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Die Transzendentalen Spiele Sri Krishnas
Von Seiner Heiligkeit A.C. Bhaktivedanta Swami Prabhupada

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55. Kapitel: Die Geschichte vom Syamantaka-Juwel


Es lebte einst in der Provinz von Dvaraka-dhama ein König mit Namen Satrajit. Er war ein großer Geweihter des Sonnengottes, der ihm als Segnung das berühmte Syamantaka-Juwel schenkte. Dieses Syamantaka-Juwels wegen kam es zwischen König Satrajit und der Yadu-Dynastie zu Unstimmigkeiten, die später jedoch von Satrajit geklärt wurden, indem er Krsna von sich aus das Juwel zusammen mit der Hand seiner Tochter Satyabhama anbot. Im Zusammenhang mit der Geschichte des Syamantaka-Juwels heiratete Krsna neben Satyabhama auch noch Jambavati, die Tochter Jambavans. Diese beiden Heiraten hatten noch vor Pradyumnas Erscheinen stattgefunden, von dem im letzten Kapitel berichtet wurde. Im Folgenden wird nun geschildert, wie König Satrajit die Yadu-Dynastie beleidigte und wie er wieder zur Vernunft kam und Krsna seine Tochter und das Juwel übergab.

Da König Satrajit ein großer Geweihter des Sonnengottes war, entwickelte sich nach und nach eine freundschaftliche Beziehung zwischen ihm und dem Sonnengott. Dieser war schließlich mit Satrajit so zufrieden, daß er ihm das einzigartige Syamantaka-Juwel schenkte. Wenn Satrajit diesen Edelstein in ein Medaillon gefaßt um den Hals trug, sah er aus wie ein zweiter Sonnengott. Geschmückt mit diesem Juwel, betrat er manchmal die Stadt Dvaraka, worauf die Leute glaubten, der Sonnengott sei in ihre Stadt gekommen, um Krsna zu besuchen. Sie wußten, daß Krsna als die Höchste Persönlichkeit Gottes manchmal von den Halbgöttern besucht wurde; deshalb wurde König Satrajit, als er die Stadt Dvaraka besuchte, von allen Einwohnern außer Krsna für den Sonnengott gehalten. Obwohl König Satrajit jedem bekannt war, konnte ihn wegen der gleißenden Ausstrahlung des Syamantaka-Juwels niemand erkennen.

Als König Satrajit also eines Tages nach Dvaraka kam, gingen einige der angesehensten Bürger, die ihn für den Sonnengott hielten, sofort zu Krsna und berichteten Ihm, daß der Sonnengott gekommen sei, um Ihn zu besuchen. Krsna spielte gerade Schach, als einer dieser angesehenen Bürger vor Ihn trat und sprach: "O Herr, Sri Narayana, Du bist die Höchste Persönlichkeit Gottes. In Deiner vollständigen Teilerweiterung als Narayana, Visnu, hast Du vier Hände, in denen Du verschiedene Symbole hältst - Muschelhorn, Feuerrad, Keule und Lotosblume. Du bist der eigentliche Besitzer aller Dinge, doch obwohl Du die Höchste Persönlichkeit Gottes, Narayana, bist, bist Du in Vrndavana als der Sohn Yasodamatas erschienen. Manchmal fesselte Dich Deine Mutter mit Stricken, weshalb Du auch als Damodara gepriesen wirst."

Daß Krsna die Höchste Persönlichkeit Gottes, Narayana, ist, wie es von allen Bürgern von Dvaraka anerkannt wurde, wurde später auch von Sankaracarya, dem großen philosophischen Führer der Mayavadis, bestätigt. Obwohl er den unpersönlichen Aspekt des Herrn beschrieb, leugnete er niemals Seine persönliche Gestalt. Was Sankara tatsächlich sagen wollte, war, daß alles, was in der materiellen Welt Form hat, Schöpfung, Erhaltung und Vernichtung unterliegt, daß jedoch Narayana, die Höchste Persönlichkeit Gottes, keine materielle Form hat, die diesen Begrenzungen unterworfen ist. Um die weniger intelligenten Menschen, die Krsna für einen gewöhnlichen Sterblichen halten, zu belehren, sagte Sankaracarya, Gott sei unpersönlich. Diese "Unpersönlichkeit" bedeutet, daß Er keine Person der materiellen, bedingten Welt ist - Er ist eine transzendentale Persönlichkeit, deren Körper nicht materiell ist.

Die Bürger von Dvaraka bezeichneten Sri Krsna nicht nur als Damodara, sondern auch als Govinda, was darauf hinweist, daß Krsna den Kühen und Kälbern sehr zugetan ist; und um auf die enge Beziehung hinzuweisen, die zwischen ihnen und dem Herrn bestand, nannten sie Ihn auch Yadunandana, denn Er war als Sohn Vasudevas in der Yadu-Dynastie geboren worden. Schließlich priesen sie Krsna auch als den Herrn des gesamten Universums. So wandten sie sich auf verschiedene Weise an Krsna und waren stolz, Bürger von Dvaraka zu sein, die Krsna täglich sehen durften.

Als Satrajit Dvaraka besuchte, verspürten die Bürger großen Stolz bei dem Gedanken, daß die Halbgötter persönlich herbeikamen, um Krsna zu besuchen, obwohl Er in Dvaraka wie ein gewöhnlicher Mensch lebte. Sie berichteten Krsna also, der Sonnengott mit seiner herrlichen körperlichen Ausstrahlung sei zu Besuch gekommen. Die Bürger sagten weiter, daß es eigentlich nichts Besonderes sei, wenn der Sonnengott nach Dvaraka komme, denn jeder im Universum, der nach der Höchsten Persönlichkeit Gottes suche, wisse ja, daß Er in der Yadu-Dynastie erschienen sei und als ein Mitglied dieser Familie in Dvaraka lebe. Mit diesen Worten brachten die Bürger ihre Freude zum Ausdruck, doch Krsna, die alldurchdringende Persönlichkeit Gottes, lächelte nur, als Er diese Nachricht hörte. Erfreut über die Bürger Dvarakas, erklärte Er ihnen, daß die Person, die sie Ihm als Sonnengott beschrieben, in Wirklichkeit König Satrajit sei, der in die Stadt Dvaraka gekommen sei, nur um seinen Reichtum in Form des kostbaren Juwels, das er vom Sonnengott bekommen hatte, zur Schau zu stellen.

Satrajit jedoch dachte nicht daran, Krsna besuchen zu gehen; vielmehr war er von dem Juwel so betört, daß er es in einem Tempel von brahmanas verehren ließ, die er eigens zu diesem Zweck anstellte. Dies ist ein typisches Beispiel eines unintelligenten Menschen, der etwas Materielles verehrt. In der Bhagavad-gita wird erklärt, daß weniger intelligente Menschen, die von ihren fruchtbringenden Tätigkeiten sofortige Ergebnisse erwarten, die Halbgötter verehren, die ebenfalls Geschöpfe dieses Universums sind. Das Wort "Materialist" bezeichnet jemanden, der in der materiellen Welt nach Sinnenbefriedigung sucht. Obwohl Krsna König Satrajit später um das Juwel bat, wollte dieser es nicht herausgeben, sondern ließ es in einem Tempel verehren. Und wer hätte dieses Juwel nicht verehrt? Das Syamantaka-Juwel war so mächtig, daß es täglich eine große Menge Gold hervorbrachte. Die Maßeinheiten für Gold waren damals bhara und mound. Nach vedischen Maßen entspricht ein bhara etwa 15 Pfund Gold, und ein mound entspricht 75 Pfund. Dieses Juwel erzeugte täglich ungefähr 155 Pfund Gold. Außerdem erfahren wir aus den vedischen Schriften, daß überall dort, wo dieses Juwel verehrt wird, keine Hungersnot und kein Elend, wie Pest oder Krankheit, ausbrechen können.

Sri Krsna wollte die Weit lehren, daß das Beste von allem demjenigen dargebracht werden sollte, der das Land regiert. Damals war Krsnas Großvater, König Ugrasena, das Oberhaupt vieler Dynastien; deshalb ersuchte Krsna Satrajit, König Ugrasena das Juwel zu schenken, und wies darauf hin, daß das Beste dem König dargebracht werden sollte. Doch Satrajit war als Verehrer der Halbgötter zu materialistisch geworden, als daß er Krsnas Bitte nachgekommen wäre, und er hielt es für weiser, das Juwel zu verehren und so täglich 155 Pfund Gold zu bekommen. Materialistische Menschen, die jeden Tag so viel Gold bekommen können, wollen nichts vom Krsna-Bewußtsein wissen. Um einem solchen Materialisten Seine besondere Gunst zu erweisen, nimmt ihm Krsna manchmal all seinen materiellen Reichtum weg und macht ihn zu einem großen Gottgeweihten. Doch Satrajit sträubte sich dagegen, Krsnas Anweisungen zu gehorchen, und gab das Juwel nicht her.

Kurze Zeit danach nahm Satrajits jüngerer Bruder, Prasena, der sich mit dem Reichtum seiner Familie brüsten wollte, das Juwel, hängte es sich um den Hals und ritt voller Stolz auf einem Pferd in den Wald. Als Satrajits Bruder auf diese Weise quer durch den Wald spazierenritt, wurde er plötzlich von einem riesigen Löwen angefallen, der Pferd und Reiter tötete und das Juwel in seine Höhle trug. Dieser Vorfall kam Jambavan, dem Gorillakönig, zu Ohren, der daraufhin den Löwen in dessen Höhle tötete und das Juwel an sich nahm. Jambavan war schon seit dem Erscheinen des Herrn als Sri Ramacandra ein großer Gottgeweihter, und so konnte er mit dem Stein nicht viel anfangen, sondern gab ihn seinem kleinen Sohn zum Spielen.

Als Prasena mit dem Juwel im Wald verschollen blieb und nicht zurückkehrte, wurde Satrajit in der Stadt sehr aufgebracht. Er ahnte nicht, daß sein jüngerer Bruder von einem Löwen getötet worden war, der dann seinerseits von Jambavan getötet wurde. Statt dessen glaubte er, Krsna habe Prasena das Juwel mit Gewalt abgenommen und seinen Bruder dann umgebracht, denn Krsna habe das Juwel ja schon immer begehrt, bis jetzt aber noch nicht bekommen können. Dieser Verdacht entwickelte sich zu einem Gerücht, das Satrajit in jedem Winkel Dvarakas verbreitete.

Das Gerücht, Krsna habe Prasena getötet und das Juwel an Sich genommen, verbreitete sich wie ein Lauffeuer. Weil es Krsna nicht gefiel, auf diese Weise verleumdet zu werden, beschloß Er, zusammen mit ein paar Einwohnern Dvarakas Selbst in den Wald zu gehen, um das Syamantaka-Juwel wiederzufinden. Begleitet von ein paar wichtigen Bürgern Dvarakas, machte Sich Krsna auf die Suche nach Prasena, Satrajits jüngerem Bruder, und bald schon stieß Er auf dessen Leichnam, der von dem Löwen zerrissen worden war. Wenig später fand Krsna auch den Löwen, der von Jambavan, der im allgemeinen auch als Rksa bekannt ist, getötet worden war. Man konnte sehen, daß Jambavan den Löwen ohne eine Waffe, mit bloßen Händen, getötet hatte. Schließlich stießen Krsna und Seine Begleiter im Wald auf einen großen unterirdischen Gang, von dem es hieß, daß er zu Rksas Behausung führe. Da Krsna wußte, daß sich die Bürger Dvarakas fürchten würden, den Tunnel zu betreten, bat Er sie, draußen auf Ihn zu warten, worauf Er allein in das dunkle Innere vordrang, um Rksa, Jambavan, zu finden. Am anderen Ende des Tunnels angekommen, sah Krsna, daß Rksas Sohn mit dem unvergleichlich kostbaren Syamantaka-Juwel spielte, und so trat Er vor das Kind, um ihm das Juwel fortzunehmen. Die Amme, die Rksas Kind behütete, erschrak entsetzlich, als Krsna so plötzlich vor ihr auftauchte, denn sie befürchtete, daß Er das wertvolle Juwel an Sich nehmen wollte. Aus Furcht begann sie laut zu schreien.

Auf die Schreie der Amme hin stürzte Jambavan wutentbrannt herbei. Eigentlich war er ein großer Gottgeweihter, doch blind vor Zorn, konnte er seinen Meister nicht erkennen, sondern hielt Ihn für einen gewöhnlichen Menschen. Dies erinnert an einen Vers in der Bhagavad-gita, in dem der Herr Arjuna die Anweisung gibt, frei von Zorn, Gier und Lust zu werden, um so auf die spirituelle Ebene zu gelangen. Lust, Zorn und Gier entstehen im Herzen eines Lebewesens gleichzeitig und behindern jeglichen Fortschritt auf dem spirituellen Pfad.

Weil Jambavan seinen Meister nicht erkannte, forderte er Ihn sogleich heraus, und so entbrannte zwischen ihnen ein fürchterlicher Zweikampf, in dem sie sich wie zwei feindliche Geier aufeinanderstürzten. Wenn Geier einen Kadaver finden, kommt es zwischen ihnen sogleich zu einem erbitterten Kampf. Krsna und Jambavan fochten zunächst mit Waffen, dann bekämpften sie sich mit Steinen und danach mit großen Bäumen, dann stürzten sie sich mit bloßen Händen aufeinander, bis sie schließlich mit Fausthieben, so hart wie Blitze, aufeinander einschlugen. Jeder war entschlossen, den anderen zu besiegen, doch der Kampf zog sich über viele Tage und Nächte hin. So kämpften sie ohne Unterbrechung achtundzwanzig Tage lang.

Obwohl Jambavan das stärkste Lebewesen seiner Zeit war, erlahmten ihm schließlich die Glieder, und seine Kräfte verließen ihn, da er unablässig von Krsnas Fäusten geschlagen wurde. Der erschöpfte und schweißüberströmte Jambavan fragte sich voll Verwunderung, wer wohl sein Gegner sein mochte, der ihm an Kraft so weit überlegen war. Jambavan war sich über seine übermenschlichen Körperkräfte bewußt, und als ihm unter Krsnas Faustschlägen allmählich die Kräfte schwanden, erkannte er, daß Krsna kein anderer war als sein verehrter Herr, die Höchste Persönlichkeit Gottes. Dieser Punkt ist für die Gottgeweihten von besonderer Bedeutung. Anfänglich konnte Jambavan Krsna nicht erkennen, da seine Sicht von materieller Anhaftung verdeckt war. Er hing nämlich überaus stark an seinem Sohn und dem wertvollen Syamantaka-Juwel, und deshalb war er auch nicht gewillt, dieses Juwel Krsna zu überlassen. Er ging sogar so weit, daß er auf Krsna zornig wurde, weil er dachte, Krsna sei gekommen, um ihm das Juwel zu stehlen. Das ist der Zustand materieller Bedingtheit; Fähigkeiten wie außergewöhnliche Körperkraft können einem nicht helfen, Krsna zu verstehen.

Krsna wollte aus Freude am Kämpfen einen Scheinkampf mit Seinem Geweihten austragen. Wie wir aus dem Srimad-Bhagavatam erfahren, besitzt die Höchste Persönlichkeit Gottes alle Neigungen und Fähigkeiten eines Menschen. Manchmal möchte Er daher, wie aus einer sportlichen Neigung heraus, auch kämpfen, um Seine Körperkraft zu zeigen, und wenn Er den Wunsch dazu hat, wählt Er Sich einen geeigneten Gottgeweihten als Gegner aus, der Ihn im Kampf erfreuen darf. In diesem Falle hatte Er Jambavan für Sein Kampfspiel auserwählt. Obwohl Jambavan in Wirklichkeit ein Gottgeweihter war, fehlte ihm das Wissen über Krsna, als er Ihm mit seiner Körperkraft diente; doch als Krsna mit Seinem Kämpfen zufrieden war, erkannte Jambavan augenblicklich, daß sein Gegner niemand anders sein konnte als der Höchste Herr Selbst. Dies bedeutet, daß er Krsna dank seines Dienstes verstehen konnte. Mit anderen Worten, manchmal wird Krsna auch durch Kämpfen zufriedengestellt.

Jambavan sagte deshalb zum Herrn: "O Herr, ich erkenne jetzt, wer Du bist. Du bist die Höchste Persönlichkeit Gottes, Sri Visnu, der Ursprung aller Kraft, allen Reichtums, allen Ruhms, aller Schönheit, allen Wissens und aller Entsagung." Dies wird auch im Vedanta-sutra bestätigt, wo erklärt wird, daß der Höchste Herr der Ursprung aller Dinge ist. Jambavan erkannte Sri Krsna als die Höchste Persönlichkeit, Sri Visnu: "Lieber Herr, Du bist der Schöpfer aller untergeordneten Schöpfer innerhalb des Universums." Diese Aussage ist sehr lehrreich für den gewöhnlichen Menschen, der dazu neigt, die Taten eines Menschen mit überdurchschnittlicher Intelligenz zu bewundern. Die Menschen sind sehr beeindruckt von den Erfindungen eines großen Wissenschaftlers, aber wie die Aussage Jambavans bestätigt, ist derjenige, der als Wissenschaftler wundervolle Dinge schafft, seinerseits von Krsna erschaffen worden, und Krsna ist nicht nur der Schöpfer eines einzigen Wissenschaftlers, sondern von Millionen und Abermillionen überall im Universum. Jambavan sagte weiter: "Du bist nicht nur der Schöpfer der Schöpfer, sondern auch der Schöpfer der materiellen Elemente, die von den sogenannten Schöpfern verwendet werden." Die Wissenschaftler arbeiten mit den materiellen Elementen und den Gesetzen der materiellen Natur und schaffen auf diese Weise etwas Wunderbares, doch im Grunde sind diese Gesetze und Elemente, genau wie alles andere, Schöpfungen Krsnas. Diese Sicht muß man entwickeln, wenn man tatsächlich wissenschaftlich sein will. Unintelligente Menschen fragen sich niemals, wer das Gehirn des Wissenschaftlers erschaffen hat, es genügt ihnen, die Produkte und Erfindungen der Wissenschaftler zu bestaunen.

"Lieber Herr", fuhr Jambavan fort, "der Zeitfaktor, der die materiellen Elemente verbindet, ist ebenfalls Dein Repräsentant. Du Selbst bist der höchste Zeitfaktor, durch den die gesamte Schöpfung hervorgebracht, erhalten und schließlich vernichtet wird. Und nicht allein die materiellen Elemente und die Zeit, sondern auch die Menschen, die sich die Elemente und die Vorteile der Schöpfung zunutze machen, sind Bestandteile von Dir. Das Lebewesen kann daher kein unabhängiger Schöpfer sein. Wenn man all diese Faktoren mit dem richtigen Verständnis analysiert, wird man unweigerlich zum Schluß kommen, daß Du der höchste Beherrschende und der Herr über alles bist. Lieber Herr, deshalb habe ich erkannt, daß Du derselbe Höchste Herr bist, den ich als Sri Ramacandra verehre. Mein Meister, Sri Ramacandra, wollte einmal eine Brücke über den Ozean bauen, und ich sah mit eigenen Augen, wie der gewaltige Ozean durch Seinen bloßen Blick aufgewühlt wurde. Und als der gesamte Ozean in Aufruhr geriet, erschraken alle Wasserlebewesen, sogar die Wale, Alligatoren und timingila-Fische*. Durch Ramacandras Blick wurde der Ozean gezwungen, sich zu teilen und ihm so den Weg nach Lanka** freizugeben. Auch heute noch kennt jeder die Geschichte dieser Brücke, die sich vom Kap Comorin über den Ozean bis nach Sri Lanka erstreckte. Nach dem Bau dieser Brücke wurde das gesamte Königreich Ravanas in Brand gesetzt, und dabei kam es zu einem Kampf mit Ravana, in dem jedes einzelne von Ravanas Gliedern von Deinen scharfen Pfeilen durchbohrt und zerfetzt wurde, und sein Kopf rollte über das Antlitz der Erde. Nun verstehe ich, daß Du kein anderer sein kannst als mein Meister, Sri Ramacandra. Niemand sonst besitzt solch unermeßliche Kraft; niemand außer Dir hätte mich auf diese Weise besiegen können."

Jambavans Gebete und Lobpreisungen erfreuten Sri Krsna sehr, und um dessen Schmerzen zu lindern, strich Er mit Seinen lotosgleichen Handflächen über Jambavans Körper. Sofort fühlte sich Jambavan von den Strapazen des langen Kampfes befreit. Darauf sprach Krsna ihn als "König Jambavan" an, denn im Grunde war Jambavan der König des Waldes, und nicht der Löwe, den er mit der bloßen Hand, ohne irgendwelche Waffen, getötet hatte. Dann erklärte Krsna Jambavan, daß Er gekommen sei, um ihn um das Syamantaka-Juwel zu bitten, denn nachdem dieses Juwel verschwunden sei, hätten unintelligente Menschen Seinen Namen in Verruf gebracht. Krsna sagte ihm ganz offen, daß Er den Edelstein brauche, um all diese Verleumdungen aus der Welt schaffen zu können. Jambavan sah dies auch sogleich ein, und um den Herrn zufriedenzustellen, übergab er Ihm sofort das Syamantaka-Juwel, und nicht nur das, er stellte Krsna auch seine Tochter Jambavati vor, die gerade im heiratsfähigen Alter war, und gab sie Ihm zur Frau.

Die ganze Begebenheit, wie Krsna Jambavati heiratete und das Syamantaka-Juwel wiedererlangte, hatte sich in Jambavans Berghöhle abgespielt, und mittlerweile waren achtundzwanzig Tage vergangen. Die Bürger Dvarakas hatten zwölf Tage lang vor dem Höhleneingang gewartet, und danach waren sie sich einig gewesen, daß etwas Furchtbares geschehen sein mußte. Ohne zu wissen, was in Wirklichkeit vor sich ging, waren sie, zutiefst niedergeschlagen und ermattet, nach Dvaraka zurückgekehrt.

Die gesamte Familie Krsnas, insbesondere Seine Mutter Devaki, Sein Vater Vasudeva und Seine erste Frau Rukmini sowie alle anderen Freunde, Verwandten und Palastbewohner waren bestürzt, als die Bürger ohne Krsna in die Stadt zurückkehrten. In ihrer natürlichen Zuneigung zu Krsna begannen sie verzweifelt, Satrajit zu verwünschen, denn er war an Krsnas Verschwinden schuld. Sie gingen in den Tempel der Göttin Candrabhaga, um sie zu verehren und Krsnas Rückkehr zu erflehen. Die Göttin war mit den Gebeten der Bürger von Dvaraka zufrieden und gab ihnen sogleich ihren Segen. Genau in diesem Augenblick erschien Krsna zusammen mit Seiner neuen Frau Jambavati in Dvaraka. Die Bewohner der ganzen Stadt und Krsnas Verwandte brachen allesamt in Jubel aus, und ihr Glück kannte keine Grenzen, genau wie es der Fall ist, wenn man einen geliebten Menschen, den man bereits tot glaubte, wiedersieht. Ebenso hatten die Bürger Dvarakas, die glaubten, Krsna sei im Kampf in große Bedrängnis geraten, im Laufe der Zeit fast alle Hoffnung aufgegeben, daß Krsna jemals wieder zurückkehren würde. Doch als sie sahen, daß Krsna tatsächlich zurückgekehrt war, und nicht einmal allein, sondern mit einer neuen Gemahlin, Jambavati, veranstalteten sie sogleich eine weitere Hochzeitsfeier.

König Ugrasena berief daraufhin eine Versammlung aller bedeutenden Könige und Fürsten ein. Auch Satrajit befand sich unter den geladenen Gästen, und Krsna schilderte der ganzen Versammlung, wie Er das Syamantaka-Juwel aus Jambavans Höhle zurückgeholt hatte. Er schloß, indem Er König Satrajit das Juwel zurückgab. Satrajit jedoch war zutiefst beschämt, weil er Krsna zu Unrecht verleumdet hatte. Schweigend und mit gesenktem Haupt nahm er das Juwel entgegen und verließ wortlos die Versammlung, um nach Hause zurückzukehren. Zu Hause angekommen, überlegte er, wie er seine Schandtat wiedergutmachen könne. Ihm war klar, daß er gegen Krsna ein schweres Vergehen begangen hatte und daß er sich irgend etwas einfallen lassen mußte, um Krsna wieder zu erfreuen und Seine Gunst zu erlangen. Es war König Satrajit also sehr daran gelegen, sich aus seiner unangenehmen Lage zu befreien, in die er sich törichterweise selbst gebracht hatte, da er sich von einem materiellen Gegenstand wie dem Syamantaka-Juwel hatte betören lassen. Dem König ging es sehr nahe, daß er ein Vergehen gegen Krsna begangen hatte, und er wünschte sich aufrichtig, es wiedergutzumachen. Deshalb gab ihm Krsna von innen her die nötige Intelligenz, so daß Satrajit zum Schluß kam, Krsna nicht nur das Juwel zu übergeben, sondern auch seine bildhübsche Tochter Satyabhama. Dies war für ihn die einzige Möglichkeit, das Problem zu lösen, und so ließ er die Hochzeitszeremonie vorbereiten, bei der er dann der Höchsten Persönlichkeit Gottes sowohl das Juwel als auch seine Tochter schenkte. Satyabhama war so schön und tugendhaft, daß Satrajit bereits eine Unzahl von Prinzen, die um ihre Hand angehalten hatten, zurückgewiesen hatte, und so hatte er fortgesetzt gehofft, einen Schwiegersohn zu finden, der seiner Tochter würdig war. Durch Krsnas Gnade beschloß er nun, die Hand seiner Tochter Krsna zu übergeben. Weil Sri Krsna mit Satrajit sehr zufrieden war, teilte Er ihm mit, daß Er für das Syamantaka-Juwel keine Verwendung habe. "Es ist besser, das Juwel im Tempel zu lassen, wo du es bereits zuvor aufbewahrt hast", sagte Er. "So wird jeder von uns seinen Nutzen aus diesem Juwel ziehen, denn in seiner Gegenwart wird es hier in Dvaraka weder Hungersnöte noch andere Störungen, wie Pest, übermäßige Hitze oder Kälte, geben."

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 * Timingila-Fische sind so riesig, daß sie große Wassertiere, selbst Wale, mit einem Mal verschlingen können.
** vermutlich Ceylon

Hiermit enden die Bhaktivedanta-Erläuterungen zum 55. Kapitel des Krsna-Buches: "Die Geschichte vom Syamantaka-Juwel".