein lieber Herr, bin ich nun endlich dahin gelangt, Zuflucht bei Deinen Lotosfüßen zu suchen. Bitte nimm Dich meiner an, und gewähre mir Schutz." Und in einem Gebet von Srila Narottama dasa Thakura heißt es: "Mein lieber Herr, o Sohn Nanda Maharajas, Gefährte der Tochter Vrsabhanus, nun endlich, nachdem ich unter den materiellen Bedingungen des Lebens furchtbar gelitten habe, suche ich Zuflucht bei Deinen Lotosfüßen, und ich flehe Dich an, mir gnädig zu sein. Bitte stoße mich nicht von Dir; ich habe keine andere Zuflucht als Dich."

Die Schlußfolgerung lautet, daß jeder Vorgang zur Selbstverwirklichung und Gotteserkenntnis außer bhakti-yoga, dem hingebungsvollen Dienst, äußerst schwierig ist. In ungeteiltem Krsna-Bewußtsein beim hingebungsvollen Dienst für den Herrn Zuflucht zu suchen ist deshalb, ganz besonders im gegenwärtigen Zeitalter, der einzige Weg, von der Verunreinigung durch das materielle, bedingte Leben frei zu werden. Diejenigen, die sich nicht im Krsna-Bewußtsein betätigen, verschwenden nur ihre Zeit, und sie können kein wirkliches spirituelles Leben aufweisen.

Sri Ramacandra sagte einmal: "Jedem, der sich Mir hingibt und endgültig beschließt, Mein ewiger Diener zu sein, schenke Ich immer Vertrauen und Sicherheit, denn das ist Meine natürliche Neigung." Ebenso sagt Sri Krsna in der Bhagavad-gita: "Die Macht der materiellen Natur ist unüberwindlich; doch wer sich Mir ergibt, kann die Macht der materiellen Natur sehr leicht hinter sich lassen." Die Gottgeweihten sind nicht im geringsten daran interessiert, sich mit den Nichtgottgeweihten zu streiten, um deren Theorien zu widerlegen. Statt ihre Zeit zu verschwenden, widmen sie sich in ungetrübtem Krsna-Bewußtsein dem liebevollen transzendentalen Dienst des Herrn.

Die Veden in Person fuhren fort: "Lieber Herr, die großen mystischen yogis mögen zwar vollständige Herrschaft über den Elefanten des Geistes und den Sturm der Sinne besitzen, doch wenn sie nicht bei einem echten spirituellen Meister Zuflucht suchen, fallen sie dem Einfluß der materiellen Natur zum Opfer und erlangen in ihren Bemühungen um Selbstverwirklichung niemals Erfolg. Solche führerlosen Menschen werden mit Kaufleuten verglichen, die versuchen, auf einem Schiff ohne Kapitän über das Meer zu fahren. Durch eigene Anstrengungen kann also niemand der Gewalt der materiellen Natur entkommen. Man muß einen autorisierten spirituellen Meister annehmen und nach seiner Weisung handeln. Erst dann kann man die Unwissenheit der materiellen Bedingtheit überwinden." Sripada Sridhara Svami verfaßte in diesem Zusammenhang einen sehr schönen Vers, in welchem er sagt: "O allbarmherziger spiritueller Meister, Vertreter der Höchsten Persönlichkeit Gottes, wann wird mein Geist deinen Lotosfüßen völlig hingegeben sein? Erst dann werde ich durch deine Gnade alle Hindernisse auf dem Pfad des spirituellen Lebens überwinden können und immer voller Glückseligkeit sein."

Wahrer, ekstatischer samadhi, d.h. völlige Ausrichtung der Gedanken auf die Höchste Persönlichkeit Gottes, kann man dadurch erlangen, daß man sich ständig dem Dienst des Herrn widmet, und diese ständige Beschäftigung ist nur dann möglich, wenn man unter der Führung eines autorisierten spirituellen Meisters handelt. Die Veden geben deshalb die Anweisung, daß sich jeder, der die Wissenschaft des hingebungsvollen Dienstes erlernen will, einem echten spirituellen Meister unterwerfen muß. Einen echten spirituellen Meister kann man daran erkennen, daß er die Wissenschaft des hingebungsvollen Dienstes von der Schülernachfolge erhalten hat. Diese Schülernachfolge wird srotriyam genannt. Das Hauptmerkmal desjenigen, der ein spiritueller Meister in der Schülernachfolge geworden ist, besteht darin, daß er hundertprozentig im bhakti-yoga verankert ist. Manchmal unterlassen es Menschen, einen spirituellen Meister anzunehmen, und versuchen statt dessen, durch den Vorgang des mystischen yoga Selbstverwirklichung zu erlangen; doch es gibt viele Beispiele von yogis, die auf diesem Weg zu Fall gekommen sind, sogar solch große yogis wie Visvamitra. In der Bhagavad-gita sagt Arjuna, daß es ebenso schwierig sei, den Geist zu beherrschen, wie einen Sturm aufzuhalten. Manchmal wird der Geist auch mit einem verrückt gewordenen Elefanten verglichen. Ohne den Anweisungen eines spirituellen Meisters zu folgen, kann man den Geist und die Sinne nicht beherrschen. Mit anderen Worten, wenn man mystischen yoga praktiziert, aber keinen autorisierten spirituellen Meister annimmt, wird man mit Sicherheit scheitern. Auf diese Weise verliert man nur seine kostbare Zeit. Die Veden erklären, daß niemand über vollkommenes Wissen verfügen kann, ohne von einem acarya geführt zu werden. acaryavan puruso veda: "Wer einen acarya angenommen hat, weiß, was richtig und was falsch ist." Die Absolute Wahrheit kann nicht durch Diskussionen verstanden werden. Wer die vollkommene brahmanische Stufe erreicht hat, entwickelt auf natürliche Weise Entsagung. Er strebt nicht nach materiellem Gewinn, denn er ist durch spirituelles Wissen zur Erkenntnis gekommen, daß es auf der Welt an nichts mangelt. Die Höchste Persönlichkeit Gottes hat alles in reichlichem Maße zur Verfügung gestellt. Ein wirklicher brahmana bemüht sich deshalb nicht um materielle Vollkommenheit; vielmehr wendet er sich an einen echten spirituellen Meister, um von ihm Anweisungen entgegenzunehmen. Das Merkmal, durch das sich ein spiritueller Meister auszeichnet, wird als brahma-nistham bezeichnet, was bedeutet, daß er alle anderen Tätigkeiten aufgegeben und sein Leben ausschließlich dem Dienst Krsnas, der Höchsten Persönlichkeit Gottes, geweiht hat. Wenn sich ein echter Schüler an einen echten spirituellen Meister wendet, betet er ergeben zu dem spirituellen Meister: "O Meister, bitte nimm mich als deinen Schüler an und unterweise mich, so daß ich alle anderen Vorgänge der Selbstverwirklichung aufgeben und mich einfach nur dem Krsna-Bewußtsein, dem hingebungsvollen Dienst, widmen kann."

Der Gottgeweihte, der dem Herrn unter der Führung eines spirituellen Meisters transzendentalen liebevollen Dienst darbringt, denkt im Innern: "Mein lieber Herr, Du bist der Quell aller Freude, und nun bist Du gegenwärtig. Was ist im Vergleich dazu die vergängliche Freude wert, die man aus Gesellschaft, Freundschaft und Liebe gewinnt? Menschen, die nicht wissen, daß Du der höchste Quell aller Freude bist, bemühen sich törichterweise, Freude aus der Befriedigung der Sinne zu gewinnen, doch diese Art der Freude ist vergänglich und illusorisch." In diesem Sinne hat Vidyapati, ein großer Vaisnava-Gottgeweihter und Dichter, folgenden Vers verfaßt: "Mein lieber Herr, zweifellos ist in Gesellschaft, Freundschaft und Liebe so etwas wie Freude zu finden, auch wenn sie nur materiell ist; doch solche Freude kann meinem Herzen, das wie eine Wüste ist, keine Zufriedenheit schenken." In der Wüste ist ein ganzes Meer von Wasser vonnöten. Was nützt es deshalb, wenn man nur einen Tropfen Wasser auf den Wüstensand gießt? Ebenso lassen sich die zahllosen Wünsche, die sich in unserem materiell verunreinigten Herzen befinden, nicht durch eine materielle Gesellschaft der Freundschaft und Liebe zufriedenstellen. Wenn unser Herz jedoch Freude aus dem höchsten Quell der Freude empfängt, können wir wirkliche Zufriedenheit finden. Diese transzendentale Zufriedenheit kann man nur im hingebungsvollen Dienst, im vorbehaltlosen Krsna-Bewußtsein, erfahren.

Die Veden in Person fuhren fort: "Lieber Herr, Du bist sac-cid-ananda-vigraha, die ewige Persönlichkeit des Wissens und der Glückseligkeit, und weil die Lebewesen Deine Teile sind, sind sie sich in ihrem natürlichen Daseinszustand Deiner völlig bewußt. Jeder in der materiellen Welt, der solches Krsna-Bewußtsein erlangt, hat kein Interesse mehr an der materialistischen Lebensweise. Ein Krsna-bewußter Mensch befreit sich von der Anhaftung an das Familienleben und an üppige Lebensverhältnisse, und er benötigt auch nur wenig, um den Ansprüchen seines Körpers zu genügen. Mit anderen Worten, ihm ist überhaupt nichts mehr an Sinnenbefriedigung gelegen. Die Vollkommenheit des menschlichen Lebens gründet sich auf Wissen und Entsagung, doch es ist sehr schwer, die Stufe des Wissens und der Entsagung zu erreichen, solange man sich noch im Kreise seiner Familie befindet. Krsna-bewußte Menschen suchen deshalb Zuflucht in der Gemeinschaft von Gottgeweihten und an heiligen Pilgerstätten. Sie sind sich der Beziehung zwischen der Überseele und den individuellen Lebewesen bewußt und werden niemals von der körperlichen Auffassung des Lebens beeinflußt. Weil sie Dich stets in vollkommenem Bewußtsein in ihrem Herzen tragen, sind sie so rein, daß jeder Ort, den sie besuchen, in eine Pilgerstätte verwandelt wird, und das Wasser, mit dem ihre Füße gewaschen werden, hat die Kraft, viele sündige Menschen, die in der materiellen Welt umherirren, zu erlösen."

Als Prahlada Maharaja eines Tages von seinem atheistischen Vater gefragt wurde, was denn das Beste sei, was er gelernt habe, antwortete Prahlada, es sei für einen Materialisten, der sich mit zeitweiligen und relativen Wahrheiten befaßt und deshalb ständig voller Sorgen ist, das beste, den dunklen Brunnen des Familienlebens zu verlassen und in den Wald zu gehen, um dort beim Höchsten Herrn Zuflucht zu suchen. Die wirklich reinen Gottgeweihten werden als mahatmas bezeichnet, als große Weise und Persönlichkeiten, die vollkommenes Wissen besitzen. Sie denken ständig an den Höchsten Herrn und Seine Lotosfüße, was in sich schon Befreiung bedeutet. Die Gottgeweihten, die sich ständig auf dieser Ebene befinden, werden durch die unergründlichen Kräfte des Herrn "elektrisiert", und so werden sie selbst zur Ursache der Befreiung für ihre Anhänger und Geweihten. Eine Krsna-bewußte Persönlichkeit ist mit spiritueller Kraft aufgeladen, und daher wird jeder, der mit einem solchen reinen Gottgeweihten in Berührung kommt oder bei ihm Zuflucht sucht, ebenfalls mit spiritueller Kraft aufgeladen. Ein solcher Gottgeweihter ist niemals stolz auf materielle Füllen. Im allgemeinen bestehen materielle Füllen in guter Herkunft, Bildung, Schönheit und Reichtum, aber selbst wenn ein Gottgeweihter all diese vier materiellen Füllen besitzt, läßt er sich niemals von Stolz verblenden, nur weil er solche Vorzüge besitzt. Die großen Geweihten des Herrn reisen durch die ganze Welt, von einer Pilgerstätte zur anderen, wobei sie vielen bedingten Seelen begegnen, die sie durch ihre Gemeinschaft und ihr transzendentales Wissen befreien. Sie leben an Orten wie Vrndavana, Mathura, Dvaraka, Jagannatha Puri und Navadvipa, denn zu diesen Orten kommen nur Gottgeweihte hin. Auf diese Weise ziehen sie aus der Gemeinschaft mit heiligen Persönlichkeiten den vollen Nutzen, wodurch sie im Krsna-Bewußtsein immer mehr Fortschritt machen. Solcher Fortschritt ist im gewöhnlichen Familienleben, in dem Krsna-Bewußtsein fehlt, nicht möglich.

Die Veden in Person fuhren fort: "Lieber Herr, es gibt zwei Arten von Transzendentalisten, die Unpersönlichkeitsanhänger und die Persönlichkeitsanhänger. Die Unpersönlichkeitsanhänger sind der Ansicht, die materielle Welt sei Trug und nur die Absolute Wahrheit sei Wirklichkeit. Die Persönlichkeitsanhänger dagegen erklären, daß die materielle Welt, obwohl sie nur zeitweilig besteht, keine Täuschung, sondern Wirklichkeit ist. Die Transzendentalisten beider Richtungen führen vielerlei Argumente an, um die Richtigkeit ihrer Philosophie zu beweisen. Im Grunde ist die materielle Welt zugleich wirklich und unwirklich. Sie ist Wirklichkeit, weil alles eine Erweiterung der Höchsten Absoluten Wahrheit ist, und sie ist unwirklich, weil ihr Dasein zeitweilig ist, denn sie wird erschaffen und vernichtet. Weil sich die kosmische Manifestation ständig wandelt, befindet sie sich nie in einem bleibenden Zustand. Diejenigen, die behaupten, die materielle Welt sei falsch, sind berühmt für ihren Grundsatz: brahma satya jagan mithya. Sie vertreten die Ansicht, daß in der materiellen Welt alles aus Materie bestehe. Zum Beispiel gebe es viele Dinge aus Ton wie irdene Wasserkrüge, Teller und Töpfe. Nach ihrer Vernichtung würden sie zwar vielleicht in andere materielle Dinge umgewandelt, doch unter allen Umständen werde ihre Existenz als Ton beibehalten. Wenn ein irdener Wassertopf zerbricht, werde er vielleicht in einen Topf oder in einen Teller umgewandelt, doch die Erde an sich bleibe immer die gleiche, unabhängig davon, ob sie zu einem Teller, einem Topf oder einem Wasserkrug geformt werde. Deshalb seien die Formen des Wasserkruges, des Topfes und des Tellers Trug, ihre Existenz als Erde hingegen Wirklichkeit. Das ist die Ansicht der Unpersönlichkeitsphilosophen. Ebenso sei die kosmische Manifestation zweifelsohne von der Absoluten Wahrheit geschaffen worden, doch weil ihr Dasein zeitweilig ist, sei sie falsch. Die Unpersönlichkeitsphilosophen glauben also, die Absolute Wahrheit sei die einzige Wahrheit, weil sie ewig bestehe. Nach der Ansicht der anderen Transzendentalisten jedoch ist die materielle Welt, da sie von der Absoluten Wahrheit erzeugt wurde, ebenfalls wahr. Auf diesen Punkt hin führen die Unpersönlichkeitsanhänger das Gegenargument an, daß die materielle Welt nicht Wirklichkeit sei, da man beobachten könne, daß manchmal Materie von der spirituellen Seele und daß manchmal die spirituelle Seele von der Materie erzeugt werde. Diese Philosophen unterstützen ihre Theorie mit folgendem Beispiel: Obwohl Kuhdung tote Materie sei, würden manchmal Skorpione aus dem Kuhdung erscheinen, und auf der anderen Seite könne man sehen, daß tote Materie, wie Nägel und Haare, aus dem lebenden Körper hervorgehe. Wenn deshalb ein Ding aus einem anderen hervorgehe, bedeute dies nicht notwendigerweise, daß sie beide von gleicher Natur sind. Auf dieses Argument gestützt, sagen die Mayavadi-Philosophen, daß die kosmische Manifestation, obwohl sie zweifellos von der Absoluten Wahrheit ausgegangen sei, nicht notwendigerweise selbst Wahrheit sein müsse. Deshalb kann ihrer Ansicht nach nur die Absolute Wahrheit, das Brahman, als Wirklichkeit anerkannt werden, wohingegen die kosmische Manifestation, obwohl sie ein Produkt der Absoluten Wahrheit sei, niemals Wirklichkeit sein könne.

Die Bhagavad-gita jedoch entlarvt die Theorie der Mayavadi-Philosophen, indem sie sagt, daß dies genau die Theorie der asuras, der Dämonen, ist. So erklärt der Herr in der Bhagavad-gita: asatyam apratistham te jagad ahur anisvaram. "Die asuras vertreten die Ansicht, die ganze kosmische Schöpfung sei unwirklich." Mit anderen Worten, die asuras glauben, daß die bloße Wechselwirkung von Materie die Ursache der Schöpfung sei und daß es keinen Gott, d.h. keinen Kontrollierenden, gebe. Doch die Wirklichkeit sieht anders aus. Aus dem Siebten Kapitel der Bhagavad-gita erfahren wir, daß die fünf grobstofflichen Elemente - Erde, Wasser, Feuer, Luft und Äther - und die feinstofflichen Elemente - Geist, Intelligenz und falsches Ego - die acht abgesonderten Energien des Höchsten Herrn sind. Jenseits dieser niederen, materiellen Energie gibt es die spirituelle Energie, die Lebewesen. Die Lebewesen gehören zur höheren Energie des Herrn. Die gesamte kosmische Manifestation ist eine Verbindung der niederen mit der höheren Energie. Der Ursprung beider ist die Höchste Persönlichkeit Gottes. Die Höchste Persönlichkeit Gottes besitzt viele verschiedene Arten von Energien, und dies wird in den Veden bestätigt: parasya saktir vividhaiva sruyate. Die transzendentalen Energien des Herrn sind von mannigfaltiger Art, und weil diese Mannigfaltigkeit vom Höchsten Herrn ausgegangen ist, kann sie nicht unwirklich sein. Der Herr existiert ewig, und auch Seine Energien existieren ewig. Ein Teil dieser Energie ist zeitweilig, das heißt, sie ist manchmal manifestiert und manchmal unmanifestiert, doch das bedeutet keinesfalls, daß diese Energie unwirklich ist. Dies kann an folgendem Beispiel veranschaulicht werden: Wenn ein Mensch zornig wird, tut er Dinge, die er gewöhnlich nicht täte; doch die Tatsache, daß sein Zorn nur vorübergehend erscheint und dann wieder vergeht, bedeutet nicht, daß die Energie des Zornes unwirklich ist. Die Behauptung der Mayavadi-Philosophen, die materielle Welt sei unwirklich, wird daher von den Vaisnava-Philosophen nicht angenommen. Der Herr Selbst bestätigt, daß die Auffassung, es gäbe keine höchste Ursache der kosmischen Manifestation, es existiere kein Gott und alles Bestehende sei nur eine Schöpfung der Wechselwirkung der Materie, die Auffassung der asuras ist. Die Mayavadi-Philosophen führen manchmal das Beispiel von der Schlange und dem Seil als Argument an: Abends, wenn es dunkel ist, könne es vorkommen, daß man ein aufgerolltes Seil für eine Schlange halte. Doch auch dieses Beispiel der Mayavadis, mit dem sie die Unwirklichkeit der materiellen Welt deutlich machen wollen, ist nicht zutreffend, denn die Tatsache, daß man ein Seil für eine Schlange hält, bedeutet nicht, daß das Seil oder die Schlange unwirklich ist. Wenn man glaubt, etwas, das es überhaupt nicht gibt, sei Wirklichkeit, dann spricht man von "unwirklich". Doch wenn man einfach nur etwas mit etwas anderem verwechselt, dann bedeutet dies nicht, daß diese Dinge unwirklich sind. Die Vaisnavas gebrauchen in diesem Zusammenhang ein sehr treffendes Beispiel, indem sie die materielle Welt mit einem irdenen Topf vergleichen. Wenn wir vor uns einen irdenen Topf sehen, verschwindet er nicht sogleich, um sich in etwas anderes zu verwandeln. Der Topf ist selbstverständlich zeitweilig, aber man kann ihn zum Wassertragen benutzen, und so betrachten wir ihn weiterhin als Topf. Nur weil der irdene Topf zeitweilig und von der ursprünglichen Erde verschieden ist, können wir nicht sagen, er sei unwirklich. Wir sollten vielmehr zu dem Schluß kommen, daß sowohl die gesamte Erde als auch der irdene Topf Wirklichkeit sind, denn das eine geht aus dem anderen hervor. Aus der Bhagavad-gita erfahren wir, daß die materielle Energie nach der Auflösung der kosmischen Manifestation in die Höchste Persönlichkeit Gottes eingeht. Der Herr, die Höchste Persönlichkeit Gottes, existiert ewig mit Seinen mannigfachen Energien, und weil die kosmische Manifestation von Ihm ausgeht, können wir nicht sagen, sie sei aus dem Nichts entstanden. Krsna ist kein "Nichts". Immer, wenn wir von Krsna sprechen, ist Er mit Seiner Gestalt, Seinen Eigenschaften, Seinem Namen, Seiner Umgebung und allem, was sonst noch zu Ihm gehört, gegenwärtig. Deshalb ist Krsna nicht unpersönlich. Die ursprüngliche Ursache alles Bestehenden ist weder das Nichts noch etwas Unpersönliches, sondern die Höchste Person. Dämonen mögen behaupten, die materielle Schöpfung sei anisvara, d.h. ohne einen Kontrollierenden, ohne Gott, doch letzten Endes sind solche Behauptungen unhaltbar.

Das Beispiel der Mayavadi-Philosophen, daß unbelebte Materie, wie Nägel und Haare, aus dem lebenden Körper komme, ist kein sehr stichhaltiges Argument. Nägel und Haare sind unzweifelhaft leblos, doch sie wachsen nicht aus dem lebendigen Wesen, sondern aus dem leblosen materiellen Körper. Ebensowenig ist das Beispiel, daß der Skorpion aus dem Kuhdung komme, ein Beweis dafür, daß das Lebewesen aus Materie entsteht. Der Skorpion, der aus dem Kuhdung herauskommt, ist zwar ein Lebewesen, doch das Lebewesen ist nicht aus dem Kuhdung entstanden. Nur der materielle Körper des Lebewesens, d.h. der Skorpionkörper, wächst im Kuhdung heran. Wie in der Bhagavad-gita erklärt wird, werden die spirituellen Funken, die Lebewesen, in die materielle Welt eingegeben, und dann erscheinen sie in ihr. Der Körper des Lebewesens wird von der materiellen Natur gegeben, doch das Lebewesen selbst wird vom Höchsten Herrn gezeugt. Der Vater und die Mutter erzeugen den Körper, der notwendig ist, damit das Lebewesen in bestimmten Lebensumständen geboren werden kann. Auf diese Weise wandert das Lebewesen entsprechend seinen Wünschen von einem Körper zum anderen. Die Wünsche in der feinstofflichen Form von Intelligenz, Geist und falschem Ego begleiten das Lebewesen von Körper zu Körper, und so wird es durch höhere Fügung in den Schoß eines bestimmten materiellen Körpers versetzt und entwickelt in der Folge einen ähnlichen Körper. Die spirituelle Seele entsteht also nicht aus Materie, sondern sie nimmt unter höherer Führung einen bestimmten materiellen Körper an. Unsere Erfahrung zeigt uns die materielle Welt als eine Kombination von materieller und spiritueller Energie. Die spirituelle Energie bewegt die Materie. Die spirituelle Seele (das Lebewesen) und Materie sind verschiedene Energien des Höchsten Herrn. Weil beide Energien Produkte des höchsten Ewigen, der höchsten Wahrheit, sind, sind sie wirklich, und nicht falsch. Weil das Lebewesen ein Teil des Höchsten ist, lebt es ewig, und deshalb kann von Geburt und Tod keine Rede sein. Was man als Geburt und Tod wahrnimmt, geschieht nur wegen des materiellen Körpers. Der vedische Aphorismus sarvam khalv idam brahma besagt, daß beide Energien vom Höchsten Brahman ausgegangen sind und daß deshalb alles innerhalb unserer Erfahrung vom Brahman nicht verschieden ist.

Es gibt viele Erklärungen für das Vorhandensein der materiellen Welt, doch die philosophische Schlußfolgerung der Vaisnavas ist die beste. Das Beispiel mit dem irdenen Topf ist sehr treffend: Die Form des irdenen Topfes mag zeitweilig sein, aber dennoch dient der Topf einem bestimmten Zweck, nämlich dem Zweck als Wasserbehälter. Ebenso dient auch unser materieller Körper, obwohl er zeitweilig ist, einem bestimmten Zweck. Vom Beginn der Schöpfung an bekommt das Lebewesen die Möglichkeit, entsprechend seinen Wünschen, die es schon seit unvordenklichen Zeiten angesammelt hat, bestimmte materielle Körper zu entwickeln und zu durchlaufen. Der menschliche Körper bietet die besondere Möglichkeit, von einem hochentwickelten Bewußtsein Gebrauch zu machen. Manchmal erheben die Mayavadi-Philosophen auch folgenden Einwand: Wenn die materielle Welt Wahrheit ist, warum wird dann den Haushältern geraten, ihre Verbindung mit der materiellen Welt aufzugeben und sannyasa anzunehmen? Aber für die Vaisnava-Philosophen bedeutet sannyasa nicht, daß man die materiellen Tätigkeiten aufgibt, nur weil man die Welt für unwirklich hält. Vielmehr besteht der Sinn des Vaisnava-sannyasa darin, alle Dinge ihrer eigentlichen Bestimmung gemäß zu benutzen. Srila Rupa Gosvamihat zwei Grundregeln formuliert, wie man sich in der materiellen Welt verhalten sollte. Wenn ein Vaisnava die materialistische Lebensweise aufgibt und sannyasa annimmt, tut er dies nicht, weil er die materielle Welt für unwirklich hält, sondern weil er sich ganz der Aufgabe widmen will, alles in den Dienst des Herrn zu stellen. Srila Rupa Gosvamis Grundregeln lauten deshalb wie folgt: Man sollte nicht an der materiellen Welt haften, denn materielle Anhaftung ist unsinnig. Die ganze materielle Welt, die gesamte kosmische Manifestation, ist das Eigentum Gottes, Krsnas. Deshalb sollte alles für Krsna gebraucht werden, und der Gottgeweihte sollte von materiellen Dingen losgelöst sein. Das ist der Sinn des Vaisnava-sannyasa. Ein Materialist hängt an der Welt, weil er Sinnenbefriedigung begehrt, doch ein Vaisnava-sannyasi, der die Kunst kennt, alles im Dienst des Herrn zu benutzen, nimmt nichts zur eigenen Sinnenbefriedigung. Srila Rupa Gosvami kritisierte deshalb die Mayavadi-sannyasis, da sie nicht wissen, daß alles im Dienst des Herrn verwendet werden kann. Statt dessen halten sie die Welt für Trug und bilden sich ein, sie seien von der Unreinheit der materiellen Welt befreit. Doch weil alles eine Erweiterung der Energie des Herrn ist, sind die Erweiterungen ebenso Wirklichkeit wie der Höchste Herr Selbst.

Daß die kosmische Welt nur zeitweilig manifestiert ist, bedeutet keineswegs, daß sie unwirklich ist oder daß der Ursprung ihrer Manifestation unwirklich ist. Da der Ursprung der kosmischen Manifestation Wirklichkeit ist, ist auch die Manifestation Wirklichkeit. Man muß nur wissen, wie sie zu benutzen ist. Hier läßt sich noch einmal das Beispiel des Topfes anführen: Der zeitweilige irdene Topf wird aus Erde hergestellt, doch wenn er richtig benutzt wird, ist er keineswegs eine Täuschung. Die Vaisnava-Philosophen wissen, wie man die zeitweilige Konstruktion der materiellen Welt benutzen muß, ebenso wie ein vernünftiger Mensch weiß, wie die zeitweilige Form eines irdenen Topfes zu benutzen ist. Wenn der Topf jedoch für einen falschen Zweck benutzt wird, dann ist er Täuschung. In ähnlicher Weise sind auch die menschliche Lebensform und die materielle Welt Illusion, wenn sie für die illusorische Befriedigung der Sinne mißbraucht werden. Wenn aber der menschliche Körper und die materielle Schöpfung in den Dienst des Höchsten Herrn gestellt werden, sind diese Tätigkeiten keinesfalls illusorisch. In der Bhagavad-gita wird deshalb bestätigt, daß ein Mensch, der auch nur ein wenig die Neigung zeigt, seinen Körper und die materielle Welt in den Dienst des Herrn zu stellen, vor der größten Gefahr des Lebens bewahrt wird. Wenn die höheren und niederen Energien, die beide vom Höchsten Herrn ausgehen, richtig verwendet werden, ist keine von ihnen illusorisch. Was jedoch fruchtbringende Tätigkeiten betrifft, so gründen sie hauptsächlich auf der Ebene der Sinnenbefriedigung. Deshalb beschäftigt sich jemand, der im Krsna-Bewußtsein fortgeschritten ist, nicht mit fruchtbringenden Tätigkeiten. Das Ergebnis solcher Tätigkeiten kann einen Menschen zwar auf die höheren Planetensysteme erheben, doch wie in der Bhagavad-gita erklärt wird, werden im himmlischen Königreich die Ergebnisse dieser frommen Tätigkeiten aufgebraucht, worauf die törichten Lebewesen wieder auf das niedere Planetensystem zurückfallen, um dort erneut zu versuchen, auf die höheren Planeten zu gelangen. Das einzige, was sie dabei ernten, sind die Schwierigkeiten des Hin- und Zurückwanderns. Sie gleichen hierin den vielen materiellen Wissenschaftlern unserer Tage, die ihre Zeit mit dem Versuch verschwenden, zum Mond zu fliegen, um dann wieder zurückzukehren. Diejenigen, die solchen Tätigkeiten nachgehen, werden von den personifizierten Veden als andha-parampara oder blinde Anhänger der rituellen vedischen Zeremonien bezeichnet. Diese Zeremonien werden zwar in den Veden erwähnt, doch sie sind nicht für intelligente Menschen bestimmt. Nur diejenigen, die zu sehr an materiellem Genuß hängen, werden von der Vorstellung verlockt, auf die höheren Planetensysteme erhoben zu werden, und deshalb widmen sie sich solchen rituellen Tätigkeiten. Aber ein intelligenter Mensch, d.h. jemand, der Zuflucht bei einem spirituellen Meister gesucht hat, um die Dinge zu erkennen, wie sie wirklich sind, befaßt sich nicht mit fruchtbringenden Tätigkeiten, sondern weiht sich dem transzendentalen liebevollen Dienst für den Herrn.

Menschen, die nicht Gottgeweihte sind, wenden sich aus materialistischen Gründen den vedischen Ritualen zu, wodurch sie jedoch nur in Verwirrung geraten. In diesem Zusammenhang gibt es ein anschauliches Beispiel: Ein intelligenter Mensch, der Millionen von Dollars in Banknoten besitzt, läßt sein Geld nicht ungenutzt, obwohl er sehr gut weiß, daß die Geldscheine an sich nichts weiter als Papier sind. Wenn man eine Million Dollar in Banknoten besitzt, hat man im Grunde nur ein großes Bündel Papier, doch wenn man das Geld für einen bestimmten Zweck einsetzt, hat es seinen Nutzen. Ebenso verhält es sich mit der materiellen Welt. Obwohl sie illusorisch sein mag, ebenso wie das Geld nur aus Papier besteht, hat sie einen großen Nutzen, wenn man sie richtig gebraucht. Weil die Banknoten vom Staat in Umlauf gesetzt wurden, haben sie großen Wert, obwohl sie nur aus Papier bestehen. Ebenso mag die materielle Welt unwirklich oder zeitweilig sein; doch weil sie vom Höchsten Herrn ausgeht, hat auch sie ihren Wert. Der Vaisnava-Philosoph erkennt den Wert der materiellen Welt und weiß, wie man sie richtig benutzt, wohingegen der Mayavadi-Philosoph mit dem Geld nichts anzufangen weiß und es zurückweist, weil er den Geldwert des Papieres für unwirklich hält. Srila Rupa Gosvami erklärt deshalb, daß jemand, der die materielle Welt als unwirklich ablehnt, nur weil er ihre Bedeutung als Mittel, der Höchsten Persönlichkeit Gottes zu dienen, nicht kennt, eine Art der Entsagung praktiziert, die wertlos ist. Wirkliche Entsagung bedeutet, daß man sich des wahren Wertes der materiellen Welt bewußt ist und sie im Dienst des Herrn verwendet und daß man nicht an die materielle Welt angehaftet ist, sondern ihr entsagt, indem man sie nicht zur Befriedigung seiner eigenen Sinne benutzt. Die materielle Welt ist eine Erweiterung der materiellen Energie des Herrn, und deshalb ist sie Wirklichkeit. Sie ist nicht unwirklich oder illusorisch, wie manchmal aus dem Beispiel mit der Schlange und dem Seil geschlossen wird.

Die Veden in Person fuhren fort: "Die kosmische Manifestation erscheint weniger intelligenten Menschen aufgrund der flackernden Natur ihres vorübergehenden Daseins als unwirklich." Die Mayavadis nehmen die flackernde Natur der kosmischen Manifestation als Beweis für ihre Theorie, die materielle Welt sei unwirklich. Laut den Veden war die Welt vor der Schöpfung nicht existent und wird auch nach der Auflösung ihrer Manifestation nicht mehr existent sein. Die Philosophen der Lehre vom Nichts machen sich diese Aussage der Veden ebenfalls zunutze und interpretieren sie in dem Sinne, daß der Ursprung der materiellen Welt das Nichts sei. Die vedischen Schriften sagen jedoch niemals, daß der Ursprung das Nichts sei. Die Veden definieren den Ursprung der Schöpfung und Auflösung mit den Worten: yato va imani bhutani jayante, "Er, aus dem die kosmische Manifestation hervorgegangen ist und in den nach der Vernichtung alles eingehen wird". Das gleiche wird im Vedanta-sutra und im ersten Vers des Srimad-Bhagavatam mit den Worten janmady asya erklärt, was bedeutet: "Er, von dem alle Dinge ausgehen". Alle diese vedischen Aussagen deuten darauf hin, daß die kosmische Manifestation ihre Ursache in der Absoluten Höchsten Persönlichkeit Gottes hat und daß sie, wenn sie vernichtet wird, wieder in den Höchsten eingeht. Das gleiche wird in der Bhagavad-gita bestätigt: Die kosmische Manifestation tritt ins Dasein, um daraufhin wieder zerstört zu werden, und nach der Zerstörung geht sie ins Dasein des Höchsten Herrn ein. Diese Aussage beweist eindeutig, daß die bahiranga-maya, die äußere Energie, obwohl von flackernder Natur, eine Energie des Höchsten Herrn ist und als solche nicht unwirklich sein kann. Sie scheint nur unwirklich zu sein. Weil die materielle Natur vor der Schöpfung und nach der Vernichtung nicht existent ist, glauben die Mayavadis, sie sei unwirklich. Doch die genaue Bedeutung dieser Aussage der Veden kann mit dem Beispiel des irdenen Topfes veranschaulicht werden: Obwohl die Existenz der einzelnen Nebenprodukte der Absoluten Wahrheit zeitweilig ist, ist die Energie des Höchsten Herrn ewig und unveränderlich. Der irdene Topf mag zerbrochen oder zu etwas anderem umgeformt werden, zum Beispiel zu einem Teller oder einer Schüssel, doch das Material, das grundlegende Element, Erde, bleibt immer dasselbe. Ebenso ist das Grundprinzip der kosmischen Manifestation immer dasselbe, nämlich das Brahman, die Absolute Wahrheit, und deshalb ist die Mayavadi-Theorie, die Welt sei unwirklich, nichts anderes als eine mentale Spekulation. Daß die kosmische Manifestation flackernd und zeitweilig ist, bedeutet nicht, daß sie unwirklich ist. Die Definition für "unwirklich" lautet: "das, was es niemals gab, sondern nur dem Namen nach existiert". So sind zum Beispiel Pferdeeier, Luftblumen und Kaninchenhörner Dinge, die nur dem Namen nach existieren. Die Pferde legen keine Eier; es gibt keine Blumen, die in der Luft wachsen, und es gibt auch keine Kaninchen mit Hörnern. Man könnte noch viele Dinge nennen, die nur dem Namen nach oder in der Phantasie existieren, doch die es im Grunde gar nicht gibt. Solche Dinge werden zurecht als unwirklich bezeichnet. Die materielle Welt jedoch kann von den Vaisnavas nicht als unwirklich angesehen werden, nur weil sie aufgrund ihrer zeitweiligen Natur Schöpfung und Vernichtung unterworfen ist.

Die Veden in Person sagten als nächstes, daß die Überseele und die individuelle Seele, d.h. der Paramatma und der jivatma, einander niemals gleich sein können, obwohl sie gemeinsam im gleichen Körper weilen wie zwei Vögel auf einem Baum. In den Veden wird erklärt, daß diese beiden Vögel, obwohl sie als Freunde nebeneinander sitzen, niemals identisch sind. Der eine Vogel, der Paramatma, die Überseele, ist einfach nur der Zeuge, während der andere Vogel, der jivatma, von den Früchten des Baumes ißt. Wenn die kosmische Manifestation ins Dasein tritt, erscheinen die jivatmas, die individuellen Seelen, entsprechend ihren früheren fruchtbringenden Tätigkeiten in verschiedenen Lebensformen, und weil sie schon seit langer Zeit ihr wirkliches Dasein vergessen haben, identifizieren sie sich mit dem jeweiligen Körper, der ihnen durch die Gesetze der materiellen Natur gegeben wird. Wenn der jivatma einen materiellen Körper angenommen hat, wird er den drei Erscheinungsweisen der materiellen Natur unterworfen und handelt entsprechend ihrem Einfluß; so setzt sich sein Dasein in der materiellen Welt fort. Während die Seele in solche Unwissenheit eingehüllt ist, sind ihre natürlichen Füllen, die sie in winzigem Ausmaß besitzt, fast gänzlich verschwunden. Die Füllen der Überseele, der Höchsten Persönlichkeit Gottes, indes verringern sich niemals, selbst wenn Sie in der materiellen Welt erscheint. Sie behält stets alle Füllen und Vollkommenheiten in unverändertem Ausmaß und bleibt trotzdem von allen Leiden der materiellen Welt unberührt. Die bedingte Seele verstrickt sich in die materielle Welt, wohingegen die Überseele, die Höchste Persönlichkeit Gottes, die materielle Welt verläßt, ohne von ihr beeinflußt zu werden, ähnlich wie eine Schlange ihre Haut abwirft. Der Unterschied zwischen der Überseele und der bedingten individuellen Seele liegt darin, daß die Überseele, die Höchste Persönlichkeit Gottes, immer Ihre ursprünglichen Füllen behält, die man als sad-aisvarya, asta-siddhi und asta-guna bezeichnet.

Weil die Mayavadi-Philosophen nur ein dürftiges Maß an Wissen besitzen, entgeht ihnen die Tatsache, daß Krsna immer von Seinen sechs Füllen, Seinen acht transzendentalen Eigenschaften und Seinen acht Vollkommenheiten erfüllt ist. Die sechs Füllen beziehen sich auf die Tatsache, daß niemand in der Lage ist, Krsna an Reichtum, Macht, Schönheit, Ruhm, Wissen und Entsagung zu übertreffen. Die erste der acht transzendentalen Eigenschaften Krsnas ist, daß Er niemals von der Unreinheit des materiellen Daseins berührt wird. Diese Eigenschaft wird auch in der Isopanisad erwähnt, und zwar mit den Worten apapa-viddham: So wie die Sonne niemals durch Verunreinigung befleckt wird, so wird der Höchste Herr niemals durch irgendwelche sündhaften Tätigkeiten verunreinigt. Obwohl es manchmal so aussieht, als seien Krsnas Taten unfromm, wird Er dadurch niemals befleckt. Die zweite transzendentale Eigenschaft Krsnas ist, daß Er niemals stirbt. Im Vierten Kapitel der Bhagavad-gita teilt der Herr Arjuna mit, daß sie beide schon viele Male in der materiellen Welt erschienen seien, daß aber nur Er Sich ihrer Tätigkeiten bewußt sei, sowohl der vergangenen als auch der gegenwärtigen und der zukünftigen. Dies bedeutet, daß Krsna niemals stirbt, denn Vergessen hat seine Ursache im Tod. Wenn wir sterben, wechseln wir unseren Körper, und dies bringt das Vergessen mit sich. Krsna jedoch vergißt nie. Er kann Sich an alles erinnern, was jemals geschah. Wie sonst hätte Er Sich erinnern können, daß Er das yoga-System der Bhagavad-gita zuerst dem Sonnengott Vivasvan mitteilte. Krsna stirbt also nie, und ebenso wird Er auch niemals alt. Obwohl Krsna bereits Urgroßvater war, als Er Sich auf dem Schlachtfeld von Kuruksetra befand, erschien Er nicht als alter Mann. Krsna kann niemals von Sünden befleckt werden, Krsna stirbt nie, Krsna wird niemals alt, Krsna braucht niemals zu klagen, Krsna ist niemals hungrig und auch niemals durstig. Was auch immer Er wünscht, wird sogleich zum vollkommenen Gesetz, und Seine Entschlüsse können von niemandem geändert werden. Dies sind die transzendentalen Eigenschaften Krsnas. Darüber hinaus ist Krsna auch als Yogesvara bekannt. Er besitzt die vollkommene Fülle aller mystischen Kräfte, wie zum Beispiel der anima-siddhi, der Macht, kleiner als das Kleinste zu werden. In der Brahma-samhita wird erklärt, daß Krsna sogar in jedes Atom eingegangen ist (andantarastha-paramanu cayantara-stham). Ebenso weilt Krsna als Garbhodakasayi Visnu im riesigen Universum und liegt als Maha-Visnu im Ozean der Ursachen, und Sein Körper ist so unvorstellbar groß, daß bei Seinem Ausatmen Millionen und Abermillionen von Universen aus Ihm hervorgehen. Das wird mahima-siddhi genannt. Krsna besitzt auch die Vollkommenheit der laghima, das heißt, Er kann leichter als das Leichteste werden. In der Bhagavad-gita wird erklärt, daß die Planeten im Weltall schweben, weil Krsna in das Universum und in die Atome eingegangen ist. Das ist die Erklärung für die Schwerelosigkeit. Krsna besitzt auch die Vollkommenheit der prapti: Er kann alles bekommen, was Er will. Ebenso besitzt Er die Vollkommenheit der isita, der Macht zu beherrschen. Deshalb heißt Er auch Paramesvara, der Höchste Herrscher. Darüber hinaus kann Krsna auch jeden unter Seinen Einfluß bringen, und diese Macht wird als vasita bezeichnet.

Krsna ist der Besitzer sämtlicher Füllen, transzendentalen Eigenschaften und mystischen Kräfte. Kein gewöhnliches Lebewesen kann mit Ihm verglichen werden. Deshalb ist die Theorie der Mayavadis, daß die Überseele und die individuelle Seele gleich sind, ein Irrtum. Die Schlußfolgerung lautet daher, daß Krsna alle Verehrung gebührt und daß alle anderen Lebewesen Seine Diener sind. Diese Erkenntnis nennt man Selbstverwirklichung. Jedes Verständnis vom Selbst außerhalb der Beziehung zu Krsna als ewiger Diener ist vom Einfluß mayas verursacht worden. Es heißt deshalb, maya gebrauche ihre letzte Schlinge, wenn sie dem Lebewesen einflüstere zu versuchen, der Höchsten Persönlichkeit Gottes ebenbürtig zu werden. Der Mayavadi-Philosoph behauptet, Gott ebenbürtig zu sein, doch er kann keine Antwort auf die Frage geben, warum er der materiellen Verstrickung zum Opfer gefallen sei. Wenn er wirklich Gott ist, wie konnte er dann unter den Einfluß sündhafter Tätigkeiten geraten und dadurch dem leidbringenden Gesetz des karma unterworfen werden? Wenn man den Mayavadis diese Frage stellt, sind sie um eine gute Antwort verlegen. Die spekulative Behauptung, der Höchsten Persönlichkeit Gottes ebenbürtig zu sein, ist ein Symptom sündhaften Lebens. Solange man nicht vollständig von allen Sünden befreit ist, kann man sich dem Krsna-Bewußtsein nicht zuwenden. Allein die Tatsache, daß die Mayavadis behaupten, sie seien mit dem Höchsten Herrn eins, zeigt, daß sie noch nicht von den Reaktionen auf ihre Sünden befreit sind. Das Srimad-Bhagavatam bezeichnet solche Menschen als avisuddha-buddhaya, was bedeutet, daß sie sich fälschlich für befreit halten, obwohl sie sich zugleich der Absoluten Wahrheit ebenbürtig wähnen. Ihre Intelligenz ist nicht geläutert.

Die Veden in Person sagten, daß die yogis und jnanis in ihrem Vorgang der Selbstverwirklichung niemals Erfolg hätten, wenn sie sich nicht von ihren sündhaften Wünschen befreiten. "Lieber Herr", fuhren die Veden in Person fort, "wenn die heiligen Persönlichkeiten nicht darauf bedacht sind, alle Wurzeln sündhafter Wünsche völlig zu beseitigen, können sie die Überseele niemals wahrnehmen, obwohl Sie direkt neben der individuellen Seele weilt." Samadhi oder Meditation bedeutet, die Überseele im Innern zu erkennen. Wer jedoch nicht von allen sündhaften Reaktionen frei ist, kann die Überseele nicht sehen.

Wenn jemand an seiner Halskette ein Juwelenmedaillon hängen hat, aber das Juwel vergißt, ist es fast so, als besitze er gar keines. Ebenso hat eine individuelle Seele, die meditiert, aber nicht die Gegenwart der Überseele im Innern wahrnimmt, die Überseele nicht erkannt. Menschen, die sich dem Pfad der Selbstverwirklichung zugewandt haben, müssen also sehr vorsichtig sein, nicht durch den Einfluß mayas verunreinigt zu werden. Srila Rupa Gosvami sagte, daß ein Gottgeweihter von allen Arten materieller Wünsche völlig frei sein sollte. Ein Gottgeweihter sollte auch nicht von dem Gewinn durch karma und jnana verlockt werden. Man braucht einfach nur Krsna zu verstehen und Seine Wünsche zu erfüllen. Das ist die Stufe reiner Hingabe. Mystische yogis, die immer noch unreine Wünsche nach Sinnenbefriedigung hegen, werden bei ihren Bemühungen niemals Erfolg haben, und sie werden auch niemals die Überseele im individuellen Selbst erkennen. Die sogenannten yogis und jnanis, die ihre Zeit mit verschiedenen Arten der Sinnenbefriedigung verschwenden, indem sie sich entweder in mentalen Spekulationen ergehen oder ihre begrenzten mystischen Kräfte zur Schau stellen, werden deshalb nie aus dem bedingten Leben befreit, und sie werden weiterhin durch den Kreislauf wiederholter Geburten und Tode wandern. Für solche Menschen werden sowohl das gegenwärtige als auch das nächste Leben nichts anderes als eine Quelle des Leids sein. Solche sündhaften Menschen leiden bereits im gegenwärtigen Leben, und weil sie in ihrer Selbstverwirklichung nicht die Vollkommenheit erlangen, werden sie auch im nächsten Leben von Leiden geplagt werden. Trotz all ihrer Bemühungen, die Vollkommenheit zu erlangen, werden solche yogis, die von Wünschen nach Sinnenbefriedigung verunreinigt sind, im gegenwärtigen wie auch im nächsten Leben weiterleiden.

Srila Visvanatha Cakravarti Thakura sagt in diesem Zusammenhang, daß Menschen im Lebensstand der Entsagung (sannyasis), die ihr Heim um der Selbstverwirklichung willen verlassen haben, sich jedoch nicht im hingebungsvollen Dienst für den Herrn betätigen, sondern sich statt dessen zu Wohltätigkeitsarbeit hinziehen lassen, wie dem Errichten von Bildungsstätten, Krankenhäusern oder auch von Klöstern, Kirchen oder Tempeln für Halbgötter, dadurch nur Schwierigkeiten ernten werden, und zwar nicht nur in diesem Leben, sondern auch im nächsten. Sannyasis, die ihr Leben nicht dazu nutzen, Krsna zu erkennen, vergeuden nur ihre Zeit und Energie mit Tätigkeiten, die in Wirklichkeit mit der Lebensstufe der Entsagung nichts zu tun haben. Doch die Bemühung eines Gottgeweihten, der seine Kräfte für Tätigkeiten wie die Errichtung eines Visnu-Tempels einsetzt, ist nie umsonst. Solche Tätigkeiten werden krsnarthe akhilacesta genannt, "Tätigkeiten zur Freude Krsnas". Wenn ein Philanthrop eine Schule eröffnet und ein Gottgeweihter einen Tempel errichtet, so befinden sich diese Tätigkeiten nicht auf der gleichen Ebene. Obwohl es ein frommes Werk sein mag, wenn ein Philanthrop eine Schule gründet, fällt diese Tätigkeit immer noch unter das Gesetz des karma, wohingegen der Bau eines Tempels für Visnu hingebungsvoller Dienst ist.

Hingebungsvoller Dienst ist niemals dem Gesetz des karma unterworfen. Wie in der Bhagavad-gita erklärt wird, stehen die Gottgeweihten transzendental zu der Wirkung der drei Erscheinungsweisen der materiellen Natur, denn sie befinden sich auf der Ebene der Brahman-Erkenntnis: brahma-bhuyaya kalpate. In der Bhagavad-gita heißt es: sa gunan samatityaitan brahma-bhuyaya kalpate. "Die Geweihten der Persönlichkeit Gottes transzendieren alle Reaktionen der drei Erscheinungsweisen der materiellen Natur und befinden sich auf der transzendentalen Brahman-Ebene." Die Gottgeweihten sind sowohl im gegenwärtigen als auch im nächsten Leben befreit. Was immer in der materiellen Welt für Yajna, d.h. Visnu, oder Krsna, getan wird, gilt als Tätigkeit auf der Stufe der Befreiung; doch solange man zu Acyuta, der Höchsten Persönlichkeit Gottes, keine Beziehung entwickelt hat, ist es unmöglich, den Reaktionen, die sich durch das Gesetz des karma ergeben, ein Ende zu bereiten. Das Leben im Krsna-Bewußtsein ist das Leben der Befreiung. Ein Gottgeweihter ist also durch die Gnade des Herrn sowohl im gegenwärtigen als auch im nächsten Leben befreit, wohingegen die karmis, jnanis und yogis niemals befreit werden - weder im gegenwärtigen noch im nächsten Leben.

Die Veden in Person fuhren fort: "Lieber Herr, jeder, der durch Deine Gnade die Herrlichkeit Deiner Lotosfüße erkannt hat, macht sich nichts aus materiellem Glück und Leid." Materielle Tätigkeiten sind unvermeidlich, solange wir uns in der materiellen Welt befinden, aber ein Gottgeweihter lenkt seine Aufmerksamkeit niemals auf solche Aktionen und Reaktionen, die lediglich Folgen frommer und sündiger Tätigkeiten sind. Ebenso ist ein Gottgeweihter auch nicht besonders betrübt oder erfreut, wenn er von den Leuten geschmäht bzw. gelobt wird. Manchmal wird ein Gottgeweihter für seine transzendentalen Tätigkeiten von den Leuten hoch gelobt, und ein anderes Mal wird er kritisiert, obgleich gar kein Grund dazu besteht. Ob ihn die Leute nun loben oder kritisieren, der reine Gottgeweihte bleibt immer gleichmütig. In Wirklichkeit befinden sich die Tätigkeiten eines Gottgeweihten auf der transzendentalen Ebene, und deshalb ist er nicht daran interessiert, ob ihn die Menschen, die materiellen Tätigkeiten nachgehen, loben oder kritisieren. Wenn sich der Gottgeweihte also in seiner transzendentalen Stellung halten kann, ist seine Befreiung sowohl im gegenwärtigen als auch im nächsten Leben garantiert, wie die Höchste Persönlichkeit Gottes Selbst bestätigt. Die transzendentale Stellung des Gottgeweihten in der materiellen Welt wird dadurch aufrechterhalten, daß er in der Gemeinschaft reiner Gottgeweihter stets über die ruhmvollen Taten hört, die der Herr in verschiedenen Zeitaltern und in der Form der verschiedenen Inkarnationen vollbrachte.

Die Bewegung für Krsna-Bewußtsein beruht auf diesem Prinzip. Srila Narottama dasa Thakura sagt in einem seiner Lieder: "Mein lieber Herr, bitte beschäftige mich in Deinem transzendentalen liebevollen Dienst, wie es uns die vorangegangenen acaryas aufgetragen haben, und laß mich bitte in der Gemeinschaft reiner Gottgeweihter bleiben. Das ist mein Wunsch - Leben für Leben." Mit anderen Worten, es kümmert einen Gottgeweihten wenig, ob er befreit ist oder nicht; er sehnt sich lediglich nach hingebungsvollem Dienst. Hingebungsvoller Dienst bedeutet, nichts unabhängig vom Einverständnis der acaryas zu tun. Die Aktivitäten der Bewegung für Krsna-Bewußtsein werden von den vorangegangenen acaryas gelenkt, angeführt von Srila Rupa Gosvami. In der Gemeinschaft von Gottgeweihten, die diesen Prinzipien folgen, kann ein Gottgeweihter in vollkommener Weise seine transzendentale Stellung aufrechterhalten.

In der Bhagavad-gita sagt der Herr, daß Ihm ein Gottgeweihter, der Ihn in Vollkommenheit kennt, sehr lieb ist. Es gibt vier Arten frommer Menschen, die sich dem hingebungsvollen Dienst zuwenden. Wenn ein Mensch fromm ist, dann wendet er sich in Zeiten der Not an den Herrn, damit dieser sein Leid vermindere. Ein frommer Mensch, der materieller Hilfe bedarf, bittet ebenfalls den Herrn, ihm zu helfen. Wenn sich ein frommer Mensch tatsächlich dafür interessiert, etwas über die Wissenschaft Gottes zu erfahren, dann wendet er sich ebenfalls an die Höchste Persönlichkeit Gottes, Krsna. Und wenn ein frommer Mensch einfach nur danach strebt, die Wissenschaft Krsnas zu verstehen, dann wendet auch er sich dem Höchsten Herrn zu. Von diesen vier Arten frommer Menschen werden die letztgenannten von Krsna persönlich in der Bhagavad-gita gelobt. Wer versucht, Krsna mit Wissen und Hingabe zu verstehen, indem er dem Beispiel der vorangegangenen acaryas, die mit dem wissenschaftlichen Wissen über den Höchsten Herrn vertraut sind, folgt, ist rühmenswert. Ein solcher Gottgeweihter begreift, daß alle Lebenslagen, seien sie angenehm oder unangenehm, durch den höchsten Willen des Herrn entstehen. Und wenn er den Lotosfüßen des Höchsten Herrn völlig ergeben ist, macht es ihm nichts aus, ob seine Lebenslage angenehm oder unangenehm ist. Ein Gottgeweihter sieht selbst widrige Umstände als eine besondere Gnade der Persönlichkeit Gottes an. Im Grunde gibt es für einen Gottgeweihten so etwas wie widrige Umstände nicht. Ihm ist alles, was durch den Willen des Herrn auf ihn zukommt, willkommen, und so erfüllt er in jeder Lebenslage mit Begeisterung seine Aufgabe im hingebungsvollen Dienst. Diese Haltung der Hingabe wird in der Bhagavad-gita beschrieben, wo es heißt, daß ein Gottgeweihter sich durch widrige Lebensumstände nicht bekümmern läßt und daß er in angenehmen Lebensumständen nicht frohlockt. Auf den höheren Stufen des hingebungsvollen Dienstes kümmert sich der Gottgeweihte nicht einmal mehr um die Liste von Geboten und Verboten. Eine solche Stufe kann man nur erreichen, wenn man den Fußstapfen der acaryas folgt. Weil ein reiner Gottgeweihter dem Beispiel der acaryas folgt, sollte man verstehen, daß sich jede Handlung, die er im hingebungsvollen Dienst verrichtet, auf der transzendentalen Ebene befindet. Sri Krsna erklärt deshalb, daß der acarya über alle Kritik erhaben ist. Ein neuer Gottgeweihter sollte niemals denken, er befinde sich auf der gleichen Stufe wie der acarya. Vielmehr sollte er wissen, daß die acaryas auf der gleichen Stufe stehen wie die Höchste Persönlichkeit Gottes, und deshalb sollten die neuen Gottgeweihten weder Krsna noch Seinen Repräsentanten kritisieren. Die Veden in Person verehrten die Höchste Persönlichkeit Gottes somit auf vielfältige Weise. Den Höchsten Herrn durch Gebete zu verehren bedeutet, sich an Seine transzendentalen Eigenschaften, Spiele und Taten zu erinnern. Doch die Spiele und Eigenschaften des Herrn sind unbegrenzt, und deshalb ist es uns nicht möglich, an alle Eigenschaften des Herrn zu denken. Die Veden in Person verehrten den Herrn daher nach bestem Vermögen und schlossen mit folgenden Worten:

"Lieber Herr, obwohl Brahma, der über den höchsten Planeten, Brahmaloka, herrschende Halbgott, und König Indra, der über die himmlischen Planeten herrschende Halbgott, sowie die herrschenden Halbgötter der Sonne, des Mondes und der anderen Planeten als Lenker der materiellen Welt sehr vertrauliche Stellungen einnehmen, besitzen sie nur geringes Wissen über Dich. Was wissen dann schon die gewöhnlichen Menschen und die intellektuellen Spekulanten? Es gibt niemanden, o Herr, der Deine unbegrenzten transzendentalen Eigenschaften aufzählen könnte. Niemand, auch nicht die intellektuellen Spekulanten und die Halbgötter auf den höheren Planetensystemen, vermag das Ausmaß Deiner Gestalt und Deiner Merkmale zu ergründen. Wir glauben, daß selbst Du, o Herr, Deine transzendentalen Eigenschaften nicht vollständig kennst. Das liegt daran, daß Du unbegrenzt bist. Obwohl es nicht sehr angebracht ist, zu sagen, Du würdest Dich Selbst nicht kennen, ist es nichtsdestoweniger hilfreich, wenn man versteht, daß Deine Eigenschaften und Deine Energien sowie Dein Wissen unbegrenzt sind und daß deshalb zwischen Deinem Wissen und der Erweiterung Deiner Energien ein unbegrenztes Wetteifern stattfindet."

Sowohl Gott als auch Sein Wissen sind unbegrenzt, und deshalb sagten die Veden in Person, daß Gott, sobald Er Sich einiger Seiner Energien bewußt wird, entdeckt, daß Er immer noch mehr Energien hat. Auf diese Weise nehmen sowohl Seine Energien als auch Sein Wissen ständig zu. Da beides unbegrenzt ist, sind sowohl Seine Energien als auch Sein Wissen, mit dem Er die Energien erkennt, ohne Ende. Gott ist selbstverständlich allwissend, doch die Veden in Person sagen, daß nicht einmal Gott Selbst das vollständige Ausmaß Seiner Energien kennt. Dies bedeutet nicht, daß Gott nicht allwissend ist. Wenn jemand eine gewisse Tatsache nicht kennt, bezeichnet man dies als Unwissenheit oder Mangel an Wissen. Dies trifft jedoch nicht auf Gott zu, denn Er kennt Sich vollkommen, aber dennoch nehmen Seine Energien und Taten ständig zu, und deshalb nimmt auch Sein Wissen zu, um sie zu verstehen. Beides nimmt unbegrenzt zu, und diese gegenseitige Steigerung hat kein Ende. In diesem Sinne kann man sagen, daß sogar Gott Selbst die Grenze Seiner Energien und Eigenschaften nicht kennt.

Jedes vernünftige und nüchtern denkende Lebewesen kann sich eine annähernde Vorstellung davon machen, wie grenzenlos Gott und die Erweiterung Seiner Energien und Tätigkeiten sein müssen. In den vedischen Schriften wird beschrieben, daß unzählige Universen aus Maha-Visnu hervorgehen, wenn Er in Seinem yoga-nidra ausatmet, und daß unzählige Universen in Seinen Körper eingehen, wenn Er wieder einatmet. Wir müssen uns nur einmal ausmalen, daß diese Universen, die sich in der Sicht unseres begrenzten Wissens grenzenlos ausdehnen, so riesengroß sind, daß sich ihre grobstofflichen Bestandteile, d.h. die fünf Elemente der kosmischen Manifestation - Erde, Wasser, Feuer, Luft und Äther -, nicht nur in ihrem Inneren befinden, sondern sie sogar in sieben Schichten einhüllen, von denen jede zehnmal so dick ist wie die vorherige. So ist jedes einzelne Universum sicher verschlossen, und es gibt unzählige Universen. Sie alle schweben in den unzähligen Poren des transzendentalen Körpers von Maha-Visnu. Es heißt, daß ebenso, wie die Atome und Staubteilchen neben den Vögeln in der Luft schweben und ihre Zahl unermeßlich ist, auch unermeßlich viele Universen in den Poren des transzendentalen Körpers des Herrn schweben. Aus diesem Grund erklären die Veden, daß Sich Gott jenseits der Reichweite unseres Wissens befindet. Avan-manasa-gocara: "Die Weite und das Ausmaß Gottes zu verstehen entzieht sich dem Vermögen unserer mentalen Spekulation. " Wer wahrhaft gelehrt und vernünftig ist, behauptet daher nicht, Gott zu sein, sondern versucht, Gott zu verstehen, indem er zwischen spiritueller und materieller Natur unterscheidet. Durch solch gründliche Unterscheidung kann man klar verstehen, daß die höchste Seele sowohl zur höheren als auch zur niederen Energie transzendental ist, obwohl Sie mit beiden direkt verbunden ist. In der Bhagavad-gita erklärt Sri Krsna, daß alles auf Seiner Energie ruht, daß Er aber dennoch von Seiner Energie verschieden oder getrennt ist.

Die Natur und die Lebewesen werden manchmal als prakrti und purusa bezeichnet. Die kosmische Manifestation ist eine zusammenwirkende Verbindung von prakrti und purusa. Die Natur ist die Ursache der Bestandteile, und die Lebewesen sind die bewirkende Ursache. Diese beiden Ursachen verbinden sich, und das Ergebnis ist die kosmische Manifestation. Wer so glücklich ist, zum richtigen Verständnis von der kosmischen Manifestation und von allem, was in ihr geschieht, zu gelangen, der weiß, daß die Höchste Persönlichkeit Gottes direkt und indirekt die Ursache davon ist. Deshalb erklärt die Brahma-samhita zusammenfassend: isvarah paramah krsnah sac-cid-ananda vigrahah / anadir adir govindah sarva-karana-karanam.

Wenn man nach vielen Betrachtungen und Überlegungen die Vollkommenheit des Wissens erlangt, kommt man zu der Schlußfolgerung, daß Krsna, Gott, die ursprüngliche Ursache aller Ursachen ist. Statt über die Größe Gottes Spekulationen anzustellen oder herumzuphilosophieren, sollte man die Schlußfolgerung der Brahma-samhita annehmen: sarva karana karanam. "Krsna, Gott, ist die Ursache aller Ursachen." Das ist die Vollkommenheit des Wissens. So trug Sanandana seinen Brüdern, die wie er Söhne Brahmas waren, als erster in der Schülernachfolge die Veda-stuti vor, die Gebete der Veden in Person an Garbhodakasayi Visnu. Zu Beginn der Schöpfung schuf Brahma zuerst die vier Kumaras, die deshalb purva-jata genannt werden. In der Bhagavad-gita wird gesagt, daß das parampara-System, die Nachfolge von spirituellen Meistern, mit Krsna Selbst beginnt. Auch hier bei den Gebeten der Veden in Person sehen wir, daß das parampara-System mit der Persönlichkeit Gottes, nämlich mit Narayana Rsi, beginnt. Wir müssen uns daran erinnern, daß diese Veda-stuti von dem Kumara Sanandana erzählt wurde, und diese Erzählung wurde nun von Narayana Rsi in Bodi Asrama wiedergegeben. Narayana Rsi ist die Inkarnation Krsnas, die uns den Pfad der Selbstverwirklichung zeigt, auf dem man sich harter Entsagung unterzieht. So wie im gegenwärtigen Zeitalter Sri Caitanya in der Rolle eines reinen Gottgeweihten den Pfad des reinen hingebungsvollen Dienstes wies, war Narayana Rsi eine Inkarnation Krsnas, die in der Vergangenheit erschienen ist, um Sich im Himalaya schwere Entsagungen aufzuerlegen. Von Ihm also hatte Sri Narada Muni viele Erklärungen gehört, die genau dem entsprachen, was einst von Kumara Sanandana in Form der Veda-stuti vorgetragen wurde. Aus Narayana Rsis Erklärungen geht unmißverständlich hervor, daß Gott der eine Höchste ist und daß alle anderen Seine Diener sind.

Im Caitanya-caritamrta heißt es: ekala isvara krsna. "Krsna ist der einzige Höchste Gott." Ara saba bhrtya: "Alle anderen sind Seine Diener." Yare yaiche nacaya, se taiche kare nrtya: "Der Höchste Herr beschäftigt alle Lebewesen ganz nach Seinem Willen in den verschiedensten Tätigkeiten, und so entfalten sie ihre unterschiedlichen Fähigkeiten und Neigungen." Die Veda-stuti stellt somit die ursprüngliche Unterweisung bezüglich der Beziehung des Lebewesens zur Höchsten Persönlichkeit Gottes dar. Die höchste Verwirklichung besteht für das Lebewesen darin, die Stufe des hingebungsvollen Lebens zu erreichen. Aber niemand kann sich dem hingebungsvollen Leben, dem Krsna-Bewußtsein, widmen, wenn er nicht frei von aller materiellen Verunreinigung ist. Narayana Rsi teilte Narada Muni mit, daß die Essenz aller Veden und vedischen Schriften (der vier Veden, der Upanisaden und der Puranas) in der Lehre besteht, dem Herrn transzendentalen liebevollen Dienst darzubringen. In diesem Zusammenhang gebrauchte Narayana Rsi ein ganz bestimmtes Wort - rasa. Im hingebungsvollen Dienst ist der rasa das Medium oder die Grundlage für den Austausch einer Beziehung zwischen dem Herrn und dem Lebewesen. Für rasa wird in den Veden auch der Ausdruck isavasya verwendet, was bedeutet: "Der Höchste Herr ist das Behältnis aller Freude." Alle vedischen Schriften, wie zum Beispiel die Puranas, die Veden, die Upanisaden und das Vedanta-sutra, lehren das Lebewesen, wie es die Stufe des rasa erreichen kann. Im Srimad-Bhagavatam wird gesagt, daß die Darlegungen im Mahapurana (d.h. im Srimad-Bhagavatam selbst) die Essenz der rasas aller vedischen Schriften enthalten. Nigama-kalpa-taror galitam phalam: "Das Bhagavatam ist die Essenz der reifen Frucht am Baum der vedischen Schriften."

Wie uns bekannt ist, gingen mit dem Atem Sri Visnus, der Höchsten Persönlichkeit Gottes, die vier Veden, nämlich der Rg Veda, Sama Veda, Yajur Veda und Atharva Veda, und die Geschichtsbücher von Ihm aus, wie das Mahabharata und alle Puranas, die auch als die Geschichtsbücher der Welt angesehen werden. Diese vedischen Geschichtsbücher, wie die Puranas und das Mahabharata, werden als der fünfte Veda bezeichnet.

Die Verse der Veda-stuti müssen als die Essenz des gesamten vedischen Wissens betrachtet werden. Die vier Kumaras und alle anderen anerkannten Weisen haben vollkommen verstanden, daß hingebungsvoller Dienst im Krsna-Bewußtsein die Essenz aller vedischen Schriften darstellt, und dies verkünden sie auf vielen Planeten, indem sie durch den Weltraum reisen. Es wird gesagt, daß solche Weisen wie Narada Muni fast nie über Land reisen, sondern immer durch den Weltraum.

Weise wie Narada und die Kumaras ziehen durch das Universum, um die bedingten Seelen zu belehren und ihnen zu zeigen, daß ihre Aufgabe in dieser Welt nicht in Sinnenbefriedigung besteht, sondern darin, ihre ursprüngliche Position im hingebungsvollen Dienst der Höchsten Persönlichkeit Gottes wiedereinzunehmen. Wie wir bereits an mehreren Stellen gehört haben, sind die Lebewesen wie die Funken eines Feuers, und die Höchste Persönlichkeit Gottes ist wie das Feuer selbst. Wenn die Funken irgendwie aus dem Feuer springen, verlieren sie ihre natürliche Leuchtkraft. Auf diese Weise wird erklärt, daß die Lebewesen in die materielle Welt kommen wie die Funken, die aus einem großen Feuer fallen. Das Lebewesen möchte Krsna nachahmen und versucht deshalb, über die materielle Natur zu herrschen. Auf diese Weise vergißt es seine ursprüngliche Stellung, so daß seine Leuchtkraft, seine spirituelle Identität, erlischt. Wenn sich das Lebewesen jedoch dem Krsna-Bewußtsein zuwendet, wird es wieder in seine ursprüngliche Stellung erhoben. Die Weisen und Heiligen, wie Narada und die Kumaras, reisen durch das ganze Universum, um den Menschen Unterweisungen zu geben und ihre Schüler anzuregen, den Vorgang des hingebungsvollen Dienstes zu predigen, so daß alle bedingten Seelen die Möglichkeit bekommen, ihr ursprüngliches Bewußtsein, das Krsna-Bewußtsein, wiederzubeleben und auf diese Weise vom materiellen Leben und seinen leidvollen Bedingungen frei zu werden.

Sri Narada Muni ist ein naistika-brahmacari. Es gibt vier Arten von brahmacaris, von denen man die erste Kategorie savitra nennt. Mit savitra bezeichnet man einen brahmacari, der nach seiner Einweihung und der Heiligen-Schnur Zeremonie mindestens drei Tage im Zölibat leben muß. Die zweite Kategorie wird prajapatya genannt und bezieht sich auf den brahmacari, der nach der Einweihung mindestens ein Jahr streng das Zölibat einhält. Des weiteren gibt es den brahma-brahmacari, der von der Einweihung bis zur Vollendung seines Studiums der vedischen Schriften im Zölibat lebt, und schließlich gibt es den brahmacari auf der naistika-Stufe, der sein ganzes Leben lang unverheiratet bleibt. Die ersten drei Arten von brahmacaris werden upakurvana genannt, was bedeutet, daß sie heiraten können, wenn ihre Zeit als brahmacari zu Ende ist. Der naistika-brahmacari jedoch lehnt es völlig ab, jemals Umgang mit dem anderen Geschlecht zu haben. Deshalb sind die Kumaras und Narada als naistika-brahmacaris bekannt. Der Lebensstand des brahmacari ist vor allem deshalb von Vorteil, weil er das Erinnerungsvermögen und die Entschlossenheit stärkt. In diesem Zusammenhang wird besonders darauf hingewiesen, daß sich Narada, da er ein naistika-brahmacari war, an alles erinnern konnte, was er von seinem spirituellen Meister jemals gehört hatte, und es niemals vergaß. Jemand, der sich immer an alles erinnern kann, wird sruta-dhara genannt. Ein sruta-dhara brahmacari ist in der Lage, alles, was er einmal gehört hat, wortwörtlich zu wiederholen, ohne sich mit Notizen oder Büchern behelfen zu müssen. Der große Weise Narada besitzt diese Fähigkeit, und deshalb ist er entsprechend den Unterweisungen Narayana Rsis damit beschäftigt, die Philosophie des hingebungsvollen Dienstes im ganzen Universum zu verkünden. Weil sich solche Weise an alles erinnern können, sind sie sehr große Denker und selbstverwirklichte Seelen, die im Dienst des Herrn verankert sind. Nachdem der große Weise Narada die Anweisungen seines spirituellen Meisters Narayana Rsi gehört hatte, erreichte er die Stufe vollkommener Verwirklichung. Er gewann ungetrübte Einsicht in die Wahrheit, und er wurde so glücklich, daß er Narayana Rsi die in der Folge beschriebenen Gebete darbrachte.

Ein naistika-brahmacari wird auch vira-vrata genannt. Narada Muni sprach Narayana Rsi als Inkarnation Krsnas an und nannte Ihn den höchsten Gönner der bedingten Seelen. In der Bhagavad-gita heißt es, daß Sri Krsna in jedem Zeitalter erscheint, um die Gottgeweihten zu beschützen und die Nichtgottgeweihten zu vernichten. So wurde Narayana Rsi, der ebenfalls eine Inkarnation Krsnas ist, als der wohlmeinende Freund und Gönner aller bedingten Seelen angesprochen. Wie in der Bhagavad-gita gesagt wird, sollte jeder wissen, daß es keinen großmütigeren Gönner als Krsna gibt. Jeder sollte sich dessen bewußt sein und deshalb bei Krsna Zuflucht suchen. Dann wird man stets zuversichtlich und zufrieden sein, da man weiß, daß man jemanden hat, der einen vollkommen beschützen kann. Krsna Selbst, Seine Inkarnationen und Seine vollständigen Erweiterungen sind die höchsten Gönner der bedingten Seelen, ja Krsna ist sogar der Gönner der Dämonen, denn jeder Dämon, der nach Vrndavana kam, um Ihn zu töten, wurde mit der Erlösung gesegnet. Deshalb sind Krsnas wohlmeinende Taten absolut, denn ob Er einen Dämon vernichtet oder einen Gottgeweihten beschützt, ist das gleiche. So wird zum Beispiel beschrieben, daß die Hexe Putana die gleiche Stellung erlangte wie Krsnas Mutter. Deshalb darf man nicht vergessen, daß ein Dämon die höchste Segnung erlangt, wenn er von Krsna getötet wird. Ein reiner Gottgeweihter jedoch wird vom Herrn immer beschützt.

Nachdem Narada Muni seinem spirituellen Meister Ehrerbietungen dargebracht hatte, begab er sich zum asrama Vyasadevas und erzählte die ganze Geschichte seinem Schüler. Nachdem Narada Muni empfangen worden war, wie es ihm gebührte, und in Vyasadevas asrama Platz genommen hatte, wiederholte er vor seinem Schüler alles, was er von Narayana Rsi gehört hatte.

Hiermit beantwortete Sukadeva Gosvami die Frage Maharaja Pariksits nach der Essenz des vedischen Wissens und der endgültigen Schlußfolgerung der Veden. Es ist das höchste Ziel im Leben, nach den transzendentalen Segnungen der Höchsten Persönlichkeit Gottes zu streben und auf diese Weise im liebevollen Dienst des Herrn beschäftigt zu werden. Man sollte in die Fußstapfen Sukadeva Gosvamis und aller anderen Vaisnavas in der Schülernachfolge treten und Sri Krsna, der Höchsten Persönlichkeit Gottes, Hari, achtungsvolle Ehrerbietungen darbringen. Die vier Zweige der Vaisnava-Schülernachfolge, nämlich die Madhva-sampradaya, Ramanuja-sampradaya, Visnusvami-sampradaya und Nimbarka-sampradaya, erklären auf der Grundlage aller vedischen Schlußfolgerungen einstimmig, daß man sich der Höchsten Persönlichkeit Gottes hingeben muß.

Die vedischen Schriften sind in zwei Teile gegliedert, die srutis und die smrtis. Die srutis bestehen aus den vier Veden (Rg, Sama, Atharva und Yajur) und den Upanisaden, und zu den smrtis gehören die Puranas und das Mahabharata, das die Bhagavad-gita enthält. Die Schlußfolgerung all dieser Schriften lautet, daß man wissen muß, daß Sri Krsna die Höchste Persönlichkeit Gottes ist. Er ist der Parampurusa, die Höchste Persönlichkeit Gottes, unter dessen Oberaufsicht sich die materielle Natur bewegt und geschaffen, erhalten und vernichtet wird. Nach der Schöpfung erweitert Sich der Höchste Herr in die drei guna-avataras, Brahma, Visnu und Siva. Sie sind für die drei Erscheinungsweisen der materiellen Natur zuständig, doch die endgültige Führung liegt in Sri Visnus Händen. Der Ablauf aller Geschehnisse in der materiellen Natur steht unter dem Einfluß der drei Erscheinungsweisen, und diese stehen unter der Führung Krsnas, der Höchsten Persönlichkeit Gottes. Dies wird in der Bhagavad-gita mit dem Wort nyadarsana und in den Veden mit dem Ausdruck sa aiksala bestätigt.

Die atheistischen Sankhya-Philosophen behaupten, die materielle kosmische Manifestation habe ihren Ursprung in prakrti und purusa. Sie erklären, daß die Natur und die materielle Energie sowohl die materielle Ursache als auch die bewirkende Ursache seien. In Wahrheit aber ist Krsna die Ursache aller Ursachen. Er ist die Ursache aller materiellen und bewirkenden Ursachen. Prakrti und purusa sind also nicht die höchsten Ursachen. Oberflächlich gesehen, scheint ein Kind aufgrund der Verbindung von Vater und Mutter geboren zu werden, doch die letztliche Ursache des Vaters und der Mutter ist Krsna. Er ist deshalb die ursprüngliche Ursache, die Ursache aller Ursachen, wie dies in der Brahma-samhita bestätigt wird.

Sowohl der Höchste Herr als auch die Lebewesen gehen in die materielle Natur ein. Der Höchste Herr, Sri Krsna, manifestiert Sich durch eine Seiner vollständigen Erweiterungen als Ksirodakasayi Visnu und als Maha-Visnu, die gigantische Form Visnus, die im Ozean der Ursachen liegt. Diese gigantische Gestalt Maha-Visnus erweitert Sich in GarbhodakasayiVisnu, der in jedes Universum eingeht. Von Ihm gehen Brahma, Visnu und Siva aus. Visnu geht in die Herzen aller Lebewesen und in alle materiellen Elemente ein, einschließlich der Atome. Die Brahma-samhita bestätigt dies folgendermaßen: andantarastha-paramanu-cayantara-stham. "Er weilt im Universum wie auch in jedem einzelnen Atom."

Das Lebewesen hat einen kleinen materiellen Körper, der zu einer der verschiedenen Lebensformen und -arten gehört, und ebenso ist das ganze Universum nichts anderes als der materielle Körper der Höchsten Persönlichkeit Gottes. Dieser Körper wird in den sastras als virata-rupa bezeichnet. Ebenso wie das individuelle Lebewesen seinen Körper aufrechterhält, so erhält die Höchste Persönlichkeit Gottes die gesamte Schöpfung und alles, was in ihr existiert. Sobald das individuelle Lebewesen seinen materiellen Körper verläßt, vergeht dieser, und ebenso vergeht die gesamte kosmische Manifestation, wenn Sri Visnu sie verläßt. Nur dann, wenn sich das Lebewesen der Höchsten Persönlichkeit Gottes ergibt, ist ihm die Befreiung vom materiellen Dasein gewiß. Dies wird in der Bhagavad-gita bestätigt: mam eva ye prapadyante mayam etam taranti te.

Deshalb erlangt man nur durch Hingabe zur Höchsten Persönlichkeit Gottes, und durch nichts anderes, Befreiung. Auf welche Weise das Lebewesen, das sich der Höchsten Persönlichkeit Gottes hingibt, von den Erscheinungsweisen der materiellen Natur befreit wird, verdeutlicht das Beispiel vom schlafenden Mann: Ein schlafender Mann kann von jedem gesehen werden, doch in Wirklichkeit befindet er sich nicht in seinem Körper, denn während er schläft, vergißt er sein körperliches Dasein, obwohl andere sehen können, daß sein Körper immer noch anwesend ist. Ähnlich verhält es sich mit einem befreiten Menschen, der sich dem hingebungsvollen Dienst des Herrn widmet. Die Menschen sehen vielleicht, wie er sich mit den Familienpflichten der materiellen Welt befaßt, doch weil sein Bewußtsein ganz auf Krsna gerichtet ist, lebt er nicht in der materiellen Welt. Seine Tätigkeiten befinden sich auf einer anderen Ebene, genau wie sich die Tätigkeiten eines Schlafenden von denen seines Körpers unterscheiden. In der Bhagavad-gita wird bestätigt, daß ein Gottgeweihter, der sein ganzes Leben dem transzendentalen liebevollen Dienst des Herrn geweiht hat, den Einfluß der drei Erscheinungsweisen der materiellen Natur bereits überwunden hat. Er befindet sich bereits auf der Brahman-Ebene des spirituellen Bewußtseins, auch wenn es den Anschein hat, als lebe er noch im Körper oder in der materiellen Welt.

In diesem Zusammenhang schreibt Srila Rupa Gosvami in seinem Bhakti-rasamrta-sindhu: Wenn es jemandes einziger Wunsch ist, der Höchsten Persönlichkeit Gottes zu dienen, dann muß er, unabhängig von den Umständen, in denen er sich befindet, als jivan-mukta angesehen werden, das heißt, er ist schon in seinem gegenwärtigen Körper befreit, obwohl er sich noch in der materiellen Welt befindet. Daraus geht also hervor, daß jemand, der sich vollkommen dem Krsna-Bewußtsein geweiht hat, eine befreite Seele ist. Eine solche Persönlichkeit hat im Grunde nichts mehr mit der materiellen Welt zu schaffen. Diejenigen, die nicht Krsna-bewußt sind, werden entweder als karmis oder als jnanis bezeichnet; sie bewegen sich auf der körperlichen und mentalen Ebene und sind daher nicht befreit. Ihre Lage beschreibt man mit den Worten kaivalya-nirasta-yoni. Ein Mensch jedoch, der sich auf der transzendentalen Ebene befindet, wird vom Kreislauf der Geburten und Tode befreit. Dies wird im Vierten Kapitel der Bhagavad-gita bestätigt. Wenn man einfach nur das transzendentale Wesen Krsnas, der Höchsten Persönlichkeit Gottes, kennt, wird man von den Ketten der wiederholten Geburten und Tode frei und geht nach dem Verlassen des gegenwärtigen Körpers zurück nach Hause, zurück zu Gott. So lautet die Schlußfolgerung aller Veden. Wenn man die Gebete der Veden in Person verstanden hat, sollte man sich den Lotosfüßen Sri Krsnas hingeben.

Hiermit enden die Bhaktivedanta-Erläuterungen zum 86. Kapitel des Krsna-Buches: "Die Gebete der Veden in Person".